Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1921)
- Date
- 1921-04-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Und wir sind über* zeugt, dal! die einmal aufgeworfene Frage nicht mehr voa der Tagesordnung verschwinden wird, bis sic zur Zufriedenheit der ganzen Weltorganisation im positiven *im!c gelöst ist, bis die Organisation wieder zu tiivcni brauchbaren Werkzeug des Aufbaus gemacht ist,“ Das Organ der amerikanischen Misrachisten ״HalWrj•• lenkt in einem ״Ucbcr das Haupt der Häupter“ überschri ebenen Artikel die Aufmerksamkeit seiner ׳, titt auf die gegenwärtige Gärung innerhalb der am erb Vanischen Zionisten. ״Die Zionisten Amerikas waren ■',m״cf gut diszipliniert. Sie haben sich nicht so sehr ״״גל" gekümmert, ihren Zionismus zu vertiefen, da-;.,rCf1 standen sie gesclilossen hinter ihren Fülirem. Der /iomaniis in Amerika war nicht tief, sondern breit. D war groß imd nicht schwer. Nirgends war cs so leicht, Führer zu sein, als in Amerika. In Amerika Mb es keine zionistische Führung, es gab mir zionistische Führer, zuletzt sogar nur einen Führer, der dazu noch immer schwieg und es nicht für nötig hielt, zum Volk zu gehen und die Meinung des Volkes zu hören. Und dieses bisher treue Volk fing nun an, sich auf -ich selbst zu besinnen. In allen zionistischen Vcrsammlangen werden scharfe Proteste gegen die Taktik der Führer angebracht und die dringende Forderung wird laut den bis jetzt verfolgten Kurs zu ändern. Dies alles beweist, daß die amerikanischen Führer ihre Macht überschätzt haben. Sie wollten ihre Meinung bezüglich des Keren Hajessod nicht aufgeben, wenn es auch einen Zusammenbruch der Zionistischen Organisation bedeuten sollte. Sie wollten keinen Keren Hajessod, der die eina״c Möglichkeit bietet, Palästina durch Juden aufzubauen, trotzdem die europäischen Zionisten ihr .Möglichstes tun, um den Mnasscrgcdankcn zu verwirkiidten. Wer aber selbst die Disziplin bricht, kann für *ich keinen Gehorsam mclir beanspruchen, Diese Momente waren ausschlaggebend für die Bewegung, die letzt alle Zionisten Amerikas umfaßt hat. Das beweist, daß die amerikanischen Zionisten nicht mehr blind ihren rührein folgen, daß die amerikanischen Zionisten bcginnen, sich ernstlich mit zionistischen Problemen zu befassen. Die Arbeit für den Keren Hajessod wird dem amerikanischen Zionismus neues Leben zuführen mul;im zu einer wahren V o lk s b e w e g 11 n g. machen. Was den Misrachi anbetrifft, so hat bereits die in Hahimore angenommene Resolution sich für die Keren Hajessod-Arbcit restlos eingesetzt. Der Misrachi halt an den Beschlüssen der Weltorganisation fest. Solange aber die amerikanische Föderation für den Keren Hajessod nicht gearbeitet hatte, konnte der Misr:!dü auf eigene Faust die Aktion nicht durchführen, Jetzt aber wird die gemeinsame Arbeit für den Keren Hajessod alle Zionisten Amerikas wieder vereinigen.“ Viel klarer und schärfer drückt sieh der Redakteur ties ״Jüdischen Morgenjoumals“ B. Sh elvi 11 aus, von dem bereits ein Artikel auszugsweise in der ״jüd. Rundschau" wiedergegeben wurde. ״Die Zionisten Amerikas haben es endlich satt, zu warten, bis ihre Führer sich die Sache mit dem Keren Hajessod überlegt haben, und wollen jetzt ihre Führer anspornen. Den Anfang dieser Bewegung machte die Keren Haji-ssod-Konfereiu in Connecticut, die zuerst von der amerikanischen Exekutive eine restlose Durchführung des Keren Hajessod verlangt hat. Dieser Bewegung *dikissen sich auch andere Staaten an. Die ״Revoliitioiv‘ gegen die Führer ist nicht 11m eine Minute zu ttüli gekommen, im Gegenteil, wir haben unnützerweise volle sechs Monate verstreichen lassen. Jetzt muh alles gisciielien, damit Dr. Weizmaiva bei seiner An* kunft in New York die zionistischen Massen hinter J sich stehen fülilt. Dm wird ilun den Mut geben» auch j von den zionistischen Führern die absolute Waltrung der Parteidiszipltn zu verlangen.“ Ferner meint Shdvin, daß man bei aller Klarheit und Unbedingtheit der Keren Hajcssod-Fordcrung nicht die amerikanischen Führer vor den Kopf stoßen solle. Man brauche Dr. Weizmann mit den amerikanischen Führern nicht zu entzweica Es sei nicht notwendig, daß Dr, Weizmann Zeuge der Abrechnung mit den zionistischen Führern sei. Es müsse alles vorbereitet werden, damit We'12maiuis Besuch in Amerika sich zu einem glänzenden Erfolg des Gedankens des Keren Hajessod und der Einheit der Partei gestalte. Man brauche jetzt keine Resolutionen gegen die Führer, wohl aber Resoluikmen für den Keren Hajessod und für die Durchführung der Londoner Beschlüsse, ״Eine Sammlung solcher Resolutionen würde der schönste Strauß sein, den man Dr. Weizmann bei seiner Ankunft überreichen könnte. Die Arbeit für den Keren Hajessod muß! sofort beginnen. Der amerikanische Zionismus ist im letzten halben Jahr infolge der Untätigkeit fast vollständig paralysiert worden. Ke einzige Arbeit, die noch gemacht wird׳, ist der Verkauf von Aktien der Zion Commonwealth, die zwar eine sehr nützliche Ge- Seilschaft, aber noch lange nicht der Zionismus ist. Die Arbeit für den Keren Hajessod wird in die Ortsgruppen neues Leben bringen. Ferner muß alles für den Empfang von Dr. Weizmann vorbereitet werden. Der »Gcschäftsführcnde Ausschluß‘ hat bis jetzt noch nichts in dieser Richtung unternommen. Dr. Weizmann kommt nicht zu den amerikanischen Führern, um sieh mit ihnen über interessante Fragen zu unterhalten, er kommt zu uns, um das amerikanische Judentum für den Aufbau Palästinas zu organisieren. Die Zionisten Amerikas müssen die Verantwortung für Weizmanns Erfolg übernehmen. Möge niemand sagen, daß die amerikanischen Zionisten die Führer haben, die sie verdiene n.“ Kr. Sitzung der amerikanischen Exekutive New-York, 25. März. (J. C. B.) In einer stürmischen Sitzung der Exekutive der amerikanischen Zionlstischen Organisation, die hinter verschlossenen Türen stattgcfundcii hat, unterbreitete der Präsident der Zionistischen Organisation, Richter Julian Mack, cin Memorandum mit der Forderung, ihn zu Verhandlungen mit Dr. Weizmann auf der Grundlage der im Mcmorandum aufgestelltcn Prinzipien zu ermächtigen. Von den 24 anwesenden E x e k u t i v m i t g 1 i c d e r 11 haben sich!0 demonstrativ der Abstimmung enthalten. Unter anderen im Memorandum enthaltenen Grund- Sätzen befindet sich die Forderung, daß die Zionistische Organisation ihre Tätigkeit auf Palästina kon* zentrieren und sie nicht auf ״Gegenwartsa r b e i t“ und ״Diaspora-Nationalismus“ zersplittern soll. Die Zionistische Organisation soll die jüdische Vertretung in Palästina werden und, die ״Zionist Commission“ ersetzend, am Aufbau des jüdischen Heimattandes mithelfen, ohne in die Funktionen der Regierung oder der palästinensischen Judensehaft einzugreifen. Der ״schweigende Führe!“ Das ,,Jiddische Volk“ bringt folgende interessante Episode über Brandeis: ״Dr. Klügler vom Rockcfeller-Iustitut, der in Palästina die Maßnahmen gegen die Malaria studiert, telegraphierte an B ra nd e is, aalt er einen Plan zur Bekämpfung der Malaria ausgearbeitet habe, für dessen Durchführung man zunächst 20 000 Dollar brauche. Die Zio 11 i stisehe Organisation Amerikas konnte aber eine solche Summe zu diesem Zweck nicht bewilligen. Daraufhin hat Brandeis aus eigenen Mitteln die 20000 Dollar überwiesen, ohne daß jemand etwas davon gewußt hätte.“ Das Blatt, das sonst auf Brandeis nicht gut zu sprechen ist, bemerkt dazu, daß man einem Führer, der so handeln kamt, auch sein Schweigen verzeihen könne. Der Empfang der zionistischen Delegation in Amerika New-York, 25. Marz. (J.C. B.) 111 Anwesenheit von 500 Delegierten, die 97 sowohl zionistische als auch nichtzionistische Organisationen repräsentierten, fand hier unter dem Vorsitze. Richter Hartinanns, des Großmeisters der ״Brith-Abraham“־Loge, eine begeisterte Konferenz statt. Es wurde beschlossen, der zionistischen Delegation unter Führung Dr. Weizmann« einen volkstümlichen Empfang zu bereiteen. Die offizielle Zionistische Organisation war auf dieser Konferenz nicht vertreten. Diese veranstaltet zu Ehren der zionistischen Delegation am 10. April ir» dem Metropolitan Opera House einen offiziellen Empfang. Verhandlungen wegen Beteiligung der Misrachisten an der zionistischen Delegation nach Amerika London, 27. März. (J.C. B.) Wie wir erfahren, werden zwischen dem Misrachi und der Zionistischen Organisation jetzt Verhandlungen wegen der Beteibgung des jetzt in London weilenden Führers des mis-. rachistischen Zentralbiiros, Prof. Pick, an der nach Amerika zu entsendenden zionistischen Delegation geführt. Keren Hajessod Die Keren Hajessod-Arbeit in Lettland Riga, 27. März (j.C. B.). Trotz der sdilechten ökonomischen Lage der lettischen Juden, deren Groß־, teil aus russischen, ukrainischen und polnischen Flucht* Singen besteht, macht die Arbeit iür Keren Hajessod in Lettland große Fortschritte. Dank den Bemühungen des Herrn S. Salz mann trat der ״Merkaz“ zu einer Konferenz zusammen, die nach einem ausfühl liehen Refo rate H. Salonauns den vom Referenten vorgeschalgenet» Plan für eine große Keren Hajessod - Aktion an״ nahm und den Beschluß faßte, 25 Millionen Rubel für den Keren Hajessod in Lettland aufzubringen. 40 ״/o von dieser Summe sollen im Laufe des ersten Jahres gesammelt werden. Es wurde auch ein Frauenkomitee für den Jtiwclcnfonds eingesetzt. Keren Hajessod in der Vojvodina (Jugoslawien) Novisad, 28. März (J.C. B.). Herr Julius Berger von der Abteilung für Zent rat europa wird im Monat April Jugoslawien bereisen und am 4. April in Novisad über den Keren Hajessod sprechen. Für diese Oelegenheit wird in Arm mit der Kultusgemeinde eine große Versammlung sämtlicher Juden in Novisad stattfinden, wo jetzt die allcrwichtigstc Frage des Aufbaues Pa* Histmas besprochen wird. 111 seiner Begleitung wird sich Herr Sime Spitzer, Vertreter des Keren Hajessod, befinden. Von Novisad werden die Städte Sombor, Subotica, Senta, Veliki-Beckerek, Vrsac und noch andere besucht werden. Am 10. April findet eine große Ver- Sammlung in Sombor statt. daß Moskau den jüdischen Massen viel näher stünde »sw. Ihre Bemühungen waren aber erfolglos, weil man m Moskau die entsprechenden Lehrkräfte nicht finden konnte und die Petersburger Dozenten sich nicht entschließen konnten, nach Moskau zu gehen. Als die Jiddischisteu sahen, daß ihre Anstrengungen vergebens waren, versuchten sie, durch das Bildungsministerium eine ״Reinigung“ des Institutes vorzunchmen. Zunächst wurde Rabbüier Dr. Eisensladt entfernt, der Dozent für Bibelktmde war, da er, als Rabbiner den! Bilüungsminisferium verdächtig erschien. Dann mußte Dr. Mar kon, Dozent für Arabisch und Geschichte der Karüer, ausschcideii, weil er Syuagogcnvorstand war. remer wollte man als Unterrichtssprache Jiddisch cinfuhren, das ging aber nicht, weil die Petersburger Stuenten des Jiddischen nicht mächtig־ sind. Die Regitruiig mußte es jedem Lehrer überlassen, seine Unwichtssprache selbst zu wählen. Für die Zukunft plante 1"2"י e,'n<! größere Anzahl junger Leute aus dem An- '1«d1j||gSray0n zu brjngen, die dann den Grundstock ur die jiddische Studentenschaft bilden sollten, um auf < äse Weise Beamte für die jiddische Kulturtätigkeit U'ranbikien zu können. Die Unterrichtssprache blieb י־ so russisch, einzig und allein Schreiber dieser Zeilen .״״«inc Vorträge in hebräischer Sprache. , *äm der Sowjetregicrung am wenigsten verdächtig '0r. Vielleicht sind mir meine Jugendsünden hier von 1 a ßewescu. (Der Autor, der 2« den prominentesten jebraischen Schriftstellern zählt, hat seine schriftstellerische Tätigkeit, und das in sehr radikaler Weise, in ssisdier Sprache begonnen. — Anm. 4 Red.). Die jüdisch-russischen Schriftsteller durchleben jetzt *ff־ Stunden. Sie haben das Hebräische verlassen ״1 ירדr Leben lang russisch geschrieben. Jetzt aber ist 1e russische Sprache nur noch die gräßliche Verordnung«- spräche der bolschewistischen Regierung, geworden. Seit zwei Jahren hat kein einziges russisches Buch den Druck verlassen, keine einzige literarische Zeitschrift ist in Rußland erschienen, und die jüdisch-russischen Schriftsteiler bedauern jetzt, daß sie ihre besten Jahre und ihre besten Kräfte dieser Sprache gewidmet haben. Jetzt ist Rußland und mit ihm das russische Judentum in viele Stücke gerissen, die einander bekämpfen. Es wird kaum eine Generation vergehen, und die russischen Werke werden gerade in den Gegenden, die ain meisten von Juden bewohnt sind, nicht mehr gelesen werden können. Jetzt bedauern die jüdisch-russischen Schriftsteiler, daß sie nicht hebräisch geschrieben haben. Hätten sie ihre Werke hebräisch geschrieben, sie würden jetzt einen Leserkreis in der ganzen jüdischen Welt haben. Des öfteren klagte mir der Historiker Dubnow darüber, daß er seine Geschichte und seine Untersuchungen russisch geschrieben hat. Wozu? Für wen? Gegenwärtig schließt er seine umfassende Geschichte des jüdischen Volkes bis zum Ausbruch des Krieges ab. ln einem Jahre wird er mit der Arbeit fertig sein. Sobald er diese Arbeit vollendet hat, will er sein ganzes Werk noch einmal in hebräischer Sprache hcrausgeben. Er sieht jetzt ein, daß die Wissenschaft des Judentums nur in hebräischer Sprache einen Sinn und eine Zukunft hat. Nachdem die Regierung die Oberaufsicht über die jüdische Hochschule übernommen hatte, lenkten die Regicrungskommissare ihre Aufmerksamkeit auf die Archive der verschiedenen jüdischen Kommissionen in Petersburg (Kommission zur Untersuchung der Pogrome, der angeblichen Judenspionage u.a. m,). Audi tat der historisch* ethnographischen Gesellschaft, die früher unter der Redaktion von Dubr.ow die Vierteljabrszcitschrift ״Jewrejskaja Starina“ (Jüdische Altertümer) herausgegeben hatte, hat sich eine ganze Anzahl von außerordentlich wichtigen historischen Dokumenten angesammelt. Die boischevvistisclie Regierung hat diese Arbeiten in eine Koinmission unter der Leitung von Dubnow, dem ein Regierungskommissar beigegeben ist, konzentriert. Die Regierung hat sich verpflichtet, dieses mannigfache Matcrial auf eigene Kosten zu veröffentlichen, wenn sie dazu das nötige Papier und Druckfarben bekommen wird. Die Regierung wird bestimmt ihr Versprechen einhalten, schon aus dem Grunde, weil sie in diesen Dokumenten sehr viel die Reaktion kompromittierenden Agitationsstoff finden wird Ob aber die bolschewistische Regierung das Papier und die Druckfarben noch rechtzeitig wird erhalten können oder ob dieses Papier und diese Druckfarben schon in den Händen ihrer Nachfolger zu neuen Pogromaufrufen gegen die Juden benutzt werden wird, um an den Juden den Bolschewismus zu rächen, wird die nächste Zukunft zeigen. . . . Der Jude. Monatsschrift, herausgegeben von Mart Buber. Jüdischer Verlag, Q. m.b. H., Berlin NW Dorotheenstr. 35. Vierteljährlich M. 15—, Einzc lieft M. 5.50. 1 ’ [Jas 11. Heft ist soeben erschienen und hat fc genden Inhalt: Arnold Zweig, Der heutige deutscl Antisemitismus.; Albrecht Heitmann, Die Geschieh uer österreichisch-jüdischen Kongrcßbewegung; Ha! Kohn, Briefe an Freunde; S. J. Agnon, Der Vc stoße ne. Bemerkungen: E. M. Lipschütz, Das Schi werk. Umschau: Siegmund Kaznelson, Politik (J disches und arabisches Selbstbestimmungsrecht); Ma Wtschiutzer, Aus dem Wirtschaftstoben der ukn ruschen Juden; Harn Kohn, Geschichte; Ma Wischnitzer, Zu den ״Memoiren des Bcr Boi enower. N, 1 t ן i '1 1 1 \ .י