Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 20 (11.3.1921)
- Date
- 1921-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 137 strophe, die die üstjuden getroffen liat, keine nennen«- werte Hilfe erwartet werden), so kann man der Zukunft von Palästina sicher sein. Diese Neucrobcrtuig von Ercz Israel denkt sich aber Ussischkin ausschließlich in kulr lurell-wirtscliaftlkhcn Formen vor sich gehend und steht deshalb Jabot inskys Legions plan durchaus ablehnend gegenüber. Dieser Plan erscheint ihm auch aus praktischen Gründen als unausführbar, da er zu große finanzielle Mittel verlangen würde, die heute sicher nicht aufzubringen wären, wo man an die maximale finanzielle Anstrengung der Jude 11heit appellieren muß, nur um das Notwendige für Kolonisationszwecke zu bekommen. Aber auch in dem Falle, daß diese Mittel zur Verfügung standen, wäre ihre Verwendung für die Legionen eine äußerst unzweckmäßige, da eintausend junger Leute, die mit Hilfe dieses Geldes wirklieh verwurzelte Ackerbauer werden, eine viel größere Macht darstclfcn als dieselben Tausend, die man in IJnifomi gekleidet und mit Flinten bewaffnet hat Fr anerkennt die moralische Pflicht der Juden, das Land zu verteidigen; um diese Pflicht zu erfüllen, braucht man aber nicht eigene Legionen zu bilden, da cs genügt, in die neue palästinensische Armee, die jetzt von den Engländern gebildet wird, einzutreten. Ussischkin hat erklärt, er sei überzeugt, daß am L'nde ein gemeinsames Arbeitsterrain mit den anierikanischcn Zionisten gefunden wird; deshalb fühlte er sich auch nicht berechtigt, dem Vorschlag, nach Amerika zu gehen, keine Folge zu leisten. In Palästina ,wird er während seiner Abwesenheit durch Dr. Ruppin Vertretern Mit Ussischkin und Mossinsolm zusammen ist in Rom auf seiner Palästinarückreise Prof. Otto Warbürg eingetroffen, der einen Tag länger hier geblieben ist, um einen von der jüdischen Gemeinde veranstalteten Vortrag zu halten. Der Vortrag, in dem Prof. Warburg der römischen Judenheit seine Paliisfinacindriicke mitteilte, und die Aufgabe des Weltjudentums, insbesondere im Zusammenhang mit wirtschaftlichem Aufbau und mit Keren Hajessod, skizzierte, hat ein zahlreiches Publikum versammelt und lebhaftes Interesse licrvorgerufcn, speziell in dem Teile, wo der Referent die Annäherung an die arabische Bevölkerung als eine spezifische Aufgabe, die vor allem den sephardisehen und folglich auch den italienischen Juden zukomrot, ausrinandersetzte. Die Zionisten Connecticuts für Keren Hajessod Das ״M o r g c n j o u r 11 a I“ läßt sich aus Hartford, Conn., unter dem 31. Januar mittcilen, daß dort eine Konferenz der Zionisten Oonnecticuts abgehaltcn wurde, die sich speziell mit der Frage des Keren Hajessod beschäftigt. Eine einstimmig •angenommene Resolution verpflichtet die Zionisten Connecticuts, für den Keren Hajessod zu arbeiten. Die Resolution fordert die National Zionist Executive (die Executivc der amerikanischen Zionist Federation) auf, die Meinungsverschiedenheiten mit den zionistischen Führern Europas beizulegen, und die Arbeit für den Keren Hajessod möglichst schnell aufzunehmen. Fortdauer der Pogrome In der Ukraine Paris, f. März. (). K. B.) Dr. Rosen blatt, Vcrtreter des American Joint Distribution Committee, ist aus Moskau hier eingetroffen. Er gibt an, daß die Pogrome in der Ukraine fortdauern. ו Citerariscbe Cßitteilunger» Else Laskcr-Schiilcr bat am letzten Sonntag in den Kamnicrspielen aus ihren Dichtungen vorgclesen. Es war eine festliche Stunde, eine jener seltenen Weihestunden, die eine willig lauschende Gemeinde aus dieser ungebärdigen zerfallenden Zeit entrücken in die Wärme strömender Menschlichkeit, in das Reich blühender licbender Seelen. Dies Reich ist nicht von dieser Welt, bewußt hat diese Dichterin sie durchbrochen, ihre Vision ist erfüllt von den Farben und dem Rhythmus der orientnlischcn Heimat, ihr Denken, Sehnen und׳ Träumen hebt sich vor Gottes Thron. Diese schlanke, feine, ganz geistige Gestalt, aus deren Mund die heil melodisch singende, etwas verschleiert klagende, süß monotone Stimme quillt, ist die hebräische Dichterin, die einzige wahrhaft hebräische Dichterin, versprengt in. die Verbanmuig, suchend und irrend im Bodenlosen, vertrauend auf den Geist, wissend um die uralten Quellen ihres Wesens und gewiß der Erlösung. Sie lebt nach einer anderen Gesetzlichkeit als die Bürgerweisheit unserer Zivilisation sieh träumen läßt. So sind ihre Worte Verkündigung und Ucbcrwiudung. Else Lakker-Schükr las aus ihren wunderbaren Gedichten und hebräischen Balladen, die bereits bekannt sind. (Bei dieser Gelegenheit sei auf die vortreffliche Gesamtausgabe der Werke der Dichterin hingewiesen, die der Verlag Paul Cassirer herausgibt und die uns Gelegenheit geben wird, auf das Werte noch zurückzukommen). Zum Schluß las sic aus dem Manuskript eine noch unveröffentlichte Novelle ״Der Wunderrabbiner von Barcelona", die Erzählung von dem allseits geehrten Manne, der doch Geschiedenes nicht vereinigen, das Unheil nicht abwenden konnte, das in furchtbarem Pogrom über das Volk hereinbricht. Hier gibt die Lasker-Schüler ganz starke, Icbenerfüllte, bewegte Dichtung, deren Gestalten an symbolischen Ursinn heranreichen. »4■ Grc|-Jsrael Der Oberste Beth-Din Jerusalem, 1. März. (J.C.B.) Die Rabbinerkonferenz hat ihre Tagesordnung erschöpft und sich der ihr gestellten Aufgaben in überaus befriedigender Weise entledigt. Die Konferenz wählte ein aus zwei Mitgliedern bestehendes Präsidium des Obersten Gerichtshofes für Palästina, und zwar den Oberrabbiner Kuk für die aschkenasische und den Oberrabbiner Jakob Mcir für die sephardische Gemeinde. Die Konferenz nahm auch eine einmütige Protestresolution gegen die arge Grenzenvcrstümmelung des verheißenen Landes an, sowie eine Dankresolution an die Zionistische Organisation für deren politische Tätigkeit.‘ In einer weiteren Resolution sprach sich die Rabbinerkonferenz für die besondere Dringlichkeit sehr energischer Propaganda für den Keren Hajessod aus. London, 2. März, (J,C.B.) Unter der Ueberschrift ״Die Auferstehung des Beth Din“ bringen die ״Time s“ folgeixle Drahtnachricht ihres zionistischen Korrespondenten: ״Die Eröffnung des Rabbincrkongresses zwecks Her- Stellung des alten ״Beth Kn Hagadol“ wird hier als das größte Ereignis seit der Zerstörung des Synedrion betrachtet. Die Rede des High Commissioncrs; Sir Herbert Samuel wird von der jüdischen Presse als gleichbedeutend mit dem ersten Appell Nehcmjas nach der Rückkehr aus Babylonien betrachtet,“ Protest der Trennungsorthodoxie Die soeben aus Palästina eingetroffenen Zeitungen lassen erkennen, daß die Errichtung des Obersten Bcth- Din nicht ohne Kampf erfolgte. Gewisse Personen, die bis jetzt im trüben Wasser des Jerusalemer Rabbinats ungestört fischen konnten, wollten sich nicht die itnumsehränktc Herrschaft aus den Händen winden lassen. Während die gesamte Presse Palästinas die Neuorgauisierung des Rabbinats warm begrüßte, wollten die Rabbiner Disk in, Sonncnfeld u. a., die seit jeher als die erbittertsten Feinde jeder Neuerung in Palästina bekannt waren, im letzten Augenblick versuchen, das Unvermeidliche zu verhindern. Mit Mitteln, die heute auf niemand mehr Eindruck machen, wollen sie gegen die Forderungen des jüdischen Lebens ankämpfen. Am letzten Sonnabend vor der Einberufung der Rabbiner• Konferenz hielten sie eine große Versammlung ab, in der sic in laugen Reden gegen die beabsichtigte ״Reform“ der jüdischen Religion auf traten. Bereichnend ist, daß sie nur jiddisch sprachen. Auch diese Tatsache ist für unsere äußerste Rechte kennzeichnend, die gegen die Auferstehung der hebräischen Sprache kämpft und bis jetzt streng darauf achtet, daß in den unter ihrem Einfluß stehenden Talmud-Thora-Schulen der Unterricht in jidtlisdhcr Spraclie erteilt wirfl. Am Schluß der Versammlung teilten die Rabbiner mit, daß am Montag, d. 11. am Tage der Eröffnung der Rabbiner• konfereaz, ein allgemeines Fasten ausgerufen wird. Am Ausgang dieses Sabbaths fand im Hause des Rabbiners Kuk eine Versammlung der der Rabbinerkonferenz günstig gesinnten Rabbiner statt, die den Eröffnungstag der Konferenz als einen Festtag proklamierten. Rabbiner Kuk veröffentlichte ein an Rabbiner Zunz, Die synagogale Poesie des Mittelalters. Zweite, nach dem Handexemplar des Verfassers berichtigte und durch Quellennachweise und Register vermehrte Auflage, herausgegeben von Prof. Dr. A. Freimann. Frankfurt a. M. 1920. J. Kauffmann Verlag, 584 S. Geb. 28.— M. und 0/י> 10׳ Teuerungszusclilag. Es war ein sehr dankenswertes Beginnen, daß die Zunzstiftung das jahrelang vergriffene Werk nun wieder in einer brauchbaren Ausgabe aufgelegt hat. Dieses Buch ist nicht nur ein Stück Literaturgeschichte, es Ist ein Stück Leidensgeschichte unseres Volkes; Zunz zeigt, wie das Schicksal des Volkes sich in der religiösen Poesie wiedcrspicgelt. Besonders wertvoll wird das Buch durch die Zitate der charakteristischen Dichtungen, deren Ucbersetzung ins Deutsche, deren Schwierigkeit gar nicht hoch genug cingcschiitzt werden kann, trotz einiger Härten doch erhebliche Qualitäten hat. Der Herausgeber war in der Lage, zahlreiche Nachträge auf Grund der Notizen des Handexemplars des Verfassers mit aufzunchmcn und so besonders die Beilagen zu bereichern. Ein besonderes Verdienst erwarb sich Freimann durch Anfügung eines dreifachen Registers: Namen- und Sachregistcr, Register der hebräischen Termini und Register der zitierten und übersetzten Poesien. So kann dieses Standard work nun wieder seinen Einzug in jüdische Bibliotheken halten, zumal der Preis relativ mäßig ist. Tiefe •Söderbloms Kompendium der Reiigionsgeschickte. 5. Auff. von Nathan Söderblom. Erzbischof in Upsala. Bcrlin-Schöneberg, Thcopml Biclers Verlag, 1920. 30 M. Dieses Handbuch ermöglicht eine wirklich allseitige Orientierung über die Religionsgeschichte aller Völker. Ausgehend von der Definition der Grundbegriffe und der primitiven Religio» gibt das Buch einen Abriß der Religionsentwicklung und der Kultureigentümlichkeit zunächst bei den vordcrorientalischen Völkern (hier raniert auch der Mosaismus als hervorragendste Offen- _arungs- und Prophetenreligion), sodann bei den arisehen Völkern Asiens und Europas, schildert die antike Religionsmischung und endlich die Religion der osta&iatischen und1 der vorkolumbischcn amerikanischen I Sonncnfeld gerichtetes Schreiben, in dem er sich gegen die Verleumdung verwahrt, als ob die Rabbinerkonferenz irgendwelche Reformen in die jüdisdie Religion einführen wollte, ״Alle Rabbiner dieser Konferenz stehen feisenfestauf dem Boden der jüdischen Re« ligion und ihrer geheiligten Sitten und werden nicht um Haaresbreite von den Satzungen abwcichcn. Obwohl Euer Ehrwürden mir gegenüber sich nicht so benommen haben, wie es jüdischen Rabbinern geziemt, verzeihe ich allen, die midi beleidigt haben. Die große Stunde des Wiederaufbaus der jüdischen Religion, und des jüdischen Rcdrtes auf gesetzlicher Grundlage muß uns die Kraft geben, uns über die pcrsönlidien Streitigkeiten zu erheben. Ich bitte also Euer Eivrwürden, allen palästinensischen Rabbinern, die aus voller Seele die Stärkung der Thora und des gesetzestreuen Judentums in Pa- Uislina wünschen, die Hand zu reichen.“ Die Wahlversammlung, die die Tcilnchmerliste für die Konferenz festsetzen sollte, hat audi die Rabbiner Sonncnfeld und Diskin in die Liste aufgenommen. ״Hator“, das Organ des palästinensischen Misrachi, hat die Rabbinerkonferenz als den Beginn einer neuen Aera, nicht allein des palästinensischen Rabbinats, sondern des gesamten religiösen Lebens des jüdischen Volkes warm begrüßt. Das erwähnte Blatt sieht in der Rabbinerkonferenz ein Mittel, den Glanz des jüdischen Rabbinates wieder aufzurichten, ״Doar Hajom“, der der palästinensischen Orth»- doxic sehr nahe steht, und deren Interessen er vor der Assefath Haniwcharim warm vertreten hat, widmet jetzt der ersten Rabbinerkonferenz einen großen Artikel. Nadidcrn er das hohe moralische Niveau unserer Rabbincr im Vergleich zu den Gcistlidien anderer Kirchen schildert, die öfters gezwungen waren, die Kirche dem Staate dienstbar zu machen, geht er zur Darstellung der unerfreulichen Zerfahrenheit und Unordnung, die in der letzten Zeit in unser religiöses Leben eingerissen ist, über. ■Nur ein Rabbinat, das auf der geistigen und moralischen Höhe stehe, auf der die besten Rabbiner unserer Geschichte standen, sei imstande, die Ehre tmserer Religion wieder hochzuhalten und dadurch nicht nur ן auf Palästina, sondern auf die ganze Diaspora wohl- I tuend zu wirken. Scharfer drückt sich Borochow in ״H aarcz" über die notwendige Hebung des Rabbinates aus. Das Volk habe das Rabbinat nötig, solange unsere nationalc Einigkeit auf unserer großen, durch die Religion*geheiligten Vergangenheit beruhe, solange die Einigkeit unserer Gemeinden überall auf moralischer Grundlage ruhe und nicht durch die materielle Kraft einer gemeinsamen Wirtschaft bedingt sei. Aber das Volk lebe nicht mit bloßen Ideen, das Volk brauche lebendige Symbole, Menschen, die ihm als Symbol der Vergangenheit, der großen Gelehrsamkeit, der grenzentosen Liebe zu Menschen und ־zum Volk dienten. So seien unsere Rabbiner früher gewesen. Solche Rabbincr gebe es auch noch jetzt in Litauen und in Polen, nicht aber in Palästina. Das Rabbinat müsse reorganisiert werden. Diese Reorganisation könne jedoch weder von den Leuten durchgefübrt werden, die das Bedürfnis nach einem Rabbinat überhaupt bestreiten, noch von denjenigen, die mit dem jetzigen Zustand des Rabbinats zufrieden sind und für es nur noch offizielle Macht erstreben. __ Kr. Speiseölindustrie in Palästina. Der bekannte Speiseölfabrikant van den Burgh von der Firma van den Burgh Ltd. in London bereiste vor kurzem Palästina, um die Aussichten der Speiseölindustrie dort festzustellen. Er äußerte sich sehr günstig über die Möglichkeiten einer palästinensischen Fabiik zur Erzengung von Speiseölen. , 111 »I— II — ■I ■ ..י■: ■I ■»■■1. .'!..י■ m. Völker. Das Buch ist nicht nur als Lehrbuch, sondern auch als Nachschlagewerk lebhaft zu empfehlen. Für Leser, die eine übersichtliche Darstellung in großen Zügen vorziehen, sei auf die im Verlag Quelle & Meyer (״Wissenschaft und Bildung“) erschienene ״Einführung in die Religionsgeschiclite“ desselben Verfassers (Söderblom) verwiesen, die über die außerbiblischen Religionen vorzüglich und' zusammenhängend orientiert. Die Juden in Abessinien. Von Dt. Carl Rathg e n s. W. Gente, wissenschaftlicher Verlag. Hambürg 1921. 12 M. Der Verfasser, am Geographischen Seminar der Hamburgischen Universität wirkend, gibt in seiner Schritt interessante und zum Teil überraschende Aufschlüsse über das bisher noch wenig erforschte Volk der Falaschen, die Juden Abessiniens. Auf Grund eigener, auf einer Forschungsreise gewonnener Eindrücke und der Berichte anderer Forscher entwirft er ein anschauliclics Bild von dem geheimnisvollen Werden und von der Entwicklung einer unbekannten Kultur, die im Wechsel der Jahrtausende bis zum heutigen Tage auf die Geschichte eines großen Reiches von Einfluß gewesen ist. Da die abessinischen Juden seit den letzten vorchristlichen Jahrhunderten völlig von der Vcrbindüng mit der anderen Judenschaft abgetrennt waren, so ist ihre Kultur für die Kenntnis des alten Juden• tums von großer Bedeutung. Dias Werk wird daher, zumal durch seine Schilderung der Sitten und Gebräuche der heutigen Falaschcn, für jedermann, vor allem für jeden Juden, von Interesse sein. Manifeste des brüderlichen Geistes. Herausgegeben von Max Krell. — Paul Colin, Fluch dem Siege. Tribüne der Kunst und Zeit, Nr. 18/19, 23. Berlin 1920. Erich Reiß. Diese zwei Büchlein sind Protestrufe gegen den Sieg der Gewalt; die internationale des Geistes, die in der ״Ciarte“ organisiert werden sollte, ruft die Menschen zur Brüderlichkeit auf, um einer neuen Welt den Weg zu bereiten. t