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Jüdische Rundschau · 1921-03-30 · Heft 25-26 (30.3.1921) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 25-26 (30.3.1921)
Date
1921-03-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Seite 175 Nr. »;20 Bernfcltis ״ttaumgartea“ ן Eia ernsthafter Versuch mit neuer Erziehung. j lXis Problem der Erziehung erweist sich immer i deuticher als das zentrale Problem der heutigen Welt- I krise. Ihe Erfahrungen der rasenden Entwicklung der j kvzten Zeit hai>en zur Genüge gezeigt, «lull dicht von! 1ie: oder jener Organisalfonsiorai, der oder jener |>0H;i• ' «dien Orieniieruivt e’ine wirkliche Bcfrewuu zu erv. arte» ן 1St1 sondern daß es immer umi überall auf die Men•; «c'lion aiikommh die eine Kultur bauen und tragen, j treie Menschen, inoedich freie, aufrechte, nach Wahrj hei; und Grüße strebende Menschen — «las ist die erste I 1Bcdiii■;״'« ifdcs w'rk',id1en Aufbaus, der über die Krise; bitta'.i» /u K'illur und Gomcinschaftsbüdung führen kann. I r׳ici•’ Menschen zu schaffen, ist Aufgabe der Erziehung,! e״״er neuen Erziehung, die von einer Idee geleitet ist J und der Idee dienen will. i 1,1 der jüdischen Bewegung ist von Erziehung viel i .-,senirhe« würden. ״Jüdische Erziehung“ war eine bciiebteForderung aus dem /.;•«•.nisltseheit Schlagwortregister, ,,!!er wie die meisten dieser mehr geahnten als ver- ,:'n.lcnen Forderungen wurde auch diese in der Periode .dmistischcr Agitation nicht sehr tief genommen; man ,uclie an etwas hvbr.'iisclien Untcrridit, Kenntnis der jüdischen Vergangenheit und Gegenwart, unJ übersah, liaft alle diese Kemiiuisse unfruchtbar bleiben, wenn sic nicht einem bestimmten idealem Wollen dienstbar e r.ach• werden, das auf die zionistische Idee der Er-;!■•■,er.nvf des jüi’.iu'hcn Volkes gerichtet ist. Denn Erneuerung, Erwachen zu geistigem Leben und sittlichem .vollen, ist vor alle:;! eine menschliche Angelegenhei., die ganze Menschen verlangt. Das Problem der zionistischen Erziehung ist also keineswegs mit der Forderung nach jüdischen Inhalten im Unterricht er- «chöpit; ״seinem allgemeinen Charakter nach verlangt cs Methoden, die vier Jugend ein Eigenleben nach ihren ,׳:■;caen seelischen und sozialen Gesetzen ermöglichen, «;ס aus der üciv.m len'iei: an Interessen und Zwecke Ai.lösen uni sie für ihre ideale Aufgabe frciinaclien. Erziehung ist in der heutigen Ge־e!lschafts.Kxlvn!ng ein Mine! der herrschenden Klasse geworden, die neue Generalien ihrer Macht gefügig zu machen. Die alte Erziehung geht darauf aus, die in der Jugend stets vorhandenen revcdiidoreiren Kräfte zu bändigen, die Mensei,cn zu ״guten Staatsbürgern“ zu erziehen, d. h. ihnen j die iicrr-chemie Ordnung geradezu als sittliches Gebot l ■iarzucel en, an dem ncht gerüttelt werden dar(. Eine hewegung, die etwas Neues will, wie der Zionismus, die Malistäbe an!egt nach Werren, die nicht in der Empirie, sondern in der Idee ihren Ursprung haben, — muß eine grundsätzlich andere Erziehung erstreben. Der Weg dhtscr Erziehung ist noch nicht gefunden; alxtr an einigen Oren, ab;eii.s von der offiziellen z.iailstischen Politik, wird er e.iisihaft gesucht, und׳ ein kürzlich erschienenes Huch kt geeignet, Wesen des Problems und Möglich- ,«eixn seiner Lösung auch demjenigen klarziumchcn, de,־ bisher an dieser akuten Frage Vorbei gesellen hat. Das Buch, auf das hier mit allem Nachdruck die Aufmerksamkeit der ganzen zionistischen Oelfentlichkeit gckmkt werden 9011, heilt; ״Kinderheim Baumgartai, Bericht aber einen ernsthaften Versuch mit neuer Erziehung“ von Dr. Siegfried Hemfeld, und ist im Jüdischen Verlag, Berlin, erschienen. Der eigentliche Reiz dieses Buches liegt darin, daß es kein theoretisches Buch ist, nicht ins Reich der Phantasie entführt, sondern ein Bericht über tatsächlich Geschehenes und Geleistetes, die Geschichte eines pä- Jagogischcii Versuches, der bereits in einem halben Jahre die bemerkenswertesten Ergebnisse hatte und der doch .z.iilang, weil Unverständnis und Trägheit einen Vernkhtungskrieg gegen ihn führten. Die Ideen, die Siegfrkd Uernfcld schon friilicr zur jüdischen JugendetZiehung entwickelte, insbesondere in seinen Huch ״Das jüdische Volk •und seine Jugend“, das gerade!ctzt in zweiter Auflage herausgekommen ist*), haben leidenschaftliche Zustimmung und! erbitterte Ablehnung gefunden, sind aber oft wegeti der extremen Darstellung der Utopie angegriffen worden, die der Leser mit der Wirklichkeit nicht in Einklang zu bringen vermochte, b! ״Kinderheim Baumgarten“ ist nun gezeigt, wie sehr neue Er/.ichuugs!chro mit allen rcalai Faktoren rechnet, wie cs ihr auf die großen leitenden Gedanken!׳! nicht auf dogmatische Details ankommt, wie sie in ccter Entwicklung an den Erfahrungen sich kontrolliert. 1־ternfcld und seine Freunde sind an ihre pädagogische Aufgabe in klarer Erkenntnis des Zieles und gestützt auf ,*יי•“ Ergebnisse einer «vis.cnschaftiirheu Pädagogik und n:;cmlp:,ycl1.)!ogie limngegangtti, die sonst in unserem <oavcn:k»11ellen Schulwesen völ.ig ignoriert wrden. Diese Ltastellung stellt die höchsten Anforderungen an die 1-euer und Erzieher, sie müssen zu voller seelischer Hin- ן׳?‘* *,ereil sein, aber sie müssen auch bei dem Betreten s.T*״ Pj^1׳ ■ logischen Neulandes selbst Lernende und NMaffcni.e bleiben. Durch solches gerades Wollen wird sri1;1r,irisches Wirken möglich, das Früchte für v;!!.,.es Erziihungssystem trägt und schon in er■ten Versuch praktischer Verwirklichung Rc- 'י’יי יי' g<־ ׳iti.rt hat, an denen in Zukunft geringschätzig ■oreberzu ,ehen geradezu frivoles Spiel mit unserem kosta־sea Gm, der Jugend« wäre. Ein Einwand, der gegen Bernfelds System der Gem■ nsciiaftäcr/iehung als besonders naheliegend so gern *!oben wurde, ist diesmal von vornherein ausgeschaltct: , *) Bei R. Lövvii, Verlag Wien. Es sei bemerkt, die ungewöhnlich schlechte verlegerischc Ausiühci״ der ersten Auflage in Druck, Papier und Einband, neuen Auflage wenigstens halbwegs verbessert; U L i) 1 :1 H t W V N ft S C H A U Ikill die Erziehung in der Familie, im Elternhaus trotz alt ihrer anerkannten Schwächen durch keine Gemeinschaftscrziehung ersetzt werden könne usw. Hier gilt dieses Argument nicht: Denn die Kinder, um die es sich handelt, haben kein Elternhaus und keine Familie, cs sind Elternlose, Waisen, die sich aus Kriegsopfern in Opfer jüdischer Philanthropie verwandeln. Diese schütztosen Proleiarierkind er gilt es zu Menschen zu erziehen, die für die Naion wertvoll sind; fürwahr die vornehmsie nationale Aufgabe, die in einem Augenblick, wo im der Ukraine zehntausende Waisen der Pflege der jüdisehen Gemeinschaft harren, wo sich eine pädagogisch* nationale Aufgabe von niemals zuvor dagewesenen Dimensionen für das jüdische Volk ergibt, in itirer ganzen Problematik erfaßt zu werden verdient. Dazu bedarf cs aber der unerbittlichen Kritik des bisherigen jüdisehen Jugcndfiirsorgcwescns, das in diesem Augenblicke seine volle Unzulänglichkeit erweist. Bemfeld hat an anderer Stelle einen Plan des organisierten Aufbaus eines jüdischen Jugendiürsorgewcscus gegeben; in ״Kinderheim Baumgarten“ wird• das Problem nur dadurch >11 seiner ganzen Verwicklung offenbar, daß die Konflikte zwischen Erzieltem und der ganz im alten Geleise wirtschaftenden Verwaltung in seiner ganzen Sdiärfe geschildert werden, ein Konflikt, der schließlich zur Abdankung der Lehrerschaft geführt hat. Kinderheim Bamngnrten wurde Ende Juli 1919 von der Wiener Zentrale des Joint in einigen Baracken eines Vorträge Siegfried Bernfeld I. Dienst5 11-11> ,»,״. April. 8 Uhr, Fortbililuoiriiachale, Unurgcristr 2t (ÜUf. Friedriclistr.) Sozialistische Erziehung II. Mittwoch, «len 4). April, 8 Uhr, ,,Klicingold“, Uelluvms.1!■. 18 20 (FoUUauiur i'iu'z) Zionismus und jüd. Jugendbewegung Ilt-liU-Klllll Eiutriit zur Kostendeckung 2.- Mk. er ח;! ehemaligen Wiener Kriegsspitals für zwei- bis dreihundert Waisenkinder eingerichtet; Serie Leitung wurde Dr. Bernfeld übertragen. Es war dies der letzte Ausläufer eines Projektes der Schaffung einer ״freien jüdischen Schul- Siedlung“, die nach einem früher dem Verband der jüdischen Jugcndfürsorgcvercinc in Wien vorgclcgten «nd von ihm mit Begeisterung aufgeoommenen Plan zur Konzentration des gesamten Jugendfürsorgewesens Oesterreichs auf einem geeigneten Landgut hätte errichtet werden sollen. Bernfeld gib; i n ersten Kapitel die Gcschichte dieses Projektes und zeigt die Zusammenhänge, die von ihm zum Kinderheim Baumgarten geführt haben, ln dieses Heim wurden Kinder aut verschiedenen Waisenheimen im Zustand völliger Verwahrlosung überführt. Bernfeld und die von ihm ausgewählten Lehrer haben nun versucht, trotz den ungünstigsten Bedingungen, trotz der schwierigsten!materiellen Verhältnisse und völligen Unzulänglichkeit des äußeren Rahmens in langer, mühevoller, Geduld heischender Arbeit diese Kinder in brauchbare Mitglieder einer Jugcndgemcinschaft umzuwandeln. Die Kinder winden zunächst überrascht durch eine Behandlung, die von der bis dahin gewohnten wcltenwcit verschieden war. Die Lehrer versuchten, zuerst das Vertrauen der Kinder zu gewinnen. Anstelle des Ermahnens, Strafens, Verbleiens und Bclohucns trat verständnisvolle Beobachtung und liebevolles Miifcbcn, Lüge und Hcuchelei, Roheit und Bosheit wurden nicht durch Schulmeisterliches Predigen und autoritätsfreudiges Strafen bekämpft, sondern durch Gewährenlasse«! und allmähliche Erziehung zum Verständnis der sozialen und moralischen Unzulässigkeit. Durch diese Methode wurden geradezu überraschende Erfolge erzielt. Die Einrichtung des ״Gelichtes“ und der Schulgemeinde hat sich so sehr bewährt, «lall die Ordnung, die in antlcren Anstalten nur mit größter Mühe, mit allem Aufgebot von Bevormundung und Disziplin gegen dem Widerstand der Zöglinge aufrechicrhalten werden kann, allmählich durch die Kinder selbst geschaffen und geschützt wurde. Alte bösen lnstinkte, die sonst in solchen Kindern entbunden werden, WiderspensIgkcit, Verschlagenheit, heuchlerische Demut wurden dadurch ausgeschaltct. Eine besondere Funktion hatten die Gemeinschaften, Kwuzotli, in denen sich kleinere Freundeskreise, ihrem jugendliche«? Liebesbedürtnis folgend, zusammenschlosscti, und die besonders für den Ucbergang von rein egoistischem Empfinden zu sozialer Verbundenheit von wichtigster psychologischer Bedeutung sind. Völlig neuartig war auch der Unterrieht organisiert. Auch hier wurde zunächst die Schuldisziplin zuriickgcsetzt, obwohl die Kinder selbst aus ihrer Gewohnheit heraus danach verlangten. Erst allmählich entwickelten sich auch im Unterricht methodisch und inhaltlich neue Bahnen, allerdings war die Zeitspanne von einem halben Jahr m kurz, um hier defiliitive Resultate zu bringen. Besonders schwierig war die Einfügung jüdischer Inhalte, da gerade dies« heikle Problem in der Gedankenlosigkeit der zionistischen Dirchschuittskieologie sich sehr oberflächlich darstellt. Auch die Verwaltung des Kinderheims Bauingnrtcn legte besonderen Wert auf den blauwcificn Anstrich, auf die Davidschilder und das frisch-fröhliche Schalom. Demgegenüber erkannten die Erzieher, daß cs bei «len ostjüdischen, dennoch aus den Erfahrungen ihres täglichen Lebens heraus triebhaft assimilatorisch empfindenden ׳Kindern darauf ankonwnt, an eine tiefere Seelenschicht zu appellieren, Hemmungen hkiwegzuräumcn, und auf der 90 geschaffenen Affekigrundlagc die jüdischen Inhalte in lebendigem Zusammenarbeiten mitzuteüen, Auf diesem Wege konnten jedoch nur die ersten Schritte gemacht werekm, da cs an vielen Voraussetzungen fehlte. Bern fehl spricht über alle diese Dinge in voller Offenheit, ohne Schwierigkeiten, Unzulänglichkeiten und selbst lrnümer zu beschönigen. Gerade dieser unbedingte Ernst der Darstellung macht das Bemfeld sehe Buch für alte künftige Erziehung so wertvoll. Es kann liier nicht meine Aufgabe rein, Einzelheiten des Berichtes auch nur beispielhaft herauszugre fcn. Die Darstellung ist so lebendig utul anschaulich, enthält so sehr nur Wesentliches, daß jeder diese 120 Seiten lesen muß, um ein Bild von der Sache zu bekommen. Immer wieder wird ganz Konkretes angeführt, sehriftliehe Berichte der Lehrer auszugsweise wiedergegeben, 90 daß die Ueberprüfung und Stellungnahme jedem Leser möglich ist. Freilich: Selbst wenn man, wie Schreiber dieser Zeilen, sich vorbehaltlos auf den Boden der Bcrnfeldschcn pädagogischen Anschauungen stellt, wird man doch zugeben, daß die Stellungnahme im Wesentlichen von den allgemeinen Anschauungen jedes Einzelnen bestimmt wird: Denn eines setzt Bernfcld voraus: den Willen, Menschen zu bilden, die die Glieder einer völlig anderen Gesellschaft zu sein fähig sind als es unsere kapitalistische europäische Gesellschaftsordnung ist. In Bernfelds Pädagogik ist oberstes Gesetz die Achtung der Menschenwürde auch des proletarischen Menschen, der nicht zum Werkzeug, aber auch nicht zum Mi'.leidsobjckt einer herrschenden Klasse gemacht werden darf, ßemfclds Pädagogik anerireunt nur ihre eigene innere Gesetzlichkeit, keinerlei aus anderen Quellen kommende und sich in der Schulorganisalion entladende Machtpoliiik, auch nicht die Maciitpolitik einer Partei oder einer Kiiquc von Wohltätern. Wir glaubet: allerdings, daß sich gerade in dieser Pädagogik deutlich zeigt, wie sehr un9cre na ionale Aufgabe sozialistischer Methoden bedarf. Denn wir brauchen aufrechte, wahrhafte, arbei'.sfrcudige, von Gemeinschaftsge.ini ung erfüllte Me»- sehen für den Aufbau unseres zerstörten Volkskörpers. Heute ist es notwendiger als jemals, mit allem Nachdruck zu betonen, daß die Erziehung der Zeluitausende jüdischen Waisen kein Werk der ״Wohltätigkeit“, son- «lern eine Verpflichtung der jüdischen Volksgeincinschaft ist. Noch ist es Zeit dafür zu sorgen, daß tlieses Werk nicht verschlafen, daß es im richtigen Geiste ausgeführt wird. Für dieses Werk war das Kinderheim Baumgarten ein Wegbereiter; möge Bernfekls Buch de Besinnung aller Kreire wecken, die eine lebendige Verantwortung für das Volk fühlen, auf daß es künftig unmöglich werde, daß ein rechtschaffener Versuch der vorbildlichen Bevväl.igung des chaotischen Problems durch Faktoren vereitelt wirti, die durch ihre Stellung und ihr zionistisches Gewissen als erste berufen s«u! sollten, zu seinem Gelingen mitzuhelfc«!. Robert Weltsch. Zeitschriftenschau החנוה־ (Die Erziehung). Pädagogische Zeitschrift für 1 Eltern und Lehrer. Herausgegcben von der Vereinigung der Lehrer Palästinas. Jerusalem. 1921. Heft 1. Das Heft enthält ein Protokoll einer gemeinsamen Sitzung der Vertreter der palästinensischen Lehrerschaft und der zionistischen Untersuchungskommision (de Lieme und Simon). Die Lehrer beklagen sich über die unzureichenden Gehälter, ״die niedriger sind als das Einkommen eines Tischlers z. B. Ein junger Lehrer erhält soviel wie eine Schneiderin — nämlich 10 .C monatlich“. Trotzdem haben es diese Lehrer doch fertig gebracht, von ihrem Hungcrlohn so viel abzusparen, um eine wissenschaftliche Zeitschrift auf eigene Kosten herauszu״ebe11. Die Lehrerschaft Palästinas braucht auch eine solche Zeitschrift wie das liebe Brot. Von der europäischen Kulturwclt abgeschnittcn, ohne Bücher, einsam und verlassen in der levanlinischeu Kuluirlosigkeit, dazu in steter Sorge um das lange noch nicht‘gesicherte tägliche Brot, drohen die palästinensischen Lehrer, die dazu noch zum größten Teil Autodidakten sind, ün Laufe der Zeit geistig zu erstarren, sich in eine leblose Schablone zu verwandeln, was für den geistigen Wiederaufbau, der ohne einen frischen, regsamen Geist undenkbar ist, von ungeheuerem Schaden sein kann. Diese Gefahr haben die Lehrer Palästinas längst erkannt. Das Resultat dieser Erkenntnis waren die vier Jahrgänge des ״Hachinuch“ (Die Erziehung), die vor dem Kriege erschienen wäre» Infolge des Krieges mußte das Erscheinen der Zeitsehrift eingestellt und konnte erst jetzt wieder aufgenommen werden. Dies Heft bleibt weit hinter den Vorkriegsheften zurück, sowohl dem Umfange, wie dem Inhalte nach. Das läßt sich leicht durch die gegenwartige Lage in Palästina rechtfertigen. Trotzdem bietet auch dieses Heft einen reichhaltigen Inhalt, der, von palästinensischen Kräften ausschließlich geliefert, ein beredtes Zeugnis für ihr kulturelles Niveau ist. Dr. J. Epstein erläutert in seinem Aufsatz: ״Lehre und• Arbeit in der Erziehung“ die experi :•.ental-psvchologischen Grundlagen der Arbeitsschule. Zugleich mit einer tiefen Kenntnis der Materie bringt Epstein wie i>1 jedem seine: zahlreichen Aufsätze auf «fiesem Gebiete eine Fülle von zu diesem Zwecke von ihm geschaffenen hebräischen wissenschaftlichen Terminis. D.-, H. Bergmann, einer der wenigen Westjudcn, die es zu einem ״uid'; hebräischen Stil gebracht haben, bringt einen Aufsatz über Gustav Wynecken, Dr. M. Boruchow spricht über ״Fragen der Schulhygiene“, Dr. M. G1 ü ck - solin über den Platz der Erziehungsarbeit innerhalb de! Zionistischen Organisation. Auch die palästinensische Schulpraxis nimmt einen großen Platz in diesem Hefte cm. Dr. A B Rosen st ein erörtert die Frage der Verteilung der Unterrichtsstunden auf die verschiedene« Tageszeiten, gemäß den klimatischen und Lichtverhältnissen Palästinas. Verschiedene Lehrer bieten au־mearbei.ete Probejtundeit aus ihren Fachern. Bibliographie, Kritik, Schulchromk und -Statistik, Dokumente, Rundschreiben usw. vervollständigen das Heft und machen es unentbehrlich für alle Fronde unserer' nach neuem Geistesleben ringenden hebräischen Schule in Palästina Kr. i

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