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Jüdische Rundschau · 1921-03-18 · Heft 22 (18.3.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 22 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 150 JÜED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 22 Die zionistische Delegation rach Amerika London. (J. C. B.) Die Zionistische Organisation teilt mit: Eine Delegation der zionistischen Exekutive wird Ende März nach Amerika fahren, um die Fragen zu klären, welche dem Großen Actions■ Comite zur Entscheidung vorgelegt werden sollen. Die Delegation wird sich vor allem mit dem Keren Hajcssod und mit den Prinzipien der Aufbauarbeit in Palästina beschäftigen. Die Delegation wird aus folgenden Herren be• stehen: Ussischkin, Ruppin, Mossinsohn, Zlatopolski und Professor Chajes, welcher l>ereits in Amerika ist. (Aus dieser Nachricht erfährt man, daß auch I>r. Ruppin an der Delegation teilnchmcn wird, was bisher nicht bekannt war. Wcizmann, der die Delegation fuhren wird, ist nicht genannt; wahrschcinlich wird seine Teilnahme als selbstverständlieh vorausgesetzt. — Anm. d. Red. d. ״J. R.“) Weizmann über die Lage im Zionismus Der Redakteur der Londoner jüdischen Zdmug ״Die Zeit“, Herr Meyer, veröffentlicht ein(.- Unterredung, die er mit Wcizmann nach ״einer Rückkehr aus Palästina gehabt hat. Ueber die Ursache des Konfliktes mit Amerika befragt, meinte Dr. Wcizmann, der Hauptgrund der Mei• nungsverschiedenhcitcn liege in der verschiedenen Weruing der Kräfte des jüdischen Volkes. Bei unseren amerikanischen Freunden ist der Glaube an das jü• dische Volk geschwächt. Wcizmann sei nicht gegen Sparsamkeit und Beschränkungen, wenn sie unbedingt nötig sind. Er glaube aber nicht, daß das zionistische Ideal durch Einstellung jeglicher Arbeit erfüllt würde. Ferner äußerte Dr. Wcizmann, daß die neugeschaffcne Exekutive ein kurzes Provisorium sei, das höchstens sechs Monate, d 11. bis zum Kongreß, bleiben dürfte, der im August, spätestens September cinbcrufen werden müsse. Der Kongreß sei unbedingt notwendig, und länger als sechs Monate würde er nicht ohne Zustimmung des Kongresses im Amte bleiben. Auf die Bemerkung des Herrn Meyer, daß die jetzige Exekutive keinen Fachmann für Wirtschaftliehe Angelegenheiten besitze, erwiderte Wcizmann, daß Mond, der ja ein guter Kenner in ökonomischen Fragen sei, versprochen habe, die Exekutive mit Rat und Tat zu unterstützen. Ueber die Lage in Palästina wollte Wcizmann mit Rücksicht auf seine bcverstellende Rede in Assamb 1 y Hall nichts näheres sagen. Der amerikanisch-jüdische Kongreß Das provisorische Kongreßkomitee teilt mit, daß auf der für den 20. März nach New York cinbcrufcncn Vorkonferenz vor allem folgende Punkte zu behandeln «ein werden: 1. Die Form der neuen Wahlen für die Delegiertem 2. Zeit der Wahlen. 3. Zeit des Zu- Kammcntritts des Kongresses. 4. Programm des Kongre.s'-Ts. im Zusammenhänge mit Punkt 4 werden selbstverständlich auch alle jene brennenden Fragen betreffs der jüdischen Lage berührt -werden, die den jüdischen Kongreß zur unbedingten Notwendigkeit machen. Man erwartet, daß an dieser Vorkonferenz, die von allergrößter Wichtigkeit sein wird, die versi-hivdenstcn aktiven jüdischen Elemente vertreten sein werden. ICcrca Hßjessod-EConfcrcnz in England Ansprache Dr. Welzmanns Am 12. März wurde in London eine Spezäatkonfcrenz 1 der Engiish Federation eröffnet, welche der Frage des Keren Hajcssod gewidmet war. In seiner Eröffnungsrede schilderte Dr. Wcizmann die gegenwärtige Situation in Palästina. ״Wenn unsere Arbeit in Palästina langsam vonstatten geht, so können wir daraus nicht der Regierung einen Vorwurf machen, sondern nur dem jüdischen Volk. Als Samuel seinen Posten antrat, war die Zionistische Organisation gerade in einer Krisis, die sie aktionsunfähig machte. Es ist allerdings wahr, da» der Verwaltungsapparat noch nicht von dem Geist befreit ist, der vor Samuels Ernennung dort herrschte. Es sind noch■ viele Beamte im Amt, welche unsere Bestrebungen nicht verstehen oder ablehnen, aber die politische Situation wird nur von unseren Anstrengungen abliängeii.“ Sodann kam Wcizmann auf die Emigration zu sprechen. ״Es ist noch nicht genügend bekannt im Judentum,“ sagte er, ״was für Opfer von den Immigranten gebracht werden und welchen ausgezeichneten Menschentypus sic repräsentieren. Ehe meisten von ihnen haben unbeschreibliche Schrecken im Osten erlebt und, obwohl ihre Arbeit sehr schwer ist, haben sie nur den einen Wunsch, die Arbeit fortzusetzen und neue Möglichkeiten für nadikommcnde Einwanderer zu schaffen, Vor einem Jahre hat man auf den palüstsnensisehen Landstraßen nur!arabisch gehört, jetzt hört man hebräisch überall, wo Juden Straßen bauen. Wenn wir 100 C00 Menschen dieses Schlages nach Palästina bringen könnten, wäre Palästina für die Juden gesichert, doch dies müßte schnell gcschehea Das Verhältnis zu den Arabern ist nicht zufriedenstellend. Obwohl Palästina relativ der ruhigste Ort im nahen Osten ist, kann man doch nicht von völliger Ruhe sprechen. Es gibt nur ein Heilmittel: Juden ins Land zu bringen. Und je mehr Juden da sein werden, um 90 weniger Ruhestörungen wird « geben. Es gibt noch einen anderen Typus •des Emigranten. Leute der kleinen Mittelklasse, die meist aus dem Osten, teilweise auch aus dem Westen und aus Amerika kommen. Diese Menschen befinden sich in einer tragtscher! Situation, weil ihr Vermögen in Palästina infolge der Valuta zusammcnschrunipft. Wegen des Kreditmangels kann sich die Privatinitiative nur sehr langsam entwickeln.“ Wcizmann begründet ferner die Notwendigkeit der Erhaltung des Schulwerks. Bezuglieh des Mandates bemerkte er, daß zwar nicht alle Bestimmungen zufriedenstellend sind und man sich bemühen müsse, sie zu verbessern, aber er warnt das jüdische Volk, diese Forderungen zu üherspannea ״Das Mandat gibt uns die Möglichkeit einer großen Arbeit. Wir können jetzt beträchtliche Strecken Landes bekommen, nur fehlen uns die Mittel, um von diesem Angebot Gebrauch zu machen. Während wir jetzt 800 C00 Dunam in Palästina besitzen, könnten wir noch weitere 2 Millionen bekommen. Wenn wir die äußerste* Anstrengungen machen und 300 000 Juden nach Palästina bringen, dann ist die Situation völlig verändert Die Bewegung muß die ganze Judenschaft erfassen, um dieser historischen Aufgabe gerecht werden zu können.“ Polen Aus dem Sejm Die polnischen Arbeiterparteien und die ]0dlschen Rechte. Bei der dritten Lesung des Verfassung»• entwurfs der polnischen Republik nahm der Vertreter der polnischen sozialistischen Arbeiterpartei (P. P. S.), Abg. אi ed zialkowski, zur Judenfrage in Polen Stellung und führte ,aus, er wolle vom Programm der Zionisten ebenso wie von dein der Jüdischen Volkspartei nichts wissen, denn diese schaffen den Staat im Staate. Er verweile diese Programme, weil sie einer nationalistischen Psychologie und religiösen Rückstämligkcit entsprängen. Als ersten Schritt zur Lösung der Judcnfrage betrachtete» die P. P. S. die vollständige Gleichberechtigung der jüdischen Bevölkerung im tagliehe» Lehen mul nicht nur auf dem Papier. Die P. P. S. wollte» das Sprach- 11»d Kulturwcrk der Juden nicht stören, werden aber den Plänen entgegentreten, die, in die Praxis umgesetzt, eine Wiederaufrichtung des Ghettos bedeute» und so den jüdischen Arbeiter dem jüdischen Bürgertum misliefern. Die P. P. S. wollen von der polaischen Kultur zutn jüdischen Arbeiter eine Brücke schlagen. Nachdem einige Vertreter der Bauernpartei sowie Abg. Woznicki in bekannten antisemitischen Argumenten nachzuweisen versuchten, daß von der modernen Schulreform hauptsächlich die Juden den Vorteil ziehen würde», ergriff Abg. ürünbaum das Wort zu einer großen 11/.׳stündigen Rede. Er analysierte die einzelnen Punkte der Verfassung und ihre Be- Ziehung zur Minoritätenfragc und zeigte an Hand vieler Beispiele, wie wenig die Verfassung de» Rechten der Minoritäten Rechnung trägt. Alle Versicherungen der ■ — ■ w וווו ו — iiin■■«»■! ■11—in■׳'! n Abgeordneten der Rechten und Linken über die polnische Toleranz sind lediglich Heuchelei. Die de* Juden gemachten Vorwürfe der Erzeugung einer polenfeindlichen Stimmung im Auslande seien von den Antisemiten erdichtet Er bezeichnte die jüdischen Abgo■ ordneten als Vorposten in dem Kampf der Juden das Recht der Minoritäten. Ungarn ״Hejjas und Jade“ Das neue Kinderspiel Der bekannte päpstliche Prälat und Abg. Dr. O f e IV. wein führte jüngst in einer Parlamentsrede wörtlieh aus: ״Die in unserem öffentlichen Leben herrschende Roheit frißt sich in die Seelen ein und vergiftet sogar die Herzen der Kinder. Als Beispiel führe ich die in der vergangenen Woche vorgcfaltene Begebenheit an: Die Eltern gingen aus und ließen ihren dreizehnjährigen Jungen mit einigen seiner Spklkollcgen zu Hause. Bei ihrer Rückkehr fanden sic ihren Sohn an der Türklinke aufgeknüpft tot hängen. Die Jungen hatten ״Hcjjas“ gespielt, wobei dem einen die Rolle des Juden zufiel, der gehängt werden mußte, Sic knüpften ihn jedoch so regelrecht auf, daß aus dem Scherz Ernst wurde und der Junge, der übrigens aus guter christlicher Familie ist, den für die Juden bestimmten Tod gefunden hat.“ Briefe aus Palästina L Der Warscliauer ״Moment“ veröffentlicht nachstehende» Brief eines Clialuz: Wir sind im Tale Jcsrecl, in demselben fruchtbare» Tale, das immer der Schauplatz der palästinensischen Kriege war. Hier hat Dcborah gemeinsam mit Barak Sisra geschlagen und das jüdische Volk vorn Joche Jawins befreit. Nicht weit von unserem Lager auf einem Hügel sind noch die Ruinen des Hauptquartiers von Sisra, dem biblischen Charoschcth llagojim, zu sehen. Das l>or} trägt noch jetzt den Namen Charossja und ist ebenso .schmutzig wie die meisten arabische» Dörfer im Lande. Lehmhütten, Löcher statt Fenster, keine Vegetation. Unser Lager ist auf einem Hügel aufgcschlagcn, gegenüber der Sangen Kette des Karmclgcbirges. Unten dehnt siel» das Tal bis nadi Dscheda und weiter. Die Chaussee, an der unsere Chawerim arbeiten, schlängelt sich vom Gebirge ins Tal hinab, von wo aus sie sich wie ein weißes Band bis zum Horizont zieht. U»scr Lager besteht aus mehr als 50 Zelten, die reihenweise aufgcschlagcn sind, 80 daß sie gewissermaßen .Straßen bilden, die auch ihre Namen tragen, ln der Mitte befindet sich ein Riesenzelt, dessen ’eine Hälfte als Speisezimmer dient, in dem bis 200 Mann zu gleicher wc1xlcn können, während die zweite fTscrvicriid ״ra"C’ um* 801,*Hge Veranstaltungen Himmel ‘ a8e8*nbruch• ,8»bald die Bergspitzen am bla! nSTtL^erkc?u1s1nd’ be2illnt *״ Leben im La PLCi'? ״ c r ° *h bereiten das Frühstück in der Ki v0", Petroleumlampe». Gruppenweise treten die Chawerim das Speisczclt, jeder trinkt sc Tee, nimmt Brot und Jam mit, hängt ein Trinkg mit Tee an den Gurt, und so begeben sie sich an Arbeitsstätten, bewaffnet mit ihren Arbeitsgeräten. Der Morgen ist noch ziemlich kühl, man sieht noch die Sterne. Singend gehen die Chawerim zur Arbeit, man ist noch frisch von der Nachtruhe, und der kühle Wind läßt die kommende Hitze noch nicht ahnen. Manche Chawerim haben ein paar Kilometer bis. zu ihrem Arbcitsplatz zuriickZuIcgeu. Diesen wird ihr Mittagbrot zugesandt, damit sie nicht in der Mittagssonne den schweren Weg nochmals zu machen genötigt sind. Sic bleiben bis zum Abend au ihrer Arbeitsstelle. Diese Morgenstunden sind die beste Arbeitszeit, bevor die Sonne zu brennen beginnt in diesen vier Stunden wird mehr Arbeit geleistet als in der ganzen übrigen Arbeitszeit. Allmählich steigt die Sonne immer höher, die ganze Landschaft bekommt einen anderen Ausdruck. Es verschwindet die für die palästinensische Morgen- und 'Abenddämmerung charakteristische Melancholio. Es ist völlig still ringsum, nur unser Traktor, die Dampfwalze, der die Chaussee stampft, atmet schwer. Aus dem Schornstein steigt Rauch. Der Traktor beginnt seine tägliche Arbeit zu verrichten. Auf den seitwärts gelegenen Feldern zeigen sich einige Fellachen; sie beginnen z.u ackern. Die Ochsen sind groß und kräftig, der Pflug aber klein und schwach. Es ist eigentlich nicht mehr als ein spitzer Keil; die Erde wird durch dieses Eisen nur sehr wenig gelockert Alle Dornen und alles Unkraut bleibt auf dem Felde. Der pflügende Fellache grüßt uns freundlich und beginnt seine melancholische Weise zu summen. Es ist ln Palästina kaum ein Araber zu finden, der nicht bei seiner Arbeit singt, und diese Lieder sind, wie die palästinensischen Abende, voll Melancholie und! Webmut Um «/10 ג Uhr unterbrechen wir die Arbeit und lassen uns an der nächsten Quelle nieder. Es ist die Zeit des zweiten Frühstücks. Man ißt Brot mit Jam. Ein Esel, der unweit von uns weidet, riecht das Brot und kommt zu uns, um vom chaluzischcn Essen zu genießen. Das australische Jam scheint ihm sehr gut zu schmecken. wieder tos. Sie ist aber jetzt weit schwerer. Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt von der Stirn direkt in die schwarze, soeben atisgcgrabcne Erde. Die Arbeit»• gerate scheinen schwerer zu sein, doch wird nicht eine Minute verschwendet. Wir arbeiten für uns wir selbst sind die Unternehmer und freuen uns, wen» die Arbeit ein Stück vorwärts gekommen ist. Um Val Uhr erscheint der Wagen mit dem Mittagbrot. Wir arbeiten weitab vom Lager und bekommen das Essen zugeschickt. Chawerim kommen zusammen, um das Mittagmalil zu empfangen. Wir sind ungcfäiir 30 Mann an dieser Stelle. Wir setzen un» auf die Steine, ein jeder den Napf in der Hand und essen lustig unser Mittagbrot: Suppe, Fkischkcnserven und Gemüse. Das Brot wird nicht zugeteilt, jeder bekommt, 90 viel er will. Nach dem Essen legt man sich ins Gras zur Nachmittagsruhe. Die meisten beginnen gleich zu schnarchen, andere machen Feuer und kochen Tee. Nach der Arbeit hat man einen solchen Durst, daß man den ganzen Ki schon, der nicht weit vo«! der Chaussee fließt, und der unseren Urahnen bei der Schlacht mit Sisra solche guten Dienste geleistet hat, austrinken könnte. Nach einer Stunde geht es wieder zu den Arbeitsplätzen. Allmählich läßt die Hitze nach, die Sonne versinkt hinter dem Karmclgcbirgc, lange Schatten erstrecken sich über das Tai. Der melancholische palästinensische Abend kommt mit laugen Schritten. Um V5־ Uhr abends kehren wir zurück. Schwer ist jetzt der Weg bergan ins Lager. Die Füsse sind wie aus Blei, doch hört man nicht auf zu singen. Bald sind auch die Spitzen der weißen Zelte zu sehen. Wir reinigen uns vom Staub, ziehen uns um, treten i* das poße, hellbeleuchtctc Zelt, wo das Abendbrot gereicht wird. Dann verbringt man noch eki paar Sturden mit Singen, Tanzen, Lesen oder Vorträgen. Manchmal wird gemeinsam der Psalm ״Schir H*• maakrth gesungen. Wenn die Eltern mserer Cha 111•

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