Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 27 (5.4.1921)
- Date
- 1921-04-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Zionlemu» erstrebt Mr das JQUIscho Volk die Schäftung einer Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.* Tagung des Landesvorstandes der Zionistischen Vereinigung für Deutschland!Am 3. April fand in Berlin eine Sitzung des [ -,!j^wstaiidcs der Zionistischen Vereinigung für Ocnt'cljlntid stall, an der folgende Mitglieder teil- ״;linnen: Vorn Geschäftsführenden Ausschuß: Rosenhliith, Blumenfeld, Boschwitz, Kober, Dr. Siegfried Moses, Dr. Rosenberg, Dr. Max Strauß, Prof. Dr. Weil, Dr. Welt soll. Von! Zentralkomitee: Dr. Martin Ascher, L)r. Albert Baer, Dr. Arnold Barth, La- /;uus Barth, Dr. Dobrzynsky (Bcuthcn), Alfred Frank, R.-A. Gronemann, Grünbäum, L)r. Sally Hirsch (Halbcrstadt), R.-A. Dr. Jacobsoll n (Breslau), Dr. Kalmus (Hambuvg), Dr. Kollcnscher, Landau (Dresden), Prof. Lewin, Dr. Fritz Loewenstcin, Heinrich .Margulics, Frau Nanny Margulies, Rawidowitsch, Zahnarzt Rothscliild (Lübeck), Dr. Sandler, Schachtel (Breslau), Schocken (Zwickau), Schrägenheim, Dr. Stahl, Dr. Walter Stein (Königsberg). Als Gäste: die Mitglieder des Aciious- ComiKs: Dr. Jacobson und Dr. Hantkc. Die Verhandlungen waren ausschließlich einer eingehenden Aussprache über die innere Lage der Zionistisdien Vereinigung für Deutschland gewid-;net. Nach längerer Debatte wurde allseitig die Notwendigkeit anerkannt, die Voraussetzungen iiir eine einheitliche Arbeit sämtlicher Zionisten in Deutschland innerhalb der Zionistischen Vereinigung für Deutschland zu schaffen und insbesondere im gegenwärtigen ■'■ugcnblicfc eine vorläufige Regelung bis zur end- , ii'tige:: Klärung der Föderationsfragc zu treffen. üic Auseinandersetzung über die geplante Födcra- Ihn ist frei, der Land es vor stand wird 'jedoch von sich aus aus eigener Initiative hierzu keine Stellung nehmen. Es wurden ferner folgonde Beschlüsse gefaßt: 1. Der Landesvorstand stellt fest, daß die 1 eitung der zionistischen Arbeit in Deutschland in der Hand des Geschäftsführenden Ausschusses als der allein berechtigten Instanz zur Führung der gesamten Geschäfte liegt. Er fordert alle deutschen Zionisten auf, im gegenwärtigen Augenblick insbesondere die Keren Hnjessod- Aktion rückhaltlos zu unterstützen. '2. Der Landesvorstand ersucht den Geschäftsiiiiirendcn Ausschuß, zur Führung der politischen Geschäfte eine Kommission zu bilden, die dem Ge- •:düiftsführeuden Ausschuß verantwortlich ist. Die KsmiuiNsioa soll aus folgenden Herren bestehen: Br. Arnold Barth, Kurt Blumenfeld, R.-A. ü ro ne mann, Dr. Hantke, Dr. Kollenscher, Prof. Dr. Lewin, R.-A. Rosenblütli, R.-A. Dr. Strauß, Dr. Isaak Zwirn. Sollte einer der gewählten Kommissions- ,::itglicder das Amt nicht annehmen, so tritt an seine Stelle Dr. Sandler ein. 3. Die Wahlen zum Kongreß sollen innerhalb Deutschlands nach dem Grundsatz der Proportionalwähl in großen Wahlkörpern vorgenommen werden. Sämtliche Beschlüsse wurden einstimmig ohne Stimmenthaltung gefaßt. Die Opposition im amerikanischen Zionismus New York, 31. März. (Jüd. Korr.-Bur.) Zehn M itgJicd e r der amerikanischen zionistischen Exckiitive haben soeben eine Erklärung veröffentlicht, in der die Exekutive eines unbilligen Vorgehens gegenüber der europä- ISC^״ Organisation und des Versuches beschuldigt wird, durch ihre Haltung in der Öffenthoien Meinung Voreingenommenheit gegen die Verwaltung der Weltorganisation hervorzurufen und Uneinigkeiten in den Reihen der amerikanischen Zionisten zu säen. Die oppositionellen Exekutivemitglieder versuchen mit allen Mitteln, eine offene Bewegung Siegen die jetzige zionistische Leitung m Amerika hervorzurufen. Festhalten an der Balfour-Oektaration Das ״Berliner Tageblatt“ vom 1. April bringt folgende Rcutcrm eldung: Churchill erklärte in Jerusalem gegenüber einer Abordnung des arabischen Kongresses nachdrücklieh, die englische Regierung sei entschlossen, sich an die Erkläru ng Balfours in ihren beiden Teilen zu halten, nämlich wegen Errichtung eines jüdischen nationalen Heimatstaates und wegen des Schutzes der nichtjüdischen Bcvölkerung. Churchill empfing darauf eine jüdische Abordnung, der er erklärte, die Juden müßten das Mißtrauen, das ilu!cn von der mohammedanisehen Bevölkerung entgegengebracht werde, zerstreuen. Er sagte alsdann, die britischen Steuer- Zahler könnten die Ausgaben für die Errichtung einer jüdischen Nationnlhcimat nicht tragen, die Juden müßten daher größere A n s t r e n - gungcn machen, um die notwendigen Mittel a 11 f z u b r i n g e n. Ein Vertreter der jüdischeu Abordnung erklärte, die Zionisten seien bereit, die nötigen Mittel zu beschaffen. Jerusalem, 30. März. (Z. C.) Die jüdische Deputaiion bestand aus zehn Mitgliedern, und zwar Vertretern des Waad leumi, der Zionist Commission und des Obcrrabbinntes. Auf Churchills Rede antwortete namens der Deputation Dr. Ruppin, der darauf hinwies, daß eine große Aktion im Zuge ist, um die für den Aufbau der nationalen Heimstätte erforderlichen Mittel aufzubringen. Jerusalem, 20. Mürz. (J. K. B.) Kolonialminister Churchill hat gestern den Vorsitzenden der Zionist!- sehen Exekutive, NaUum So ko low, in Audienz empfangen. Die Unterredung dauerte längere Zeit. Sokolow äußerte sich über das Ergebnis setir befriedigt Ein jüdisches Memoranda!») an Churchill Jerusalem, 27. Miirz. (J.C,B.) Eine aus dem Wand I.eutni, der Zionistischen Kommission und dem Oberrabbinat bestellende Abordnung hat sidi bei dem soeben in Jerusalem eir.gctrofi'ciien Kolonialministcr Churchill zur Audienz angemeldct. Die Abordnung wird Mr. Churchill ein Memorandum überreichen, in dem die Stellung der palästinensischen Judenhcit zu den Landesfragcn dargelegt wird. Das Memorandum aner• kennt die großen Verdienste Sir Samuels in seinen Bemühungen um die Herstellung freundschaft* liehe:• Beziehungen zu den Arabern und stellt wiederholt fest, daß die Zionisten keinerlei Absicht haben, die Rechte der arabischen Landesnevölkcrung anzutasten. Hingegen wird die Wicdcrauflcbung des jüdischen Volkes in Palästina sowohl auf die arabische Nation selbst als auch auf alle erwachenden Völker des Orients ermutigend und befruchtend wirken. Ferner wird im Memorandum die Anerkennung des über die ganze Welt verstreuten jüdischen Volkes als einer Einheit gefordert, die zur Mitwirkung an allen die Entwicklung Palästinas betreffenden Beschlüssen berechtigt sein soll. Schließlich fordert das Memorandum die Förderung der jüdischen Aus Wanderung aus den wirtschaftlich ruinierten Ländern, insbesondere aus den Pogrom ländern, nach Palästina, sowie die Ucbcrgnbe der natürlichen Reichtum er des Landes und der Staats« ländcrcien zum Zwecke von deren Erschließung bzw. Urbarmachung an das jüdische Volk. Der Einzug zu Purim Jerusalem, 27. März. (J.C. B.) Kolonialminister Churchill ist hier in Begleitung des Oberkommissärs Sir Herbert Samuel unerwartet am Abend eingetroffen. Die geplante arabische Frauendemonstration, die für 2 Uhr nachmittags am Bahnhof vorbereitet war, verlief daher wirkungslos. Audi von den Juden wurde den Gästen keine Aufwartung gemacht, da ihre Ankunft am Purim-Abend erfolgte, wo die jüdische Bevölkerung die S'udath-Purim im Familienkreise feierte. London, 29. März. (J.C.B.) E>ie Blätter bringen ausführliche Telegramme über die Ankunft Mr. Churchills gerade am Purim in Jerusalem und sehen darin einen symbolischen Akt, da die Juden an diesem Tage die Befreiung von den Machinationen Hamans feiern. Das sei ebenso symbolisch wie der Einzug AHenbys zu Chanuka nach Jerusalem. Demonstration am Skopasberg Aus Palästina kommen folgende Nachrichten über die Anwesenheit Churchills in Jcrusalem: Am Dienstag, den 29. v. M., fand am Har Hazofim (Skopusberg) bei jcru4alern eine Riesendemonstration von über 10000 Juden statt, an der auch fast alle Schulkinder Jerusalems teilnahmen. Sokolow, als Vertreter der Exekutive, empfing Churchill am Universität«- platz und wies in einer begeisterten Ansprache auf die Bestrebungen des jüdischen Volkes in Palästina sowie auf die Notwendigkeit einer friedlichen Zusammenarbeit mit den Arabern hin. Rabbiner Kuk begrüßte Churchill im Namen des Rabbinates mit der Thorarolle. Churchill dankte den Rabbinern für die Thoraro'le und sagte: ״Diese« heilige Buch, dessen Wahrheiten von Juden und Qiristen in gleicher Weise anerkannt sind, ist mir sehr teuer, und Ihr Geschenk wird in meiner Familic als unvergängliches Andenken bewahrt werden.“ Dann fuhr er fort: ״Ich habe gestern Balfours Deklaration namens meiner Regierung wiederholt, welche »!cts ihre Versprechungen ausführt und weldie ״Fetze* Papier“ respektiert. Wir werden alles tun. was möglieh ist, um die Zusicherungen zu erfüllen, wekäie dem jüdischen Volke gegeben wurden. Persönlich kann ich erklären, daß ich herzliche Sympathien für den Zionismus seit langem hege. Ich glaube, daß die Errichtung der jüdisch « natioaalen Heimstätte in Palästina eine Erlösung für die ganze Welt bedeutet, ebenso wie für die zerstreuten Juden, für Großbritannien und für alle Eiu« wohncr Palästinas ohne Unterschied des Glaubens. Die Verwirklichung hängt von Ihnen ab. Unser Versprechen war ein doppeltes. Wir verpflichteten uns, beim Aufbau der nationalen Heimstätte zu helfen und gleichzeitig die Interessen aber Ecu« wohncr Palästinas zu wahren. Eine große Vcrant- Wörtern•• ruht auf Ihnen als Reprä 8en tan ten des wcltjudentums. Von Ihrem Verhalten hängt die Zukunft des jüdischen Volkes ab.“ Nach Schluß der Feier pflanzte Churchill vor der Universität einen Baum. Unter den Klingen der ״Hatikwah“ ging das Publikum begeistert auseinander. Unter der. verschiedenen Deputationen, die von Churchill empfangen wurden, befand sich eine der arabischen Scheichs von Bcrseba, die Churchill ihre vollste Loyalität der englischen Regierung gegenüber und ihre Zufriedenheit mit der Verwaltung Palästinas und ihrer Politik ver- .sicherte. D.e Deputation erklärte auch, daß die angeblichen Vertreter der palästinensischen Araber aus Haifa nicht das Recht hätten, in ihrem Namen ztt sprechen. Churchill versicherte der Deputation, daß die vom Obcrkommissar gegebenen Versprechungen, die Rechte und die Sitten der Araber zu wahren, erfüllt werden würden. Nachdem Churchill mit dem Emir Abd u 11 ah , dem Bruder des Emir Fai sui, ausführlich konferiert hatte, kehrte er nach England zurück, ohne, wie ursprünglich geplant, Galiläa und Pliönizien zu besuchen. Unruhen in Palästina? Eine Demonstration in Haifa (E. E.) London, 30. März. Wie der ״T i m e s“ aus Jerusalem gemeldet wird, hat der Kriegsminister Winston Churchill gestern die zionistische und christliche Vertretung in Gegenwart des Majors von Rothschild empfangen. Gleichzeiüg werden große antisemitische Unruhen aus Haifa gemeldet, wobei ein Mohammedaner getötet und acht Juden und Christen verwundet wurden. Der Belagerungszustand wurde über Stadt verhängt. In Jaffa, Jerusalem Bethlehem dauern die Unruhen zeit fort. Die ״Germania“ schreibt: Nach Havasmeldung aus Haifa hat anläßlich der Reise von Winston Churchill eine große Kundgebung der Eingeborenen stattgefunden, die auf Befehl des Gouverneurs mit Wa ff engew a 1 tau seinandergetrieben wurde. Ein Eingeborener wurde getötet, mehrere, darunter drei schwer, verletzt. Wir bringen die beiden vorstehenden Meldungen mit allem Vorbehalt, da direkte Nachrichten bisher nicht vorliegen. die und zur׳ einer