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Jüdische Rundschau · 1921-04-05 · Heft 27 (5.4.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 27 (5.4.1921)
Date
1921-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Seite tot Politik Englands Interesse an Palästina London, 2S. März (j. C. B.). Die ״Times“ Ire* kn in einem Leitartikel in scharfer Weise ״vgca Br. Wetzmatt ns Acußerung auf dein Bankett zu Ehren Sir Alfred Monds aui, daß die luteressen des britischen Imperiums die Erhaltung Palästinas erfordern. Diese •Auffassung י־• sagen die ״Times“ — treffen ins Innerste die Völkcrbumlkouzcption. Die ״Times״ hätten dem Zionismus ihre ständige Unterstützung gewährt, die Zionisten gehen aber zu weit, wenn sic dem britischen Steuerzahler cinreden wollen, daß er für die palästinensische Garnison aufkommen soll. Britannien als solches benötige weder in Palästina noch in Mesopolamicn eine Verteidigungsanlage. Dies ist das erstemal, daß die ״Times“ eine derart scharfe Sprache gegen die zionistische Bewegung führen. Prof. Weizniann hat übrigens unter* dessen vor der englischen Oeffcntlichkeit beruhigende Erklärungen abgegeben, daß für den Aufbau des jüdischen Palästina kein Penny vom engfischen Steuerzahler werde genommen werden. Debatte im Unterhaus Lord Robert Cedi über das Palästina-Mandat Im Verlaufe einer Debatte, die in der vorigen Woche über die Frage der konstitutionellen Behandlung der Mandate stnttfami, erklärte Lord Robert Cecil, «!aß zur Zeit der Konferenz ein völliges Mißverständnis betr. der wirklichen Bedeutung des Palästina-Mandats herrschte. Er hätte es nie anders als im Sinne einer Betastung betrachtet, die wir auf uns nahmen zum Schutze der Beteiligten und zum Wohle der öesamtwelt. Die Sache würde sich als .äußerst schwierig herausstellcm Auf der einen Seite stellt die zionistische Politik der Regierung, die er selbst aufs wärmste unterstütze; die Juden würden jedoch auf viele Jahre hinaus eine geringe Minorität der Bevölkerung bilden. Auf der anderen Seite steht die Tatsache, daß der übrige Teil der Bevölkerung Araber sind. Obgleich sich die beiden Völker sehr gut miteinander verständen, seien sie doch weder gleicher Rasse noch gleidrer Religion, und es würde unzweifelhaft einer sorgfältigen, taktvollen und unparteiischen Administration bedürfen, um Reibereien zwischen den beiden Rassen zu verhüten. Die Sache würde sich als sehr heikel heraussteilen mul wir«) nicht dadurch erleichtert, daß die Araber der Ansicht sind, wir hätten sic bezüglich des nördltdsca Landstrichs, von welchem sic nicht ganz oline Orund hoffen durften, daß er ihnen gehören würde., etwas un- ״credit behandelt. Dies erkläre zum großen Teil dir Widerstreben, das Mandatsystem zu akzeptieren. De Form des Mandates für Palästina und die für Mesopotamien müßten sich wesentlich unterscheiden, und er halte cs für berechtigt, daß Im Falle Palästina?, das Mandat umfangreichere Admim st ratioiisgc walten vorselte. Das endgültige Ziel jedoch sei das gleiche. Man dürfte nidit danach trachten, die materiellen Verpflichtungen des Reichs unnötigerweise zu vergrößern, und unser Ziel im Falle beider Administrationen wäre, es dem Lande ehestens zu ermöglichen, selbständig zu werden. Im Verfolg einer allgemeinen Erwiderung erklärte Licttf. CoL Ainery (Kolonial-Untersckrctiir), daß dtc Ausgaben nicht das Ergebnis des Mandats, sondern der ganzen durch den Krieg und 5 icggesch affe neu Situation sei ea Die Befrciimg dieser Territorien lege England Verpflichtungen auf, die, wie man in Paris ersehen hat, keiner geneigt sei, ihm abzunehmen, Er sei versichert, daß die Politik des Kolonial-Sekrelürs, die zweifellos nach seiner Rückkehr dem Hause vorgelcgt werden würde, «Ee Gewahr biete nicht nur für eine konstitutionelle Erledigung, sotvdem auch für eine durchgreifende Reduzierung der Ausgaben. London, 25, März. Itn Unterhaus erklärte gestern Lloyd George, daß der Kolonialsckrctär Churchill nach seiner Rückkehr aus dem Orient eine ausführliche Erklärung über die Lage in Palästina und Mesopotamien dem Unterhaus abgeben werde. Das Haus werde Gelegenheit haben, die Frage der Mandate noch v-or dem Urteil des Völkerbundes zu prüfen. Der Untergang des Schilfes ״Chain*“ Jerusalem, 26. März (J. C. ü.). Ucber den Untergang des ״CJtaluz“, des einzigen jüdischen Sdiiffcs in Palästina, werden folgende Einzelheiten bekannt: Das Schiff kam frühmorgens aus Port Said und tonnte wegtat stürmischer Sec den Hafen nidit anlaufcn. Um 10 Uhr vormittags brach ein gewaltiger Sturmwind los, der das Schiff in eine verzweifelte Lage brachte. Der Ftefcninspelrtor ließ an die zwei Im Hafen verankerten Dampfschiffe signalisieren, ob sie die Schiffsmannschaft nicht retten könnten. Das eine, ein deutsches Fahr, zr.;׳, antwortete ״nein“ und fuhr auf hohe See hinaus. . zweite, der englische Dampfer ״Tren-tino“, eilte Xtou größter Gefahr zur Rettung der Mannschaft herbei, welche auch ganz gerettet wurde. JUED1SC1-J E_ RU N DSC H_A U__ Tschechoslowakischer Zionistentag! Der am 27. und 28, März in Brünn tagende ) Zvonistentag der Tschechoslowakei beschloß eine Anzahl 1 Resolutionen, von denen wir nachstehende hervor- 1 heben: I Begrüßung der neuen Exekutive.; Die zum tschechoslowakischen Ziordstentag versammelten Delegierten begrüßen die Leitung und insbesondere die bewährten Führer Weizniann und So ko low, Sic erblicken in der neuen Zttsamtu c ns c 1z u ng der Exekutive die Gewähr dafür, daß die Arbeit der Organisation ln Palästina in gcradüiisgcr Entschlossenheit und ln der Richtung, die ihr durch den einmütigen Willen des Volkes gewiesen ist, geführt und intensiviert werden soll. Indem sie den Mnasser als die einzig mög* liehe Grundlage des Keren Hajossod erklären, stellen sie sich Im vollen Bewußtsein der eigenen Verpflkhtung in uneingeschränktem Vertrauen hinter die Leitung. Ort des Zionlstenkongresses. Der zweite tschechoslowakische Zionistentag bittet die Exekutive der Zionistischen Organisation, den nächsten Zionistenkongreß nach Karlsbad etnztibe* rufen. Die PIlicItt des Maasscr Der zweite tschechoslowakische Zionistentag erklärt cs als Pflicht jedes organisierten Zionisten, für den Keren Hajcssod den Maasscr, das heißt zehn Prozent vom Vermögen und durch fünf Jahre zehn Prozent vom Einkommen, zu geben. Der Zionistentag beauftragt das Zentralkomitee, alle Zionisten zur Erfüllung dieser Pflicht zu verhalten and erwartet von allen Ortsgruppen tatkräftiges Vorgehen In dieser Richtung, Gegen Blnjan Haar ex. Wir haben das volle Vertrauen, daß der Aufbau von Erez-lsracl das ganze jüdische Volk zur Mitarbeit bereit finden wird. Die von der Exekutive getroffenen Maßnahmen verbürgen die zweckmäßige Verwendung der für den Keren Hajessod gesammelten Gelder. Der Z. T. Hält cs darum nicht für nötig, zum Zwecke der Heranziehung der nichtzionistischcn Volksgruppen zur Mitarbeit eine Föderation BinjanHaarezzu gründen bzw. zu unterstützen: er erachtet diese Gründung, da sie zur Folge haben kann, daß die zionistische Partei von dieser Föderation zu programmatischen Kompro missen veranlaßt werden kann, für gefährlich, insoweit die Nichtzionisten auf solchem Umwege in die Zionistische Organisation zum Ted gegen ihre eigene Uctoerzcugung Liueiii gezogen werden soäcn, geradezu für verwerflick Resolutionen den Natlonalfouds betreffend- 1. Der zweite t;cltecltoslowakisdic Zionistentag vertangt, daß beim Aufbau von Erez-Israel das Prinzip der Nationalisierung von Grund und Boden zur Geltung gelange. 2. IX׳r Zionlstent.\g begrüßt den Plan der Gründüng einer Kolonie für Chaiuzim aus der Mitte seiner Landsmannschaft. Die Natfonalfondskom* mksion für die Tschecltoslowajcei soll die Sammlungen des J, N.-F. in den Dienst dieses Planes stellen, tim im Elnvernclunen mit dem Z. K. und den Chaiuzim, welche die Gründung der Kolonie vornehmen wollen, «lie fiiutnzicllc Grundlage zu schaffen, Dio Alljah. Der Zlonktenta(g beschließt im Prinzip die Annahme der Beschluss«: der Mähr.Ostrauer Palästina-Aemter- Konferenz und beauftragt das Z.-K. mit deren Durchführung. Doch erwartet der Zionlstentag, daß den Pakistliuv'inttcm eine genügende Anzahl von Zertifikaten zur Verfügung gestellt werde. Förderung der Hebrälsicrung durch das Z.-K. Der Zionkientng beauftragt «las Z.-K״ es möge mit den ervtsprcdieikden Mitteln die l iebratsierung fördern, zu diesem Zwecke di« Möglichkeit der Einwanderung Insbräischer Lehrkräfte erleichtern, und wenn dies unmöglieh ist, entsprechende Kurse errichten. Der Zionistentag spricht den Wunsch aus, daß in den jüdischen Schulen überhaupt, in den anderen Sclvulen dort, wo mindestens 50 jüdische Schüler sind, jler hebräisdie Sprachunterricht obhg.'.ftoriscb Werde. Förderung der Hebrälsicrung durch den J. N.-R. Der zweite t•:tiirechoslowakische Zionistentag legt den zionistischen Mitgliedern des J. N.-R. die Verpflichtung auf, mit allen Mitteln für «Jic Hebrai sie ru ng der tscheelio slowakisclten Judensdtaft im engsten Einvernehmen mit dem Z.-K, respektive seiner Exekutive tatkräftrgst zu wirken und einzutreten. Vor allem haben sie zu veranlassen, daß bei der Regierung alle Schritte I vom J. N.-R. unternommen werden, daß möglichst viele öffentllcheSchulen mit hebräischer I Unterrichtssprache errichtet werden. Zu diesem Zwecke haben sie dahin zu wirket», daß• hebräische Lehrer hcractgczogeti werden und unter den Eltern eine systematische Propaganda für di« Hebratisierung elngekltet werde. Resolution zur Galutharbeit. Die politische Kommission des zionistischen Zentralkomitces wird beauftragt, ün Wege des Jüd. National־ raäes ein Arbeitsamt ghuurtchten, weichem die Aufgäbe zufällt, die Arbeiten, ״die zur Umschichtung Nt. 27 der Juden führen, zu bewältigen. Diesem Arbeitsamt suul vornehmlich eil« Ite ruf «berat 11 ngsstellc mit ZwcigdcLet» aazugäeder;», ihk! zwar eine Lehrstelle für Handwerker, Lehxgüter. Lehrlingsheime und cne Stellenvermittlung. (Der genaue Wortlaut tksr Resolution konnte uns nicht übermittelt werden.) Vom Hapocl-Hazair beantragte Resolution t Der Aufbau Erez-Israels erfordert in erster Linie ein Mensdienmaferial, das körperlich und geistig vorbereitet ist, um die schwere und verantwortungsvolle Arbeit in aller» ihren Formen, scllsst mit Aufopferung der eigenen lV?r:*<>11 auf sich zu nehmen. (<’. 11 a 1 ti /.! u 111.) Alle unsere politischen Erfolge werden ihres Werw» und Inhaltes beraubt, wenn das jüdische Volk die erlangten politischen Rechte nidit zum realen Aufbau «!cs Landes verwendet. Aus diesen Gründen ist es ilie hauptsächlich tr Forderung nicht nur des gegenwärtigen Augenblick-, sondern überhaupt des gesamten zukünftigen Aufbau- Werkes, daß «lie Alijah von Ciialuzim in immer vr,- stärktem Ausmaße stattfind«. Der Zionistentag stellt fest, «laß alle Bcsch ranklingen und Drosselungen der Alijah ihr letzten Zeit bereits ernste politische Gefahren licraufbc schworen haben, die das bisher im Lande Erreichte aufs schwerste gefährden. Der zweite tschechoslowakische Zionlsientag fordert «ither: AEe Beschränkungen, die zu Drosselungen der Alijah in letzter Zeit geführt haben und noch’führen können, müssen sofort aufgehoben werden. Auch itie Behauptung, die Leitung besitze noch nidit die genügenden Mittel für einen ״systematischen Aufbau“ von Ere/.-Fracl, kann und darf kein Grund zur Drosselung der Alijait sein. Der Geldmangel muß vielmehr für jeden einzelnen Zionisten und für die oberste Leitung ein Ansporn werden, an «las jüdische Volk zu appellieren, die Mittel für den Aufbau und «lie Alijait aufzubringen. Der zweite tschechoslowakische Zionistentag forderl von der obersten Leitung, daß für die Alijah seitens des Keren-Hajes sod die erforderliehen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Denn ohne ALijalt ist der systematische Auf!».:;: des Landes, der durch den Keren Hajessod gewährleistet werden soll, unmöglich. Der zweite tschechoslowakische Zionistentag gibt seiner Meinung Ausdruck, daß der Keren Hajessod nur dann die in ihn gesetzten Hoffnungen, das Finanzkistrument des Aufbaues zu werden, erfüllen werde, «min die Werbearbeit einen ausgesprochen demokratischen Charakter tragen und von aßen Schichten des jüdischen Volkes als nationales Opfer gefordert werden wird. Zu diesem Zwecke ist es dringend erforderlich, daß die Zionistische Organisation «lie Kenntnis von den wirkliehen Verhältnissen in Ercz-Israci in die breiten Mas•«.» de» jüdischen Volkes trägt und dieselben dazu erzieht, im Aufbau «He zentrale Lebensaufgabe des jüdischen Volkes zu sehen. Rücksicht auf die religiösen Gesetze. Der Zionistentag erachtet es für nötig, daß von oniziellcr zionistischer Seite nichts unternommen werden 9011, was «lie religiösen Gefühle des jüdischen Volkes verletzt und daß in sämtlichen Institutionen und Arbeiten der Zionistischen Organisation auf die Gesetze der jüdischen Religion Rücksicht genommen werde. Der Zionistentag erhofft von einer durch die E.nhaltung dieser Richtlinien erleichterten Heranziehung aller nichtzionistischcn, insbesondere der gesetzestreuen Jude;:, down der Aufbau Erez-Israels zweifellos am Herzen hegt, jede gedeihliche Zusammenarbeit, die auch nach den Intentionen der zionistischen Leitung und der Mandatarmacht von allen Juden erwartet wird. Wahlen des zionistischen Zentralkomitees. Der Sitz der neuen Exekutive ist Mährisch- 09 trau: die in M.-Ostrau und Troppau wohnenden Mitglieder des Z.-K. bilden die Exekutive. Aus Mähren: Finzi, D.־. Wagner, Dr. Hugo Hermann Df. Rufei •aus, Leo Krieger, Dr. Goldschmied, Dr. Meis- «*er, Dr. Fcldmann. Aus Böhmen: Norbert Adler, Dr. Resek, Waldstein, Dr. Freund (Gablonz), Dr. Pick (Aussig), Dr. Margulies (Leitmeritz). Aus der Slowakei: Dr. Sipos, Dr. Kondor, Reichentluii, Dr. Fcrbstcin, Emil Neu mann, Josef Braun, Aus Karpatho-RiüMani: Dr. Sternbach, Dr. Spiegel, Outtmann Safar, Dr. Juskovits, Screni. Vom Hapoci-Hazair: Feig, Dr. Epstein, Dr. Grün fcki, Ing. Spitz. Vom Nationalrat: Dr. Singer, Dr. Gold stein. Der jüdische Selbstwehrkoagreß in Rußland London, 20. März. (J.C. B.) Die aus Rußland unter Führung Salztnans zurückgckdirte Hilfsorgamsation bcriclttet, daß in allen russischen und ukraiatsehen Städten jüdische Seibstwehrabteilunge« organisiert wurden. Sie sind von der Regierung anerkannt worden, die ihnen Waffen und instruktoren zugewiesen hat Diese Abteilungen haben gar keinen politischen Charakter, und bezwecken ledigkda den Schutz van jüdisdurtn Leben und jüdischer Elt re. Gegenwärtig gebe es in Rußland keine l*ogro;;1e. Die antibolschewistischen Truppen <tes Generals Antonoff kämpfen unter der Devise: ״Kämpfet nicht gegen die Jaden, die selbst leiden.“

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