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Jüdische Rundschau · 1921-03-18 · Heft 22 (18.3.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 22 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 3)
Language
German
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in ml; Ice e» Sir U■ -סי *» P' Nr. 22 6re$-0srael Die Aguda gegen Samuel Jerusalem. (J.C.B.) Wie bereits bekannt, wurde auf besonderen Wunsch des Oberkommissars, Sir Herbert Samuel, ein Komitee gebildet zur Wahl von zwei Oberrabbinern für Palästina. Alle Parteien entsandten Mitglieder in dieses Komitee. Nur die Führer der Agudas Jisroel — Rabbin« Disk in und Sonncnfeld — nahmen an Wahlen nicht teil. Letztere ersuchten den Obcrkommissar, ihre Gemeinde als separate Gemeinde, die in keiner Beziehung mit der allotmcin«11 Gemeinde Palästinas in Verbindung stellt, .inzuerkennen. Ihre Bitte wurde von Sir Her• bcrt Samuel abgeschlagen. Es wird be• richtet, daß die Rabbiner daraufhin erwiderten, daß die Frage der Organisierung des Rabbinats nicht im Bereiche des Oberkommissars läge, und daß die Botschaft des Königs, die der Ober• kommissar gleich nach seiner Ankunft im Lande verlas, nichts davon erwähnte, daß dies zu den Aufgaben des Oberkommissars gehöre. Sir Herbert Samuel erwiderte mit seiner üblichen Ruhe, daß, obgleich diese Angelegenheit ihm nicht unterstände, cs ihn doch freuen sollte, sie befriedigend regeln zu können. Dieser Zwischenfall erregte allgemeines Aufsehen in orthodoxen Kreisen, und einige Gesuche, von Rabbinern und Lehrern untersdirieben, wurden dem Oberkommissar zugesandt, ihn bittend, die Bemerkungen der Rabbiner Diskin und Sonncnfeld nicht als die allgemein herrschende An• sicht der Orthodoxie zu betrachten, und sein Wirken zum Wolile der jüdischen Gemeinde fortzu• setzen. Amfseinführang der neuen Oberrabiner Jerusalem. (J.C.B.) Die Amtseinführung der Oberrabbiner K u k und M e i r, die von dem hierzu seitens der rabbinischen Konferenz gebildeten Komitee gewählt worden sind, wird morgen, den 10. März, erfolgen. Orthodoxe Arbeiter in Palästina Jerusalem. (J.C.B.) Unter der Führung des Misrachi von Palästina ist ein Verband orthodoxer Artoter gebildet worden. Ziel des Verbandes ist, die orf'iodoxeu Arbciterelcmente im Lande zu organisieren, Arbeitervereine und -küchen zu gründen, denjenigen Arbeitern, die den Sabbath 711 hatten wünschen, Arbeit tu verschaffen. Das Zentralbüro des Misrachi in Jeru• salem hat einen Appell an das gesamte Judentum der Welt erlassen, die nötigen Mittel aufzubringen, um es dem Misrachi zu ermöglichen, seine Chaluzim während Oes Pessach festes mit Lebensmitteln 7.u versorgen. Die offiziellen Vertreter der Ica in Palästina, Kal- 'arisky und Rosenhak, haben eine Inspizicrungs* jebv durch alle jüdischen Kolonien und lamiwirtschaft* klun Gruppen von Rösch Pina bis Mctullah unter-!wnnm.1v Den Gruppen wurde die Versorgung mit kndvfiuschahlicljcn Geräten und Bauten zugesägt. *in gehört hätten, wie ihre Kinder, die das Tischgehet zu Hause lange nicht mehr gesungen hatten, diesen Schir Hamaaioth mit Begeisterung singen, sie häiien ihren Ohren nicht getraut. Der Schir Haru a a 1 o t h, der zu Hause so melancholisch klingt, klingt hier in Zion selbst im Munde der Jugend, die sich stark genug fühlt, dieses Zion aufzubauen, viel heiterer und hoffnungsvoller. II. Der Prager ״Selbstwehr“ wird der Brief eines nach Erez-lsrael ausgewanderten Ostjuden zur Verfügung gestellt, dem wir folgendes entnehmen: Wie die meisten Auswanderer der letzten Zeit, bin juch ich, als alter Zionist, hierher gefahren, mit dem f kn, hicr <!twas zu unternehmen. Leider aber mußte ׳eh mich hier überzeugen, daß ich mit meinem Verp. M.) hier nichts machen konnte. 08 gegenwärtig die englische Regierung ohne alle For* ®* 1 * 3 * * * * 8״täten Beamte und Arbeiter anstellt, habe ich mich ™ einigen anderen jungen Leuten von besserer Er- ׳׳׳raung au8 p0!en entschlossen, mich dem Bahnwesen 1׳ widmen. Wir haben uns zum Oberingenieur (er ist 1111 Jude) begeben; er schlug uns vor, als Bahnmaschini- ",'" ‘n die Lehre einzutreten. Offiziell wurden wir als maschmenhcizcr akzeptiert mit einer Gage von 5*/» ägypt l״nd (zirka 6 engl. Pfund Sterling) 90wie Verpflegung. 3 ®יfbeite bereits 6 Wochen, bin sehr zufrieden? I vollkommen gesund; die Arbeit geht gut vorwärts, ei arbeite täglich 6—7 Stunden; wenn ich manchmal f‘ s״jnden im Tage arbeite, so habe ich den darauf- «!;:enden Tag ganz frei. Der Arbeiter genießt hier die * Hochachtung und׳ Unterstützung, so daß er wie ״״ 'Glücklicher auf Gottes Erde herumwandelt. Ich nu n TCk m r>arad*ese, habe keine Wünsche, ז daß meine Frau und Kinder herkommen mögen, r.nen kurzem hoffe ich, auch diesen Wunsch erfüllt sehen. JUEDISCHE RUNDSCHAU Die palästinensische Landesverteidigung Die palästinensische Regierung trifft gegenwärtig Vorbereitungen für die Aufstellung von zwei Bataillonen zu LOO Mann. Das NordhataiKon soll hauptsächlich aus Juden bestehen und von Hauptmann Margolin befchligt werden, der auch der Kommandant der ״Judeans“ der amerikanischen Legionäre, war. Das Südbataillon soll vorwiegend aus Arabern bestehen. Beide Bataillone werden von General Lastelle befehligt sein. De Dienstzeit ist auf ein Jahr festgesetzt worden und die Rekrutierung soll jede sechs Monate stattfinden. Protesttelegramme des Haifaer arabischen Kongresses Wie die arabischen Zeitungen berichten, hat das Exekutivkomitee des arabischen Palästinakongresses in Haifa mit Samuel eine Besprechung »bgehalten, auf der Samuel erklärte, daß er erst dann über die einzelnen Fragen debattieren werde, wenn vorgängig die britische Oberhoheit und die Balfourdcklaration anerkannt werden. Das Exekutivkomitee weigerte sich kategorisch, die Balfourdcklaration anzuerkennen, wahrend die Frage der Oberhoheit nicht in seine Kompetenz falle, sondern ausschließlich in die des Völkerbundes. Die Gründung eines jüdischen Nationalheims in Palästina, werde von Urnen nie anerkannt werden, selbst wem* dies der Völkerbund und alle Regierungen Europas beschließen würden. Das Exekutivkomitec sandte sodann zwei Protesttelcg r a m m c ab, eines an die englische Regierung, worin Beschwerde erhoben wird gegen das Vorgehen des Oberkommissiirs, der zum Zionismus neige, und dessen Organisationen und Fordeningen anerkenne und durchführe, unter gleichzeitigem Protest gegen die Anleihe, die er für den Wiederaufbau Palästinas aufzunehmen gedenke, wobei er ausschließlich um den Vorteil der Zionisten besorgt sei und dem ganzen Lande eine schwere Last auferiege. Das zweite Tele* gramm wurde an den Völkerbund gesandt, mit der Forderung, die Versprechungen bezüglich der kleinen Völker zu er₪iea (J.P.Z.) Palästina für die ukrainischen Flüchtlinge Jerusalem, 10. März. (J. C. B.) ln Anwesenheit mehrerer Tausend Juden aus allen Ge seil Schaftsschichten und der Vertreter sämtlicher jüdischen Institutionen Palästinas fand hier eine Masscnversammlung statt, die sich mit der Frage der eventuellen! Herüberbringung der ukrainischen Flüchtlinge nach Palästina beschäftigte. Eine von der Versammlung gefaßte Resolution fordert die Zionistische Organisation und das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris auf, energisch^ Schritte zur Erleichterung der Einwanderung der ukrainischen Juden nach Palästina zu unternehmen. Die Versammlung beschloß, sämtliche jüdischen Hilfs- Organisationen und Komitees zu ersuchen, die ukrainisehen Waisen nicht über die ganze Welt zu verstreuen, sondern sic in Palästina zu konzentrieren. Der Jischuw wird die höchsten Anstrengungen machen, um ihnen zu helfen. Die Versammlung beschloß ferner, die Zionistische Organisation aufzufordem, den in Beßarabien, Konstantinopcl und Grusien weilenden Flüchtlingen aus der Ukraine zur Erreichung Palästinas zu verhelfen. Seite 161 Was die allgemeine Lage betrifft, muß ich eine Bemerkung vorausschicken: Im wirtschaftlichen Kampfe gibt es wie im Kriege Deserteure, Verwundete und Tote. Die Deserteure sind diejenigen, welche nach kurzer Zeit enttäuscht sind und zurückwandern. Verwundetc sind die, welche etwas unternehmen, ohne daß es ihnen in der ersten Zeit glückte. Die Toten sind diejenigen, welche etwas unternehmen, dabei ihr ganzes Hab und Gut verlieren. Für den ersten gibt cs hier keine Hoffnung mehr. Die letzten zwei dagegen haben (mit Recht) noch Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Berechtigung zu dieser Hoffnung gibt uns die Geschichte von den ersten Einwanderern in den Kolonialländern. Das große Glück ist, daß das Land noch ganz brach, unentwickelt dallcgt. Gott weiß, wie es mit uns stände, hätten wir viele ״Saronias“ und ״Wiihelmiiias“. Die Eigenschaften des Landes und meine Empfindungen zu schildern, fehlt mär die Feder! Das Hauptgcfühl ist: Freiheit! Ich gehe hemm, satt und stolz, den Kopf hoch. Wir sind in jeder Hinsicht gewachsen, fähig mit den Arabern zu konkurrieren. Neue Reproduktionen von Werken jüdischer Künstler Die ״Schweizerische Vereinigung Jüdischer Forscher, Schriftsteller und Künstler, Haruach“, hat die Absicht, durch die Herausgabe einer Anzahl von Postkarten, Werke einigeT ihrer Mitglieder, die ausübende Künstler sind, kennen lernen zu lassen. Die erste Serie, die uns vorlicgt, enthält Abbildungen zweier Skulpturen Prof. Henryk G 11 c e n s te i 11 s, eines Holzschnittes und einer Bleistiftzeichnung Orcgoirc Rabinowi tch s und zweier OelgemäTde Alexander W a t i n s. Der Erl5s aus den Karten, die pro Serie zwei Franken kosten, fällt dem Hilfsfonds der Vereinigung Haruach zu, von dem sie gegen Voreinsendung des Betrages von 2,20 Frcs. zu beziehen sind. (Adresse: Zürich,י Ge,ssnerallee 52.) Die Einbürgerung in Palästina Der Waad hazirim erließ einen Aufruf an alle Juden, die seit dem 1. September 1920 «ach Palästina eingewandert sind, sich ehestens um die Einbürgerung zu bewerben. In Kürze 9011 ein Gesetz in Kraft treten, das ihnen die Möglichkeit gibt, das paläst inensische Bürgerrecht zu erwerben. Alle neu Eingewanderten mögen sich also beeilen, sich in den Immigrations- und Reiseämtern der Regierung in Jerusalem, Jaffa und Haifa eintragen zu Essen, zwecks Erlangung des ersten Einbürgerungs-Zertifikates. Dieser Schritt sei von großer Wichtigkeit, da er dokumentiere, daß der Einwanderer seine frühere Staatsangehörigkeit aufgeben und das palästinensische Bürgerrecht erwerben wolle. Durch diese Registrierung und das daraufhin erteilte Zertifikat werden die Einwanderer als Söhn« ihres neuen Vaterlandes und nicht mehr als Fremde, die in diesem Lande noch nicht fest Wurzel gefaßt haben, legitimiert Es sei also Pflicht des Einzelnen gegenüber der Nation, der Regierung und gegen sich selbst, ehesten! unter Beibringung von zwei Photographien um das erwähnte Zeugnis einzukommen. (J. P. Z.) Eine Desavouierung des ״Doar Hajom“ Wie aus Jerusalem gemeldet wird, haben 61 prominente palästinensische Persönlichkeiten und Sdrdiisteiler, ferner die Organisationen der Lehrer, der Acrzte, der Beamten, der Sephardim, der Frauen und der ukrainisehen Emigranten eine Kundgebung veröffentlicht, durch welche die Tätigkeit des ״Doar Hajom“ (über die auch wir bereits öfter berichtet hatten — Anm. d. R. d. ״J. R.“) bioßgestellt wird. Der ״Doar Hajom“ hat sich bemüht, die Autorität Ussischkins und der palästinensischcn Delegation, welche nach Amerika reisen soll, zu untergraben. Die Kundgebung stellt fest, daß der ״Doar Hajom" nicht das Organ des Jischuw, sondern einer unverantwortlichen Gruppe ist. Alfred Treidel Alfred Treidel ist am 29. Januar an: seinem ländlichen Besitztum in Kinereth am Tiberiassce einer Lungenentzündung als Folge einer Grippe• im Alter von 42 Jahren zum Opfer gefallen. Mit ihm ist einer der markantesten Pioniere Palästinas dahingcschiedui. Einer rheinischen Familie entstammend, ist er mit sein«! Brüdern, dem Landmesser Josef und der.! Chemiker Dr. Oscar Treidel, einer der ersten deutschen Juden gewesen, die das ideal, sich im Lande der Väter niederzuiassen, in die Praxis überführt haben. Wer in den letzten Jahren vor dem Kriege und auch nach Beeadigung desselben Galiläa besucht hat, weiß seine und seiner Frau Gastfreundlichkeit zu rühmen. Er hat es verstauden, sein Besitztum nicht nur in wirtschaftlicher Be- Ziehung in die Höhe zu bringen, sondern cs auch äußerlich schön auszugestalten; sein stattliche» Maus leuchtete zwischen den Baumpflanzungen am Tiberiassee malerisch hervor und fiel jedem auf, der vom Sec aus die schönen Ufer desselben musterte. Vor dem Kriege, als das Haus als eine Art Hotel benutzt wurde, sowie bei der während der Kriegszeit außerordentlich erschwerten Bewirtschaftung des Besitzes war ihm seine Frau eine treue Stütze. Daß sie allein die schwierige Arbeit der Bewirtschaftung fortsetzen wird, ist wohl ausgeschlossen, zumal sic sich auch um die Erziehung ihres Kindes zu kümmern haben wird. Es ist aber dafür gesorgt, daß seine Lebensaufgabe, die Bewirtschaftung der schönen Farm, fortgesetzt wird, wenn auch die Früchte seiner Arbeit leider ihm nicht mehr zugute kommen werden. Wir, seine Gesinnungsgenossen, werden aber diesem treuen, gewissenhaften und aufrechten Mitstreiter ein dauerndes Andenken bewahren, und in den Annalen der palästinensischen Pionierarbeit wird sein Name einen dauernden Ehrenplatz ein nehmen. O. Warburg. Judenverfolgungen im Jemen Jerusalem, 10. März. (J. C. B.) Der ״Waad leuroi“ wandte sich an den High Conunissioner Sir Herbert Samuel mit der Bitte um Intervenierung in Angelegenheit der Verfolgungen der jüdischen Frauen im Jemen, die — laut den in Palästina eingelangten Berichten — gewaltsam konvertiert werden. Der High Commissioner versprach, die Intervention Großbritanniens anzurufen. Bei «Leser Gelegenheit wurden auch die Möglichkeiten der Einwanderung der jemenitischen Jugend nach Palästina erwogen. Der ״Waad leumi“ forderte ferner die Vergrößerung der Zahl der bei der Regierung angestellten jüdisehen Aerzte. Eine ״Nationale Heimstätte“ für die Armenier In «km den türkischen Delegierten vom Obersten Rat vorgeschlagenen Abänderungsrcglement zum Vertrag von Scvres findet sich, dem Bericht der ״Dena“ zufolge, u. a. folgender Punkt: ׳ Armenien. — Den Armeniern wird an der Ostgrenze des türkischen Reichs eine ״nationale Heimstätte“ garantiert, und zwar in Grenzen, die von einer besonderen Kommission des Völkerbundes noch zu bestimmen wären. Dieser Passus ist dadurch interessant, daß hier zum erstenmal der Terminus ״nationale Heimstätte“, der bisher nur in bezug auf das jüdische Palästina verwendet wurde und _ Gegenstand verschiedener Interpretationen war, auch für ein anderes Volk gebraucht wird.

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