Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 33-34 (27.4.1921)
- Date
- 1921-04-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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4 Nr. 33/34 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 233 *das |en, reh-;hat rch« lick au( |cJ- Her fes kn 3c* aft!gc ke <en arn? en eh :er •ז! cser er ld Dr 1it en, nkd ic T» rdi K > ■ at ct ui ר: Sl V ir > מ ■f sl:׳ n .e tr a ■י ff ö n 1. r 1 l 1 % \! ן f i i I hörende Einrichtungen dü-fen natürlich nicht aus bloßer I atme der Spender beliebig gegründet werden, sondern müssen aus der Notwendigkeit der Siedlungen entselten. Mit der Einrichtung der Einzeliiistitutionen ״IK| Beschaffung des notwendigen Inventars hat die 1 ,rappe unter Beratung des Palästinaamtes selbst Sorge zu tragen Auf diese Art geben wir den Gruppen einen palästinensischen Arbeitsinhalt und oktroyieren ihnen gerechte Palästina sorgen auf. Im gleichen Augen- Mick wird ein edler Wettstreit unter den Gruppen;insetzen. - Es ist eine alte Lebenserfahrung, daß die Kinder, um die man sorgt und zittert, besonders eng ans Her/, wachsen. Hieraus entsteht die praktisch aktive Liebe und Fürsorge für Palästina. Nun zur Gegenleistung der Siedlungen an die Gruppen: Die Kolonien und Siedlungen verpflichten ,ich. allmonatlich einen von der Lau deszentrale abjefaßten statistischen Fragebogen attszufüllen und der ,;!ständigen Gruppe regelmäßig einzusenden mit besonderer Berücksichtigung der von ihr geschaffenen In- .titutionen. Der Fragebogen soll unter anderem Auskauft geben über Maximal- und Minimaltcmperaturcn, vorherrschende Winde, Regenmenge, Wasscrstand und sonstige klimatische Erscheinungen (alle Siedlungen werden mit einfach zu handhabenden meteorologischen Meßinstrumenten versehen, welche auf Kosten der ein- /;■Inen Gruppen gestellt werden), Auskünfte über die jeweilige Flora, über Erivtcarbeiten, Erntcaussichten, (iartinbau, Preise und dergl. mehr, ferner über Krankheiter־, Geburten. Sterblichkeit, Einwanderung, Häuserhau usw. Die Gruppen geben nach Einsichtnahme die Fragebogen an die Landeszentrale weiter, die Vierteljahrsweise zusamnienfasseiide Palästinaherichte über das p:1':äd׳»cnsischc Leben und das Einzelgcdcihen der Nullungen herausgibt, die das beste Werhemateria! für die Arbeit der Diasporaländer bilden wird. Die große propagandistische Phrase ist ausgesdialtet; an ihre bielle tritt positive Palästinaarbeit. Weiterhin verpflichten sieh die Kolonisten, die ein- /einen Gruppen mit palästinensischen Saisonfrüchten, mit Wein und Oel gegen Bezahlung zu beliefern. Selbst auf die Gefahr hin, daß die Früchte sich uurclt die Einzelbelieferung verteuern sollten, birgt gerade dieses Verfahren ungeheuere Lockungen in sich, die bei uns iti Liebe, Bewunderung und tatkräftige Mitarbeit ausklingen werden. Ein direkter Gruß aus unserem Palästina י Der große, zentral geleitete Export Palästinas soll hierdurch in keiner Weise berührt werden. In Verfolg eines solchen oder ähnlichen Systems kam! das praktisch-aktive Interesse für Ercz-Isracl noch weiterhin gesteigert werden. So können Gruppen zur genaueren Berichterstattung und Orientierung ihre besten and bewährtesten Mitarbeiter zum innigeren Konnex mit der Siedlung nach Palästina entsenden, natürlich geh weiterer wesentlicher Reisevcrbilligung, die von mier Schiffahrtsgesellschaft für die zionistischen Vertrauensleute der Diasporaländer in corpore wohl erwirkt werden kann. Das spornt und eifert an. Die alljährlichen von den Gruppen neu zu schaffenden Institutionen im Eigentum des Volkes nehmen einer- ־■eits dem Keren Hajcssod einige Arbeit ab, andererwits erhöhen sie das praktische Palästiuainteresse so weit, daß für jeden Juden, dem das Volk und das!and seiner Väler noch etwas bedeutet, die geforderte Hri'.ragspflicht zum Keren Ffajessod zur Selbst verstand- Iwhkeit wird. Dm irrtümlicher Auslegung meines Planes im vor- Imwin zu begegnen, erkläre ich ausdrücklich, daß diese Institutionen nimnter auf Kosten der Opferbereitschaft ihr den Keren Hajcssod geschaffen werden dürfen, sondern ans dem Jahresetat der Gruppen und Vereine, deren Spesenkonteu häufig für ein Nichts zu schwillddmier Höhe sich türmen. Die vielen unnützen Aus-!mlxu für Luxussekretariate, Fcstgelagc ohne Inhalt, /hwck und daher ohne ideelle״ Nachwirkung, alle großen ״nd kostspieligen agitatorischen Dcmoivstrationsver- '׳(:mmungen. die in dem Vakuum des jetzigen jüdiwiun Gewissens taub verhallen und kaum mehr eine Neugier stillen, müsse׳( aufbören, tmd an ihrer Statt muß die positive Palästina a r beit endlich zum Lebensinhah der Juden der Diaspora werden. Dies sei nur ein Plan, der — organisatorisch in drei Monaten realisierbar -- zu unbegrenzten Arbeits- Möglichkeiten und Erfolgen für Palästina führen kann, 1hr ln sich soviel potentielle Energien aufspcichem •2111, daß mit Leichtigkeit die lebendige jüdische Kraft für den Aufbau Palästinas freigemacht werden kamt. — '1x1 wir hätten weder Reden zu halten, noch zu hören! Die deutsche Landsmannschaft möge endlich auf dun Delegiertenfag prak tische und sofort d ״ r c h f ü h r bare Paläsrtinabeschlitese fassen, damit ,־:e auf dem kommenden Kongreß vorbildlich und befruchtend wirke. Zionistischer Gruppenverband Oberscblesien Hie nächste Sitzung des Gruppenverbandes findet am Sonntag, den 1. Mai, vorm. 93,4 Uhr im jüdischen Demdndchausc in Beuthcn, O.-S״ Schicßhausstr. 6, statt, '׳as einleitende Referat über den Delegierten tag und ütn Zionistenkongreß wird Dr. Weidmann, Beuthen, ״alten. Die Vertreter und Mitglieder der Ortsgruppen v'erdcn mit der Bitte iun pünktliches und zahlreiches Erscheinen hierzu eingeladen. Nationaler Einheitsblock Seit der letzten Veröffentlichung haben unter anderen ihre Zustimmung zum Programm des Nationalen Einheits- Nocks gegeben: Zionistische Ortsgruppe Essen: (einstimmig); Zionistischer Jugcndverehi ״!!);iah", Essen (einstimmig); B, Fried!ander (Düsseldorf), Kurt Hamburger (Barmen); R.-A. Hermann Hirsen (Haiberstadt); Siegfried Hirsch (Halberstadt); R.-A. Katzen st ein (Bremen); Leopold M a s c h k c (Bernbürg); aus Berlin: Werner Bloch. Dr. Harry Cohn, Reinhold Cohn, Grete Eckstein, ln׳. Max Jungmann, Buchhändler Alexander Melnik, Erwin Rabau, Dr. Adalbert Sachs, W. Sehens, Dr. Senator, Georg Strauß, Dr. Heinrich Strauß Hugo Wolfermanri. Die Kandidatenliste des Nationalen Einheitsblocks für Berlin, die mit dem Namen Dr. Arthur Hantke beginnt, wird in der nächsten Nummer veröffentlicht werden. Zu Auskünften jeder Art ist bereit Dr. Fritz Löwe nstein, W 15, Düsseldorfer Str. Ti (Uhland 7030). Hopoftl-Hazair * Gruppe ■Berlin Dienstag, den 8. Mai, 8 Uhr abends Spichernsäle, Spichernstrasse 8 (nIVobat H&raborgar PlaU) Zionistische Versammlung ״Der Zionismus vor dem XII. Kongress“ Eintritt 2.— Mark. Rechtsrheinisch *westfälischer Gruppeiiverband Der rechtsrheinisch-westfälische Gruppenverband berief für den 10. April nach Düsseldorf einen außer* ordentlichen Gruppenverbandstag ein, der von Mitgliedern der Ortsgruppen und Jugendorganisationen! Elberfeld, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Dortmund. Bochum, Gelsenkirchcn, Remscheid, Hamborn und Hamm i, W. zahlreich besucht war. Nach einem ausführlichen Referat von Herrn Dr. I Fritz L ö w e n s t e i 11 - Berlin über: ״Die innere und äußere Lage des Zionismus" wurden einstimmig nachstehende Resolutionen angenommen: ״Der außerordentliche Gnippcnverbandstag des rechtsrheinisch-westfälischen Gruppcnverbandes heschließt, die Z. V. f. I). möge veranlassen, daß für die Zwecke der A1 i j a h den Bczirkssekrctariaten in Deutschland Mittel zur Verfügung gestellt werden, die sie in den Stand setzen, berechtigte Forderungen, die von Cha’uzim an die Sekretariate gestellt werden, zu erfüllen. Die Mittel sollen den Eingangen für den Keren Hajessod atts dem betreffenden Bezirk entnommen werden.“ Ferner: ״Der außerordentliche Gruppeuverbandstag des rechtsrheinisch-westfälischen Bezirks beantragt, die Z. V. f. D. möge alle diejenigen Zionisten, die sich bis zum 1. Oktober dem Keren Hajcssod ver* weigern, oder deren Zeichnung in einem offenkundigen Mißverhältnis zu ihrer Leistungsfähigkeit stellt, aus der Organisation au sachlichen. Vor dieser Maßnahme sind die betreffenden Zionisten noch einmal an ihre Pflicht zu erinnern. Gegen den Ausschluß stellt Berufung an den Landesvorstand zu." Die bereits letzthin veröffentlichte Resolution wurde mit allen gegen drei Stimmen mit lebhaftem Beifall angenommen. Im weiteren Verlaut der Debatte wurde beschlossen, sofort mit einer intensiven Schckclaktion zu beginnen und die energische Durchführung dieser Aklion allen Ortsgruppen zur Pflicht gemacht. Verantwortlich für diese' Arbeit im Bezirk ist Herr Dr. Walter Fischer, Elberfeld, Wortmannstr. 42. Ganz besondere Bedeutung ist schließlich der Z10nistenstcucr beizumessen, die von manchen Ortsgruppen in letzter Zeit in sehr bedauerlichem Maße vernachlässigt worden ist. Unser ganz spezielles Interesse - und unsere ganze Kraft ist neben Keren Hajcssod jetzt der Zionistensteuer zuzuwenden. Die Ortsgruppen erhalten hierüber in eleu nächsten Tagen ausführliche ׳Rundschreiben. Im Anschluß an die Tagung machte Herr Dr. Fritz Löwenstciu in Ausübung seiner freiwilligen Dienstpflicht eine Tourn& durch unseren Bezirk und besuchte eine Anzahl Orte speziell für Keren Hajessod mit teilweise sehr guten Erfolgen. A. P. Nordwestdeutscher Gruppenverband Folgende Entschließung wurde bei der Tagung in Bremen angenommen: ״Die Teilnehmer an der am 17. April 1921 in Bremen tagenden erweiterten Vorstandssitzung■ des Nordwestdeutsehen Grnppenvcrbandes erblicken in der Schaffung eines politischen Komitees in der vom Landesvorstand bcschlossenen Zusammensetzung einen ernsten Versuch, durch gemeinsame Festlegung von Richtlinien für die praktische Tagespolitik der Lage innerhalb der Z. V. f. I). Rechnung zu tragen. Zur L ö s u n g der politischen und wirtschaftlichen Krisis im deutschen Zionismus ist eine ähnliche Zusammensetzung der verantwortlich c!> Leitung der Z, V.f. D. zu erstreben, durch welche die freudige tatkräftige Unter- Stützung der arbeitswilligen Kräfte aller Parteien gesichert werden kann." Gesucht wird Chaim David G?08berg, gcb. 1900, seit 1917 in Deutschland. Nachricht erbeten an das Arbeiterfürsorgeamt, Auguststr. 17. f Biojan Haarez? Von Georg Landauer. 1. Die zionistische Bewegung hat die Aufgabe übernomine», den Aufbau Palästinas mit den jüdischen Menschen und Mitteln zu vollenden. Die Zionistische Organisation ist der praktische Rahmen hierfür. Die zionistische Bewegung hat naturgemäß manches oder viel Gemeinsames mit den andern Bestrebungen zum Schutze jüdischer Interessen und zur Entfaltung jüdischer Kultur. Aber ihre singuläre Aufgabe, ihr Spezifikum, das ihr Existenzberechtigung gewährt, ist der nationale Palästinaaufbau; dies ist, bei begrifflicher Bestimmung, das wesentliche Merkmal unserer Bewegung. Sonderbildungen innerhalb der Bewegung müssen daher ihre Existenzberechtigung aus ihrer besonderen Auffassung vom Palästinaaufbau, aus der Differenzierung des Aufbauprogramms herleiten. Zwar mögen Unterschiede auf allen erdenklichen anderen Gebieten innerhalb der zionistischen Bewegung auftreten: eine z i o - nistische Sondergruppe ist nur sinnvoll, wenn sie das Typische, das Einzigartige der zionistischen Fprde rungen anders als die andern sieht, variieren will und somit den Zusammenschluß organiscli durch die Gleichrichtung ihrer Kräfte findet. So hat der Misrachi seine Bewertung der Thora mit weiten nichtzionistischeii Kreisen gemeinsam. Das Recht zur Föderation kann er nicht aus seinem orthodoxen Programm als solchem, sondern nur aus seiner Auffassung von der Rolle der jüdischer! Religion beim Aufbau Palästinas beziehen. Entsprechendes gilt für Ponle Zion hinsichtlich des Marxismus, erst recht leitet der Hapoiil-Hazair sein Recht auf Fndcrationsbikiung aus seinem ihm spe/ifisehen Paläsiinaprogramni her. Die jetzt hervortreteude Föderation Binjan Haarez erhebt zwar im Namen den gleichen Anspruch, du Aufbauprogramm zu haben und durch dies eine Sondergruppe zu rechtfertigen. Aber das ist eine Irreführung, (Binjan Haarez, meinte neulich ein junger Freund, Neuling im zionistischen Parteiwesen, zu mir, muß wold eine Organisation von Chaluziin sein. Und cs fiel mir sehr schwer, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, er hatte sich durch den Namen blenden lassen.) Die Föderation hat gar kein Au-fbauprogramm. Sie verlangt die Privatinitiative und alleinige Rücksichtnahme auf wirtschafiliche Prosperität. Das aber ist weder ein Programm, noch vor allen Dingen ein besonders eigenes. Diese Forderung teilt Binjan Haarez mit manchen anderen, sie kann daher kein Recht auf Föderationsbildung geben; und nur aus einer Eigenart des Palästinaprogramins wäre cs innerhalb einer i zionistischen Bewegung zu verleihen. Es felüen also die besonderen zionistischen Kriterien. Minimal- oder Maximalprogramme sind solange belanglos, als sie dieses Gebiet nicht berühren. Und das Entscheidende; Binjan Haarez will das auch gar nicht Sehen wir von dem guten Namen ab, das ist ja gerade der besondere Fall dieser Gruppe, daß sie es ablchnt, eine besondere Auffassung vom Zionismus zu haben. Besonders deutlich ist das in der Geheimbroschüre von Witkowski ausgesprochen. — Der Sonderbund aller, die nichts Besonderes wollen! Und ihre Eigenart? Binjan Haarez lehnt die unbedingte nationale Forderung als auch für das Gaiuth geltend ab, nationale Verpflichtungen sollen für den Beitritt in die Zionistische Organisation nicht mehr bestehen. Wenn auf diesem Gebiet die Besonderheit — dem Wortlaut des Programms uiul der bekannten Polemik der Führer entsprechend — liegt, so ist Binjan Haare/, ein 'Sonderfall der jüdischen Gal u t ltb e w e g u ng , aber auch hier differenziert heute die Anerkennung des Basler Programms nicht mehr genügend, um eine Sondergruppe in den meisten nichtzionistischen Organisationen bilden zu dürfen. Binjan Haare/, ist mit seinem PaläsUnaprogramm kehv zionistischer, mit seinem Gahitiiprogramm kein außerzionistischer Sondcrfall; berührt mit seinem Gaiuth- Programm kein zionistisches״ mit seinem Palästinaprogrnmni kein außerzionistisches Kriterium. Soviel zur Föderationsbildung überhaupt. 2. ln diesem negativen Charakter liegt die Gcfalir. Binjan Haarez verlangt nur die Anerkennung des Basler Programms, die Schaffung der jüdischen Heimstatte. — Wie ‘soll man diese Forderung in ein Erziehungsprogranim cinglicdem? Hier erhebt sich die alte Frage, welches Verhältnis der jüdische Mensch zu dem von ihm anerkannten zionistischen Programm haben soll. Menschen zur bloßen Anerkennung des Heimstättengedankens zu erziehen (und die Jugend vor den radikalen Paiästkvaforderungen: Vorbereitung und Uebersiedlung, zu bewahren, wie das Programm des Binjan Haarez verstohlen andeutet und uns aus den Reden der Führer bekannt ist), muß den Zionismus im Gaiuth zu einer philanthropischen Bewegung stempeln; schon heute hausiert man wieder mit der Not im Osten, trägt unseren nationalen Zioniismus zu Grabe. Alle Föderationen stellen in ihrem Programm besondere Forde rungen an den Menschen bei der Besiedlung des Landes. Nur Binjan Haarez nicht Hier ist in der Tat der Zionismus zu einem wirtschaftlichen Unternehmen geworden. Er will nicht mehr, als daß sie gut verdienen; so sagt das Programm. (Der Misrachi sollte cs sich verbitten, daß hierbei auch die Thora vorangetragen wird) — Nun, an welche Men-