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Jüdische Rundschau · 1921-05-06 · Heft 36 (6.5.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 36 (6.5.1921)
Date
1921-05-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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p«t lir fic ge in, je- Id 1 tm Mt c» Is, lie es .« er 1“ ehn• es in it n. nt tc iS '1, w n 11e- 1e u! h K 1, tn!1 e r n 4 r. U it «1 na ie m eie ja tt] t 51 » ־0 di bt u- IIer 11• er bt er!* re lc es er tt• 18• in ge Nr. 36 Neue Währung für Palästina Von Jacob Wolff, Frankfurt a. M. Seit 24.י Jahren stellt Palästina unter der Mandatarherrschaft Englands; unter den vielen Problemen, die sich ihm dort eröffneten, steht wohl mit an erster Stelle die Währungsfrage. Eingeführt ist zurzeit das ägyptische Pfund, das einen noch höheren Wert darstellt als das englische (UW engl. Pfund ־־= QV/1 ägypt. Pfund). Kein Zweifel, daß durch diese Währung die Lebens( iihrtmg in Palästina auf das äußerste verteuert wird, kein Zweitel aber auch, daß hiervon nur ganz wenige Menschen Voricik! haben. , ... Was sind nun die Nachteile der ägyptischen Wahrung »ür Palästina, und kann dieselbe unter Umstanden euie (iei'ahr für den Aufbau Palästinas bedeuten? Ich w!U hier von jeder politischen Seite des Problems völlig abschcn, hier soll nur die rein national-ökonomische Seite mit kurzen Strichet! eine Heleuchtung erfahren, und ich hoffe, daß sieh an meine Ausführungen noch weitere Auseinandersetzungen knüpfen werden. Für uns Juden, die wir den Auflxiu Piudstiiwis nJ$ eine Lcbcnsnotwcndigkeit für das jüdische Vo.k bctrach- 1en, erweist es sich als eine gebieterische Pflicht, gerade jetzt schon dieses Problem mit aller Schärfe ins Auge zu fassen denn je weiter die Entwicklung des Landes fortsdireit'cl, je mehr Ucld ins Land hineinfließt und je mehr Ocseilschaftcn in Akticnform eich aufmachen, desto schwieriger ־wird es sein, in einem späteren Zeitpunkt, wenn sich die jetzige Währung als unmöglich erweisen wird, dann die Umwandlung in eine andere vorzunehmen. Es ist aber kein Zweifel, daß diese Frage zurzeit licrerts in den bürgerlichen hebräischen Zeitungen Pa- )astin,1s, z. B. ״Doar Hajom“, eine Rolle spielt, wie ich i'as in einer Unterredung mit dem Redakteur dieser Zeitung feststellen konnte. Palästina ist im 'Gegensatz zu England oder Aegypten ein sehr armes Land, in welchem geradezu .dies auf die Entwicklung und den Aufbau wartet. Es gibt kein eigenes Bankwesen; die Banken, die dort an den größeren Plätzen domizilieren, sind von außen gekommen, verfolgen rein kommerzielle Zwecke, vielleicht mit Ausnahme der Angl« Palästine Bank, die bekanntlich dem zionistischen Prinzip dient Das Effeklcnwtsen ist \d"i minus,:(’bildet. Der Hauptcrwerbszweig der Banken ist Kontokorrent, Scheck- und Devisenverkehr, ferner Kreditgewälmmg. Die Banken reclmcn zurzeit mit Spesen und Provisionen etwa 13 °;u Zinsen, die gefordert und bewilligt werden. An Hypothekenbanken fehlt es noch vollkommen und HypnthckcnkredUe auf Annuitäten in Palästina zu bekommen, gehört fast zu den Unmöglichkeiten, wodurch besonders den Kolonisten das Leben zur Unmöglichkeit gemacht wird. Hier dürften sich hoffentlich in nächster Zeit nach meiner Kenntnis Acndcrangen grundlegender Art vollziehen. Die Industrie steckt durchaus noch in den Anfängen und hat bislang kaum irgend eine Bedeutung. Das hat auf der anderen Seite bei der derzeitigen Krise das Gute gehabt, daß von Zahlungsstockungen irgendwelcher ■ennenswerten Größe keine Rede war. Das Eisenbahn- und Transportwesen beginnt unter der Arbeit der palästinensischen Regierung sich langsam zu entwickeln und auch der Straßenbau dürfte in etwa zwei Jahren so weit gefördert sein, daß die derzeitigen, 11nmöglichen Wegverhältnisse als gesunde zu bezeichnen JUED1SCHE RUNDSCHAU sein werden. Somit kann man ohne Zweifel unterstelleii, daß bereits in Palästina Werte geschaffen sind, allerdings noch nicht in irgendwie genügender Art. Diesem Mangel muß in Bälde abgeholfen werden, und auch dafür gibt es Anzeichen, imi Gegensatz zu dieser nach meiner Auffassung leider viel zu langsamen Entwicklung steht nun zunächst der enorm gesteigerte Wert für Grund und Ikidcn, für Gebäude und Privatwohmmgen. Die Mieten in allen Städten sind so enorm, daß Sie allein einen ganz erheblichen Teil des normalen Einko nt me ns absorbieren, trotzdem ist nicht einmal eine schmale Rente für den geforderten und leider auch oit bewilligten Preis auszurechnen. Man leidet in dem amten Palästina — so paradox das klingt — an Uebeikapital!- sicrung. Und fragt man sich, wie das möglich ist, so gibt es darauf in der Tat nur die eine Antwort, nämlich, daß an diesem, man darf wohl sagen, nationalen Unglück einzig und allein die Währungsfrage schuld ist. Früher war matt gewohnt mit Francs zu rechnen, heute glaubt jeder in Palästina das Recht zu haben, statt in Francs mit Pfund rechnen zu dürfen, und die Vorstellung geht dahin, daß man für etwa frühere 5 Francs ruhig ein ägyptisches Pfund in Ansatz bringen dürfe. Das Pfund ist aber für ein so armes Land wie Palästina eine viel zu schwere und viel zu gewichtige Währung, und so gut cs sich für ein reiches Land eignet, eine ebenso große Gefahr ist es für ein armes. Man gibt sich in Palästina doch wohl nicht genügend Rechenschuft über die Bedeutung von etwa 1030 X und fordert sie mit ebenso kalter Miene, wie man früher etwa 5000 Francs verlangte; ja man begegnet gar oft der Auffassung, daß das, was man früher für etwa 5000 Francs verkaufen konnte, heute doch einen unbedingten Wert von 1000 X haben müsse, nachdem der Wert des Geldes in Palästina so erheblich gesunken ist. Wenn man bedenkt, daß bet vorsichtiger Schätzung in ganz Palästina 1 000 000 -1 500 0011 X ägyptisches Papiergeld zirkuliert und, daß trotzdem für die nichtigsten Dinge im Vergleich zu den Preisen in allen anderen Ländern ungewöhnlich Itohe Preise gezahlt werden, so ward man verstehen, wie gefährlich es ist, der Bevölkerung über den Wert des Geldes und darüber, wie sparsam mau mit demselben umzugehen hat, nicht völlige Klarheit zu geben, und ich darf behaupten, daß man zeitweise in Palästina die Bevölkerung, und speziell die jüdische Bevölkerung nicht recht über den Wert des Geldes hat zur Besinnung kommen lassen, das war zur Zeit, als verhältnismäßig viel Geld, besonders von Amerika, ins Land strömte; ich glaube, daß diese Andeulungen genügen Welche Nachteile die ägyptische Währung Palästina bringt, ist nicht ahzuscluiueii. Wenn man bedenkt, daß etwa D/! Millionen ägyptische Pfund Papiergeld in Palästina zirkulieren, darf man annehmen, daß bei den derzeitigen ägyptischen Zänsvcrhiiltnissen die ägyptische Regierung einen Nutzen von mindestens 100 000 X pro Jahr nach Abzug der durch die Notenpresse entstehenden Spesen macht Irgend einen Einfluß auf die Ausgabe der ägyptischen Noten uikJ das Deckungsverhältnis hat die palästinensische Regierang nicht. Die Bevölkerung Palästinas nimmt unter vollem Vertrauen auf die ägyptische Währung die Noten an, hat hierfür keine wie immer geartete Deckung und auch keinen wie immer gearteten Nutzen, mir Risiken, gar keine Chance. Es liegt zweifellos im Interesse Englands, den ihm Seite 247 so nalte stehenden Ländern Aegypten und Palästina mögliehst die gleiche Währung zu geben, aber England und vor allen Dingen die palästinensische Regierung sollten doch bedenken, daß gerade diese ägyptische Währung der Entwicklung Palästinas enorm im Wege steht und damit auch nicht im Interesse Englands gelegen ist. Ohne Zweifel ist. daß bei den heutigen politischcn Vcrltiiltnisscn und den nahen Zusammenbau >ea Palästinas und Aegyptens die Währung in Palästina'80 eingerichtet werden müßte, daß sie ganz gleichartig mit der englischen ist. Ich glaube daher die Anregung geben zu sollen, daß die Einheit der Landeswährung der fünfundzwanzigste Teil eines Pfundes ist, daß somit 40000 X 1 000000 etwa Schekel benannt, darstdlcn. IX-r Schekel könnte dann in 100 Prutin geteilt werden. Ich gehe dabei von der Erwägung aus, daß durch Einführung einer so schmalen und kleinen Währung die derzeitig.tr, kapitalistisch überspannten Verhältnisse Palästinas entspannt würden, vor allen Dingen aber, daß es viel leichter für einwamlenvde Juden, auch für die, die ans den Ländern mit gesunkener Währung kommen, wäre, ar Palästina festen Fuß zu fassen. Es ist rein psychologisch genommen ein ganz anderes Ding, ob ma.1 etwa für einen bestimmten Grundbesitz 1 00D 000 Schekel oder 40000 X fordert, ich bin mir bei diesem Vorschläge durchaus bewußt, daß ich vielleicht den Widerspruch der derzeitigen kapitalistischen Welt in Palästina erfahren werde, die in der Tat glaubt, daß in gar nicht allzu ferner Zeit der von ihr angekaufte Grund und Boden noch weitere, starke Erhöhung erfahren wird. Um aber zu einem gesunden Wirtschaftsleben in Palästina zu kommen, muß es nach meiner Auffassung, und das hat mich mein längerer Aufenthalt in Palästina gelehrt, zu einer anderen Währung in Palästina kommen. Dab.;i hat aber in erster Linie die ״Zionist Commission“ mitzuhelfen, indem sie den von ihr erworbenen Grund und Boden zu ganz mäßigen!,reisen und möglichst ohne jeden Gewinn abgibt, und jedem Spekulanten, sei er nun Palästinenser oder sonst woher, energisch ihre Mit- Wirkung dadurch versagt, daß sie selbst oder auch der Nationalfonds zu so ungewöhnlich hohen Preisen, wie sic jetzt in Palästina gefordert und auch des öfteren bcwililigt werden, weder Boden erwirbt noch verkauft. Salomo Friedländrr ״Abseits vom Markte und Ruhme begibt sieh alles Große: abseits vom Markte und Ruhme wohnten von je die Erfinder neuer Werte.“ Diese Worte Zarathustras beschreiben erschöpfend das Dasein des Mannes, dessen fünfzigstem Geburtstag diese Zeilen gewidmet sind. Das Individuum, das alle menschüch-atlzumenschliehen Gegensätze in sich schließende Selbst, das schöpferisch-indiffcrcnte Subjekt, welches allein als ״Person“ angesprochen zu werden verdient, wird nicht alt, ist zeitlos, ewig gegenwärtig. Der fünfzigste Geburtstag des Dr. Salomo Friedlaertder möchte mithin nach dessen eigener Lehre kein ״bedeutendes Ereignis“ sein. Trotzdem aber scheint es dankbarer Gesinnung Pflicht, über dem Werk den 'Mann nicht zu vergessen; und so bietet dieser Tag, der uns ja gcwöhnücl! als ein ausgezeichneter gilt, willkommenen Anlaß, den verehrten Mann zu feiern, aus der Anonymität der Sachlichkeit ihn heraus/jeliend. Auf Fricdlaenders Philosophie ausführlich eüvzugchcn, ist hier nicht der Ort. Es sei nur erwähnt, daß er in dem Werk, das wohl als das wichtigste bezeichnet werden kann ~ ״Friedrich Nietzsche, Eine intellektuelle Biographie1911 ״ — die Grundlegung zu seiner Lehre, an Nietzsche anknüpfend, gibt Jedoch gewinnt er nicht etwa durch Interpretation der Werke Nietzsches seine Resultate, vielmehr steht Nietzsche zu seiner durchaus eigenen Metaphysik in einem Verhältnis wie etwa Sokrates zur Platonischen. Dem weiteren Ausbau seiner Philosophie ist die 1918 erschienene ״Schöpferische lndifferenz“ gewidmet. Ferner sind hervorzuheben Arbetten über Jul. Rob. Mayer (1905), Schopenhauer, enduch populäre Darstellungen der Logik und Psychologie. Zahlreich sind die in Zeitschriften erschienenen Essays, die zum Teil die historischen Beziehungen von Friedlaenders Lehre, z. B. zu Goethes Farbenlehre, beleuchten, ״ ' dem Pseudonym Mynona hat Friedlacnder Arbeiten veröffentlicht, die die Ergebnisse seiner Metaphysik ins drastisch und handgreiflichst Reale übersetzt enthalten und daher der gewöhnlichen, platten - nach ihm ln Wahrheit fehlerhaften - Wirklichkeit gegenüber 818 ״Grotesken“ erscheinen. Dr. Adolf Catpary. Jiddisches Theater in Wien י* (Von unserem Wiener Korrespondenten.) Wien ist seit je Kreuzungspunkt zwischen dem jüdischen Osten und Westen Dies mag bewirkt haben, daß in dieser Stadt der Kreuzungen und Uebergänge so lange das jüdische Wesen inhaltsleer, auf Untergang gerichtet war. Erst das Erstarken des jüdisch-nationalen Gedankens vermochte in Wien die Atmosphäre für ein jüdisches Leben zu schaffen, das danach strebt, sich auf eigenen jüdischen Werten aufzubauen. Nicht mehr dem jüdischen Osten angehörend, aber durch steten Zufluß aus ihm und seinem unerschöpflichen Reservoir an jüdischer Lebenskraft gespeist, mußte Wien, eine der größten Jtidengeincinden Europas, allmählich zu einer eigenen lebendig-jüdischen Wesenheit zu gelangen suchen. Als dann der Krieg in kurzem Zeiträume eine große Zahl ostjüdischer Menschen, die früher nur allmählich hierher gekommen! waren und in der Stadt der Uebergänge ihre jüdische Eigenart rasch abstreiften, nach Wien warf, wurde der Charakter des jüdischen Wien von dieser aus dein Osten kommenden Welle lebendiger jüdischer Eigenart wesentlich beeinflußt. Und eines der Zeichen des neuen jüdisch-kulturellen Cltarakters Wiens, der sich jetzt seit dem letzten Jahrzehnt allmählich formt, ist, daß in Wien, gerade in Wien ein jiddisches Theater mit wertvoller und eigenartiger künstlerischer Prägung entstanden ist. Die Geschichte des jiddischen Theaters zeigt, daß das Problem einer eigenen jüdischen dramatischen Kunst bisher nicht zur Lösung kommen konnte. Als Goldfaden aus dem Stegreif das jiddische Theater schuf, knüpfte er an volkstümliche Elemente, an das badchonische und das volkslicdhafte, an. Es bewies in der Art, wie diese Anknüpfung erfolgte, nicht gewöhnlkhes Talent (nicht nachdrücklidi genug kann die entschkdene künstlerische Begabung dieses Mannes gegen die von der jüdischen Joumalliteratur immer wieder produzierte Behauptung von Goldfadens talentloser Mache verteidigt werden). Aber Goldfadens Anfänge mündeten in die Operettenöde der Lateiner und Konsorten, vor allem wohl deshalb, weil das jüdische Wesen in der Zeit, da das jiddische Theater entstand, einer Rabbiner Halpern Am Montag, den 25. April, starb plötzlich der Lodzcr Rabbiner Moscheh Eliahu Halpern. Der Verstorbene, der noch verhältnismäßig jung war — er stand im neimundvierzigsteii Lebensjahre — war Sejmabgeordneter von Lodz und einer der befähigsten Poütiker der polnischen Orthodoxie. Er stand an der Spitze der Agtidah-Bewegung in Polen und führte gemeinsam mit den Assimilanten einen rücksichtslosen Kampf gegen den Zionismus. Bei der Eintragung in die Liste der Sejmabgeordneten erklärte sich der Verstorbene als zur polnischen Nation gehörig. An seine Stelle rückt nach der Wahlordnung Rabbiner Feiner aus Lodz auf. Viele der angesehensten Rabbiner Polens eilten zu seiner Beerdigungsfeier. Während der Beerdigung waren in Lodz fast alle jüdischen Geschäfte geschlossen, und Tausende von Juden begleiteten ihn auf seinem letzten Gang. dramatischen Widerspiegelung des Weltgeschehens durdw aus fremd gegenüberstand. Bis heute ist diese Fremdheit zum großen Teil geblieben. Dem Juden ist Religion nie in dramatischer Form Erlebnis geworden, stets m der lyrisch-explosiven. Diese Tatsache ist nicht uawesentlich für das Schicksal des jüdischen Dramas und Theaters. Erst als im Prozesse, der auf neue jüdische Lebensformen hinziel:, gewisse neue Weltanschauungsmomente in der jungen jüdischen Generation zu keimen bcgannen, konnten sich Ansätze — es sei wiederholt: Ansätze — zur Entwicklung einer jüdischen dramatischen Kunst ergeben. Perez war in seinen Buchdramen in die romantischen Tiefen der uralten in steter Vcr>- bindung an der goldenen Kette der jüdischen Kontinuität sich reihenden Elcmentargedanken hinabgetaucht. Aber darüber hinaus, in neue Formen, die von Romantik losgelost sind, bildete sich Pinskis dramatisches Werk. Es begann mit dem Menschlichen im Jüdischen (Eisik Scheftel, Der Schatz), führte zu den primitiven Grundregungen der Einzelseele (Jekel, der Schmied) und gebt neue Wege weiter, welche Zukunft in sich bergen, Wege, die ein mit spezifisch-dramatischer Empfindung begabtes Talent in Verbindung mit den sich bildenden neuen jüdisehen Lebensformen sich bahnt. Und diese Ansätze des jüdischen Dramas, weiche europäische Form (riidit im Gordinschen Sinne der Bearbeitung, sondern im Sinne der Einstellung auf dramatisches Wesen überhaupt) mit den neuen Keimen jüdischer Lebensauffassung der heranwachsenden Generation verbinden, mußten naturgemäß auch zum entsprechenden theatralischen Rahmen und Stil gelangen Das jüdische Theater der alten Generation hatte eines eigenen Stiles nicht bedurft, weil sein Inhalt, abgesehen von Goldfadens volkstümlichen Singspielen, im wesentlichen europäische Bearbeitung war. Den ersten Versuch, jüdisches Theater mit eigener Note zu schaffen, steßt das künstlerische Unternehmen der Wilnaer Theatertruppe dar. Ganz unabhängig davon aber wurde dieser Versuch in Wien, der Stadt der Uebergänge und Kreuzungen, unternommen und er hat etwas ganz Eigenartiges, Neues hervorgebracht. Seit etwa einem Jahrzehnt datieren die Versuche, gerade in Wien jüdische» Theater zu schaffen. Tastend und unsicher, über die

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