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Jüdische Rundschau · 1921-05-10 · Heft 37 (10.5.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 37 (10.5.1921)
Date
1921-05-10
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 256 | U EPISCHE RUNDSCHAU Nr. 37 Kundgebung der zionistischen Organisation Die Exekutive der Zionistischen Organisation in London veröffentlicht unter dem 4. Mai folgende Kundgebung: ״Die letzten Berichte über die antijüdischen Ausschreitungen in Jaffa besagen, daß keine Erncucrung der Exzesse seit Montag, den 2. Mai, vorgekoninien ist. Der übrige Teil des Landes ist ruhig. Die Regierung von Palästina ergreift alle Maßnahmen, um die Ordnung aufrechtzuerlialten und Lehen und Eigentum zu schützen. Kein Bericht, weder die offiziellen noch die inoffiziellen, berechtigt zu der Annahme irgendeines Zusammenhanges zwischen den Ereignissen und der Aktion der Kommunisten, auf die in dem offiziellen Bericht Bezug genommen wird. Die Kommunisten sind ganz unbedeutend an Zahl, und da sie eine Politik der Verbrüderung mit den Arabern verfolgen, ist es klar, daß sie die Araber nicht angegriifen haben können. Offensichtlich wurde die Gelegenheit von antijiidischcn Agitatoren ausgenutzt, um die Juden anzugreifen. Hierfür spricht die aktive antijüdisclie Propaganda, die seit Monaten vor sich geht. Die Exekutive der Zionistischen Organisation ruft alle Zionisten auf. Ruhe zu bewahren. Die britische Regierung und öffentliche Meinung werden sich von Gewalttat und Unordnung nicht beein- Hussen lassen. Der Dberkommissar besitzt das unc-rschiitterliche Vertrauen des ganzen jüdischen Volkes und aller friedliebenden Elemente in Ralästina Die zionistische Sache steht'fest. Der Ver- 1 u s t kostbarer jüdischer Leben wird eine Welle der Sympathie in der ganz e n J u d e n heit hervor r u f e 11. Unsere Herzen sind erfüllt mit Schmerz um die Opfer der Ausschreitungen, aber dieses Verbrechen wird nur den Ent- Schluß des jüdischen Volkes verstärken, Palästina als seine nationale Heimstätte wieder aufzubauen. Jeder Zionist und jeder Jude muß einschen, daß diese Ereignisse nicht vor gekommen wären, wenn cs möglich gewesen wäre, die Z c h n t a u s e 11 de in das Land h i n e i n z 11 - bringen, die vor seinen Toren warten. Das einzige Hindernis, das bewirkt hat, daß sic nicht nach Palästina kommen konnten, ist die U11 zulänglieh keil der materiellen Mittel, die der Zionistischen Organisation vom jüdischen Volk zur Verfügung gestellt wurden, Die Antwort des jüdischen Volkes auf die Ereignisse von Jaffa muß in der Bereitstellung genügender Mittel für die mächtig angcwaclisene Einvvanderung und für Vorbeugungsmaßnahmen gegen Ruhe- Störungen bestehen. Ergebenheit für die zionistische Sache wird so und kann mir so bewiesen werden. Jede Verzögerung heißt Verrat an unseren Brüdern, die für unser Ideal in Palästina kämpfen. Die Verantwortung für die unmittelbare Zukunft liegt jetzt bei den Landesorganisationen. Die Exekutive erläßt diese ernste Mahnung an alle Verbände und fordert Vertrauen in die zionistische Sache, absolute Ruhe und unverzügliche, energische Arbeit,“ Was die Bolschewik] melden Die ״Rosta“ (Bolschewistische Tclcgraphenageuttir), Wien, den 5. Mai, veröffentlicht folgendes Telegramin: Alexandria, den 3. Mai, (Telegramm unseres eigenen Berichterstatters.) Am I. Mai verbreiteten arabische und jüdische Kommunisten Aufrufe in arabischer und jüdischer Sprache, die die Solidarität des arabischen und jüdischen Proletariates betonen. Eine Maifeier wurde von zionistischen Chauvinisten überfallen, es kam zu ernsten Zusammenstößen, die 27 Opfer an Toten und 150 an Verwundeten forderten. Die Verantwortung für diese Zusammenstöße tragen die im englischen Dienst sichenden chauvinistischen Zionisten, Die Araber!beschützen jüdische Verwundete Wie berichtet wird, haben viel« Araber in Jaffa die Verwundeten wählend der Unruhen aufgciiommcn. Strenge Zensur Eine strenge Zensur über die Presse und alle a! den! Lande ab^cheivden Telc^ranune ist verhängt wordc Die Regierung Herrin der Lage Jerusalem, (J.CIS.) Trotz der Ruhcstörun״ n f' J־™“» dcr Unruhcn am Montag u Dienstag beherrscht die palästinensische Regierung c bituation. Der Justi/.sckretär Be n t w i c 11 hat \»n1 Mitwirkung der jüdischen führenden Persönlichkeiten ci Untersuchung eingeleitet. B ' C1 Der Kongreß im September Wie das J. C. ü. erfährt, hat die Exekutive der Zionistischen Organisation die Einberufung eines Zkv nistcn-Weltkongrcsses für den 4. September in Karlsbad, in der Tschechoslowakei, in Aussicht genominell. Eine endgültige Entscheidung wird noch diese Woche erfolgen. Die Wahl der Delegierten für den Kongreß hat während der Monate Juni und Juli statt• zufinden. Großer Landerwerb in Untcrgaliläa 60000 Dunam vom j. N.-F. gekauft Unter den Beschlüssen, welche das Direktorium des Jüdischen Nationalfonds in seinen letzten Sitzungen im Haag gefaßt hat, ist jener, der sich auf die Erwerbung ausgedehnter Landstrecken in Untergaliläa bezieht, von besonderer Bedeutung. Der Beschluß sichert der jüdisehen landwirtschaftlichen Kolonisation 60000 Dunam. Von diesem Boden, der bisher nichtjüdisches Privateigentum war, sind 27 000 Dunam, das sogenannte Gebiet ״Mal ul“, westlich Mcrchawja, und 33000 Dunam, das sogenannte Gebiet ״Nuris“, östlich Mcrchawja und westlich Beth* schan, gelegen. Die Entscheidung über die Verwendüng dieser Landstrecken wird von der voraussichtlich im Juni zusammentretenden Generalvcr- Sammlung des Jüdischen Nationalfonds dahin getroffen werden, ob dieser die erworbenen Gebiete, ganz oder zum Teil, selbst in Besitz, nimmt oder ob er sie an andere jüdische Gesellschaften überläßt. Weitere Bodenkäufe des J. N.-F. Gemäß den von der letzten Jahreskonferenz in London gezogenen Richtlinien, der J. N. F. solle seine Bodenpolitik durch planmäßige Erwerbung ländlicher und städtischer Grundstücke in Erez-lsrael tatkräftig fortsetzen, beschloß das Direktorium folgende neue Bodenkäufe: ln Dilb (Kirjath Jearim), 14 kin westlich Jerusalem an der Straße nach Jaffa, ist der dort im Juli 1020 vom J. N. F. erworbene Boden — 1800 Dunam — durch Ankauf weiterer 3000 Dunam samt Haus abzurunden. Nahe Jerusalem, 1 km südlich des Jaffatorcs, wird das 20 Dunam umfassende Grundstück ,״Talpioth“ angekauft. Hiermit ist die von Herrn Ussischkin namens des Odessaer Komitees bestimmte Voraus- Setzung erfüllt, womit dem J. N, F. weitere, unmittelbar angrcnz.cnde 45 Dunam, welche das Komitee aus dem Nachlaß Kalian zur Errichtung, einer ״orthodoxen“ Ko* lonie erworben hat, zu diesem Zwecke zufallen. Ferner wird beschlossen, von der Regierung 4000 Dunam bei R u s c 11 m i a am Karmel im Norden und 60 Dunam samt Haus, Pflanzung von Wnldbätimcn und Baumschule, bei 1! c e r S e 11 e w a 11 im Süden in Dauerpadit zu nehmen. Der Kauf von 600 Dunam zwecks Errichtimg eines Stadtviertels Borochow wurde bis zur Erfüllung der eine zweckmäßige Besiedlung sichernden Bedingungen (statt der niizusiedelnden 200 Mitglieder wurden bisher erst 40 nachgewiesen) zurückgcstellt. Ein Angebot ausgedehnter Grundstücke wurde der Generalversammlung zur Genehmigung überwiesen. Ueberstedlung des Jüdischen Nationalfonds nach Jerusalem Vom 10. bis 12. April fanden im N. F.-Hauptbüro zu Haag Sitzungen des Direktoriums statt. An ihnen nahmen die Herren; Justizrat Bodenheim c r, .Dr, Hantke, Ing. Kessler, Nchcmia de Licmc und Prof. Warburg teil. Die Abwcsenseit der Direktoren Gold h erg und Kremcnezky war durch ihr Verweilen in Erez-Isracl entschuldigt. Auf der Tagesordnung stand eine Reihe wichtiger Fragen der Kolonisation und Propaganda. Von den wcitiragenden Beschlüssen seien die folgenden hervorgehoben: Der Generalversammlung des J. N. F., welche anläßlich der nächsten Zusammenkunft des Großen Aktionskomitees im Juni stattfinden soll, wird vorgeschlagen, beim Zionistenkongreß zu beantragen, daß das Hauptbüro ehestens nach Jerusalem verlegt und daß von dm sieben Direktoren mindestens drei mit dem ständigen Wohnsitz in Erez-lsrael gewählt werden. Zugleich wurde das Hauptbüro beauftragt, alle Vorbereitungen zur ehesten Ucbersiedlung zu treffen und insbesonders die Pläne und Voranschläge für den Bau eines N. F,-Hauses in Jerusalem zu beschaffen. Das N. F.-Haus soll einfach, doch würdig sein, und nebst den Amtsräumen einen Saal enthalten, der für eine ständige N. F.-Ausstellung und evtl, auch für Tagungen geeignet ist. Chaluzim-Trausport Am Mittwoch, den 11. Mai, nachmittags 6'/2 Uhr, geht zum ersten Male ein zirka 100 Personen umfassender Trupp Chaluzim vom Anhalter Bahnhof nach Triest ab, von wo aus sie am Sonntag nach Jaffa mit dem M a a w i r i m - Dampfer weiterfahren. Die Keren Hajessod-Kampagne in Amerika Eine außerordentliche Konvention (New York, 6. Mai. (Tel. d. ״J. R“) Die Kampagne für Keren Hajessod hat mit vielvcrsprecheiidem Erfolg eingesetzt. Eine Landeskonferenz der Keren Hajessod-Vertrauensmänncr wird in New York am 15. Mai stattfinden. Für den 5. Juni ist ein außero r d e n 11 i c 11 e r D e 1 c g i v r t e n t a g (Convention) der Zionistischen Organisation Amerikas einberufen. Dr. W e i z m a n n , der gegenwärtig in Kanada weilt, wird erst Ende Juni aus Amerika zurückkehren, Weizmann gegen Mack New York, 3. Mai. (J. C. B.) Die zionistische Delegation hat auf die Deklaration, die Richter Mack namens der amerikanischen Zionistischen Exekutive gegen das Keren Hajcssod-Manitcst Wcizmanns veröffentlichte, eine Gegenerklärung publiziert, in welcher die amerikanische Judenheit darauf aufmerksam gemacht wird, daß Dr. Weizmann lediglich einen Beschluß der Londoner Konferenz ausgeführt hat, bei der die amerikanischen Zionisten zahlreich vertreten waren und alle amerikanischen Delegierten für diesen Beschluß einm ü t i g gestimmt haben, Dr. Weizmann kann als der verantwortliche Präsident der Zionistischen Welt•־ Organisation keine nachträglich gefaßten und diesem Be- Schluß zuwiderlaufenden Resolutionen anerkennen, tun st» mehr, als sich diese vom ersten Moment an im Wider- Spruch zu den Londoner Beschlüssen befunden haben. Dr. Weizmann in Canada Dr. Weizmann besucht augenblicklich die Hauptpliit/e Ca na das. Die erste Versammlung fand am 3. Mai in Montreal statt. Eine nach Tausenden zählende Menge füllte die große Halle, und die Begcistcrung war sehr groß. Zum Schluß der Versammlung spendeten die anwesenden Frauen ihre Uhren, Armbänder und anderen Schmucks,achcn. Es׳ wurden zirka 200 000 Dollar gezeichnet. Das nächste grolle Meeting, das unter Mitwirkung von Prof. Wcizmaiiii veranstaltct wird, soll am 6. Mai in Toronto stattfinden. Kinderspende für den Keren Hajessod Beim Besuch der zionistischen Delegation in Amerika wurden Ussischkin und Dr. Mossinson zur Bcsichtigung der hebräischen Schule in East Broadway eingeladen. Die Aula der Schule war mit Blumen und jüdisch-amerikanischen Flaggen geschmückt, die Kinder saugen hebräische Lieder. Nach Ansprachen von tlssisehkin und Mossinson, die den Kimlern den Ortili der hebräischen Schulen Palästinas überbrachten und über die Lage der Schulen in Palästina in einer dem Kindcrgcmüte angepaßten Weise berichteten, spendete» die •100 Schülerinnen ihre Goldmul Silberringe und die anderen Schmucksachen, die einen Wert von 3000 Dollar repräsentieren. Ussischkin und Mossinson dankten den Kindern für ihre Opferfreudigkeii. Anwachsen der zionistischen Organisation Amerikas New-York. (J. C. B.) Mit dem Eintreffen der zionistischen Delegierten nahm die Mitgliederzahl der Zionistischen Organisation erheblich zu. Dies bestätigen Nachrichten aus New York, Philadclplun, Jersey City, Deleware, Wilmiugton und anderen Städten. Bisher habe» sich über 10 0D0 neue Mitglieder cintragcn lassen. 10 000 Dollar für die Universität in Jerusalem Die F r c e - Sy na go g e in New York hat anläßlich ihres vierzehnten Gründungsfestes durch. Stephan Wise 10 000 Dollar für die hebräische Universität gespendet. Für ״jiddisch“ in Palästina ln New York fand ein Meeting statt, an dem Dr. Chairo Schitlowski, Abraham Reisen und andere Redner gegen die Unterdrückung des Jiddischen durch die sogenannte Arbeiterpartei auftraten. Die Ver- Sammlung nahm eine Resolution an, in der sie die jüdischen Arbeiter Palästinas der Reaktion beschuldigt und in der der sozialistischen Partei moralische und materielle Unterstützung zugesagt wird. m Die Beschuldigung der palästinensischen Arbeiter- Schaft als Reaktionäre mul bourgeoise Gcgcnrevoliitioniire ist eine aite Waffe der Jiddisehisten. Eine kleine Gruppe jiddischer Kommunisten, versucht mit allen Mitteln die normale Entwicklung Palästinas zu hindern, und mit nichts können sie den Moskauer Jiddisehisten so gefallen und die palästinensische Arbeiterschaft so provozieren, wie mit ihrer jiddischistischcn Propaganda. Die gesamte Arbeiterschaft Palästinas, die sozialistische Poale-Zion, sind für die vollständige Hebraisicrung Palästinas, für proletarische hebräische Kulturarbeit. Der Jtddischismus ist ein Importartikel, der in Palästina keinen Absatz findet. Nicht jiddische Kulutr wird so verbreitet, sondern der Jiddischisinus wird als Kampfparolc genommen, um bei den Jiddisehisten im Galuth dann durch aas Gezeter über reaktionäre Unterdrückung Eindruck zu machen.

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