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Jüdische Rundschau · 1921-04-27 · Heft 33-34 (27.4.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 33-34 (27.4.1921)
Date
1921-04-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33/34 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 225 W©üs!1mami im A1M©1*Ifk» Weizmann bei Harding Neue Angriffe gegen das Palästina-Mandat Von unserem Londoner H.-Korresponckntcn, London, 2t. April 1921. Km«» hat die industrielle Krisis in England etwas von ihrer äußersten Scharfe verloren, so ‘wendet sich ,!;!$ Interesse des Parlaments auch schon wieder ausv,arti;:en Fragen zu. und sofort auch wieder der Frage ,י vs Palästina* Mandats. 111 der Sitzung des Housc of Lords vom 20. wurde die Debatte durch eine Anfrage Lord Lamingtons ein* geleitet, der zusammen mit Lord S y d e n h a m und Lord fslington die Gruppe int Oberhaus bildet, welche immei■ wieder gegen die Mandatspolitik der Regierung, m<besondere auch in bezug auf Palästina Stellung nimmt, Diesmal beteiligten sielt an der Debatte außer Lord L a - m i n g t o n, Lord Sydcnham und Lord l s 1 i n g *!0n auch Lord Parinoor, Viscount Bryce und Marquis Crewe, die sich allerdings nicht gegen die a>-zionistische Slcllungnalimc Englands wandten, son* jvm nur das Bestreben zeigten, dem Parlament aus* reichende Informationen zu verschaffen. Für die Regierung sprach der das Kolonialamt ver* tretende Unicrstaatssckrotär Marquis of Londonderry. Wenn die IXbattc auch keinen neuen Gesichtsis.nkt "erbrachte, so verdient sie doch bemerkt zu werden, i!a es von Bedeutung ist, welche Argumente die anti* zionistischen Politiker ausfindig machen, um die Re* .;iertmg anzugreifen. Lord L a min g t o n stellte an die Regierung die Anfrage, ob der Völkerbund darauf aufmerksam gemacht werde, daß bei dein Entwurf der Mandatsbestimmungen die Wünsche der einheimischen Bevölkerung Palästinas nicht berücksichtigt worden seien; er verlangte ferner, daß der von der sogenannten ״amerikanischen Korn* misskm“ über die Verhältnisse in Palästina und Syrien an die amerikanische Regierung erstattete Bericht dem \ ,!Ikerb.md vorgelegt werde. Bei der Begründung seiner Anfrage führte der Lord aus, daß die Regierang zu- ״egeben lialrc, daß die Bevölkerung Palästinas nicht befragt worden sei, ob sie das Mandat wünsche, und daß die Bevölkerung zu der Zeit, als sie ein britisches Mandat verlangt habe, nicht genügend beachtet hätte, daß eine zionistische Bewegring in Verbindung mit der Errichtung eines nationalen Heims für "die Juden in Palästina am Werke sein werde. Die zionistische Bewegung sei nur der jüdische Deckmantel für Eroberung gewesen. Der Völkerbund solllc daher darauf aufmerksam gemacht werden, daß die Wünsche der Bevölkerung Palästinas nicht gemäß Artikel 22 der Konstitution des Völkerbundes zu Rate gezogen worden seien Die amerikanische Regierung habe seiner- /eit eine Untersuchung über die Wünsche der Bevölkev.iug Syriens und Palästinas angestellt, Frankreich und (. ׳.roßbritannien liiitten sich an der gemeinsamen Korn-!!.is-fcm beteiligen sollen, seien aber davon abgestanden, so daß die Amerikaner eine Untersuchung auf eigene l aust vorgenommen hätten, deren Ergebnis allerdings nicht hekanntgegeben worden sei. Deswegen sei es u.it so notwendiger, diesen Bericht dem Völkerhiindc vor zu legen. Lord Sydcnham (der auch vor kurzem in der Zeitschrift ״Nincfeenth Century“ einen Aufsatz, veröffentlicht hat, in dem er gegen die pro-zionistische Pohtik der Regierung auch mit antisemitischen Argumenten kämpfte), unterstützte den Vorredner, indem er sagte, der Bericht der amerikanischen Kommission solle nicht mir dem Rate des Völkerbundes übergeben, sondern auch veröffentlicht werden, um zu zeigen, was die Wünsche der einheimischen Bevölkerung Palästinas wären. Die Wünsche der Bevölkerung werden, sagte Cer Redner wie er befürchtete, in Mesopotamien lind Palästina nicht beachtet; in Mesopotamien werde der Versuch gemacht, eine arabische Regierung einzusetzen, uie ein großer Teil der Bevölkerung durchaus nicht h iben wolle, ln Palästina aber sei eine autokratische Regierung eingesetzt worden, und Churchill könne seine iüngst einer muselmännischen Deputation gegenüber abgegebene Erklärung i!1 bezug auf die Einsetzung Sir Herher! Samuels als Oberkommissär nur im ironischen Sinne als eine Berücksichtigung der Wünsche der Bevölkerung gemeint haben, da Sir Herbert Samuel ein sehr hervorragender Anhänger der mächtigen Zionistischen Organisation sei. Die sogenannten Araber, führt Lord Sydeniians fort, stehen demnach einer jüdischen Autokratie gegenüber, indem die Sprache einer Minorität zur oifizivilen Sprache gemacht worden ist und die Zionisten einen immer mächtigeren Einfluß in der Verwaltung des Landes bekommen. Der Bericht der amerikanischen Kommission solle angeblich den Wunsch der einheimischen Bevölkerung nach Beschränkung der jüdischen Einwanderung enthalten. Demgegenüber melde die ״Egyptian Gazette“ mm 6. Januar, daß in der Woche bis zum 27. Dezember gegen 600 Immigranten aus der Krim und 200 aus anderen Orten Zentraleuropas via Triest in Palästina eingelangt seien. Diese Nummer der ״Egyptian ' 1!zette“ melde auch, daß die Zionistische Organisation ׳:!gefordert worden sei weitere 1000 Zertifikate für Lhaluzim auszugeben. Der Redner wisse nicht, was die Wendung bedeute, fürchte aber, daß alle diese Einwanderer Zionisten seien, und manche von ihnen seien wahrscheinlich Bolschewiken, die aus Zentralcuropa entkommen, weil ihre Position dort nicht sehr angenehm sei. Wenn diese Immigration fortdauerc, so sei das Uebcrgcwicht der Zionisten über die einheimische Bevölkcrung nur die Frage einer sehr kurzen Zeit, und für diese ganze gemischte Gesellschaft sei England verantwortlich, da alle diese Leute automatisch britische Bürger würden und die eigentlichen Palästinenser nichts z» sagen hätten. Man müsse deshalb dafür Sorge tragen, nicht in Ausgaben verwickelt zu werden, die ganz unnötig seien. Es scheint, sagte Lord Sydcnham, daß Balfour zu der Zeit, als er seine schicksalsschwere Dekiaration machte, eine sehr blasse Ahnung von der jahrelangen Tätigkeit der Zionisten hatte, die hinter der von ihm gemachten Deklaration lag. Seit der Oberkommissär jn Jerusalem angekommen ist, sei es schwer, Informationen aus Palästina zu bekommen, und deshalb solle der Bericht der amerikanischen Kommission mögliehst bald veröffentlicht werden New York, den 23. April. Weizmann wurde vom Präsidenten der Vereinigten Staaten, Harding, in einer längeren Audienz empfangen. Weizmann hat Harding die gegenwärtige Lage des Zionismus dargelegt und ihm insbesondere einen Bericht über die in Amerika geplante Kampagne zugunsten des Keren Hajessod gegeben. Der Senat des Staates New York hat einstimmig beschlossen, Weizmann und Einstein das Ehrenbürgerrecht des Staates New York zu verleihen. Die Spaltung in Amerika New York, den 17. April, Die Verbandhingen zwischen Weizmann und der amerikanischen Exekutive sind am Sonntag, den 16. April, abgebrochen worden. Weizmann hat am Sonntag ein Manifest an die amerikanischen Juden erlassen, in welchem die Errichtung des Keren Hajcssod-Büros in Amerika angekiindigt wird. Das Manifest ist gezeichnet von Wcizmann, Ussisdtkin, Levin und Mossinsohn. Die Vorschläge, die von der amerikanisehen Exekutive gemacht und von Weizmann abgelehnt worden sind, sind folgende: 1. Der Keren Hajessod wird in den Vereinigten Staaten bis zum Kongreß lediglich als Spendenfonds errichtet. 2. Es wird ein Board of Trustees geschaffen, der Vertreter des Misrachi, der Poale-Zion und der Nichtzionisten enthält. 3. Das Geld soll in amerikanischen Banken liegen bleiben; als einzige Ausnahme soll davon genommen werden das Budget der Medical Unit, welche die erste Belastung des Fonds darstellt, und monatliche Beiträge zum Palästina-Budget, über die die Exekutive der Weltorganisation monatlieh der Landesorganisation Rechnung legen muß. Die monatlichen Ausgaben sollen in strengster Ucbercinstimmung mit dem Budget gemacht werden, und über den Kongreß hinaus darf keine Verpfliclitung eingegangen werden. Ausgaben, die nicht im Budget vorgesehen sind, sollen nach einer besonderen Vereinbarung zwischen Weizmann und Judge Mack gemacht werden. 4. Der nächste Zionistenkongreß soll über alle Fragen des Keren Hajessod entscheiden, einschließlieh der Verwendung des nach Bezahlung aller Budgetposten in Amerika übriggebliebenen Fonds. Für die Regierung antwortete der Marquis of L o n d o n d c r r y, daß Artikel 22 der Konstitution des Völkerbundes nur feststellc, daß die Wünsche der Bevölkcrung in bezug auf die Auswahl der Mandatmacht in Betracht gezogen werden müssen, nicht aber in bezug auf die Bestimmungen des Mandats. Was den Bericht der amerikanischen Kommission anlange, so sei es unmöglich, daß die englische Regierung den Rat des Völkerbundes auf ein Dokument verweise, das einer anderen Regierung gehöre, und von derselben als nicht zur Veröffentlichung oder zur Mitteilung an dritte Regierungen geeignet gefunden worden sei. Im übrigen sei eine Aktion zur Vorlegung dieses Berichtes nicht mehr zeitgemäß. Churchills Erklärung im Parlament (Von unserem Londoner Korrespondenten.) London, 21. April. In der Sitzung des Unterhauses vom 20. April stellten einige Abgeordnete an Churchill die Frage, welche Kosten seine “Reise nach Mesopotamien imd Palästina gemacht habe, und ob er bereit sei, im Parlament eine Erklärung über die Ergebnisse seiner Reise abzugeben. Churchill antwortete, daß zwischen einzelnen Departments Verhandlungen bezüglich der Vorbereitung des von ihm zu vertretenden Budgets vor ach gehen, daß er aber hoffe, anfangs des nächsten Monats sein Budget einzubringen und eine Erklärung abzugeben. Er hoffe, nicht nur einen Voranschlag über die in Mesopotamien und Palästina erwarteten Ausgaben einbringen, sondern ein endgültiges Budget für die Kosten dieses Jahres vorlegen zu können, welches geringer sein wird pls das Budget, das dem Hause Vorgelegen hat Er hoffe auch, eine Schätzung abgeben zu können, in welcher Weise die Ausgaben in den nächsten Jahren reguliert werden sollen. Der palästinensische Handej Im Februar. Im Februar wurden in Palästina Qüter im Werte von 460 0G0 äg, £ angeführt, wogegen der Export nur 59 000 äg, £ betrug. Von den Haupteinfuhrländern entfielen 155 000 £ auf England, öl 000 £ auf Aegypten, 34 000 £ auf Indien, 25000 £ auf Nordamerika, 26 000 £ auf Holland, 21000 £ auf Italien und 15000 £ auf Frankreich, Die wichtigsten Einfuhrgütcr waren Kohle, Zucker und Baumwolle. Die jüdische Presse aller Richtungen ki ihrer großen Majorität begrüßt, wie dem ״J.CB.“ aus New York telegraphiert wird, die Zurückweisung der amerikanischen Vorschläge durch Weizmann. In zwei vorbereitenden Versammlungen, wo Ussisdtkin und Levin sprachen, wurden 350000 Dollar gezeichnet Macks Erklärung Judge Mack hat folgende Erklärung verötfent- Kcht: ״Ich bedauere, folgende Erklärung abgeben zu müssen: Am Sonntag hat Dr. Weizmann unvermittelt die Verhandlungen abgebrochen, welche idt mit ihm und seinen Begleitern in den letzten zwei Wochen geführt habe in der Hoffnung, eine gemeinsame Basis zu;finden, auf welcher der Keren Hajessod in Uebereiustimmuiig mit den einstimmigen Beschlüssen der Convention in Buffalo in den Vereinigten Staaten als Spendenfonds errichtet werden soll, der nur und ausschließlich in Palästina verwendet wird und unter solchen Garantien, welche seine richtige Verwendung sichern. Als am Sonnabend Dr. Weizmann endgültig und ausdrücklich zugestimmt hat. daß der Keren Hajessod in den Vereinigten Staaten ausschließlich ein SpetvJentemds sein soll, hatte ich (Las Gefühl, daß unsere Bemühungen, zur Einigung zu gelangen, Erfolg gehabt hatten. Die Anträge, welche im Laufe der Konferenzen gestellt worden sind, wurden während der Nacht von Vertretern beider Teile formuliert, und dieser Entwurf wurde diesen Morgen uns beiden vorgelegt. Während 1 der Entwurf noch in Behandlung stand, verständigte mich Dr. Weizmann, daß er ihn unbedingt zurückweise, und ohne weitere Erklärung oder Beratung veröffentlichte er eine Proklamation, wodurch das Keren Hajessod- Büro in Amerika unabhängig von der Zionistischen Landesorganisation Amerikas eingerichtet wird. Die Führer der Zionistischen Organisation in Amerika nehmen keinen Auteii an dieser Kundgebung. Sic sind nicht aufgefordert worden, sic zu unterschreiben, und hätten sich auch nicht beteiligen können, weil dabei völlig davon abgesehen wird, den Fonds, wie vereinbart, auf einen Speaöenfonds einzuschränken und Sicherungen bezüglich seiner Verwendung einzufügen — unerläßliehe Voraussetzungen für unsere Mitarbeit bei der Aufbringung dieser Fonds. Ein vollständiger Bericht über die Verhandlungen ward schnellstens angefertigt und wird ergänzt werden durch die Pläne der Zionistischcn Organisation Amerikas für die Errichtung eines Palästina-Spendenfonds gemäß den Be- Schlüssen der Buffalo-Convention und des Exekutivkomifees. Bei der Aktion für diesen Fonds rechnen wir mit der schleunigen und dauernden Mitarbeit aller loyalen Zionisten Und aller amerikanischen Juden. gez.: Julian W. Mack, Präsident der Zionistischen Organisation Amerikas.“ ״Haarcz“ veröffentlicht ein Gespräch mit Herrn Israel Cohen, der im Aufträge der Zionistischen Organisation zum ersten Male da» fernen Osten bereist hat. Nachstehend bringen wir einige toteressante Einzelheiten. Die Reise dauerte fast acht Monate und umfaßte die Länder: Australien, Neuseeland, China, Indien, Japan und die Mandschurei. Die Zahl der Juden dort ist gering; in Australien sind es 1S00, in Ncuseetand 2000, Schanghai 1500, Yokohama 500, in C h a r b i n leben zirka 10 000 meist russische Juden. Ihre materielle Lage ist im allgemeinen׳ sehr günstig, obwohl natürlich auch sie unter der allgemeinen Weltkrise zu leiden haben. Die Lebensweise ist cngEschjüdisch, das Interesse für die Arbeit der Juden in der Weit ist sehr rege, und die Propaganda für den Keren Hajessod wurde dort mit großem Eifer aufgenommen. Die politische Lage ist ausgezeichnet. Der Präsident des Parlaments im Staate Neu-Süd-Wales ist Jude. Eütmal mußte sogar die Sitzung am Jom-Kippur ausfallen, weil sowohl der Präsident als auch der Vizepräsident in der Synagoge waren. Es war ein großer Fehler der Zionistischen Organisation, daß man diesen Teil des Judentums bisher vernachlässigte. Das kulturelle Lebet leidet sehr unter dem Mangel an modernen gebildeten Rabbinern. Hebräisch wird in fast allen Städten gelernt Unweit Melbourne gibt es auch eine jüdische Ackerbau-Kolonie. In zahlreichen Ver- Sammlungen, denen auch viele Christen beiwohnten, sprach Herr Cohen über den Keren Hajessod. In Wellington führte der christliche Bürgermeister den Vorsitz. Unter den Rednern befanden sich auch der Ministerpräsident und der Oberrichter Außer den 700 in der Stadt wohnenden Juden haben sich an den Beiträgen für den Keren Hajessod 1800 Christen beteiligt. Auch in, anderen Städten beteiügten sich Christen am Keren Hajessod. Im ganzen wunden durch Herrn Cohen 114000 Pfund aufgebradit, darunter ein Beitrag in Höhe von 1000 Pfund von einem jüdischen Musiker, der gemeinsam mit Cohen eine Tournee durch Australien unternommen hatte, und ein Beitrag von 1500 Pfund, die eine jüdische Frau aus Singapore zum Andenken ihres Mannes ge* stiftet hatte. Im fernen Osten

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