Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1921)
- Date
- 1921-04-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 186 J U EPISCHE RUNDSCHAU Nr. 27 Eine neue Föderation Von Dr, W. Stein, Königsberg Rundschreiben der Exekutive Eine kleine Gruppe deutscher Zionisteil gibt in der ״jüdischen Rundschau“ bekannt, daß sie die Gründüng einer neuen Föderation vorbereite und teilt ihr Programm mit, Föderationen sind nach dem Organisationsstatut der Gesamtbewegung Sondergruppcu innerhalb der Weltorganisation, die sich die Verfolgung Iresoliderer Ziele innerhalb des Zionismus zur Aufgabe machen, z. 13. der Zusammenschluß der orthodoxen Zionisten, der Misrachi. ln dein veröffentlichten Program in finden wir von solchen besonderen Zielen nichts, eigentlich überhaupt nichts, was nicht jeder Zionist gleichviel welcher Schattierung, unterschreiben könnte. Wir weiden als» davon Abstand nehmen :müssen, den Vorsuch dieser neuen Partcibiklung aus dem bcigogcbeiien Programm näher kennen zu lernen und das zur Grundlage unserer Beurteilung machen müssen, was wir von den Bestrebungen dieses Kreises bereits früher gewußt haben. Dazu leitet uns ein Passus in dem!*rogramm hin, der vielleicht doch etwas bedeutet: Die Gruppe erkennt nur das Baseler Programm an und lehnt jede darüber hinausgehende Forderring ab. 111 dieser Gruppe finden sieh diejenigen Herren zusammen, die seit längerer Zeit dagegen ankämpfen, daß im Zionismus und besonders im deutschen Zionismus der nationale Gedanke in seiner vollen Reinheit und Stärke betont und besonders die persönliche Verbuudcnhcit mit dem Volke und damit die persönliche Verantwortlichkeit und Verpflichtung zur Leistung für d1־s Volk von jedem Zionisten gefordert wird. Sie erhoffen von der Zurückstellung oder doch wenigstens leiseren Betonung dieser uns heute selbstverständlich, gewordenen Forderung eine leichtere Gewinnung weiterer Kreise des deutschen Judentums für den Zionismus oder mindestens für die Teilnahme an der Aufbauarbeit. Zur Zeit Ifer/Is, als das Baseler Programm einen wilden Sturm der Assimilation nuslöste, dien well diese sehr wohl erkannte, dali Forderungen für das Volk, wenn sie einen Sinn haben sollten, auch Verbundenheit mit dein Volke voraussetzteii, wäre es niemandem, dein die nationale Betonung des Zionismus vielleicht etwas auf die Nerven fiel, eingefallen, etwa dadurch seine vorsich• tige Gemütsart zu bekunden, daß er sich auf das Baseler Programm zurückzöge und ״mir'‘ dieses anerkenne. Heute entdeckt man, daß sein Wortlaut ja eigentlich persönlich zu nichts verpflichte und daher sehr geeignet wäre, ängstlichen oder sonst abgeneigten Gemütern den Zionismus schmackhafter zu machen. Daß Herren, die sich selbst als ״ältere“ Zionisten bezeichnen, also wohl einige Erfahrungen mit unseren jüdischen Gegnern haben müßten, sich dieser Hoffnung hingeben, ist schlechterdings unbegreiflich. Gewiß erließen unsere Gegner gelegentlich bewegliche Klage über die ״radikalen“ Zionisten, »lenen sie die anderen, gegen die sie ja eigentlieh nichts hätten, gegen überstellen; wollte mau jedoch die Torheit begehen, ihnen die Radikalen zu opfern, so würden sie nicht im mindesten iti der Bekämpfung des Zionismus als solchen nachlasscn; und ebenso w'enig würde man dies durch Preisgabe irgendeiner Nuance unserer Idee erreichen, cs sei den«, daß man den Zionismus selbst aus unserem Programm striche. Andererseits aber haben wir gerade dadurch, daß wir unbekümmert um Kleinmut, Hohn und Feindschaft in dem tiefsittlichen Gefühl unseres Rechtes unsere Forderen״ als eine nationale vor der Welt aufstcllcn, den besten Teil der Judenschaft und die Mächte der Welt für uns gewonnen und das erreicht, was uns bereits heute so stark im deutschen Judentum macht: die politischen Erfolge und den immer mehr wachsenden Anhang in der Jugend des deutschen Judentums. Da forciert es die schärfste Zurückweisung heraus, wenn die Herren vom ßinjaiiliaarcz glauben, gerade in diesgm Momente die Verwässerung unserer Idee als politische Forderung aufstellen zu müssen, in dem mehr als je die Tatsachen zeigen, daß das nicht mir ein politischer Fehler wäre, sondern daß wir das auch gar nicht nötig haben. Einem starke« Zionismus wird das deutsche Judentum alles für den Pnlästinaaufbmi gewähren, was es im günstigsten Falle überhaupt zu gewähren gewillt und in der Lage sein wird; einem Zionismus, der im Augenblicke seiner größte« Stärke die Reinheit seiner Idee schamhaft überpinselt, wird man nichts gewähren; man wird seinen Vertretern vielleicht freundlich auf die Schultern klopfen und ihm wieder einmal versichern, daß sie bessere Leute seien als wir anderen und ihnen im besten Falle ״Spenden“ geben, wie man sic dem Verein Esra ״für unsere notleidenden Brüder im Osten“ gelegentlich gegeben hat: die großen noch nie dagewesenen Opfer aber werden nur diejenigen bringen, die von der Größe der Idee tortgerissen werden, in deren Namen wir fordern werden, und diese werden cs sein, deren Beispiel das übrige mchtzionistische deutsche Judentum mitziehen wird. Die Gruppe bezeichnet sich als eine solche ״ältere Zionisten, und Uneingeweihte könnten daher meine »laß sie gewissermaßen ein Protest der älteren besonnen: Zionisten gegen einen törichten Radikalismus der jüngst seien. Gegen diese Annahme müßten sich die älter deutschen Zionisten, von denen ja auch nur ein kteir Teil in jener Gruppe vertreten ist, entschieden v! wahren. Auch ■wenn man manche überhitzte Fordern! die in den letzten Jahren in unserer Jugend erhob wurde, mißbilligt und nicht in jeder Vcrschrolxmh jugendlicher Elemente eine Offenbarung sieht, muß m den Vrnudi dieser neuen Gründung verurteilen, : in diesem Augenblicke, in dem ganz besonders eine E Die Exekutive versendet folgendes Zirkularschrcibcn: A n d i c zionistisch eil Landes- und Sonderverbände. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! Gleichzeitig mit der offiziellen Ankündigung des Präsidiums der Zionistischen Organisation über die provisorisehe Neuordnung der Leitung ist Ihnen die Milteitung zugegangen, daß gemäß dem Beschluß der Jahres» Konferenz der Kongreß für August dieses Jahres einj berufen ist. I Die Vorbereitungen zum Kongreß müssen sofort getroffen werden. Wir bitten Sie, uns unverzüglich mitzuteileu, welchen genauen Termin und welchen Ort Sie für geeignet halten. Die Exekutive ist der Ansicht, daß der Kongreß am besten auf dem Kontinent und zwar in einem der höhmischen Badeorte stattfinden würde. Sowohl die von der Zentrale zu leistenden Ausgaben wie auch die Ausgaben jedes einzelnen Delegierten würden dort bei weitem geringer sein, als wenn der Kongreß in England oder in einem der neutralen Länder stattfinden würde. Freilich muß erst geprüft werden, ob in den in Betracht kommenden Orlen die Voraussetzungen für die technische Durchführbarkeit bestehen, insbesondere, ob dort geeignete Räume für die Kougreßverhaiidlungen und W0I111geiegcnlieiten für die Delegierten vorhanden sind. Die!*'ragen werden bis zur Sitzung des Actions-Comites, die spätestens im Juni geplant ist, geklärt sein, so daß dann Zeit und Ort endgültig festgesetzt werden kann. Auf jeden Fall ersuchen wir Sie, mit größter Energie jetzt an die Durchführung der Schekelaktiou hernii/iigehen, Es kann und muß gelingen, zu diesem Kongreß von einer Million Juden den Schekel zu erhalten. Von der Aufbringung der Schekelgelder bängt nicht nur die materielle Existenz der zionistischen Leitung ah, welche über keine anderen Mittel zur Durchführung ihrer politischen und organisatorischeu Aufgaben verfügt, sondern auch die künftige Stellung unserer Organisation in der jüdischen und nichtjüdischen Welt. Ohne das von Hcrzl geschaffene Instrument der Zionistischen Organisation, wären weder die Anfänge unserer Palästinaarbeit, noch die poiitischeu Erfolge der letzten Jahre möglich gewesen. Niemals war cs notwendiger als jetzt, die Organisation zu festigen und auszubreiten, Eine mächtige, die ganze Erde uinspannende, einheitlich geleitete und vom Geist der Einigkeit erfüllte Organisation ist die Voraussetzung dafür, daß das Interesse und die Tätigkeit der Juden in allen Ländern in die gleiche Richtung gelenkt, daß die Mittel der Nation zu zweckmäßiger Arbeit am Aufbau Palästinas vereinigt werden. Die Geneigtheit der nichtzionistischcn Kreise zur Förderung des P a 1 ä s t i n :1 w c r k s hängt von der Triebkraft unserer Organisation ab. Auf der Stärke unserer Organisation beruht zugleich die Dauerhaftigkeit der bereits errungenen und die Möglichkeit der Erringung weiterer politischer Erfolge! Unsere Organisation ist bei ihren Verhandlungen mit den Mächten als berufene Vertreterin des jüdischen Volkes anerkannt worden. Mit der Unterzeichnung des Mandats, welches der Zionistischen Organisation das Recht verleiht, gemeinsam mit der Mandatarniacht an der Errichtung!uh! Eut- Wicklung der nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina zu wirken, erhält diese Anerkennung Völkerrechtliche Geltung. Diese uns zucrkanntcu Rechte werden von niemandem bestritten werden, solange die Zionistische Organisation wirklich das ist, was sie sein soll: die Vertretung des jüdischen Volkes. Ob sic dies in Wahrheit ist, kann siel! für die Außenwelt mir durch die Leistungen unserer Organisation in Palästina und durch die Zahl unserer organisierten Anbänger feststellcu lassen. Darum ist die Q e w i n - nung hunderttausender neuer Schekelzahlcr nicht nur eine Aufgabe von finanzieller und organisatorischer Bedeutung, sondern eine der allerwichtigsten Voraussetzungen unseres politischen Ein- Busses, unserer politischen Geltung bei der britisdien und palästinensischen Regierung und bei den Völkern der Welt. heitsfrout des 'deutschen Zionismus nötig ist, die Einheitlichkcit der zionistischen Landcspolrtlk ohne Not zu lockern sucht. Man wird es verstehen können, wenn eine neue Idee sich ihre Vertretung zu schaffen strebt; wenn jedoch die bloße Eilfertigkeit, eine Idee zu verwässern, die gerade in ihrer Reinheit sich bewährt hat, sieh für berufen hält, die Einheitlichkeit unserer Arbeit zu stören, so wird man das mit Befremden und Unmut ablchncn müssen. Wir sind bereit, in der Arbeit für den Aufbau unseres Landes mit den anderen jüdischen Organisationen Deutschlands in friedlicher und freundlicher Weise zusammenzuarbeiten; gleich ihnen werden wir das Trennende zurückstcllen müssen und nicht ohne Not betonen. Eine Konzession bezüglich unserer Idee aber darf weder von ihnen verlangt, noch von uns gewährt werden. Dieser Kongreß, der erste nach dem Kriege, der erste nach dem Uebergang Palästinas aus türkischen Händen in die Hände der Mandatarmacht, der erste nach der Entscheidung von San Remo, muß die grolle Heerschau unserer Organisation werden. Dieser Konj. grell muß in der ganzen Welt als eine wuelitige Be. f kundung des nationalen Willens des jüdischen Volker ן wirken. Dies kann er nur, wenn er sich auf die Volk i macht der jüdischen Volksmassen zu stützen vermag. Wir machen Sie darauf aufmerksam, daß diesmal besondere Anstrengungen der einzelnen Länder criorderlich sein werden, damit diese am Kongreß durch . eine nennenswerte Zahl von Delegierten vertreten sind. ' Wir verweisen Sie auf die in der Anlage beigefügten ’ Beschlüsse der Jahreskonfereirz über die Wahlen zum Kongreß. Sie ersehen daraus, daß die Gesamtzahl der Delegierten nicht mehr als 350—100 betragen darf. (Wenn beispielsweise 700 000 Schekel verkauft wer. den, so wird auf je 2000 Schekelzahlcr ein Delegierter entfallen.) Dieser Beschluß soll das Zustandekommen eines arbeitsfähigen Kongresses ermöglichen. Die Exekutive ist selbstverständlich verpflichtet, streng auf Eia- ‘ haitung dieser Zahl zu bestehen. Wir erklären sc.ion jetzt mit aller Entschiedenheit, dali wir die Mandate nur nach dem von der Jahreskonferenz vorgesehenen Schlüssel und nur auf Grund tatsächlich bei uns eingegangener Schekelgekler verteilen werden. Es liegt .!'so im dringenden Interesse jedes Landes und jedes Sonderverbandes, die Zahl der Schekelzahlcr bis zur äußersten Grenze der Möglichkeit zu vergrößern, um eine entsprechende Vertretung zu erhalten. Die Schekelgelder müssen spätestens bis zum 1. juni dieses Jahres an uns abgclicfert werden, dein! erst auf Grund der cingcg.mgeuei! Gelder kann der Schlüssel zur Verteilung der Mandate anfgestellt, und erst dann können die Wallten vorgenommeu werden. Nähere Weisungen über den Wahlmodus usw. werden folgen. Wir hoffen, daß die Erwartungen, die wir auf die Schekclkampagne, und damit auf das Gelingen des Kongresses setzen, erfüllt werden, und erwarten Ihre diesbezüglichen Berichte. Mit vorzüglicher Hochachtung und Zionsgruß die Exekutive der Zionistischen Organisation Organisations-Departement L i ch th ei m. London, den 15. März 1021 Beschlüsse der. Jahreskonferenz über den nächsten Kongreß K o n g r c ß t e r m i n. Es wird beschlossen, daß der nächste zionistische Kongreß im Sommer PUl, spätestens vor Itosch-Haschana, stattfiuden soll. Die endgültige Fixierung des Termins soll von einer un Januar abzuhaltcnden Sitzung des Actions-Comites vorgenommen werden. Kongreßanzahl der Delegierten. Es wird beschlossen, die Zahl der Delegierten für den nächsten Kongreß auf 350 bis 400 testzusetz.cn. Die Exekutive hat fcstzustcllcn, auf wieviele Schekelzahlcr ein Mandat entfällt. Jeder Landesverband mit mindestens 1000 Schekelzahlern hat das Recht auf einen Delegierten. In Ländern, die nur einen Delegierten entsenden können und in denen cs mehrere Gruppen gibt, wird dieser Delegierte der stärksten Gruppe entnommen. Landesverbände, die weniger als 1000 Schekel abführen, erhalten das Recht, sielt mit einem anderen Landesverband zwecks der notwendigen Schekelzahl zu vereinigen. K o n g r c ß W a 111 m o d u s. Die Wahlen 7um Kongreß sind direkt und geheim, die Exekutive ist aber berechtigt, im Falle der Notwendigkeit, auf Antrag der Verbände Ausnahmen zu bcwillligcn. Es wird beschlossen, daß die Wahlen zum Kongreß nach dem Proportionalvvahlrecht vorgenommen werden sollen. Stimmrecht der A. - C. - M i t g 1 i ed e r. Ihc Mitglieder der Exekutive haben auf dem Kongreß Sitz und Stimme. Die Mitglieder des G. A.-C. haben ein Reratungsrecht, das Stimmrecht nur dann, wenn sie Kongrcßdclcgiertc sind. Die ukrainischen Waisenkinder in Palästina Am 6. März fand im Waad Lenin! eine Sitzung des Präsidiums, der Jerusalemer Mitglieder des Waad Hapoel und von Bevollmächtigten des Waad Hazirim und des Joint statt zwecks Besprechung der Frage der ukrainischen, Waisenkinder. Ben-Zw» bcrichtete über den von der Massenversammlung gefaßten Beschluß, allen Familien in Palästina die Pflicht aufzuerlegcn, mindestens ein Waisenkind bei sich aufzunchmcn. Des ferneren wurde die traurige Lage der jemenitischen Juden besprochen, wie auch die Schritte, die eine Ucberfühnmg derselben nach Palästina ermöglichen sollen. r״w«111״״!!en nacn Palästina. Israel Bclki» der Leder der Farm Ktriath Scfer, ist in Warschau ei! getroffen, um die Uebersicdlung von vorerst 200 ji tuschen Pogromwaisen nach Palästina in die Wege