Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 16 (25.2.1921)
- Date
- 1921-02-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist itn Interesse der Hcian- Ziehung gewisser Kreise sehr wichtig, dal( die Arbeiten von Stellen gemacht werden, zu denen die Leute Ver* trauen haben. Jede Arbeit des Misrachi in dieser Be- Ziehung ist auch ein Fortschritt für die Gcsamtorganisation, zum Teil durch die Heranziehung gewisser Kreise des konservativen Mittelstandes an den Zionismus. Wir haben auch gewisse Anfänge mit Klei», kolonisation gemacht I" Jerusalem und Jaffa bc stehen die Gruppen ״Bnjitli Wagan“. Sie bestehe» aus Leuten denen 2- 4 Dunum Land m der Nahe der Städte libergeben werden zitm Zwecke des H.iuscrbaus und der Kleiiikolonisation. jeder dieser Vereine bestellt aus 400 Mitgliedern, die im Misrachi organisiert sind und ihren Anteil schon gezahlt haben.“ ״Von gewissen Kreisen, besonders auch von der Presse der Agiulas Jisroel und selbst vom ״Doar Hajoni“ weiden häufig Alarmnachricliten über bol sehewistische Tendenzen der jüdischen Arbeiter verbreitet. Haben Sie den Eindruck, daß eine solche Agitation in Palästina uni sich greift?“ ״Es ist eine maßlose Ueb c r t r e i b u 11 g und maßlose Irreführung der Oeffcntlichkeit, wenn von solchen Tendenzen im Lande gesprochen wird. Es gibt natürlich, wie überall auf der Weit, auch in Paiästinn einzelne Kreise, die eine Hinneigung zum Kornmuuismtjs haben, und es gibt einzelne Heißsporne. Vielleicht sind auch in Palästina wie in ganz. Europa und Asien ei lige bolschewistische Emissäre, Aber man siebt gar nichts von ihnen und merkt von einer derartigen Agitation im Lande nichts. Die verantwortliehen Kreise der Arbeiterschaft lehnen den Bolscltcwisntus ab. Auch die Streiks, die in letzter Zeit in Palästina ausgebrochen sind, haben mit Bo'.schcwisntus nichts zu tun, sondern sind rein wirtschaftliche Lohnkämpfe und worden in den meisten Fällen betgelegt. Man kann hoffen, daß die Arbeiterschaft Verständnis dafür haben wird, daß jede ihrer Handlungen auch politisch von großer Tragweite ist.“ ״Wie ist die Stellung des Misrachi zum Keren Hajcssod?“ ״Endgültige Abmachungen zwischen den Leitungen des Keren Hajcssod und des Misrachi sind noch nicht erfolgt. Ich freue mich aber, feststcllcn zu können, daß einzelne misraciiistischc Landsmannschaften sich sehr eifrig an der Aktion beteiligeu, so z. B. die deutsche I andsmannscltaft. Der Glaube, daß die Krise mir durch schleunige Aufbringung des Keren Hajcssod überwunden werden kann, ist allgemein. Zweifellos wird der Misrachi an der Agitation vollen Anteil nehmen, doch handelt cs sich noch um eine Einigung über seine Teilnahme an der Verwendung der Gelder, Der Misrachi muß die Forderung stellen, daß er, sofern er seine ganze Kraft in den Dienst der einheitlichen Aktion stellt, auch ein Verfügungsrecht über einen Teil der Gelder erhält, natürlich itn Einvernehmen mit dem Direktorium. Es bestellt z. B. die Möglichkeit, tnisrachistische Kolonien zu gründen, und solche Plätte sind auch in Vorbereitung, Dazu brauchen wir dann die Beteiligung des Keren Hajcssod. Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Zionistische Organisation eine Zentrale sein soll, innerhalb deren sich die verschiedenen Kreise auch in ihrer Siedlungsarbeit nach wirtschaftlichem und geistigen Interessen zusammentun. Meine Anschauung bezüglich der Krise in der Exekutive will ich nicht äußern, bevor ich in London war. Jedenfalls sind wir der Ansicht, daß der zio- «Rüsche Kongreß und auch der jüdische Weltkongreß m schnell als möglich zusammentreten sollen.“ Von der züre-zionistischen Bewegung in Litauen Ein Mitglied des Merkas der Zc'tre-Zion in Litauen, das sich dieser Tage in Berlin aufhielt, besuchte unsere Redaktion und machte uns über die Bewegung folgende Mitteilungen: Die Zeire-Zion in Litauen haben für den 15. März, eine Konferenz cinberufen. Es wird dies die erste Konferenz seit dem Kriege sein, die sich mit sämtlichen Fragen der Palästinaarbeit und der Galuth- Politik befassen wird, auch die erste Konferenz seit Schaffung des Wcltverbandcs. Zur Vorbereitung der reichen Tagesordnung ist ein Sammelheft herausgegeben worden, welches Artikel über die verschiedenen Problerne enthält. Die Zc'tre-Zion haben sich nunmehr offiziell als Föderation erklärt und infolgedessen■ auch in der Landes- Politik eigene Wege beschritten. Bisher waren sie innerhalb des Nationalratcs in der zionistischen Fraktion vertreten. Sie arbeiten nun als eigene Fraktion im Nationalrat und in den anderen Institutionen der jüdischen Autonomie mit. Das Natioualfondsbüro wird ausschließlieh von zci'rc-zionistisdien Kräften geführt. In der Schul- •rage hat die Partei neuerdings eine starke Tätigkeit entfaltet. Es wurde eine Enqufite veranstaltet über das Wesen des Unterrichts in den jüdischen Schulen, über die ökonomische Seite des Schulwesens, welche ein reiches Material zutage gefördert hat. Trotz der großen Emigration nach Amerika dauert auch die Emigration nach Palästina an. Die Chaluzbcwegung macht große Fortschritte. In dem letzten Monaten wurde ein Keren Alijah von mehr als 200 000 M. aufgebracht. 6rc!-Jsra0l Die Frage der rituellen KOchea Auf die in unserem Blatte veröffentlichte, in der letzten Sitzung des Landesvorstandcs der Z. V. f. D. gefaßte Resolution bezüglich der nicht rituellem Küchen *in Palästina erhalten wir ein Telegramm von der zionistischen Kommission in Jerusalem, in welchem festgcstellt wird, daß die der Resolution Zugründe liegende Tatsache unrichtig ist. Die Kommission teilt mit, daß alle von ihr eingerichteten Küchen rituell geführt sind, und daß sie für andere Küchen nicht verantwortlich ist. ״Kantress“ verboten Das Organ der ״Ächduth Haawodah“ in Palästina, der ״Kuntress“, ist auf Verfügung des Gouverneurs von Jerusalem, General Storrs, für die Dauer eines Monats verboten worden. Als Ursache dieses Verbotes diente ein Artikel von Dr. N a c h m a n Syrkin mit der Uebcrschrift ״Pontius Pilatus“, in dem General Storrs eine grobe Beleidigung seiner Person sah. Die Arbeiterschaft Palästinas und der Keren Hajessod Jerusalem, 16. Februar. (J.C.B.) Das Exekutivkomitee des Hapoel-Hazair und der Zeire-Zion hielt in Jaffa eine Sitzung ab, zu der auch die gegenwärtig in Palästina weilenden europäischen Vertreter dieser Partciai zugezogen waren. Es wurde beschlossen, einen nachdrücklichen Appell an alle Groppen und Mitglieder des Hapoel-Hazair und der Zeire-Zion in der Diaspora zu richten, mit aller Energie für den Keren Hajcssod zu arbeiten. Nachdem die Sitzung eine Protestresolution dagegen annahm, daß der Aufruf für den Keren Hajessod ohne die Mitzcichmuig von Vertretern der Arbeiter- Parteien veröffentlicht wurde, wurde der Beschluß gefaßt, von der zionistischen Exekutive in London die Zuziehung von A r b e i tc r ve r t rc t ern in das Direktorium des Keren Hajcssod zu verlangen. Ferner wurde beschlossen, auf die Forderung nach unverzüglicher Ausführung der Arbeitervorschläge hinsichtlich der Errichtung von ״Moschawe Owdim“ (Arbeitcr-Siedlungcn) mit allem Nachdruck zu bestehen. Die Finanzierung der palästinensischen Arbeitersruppen Von der Zionist Gommission in Jerusalem wurde ein unter besonderer Verwaltung stehender Fonds geschaffen, welcher die jüdischen Einwanderer befähigen soll, sich gcnossenschaftli hen Gruppen, welche Arbeiten übernehmen, mit der erforderlichen Ausrüstung, wie Zelten, Baracken, Betten und Werkzeugen anzuschließcn. Die ratenweise Abzahlung geschieht durch die Gruppe, welche dadurch das Eigentum an den Sachen erlangt. Für rein persönliche Bedarfsgegenstände werden gleichfalls Darlehen gewährt. Solche Gegenstände werden den Arbeitern durch genossenschaftliche Magazine geliefert, welche gleichfalls von der Zionist Commission finanziert wenden. Für die gleichen Zwecke wird eine besondere Arbeiterbank gebildet. Die Einwanderung!921 Die durchschnittliche monatliche Einwanderung in Palästina beträgt zurzeit 1000 Personen. Der Chef des Einwanderungsdepartcments der Zionist Commission erwartet während der nächsten zwölf Monate etwa 18000 bis 20 000 Einwanderer. (Z. K.) Vortrag Davis Trietsch In Jaffa In der Jaffaer Technischen Gesellschaft hielt Davis T riet sch einen Vortrag über die Notwendigkeit von Gartenstädten, d. h, von! gemischt landwirtschaftüch-gcwerblichcn Siedlungen. Trietsch führte aus, die rein landwirtschaftliche Ansicdiung der Einwanderer sei nicht möglich; die Einwanderer seien nicht im Besitz erheblicher Mittel, und die Organisation könne nicht 105 000 £ für 100 Familien aufbringen. Nur das gemischte landwirtschaftlich-gewerbliche System in Form, von Gartenstädten sei möglich. Bevor diese errichtet seien, müsse man provisorische Unterkunftsstätten für die Einwanderer beschaffen. Der zweite Fußballsieg des hcbräischea ״IW<1kkabi״-Klubs in Pa’ästina Kürzlich konnten wir einen Sieg des Jaffaer ״M a k k a b i k I u b“ über den Fußballklub des dort liegenden Regiments ״Duke of Wellington melden. Nunmehr teilen die palästinensischen Zeitungen mit, daß auclt der Jerusalemer Makkabiklub im Fußballspiel einen Sieg über das in Jerusalem hegende Regiment ״Lankshire“ davongetragen hat General Storrs ist am 28. Januar aus Europa Ickgckchrt und bat seinen Posten► wieder angetreten. Abtretung von StaatslSndereicn an d e Araber. ׳ arabischen Presse zufolge hat die Rcgterung den Istiichcn Arabern in Bethlehem eine Boden flache 25 000 Dunam zu Kolonisationszwecken angebofen. angebotenen Ländereien befinden sich zwischen Wehem und dem Toten Meer. f Aus der hebräischen Presse Gott schütze uns vor unseren Freunden In Nr. 12 der ״Jüdischen Rundsdvau“ brachten wir das von Luigi Lu zza 11 i an die palästinensische Arbeiterschaft gerichtete Schreiben, in dem er die ״im heiligen Lande ruh ig und siche r wohnenden Juden“ ermahnt, sich von jedem ״Chauvinismus“ freizuhalten, für sich keine ״politischen Vorteile“ zu suchen und nicht in den häufig vorkommenden Fehler zu verfallen, aus den Verfolgten zu Verfolgern zu werden. Sch. Schwarz bespricht in ״Haarez“ dieses uns hefremdende Schreiben des greisen Luzzatti. Er schildert die überaus segensreiche Tätigkeit Luzzattis für sein, wie er selbst im Schreiben cs nennt, ״geliebtes und teures Vaterland Italien“, Luzzatti habe es immer verstanden, in einer Weise, die fast an das Prophetische erinnert, seine Tätigkeit für die wirtschaftliche Gesundüng Italiens und die Organisierung der Selbsthilfe des italienischen Bauernstandes, nicht in materiellem, son. dern in moralischem, fast religiösem Geiste durchzuführen. Er habe auch ab und zu sein Interesse für das judentum bekundet. Es sei nur an seinen Brief an Clemeneeau in Sachen der rumänischen Juden sowie an seine_ Beteiligung an der kurz vor Ausbruch des Krieges gegründeten ״Pro Causa Hebraica“ erinnert. Um so mehr müssen uns die oben erwähnten Aus. drücke im Munde des greisen Luzzatti befremden. Luzzatti scheint von all dem, was, wir in Palästina im vorigen Jahre erlebt haben und was uns zum Teil noch heute droht, nichts zu wissen. Audi scheint er nicht einmal die unerhörte Entscheidung über die Grenzen zu kennen. Sonst würde er uns nicht vor ״Imperialismus“ warnen. Und wenn Luzzatti wüßte, daß wir noch vorläufig um unsere Gleichstellung mit den Arabern in Palästina ringen müssen, hätte er uns wahrscheinlich nicht zu ermahnen brauchen, daß wir nach politischen Vorrechten nicht streben sollen. Eine direkte Beleidigung ist die Ermahnung, daß wir nicht zu Verfolgern werden sollen. Vorläufig wird in der ganzen Welt unser Blut vergossen. Vorläufig verlangen nur wir nach einem wirklich friedliche» Zu. sammenleben mit Christen und Mohammedanern. Und nicht unsere Schuld ist cs, wenn dieses unser ehrliche» Verlangen sidi noch nicht erfüllt hat. Die psychologische Krise J. Ahronowitz bespricht im letzten Heft der vom Hapoel-Hazair in Palästina herausgegebenea Monatsschrift ״Maabaroth“ unsere permanente Krise. Die nach Palästina entsandte sogenannte Untersudrungskommission hat nichts untersucht und nichts untersuchen wollen. Sie ist mit bereits fertigen vorgefaßten Beschlüssen nach Palästina gekommen, die sie nur durchzuführen *brauchte. Ihre Weisheit bestand ia der Kürzung der Budgets oder Schließung fast aller Unternehmungen in Palästina. Als Grund hierfür diente ihr die sogenannte Geldkrise, ihr Plan gelang der Kommission nicht ganz, weil sie in Palästina einen e tmutigen Widerstand fand, von dem sie in London keine Ahnung gehabt hafte. Aber auch ihre andere Ansicht, in Palästina gewisse hochtönende Versprechungen zu erhalten, auf Grund deren sie Geld zu bekommen hoffte, ist ihr ebenfalls mißlungen. Scheinbar glauben diese Herren, daß wohlklingende Versprechungen irgend einer Regierung die Juden alicr Linder eher dazu anregen würden, für Palästina Geld zu geben, als der ununter, brochcnc Strom von Chaiu/.im, die wunderbare Ent- Wicklung der hebräischen Sprache, kurzum, alles das, was wir unter der Wiedergeburt des jüdischen Volkes in Palästina verstehen. Das ist ein Beweis für die Entfremdung der Exekutive vom Volke. Während der letzten Periode des Zionismus hat es die Zionistische Organisation jedem Juden sehr leicht gemacht, Zionist zu sein. Zionist und Schekelzahler waren identisch. Man hat nie von einem Juden wirkliche Opfer für den Zionismus verlangt. Weder bestand ein innerer Zwang, hebräisch zu lernen, noch nach Palästina zu gehen. Deshalb scheut davor auch jetzt die Exekutive zurück, vom Volke große Opfer zu verlangen und sucht nach besonderen Lockmitteln. Das ist der wahre Grund der jetzt herrschenden Krise. Unser Volk, das für die Frcibeitsbestrebungen anderer Völker soviel Opfer an Menschen und Geld gebradit bat, wird noch in sich Kraft genug finden, auch für seine Befreiung die nötigen Mittel herzugeben. Man muß das Volk zu nehmen verstehen, man muß zu ihm Vertrauen haben und es nicht wie nervöse Kinder behandeln, die nur besondere Lockmittel reizen können. Misrachi und Kulturarbeit ״Hator“, das Organ des Misrachi in Palästina, bespricht in Nr. 16 das Verhältnis der Exekutive zur Kulturarbeit in Palästina. Manche Gegner der Kulturarbeit berufen sich u. a. auch auf die Stellungnahme der Orthodoxie zu dieser Frage auf den bisherigen Kon. gressen, die immer negativ war. ״Hator“ bemerkt hierzu, daß die Gegnerschaft des Misrachi nicht auf einer Geringschätzung der Kulturarbeit beruhte, sondern sie resultierte im Gegenteil aus der Erkenntnis der be. sonderen Wichtigkeit dieser Arbeit. Die Orthodoxie weiß den hohen Wert der Kultur- und Erziehungs* täfigkeit für die Zukunft des Volkes zu schätzen. Deshalb konnte sie sich nicht damit befreunden, daß die Kultur nur von einer Richtung im Zionismus gepflegt werden sollte. Sie war daher für den Ausschluß der Kulturarbeit aus dem Bereich der allgemeinen zionisti. sehen Tätigkeit, damit jede Richtung diese zionistische Arbeit in vollem Maße ausführen könne. Als Beweis