Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 31-32 (20.4.1921)
- Date
- 1921-04-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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'־־ H V >י: iTTiT «öd VerUg W 15, Sichsiich# Straße 0. Erscheint jaden DieneUg 8«י Ptaitag. Bnngaprai» bei der Expedition und dea fo*ti1at«fB viartaljahrlidh 15.— M. in DeuUchUnd• AuaUndeabonnepeata wefdan io der Währung dar eiaselnaa Länder berocbnet. Nummer 31/32 | Berlin, 20 IV. 1921 Anzclgcn-Vcrwaltungi Verlag Alwin Loewenthal, Berlin NW 7, Dorotheen» tr, 35 Telephon. Amt Zentrum 4814 und 4815• Aax«lg«t1preia für dte aiuucugeepeitene Nonpareiiiexeüe 2,50 ML, FamiiicDanieigen 4 M. pro Zeile. AnaelranachluOi Dieaateg und Freitag nechmittag 4 Uhr. Telephon! Uhlend 64S m. BIS. Postacheckkoatoi Berlin Nr. 17392• Für Oesterreich. Poatsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tschechoslowakei: PasUperkatsenamt Prag, Konto Nr.!58030• — Redaktiooaschluft Soootag und Mittwoch nachmittag. — •יב, ניסף תרפ״א | xxv! Jahrg. y«r Zlonlamus orstrsbl fQr da»!Odlsche Volk die Schaffung einer Öffentlich •rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm*'. 150. ÄmeFÜlca Infolge der Feiertage erscheint die nächste Doppelnummer der ״Jüdischen Rundschau“ am 27. April. Bruch zwischen Wcizmann und der amerikanischen Exekutive t London, 14. April. (J.C. B.) Aus Ncw-York j wint gemeldet: Nach einer Reihe von Konferenzen! itfkdicn Wcizmann, Ussisehkin, Mossinson und j ilcn amerikanisdicn Zionistenfülirem Frankfurj tcr, Rabbi Wisc, Richter Mack und Jakob de j Haas wurden die Fragen des Keren Hajessod; der Exekutive der amerikanischen Zionisten zur; Entscheidung vorgelegt. Nach zweitägigen, sehr! lebhaften Beratungen der Exekutive wurde eine : Resolution mit 23 gegen 14 Stimmen angc- | nommen, daß der Keren Hajessod lediglich ein | Spendenfonds zu sein hat und daß die in j Amerika aufgebrachten Spenden unter der Konj trolle der amerikanischen Zionisti-! sein׳n Organisation zu stehen haben. 1 Demgegenüber soll sich Wcizmann entschlossen haben, ein Keren Hajessod-Büro in Amerika zu eröffnen, das unter der Oberaufsicht der Zionistiselten Weltorganisation bleiben soll. Nach authenhschcn Informationen wird sich an die Spitze der Keren Majcssod-Bewegung entweder Louis Marsitall oder Samuel Untermeyer stellen. Beim offiziösen Empfang der zionistischen Delegation im Metropolitan Opera Housc führte Mack den Vorsitz, während Brandeis, Stephen Wise und Prof. Frankfurter nicht erschienen waren. Als Redner traten unter anderen Louis Mars ha 11 und Richter L e h in a n n auf. Der Sieg des Keren Hajessod-Gedankens .Vew-York, 12. April. (J.C. B.) Der von den amerikanischen Zionisten vorbereitete Volksempfang für die zionistische Delegation unter Füllrung Dr. Weizmanns, hat gestern im Lexington Annory, stattgefunden. Viele Tausende von Versainmclten, die keinen Einlaß fanden und draußen bleiben mußten, umgaben das Arsenal in dichten Massen. Richter Hardt mann, der den Vorsitz führte, begrüßte die Delegation im Namen von köt) jüdischen Organisationen. Sämtliche jüdische Parteien und wissenschaftliche Anstalten entsandten ihre Vertreter zu dieser denkwürdigen Versammlung. Unter den Rednern befanden sich Huben Breinin, Masliattsky, Rabbi Berlin für den Misrachi, B r a n n für die Poale-Zion und Professor Buttler, Präsident der Coluinbia-Universität. Vom Präsidenten Harding, dem Vize- Präsidenten Coolidge, dem Staatssekretärfür Aeuüeres, Hughes, sowie von Governer Miller Oslicrs sind Begrüßungsschreiben eingelangt. Weizmann gab die offizielle Erklärung ab, daß die Delegation nunmehr mit der gegenwärtigen Minderheit der amerikanischen zionistisehen Exekutive Zusammenarbeiten und im Einvernehmen mit ihr die Kampagne für den Keren Hajessod auf der Grundlage der Londoner Beschlüsse aufnehmen wird. Ussischk י n, Schmarja L c v i n, welche von den Versammelten Massen mit großer Begeisterung aufgenommen wurden, unterzogen die Führer der amerikanischen Zionisten einer eingehenden Kritik und riefen die amerikanische Judenschaft zur Unterstützung des Keren Hajessod auf. Eine Million Dollar für die Jerusalemer Universität Anläßlich des Besuches der zionistischen Dele- Ration in Amerika haben sielt die 5000 in Groß- New-York lebenden jüdischen Aerzte zu einem ״Verein zur Förderung der h e b r ä i s c h c n Universität in Jerusalem“ zusammengeschlossen Auf dem ersten Meeting ־wurde der Entschluß gefußt, eine Million Dollar für die Universität m Jerusalem zu sammeln. An der Spitze dieses Komitees stehen die Herren Dr. Rathnow, Dr. Hilweet und Dr. Rongy. Man erwartet, daß uueh andere jüdische Fachleute sich zu ähnlichen Vereinen Zusammenschlüßen weiden, um die Existenz der hebräischen Universität ln Jerusalem ®י sichern. Nachstehend geben wir einen Auszug aus den Be- I richten über Weizmanns Ankunft in New York. Es widerstrebt unserem Geschmack und unserer Tra- I ditkm, die Beschreibung der Reise Weizmanns und seiner j Begleiter in alten Einzelheiten 90 wiederzugeben, wie sie in den amerikanischen Zeitungen dargestellt wird. Die Schilderungen entbehren nicht echt amerikanischer Aufinachung, die alles übertreibt und fast bis zur Verzerrung vergrößert. Aber auch wenn man von dieser amerikanischen Regie absicht, muß man zugeben, daß der wahre Triumphzug Weizmanns einen großen Erfolg des Gedankens der Einheit und Geschlossenheit der Partei bedeutet gegen die Versuche einer einflußreichen Minderheit, ihre Wünsche der ganzen Bewegung aufzudrängen. Die große Bewegung, die die Führer Amerikas mit der Rechenmaschine in der Hand zu entfachen gehofft hatten, ist ausgcblieben. Weder haben sic Spenden gesammelt, noch sind größere Summen auf dem Wege der Privatinitiative nach Palästina gekommen. Die Organisation hat sich von ihnen abgewendet und folgt in stürmischer Begeisterung denjenigen Führern, die ihnen zwar keine Dividenden, aber ein jüdisches Heim, einen jüdischen Staat versprechen. Abgesehen von Samuel, dem die ganze Judenheit Palästinas auf seiner ersten Rundreise im wahren Sinne königliche Ehre erteilt hatte, waren cs bisher zwei Juden, denen solche Ehrungen zuteil wurden. M. Montefiorc wurde von alten Juden der Länder, die er hijfcrcich bereist hat, als Retter in der Not gefeiert. Die offiziellen Beziehungen aber hat ihm nicht sein Judentum, sondern seine Stellung in der englischen Welt verschafft. Im Jahre 1903 trat Hcrzl den schweren Weg »ach Rußland an und wurde von den Juden, die von ihm bei der damaligen Lage der Dünge nichts erwarten konnten, als der ungekrönte König im Exil empfangen. Schlicht und bescheiden, bar jedes äußeren Glanzes und Prunkes, aber um so inniger war der Empfang, den man Herzl an jeder Eisenbahnstation bereitete. Von offiziellen Empfängen war keine Rede, abgesehen von dem ״Empfang“ bei Plehwe, für den der Zionismus nur!-./di als Blitzableiter gegen den Sozialismus Geltung hatte. Der imposante Empfang der zionistischen Delegation in New York ist der kräftige Ausdruck des inzwischen erstarkten jüdischen Lebens jenseits des Ozeans, ciivc Kundgebung des ungebrochenen Lebenswillens, des impulsiven Tatendranges und der Kraft desjenigen Teiles des Judentums, den das sonderbare Geschick der jüdischen Geschichte für die Stunde der Not akkumuliert hat. Von dieser Kraft und dem Ansehen des Judentums in Amerika sprechen auch die offiziellen Ehrungen, die seitens der amerikanischen Reichs- und Staatsbehörden der zionistischen Mission erwiesen wurden. Diese für ״europäische“ Begriffe unglaublichen Ehningen galten nicht der Person Weizmanns noch Einsteins, sic galten dem amerikanischen Judentum und der jüdischen Sache, der Idee, dem Ideal, das Wcizmann vertritt und für das die freien und freiheitsliebenden Völker Amerikas mehr Verständnis haben, als die Völker des Kontinents. Noch stehen Einzelheiten über die Resultate der Reise aus. Wir wissen nur, daß sich Wcizmann gezwungen sah, mit der offizdcllcn Leitung der amerikanisehen Zionisten zu brechen, und die Keren Hajessod- Arbeit mit der Opposition zu machen. Es heißt auch, daß cs ihm gelungen ist, Louis Marshall dazu zu bewegen, sich an die Spitze der Keren Hajcssod-Bewcgung zu stellen. Louis Marschall hat sein Interesse für Palästina mehrfach bekundet, und hat bereits vor der Ankunft Weizmanns die American Palestinc Company mit einem Kapital von 5 Millionen Dollar gegründet, die der Ent- Wicklung Palästinas dienen soll. Aber nicht in Festlichkeiten, noch in der Gewinnung von Einzelpersonen, und mögen sic noch von so großem Ansehen sein, sehen wir die Resultate dieser Reise. Wir wollen hoffen, daß der begeisterte Empfang, den Mut dazu gegeben hat, im Interesse der Einheit der Partei gegen die trotzigen Führer, die niemanden mehr hinter sich haben außer der formalen Macht, fest aufzutreten, sich in Taten umsetzen wird, die diesen imposanten Empfang rechtfertigen werden. Es ist jetzt keine Zeit für ״frohe Feste“. Wa9 wir nötig haben, das ist ernste, schwere und angestrengte Arbeit. K. Der Empfang in New York. Am Sonnabend, den 2. April trafen Wcizmann, Ussisehkin, Einstein und Mossinsohn mit der ״Rottcrdam“ in New York ein. Seitens der amerikanischen Exekutive wurde nichts für den Empfang vorbereitet, dagegen hat die Opposition, die jetzt aus elf Mitgliedern der Landesexekutive besteh( ein Empfangskomitee unter der Leitung des Stadtrates Rosenblatt gebildet, die die Reise Weizmanns zu einem wahren Triumphzug gestaltet hat. Auch der Mayor von'New York bildete ein Empfangskomitee, dem viele Nichtjuden angehören. Ehe Gäste wurden von dem. sogenannten ״Mayors-cutter“ (Stadtjacht) abgeholt, der die amerikanische und jüdische Flagge hißte. Im Hafen erwartete di« Gäste eine nach vielen Tausenden von Juden zählende Volksmenge, die ihnen begeistert zujubelte. Die Gäste begaben sich dann durch das jüdische Stadtviertel zura Hotel ״Commodore“. Alle Straßen waren mit jüdischen und amerikanischen Fahnen geschmückt. Deputationen der Stadt sowie alle jüdischen Gesellschaften begrüßten die Delegation im Hotel; eine Abteilung der ehemaligen jüdischen Legionäre hielt an dem Automobil von Weizmann Wache. Das Hotel hißte die jüdische Fahne. Auf dem ganzen Wege wurden die Gäste aus allen Fenstern begrüßt und mit Blumen überschüttet. Am selben Abend fand Lm. Hotel ״Gommodore“ ein Empfang statt, an dem die aktivsten Zionisten aus New York, Philadelphia und andere» größeren Städten tcilnahmen. Deputationen aus allen größeren Ortsgruppen wie auch aus Kanada brachten ihre Begrüßung vor und versicherten, daß alle Zionisten Amerik a s bereit sind, die Londoner Beschlüsse ln bezug auf den Keren Hajessod durclmifühnen. Der ganze Vormittag des 3. April war dem Empfang der zahlreichen Deputationen gewidmet, unter denen sich auch eine Abordnung des Misrachi befand. Auch die anderen Mitglieder der Deputation hatten mit verschiedenen Persönlichkeiten Unterredungen, von denen man wichtige Resultate für den Erfolg der Delegation erwartet. So hat Einstein den bekannten Millionär Rosenblum aus Pittsburg empfangen, der für die Universität besonders großes Interesse bekundet. Er spendete für die Universität sofort eine größere Summe und versprach seine weitere Unterstützung und Förderung, ln unzähligen Telegrammen wurde die Delegation in Amerika begrüßt. Die erste Sitzung. Die erste Zusammenkunft Dr. Weizmanns mit den zionistischen Führern fand im Hotel ״Astor“ statt und dauerte zwei Stunden. Außer Dr. Weizmann waren anwesend die Herren Mossinsohn, Ussisehkin, Schmarja Lew in, seitens der amerikanischen Führer Judgc Mack, Stephen Wise und Jakob de Haas. Die Sitzung war streng vertraulich und sollte am 5. April fortgesetzt werden. Die amerikanischen Zeitungen wollen wissen, daß Dr. Wcizmann die amerikanische Leitung in sehr scharfer Weise angegriffen und sie des Disziplinbruches beschuldigt habe. Er 9011 Judge Mack auf drahtlosem Wege aufgefordert haben, eine außerordentliche Sitzung der Exekutive emzuberufen, was Mack nicht befolgt habe. Mack soll erklärt haben, er habe angenommen, daß Weizmann dies auf Veranlassung der Opposition getan hätte. Weizmann habe alle Akten vorgelegt, ans denen zu ersehen war, daß dies nicht der Fall sei, worauf Mack um Entschuldigung gebeten habe. Ferner sollen die Amerikaner erklärt haben, daß die Keren Hajcssod-Beschlüsse in London nicht genügend vorbereitet worden seien, worauf Dr. Wcizmann seinen Sekretär veranlaßt habe, die Lobreden, die die Amerikaner auf den Keren Hajessod bei der Londoner Konferenz gehalten haben, und ihr dort gegebenes Versprechen, den Maasser zu entrichten, aus dem Protokoll zu verlesen. Für den Nachmittag des 5. April war ein großes Meeting in der City Hall anberaumt, wo die zionistische Delegation im Namen der Stadt New York durch ihren Mayor Hylan begrüßt wurde. Die Spaltung in der amerikanischen Exekutive Protest der Minderheit. Die zehn Mitglieder der amerikanisehen Exekutive, welche gegen die vom Präsidium vorgeschlagencn Resolutionen, die die Verbandlungsbasis Weizmanns bilden sollten (siche vorige אummer der ״Jüdischen Rundschau“) gestimmt haben^ veröffentlichen einen ausführlichen Protest gegen die Haltung der Mehrheit der Exekutive. Dieser Protest hat den Zweck, den amerikanischen Zionisten Aufklärungen über die Vorgänge innerhalb der Exekutive zu geben. Es werden nochmals die Mcinungsverschiedenheiten zwischen der Londoner Zentrale und der amerikanischen Exekutive in der Frage des Keren Hajessod sowie die weitere Entwicklung dieses Konfliktes seit der Londoner Jahreskonferenz und der Convention von Buffalo dargelegt. Die Minderheit der amerikanischen Exekutive war der Ansicht, daß Weizmanns Besuch in Amerika dazu dienen sollte, eine Verstandigung herbeizuführen. Statt dessen hat man un* mittelbar vor Weizmanns Eintreffen die Situation unnötig verschärft durdi die Annahme und Veröffentlichung von Beschlüssen, die zum Teil Gegenstände betreffen, die gar nicht in die Kompetenz der amerikanischen Exekutive, sondern in die Kompetenz des Kongresses fallen, zun* anderen Teil Beschul- 1