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Jüdische Rundschau · 1921-04-20 · Heft 31-32 (20.4.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 31-32 (20.4.1921)
Date
1921-04-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 212 J UEDI d igungen civthaltcn^ die ztuniiidcsl flicht erhoben werden durften, ohne auch die andere Partei angehort zu haben. Das ganze Memorandum wurde den Mitgliedern der amerikanischen Exekutive unmittelbar vor der Sitzung gedruckt eingehändigt, so daß die Mitglieder nicht in der Lage waren, die Materie zu studieren und sich ein Urteil zu bilden. Die Forderung, die Entscheidung um eine Woche zu verschieben, wurde ebenso nbgelehnt, wie der Antrag, die Aeuikrung Pr. Weizmanns abzuwarten. In dieser Art der IScluuvdlung sehen die Opponenten eine Verletzung der clemaitarstcn Grundsätzc des Anstands und der Gerechtigkeit und erheben deswegen öffentlich Protest. Der Protest ist untcrzcklinct u. a. von Louis L i p s ki, Moria Margolius, Einnnucl Newinan, Lewis Robinson, Morris Rotenberg. Erklärung des Keren Hajessod-Dirckforlums Das Direktorium des Keren Hajessod in London äußert sich zu dem letzten Teil der amerikanischen Resolutionen, welcher schwere Beschuldigungen gegen die Mitglieder des Direktoriums entliält, in einer ausfülirliehen Erklärung׳, in weicher die in den amerikanischen Resolutionen angeführten Tatsachen widerlegt werden. Es wird festgesteüt, daß die Keren Hajessod-Lcitcr nienials sezession istische Tendenzen neben der Exekutive vertreten haben, daß sie vielmehr nur darauf bestanden haben, daß dem Direktorium auch gewisse Rechte i!1 der Führung der Geschäfte eingeräumt werden. Das Ucbeieiokommen zwischen Exekutive und Keren i iajessod vom 20. Oktober erfolgte nicht nur nicht unter Protest zweier Mitglieder der Exekutive, sondern i-4 im Gegenteil von Herrn Julius Simon namens der Exekutive gezeichnet worden. 111 diesem Ucbereinkommen sind der Exekutive 51 0/״ der Summen im Direktorium des Keren Hajessod cingeräumt worden. Ebensowenig wollten die Direktoren das jetzige Direktorium verewigen, vielmehr ist in den regirierten Statuten der Exekutive das Recht Vorbehalten, Direktoren zu ernennen ui’.d abzusetzen. Des weiteren stellt die Erklärung in Abrede, daß die übrigen, in den New Yorker Resolutionen ihm zur Last gelegten Handhingen, wie Entzweiung der Exekutive usvv., von ihm ausgegangen sind. Der Vorwurf des Disziplinbruches und des Separatismus treffe nicht das Direktorium des Keren Hajessod, sondern die Führer des amerikanischen Zionismus, welche die Beschlüsse von London gebrochen haben. Oer Waad Leumi an Weizmann Uhd Brandeis Der Jüdische Volksrat in Jerusalem (Waad Leumi) richtete eine Kabeldcpeschc an Weizmann und Brandeis, in welcher der Wunsch der palästinensischen Judenheit nach einer gegenseitigen Verständigung zwischen Weizmann und Brandeis zum Ausdruck gebracht wird. Harry Sacher Sekretär der amerikanischen Föderation 1 Larry Sac 11 er, ehemals Redakteur des ״Manchester Guardian'“, später Sekretär der Exekutive in London, zuletzt Redakteur des ״P a 1 e s t i n e Weck ly“ in Jerusalem, wurde anstelle Einanuel Mohts, des jetzigen Generaldirektors von ״Zion Com• nionweaith“ in Palästina, Sekretär der Zionistischen Föderation von Amerika. Sacher dürfte besonders geeignet sein, in Amerika über die wirtschaftlichen Ver• hättnisse Palästinas zu informieren. Popper-Lynkeus schenkt seine Bibliothek der jüdischen Nationalbibliothck in Jerusalem Der letzten Sitzung der Wiener Gesellschaft zur Gründung von Sainmel- und Forschungsstellen für die jüdischen Kullurinstilute in Palästina lag ein Schreiben von Josef Poppe r-Lyת kcus vor, in welchem der greise Dichterphilosoph mitteilt, daß er s c i n e gesamte Bibliothek der jüdischen Nationalbibliothck in Palästina vermache. Diese Schenkung des berühmten Gelehrten ist eine große Bereicherung der jüdischen National• Bibliothek. Die umfangreiche Bücherei, von Popper- Lynkeus mit großer Liebe und Sachkenntnis von früher Jugend angelegt, enthält vorzüglich wissensehaftliche Werke, insbesondere aus den Disziplinen: Mathematik, Physik, Technik, Naturwissenschaft, namentlich aber Sozialismus und Rcligionsphilosopbie. Sehr wertvoll sind auch die Sammlungen, weiche die schöne Literatur des Altertums, namentlieh des Orients, betreffen. x1 u , tiefem Danke wird das jüdische Volk Nachricht von (Leser Spende des ailverehrlea Man de^^ensäheit' ^aiC!1.t'‘ncm arbeitsreichen, dem W< link״!«Ä «™״11,״Gen Leben spendet Pop! dem ifldiÄ v£k ft WC׳ vvcl(i“ eln/l!;cu wird Ä ־ Ä' 10“ו ״ Dibüomckspc al'cil Hle Jude״ m aller Welt anrerav di• »Ä״ Jüdische Natio nal bi bhothek d״ geeignete »clicnkungcn und Zuwendungen zu förd Donations und Investments ln London wurde auf der Jahreskonferenz des Jahres 1920 der Plan des Keren Hajessod gefaßt. E i n 51 i m m i g wurde der von Julius S i in o n (der als Vertrauensmann der Amerikaner galt) vorgetragene detaillierte Plan genehmigt, und Amerikas Delegierte waren seine Paten gleichwie die jedes anderen Landes. Es wurde ein Direktorium gewählt und, getreu den Londoner Beschlüssen, setzte dieses die Maschinerie des Keren Hajessod in Gang. Sendboten wurden nach allen Richtungen des Himmels ausgeschickt, um die Judenheit zum Maasser aufzurufen. Zeichnungen wurden ver• langt und bewilligt nach dem Schema, welches durch einstimmigen Beschluß der Jahreskonfcrenz zum Gesetz erhoben war. Da kommen die offiziehen Instanzen der Föderation von Amerika und verlangen ein anderes Schema. Nehmen wir an, jenes andere Schema sei an sich richtig und gut. Geht es an, Aendcrungen zu treffen, nachdem bereits die Propaganda völlig auf das Schema der Londoner Konferenz eingestellt war? Nachdem so und so viele Zeichnungen und Zahlungen bereits auf den Lon• doncr Plan hin gewährt sind? Der Grundsatz von Treu und Glauben, vom fair play, spielt in der angelsächsischen Welt eine besondere Rolle! Aber die offizielle Instanz Amerikas beschränkt ihre Fordcriing auf Amerika selbst. Das würde eine Zerreißung des Keren Hajessod in zwei gleichnamige Gebilde bedeuten. Diejenigen Länder, welche auf der Londoner Konferenz, aus guten Gründen den einheitlichen Fonds beschlossen, werden nicht geneigt sein, jetzt auf einen ganz neuen Modus einzugehen, und das Recht einseitigen Rücktritts :־״.:tu den offiziellen Instanzen Amerikas nicht zu. Läge der Londoner Beschluß nicht vor, wäre auf seiner Basis nicht bereits die Maschinerie erbaut, so könnte man an sich über das Prinzip der Trennung von ״Donations“ und ״Investments“ diskutieren. Denkbar wäre ein Keren Hajessod, der sich nur mit unrentablen Anlagen befaßt, ein reiner Spendenfonds, für den übrigens jetzt auch die offizielle Instanz Amerikas das früher als unmöglich bezeichnete Maasserprinzip billigt. Für die grundlegenden geincinwirlschaftlichcn An-!:!gen (denn nur um diese handelt cs sich natürlich, und nicht um wirtschaftliche Anlagen von privatem Charakter), also für Elektrifiziemngsprojckte, Be- und Entwässerungen großen Stils, Hypotheken- und gemeinnützige Kreditbanken usw. könnten dann besondere Gesellschaften mit beschränkten Gewiuaeu auf Anregung der zionistischen Instanzen und unter Kontrolle des Economic Council gebildet werden. Indessen, auch bei der Bildung solcher Gesellschaften, die ja durch das jetzige Keren ITajcssod-Prinzip nicht überflüssig werden, kann eine direkte Beteiligung des zentralen Finanzinsti• tutes nur fördernd wirken. Wo ist bisher die Bildung einer Hypothekenbank geblieben? Kein Zweifel, cm Keren Hajessod, der selbst Mittel Zuschüsse, liätte längst die Bildung zustande gebracht. Und ebenso ist cs mit der Bank für ländliehen Agrarkredit, und ebenso mit dem Ausbau des Jcwish Colonial Trust und der Anglo Palestine Bank. Hat der Keren Hajessod Geld, so werden alle diese Bildungen viel rascher vor sich gehen. Und wie ist es mit der Einflußnahme auf Verkehivinstitute und Unternehmungen der mannig• Echstcn Art, bei denen der moderne Staat mit Recht sich einen gemeinwirtscbaftlichen Einfluß durch die verschiedensten Mittel sichert? Das Gemeinwesen Palästina kann uns da kein Ersatz sein. Es ist noch nicht unser Staat, und das Mandat wird kaum derart, daß es uns ausreichende Garantien für die Person des Oberkommissars gibt. Da muß dar, jüdische Volk, wie es sich in der Zionistischen Organisation einen Staaisersatz geschaffen hat, auch ein eigenes Finanzinstitut buben, welches in der Lage ist, in allen möglichen Fällen den jüdischen Einfluß auf die Gestaltung der Dinge auszuüben. Es ist unmöglich, alle diese Fälle vorher fcstzulegen. Wo der Staat mit Gesetzen, Verordnungen und Beteiligungen cinzugreifen pflegt, um nationale und soziale Interessen zu schützen oder zu fördern, da muß auch der werdende Judenstaat irgend eine Möglichkeit der Einflußnahme Laben. Wir können uns nicht der finanziellen Einwirkung begeben. Audi wenn die Londoner Konferenz nicht einen zweifelsfreien Beschluß gefaßt hätte, würden wir das ״Prinzip der Einheit“ nicht vermissen wollen. Indessen, ein Jahr nach London stellt der Umsturz des Einheitsprinzips nicht mehr zur Dis• kussion. 1,T Erich Marx. ״Doar Hajom“ Vor einiger Zeit brachten wir die Nadiridu aus Palästina, daß in einer Versammlung von über CO der angesehensten Schriftsteller, Lehrer und Politiker pa. lästina!•, Aschkcnasim und Sephardim, Bürger, Kolo״,, sten und Arbeiter ein scharfer Protest gegen die Jer״. salerncr Tageszeitung ״Doar Hajom“ ausgesprochen wurde, worin dessen Haltung und Taktik als schädlich gebrandmarkt wurden. Die soeben ciugctroffencn Zei• tmigcn Palästinas, die diesen Protest mit allen Unter. Schriften abdruckcn, zeigen deutlich die Ursachen dieser Empörung. I>r. Klausner, der den Mut batte, den ״Doar Hajom“ und die um ihn scharende Kliquc anzugreifen, veröffentlicht in ״Haarcz“ ein Sünden• register, das wir iin Auszug wiedergeben. Er beginn! damit, daß man den ״Doar Hajom“ nicht ernst nehme« würde, wenn nicht an seiner Spitze Ben Jehuda stünde, dessen Verdienst uni die hebräische Sprache in Pa!;,, stina nicht hoch genug cingeschätzt werden kann. \kn Jehuda ist es aber, der dauernd in! ״Doar Hajom“ he- Iiauptct, daß alle Gegner des ״Doar Hajom" mir um ihr Gehalt besorgt seien; daß jeder, der für die Asscfath Haniwcharim ist, für die Friedensgcrichte, für den Nationalfonds, für das Fraucnrccht, für die Kwuzoth, für die Erziehung, für den Waad Hazirim, dies nicht aus Ueberzeugung tue, sondern weil er dabei auf seine Rechnung komme. Ben Jehuda sieht überall nur die ״Parnosse“. Als er vor einigen Monaten den ״ausgezeichneten“ Vorschlag machte, die Schulen zu schließen, sah er nur eine Schwierigkeit: wo man denn die Lehrer unterbringen sollte. Daß cs besonders bei Lehrern eine seelische Beziehung zu ihrer Tätigkeit gibt, daß Schulen eine politische Rolle zukommt, daß nicht jeder Lehrer ohne weiteres als Beamter in einem anderen Arbeitsfeld Ireschäftigt werden kann, ver- stellt Ben Jehuda nicht. Ben Jehuda, der einer der Führer der Ugandisten war, maßt sich das Kvdit an. Ussischkiu anzugreifen, weil dieser gegen Herzl ״«. kämpft habe. Ferner zählt Klausner die ״Leistungen‘׳ des ״Doar Hajom“ in den letzten zwei Jahren aut. 1. Die Beschimpfung der Arbeiter und der Kwuzoth 2. Die Beschimpfung der Verteidiger vor! Tel-Chaj, deren Blut wir das ganze Gebiet von Metullah zu verdanken haben. 3. Der Kampf gegen die Asscfath Haniwcharim. 4. Der Kampf gegen das Fraucnrccht (wobei Ben Jehuda mit Rabbiner Kuk Hand ist Hand ging). 5. Der Kampf gegen den Mischpath Haschaiom und Waad Hair, die ersten autonomen jüdischen Institutionen in Palästina. 6. Dk Denimziation der Arbeiter und der Zeitung ״Haare/“' als ״bolschewistisch'“. 7. Die Veröffentlichung der falschen Telegramme über den Hauran und über die Beziehung des Generals Gouraud zum Zionismus. 8. Die Verbreituug falscher Nachrichten über das Ausscheide:: Nordaus sowie der Herren Simon und de Licmc. <• Die Veröffentlichung eines Artikels, worin die Abtrennung des Hauran sowie des nördlichen Palästina gcbil’igt wurde. 10. Die Angriffe gegen die Lehrer, die ״der Öffentlichkeit zur Last fielen“. 11. Die Veröficntlichung eines Telegramms über den Nationalfonds, das diese wichtige Institution schädigen kann. Ti. Die Ver- Löhnung des Waad Leumi. 13. Die Ausstreuung von falschen Nachrichten über den Waad Hazirim im all• gemeinen und über Ussischküi im besonderen. Eine Lüge ist das Gerede von der Verschwendung. Di־׳ Untersuchungskommisskm hat ausdrücklich fcstgestellt, daß die Lehrer und Beamten schlecht bezahlt sind und daß cs keine überflüssigen Beamte.! gibt. Falsch ist die Behauptung, daß Ussischkiu oder irgend ein Mitglied des Waad Hazirim gegen die Kolonisten sei. Eine freche Lüge ist die Behauptung, daß Ussischkin oder irgend jemand gegen die Sephardim sei. Wenn ein Gegensatz zwischen Sephardim und Aschkcnasim bestellt, so ist dies nur auf die Hetze des ״Doar Hajom“ zurückzuführen, der dauernd von den ״Eingeborenen“■ spricht im Gegensatz zu den ״Immigranten“, den ״Fremden“', den ״Russen“ usw. Den Ausschlag gaben aber die Angriffe auf Ussischkin, die die A'tsicht hatten, Ussischkin in Amerika unmöglich zu machen, auch auf die Gefahr hin, die für Palästina leben*- wichtige Mission der zionistischen I\־!e!jaik>11 in Amcriik.1 zum Scheitern zu bringen. So weit Klausner. Scheinbar hat sich der ganze Haß des ״Doar Hajom“ auf die Person Ussischkins konzentriert, lieber die Ursachen dieses rein persönliehen Hasses lesen wir im ״Hapoel-I iazai'r“ folgende interessante Einzelheiten. Während des Krieges hat di,“ Familie Ahronson, die die meisten Aktien des ״Daar Hajom" besitzt, der engnschen Armee Spionagedienste geleistet, weshalb sie über weitreichende Beziehungen sowohl zum englischen Militär wie auch zu nrab»• scheu Kreisen verfügt. Alexander Ahronson hat seine!• zeit das Anerbieten gemacht, mit dem Emir Faisul im Namen der Zionistischen Organisation Vcrliandlungen zu führen. Ussischkin hat dagegen auf das heftigste protestiert, daß man einen Spion zum Vertreter de! Zionistischen Organisation macht und dabei die Aeußerung getan: ״Manchmal muß mau sich eines Spionen bedienen, man reicht ihm aber nicht die Hand.“ Ferner, als Ussischkin die Leitung des Waad Hazirim übernommen hatte, fand er in der politischen Abteilung lauter Personen aus dem ־Kreise Ahronsons, die die Amerikancr, die vor ihm den Waad Hazirim leiteten und Rrizt über Verschwendung klagen, mit sehr hohen Gehaltern engagiert hatten. Ussischkin hat alle diese Personen aus dem Waad Hazirim sofort entlassen. I 1 i I I I. V, I I i .1 j 1 i 1 j 4 .1!

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