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Jüdische Rundschau · 1921-03-23 · Heft 23-24 (23.3.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 23-24 (23.3.1921)
Date
1921-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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je « ו* Nr. 23/24 JUEDISCHE RUNDSCHAU S׳!h 0 Eine neue zionistische Föderation? i Von Felix Rosenbli'ith, Vorsitzendem der Zio- J aistischen Vereinigung für Deutschland.! Am 6. März d. js. haben in Berlin Gesinnungsget10ss1״’.׳ die dem Kreise und den Anschauungen der seit dem letzten Delcgiertentage bekannten ,Gruppe Weil‘‘ (״Freie Zionistische Gruppe“) melir oder minder iiahestehcn, den Beschluß ge• Sailt, ciue neue zionistische Föderation zu gründen. Dieser Beschluß stellt die zionistische Bewegung in Deutschland vor eine so neuartige und ernste Siuwüon, daß icli die unabweisbare Pflicht fühle, die Besonderheit und Gefährlichkeit des Unter• iicilincns den Gesinnungsgenossen zum Bewußtsein /II bringen. Nicht im Namen des Geschäftsführenui•״ Ausschusses ergeht die nachfolgende Mahnung, somlem ich handle kraft der besonderen, gesteigertcri Verantwortung des vom Delegiertcntag ge• wählten Vorsitzenden und in Wahrnehmung seiner besonderen Aufgabe: die Einheit der Organisation zu wahren, das in langjähriger, mühseliger Arbeit errichtete Gebäude der Zionistischen Vereinigung iiir Deutschland vor dem Zerfall zu schützen. Die ״Freie Zionistische Gruppe“ war, wie schon der Name sagt, eine lose organisierte Gruppe, ration ist nidit zugelasscn, um einer überstimmten! Minderheit die bequeme Möglichkeit zu geben, sich! zu separieren und Propaganda und Landespolitik j auf eigene Faust zu treiben; noch weniger natürlidi, um einer Minderheit zu gestatten, einer ge• mcinsam zu treffenden Entscheidung von vornherein auszuweichen. Sondern die Föderationen sind ausschließlich geschaffen, um einer Vergewaltigung in Gewissens• und Weltanschauungsfragen vorzubeugen*). Die Gründung eines Land cs verbau• desdergeplantcnFöderationwärealso nichts als ein Konkurrenzunternehmen gegen die Z, V. f.D. Das ist eine unvermeidliehe Konsequenz, und es ist eine Selbsttäuschung, wenn man ihr durch Aufteilung der ganzen Z. V. f. D. in Föderationen, also durch Beseitigung der Z. V. f. D. (und ihrer Ortsgruppen) entgehen zu können glaubt. Eine einheitliche Außenarbeit des Zionismus in Deutschland, die Vermeidung eines Konkurrenzkampfcs gerade auf diesem Gebiete ist kein zufälliges äußeres Merkmal des gegenwärtig bestehenden Zustandes, sondern eine innere Notwcndigkeit, die immer wieder zu einem einheitlichen Organ Uinstreben wird. Wenn daher zugleich mit dem Aufteilungsplane bereits erwogen wird, die deutschen Judentums für den Aufbau Erez-Israels zu mobilisieren, und manche Anzeichen sprechen dafür, daß wir dieses Ziel auf dem im letzten Jahre beschrittenen Wege erreichen werden. Ich kann keinen sachlichen Grund anerkennen, der diese Separationsaktion rechtfertigte. Die Entwicklung mag dahin drängen, daß die Anhänger bestimmter Arbeitsmethoden sich in Gruppen zusammenschließen, um ihre Ansichten wirksamer zur Geltung zu bringen! Aber Gruppenbildung vollzieht sich innerhalb der allen gemeinsamen Organisation; was jetzt geplant wird, ist konkurrierende und daher verderbliche Sonderbündelei. Und diese Sonderbündelei im eigenen Lager darf uns nicht aktionsunfähig machen, wenn wir die nichtzionistische Judenheit auf dem Boden der Keren Hajessod- Arbeit zusammenschließen wollen. Produktfons-Waisenlieime Von Emma Trietsch, Herr Professor Warburg hat dieser Tar׳e in einer zionistischen Fraucnvcrsammlung von der bevorstehenden neuen Not für die 4033 jüdischen Waisenkinder Palästinas gesprochen, denen die amerikanische Hilfe, die sich gleich nach der englischen Okkupation Palästina• ihrer in der dankenswertesten Weise angenommen hat, entzogen zu werden droht. oinc Fraktion im Rahmen der Z. V. f.D. und ihres Dclegiertcntages. Ihre Anhänger waren Mitglieder unserer Ortsgruppen, denen sie unterstanden, an die sie Beiträge z.u entrichten hatten. Was jetzt geplant wird, ist nicht eine ״Fraktion“, sondern eine ״Föderation“. Das Statut der Ziomstischcn Weltorganisation kennt neben den Lan- (lesverbändeii auch Sonderverbände (Föderationen). Biese SoiKiervcibände oder Föderationen, wie z. B. Misrachi und Zeire-Zion — Hapoel-Haza'tr, sind von den allgemeinen Landesorganisationen unabhängig. Sie sind grundsätzlich interterritoriale Gebilde, haben ihre eigenen Landesverbände und Ortsgruppen, ihre eigene Leitung, ihre eigene Finanzgebarung. Wo sie mit den allgemeinen Landes- Organisationen in einem organisatorischen Zusammenhang stehen, ist er ein freiwilliger, jeder- /eit lösbarer. Line Föderation dieser Art soll in Deutschlaiul neu gegründet werden. Was wäre die Folge? Bekanntlich fordert die ״Gruppe Weil“ vor .liiem andere Methoden der Propaganda, andere Methoden gegenüber den Nichtzionisten. Man äurhe von vornherein annehmen, daß die Gründer der neuen Föderation ein ähnliches Programm verbindet, und die vor kurzem veröffentlichte Zuschrift des Vorbereitenden Komitees bestätigt, daß das Programm auf die Wirkung nach außen abgestellt ist. ln Zukunft gäbe es also zwei Träger der zionistischen Außenarbeit. Zwei Stellen würden zionistische Politik gegenüber der nichtzionistischen (jüdischen und nichtjiklischen) Oeffentlichkeit treiben, zwei Stellen würden die Propaganda in Deutschland organisieren. Sogar eine einheitliche Keren Hajessod• Aktion ist zum mindesten in Frage gestellt. (Von anderen weniger wichtigen Bedenken braucht hier nicht die Rede zu sein.) Ein solcher Zustand ist unhaltbar, u 11 d 11:1 s O r g ,111׳ i s a t i o 11 s s t a t u t hat F ö ־ derationen nicht z.u ge 1 a ssen, um ihn zu er 'יי ö glichen. Die Föderationen sind geschaffen norden, um einen engeren Zusammenschluß derer /!! ermöglichen, welche auf Grund einer gemein• samen Weltanschauung die Durchführung des Basler Programmes in einem besonderen Sinne, >. B. im ״Geiste der Thora“ (Misrachi) oder ״auf sozialistischer Basis“ (Hapoel-Hazair) erstreben. («nz anders liegen die Dinge, wenn —• wie im vorliegenden Falle — die Föderationsgründer keine, das Basler Programm modifizierende Sonder- Anschauung, sondern im wesentlichen eine beandere Taktik vertreten zu müssen glauben. Deber die Berechtigung dieser taktischen Forderun- |cn zu sprechen, ist hier nicht meine Aufgabe. Wohl aber darüber, daß die neue Föderation sieh Mit ihren, im wesentlichen taktischen Unterschci׳ 1 ungsmerkmalcn in Deutschland naturgemäß an d«n gleichen Personenkreis wendet ״de die Z.V.f.D. Die notwendige Folge ist '*)ppclte Außenpolitik und Außenarbeit, Konkurrenzkampf, örtliche Zwistigkeiten, Zersplitterung lcr Kräfte, möglicherweise Spaltung von Ortsgruppen usw. Ein solcher Zustand ist, ich wiedere_s, unhaltbar und eine ernste Ge fahr fürden deutschen Zionismus. Ueber uie Methoden der Propaganda, über die Richtung der zionistischen Politik in Deutschland muß — wie in der Welt über Fragen der Taktik — durch׳ 1**Muß einer gemeinsamen Vertretungskörper **»ft entschieden werden. Das Institut der Föde- Sei* Kongress ist einherujen! In der Arbeit für den ScSiekel ist deshalb doppelter Elfer notwendig. Jeder Zionist?erbe mindestens fünf neue Sehekelzahierl Er stärkt dadurch die Position der deutschen Landsmannschaft auf dem Kongress. einzelnen (noch zu schaffenden) Föderationen Ln einem ״Dachverbände“ zusammenzufassen, so würde man die Leitung des Dachverbandes offenbar in erster Linie mit der Vertretung des Zionismus nach außen betrauen wollen. Aber der Unterschied gegenüber der jetzigen Führung des Zionismus durch den Geschäftsführenden Ausschuß wäre dennoch ein gewaltiger! Denn die Leitung des ״Dachverbandes“ wäre mit einer kümmerlichen Scheinautorität ausgestattet, und die ihrem Wesen nach selbständigen Föderationen würden entweder ohne Rücksiciit auf Mehrheitsverhältnisse Kovnpromisse erzwingen oder sich ihren Anordnungen immer wieder entziehen und konkurrierende Aktionen inszenieren. So würde eine dauernde Unruhe in die zionistische Arbeit hineingetragen werden: jede einmal erzielte Stabilisierung der Verhältnisse würde neue Konflikte vorberciteu. Die Z. V. f. D. wird sich aber vor allem deswegen in Föderationen gar nicht auflösen können, weil sich die Mehrzahl der Ortsgruppemnitglicdcr wohl gelegentlich in einer bestimmten Konstellation, aber kaum auf die Dauer auf ein bestimmtes Programm wird festlegen wollen. Die Z. V.f. D. wird also in bisheriger Form bestehen bleiben, und der Landesverband einer neuen, durch ein Weltanschauungsspezialprogramm nicht abgegrenzten Föderation ist ciue, die Einheit des deutschen Zionismus vernichtende Konkurrenzgründung. Ich hoffe zuversichtlich, daß die deutschen Zionisten in dieser ernsten Frage meine Anschauung teilen werden. Beide Gruppen, die um die Führung im deutschen Zionismus ringen, müssen sich der Entscheidung des Delegiertentages fügen. Dies und nichts anderes ist ihre Pflicht. Eine neue Föderationsbildung müssen wir ablelmen und den deutsehen Zionismus vor so gefährlichen Experimenten schützen. Die Einheit des deutschen Zionismus, seine Geschlossenheit, der er seine Stärke verdankt, muß unter allen Umständen erhalten bleiben. Wir stehen vor der großen Aufgabe, die Kräfte des ganzen *) Das Statut der Weltorganisation bestimmt, daß 3000 Schekelzahler, ״welche besondere Anschauungen innerhalb der Zionistischen Organisation vertreten“, sich mit Genehmigung des Actions-Comitds zu einem Somterverbandc zusammenschließen können. Das Actions-GomJK־ hat nidit nur •die Ordnungsmäßigkeit des Zusammenschlusses, sondern auch seine Berecfrtigung, also dus Voriiegen der inneren Voraussetzungen, zu prüfen. (§ 13.) Herr Professor Waitmrg rief in dieser Vesammliuig die deutschen luden und die deutschen Frauen um Hilfe für diese Waisenkinder an, trotzdem diese Froren die g rüttle Mühe haben, das Geld herbeizusciiaffen für die Ziele und Zwecke, die sie sich selbst gesteckt laben. Ich glaube, daß wir mit diesem Hilferuf an die deutschen Juden in doppeltem Sinne einen falschen Weg beschreiten, denn erstens sind wir mit unserer schlechten Valuta und unseren geringen Mitteln zu dieser Hilfe- Ieistung außerstande, und zweitens bedeutet dieser Ruf an uns ein Mißtrauensvotum für Amerika, während wir alle Ursache zu weiterem Vertrauen auf Amerika und eventuell die Aufgabe haben, es den amerikanischen Juden klar zu machen, daß diese Hilfe ihre Sache ist. Unsere Hilfeleistung kann mir eigentlich darin Ikstehen, daß wir in großen Scharen nach Palästina, aufbrcchcn und an der Arbeit des Aufbaues mit unserem besten Können und allen unseren Kräften tcilnehmcn. Die Hilfe, die aus Deutschland kommt, kann nur in vorgebildetem Menschenmaterial bestehen. Die Mittel, speziell für das Erziehungswerk, können nur von Amerika und England kommen. Und die englischen und amerikanischen Juden werden ihre Hilfe nicht zurückziehen von diesen ■1000 Waisenkindern Palästinas. Was bedeutet diese Handvoll Waisen gegenüber den ungezählten Tausenden, die erst noch aus dem Osten Europas gerettet werden sollen und nur mit amerikanischen und englischen Mitteln errettet werden werden? Unser Anteil an der Arbeit sollte der sein, daß wir dafür sorgen und darauf sinnen, wie die Gelder, die wir von Amerika und England fordern müssen und bekommen werden, in der allerökonomischesten Weise zur Verwendung gelangen, wie man mit den geringsten Kosten die größte Wirkung erzielt. Einen solchen Weg auf dem Gebiete der Waisenerzichung erblicke ich in der Errichtung von Prod u k t i o n s - W a i s e n h e i m e n. Die Idee ist nicht neu. Israel Beikind propagiert sie schon lange, und er hat nach dein Kiscmnew-Prograrii mit den Kischinew-Waisen den Versuch gemacht, seine Ideen in die Tat umzusetzen. Er hat nicht reüssiert, aber das beweist nichts gegen die gesunde Idee, nicht nur für ihn nicht, denn er propagiert jetzt von Neuem in seinem Sinne, sondern es beweist auch für all die Anderen nichts, die sich mit Gedanken ln dieser Riehtung vertraut gemacht haben und von ihnen das Heil erwarten. Ihr, die ihr in diesen Dingen zu beraten, zu be• stimmen und zu fordern habt, fordert Regierungslrmd uml fordert nach einem vernünftigen Anschlag Geld für Baulichkeiten, die vielleicht schon unter Beihilfe einer Anzahl ausgewählter Waisenkinder errichtet werden könnten. Fordert die Belassung des jetzigen Etats vielleicht noch für die ersten 2 bis 3 Jahre. Nach Ver• Lauf dieser Zeit wird hoffentlich schon ein Erfolg in der Weise zu verzeichnen sei», daß die Unterhaltskosten der gleichen Kinderzalü durch deren eigene Produktion, in die landwirtschaftliche und ge wer b• liehe Tätigkeit e i nzu be z i eh e n wäre, ganz wesentlich verringert sein werden. Fordert aber auch und sorgt für gute Lehrleräfte und uneigennützige Beamte, sorgt dafür, daß Lehrer und Kinder sich wie eine große Familie fühlen, sorgt für gute, kräftige, aber einfache Küche, die für alle — Lehrer, Kinder und Beamte -- einheitlich sein muß, sorgt für einfache, gesunde Lebensweise und für ein hohes sittliches Niveau Das alles ist leicht zu erreichen, denn gerade war Juden haben unter den bereits in Palästina ansässigen und den nach Palästina wollenden Lehrern das Opfer• bereite Mensehenmaterial, das gewillt und befähigt ist sich für eine solche Aufgabe voll einzusetzen. Es muß nur die richtige Auswahl getroffen und das zu erreichende Ziel deutlich abgesteckt werden. Wir haben eine sehr große und sehr schwierige Aufgabe zu losen, aber sie muß wie latvre sie auch noch verschleppt werden mag - schließ!״* doch gelost werden. Es ist eine schwierige, aber unvermeidliche und schließlich auch eine sehr dankbare Aufgabe. Von ihrer glücklichen Lösung hängt außer dem Wohl der Kmacr und dem, Wohl des Volkes, dem sie angehören, auch eine große Beeinflussung des noch längst nicht *J* *v*1 Bahnen befindlichen Erziehanjrgwesen* überhaupt ab,

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