Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 37 (10.5.1921)
- Date
- 1921-05-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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< ■■ /' י;'.:■־ יי / «•)«Wo. ״dV.,l.? V li. Si־h.i‘d;.Slr.fl8־. ■«nU wwd.a in der Wahrung dw Nummer 37 j Berlln>J|0.V 192l^ Anzeige n - i ä n' g I Verlag Alwin Locwenthal, Berlin N W 7, DorotKeeaitr, SS T*l«j>hoo; Aut Zentrum 4814 und 4819• Atlilf •nprti• für dl« •leoeageeptlteu« NooparttHtttU• 3,50 24L» . , 4 PnmiHennntnigao 4 M. pro Zeit«. Antfolffonachlufli Dienstag und FraiUg aachaittag 4 Uhr. TeUphpa: Ublnod 845 «.846. Poiücbeckkonto: Berlin Nr. 17393. Pur Oerterrnicb. PostaparkaasaDarol Wien, Konto Nr. 156 030. Für T»d1ecbo*tow»heU PoiUpnrknnrenamt Prag, Konto Nr. 13603a *״"*' KeuaKUootschluE Sonntag; und Mittwoch •achmittag. —• .אייס תרס«א O | XXVI. Jahrg. ■ Dar Zionismus arstrsb» fOr Uns indische Volk «Ho Schaffung einer OWnntllch - rechtlich gesicherten Heimstatt• In Palästina. ״Baseler Programm״. <2 Ainssdbrcnämi^c Zweiunddreißig Tote , Berlin, 9. Mai. Mi!t schmerzlicher Erschütterung hat die jüdische Welt die Nachrichten aus Jaffa aufgenommen. Wieder einmal hat die vergiftende und verhetzende Agitation ihre Früchte getragen, der Aufbau des jüdischen Pa- Fistina hat Blutopfer gekostet, das jüdische Volk hat eine Anzahl seiner besten und hingebungsvollsten Söhne verloren, die gekommen waren, durch ihrer Häjidc Arbeit dem Volk die Zukunft zu bereiten. Tieftrauernd beklagen wir diese Verluste teurer Menschenleben, Die schrecklichen Ereignisse sind der Ausbruch einer Stimmung, die in der letzten Zeit in der arabischen Bevölkerung Palästinas genährt worden war. Nach San Keino und dem Amtsantritt Sanutels hat die arabische Agitation eine Zeitlang ausgesetzt, besonders nach der Niederlage des Emir Faisul, Vor einigen Monaten haben die Effendis den Kongreß in Haifa veranstaltet, dessen Forderungen in der Sperrung des Landes für die jüdische Einwanderung gipfelten. Noch vor wenigen Wochen hat ChurchiU den Arabern auf ihr Memorandum erklärt, daß an der Balfour-Dekiaration nicht zu rütteln ist. Die arabische Presse hetzte unausgesetzt weiter und so wurden die Ausschreitungen vorbereitet, die jetzt cingetroffen sind. Es ist tief bedauerlieh, daß die Verhetzung so weit gediehen ist und daß es den besonnenen Elementen des arabischen Volkes nicht gelang, dem Terror der Judenfeinde erfolgreich '■'»!gegenzuarbeiten. Wir haben stets betont, daß eine der eisten Voraussetzungen unserer Arbeit die 11er- Stellung brüderlicher Beziehungen zu den Arabern ist. Hätten ■wir in dem Jahr seit San Remo ernsthaftere Aufbauarbeit geleistet, wir hätten auch die Araber leichter gewonnen. Aber in dem Sumpf der Stagnation gedeiht die Verhetzung und Intrigue. Die Kämpfe haben auch leider wieder gezeigt, daß die arabische "Polizei die für ihre Funktion unerläßliche Neutralität nicht zu wahren weiß. Die arabische Polizei hat sich Uebergriffe erlaubt, gegen die mit aller Macht protestiert werden muß. Diese Truppe hat sich als unfällig erwiesen, die Ordnung aufrecht zu erhalten; dies ist eine Erfahrung, die besonders bei dem gegenwärtigen Plan der palästincnsfeclicn Regierung zur Aushebung einer Landes!- miliz nicht unberücksichtigt bleiben darf. Der Anlaß zum Ausbruch der Exzesse ist noch nicht klargcstellt. Es wird bekanntgegeben, daß jüdische Kommunisten die Maifeier störten und daß sich im Verlauf des daraus entstandenen Handgemenges die Kämpfe zwischen Juden und Arabern entwickelten. Ob den Kommunisten eine direkte Schuld an der Einmischung der Araber zuzuschreiben ist oder ob die Araber nur die Zusammenrottung von Juden als Gelegenheit zum Ucberfall benutzten, ist nicht bekannt Jedenfalls zeigt es sich, wie sinnlos und gefährlich die ganz abstrakten kommunistischen Demonstrationen in Palästina sind und wie leichtsinnig das Schicksal der jüdischen Kolonisation und das Leben jüdischer Arbeiter durch sie aufs Spiel gesetzt wird. Daß Moskauer Agenlen irgendwie itn Spiele sind, dafür spricht die Meldung der bolschewistischen ״Rosta“, welche in völliger Entstellung der Tatsachen den Vorfall als einen UchcrfaJI auf die Kommunisten hinstcllt. Diese Dinge bedürfen dringend der Aufklärung; wir müssen uns eines Urteils darüber enthalten, bis die genauen Berichte und die palästinensischen Zeitungen eingetroffen sind. Es gibt auf die Vorgänge von Jaffa nur eine Antwort: Verdoppelte zionistische Tätigkeit, vervielfachte Anstrengungen. Das jüdische Volk darf seine Pioniere nicht im Stiche lassen. In aller Welt muß der Tod der 32 Juden Widerhall wecken, vor allem in Amerika, wo jetzt die große, für den Aufbau Palästinas entscheidende Schlacht geschlagen wird. Angesichts des geflossenen Blutes müssen die Juden des gesicherten Hinterlandes wenigstens das Geld geben, das nötig ist, um Menschen ins Land zu bringen, Arbeit zu leisten und Vorkehrungen zu treffen, die eine Wiederholung eines solchen Unglückes verhüten. Nachstehend geben wir die telegraphischen Meldüngen ■wieder, soweit sie bis zur Stunde bei uns eingelaufen sind: Der Bericht Herbert Samuels London. Das Kolonialamt hat vom Oberkommissar Herbert Samuel folgendes Telegramm vom 2. Mai aus Jerusalem erhalten: ״Am 1. Mai fand in der jüdischen Vorstadt Jaffas eine Maifeier statt, die von jüdischen Komm uni st enge stört wurde. Die letzteren wtirden in das mohammedanisch-jüdische Viertel, woher sie gekommen waren, zuriiekgedriingt, Es ist noch nicht aufgeklärt, wodurch cs hierbei zu einem ernsten Zusammenstoß zwischen Arabern und Juden kam, wobei mehrere• Juden und Araber getötet wurden. Es wurden sofort Regierungstruppen aus Ludd, sowie einige Panzerautomobile aus Jerusalem herbeigerufen, die die Ruhe ohne weiteres: Blutvergießen wicderhcrstellten. Die Nacht verlief ruhig. Am folgenden Morgen begannen die Unruhen von neuem, und einige weitere Juden und Araber wurden getötet. Es mußten weitere Truppen, Panzerautomobile und Polizei herbeigeholt werden. Bei dem ersten Gerücht über die Unruhen begab sielt General Decdes nach Jaffa. Einige höhere Beamte, sowie angesehene Führer der Araber und der Juden gingen durch die Straßen, ־and es gelang Urnen, das Volk zu beruhigen. Der Belagerungszustand brauchte nicht verhängt zu werden. Im ganzen wurden über 30 Juden und 10 Araber getötet und 140 Juden und 37 Araber verwundet. Mehrere Läden wurden geplündert. Die Truppen hatten keinen Anlaß zu feuern und haben keine Verluste. Ueber 60 Personen wurden verhaftet. Im übrigen ist das Land vollständig ruhig." Das Kommunique der Zionistischen Kommission Jerusalem, 3. Mai. "Am 1. Mai kam es in der Altstadt von Jaffa zu Unruhen, die zu schweren Ausschreitungen führten. Ein von den Behörden ausdrücklich zugelassener Umzug der jüdischen Arbeiter verlief vollkommen friedlich, ungeachtet des Versuchs einer Handvoll Kommunisten, Zwischenfälle hervorzurufen. Araber benutzten die Gelegenheit zu Uebcrfällen auf Juden und zur Plünderung jüdischer Läden. Ein heftiger Angriff richtete sich gegen die jüdische Herberge (Beth-Chaluzim), wobei Männer, Frauen und Kinder mißhandelt wurden. Offenkundige Beweise liegen vor für die Teilnahme der arabischen Polizei an den Unruhen. Die arabische Menge wurde von den Parteiführern aufgereizt, die gegen das britische Mandat und die jüdisch-nationalc Heimstätte hetzten. 27 Juden wurden ermordet, ungefähr 150 verwundet. Die Stadt ist jetzt von Militär besetzt. Das jüdische Stadtviertel Tel-Awiw ist unter den Schutz demobilisierter jüdischer Soldaten unter Führung jüdischer Offiziere gestellt. Sokolow und Eder In Jaffa London, 5. Mai. Die Zionistische Organisation erhielt folgendes Telegramm vom 3. Mai aus Jerusalem: Die Situation in Jaffa ist noch sehr ernst. Der Belagerungszitstand wurde heute morgen proklamiert. Weitere Truppen sind eingetroffen. Heute wird ein Kriegsschiff erwartet. Vierzig Tote und über zweihundert Verwundete, davon mehrere Schwerverwundete. Sokolow und Eder sind׳ in Jaffa. Samuels letzter Bericht London. Das Kolonialamt erhielt am 6. Mai das folgende Telegramm von Herbert Samuel, dem Oberkominissar von Palästina: ״Infolge falscher Gerüchte, die gestern in der Stadt umliefen, war Jaffa gestern früh unruhig, beruhigte sich jedoch bald. Keine weiteren Verluste. Heute alles ruhig, ln keinem anderen Teile des Landes haben Unruhen stattgefunden, die Verhältnisse sind normal. Personen, die in Jaffa Gewalttätigkeiten begangen haben, werden sofort vor Gericht gebracht Haben auch Untersuchungsgericht eingesetzt.“ J. Ch. Brenner gefallen Jaffa, 5. Mai. (Jüd. Korr.-Bur.) Der hebräische Schriftsteller J. Ch. Brenner wurde nach den Exzessen auf der Straße tot aufgefunden. Brenner, der sich an den Straßenarbeiten in Galiläa beteiligte, befand sich zufällig in Jaffa. ♦ Josef Chajim Brenner, der unter so tragischen Umständen den Tod gefunden hat, gehörte zu den proininentesten Begabungen der hebräischen Literatur und entfaltete in der Novcllistik seine besondere Meisterschaft. Seine tief psychologische Art, die Gestaltung»- kraft, mit der er die Figuren aus dem Ghetto zu schildern wußte, und der eigenartige Pessimismus, der seine Dar- Stellung kennzeiebnete, bereicherte die neue hebräische Literatur um eine neue Note. Seinen literarischen Ruf begründete er, als er noch in jungen Jahren zur Zeit der ersten russischen Revolution in London seinen ״Hameorer“ hcrausgab, den ״Wecker“, in welcher Monatsschrift sehr wertvolle Arbeiten aus seiner Feder erschienen. Später übersiedelte Brenner nach Palästina, um innerhalb des sich entfaltenden hebräischen Sprachkbens seine literarische Tätigkeit fortzusetzen. Eine Pause in seinem Schaffen trat ein, als sich Brenner der Publizistik zuwandte. Er wurde Redakteur der ״Haadama“, der Monatsschrift der palästinensischen Poale-Zion, welchen sich der Dichter angeschlossen hatte. In der letzten Zeit hat Brenner wieder fleißiger produziert und sein jüngster Roman ״Sch’chol \vekischaron“ bedeutet eüien Höhepunkt seines Schaffens. Eine Novelle ist noch im Druck. Brenner hat die Kon- Sequenzen seiner Auffassung gezogen und mit den Chaluzim am Straßenbau mitgearbeitet. Ein tragisches Geschick hat ihn, der zufällig in Jaffa weilte, mitten in voller Schaffenskraft, hinweggerafft. Brenner war erst 40 Jahre alt. Die junge־neuhebräische Literatur verliert in ihm einen ihren besten Vertreter. Die Namen der Opfer Jerusalem. Eine Meldung aus Jaffa berichtet, daß die meisten während der Unruhen getödteten Opfer Chaluzim sind, die gerade erst ins Land gekommen waren. Die folgenden Personen wurden während der Ausschreitungen in Jaffa getötet: 1. Aron Izkoviz, 2. Moses Aberfeld, 3. Shouel Segal, 4. Tova Tsherkaski und Frau, 5. Shmuel Stolar, 6. Nisan Kovlenz, 7. Jona Vogel, 8. Michael Brautman, 9. Abraham Schneider, 10. jizehak Geller, 11. Meir Ackerman, 12. Mordechai Tagar, 13. Asher Ziring, 14. Herzl Markoviz, 15. Mordechai Fink, 16. Mordechai Finkeistein, 17. Jizehak Kohen, 18. David Bazburg, 19. Abraham Lazker, 20. Jehuda Lazker, 21. Zwi Gogin, 22. Zwi Schatz, 23. Schmuei Ben David, 24. Nathan Nigork, 25. Mordechai Assudi, 26, Jacob Watnik, 27. Jizehak Tabak, 28. Joseph Chajjim Brenner und drei andere Unbekannte. Die Beerdigung Am Dienstag, den 3. d. M. wurden 32 Opfer der letzten Unrulien in Jaffa zur letzten Ruhe bestattet. Der feierliche Zug ging vom Hebräischen Gymnasium in Tel-Awiw aus und wurde von einem ungeheueren Trauerzug begleitet. Die jüdischen Geschäfte waren geschlossen. Strenge Strafe für die Aufrührer Jerusalem, 5. Mai. (J-K1B.) ln der heute stattgefundenen Sitzung des Advisory Council erklärte Sir Herbert Samuel, daß, wenn der Bericht über die von ihm angeordnete Untersuchung vorliegen wird, strenge Strafe über die Schuldigen verhängt werden würde. Die jüdische Selbstwelir Jaffa, 5. Mai. (J. K. B.) Der ehemalige Kommandant der jüdischen Legion, Colonel Margolin, hat eine jüdische Selbstwehr organisiert. Die Regierung hat einen außerordentlichen Untersuchungsgerichtshof eingesetzt. Den letzten Informationen ufolge beträgt die Zahl der jüdischen Toten zweiunddreißig. Die Bestattung hat bereits stattgefunden. Jerusalem, 4. Mai. (J.K.B.) Dienstag morgens haben sich die Ausschreitungen der Araber wiederholt, wurden aber sofort unterdrückt Im Lande herrscht Ruhe.