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Jüdische Rundschau · 1921-04-20 · Heft 31-32 (20.4.1921) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 31-32 (20.4.1921)
Date
1921-04-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
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I Nr. 31/32 Verist ihre dk üdirak- •»״ neu, mit sich 1ra> Ar- :hnt aiudaß t es »chfiter sich ach den gab *die ter* jen Ar• in gejcn ‘m Ar• ich nt* eu- Kh >ie esc Ire ea, c - ten en, clit *i- 3cter en, ind •"צ 'O (nd len :n: e in ic eeg de U .״' r• e* JUBDISCHB RUNDSCHAU Seite 215 welche die Bedeutung der öffentlichen Arbeiten für jcn Aufbau des Landes und für die Ermöglichung einer jdasseucunwanderung betont. Ein weiteres negatives Moment äst der Mangel an Kapital bei der Xrbeits- Iciaing. Die Regierung bezahlt die Arbeit erst, wenn ,ic ferdggcstcllt ist, vorliiufig erhält der Arbeiter außer dem Essen nur noch Anweisungen. Der Unterschied zwischen dem flcilHgcn Arbeiter, der viel verdient und dem faulen kommt demnach nur auf papierenen Zetteln u״d nicht in Wirklichkeit zum Ausdruck, und die Arbeiter sind bei größter Anstrengung dennoch ohne BarmittcL Ein weiterer Mangel ist ׳ die verschiedene Ent- Ichnmig. Die verschiedenen Arbeiten, die verschiedenen Sirallenstücko sind ungleich schwer und ungleich lohnend, so entstehen Verschiedenheiten der Bezahlung, die zufällig sind. Die Konferenz in Haifa setzte einen Ausschuß ein, der diese Mängel beheben soll und hat weiter allen Mitgliedern der Organisation zur Pflicht gemacht, an die Arbeitsstelle zu gehen, die Ihnen von der Organisation angewiesen wird. Sehr grolle Schwierigkeiten luft endlich die kulturelle Arbeit unter den Chaluzim vor sich. Es fehlt an Büchern! Die Gruppen erhalten auf eigene Kosten ihre Lehrer der hebräischen Sprache, die Zentrale in Jaffa stellt keine Wandcrblblio*;lu'kcn zur Verfügung. Die Straßenarbeiter geben ein hek’.ographisches Blatt ״Hasoiel״) ״Der Wogbahncr“) heriiis, wofür die Organisalkm 25 Pfund monatlich auf• bringen muß. Nur sehr «eiten hären die Arbeiter drauiien einen Vorlrag, von Musik oder Theater gar nicht zu sprechen. Aber über alle Leiden kommen die Chaiuzim hinweg, solange sie wissen, daß sie ״Clialuzim“, das heißt die Avantgarde sind, daß andere Truppen nachkommen. VnJ tos ist die große Frage: Wird die Einwanderung wenigstens auf der Hohe der Sommermonate erhalten wer Jen, 10110 Chaiuzim im Monat, oder auf dem gegen• »•artigen niedrigen Niveau bleiben? Aengsüich fragen die Palästinenser bei jedem Schiff: Brachte es Chaltt• kn? Und diese Frage hängt schließlich von der andc• ren ab: Was macht die Arbeit für unsere Fonds? W ie schreitet der Keren Hajessod vor? Dies »st die brennendste Frage Palästinas. (J. C. B.) ״Es könnte mehr geschehen!‘‘ So hört inan viele Zionisten sp reellen. Jeder deutsche züonist ist der Ansicht, daß das eine oder andere nicht geschieht, obwohl es geschehen müßte An wem liegt es? ״Natürlich“ an der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, die sich dieser oder jener Aufgabe nicht gcnügtTkl widmet. L/egt cs wirklich so? Alle Zionisten, welche tadeln, daß nicht genug geschieht, sollten sich fragen, ob der Zionistischen Vereinigung für Deutsch• lang genügend Mittel zur Verfügung stehen, damit sie all den vielen auf sic cinstürmendcn Wünschen, Anregungen und Gedanken Folge leisten kann. Tatsächlieh kann sie cs nicht, da ihr die deutschen Zionisten bei weitem nicht genügend Mittel zur Verfügung stellen. Geradezu ungeheuerlich sind die Ausgaben, und die Einnahmen steigen nicht entfernt im gleichen Maße, Die Zionistensteuer geht gerade in diesem Jahre aiillcrordentlich schlecht ein. Darunter leidet die gesamte Verwaltungstätigkcit der Organisation, darunter leiden alle die mannigfachen kulturekn und sozialen Aufgaben, ihre im Palästinaamt sich konzentrierende Fürsorge für Pnlästinawnndcrcr, sowie die Verbreitung des zionistischen Gedankens. Ginge die Zionistensteuer besser ein, so würden die schon übernommenen Aufgaben der Zionieklien Vereinigung für Deutschland besser erfüllt werden können, und viele neue Aufgaben könnten in An• griff genommen werden. Von der Zionistensteuer lebt die Zionistische Vereinigung für Deutschland. Kommt die Zionistensteuer nicht ein, eo muß sie ihre Arbeit, n: ׳ :tt sic auszudehnen, alsbald cinschränkcn. Gewiß ruhen auf den Zionisten jetzt viele und schwere Pflichten. Außer dem Ortsgruppenbeitrag, dem Schekel und dem Abonnementsbeitrag der ״Jüdischen Kundschau“, muß er an den Keren Hajessod den Maasser entrichten. Dennoch muß auch die Z i o n i s t e n- Steuer bezahlt werden, da sonst die Landesorganisation nicht arbeiten kann, womit die Organisation der deut• sehen Zionisten und ihre Vertretung innerhalb der Welt• Organisation entfiele. Es geschieht nicht genug? Man zahle die Zionisten• Steuer, erhöhe den Betrag für sie, und es wird ge• nügenld, es wird immer mclir geschehenI Gesteigerter Fremdenverkehr in Palästina Wie ״Haarez" mitteilt, hat die Fremdensaison In Palästina begonnen. Ende März sind mehrere Hundert Engländer und Amerikaner nach Jerusalem gekommen. Weitere Qruppen sind angekündigt. Man hofft, daß der Fremdenverkehr für Handel und Industrie neues Leben bringen wird. Zur Frage der Leitung Von Professor Otto War bürg, Berlin. Es ist freudig zu begrüßen, daß Adolf Böhm die Frage der Leitung der Zionistischen Organisation angeschnitten hat, und es ist nur zu bedauern, daß diese so außerordentlich wichtige Angelegenheit erst jetzt aus dein Bereiche des Persönlichen herausgehoben und zu einer Prinzipienfrage gestempelt wird. Es ist anzunchmen, daß eine rege Diskussion darüber jetzt cinsctzcn wird, und §o mag es audi mir erlaubt sein, einige Bemerkungen darüber zu machen. Es sind iin wesentlichen zwei Fragen, die von Böhm zur Diskussion gestellt werden, erstens die Zusammensetzung der Exekutive an sich, sowie die Frage, ob noch eine übergeordnete Instanz, wie das Große Adionstx>111it<5, existenzberechtigt ist, zweiteus die Frage des Sitzes der Exekutive. Zu dem ersten Punkt möchte ich bemerken, daß, wenn man an unserem Orgauisationsstatut einmal rütteln will, was Böhm ja schon dadurch tut, daß er das Große A. C, abschaffen will, cs notwendig ist, auch die Frage des Kongresses gleichfalls zur Diskussion zu stellen. Böhm tut dieses ja auch, Indem er bemerkt, daß der Kongreß alle Jahre wieder stattfinden müsse, was uns sowohl technisch in den nächsten Jahren kaum ausführbar als auch schon deshalb nicht wünschenswert zu sein scheint, als dadurch unsere Organisation einer dauernden Unruhe ausgesetzt und die Exekutive kaum Zeit zu stetiger Arbeit finden wird. Der Abschaffung des Großen Aciionscomites möchte ich schon deshalb nicht das Wort reden, weil dann jede Vertretung der einzelnen Landsmannschaften aufhören und die Mehrheit derselben überhaupt keine Vertretung in der Leitung haben würde; daß das Große Actionsco!nit<5 seit der Jahrcskonferenz nicht getagt hat, war eine Folge besonderer Umstände; es ist aber Kein Grund vorhanden, warum in Zukunft nicht jährlich zwei Sitzungsperioden cingehaltcn werden sollten. Dieses würde kaum schwieriger sein, als die auswärtigen Mitglieder der von Böhm vorgeschlagenen stark vergrößerten Exekutive zusaminenzuberufen. Auch würden die nicht am Sitze der Exekutive lebenden Mitglieder derselben nur dem Namen nach solche sein, da sie ja doch keinen ständigen Einfluß würden ausüben können. Nach den bisherigen Erfahrungen möchte ich mich persönlich durchaus gegen eine starke Vergrößerung einer Exekutive aussprechen, da eine solche den ganzen Apparat überaus schwerfällig machen würde. Auch sehe, ich keinen Grund, daß die ausübenden Direktoren des Nationalfonds und der Anglo Palestinc Co. gerade Mitglieder der Exekutive sein sollen. Einfluß genug besitzt letztere auf diese Institutionen schon durch die von ihr bestellten Governors, auch steht nichts im Wege, die ausübenden Direktoren dieser beiden Institutionen von Fall zu Fall als Berater zu den Sitzungen mitheranzuziehen. Man soll doch nicht vergessen, daß bei der Leitung unserer Organisation die Politik jetzt wieder bei weitem an die erste Stelle zu treten hat und daß die Palästinaarbeiten (Landerwerb, Kolonisation, Banktätigkeit) mehr und mehr zu technischen Angelegcnheiten werden, bei denen nur ab und zu politische Probleme in den Vordergrund treten, die, einmal erledigt, als richtunggebende Prinzipien die Institute für Jahre hinaus festlcgcn. Das gleiche giit für die verschiedenen Institute, wie z. B. Agrarbank, Hypothekenbank, Industriebank usw., die zwar mit Beteiligung der vom Keren Hajessod gesammelten Gelder gegründet werden sollen, die aber voraussichtlich nicht unter der Lei tung der Zionistischen Organisation stehen, sondern nur von ihr in gewissem Sinne kontrolliert werden dürften. Es ist natürlich ausgeschlossen, den aus übenden Direktoren dieser neu zu gründenden In-־ stitutionen Sitz und Stimme in der Exekutive zu* verleihen, Da aber ihre Wichtigkeit für den Aufbau Palästinas hinter der des Nationalfonds und der Anglo Palestine Co. nicht im geringsten zurücksteht, so würde es ungerecht sein, letzteren in bezug auf den Einfluß auf die Zionistische Organisation ein Vorrecht zu verleihen. Anders mag es sich mit der Leitung des Jewish' Colonial Trust verhalten, welcher Bank ja vielleicht dermaleinst eine größere weltpolitische Bedeutung zukommen dürfte, und eine Vertretung in der Exekutive könnte sich vielleicht auch für den Keren Ha jessod empfehlen, falls dieser sich wirklich zu einer dauernden Weltinstitution ausgestalten wird. Jedoch braucht man sich hierbei nicht zu beeilen und kann ruhig die weitere Entwicklung der beiden Institut»- neu abivarten. Ebenso sollte man ruhig den Sitz der Exekutive der Zukunft überlassen. Vorläufig wird es London bleiben müssen, jedoch sind häufige Besuche Palästinas seitens der Mitglieder derselben dringend erforderlich, gelegentlich wohl auch korporative, mit Sitzungen im heiligen Lande. Dauernd nicht in London seßhafte Mitglieder der Exekutive möchte ich dagegen nicht empfehlen. Wir haben in früheren Zeiten sehr schlechte Erfahrungen damit gemacht; auch wären meines Erachtens viele Reibungen zwischen Amerika und unserer Leitung erspart geblieben, wenn Brandeis in London seinen Wohnsitz hätte aufschlagen können. Gerade in Zukunft muß die Exekutive in der Lage sein, wenn es not tut, schnelle und einheitliche Entschlüsse zu fassen. Daß die Leitung des Nationalfonds, der Anglo Palestine Co. sowie der vielen anderen noch zu gründenden Palästina-Banken, und -Gesclischaf• ten im heiligen Lande liegen muß, scheint mir selbstverständlich zu *ein, jetzt, wo die Möglichkeit hierfür gegeben ist. Im Neben- oder Ehrenamt können diese täglich wichtiges werdenden Institute ohnehin nicht mehr geleitet werden, und da Ist es denn unbedenklich, den Sitz ihrer obersten Leitung an den Ort der Tätigkeit zu verlegen. Auch pekuniär ist cs für Palästina von Vorteil, würde doch allein die übrigens schon beschlossene Verlegung des Hauptbüros des Nationalfonds nach Palästina dem Lande jährlich mindestens 20000 £ zuführen. Der eminent politische Charakter, den unsere Bewegung jetzt wieder annehmen muß, sollte uns auch eine Mahnung sein, die wirtschaftlichen und kulturellen Aufgaben dienenden Institutionen mögliehst selbständig zu machen, so daß sie nicht Schädigungen ausgesetzt sind, falls unsere Organisation vielleicht einmal genötigt sein würde, in Oppositionsstellung gegen die Mandatsmacht oder die palästinensische Regierung zu treten. Dies gilt natürlich besonders für das Schulwesen und die palästinensischen Finanzinstitute, wir müssen sie selbständig machen, und die Zionistische Organisation sollte meines Erachtens nur einen gewissen Einfluß behalten, der sie befähigt, in bezug auf prinzipielle Fragen eine Kontrolle auszuüben; das gleiche gilt natürlich auch für Universität und Technikum. Der Nationalfonds kann dagegen ohne Gefahr in bisheriger Weise eine Institution der Zionistischen Organisation verbleiben, da seine Tätigkeit ja auch in unruhigen Zeiten kaum sonderlich berührt werden dürfte. Auch die Kontrolle der Immigration sowie ihre Unterstützung können bei der Zionistischen Organisation verbleiben; im Notfälle läßt sich ja die Organisation der Immigration schnell selbständig machen, oder man könnte sie einer anderen bestehenden lnstitution angliedern. Was die eigentliche Kolonisation betrifft, so wird es sich ja hierbei für die Zionistische Organisation als solche hauptsächlich um Auskünfte sowie Vorbereitungen in der Diaspora handeln, da die praktische Kolonisationsarbeit in Palästina dem Nationalfonds und den verschiedenen Gesellschaften, wie z. B. der vergrößerten und reorganisierten Palestine Development Co., der in eine Real Estate Co. ummvandelnden Immobilien- Gesellschaft, sowie den diversen Banken und Ausstattungs(Equipment)fonds zufallen wird. Da alle diesem von der Reorganisations-Kommission als notwendig befundenen Institutionen möglichst bald und mit genügenden Mitteln versehen selbständig in Erscheinung treten müssen — soll eine wirklich großzügige Kolonisation, die Lebensfrage unserer zionLstisdien Arbeit, in Palästina zustande kommen —, so würde die Kolonisationsarbeit nicht allzu sehr unter einer eventuellen Kampfstellung unserer Organisation gegenüber der Regierung zu leiden haben. Wie ich aber nicht unterlassen will zu bcmerken, sehe ich vor der Hand nicht die geringsten Anzeichen einer Notwendigkeit für die Zionistische Organisation, in Opposition zu gehen, immerhin weiß jeder, daß es nichts wetterwendischeres gibt als die hohe Politik, und es ist nur eine Pflicht der Vorsicht, wenn wir unsere Zionistische Organisation von vornherein so ausgestalten, daß sie, nicht durch Ballast beschwert und durch Rücksichten gebunden, wenn es sein muß, jederzeit klar zum Kampfe ist

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