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Jüdische Rundschau · 1921-05-10 · Heft 37 (10.5.1921) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 37 (10.5.1921)
Date
1921-05-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 258 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 37 geradezu ausschlaggebender Bedeutung für die ziolustrsclie Arbeit smd die Erklärungen Weidmanns auf der Jalireskonferenz, die durch die letzten Churchill- Reden und die englische Presse unterstrichen wurden, daß die nächsten zwei oder drei Jahre darüber entscheiden werden, ob Palästina jüdisch werden kann oder nicht, weil die englische Politik sich daran Italien wird, ob die zionistischen Versprechungen wahr gewesen sind oder nicht. Damm ist es eine Selbsttäuscliung, wenn wir uns damit vertrösten wollen, daß wir das Cickl auch von Nichtzionisten nehmen wollen, bzw. bekommen werden. Mit Geld wird Palästina nicht aufgebaut werden, und deshalb ist es auch in diesem Zusammenhang wichtig, auf die fundamentale Notwendigkeit, neue Menschen zu gen׳ innen, erneut liinziiweiscn. Denn es gibt niemand viel Geld für eine Sache, der er nicht mit dem Herzen anhängt. Diese Menschen brüderlich zu g e w i 11 ji 0 n, 11111 sie dauernd z u w erbe 11, d a s verlangt eine neue Mentalität der dcutsehen Zionisten. Täuschen wir uns nicht! Wir 11 ahen im harten Kampf um die Hereclitigimg der Zionsidee in Deutschland so manchen Fehler gemacht, manche. Lieblosigkeit in der Agitation wurde so allgemach Attribut unserer Kampfesweise. Gewiß, die deutschen Juden haben ihre Zionisten schlecht behandelt, verdächtigt urnl niedergchalten, aber ihre Art, zu kiimpfeu, hat auf uns nbgcfiirbt - Politik verdirbt, sagen wir, manche guten Sitten. Und wenn jene sich das leisten durften, konnten wir sie entschuldigen, sie wußten nicht, was sie taten. Wir aber hätten hier Zukunftspolitik machen müssen. Darum halte ich auch die neue Parole, welche jetzt in der Keren Haj e s s od-A k t i o n a us g c g cbe n wird, für völlig 1111 zu Iii 11 g 1 ic 11, obwohl sie beschränkte Erfolge zeitigen kann, nämlich die von der ״Bii nd 1! i spo liti k für d e n Ke re n H a j es sad“. Diese These zeugt ebenso von dem Mangel an Balligkeit, sich in die Psychologie anderer Menschen cinzufühlcn, wie ihn das dcmsclie Volk gegenüber den anderen Völkern noch heute aufweist. Auch hier sollten wir lernen. Warum ist jene Parole falsch? Nun, weil sie zwar denen einleuditcn wird, die im Kampf gegen uns dauernd gestanden und daher mehr oder weniger von einigen unserer Argumente gelernt haben, bie werden vielleicht eine goldene Brücke darin sehen, wenn wir ihnen sagen: l)u brauchst deiner Ueber/.engung kein Opfer zu bringen und kannst Keren Haiessod aL» allgemein-jüdische Angelegenheit betrachten. Aber diese Methode ist kurzsichtig und gefährlich: Erstens 1macht sie der Propaganda für den Anseliluß an die Zionistische B c w e g u 11 g praktisch ein Ende, man setzt, sozusagen, den Preis der Bündnisfälligkeit auf die nichtzioiiistisclie Gesiunmig. Vor allein aber kann es nie gelingen, die jüdische Menge für die Palästinaarbeit und für den Keren llajessod auf diese Weise zu gewinnen, Demi in der deutschen Judeuheit ist cs nicht so, daß auf der einen Seite wir, auf der anderen die Assimilantcn, auf der dritten die Orthodoxie stellt. Wie überall im politischen Leben, liegen auch liier mir Oberflächen- Wirkungen vor. Nur dünne Schichten sind interessiert; zahlenmäßig etwa wird das jüdische Leben rcpräscu- 11c rt durch 3ÜÜ0 wirklich interessierte Zionisten, 5000 Zentralvereinler bzw. Liberale, 5000 Orthodoxe, Die doppelten Zahlen bilden die Menge der Noch-Infor- 1 niertcn, die große Menge ist die Partei׳ der Unberührten der Scheuen, die hin und wieder etwas hören und die ganz verschieden zu den einzelnen Grundfragen disponieren. Diese Masse, unter der wir täglich die wertvollsten Bekanntschaften machen, kann man nicht mit derlei Parolen fangen, Parolen, die aus dem K a 111 p f d e r p o 1 i t i s c 11 e n T a k t i k 11 e. r g e 1 e i t e t sind. Gewiß, manche wenn auch dünne Schichten im deutschen Judentum sind für uns verloren, ihr Judentum bestellt im wesentlichen aus ihrem Kampf um ihr Deutschtum. Aber ihre. Mitläufer au« gut jüdischen Kreisen, die nach meiner Uebcrz.euguiig die kompakte Mehrheit der großen jüdischen Verbände bilden, sind jüdischen fnstink’cn zugänglich, sie sind es, wenn man nicht dauernd den Finger in d i e Wunde hält, die den deutschen Juden in seiner Sucht zur Analyse fortgesetzt beschäftigt -- siehe sein Verhältnis zum Deutschtum, Wie sehr diese Frage die deutsche Judcnheit beschäftigt, sehen wir aus den Erzeugnissen der jüngsten Zeit: der I Gründung des Verbandes der »ationaldeiitsclien Juden 1 und dem neuen Buch von Jacob Wassermann: Mein Weg als Deutscher und Jude. Daß aber auf unserer Seite hier — natürlich mir von einzelnen gesündigt worden ist, darf nicht geleugnet werden. Dinge und Fehler, die mau selbst allzugern vergiß!, weil sie unbequem, sind, sind deshalb von anderen noch nicht vergessen. Und cs liegt meines Erachtens eine, verhängnisvolle geistige Disposition bei einer vielleicht kleinen, aber tun so aktiveren Gruppe von Gesinnungsgenossen vor, die ihren Niederschlag gefunden hat in jenem traurigen Artikel kurz nach der Revolution zu den erden Wahlen, weiter in der Propagicrmvg der Entwur/cliingsthcorie und zuletzt in jener neuesten Entgleisung in der ״J. R.“, die einen italienisehen Gesinnungsgenossen ironisierte, weil er von seinem ״geliebten italienischen Vaterland“ zu sprechen wagte. 1. *u* 1!,11'1■'1י keinen Umständen den Anschein gewinnen, ats ob in solchen Meinungsäußerungen System läge, und deshalb halte icl1_ es für Pflicht, sie an dieser ,l1’0.־ btoßziistellen. Für uns gilt es, den Weg zum 1 ״ jüdischen Gesamtheit wicdcrzuflivden auf 1״IK v0״ unser aller Solidarität, Diese Be.rriff dcs >u,dischm Volkes ist kein leerer ticlii• ,'101!״d'C1" bisher das einzig wirk 11 cae unti wirksame Instrument all ge meinen jüdis ch e ״ glaube oder Ha/ndeurpolitik schhmmsier Art1• Cs kann im Rahmen dieses Artikels nicht im einzelnen <Tcs״1־t werden wie diese Erkenntnis auswuutzt werden kann, sie ergibt sieh aus der geforderten neuen geistigen Einstellung. . ״״um׳ Und weil die drängende Eile die jüdische Politik bestimmt - welch ein Glück, daß cs so ist, sonst wurden Jahre für diese Auseinandersetzungen vergehen - darum ist es höchste Pflicht, daß heute gegenüber dem ziomstisehen Sektcjihim mit seinem bis zur Bewußtlosigkeit akzentuierten Nationalismus die Aufgabe der ziomstischeu Bewegung klar wieder Umrissen wird als die alte Hcrzl’sche Schöpfung: die Schaffung einer otfeutlich-rcchtlieli gesicherten Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk, Und wer denjenigen, die politisch zulern«1, denjenigen. die Fehler wieder gutmachen wollen, denen Einsicht in die Wirklichkeit die Sorge vor Mißlingen einflößt, wer diesen Gesinnungsgenossen Verwässerung, Preisgabe des nationalen Gedankens und dergleichen vorwirft, der mag getrost von sich das beste glauben׳, dem Zionismus als politischer Bewegung wird er nicht gerecht. II. Und dennoch Koalition? Und dennoch! Weil Koalition ein wirkliches Zusammenarbeiten bedeutet. So wie bisher kann es nicht weitergchcn. Darin sind sich alle Gruppen bei uns einig. Im deutschen Zionismus, der angeblich ״spezifisch״ geartet und besonders national ist, arbeitet nur ein Häuflein Menschen. Die wirkliche Beteiligung in den Ortsgruppen an allen Arbeiten ist mit 10 ״/o hoch gegriffen. Und dennoch herrscht ״radikale“ Auffassung vom Zionismus — in der Theorie und bei dem Häuflein Aktiver vielleicht, wobei wohl y.u berücksichtigen ist, daß unter den Arheitern auch ״Verwässcrer“, ״Verräter am Nationalissieh befinden. Wenn also Radikalismus gepredigt setzen der eigenen Meinung und das Zurückdrange» der anderen wird ausgcschaitet und das Gefüge der Organ», s ition wird in ganz anderer Weise als bisher gesichert und autoritativ werden. Gerade zur rechten Zeit ist ein Vorschlag von Adolf Böhm erschienen, der für die Gesamtexekutive der zionistischen Bewegung die liier ״ieder״elcptcn Gesichtspunkte gleichfalls in den Vorder- ״rund ״stellt. Wir müssen daraus erkennen, daß in unserem bisherigen System diese zu dem drohenden Auscinnnderfall geführt haben. Je mehr der einzelne Veraiitwortungsgefüht für die Z. V. f. 1). in sich trägt, tun so energischer muß er für die Lösung des Konfliktes eintreten die eine radikale Besserung verspricht Idt sehe dio Möglichkeit für diese Besserung auf Grund recht genauer Kenntnis der Verhältnisse nur in der Koalition Voraussetzung allerdings ist, daß auf beiden Seiten persönliche Schärfen, Feindseligkeit und Gering- Schätzung der anderen fortfällt und wieder /ronistischcr Gemeinschaftsgeist lebendig wird, der alle imiere» Gegensätze auf ihren wirklichen Gehalt reduziert und über sie hinweg die jüdische Gesamtheit zur jüdische» Tat entflammt, zum Aufbau Palästinas. in der g e w e s e n -tfiese S״Vi,|!Ut!.isf^c“ PoJHik gvvvso; z eu״ jüdi scher‘41 ׳ ItiVüb e ‘rh au W ° ' k ־ dieses Instrument bisher^nidit'11»״*’ dM wir Zi0״is!cn haben. Daher d״« u״V r *u •P'c'cn verstanden Wortes auf der JahrcSfe!enz-ie״?H! ^cla?,31,l8״cllcn hast du getan? 61« AntwS?V-?lk- Wßi ihr habt zu wenig Jh‘״W°7t k0״ntc '״Uten: ewinnen, uns brüfilidv Z״u'Ä1ffctan׳ .ene Vorstellung aber daß Qh-ichu m verein gen. «ml »Ile, ״Ile ÄSCÜ1־־־־'״ “ ״״ ״ Zionisten, getan, um uns zu nur sw winken braucht oa* Ist frommer Kinderwird, dann sollte man erst bei sich selbst anfaiigen. Ein großer Teil von Untätigen aber ist deshalb untätig, weil die Art mit der Chauvinismus gepredigt wird, für sie in der Provinz nicht in Betracht kommt, wo alle Gegensiitze eng beieinander wohnen und ihre Träger miteinander leben müssen. Wirkliche Zusammenarbeit ist nur dann möglich, wenn der seit zehn Jahren tobende Kampf um die Methoden der Arbeit endgültig begraben wird. Das kann nur dann geschehen, wenn in Leitung und Verwaltung die einzelnen Richtungen als solche gleichmäßig vertreten siiiü, deren Vertreter eigene Ressorts übernehmen. Wir sind keine Organisation, in der man um einzelne Posten feilschen, die Majoritätsbeschlüsse forcieren darf, wir sind eine Arbeitsgemeinschaft, sonst nichts. Es bestehen tatsächlich drei Gruppen von Zionisten in Deutschland: Der erstarkende und immer mehr in den Vordergrund tretende Misrachi, der Nationale Einhcitsblock, dem sich die meisten Ha|x>el-lI;1zair-Führer angesclilossen haben, der ja in Deutschland nur sehr schwach ist, und die Freie Zionistische Vereinigung, die aus der Hoffnungslosigkeit ihrer jahrelangen Bemüliungen den liinjan Haarcz gründen will, wenn es nicht zu einer weitgehenden Einigung kommt. Diese drei Gruppen müssen gleichmäßig im Vorstand und im Gesdiäftsfülirciiden Ausschuß und allen Verwaltung,skörpern vertreten sein, sonst ist jeder Versuch, zu einer wirklichen Einigkeit zu gelangen, aussichtslos. Sollte es wirklicii unmöglich sein, dal! Zionisten sich einigen können? Das wäre eine Bankrotterklärung der zionistischeu Erziehung, des Verantwortlielikeitsbcwußtseins oiuiegleichen, es wäre ein glatter Beweis dafür, daß wir aus den letzten hundert Jahren jüdischer Geschichte in Deutschlaut{ nichts gelernt haben. Selbst wenn heute die Angc* hörigen des Nationalen Einheitsblocks ganz von ihrem Posten znriiektreten würden, würde kein Stein aus dem Bau der Z. V. f. D. fallen. Im Gegenteil, die Gegenpartei wate gezwungen, mit ihnen zu arbeiten, aber der ewige Kamp! wäre zu Ende. Wenn mau aber sieht, wie mit allen möglichen, kaum mehr gcsinnungsgenössisch zu heißenden Mitteln versucht wird, die kochende Volksseele gegen die Rotte Korah aufschäumen zu lassen, muß man zu dem Schluß kommen, daß die zio- 11 i s t i s c 11 c Provinz die Aufgabe hat, mit allen Mitteln auf die Intransigenten beider Seiten zu wirken. Der Friede muß auf jener Basis hcrgestcllt werden. Vor allem muß die Verwaltung des einzelnen offiziellen Organs, das zu schweren Ausstellungen dauernd Anlaß bietet, neutral 1 in der imierzionistiseiicii Diskussion gestaltet werden. Daher ist das auf der letzten Lnndesvorstandssitzung projektierte ,,Politische Kommittee“ ein Unding, wenn es über den D e 1 e g i e r t e 111 a g hinaus geplant sein s o 111 o , e i 11 u 111 a 11 g 1 i c h e r V c rsuch, nur geeignet, innere Un wahrhaft! gkeil, welche der wahren Koalition aus dem Wege gehen wollte, auf einem toten Gcleis, das dem ziomstischen Verkehr entzogen ist, eine Art Koalition! bilden will. Hingegen ist dies Komitee als der erste Versuch zu begrüßen, nach Richtungen, nicht nach fiktiven Majoritäten eine Arbeitsgemeinschaft zu etablieren. Zum Schluß: Daher soll die zionistische Oeffentlichkeit Deutschlands aufgerufen sein, die Resolution der Hamburger Ortsgruppe zu der ihrigen zu machen■ Für die Koalition der großen drei Gruppen gleichmäßig in Leitung und Verwaltung, und ihre Versachlichung nach Ressorts, nur solche Kandidaten für den Dclcgiertentag zu wählen, die, unbeschadet ihres zionistischen Parteistandpunktcs für die Koalition im angegebenen Sinne eintreten wollen. Daß eine Einigung und ein Zusaiiiineiiurbciten auf der geforderten Grundlage möglich ist, sehen wir aus einem Beispiel der letzten Zeit, aus dcr "Hnf\ dcs. *^nannten Politischen Komitees. Das 1 ohtische Komitee ist ein Unding, wenn cs über den Delegiertcutag vorgesehen sein sollte, wohl aber ist es das Beispiel datür, wie die Einrichtung der neuen Leitung vo!•genommen werden muß. Wie in diesem Komitee sollen künftig in der engeren Leitung ie ein 1״«itr<hw ‘p«S־,Na־/fnM״ Einheitsblocks, des^isradu tiiiu uor r!eien Zionistischen Vereinigung sitzen von 80 Mil n .f f ■ übcrn״״mt• äonau bo soll der Qcschaftsführende Ausschuß zusammengesetzt sein. Aus seiner Mitte sollen die Kommissionen, da!unter also auch eine politische Kommission, eine Propag&nda-KommUsian usw., gebildet weintet. Auf diese ״0“״W Arbeit versachlicht, das dauernde Schiele» nach Majoritätsbildung, da! Spekulieren auf das Durch- Programm für eine Obstbauversuchsstation in Palästina Jeder der praktischen Arbeit zugewandte Zionist kennt Dr. Soskins Schrift, ״Kleinsiedlung und Bewässern״״ in Palästina“. Für die nach den Prospekte״ Soskins durchzuführend eu Arbeiten ist es ungemem wichti״, wenn dieses Werk Bestand! und i־ortschritt 11300n soll, daß wir in Ercz-Jismcl eine Zentralstelle für zwlbewußte, planmäßige wissenschaftliche pft‘■ tische Arbeit auf dem Gebiete des Obstbaues (inkl. Gemüsebau) schalten, wie sie bereit« ehe meisten Kulturstaaten in ihren landwirtschaftlichen Versuchsstationen, in ihren Hochschulen und sonstigen Instituten haben. Amerika ist in dieser Beziehung schon seit Jahrzehnten allen Ländern weit voraus und, verdankt seinen Versuchsstationen eine:! großen 1 eil seiner Erfolge. Zweifelsohne hat dort der Obstbau sehr große Wirtschaftliehe Bedeutung. Aber bald wird cs auch d i c Z u Je u n f ז in Ercz-Jisroel lehren, wie rasch ein Aufblühen ec- Erwerbsobstbaues, allgemein gesagt, Obst- und (jeinii-cbau, die Volkswirtschaft heben kann. Was wir selbst brauchen, können wir in vollem Umfange leisten. Doch ist noch viele, planmäßige Arbeit nötig, um den Vorsprung wenigstens einigermaßen wcttzuinachcn, den Amerika und neuerdings auch Australien gewonnen habe•». Als Forscliungssiättcn stellt uns bisher, wenn mau nicht die bisherigen palästinensischen Kolonien als solche betrachtet, so gut wie gar nichts zur Verfügung. Wohl gibt es jüdische Ackcrbaiiscluilen, jedoch sind ihre* Disziplinen viel zu groß und zu weit zerteilt, als daß dort ziclbcwußte Arbeit in größerem Umfange für den Obstbau geleistet werden könnte. Rein für den Obstbau arbeitet bisher nur die 15 Dunain umfassende Baumschule, die dem Baron Rothschild gehört und unter der Verwaltung der ״Ica“ steht, die aber ihrer , ganzen Einrichtung und Anlage nach mehr Stätte rein praktischer Betätigung ist. Nebenbei haben wir nur i noch die auch auf obstbaulichem Gebiete tätige l.-mdwirtschaftliche Versuchsstation Atlit bei Haifa (seit 1910). Wir begrüßen ihre bisher nach der Wissenschaftliehen Seite hin geleistete Arbeit, die aber doch unvollkommen und nicht immer fehlerlos ist. Denn obstbauliehe Kulturen weichen doch zu stark vom Arbeitsgebiet dieser Station ab. Es fehlt ihr das Vertrautsein mit dem, was der Obstbau, in Sonderheit aber der Erwerbsobstbau in Palästina braucht, den die dort arbeitenden Kräfte nicht aus eigener Erfahrung kennen. Wirbrauchcn also n o t xv e n d i g eine S t a t io 11, die nur für dieses Ziel arbeitet. 111 ihr muß sich frei von aller Lehrtätigkeit (nur zu gewissen Zeiten und auf bestimmten Gebieten) und frei von Gcseliäftsrücksichten alles konzentrieren, was mit dem Obstbau zu tun hat Vcrcinstätigkeit, wie sie sonst in anderen Ländern die Obstbauvereine und Gesellschaften mustergültig zeigen, darf uns nicht genügen. Unendlich viele Fragen sind noch zu lösen auf allen Obstbaugebieten. UebcraU stehen wir noch im Anfang. Es fehlt uns die systcmalische Durcharbeitung auf wissenschaftlicher Grundläge. Um nur einige besonders wichtige Fragen zu nennen: Wie wenig kennen wir von den Einflüssen des Klimas auf den Obstbau (Sortenfragen, Anbaufragen, Behandlimgsfragen), wie wenig wissen wir überhaupt vom Bau und Leben unserer Obst bäume? Wer einmal versucht hat, tiefer in diese Zusammenhänge cinzudriiigen, weiß, wie mühsam cs ist, das zusammenzutragen, was hier und dort von den Männern der reinen Naturwissenschaft schon gefunden ist, unbeachtet von der Praxis. Auf wievielcn Wegen haben war zum Ziele gestrebt, wie viele Umwege dabei gemacht, und wieviel Falsches ist dabei mit unterlaufen?! Ein anderes Kapitel: Züchtungs fragen: Die Zeit ist wahrlich nicht mehr dazu angetan, daß jetzt noch eine private Stelle hier systematisch arbeiten kann. Zu zeitraubend und kostspielig ist bei den langsam wachsenden Obstgeliölzen die Arbeit! Doch zwingt uns der Blick in die Zukunft, auch hier weiterzuarbeiten, nicht alles blindlings dem Zufall zu überlassen. Nicht viel anders steht es mit den zahllosen Fragen auf dem Gebiete des Düngung«- Wesens, der Prüfung der Bearbeitung*- gerate auf ihre Anwendbarkeit in Palästina (ich : erinnere hier nur an die Bodenfräse), der Ko ns er- 1 v i e r u 11 g, der P f I a n /. e n p a 111 o l o g i e. (Ich vorweise hier auf den in ״Volk und Land“ von F. Bodenheimer erschienenen Aufsatz.) Auch der Gemüsebau muß in die Arbeit eingeschlossen werden, dem» er ist ein notwendiges Beiwerk. Die Notwendigkeit einer freien Forschungsstätte ist damit zwingend bewiesen. Der Fragen sind 90 viele, daß Arbeit für mehr als eine vorliegt. Um sie planmäßig und nutzbringend zu verwenden, sind natürlich mehrere Kräfte erforderlich. Eine solche Versuchs- Station verlangt einen Botaniker, der zugleich phänologische und metereologischc Beobachtungen übernimmt, einen Agrikulturchemikcr, der auch auf dem Gebiete der Nahrungsmit telchemie zu arbeiten versteht, und vor allem einen Obstbaupraktiker zur Leitung der Versuchs״׳ arbeiten im Außenbetrieb, der die Prüfung der Bc• ßtenümmt und möglichst auch eine■ Volkswirtschaftler, der Fragen des Osthandels bearbeitet

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