Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 25-26 (30.3.1921)
- Date
- 1921-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 172 JUEDISCHB RUNDSCHAU Nr. 25 26 6re$-Israel Oie Anerkennung des Waad Leumi Am 2. Man: haben die Präsidialmitglicdcr des Wand Leumi, Y e 11 i n, T11 o n und B c n - Z w i, bei Samuel Vorgespräche», um ihm die lkschlüssc der letzten Sitzung des Waad Leumi bzw. der jüdischen O e m c i n d e n mitzuteilen, die besagen, daß die S t ad trate (Wände Hearim) und die Vorstände der Kolonien ■ - solange kein neues Gesetz für die Ueineiiulcu vom Waad Leumi oder der Delegierten Versammlung herauskommt — als bevollmächtigte Leiter der hetr. jüdischen Gemeinde» anerkannt werden. Im Falle von Meinungsverschiedenheiten steht die Entscheidung dem Waad Leumi zu. In der Hauptsache wurde die Zu- Stimmung des Oberkommissärs für diese Ordnung erreicht; die einzelnen Formalitäten sollen vom Waad Leumi gemeinsam mit dem Gerichtssckretür ausgearbeitet werden. Samuel versprach, den Leitern der einzelnen Regicrungsdcparteinents den Waad Leumi als kompetente Behörde der jüdischen Gemeinschaft zu bezeichnen- Für die inneren Angelegenheiten der Juden•, heit sollen die Entscheidungen des Waad Leumi maßgebend sein. Um einen engeren Kontakt zwischen der Regierung und dem Waad Leumi herzusteilen, wurden regelmäßige Empfänge beim Oberkommissär festgesetzt, die nötigenfalls allwöchentlich stat*finden sollen, Anerkennung des Oberrabbinats durch den Misrachl Die Rabbiner Kuk und Jacob Meir, die Vorsitzenden des Obe rra bbi n atc s i!1 Jerusaletn, haben ein von Stuart Samuel und Professor Pick untcrzcichnctes Begrüßungstelcgramm int Namen des Misrachi erhalten. Herbert Samuel gegen die Judenverfolgungen in Jemen Wie wir bereits in der vorletzten Nummer Gelegenheit halten mitzutcilcn, hatten die Juden von Jemen in der letzten Zeit schreckliche Verfolgungen zu erdulden. Der Waad Leumi nahm Veranlassung, beim Oberkommissar vorstellig zu werden und, ihn Im Namen des palästinensischen Judentums um eine Intervention bei der englischen Regierung zugunsten der Juden in Jemen zu bitten. Der Oberkommissar nahm sich der Angelegenheit lebhaft an und versprach, die englische Regierung um schleunigste Intervention in Jemen zu bitten. $ Organisation der Kolonien Untergaliläas Am 27. Februar fand in Tibcrias eine Versammlung von 22 Vertretern der Kolonien Unter-Galiläas statt, auf der beschlossen wurde, eine einzige gemeinsame Vertretung für die Kolonien Unter-Galiläas zu schaffen, die überall und speziell vor den Ikhörden die gemeinschaftlichen Fragen der Kolonien zu vertreten haben wird. Jüdischer Schulinspektor in Palästina Das Erziehungsdcpartemcnt der paiästinensisehen Regierung hat Herrn Dr. Alexander Duschkin, Sekretär des Waad Hachinuch, zum Inspektor aller jüdisch en Schulen Palästinas ernannt. Bisher bestanden bei dem Erzichungsdepartemcnt Inspektionen für die christlichen und in oh am« medairischen Schufen, die von der Regierung unterstützt wurden- Die Regierung hat nunmehr heschlossen, auch mit den jüdischen Schulen in engere Beziehungen zu treten und zwar sowohl mit denen, die dem Waad Hachinuch unterstehen wie auch mit den Jcschiwot, Talmud-Thora usw. Bekanntlieh war das eine Forderung der jüdischen Mitglieder des Advisory Council, daß die Regierung sieh der jüdischen Schulen ebenso annchmen solle, wie der nlchtjüdischen. Dr. A. Duschkin war einer der Führer der hebräischen Bewegung in New York, Ist Verfasser eines Buches über ״Das jüdische Schulwesen in New York“ und ist seit einem Jahre als Sekretär des Waad Hachinuch in Jerusalem sowie am dortigen Lehrersemlnar tätig. Er hat auch die Jugendbewegung in Palästina organisiert. Dr. Duschkin wird seine Tätigkeit im Waad Hachinuch und am Lehrerseminar auch weiter« hin fortsetzen- Die Amtseinführung des Bet-Din-Präsidhui Jerusalem, 10. März (J. C. B.). Die Einfühnmf /.crcmonic des Bet-Din-Oadol (Synedrbn) in sei Funktionen war eine überaus feierliche. Dk; Zercmor hat ln der Ruine des Rabbi Jchuda Hcchass in Gegenwart einer riesigen Menschenmenge statt( fanden״ wobei eine vom Oberkommissar cirmclan[: hebräische ttegrüihmft verlesen wunlc. Die Rabbii Kuk und Jacob Meir wurden hierauf als die N'ssi (Vorsitzende) des aus acht Rabbinern und drei Laien 1 stehenden ״Bet-Din-Oadol“ in ihre amtsrichterbcl! Funktionen angeführt. Die Zeremonie schloß in s a»ch ein Debet für die jüdischen Pogromopfer in 1 Ukraine en» und wurde durch Absendung von Hu; gungsteiegrammen an König Georg von England, an c Völkerbund und an die Zionistische Organisation endigt. Die Tätigkeit der jüdischen Arbeiter- Organisation Ausbau des Eisenbahnwesens Jerusalem, 21. März. (Jüd Korr.-Bür.) Die. Regierung hat letztens eine Reihe von Kontrakten für eleu Bau von Eisenbahnlinien an Private und Institutionen vergeben; die jüdische Arbeiter- Organisation hat den Bau der Eisenbahnlinie Petach- Tikwah—Ras El Ain (Unternehmung des Barons Rothschild) übernommen. Herr Gurewitz, der den Bau der L'iseiilmliiilinlc Lwlil - Stiraffend übernommen hat, hat seinen Kontrakt ebenfalls der jüdischen Arbeiterorgan isation übertragen. Die Tätigkeit der lea in Palästina ״Doar Hajoin“ erhält aus Haifa die Nachrieht, daß dort der Vertreter der Ica, Frank, eingetroffen sei. Er ist im Begriffe, die Unterhandlungen mit der Regierung über die Verpachtung des Küstenstriches von Athlet bis Cäsariia an die Ica für die Dauer von 50 Jahren zum Abschluß zu bringen. Es handelt sich hierbei um ein Gebiet von mehreren tausend' Dunam, die die Ica mit Hilfe von Chaluzim mbar zu machen und alsdann an Kleinsicdler zu verteilen beabsichtigt. Eine größere Anzahl von Chaluzim werden bei den Erschlicßungsarbcilen Arbeitsgelegenheit finden. Demonstration der linken Poale-Zion in Jaffa Am 6. März fanden in Tcl-Awiw Zusammenstöße zwischen den linken Poale-Zion (sog. M. P. S.) und dem Publikum statt. Der Polizeichef von Jaffa, der in der letzten Zeit mehrere Zusammenstöße am Klub der M. P.S. infolge ihrer jiddischistischen Propaganda bemerkte, hat den Klub, der übrigens ohne die dazu gehörige Erlaubnis eröffnet wurde, nach wiederholten Verwarnungen geschlossen. Als Protest dagegen haben die M. P. S, in Tel-Awiw eine Demonstration mit Absingung der fnternationale in Jiddisch veranstaltet. Ai» der Herzlstraße wurden sic von mehreren Arbeitern und Schülern gestellt und aufgefordert, das Absingen jüdischer Lieder zu untertasseix Es kam zu Tätlichkeiten. Die Polizei mußte eingrrifen, um die Ordnung wiederhcrzustelkn. Eia neues Eisenbahngeleise in Palästina Die Linie Jerusalem■—Jaffa wird jetzt durch ein neues Anschiußgcleisc bis zuui Meere verlängert Die Arbeit hat bereits begonnen und wird in ungefähr einem Monat zu Ende sein. Dieses Anschluligclcise wird Tel- A w i w mit dem Meere und mit dem zukünftigen Hafen verbinden. Am Ende dieses Geleises wird ein Güterbahnliof errichtet werden. An dieses Geleise wird auch die augenblicklich im Bau begriffene Baumaferialienfabiik ״S i I i k a l“ 90wic das neue Schlachthaus angcschlosscn werden. Auf diese Weise werden zwischen Tel-Awiw und dem Meere die Vorbedingungen für ein neues I n - dustrioviertei in Jaffa geschaffen. Das Strafrecht in Palästina Vor kurzem wandte sich der Gcrichtssckrctär an die Rechtsauwältc-Vereinigung in Palästina mit dem Ersuchen, das ägyptische Strafrecht einer Expcrtisc zu unterziehen und ein Gutachten über des«» eventuelle Einführung in Palästina abzugeben. Es wurde zu diesem Bchufe eine Mitglicderversammlung einberufen ■und nach stattgehabter reger Diskussion wurde dem Gcrichtssckrctär folgendes Gutachten übermitteit: Man könne sich auch weiter des türkisehen Strafrechtes bedienen, insofern geringe Aendcrangen darin vorgenommen würden. Das ägyptische Strafrecht sei zu streng für Palästina, das kein unruhiges und aufrührerisches Land sei. Das Recht, ein so wichtiges Gesetz auszmarbeikm, stehe legal dem Volke zu, welches Recht ihm nicht entzogen wenden dürfe. Da die Einzelheiten des Mandates noch nicht feststchcn, sei die Zeit zur Abänderung von Gesetzen noch nicht gekommen. Sollte jedoch der Gerichts* sekretär der Meinung sein, daß einzelne wichtige Be- Stimmungen in das türkische Strafgesetz neu aufgenom« men werde!» sollten, so könne er diese der Rechtsanwälto-Vcrcinlgiuig zur Begutachtung vorlegen. (J. P.?•) Das Jerusalemer Stadtbudget Auf der letzten Sitzung des Jerusalemer Stadtrates wurde das Budget für das mit dem 1. April beginnende neue Finanzjahr festgesetzt, wobei das Budget auf 50 000 Pfd, gegen 37 000 Pfd, im vorigen Jahre erhöht wurde. Die Einziehung der Stadtsteuem wurde von der Regierung übernommen. Die Gemeinde gedenkt zahlreiche neue Arbeiten zu übernehmen, zu welchem Zwecke ein Ergiinzungsbudgct cingebracht werden wird, und zwar für Elektrifizierung, Wasserzuleitung u«i Straßencrweltcrung. Dieses Ergänzungsbudget soll nicht in Abgaben, sondern in einer von der Regierung zu gewährenden Anleihe seine Deckung finden. (J. p. Z.) Die Renovierung Jerusalems. Die Renovierung des Damaskustore in Jerusalem, der wichtigsten Eingangspforic zur Altstadt, ist jetzt von der Pro Jerusalem- Gesellschaft zu Ende geführt worden. Die hcrabgcfallcneu Sicin/iniien sind ersetzt worden. Der Wiederaufbau der Römermaucr auf der Zitadelle ist fast vollendet Pläne für die Anlage des Dabbct-er-Rish-Parks sind genehmigt worden. Ea gibt dort zahlreiche alte jüdische Gräber, welche vom Schutt befreit und mit Bäumen um säumt werden sollen. (.ZK.) CHirtscbaftUcb* Dacbricbten Konferenz der palästinensischen Handelskammern Am 23. Fcbraar fand die erste Konferenz de» Vcrtretcr der palästinensischen Handelskammern ni Palästina statt. Die Konferenz wurde von der Regicrung einberufen. Außer den Leitern der Handels-, Finanz-, Post-, Verkehrs-, Eisenbahn- und Landwirtscliaftsdcpartcinciits beteiligten sich an ihr die Vcrtreter der Handelskammern von Jerusalem, Jaffa, Gaza, Sichern, Nazareth, Akko und Haifa. Der Oberkommissar, der in dieser ersten Konferenz den Vorsitz führte•, wies in seiner Eröffnungsansprache darauf hin, daß vor dem Kriege in Palästina überhaupt keine Handelskammern existiert liaben. Jetzt besitzt Palästina sieben Handelskammern und drei kaufmännische Organisationen. Die Regierung hat den Handelskammern wichtige Funktionen übertragen und hofft, durch ein gedeihliches Zusammenarbeiten zwischen der Regierung und den Handelskammern die Entwichiung des Handels in Palästina zu fördern. Seitens der Kaufleute wurden verschiedene Anträge gestellt, 90 z. B. über den Freihandel, die Vertretung der Kautleute im Advi90ry Council, über die Einführung von einheitlichen Maßen und Gewichten, über de Errichtung eines kaufmännischen Gerichtes, über die Bezahlung der von den Türken requirierten Waren, über die Vcrbesserungen des Eisenbahnwesens usw. Die Regierung ging auf alle Anträge ein und versprach eine eingehende Prüfung. IXn vollständigen freien Handel leimte die Regierung ab. Sie ist den Kauticulen durch die Aufhebung des Verbotes der Gcrstcausfnhr entgegengekommen, die Wei ze n ati sfu 11 r dagegen kann die Regierung nicht gestatten. Im Advisory Council sind bereits mehrere Kaufleulc vertreten. Eine offizielle Vertretung der Kaufmannschaft wird eine gleiche Forderung seitens der Landwirte zur Folge haben. Das Eisenbahnwesen, das bedeutende Summen erfordert, könne nur durch die geplante Anleihe in Ordnung gebracht werden. Nach zwei Sitzungen wurde die Konferenz, die einen ausgezeichneten Eindruck bei allen Beteiligten himterlasscn hatte, geschlossen. (״Haarez“.) Die Geschäftslage in Palästina Die Geschäftskrisc in Palästina dauert noch an. Große Ladungen Baumaterialien trafen, wie die Palästina-Exportfirma Dr. N. Honig ft Co. in Berlin mitteilt, in Jaffa ein und bewirkten eine Preissenkung. Der Preis für Zement stieg vorübergehend infolge überraschenden Ausbleibens größerer Zcmcntladungen. Der Markt in Düngemitteln war infolge des Saisonbeginns etwas lebhafter. Als Lieferant behauptet sich in erster Linie die belg isch-äg v pt i sehe Ge- Seilschaft infolge kulanter Zahlungsbedingungen. Der Bauholzmarkt liegt darnieder, nachdem große Ladungen aus Rumänien und Oesterreich eingetroffen sind. Die Unternehmungslust ist angesichts der immer noch fallenden I'reise noch nicht sehr rege, dagegen macht sich allmählich die Initiative aus jüdisehen UnternchincrkreKcn des Auslandes, namentlich Amerikas, fühlbar, die allerdings aus dem Stadium der Vorbereitungen noch nicht herausgetreten ist. Aus Deutschland trafen im Februar chemische und harmazeutische Produkte, Eisenwareu aubeschläge, Ackerbau gerate Papier und Musikalici» ein, wogegen IX'utschland Textilwaren infolge zu hoher Preise nicht liefern körnte. Eine Ausdehnung des Geschäftes würde eine geringere Rigorosität der Zahlungsbedingungen veraussetren. (Z. K.) Ein großer Mühlenbau in Haifa ״Haarez״ teilt mit, daß die Verwaltung des Barons Rothschild mit dem Bau einer großen modern aus• gestatteten Mühle in Haifa begonnen hat. Die Leistungsfähigkeit der Mühle wird so groß sein, daß sie ganz Palästina mit den» besten Mehl wird versehen können. In dieses Unternehmen wird ein Kapital von 100 C00 Pfund investiert werden. (״Haarez".) Baumwollplantagen in Palästina ״Haarcz“ teilt im Namen der arabischen Zeitung ״Alif Be" mit, daß die Regierung die Grundbesitzer um Beth Schaan (die nördliche Jordanebene) cinbcrufen habe, um mrt ihnen über die Erweiterung der Baum• wollplantagen in jjener Gegend zu beraten. Die lntwcsscntcn legten die Bedingungen dar, unter denen sie ihre Baumwollplantagcn erweitern können, und die Regierung versprach, ihre Forderungen bei den zu• ständigen Stellen zu unterstützen. Die wirtschaftlichen Bestimmungen des französisch englischen Pa'ästinaabkonuncns London, 21. März (J. C. B.). Im Zusammenhang mit der Festsetzung der palästinensisch-syrischen Grenze enthält das französisch-englische Abkommen auch Bc- Stimmungen wirtschaftlicher und staatsrechtlicher Natur in bezug au! die sich aus diesem Abkommen ergebenden Fragen. Der Vertrag sicht die Einsetzung von Ex pert e n zur Prüfung der Fragen betreffend die Ausnützung der Jordan- und Yarmuk-Gcwässer zweck» Erhaltung hydro-^cktrlsdicr Kraft für Palästina vor. Zur Absteckung der Grenze soll eine Dellmitierungskommission eingesetzt werden. Die im Zusammenhänge mit der Arbeit der Kommission entstandenen Differenzen werden dem Völkerbund rate zur Entscheidung unterbreitet werden.