Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 18 (4.3.1921)
- Date
- 1921-03-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 124 JUEDiSCHE RUNDSCHAU Nr. 18 1 1 4 J I 1 H 1 j »׳., I! 11 : r-'Mkrhtr. Autor* jnsttn und dem HelaagJorser Progrimm der russische» Zionisten ab seht — während; des Krieges auch ia l>־«ehlaad lebhaft flwore tisch «1örtert wurde, und 7, B. ein Mann v,j* Fnru Oppen* he im er sehr energisch für diese Förderung eingetreten jst, also ge•״:־.׳ ein M,n; dem kein Uebrrrr.33 nationallödisdtcr Politik ir. der Diaspora vorgeworfen werden kann. Wohl stimmt cs, daß manche Kreise, z. B. in ,•.1.'kn. von der n1rj׳.־׳ndrn Politik abgestoben wurden, aber wenn man schon d.cye Politik rieht rach dem Kriurierr. ihrer inneren Notwendigkeit und Richtigkeit, sonder» opportun, >:*»ch von ihren Ntitrwirkungen at» hrtracktc» will, so wäre noch Nutzen und Schaden '/>rg{ii׳.ig ahzuwigen. Man müßte sich z. B. erinnern, daß die Hundcr.tauscr.de Ostjuden in Wien völlig vchtraSe* der. ar.t־»»m;tische» instinktea preisgegeben gewesen wäre», wen» nicht die zionistischen Abgeordr/.ten und der jüh'ichc Nitiondrat sich ihrer ar.gc• r.'/üimtn hätten. tx־nn die N.'chtconistc», d. h. nicht riaticmaJ empfindend«: Jude», fürchteten stets, man könne sie mit diesen ״Ausländern“ (die, vordem osterreichische Staatsbürger und Inländer wie jeder Wiener, durch den gewiß rieht von ihnen verschuldeten Zerfall Oesterreichs über Nacht zu Ausländern geworden waren) idattiJ:zieren und hüteten sich daher, auch nur den Finger für sie zu rühren. Alle diese Umstände müßte mar. wohl überlegen, bevor 1מ.ז zj einer «lerar.igcn Gcschichtsklittcrung kommt, wie ZoHschan sie ::ntern.mmt. Aber ganz unabhängig von diesen OpporrunitaH- :ragen ist die nat״o»11s Politik der einzige Weg, der;.»*.er der heutiger. Sicltlage bcschrittc» werden kann. Dabei muß immer wieder betont werden, daß die Forckrung nach nationalen Rechten keineswegs in allen Urdem und unter allen Verhältnissen dieselbe ist auch acht unter dem Schlag wort ״Autonomie“ bezeichnet werden kann, sondern in jedem Staate von der betreffenden Judenbest nach ihren Bedürfnissen for- :aulier: werden muß. Ms handelt sich hier um einen neuen Gedanken de-, Volkcrlebens, ebenso wie der Völkerbund ein neuer Gedanke ist, der noch nicht Wirklichkeit ist uni weil erst ganz allmählich durchsetzen wird, genau so wie der Grundsatz der Religionsfreiheit sich erst Langsam •Jurchxoetzt hat. Hätte ZoHschan zur Zu: de, Üreißigjuhri ׳en Krieges geleljt, wäre er wahr chcinlch .ine: der eifrigsten Vorkämpfer des «Grundsatzes ״cu»u, re-,׳!׳», iilius religio“ gewe,en, damit n'eht die religV.en Musor.uten in eine ״Interiotitäts- Stellung" herabgedruckt werden. Da die meisten der neugebih'etcn Staaten Nation1־litäten.,taaten sind, so i.t e,- ganz interessant, d.ß ZolDchan ganz instinktiv annimmt, die Juden müssen sich z;:r Majoritätsnation bekennen, denn die Minoritätsnationen sind ja nach ihm in einer ״Inferioritätssteilung“, die wir den Juden nicht zumute» dürfen. Dann dürfte sich l B. in der Tschccho- Slowakei oder in Rumänien kein Jude zu den Deutschen oder Ungarn zählen, analog in Polen usw. Die For- «k-rung der Anerkennung der Mindcrhcit,nationen l;edeutet aber ganz im Gegenteil den Wunsch, als /kn- •gehöriger irg!:!׳.iv!ner Nvuona'.itat utvJ bei freier Aus- Übung der au, dieser Zugehörigkeit sich ergebenden Kulturbcdürfis:,se, denn׳׳cl: ais völlig gleichberechtigter Staatsbürger ohne das Odium der Inferiorität leben zu können. Diese Tendenz bejaht den Staat so sehr, daß manche Auswüch,״ dieses Patriotismus von anderer zionistischer Seite (mit mehr Recht) als tin/i'Kiisti-di gegeißelt werden konnten, Keinesfalls aber richtet sic sieh gegen den Staat, wie Zoilschan mit den Assimi- Unten, die diese Politik irn Grunde aus ganz andern Motiven liberaler Notabeinmcr.talität ablehticn, so ganz aimungslos bd1.׳:upt:t. Wenn heute der Chauvinismus der Polen oder der Tse'nedien dieser Tendenz widerstreitet, so ist das •kein Beweis gegen ihre Richtigkeit. Wir müssen eben den Kampf für unsere Rechte gleichzeitig mit dem Kampf für eine Idee führen, für die Idee einer derartigen Ordnung de, Volkcrlebens inner- Tiaib der Staaten und zwBelte» den Staaten, die eine 1v.dion.lt׳ Unterdrückung atmchücßt, In den Augen Zoll,chans 1m; ״die nationalisti.chc Politik überaß bereits jetzt Scliilfbruch!.:»־ n“. In seinen Augen war awh zur Zeit der Ikrau ga!>e seines Buches über das Ravenproblun im Jahre 1012 bereits die Undurchführbar• keit des Zlonismu, erwiesen. Diese Kurzsichtigkeit, die immer nur einen momentanen Zurtand oder eine momentane Stimmung in ihr Kalkül ein setzt und nicht rvsch der Wahrheit und 'Richtigkeit der Idee fragt, die sich endlich trotz allen Verkennungen durchsetzen ni u ft, ist gerade der konsequenten zionistischen Denkungsart entgegengesetzt, die an die Möglichkeit des nach vernünftigem Urteil schier Unmögliehen immer geglaubt hat, an die Wiedergeburt des jüdischen Volkes. Wenn überall in der Welt die nationale Kodifikation nach Staatszugehörigkeit im Smr.c der westlichen Staaten durchgeführt wäre, dann wäre die Präge «wich der Ermöglichung nationaler I.1.־kn..1־,nm11 für die Juden eine Frage der Praxis, die unter licrücksiclit.gung aller Umstände gelost werden dalku die ״selbstverständliche Betonung Uigen.'i.rt, zu welcher die Minorität!»• %'l'f׳r״’״?:׳.״^Wogaehkeit gewahren", im Gegensatz zur ,... . Ix• deuten soll, hat Zoilschan noch ־.;c erklärt. Denn gerade die Mi,10rität,vertrüge sind doch zum guten le: das Resultat der nationalen Politik vuid das m Zcn.xc! ums ״Revision“ aufgestellte Programm der ״ethnischen“ Betätigung ist beinahe klentisch mit den von dem jüdischen Natkmalrätcn aufge stellten Forderungen. Geht also ״ur der Kampf um die Frage, ob wir de« westliche» oder den östlichen Begriff ..Nation ,״ Terminologie anwenden wollen die vielen Worte vergeudet. müßte. Was «1er ethnischen Verträge die M< nationalen Politik Sobald Zoilschaa auf Positives zu sprechen kommt, verwickelt er sich eben in «!lösliche Widersprüdie, Gewiß ist ia diesen zwei Jahren in"der nationalen Ptutik sehr viel schlecht gemacht worden Auch andere Völker haben In dieser bewegten Zeit sehr viele Fehler gemacht. Gewiß gibt cs auch grundsätzliche Metrum״»• Verschiedenheiten über die Art, in welcher diese Politik zu führen Pt. Aber über die Frage, ob nationale Politik zu führen ist. ob die nationalcn Rechte anzustTcbcn sind, die eine allmähliche Abkehr von der Assimilation ermöglichen. s*a:t die Juden in immer stärkerem Maße in die Assimilation hineinzutreiben, darüber kann es keine Meinungsverschiedenheit im Zionismus geben. Auch Palästina selbst ist nur im formalen Sinn eine gemeinsame• Forderung; bei der Frage, wie Palästina au!gebaut werden soll. scheiden sich dk Geäster. So ist es auch bei der nationalen Politik. Hätten wir vor zwei Jahren den Zionismus ״revidiert“, indem wir nach Zolilsdians Wunsch ״noch mAr Wasser in den Wein getan" hätten, dann stünden wir heute wahrscheinlich noch viel ärmer da. Die Krise rtn Zionismus wird überwunden werden, wenn wir innerlieh stark bk-iben und kein Jota von unserer Idee preisgeben Der Mandatsvenrag snrht vor, daß alle Juden zur Mitarbeit am jüdischen Palästina herangezogen werdea Wir alle wünschen dies, wir alle werden jeden Mitarbeiter herzlich willkommen heißen. Aber es zeigt «ich schon heute, daß Juden aus verschiedenen Motiven am Aufbau Palästinas mitarbeiten wollen; wir werden Pi die Prüfung der Motive nicht eingchcn, wenn nur ein eliriich.-r Wille zur Arbeit da ist und das End/ici der Sdiaffung einer nationalen Heimstätte anerkannt wird. Palästina wird rächt von da'. Zionisten, sondern vom jüdiseiien Volk aufgebaut werden und es wird dem ganzen jüdischen Volk gehören. Aber Palästina wird nicht aufgebart werden, wenn wir die zionistische Idee aufgeben. Der Zioni-mus kann, wenn er stark ist, nach einem Worte fiktmcnfehls ״Bündnisse schließen“,‘ und unsere Gegner, die etwas von sich halten, werden von uns kein Gesmmingsopter verlangen, wie wir nicht von ihnen. W'ir können nicht den Widerstand gegen den Zionismus nach Zol'schaiw Rezept dadurch bescitigen, daß wir erst die Psychologie der Gegner prüfen und dann opfern, wa: ihnen mißfallt, um ihnen den Eintritt in di0 ■׳/ganisat‘on zu ermöglichen. Nach diesem Rezept gäbe cs lingst keinen Zionismus mehr. Die Krise kann läuternd wirken, wenn sic uns innere Kraft zu rückgibt. Robert Welt sch. heutige unsere ״Nation" in unserer dann sind wahrfiaftig Eine amerikanische Stimme über den deutschen Zionismus Professor Warburg gewährte einem Mitarbeiter von ״Haarez“ in Jerusalem eine Unterredung über die Lage des Zionismus in Deutschland. Das ,,Jiddische Volk" bespricht die Acußcrungcn Warburgs, aus denen ״eine leise, aber ergreifende Melancholie" herauszuhören ist. Die Zeitung bemerkt folgendes: ״Noch vor kurzem hat der deutsche Zionismus auf allen zionistischen ' Kongressen stolz seine Stimme hören lassen. Obwohl er zahlenmäßig zu den kleineren Föderationen gehörte, nahm er einen großen, wenn nicht den größten Anteil tut der zionistischen Leitung. Der deutsche Zionismus war immer besser organisiert und besser diszipliniert als alle anderen Föderationen. F.r war in dieser Hinsicht ein Muster für die ganze Organisation, für deren Pariamentarisicrung er von großem Wert war. Man h.itfc sich oft über die Steifheit, Gründlichkeit und Pedanterie• der deutschen Zionisten lustig gemacht. Diese Eigenschaften waren aber notwendig für eine Bewegung, die sonst in einem Meer von Phrasen zu versinken drohte. Was aber bei einem verarmten Reichen an Schützt» entdeckt wird, ist immer mehr wert als man bei manche» Emporkömmlingen findet. Die mustergültige Arbeit für den Keren Hajessod in Deutschland beweist, daß trotz den fürchterlichen Verlust«! an Menschen und Geld der deutsche Zionismus seine Disziplin, seinen Tätigkeit!• drang und seine Ordnungsliebe nicht verloren bat, und damit läßt sich vieles erreichen." Arabischer Protest gegen den ״Haifaer Kongreß“ Eine arabische Delegation, bestehend ans einer An* zahl angescliensicr Araber in Jerusalem und anderen palästinensischen Städten, ersdiien beim Obcfkommissar Samuel und teilte ihm mit, daß der sogenannte Kongreß in Haifa sich nur auf ganz kleine Gruppen stütze und daher nicht anzuerkcnncii sei. Das ganze arabische Volk sei mit der gegenwärtigen Entwicklung, mit den in Europa gefaßten Beschlüssen und mit den Absichten imd der Tätigkeit der englischen Regierung cinverstanden. Diese.be Erklärt mg gab eine Deputation arabischer Handwerker und Arbeiter ab. J?jtuc!1,c, Verpflegung während der Abstimmung in überschlesien. De Synagogengemei 1xle zu Mys- 1Io w 11 z teilt mit, dali während der Abstimmu::gst agc für alle in Myslowitz und dessen Synagogenbezirk Absummungsbcrechtigtcn die Einrichtung ritueller Verptlcgung beabsichtigt wird. Umgehende Anmeldung erbeten an Rabbiner O. Baöfreund, Myslowitz. Wiener Brief (Von tmsetem Korre^joadarten.) Schnitzler» ״Reigen“. — Die Ostjudeafrage vor dem Völkerbund. — Stricker ia Pari* and London. s- Wien, Ende Februar 1921. ArtJurf Schnitzlers ״Rdfpn“ wurde in Wien verboten. Das Verbot, bzw. dx: B-recht:gur.g zum Verbot wurde be'■ uns zum ״p־/«t!v.-Vn“ Streitfall, was für die Grundlagen der österreichischen Politik kennzeichnend ist. Schließlich aber hat jedes Land die Politik, die cs verdient Lieber die Ragtnangtlegenheit, weldie ein privates Lustba.״k eit Geschäft rwisdten einem genebenen Thea:erdirckfor und i-ircm Tausendkrottcaptibläksim ist, wäre weiter kein Wort zu verlieren, hätte sie nicht der schwarzgelbtn und schwarzrot-goldcncn Wiener Bestie Anlaß zur Erprobur־g ihrer Judenschlagfcrtigkeit gegeben. In den Wiener Kammerspieien wurde unter dem Vorwände gewaltsamer Inhibierung der Reige.naufführung em Probepogrömehen veranstaltet, bei weldrem einige ehrliche Antisemitenjünglinge, die nebenbei ia der Garderobe Kleidungsstücke mitgeben ließen, unter dem Ruf ״Juden, Schieber, hinaus!“ sich auf die jüdisch aussehenden Tbeaterbusucher stürzten, Frauen an den Haaren schleiften, Sessel aus den Logen ins Parkett warfen, mit einem Wort probierten, wie man Judenexzesse macht. Die ganze Reigenangclegeribeit stand und «las ist ja der Punkt, von dem aus man jetzt in Oesterreich alle politischen Ucbel kurieren will — Im Zeirixit rüdester Judcnbetze. Die!Debatten, welche skh in deti sogenannten gesetzgebenden Körperschaften er.- läßlich des Reigenverbotes abspielten, fceliandelten die ganze Angelegenheit w«11 Antisemiten Standpunkt. Die Christ'.ichsorialen warfen den Sor.aklerr»».ratat \׳or. da5 sie dir ״lüdisclie Schweinerei“ unterstützen, die So» - demokraten revanchierten sich, indem sie auf die 1_-;eblicbe Lässigkeit der Christlichsozialen tr» der Awweistet gspraxis hütwiesen. So wird in Oe-terTexh Politik gemacht. Die Ausweisungen der Ostjuden au» Wien stellen jetzt übrigens auf der politischer Tagesordnung. D!e österrdciiische Regierung hat sich wegen ihrer Ausweieungspraxis \x׳r dem Völkerbur.drat ni vetantworten, da Polen eine Beschwerde wegen der Masser.. auswciwng polnisch־.r Staatsbürger («•־sehe smd die meist.fi in Wien woiinender. Ostjuden) aus Wien erh-xben Irat L’ebcr die Beschwerde der polnischen Regienmg kann man verschiedentlich urteilen. Es ist eine lange bekannte Tatsache, daß alle reaktionären Regierungen seit je ihre Untertanen im Auslande schützten, die sie im inlande verfolgten. Man denke nur an die Praxis der zaristischen Regierung, welche sich zur Schätzerin der Juden in der Türkei aufwarf. Dennoch bleibt die schmachvolle Tatsache bestehen, daß die sich als demo kratisch aufspielende österreichische Regierung vor dem Völkerbünde sich wegen ihrer ausgesprochen antin•• mitischen Ausweisungspraxis wra/.tworten mußte. Dk• österrdciiische Regienmg hat auf die Beschwerde l*01en> liiu eine große Note beim Völkerbundrate eingereicht, in welcher sie ihre Ausweisimgspraxis zu beschönigen sucht. Sie gibt an. daß die Ausweisung der ״Fremden“ nur aus Rücksicht auf die Erna h r ungs v e r h ä t ז - nisse in Oesterreich erfolge. Fenier sitdtt sie kl jexuitisdier Weise die Sachlage so darzustellen, als ob die Ausweisung sich nur gegen wirtschaftsschidliiic Elemente, wie Schieber, Sdileichluindler und dergleichen richten würde und verfehlt bei dieser Gelegenheit nicht, die Ostjuden lünzustcllcn, als wären sie lauter Schieber ״:ul Schleichhändler. Wie verlogen dies« Darstellung ist, gellt daraus hervor, daß von der Auswcisungspraxis der österreichischen Regierung, wie aus genauem Materiai, das das Komitee der jüdischen Delegationen in Paris zur Vorlage bim V61kerbundr.it».' «•!»alten hat, ausschlicßlidi Ostjuden aus den produktiven Scliichten, wie Handwerker, Kleinhändler, Ar• beiter usw, betroffen werden. Es ist bisher aus Wien wohl kein ostjüdisdKT Sdtieber ausgewiesen worden, Die österreiclüsclic Regierung hat alle Be• Strebungen von jüdischer Seite, besonders die des jüdisehen Nationalrate» für Oesterreich, die in Wien wohnenden Ostjuden nach Möglidhkeit produktiven Berufen zuzufiihrcn, gänzÜch ignoriert, und während in anderen Ländern, z. B, in Preußen, derartige wirtschaftliche Umsclüchtungsbcstrcbungen die entsprechende Förderung finden, ist davon in Oesterreich keine Rede. Es hartdclt sich bei der ganzen Ausweisungspraxis nur darum, der veil letzten Bevölkerung über die Ursache ihres Elends Sind in die Augen zu streuen. Die österreichische Regierung scheint der Ansicht zu sein, daß sie die beim Völkerbund anhängige Ausweisung&beschwerdc mit den üblichen antisemitischen Mittelchcn wird erledigen können. Darauf deutet die Ernennung des österreichischen ״Sachverständigen“, Ministerialrates Tarnoczv, hin, wcJclier zusammen mit dem österrcicliisdicn Gesandten Eichhoff die Verhandlungen vor dem Völkwbunde in dieser An* gelcgcnlicit iidtren soll. Tarnoczv ist em bekannrer rüder Antisemit. Daß die Entsendung eines solchen Delegierten für die Ueiiandluttg einer jüdisdien Frage den sclilcditestcn Eindnidc machen muß, steht fest. Die österreichische Regierung beruft sich darauf, dali sie bei der Ausweisung der Ostjuden aus Wien überaus human vxxgelre. Wie wahr diese Behauptung ist geht daraus hervor, daß Hunderte vom Fällen bekannt würden wo mn der Ausweisung Invaliden, die für der^ österreichischen Staat ihre gesunden Glieder v«loren haben knegerwitwen, Kranke, sogar Kinder bctrof.cn wurde«. Es ist aus awtiientisdien Materialien