Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 14 (18.2.1921)
- Date
- 1921-02-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 92 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr.!4 2Zü©m5s11Bs©lh© üü*I Der ״Economic Council“ in Amerika Den amerikanischen jiddischen Zeitungen entnehmen wir folgende Einzelheiten über die Tätigkeit des Baron Rothschild in Amerika: ״In der Privatwohmmg des Herrn Nathan Strauß wurde am 1. Februar eine gemeinsame Beratung der Vertreter verschiedener zionistischer Richtungen in Amerika abgehalten, in der Baron Rothschild mitteilte, daß es ihm gelungen ist, eine Zweigstelle des Economic Council zu gründen, die die Aufbauaibcit Palästinas finanzieren und verwalten soll. Die Mitglieder des EconoiniC Council bestehen nicht bloß aus Zionisten, sondern auch nichtzionistischc Kreise Amerikas sind in Llnn vertreten. Von Nichtzionisten gehören ihm an die Herren: Judgc Irving Lehmann als Vorsitzender, Felix W a r b u r g, Colonel Herbert Lehmann, Cyrus Sulzbcrger, S. Roscnblum, Judge M y c r, Walter M y e r, Oskar Strauß, Louis M a rshaU, Nathan Strauß und Louis Strauß. Letzterer, der das Sekretariat des Economic Coundl führt, war Privatsekretär des bekannten Ernährungskommissars Herbert Hoover. Nadi Konstituierung des Büros wurden verschiedene Rcsolutionen angenommen.“ Uebcr die Tätigkeit des Baron James Rothschild im Amerika schreibt ״Dos jiddische Volk" u. a,: ״Nur einige Tage weilte er bei 1ms, und schon hört man von verschiedenen Seilen über große in Vorbereitung begriffene finanzielle Transaktionen, die in Kürze zutage treten werden. Man spricht von einer Gruppe amenkankch-jüdischcr Finauzleiitc, die sich mit einer anderen Gruppe englischer Finanzleute liieren und große Unter- «ehmungen in Palästina gründen sollen. Ein hebräischer Vortrag Rothschilds James Rothschild wollte seine Anwesenheit in New York ausnützen, um mit den ostjüdischen Massen in Berührung zu treten. Den Vorschlag, in großen Sälen öffentlich zu sprechen, lehnte er ab, hingegen erklärte er sich bereit, in der Eduatian Alliance einen hebräischen Vortrag zu halten. Baron Rothschild beherrscht die hebräische Sprache vollkommen, die er während seiner Anwesenheit in Palästina als Offizier der Okkupationsarmee gründlich erlernt lut Eine Erkläruni* Rothschilds Vor seiner Abreise nach New York erlief! Baron Rothschikl folgende Erklärung: ״Die Aufgabe, die das amerikanischc Judentum jetzt zu erfüllen hat, ist eine uugelu-ure. Vier Milliam•!! Juden, d. 11. ein Viertel des jüdisehen Volkes, muss;!1 die Kapitalien hergebeu, die für den Aufbau Palästinas und die Erlösung seines Bodens notwendig sind. Die osteuropäischen Juden hätten gerne geholfen, aber sie besitzen nur Rubel, Kronen lind Mark. Bloß die Juden F. 11 g In ח dt und Amerikas sind imstande, das Werk du reit zuführen. Besonders erfolgreich ist die Tätigkeit der Zion Commonwealth, die über 4ÜQ0 Mitglieder und ein Kapital von 4 Millionen Dollar besitzt. Es muß das Ziel der amerikanischen Juden sein, die Mitgliederzahl auf iOOQOO und die Höhe des Kapitals auf 00 Mil־ Honen Dollar zu bringen. In einem Lande wie Amerika mit seinen drei Millionen Juden ist das durchaus nicht unmögliclt,“ Umbau der Organisation Die Zionistische Organisation Amerikas ist cigent- Lieh ein Kind des Krieges. Als die großen Ereignisse kamen und das russische Judentum außerstande war, die Akteon der Exekutive zu unterstützen, mußten die amerikaniscJicr» Juden einspringen und sielt die Hauptlast in moralischer und finanzieller Beziehung aufbürden, ln kurzer Zeit ist die amerikanische Föderation, auch was die Zahl der Mitglieder anbetrifft, sehr gestiegen. Diese quantitative Steigerung erfolgte auf Kosten der inneren Festigung der Organisation. Die Convention In Buffalo hat diesen Mangel erkannt und Vorsorge getroffeiv, ihm möglichst schnell abzuhclfcn. Eine große Rcorganisationsarbeit wird jetzt in der ganzen Organisation vorgenommea Der Mitgltedsheitrag ist von 2 auf 6 Dollar erhöht v.xmlen, was aber zu keinem Rückgang der MiigLedcrzah] geführt hat. Im Gegenteil, von allen Ortsgruppen wird neuer Zuzug an Mitgliedern und rege Tätigkeit am Ausbau der Organisation gemeldet. Eine alle Erfahrung wird hier bestätigt, daß, je größer die Ansprüche sind, die man an den einzelnen Zionisten stellt, er sich um so inniger und fester am die Organisation gebunden fühlt, Amerika ist sich vollständig der Verantwortung bewußt, die die Lage Palästinas einers׳ei,s und die schwache Valuta der europäischen Zionisten andererseits ihm *uferlcgt. Das ״Jiddische' Volk“ weist auf die vorbildliche Arbeit hin, die besonders Deutschland für den Keren hajessod geleistet hat und sicht darin gewissermaßen einen Vorwurf gegen di« Amerikaner. Der Entdccker Amerikas“, wie man Schmarja Lev In in bezug auf den Zionismus nennt, wird in den amenkantschcn Zionismus neues Leben bringen. Ucberall wird betont, wie wichtig es für den Zionismus lat, daß eine festgefügte, nach innen wie nach außen starke Organi- 305Ü11 Sun ’iX113a©n*SI3ss1 f.atlou hinter allen Aktionen ln Palästina und außerhalb des Landes stellt. Die Zionistische Organisation Amerikas veröffentlicht einen Aufruf an alle Ortsgruppen, in dem diese aufgefordert werden, alle Kräfte in den Dienst der Welt- Organisation und des Aufhaus Palästinas zu stellen, ln diesem Aufruf wird auf die großen Möglichkeiten, die sich uns in Palästina• jetzt bieten, hingewiesen, auf die Pionierarbeit, die die Zionistische Weltorganisation seit 25 Jahren für die Nationalisierung des jüdischen Volkes geleistet hat, auf die Erfolge in der hebräischen Sprache und hebräischen Kultur, auf die die Zionistische Organisation stolz sein kann. Ferner betont der Aufruf, dal! die Lage der Juden im Osten eine derartige ist, daß man von ihnen nichts beanspruchen kann. Die volle finanzielle Verantwortung für dis Aufbauwerk ruhe abo hauptsächlich auf den amerikaiiisdicn Judea Ferner heißt es in diesem Aufruf, daß ein planmäßiger Aufbau ohne eine starke Zionistische Organisation un- «lenkbar sei. Die Zionisten müssen in allen Arbeiten den anderen Juden vorangellen. Es werden daher alle Zionisten aufgefordert, soweit cs möglich ist, selbst nach Palästina zu gehen oder wenigstens in palästinensischeu Unternehmungen Geld zu investieren und die Zionistische Organisation zu unterstützen. Krankcnschwcsterschulen In Palästina Die ״Hadassah“ (amerikanische Gesellschaft für medizinische Hilfe in Palästina) unterhält in Jerusalem und Saffcd zwei Krankcnschwcstcrnschuleii mit 43 bzw. 15 Schülerinnen. Die Schülerinnen erhalten unentgeltlich volle Pension und Kleidung. Bei der Aufnahme müssen die Schülerinnen eine Mittelschulbildung und hebräische Kenntnisse nacinvelscn können und das cinumlzwait/igstc Jahr erreicht haben. Die Schülerinnen arbeiten von 7 Uhr morgens bis 7 Uhr abends mit einer dreistündigen Pause. Außerdem sind sie einmal wöchentlich einen halben •Tag von der Arbeit befreit. In der Schule Werden folgende Fächer unterrichtet: Anatomie, Krankenpflege, Diätik, Bakteriologie, Hygiene, Antiseptik, Orthopädie nsw. Nach Absolvierung der Schute müssen die Schwestern eine dreimonatliche praktische Tätigkeit durchmachcn. Sie erhallen alsdann Beschäftigung in den jüdischen Kolonien. Um den Unterricht erfolgreicher durchztiführen, braucht die Schule Lehrbüclu-r, «lie bis jetzt in hebräischer Sprache nicht vorbanden waren. Die ״lladassah“ beabsichtigt daher, für die Schülerinnen hebräische Lehrbücher hcrauszugeben. Der Unterricht wird in .׳Gen Klassen ausnahmslos in hebräischer Sprache erteilt. * \ Private Gründungen Vor kurzem wurde in Amerika eine ״Betit D'fus Jenisc'luilajim Association“ gegründet, die den Zweck hat, in Jerusalem ein großes, alte Zweige des Druckereigewerbes mnfassendes Unternehmen ins Leben zu rufen. Bekanntlich sind die Zentren «!er jüdischen Verlagstätig• keit, WIJjui, Warschau und Odessa, während des Kiieges fast vollständig lalungclegt worden. Jüdische Bücher, insbesondere der älteren Literatur, sind fast gar nicht mehr zu haben. Auel» läßt die technische Ausstattung der im Osten hergestelitcn Bücher noch sehr zu wünschen übrig. Die Gesellschaft beabsichtigt, in Jerusalem jüdisclic Bücher verschiedenen Inhalts herauszugeben, die der europäischen und amerikanischen Technik in keiner Beziehung nachstehen sollen, so daß das jüdische Buch mit «lern Zeichen ״Made in Palestine" däc Herrschaft auf dem jüdischen Büchermarkt erobern soll. De Ge- Seilschaft besitzt ein Kapital von 200 00!) Dollar, von denen 120000 bereits ci«gezahlt sind, und merkwürdigerweise stammt dieses Kapital fast nur aus dem Wertet». New York und der Osten liabcn bis jetzt beinahe nichts beigetragen. Es unterliegt daher gar keinem Zweifel, daß die fehlenden SO 000 Dollar in Kürze aufgebracht werden Die Vereinigung B’ne Zion in Amerika veröffentlicht einen Prospekt, in dem sie ihre Mitglieder zur Zeich« nung von Aktien der von ihr auf rein PrivatwirtschaftiicJiem Wege gegründeten ״Judäa Miling and Baking Corporation“ zur Entwicklung der Mühlciiindustric und des Bäckereigewerbes in Palästina auffordert. Vorsitzender dieser Gesellschaft ist M. Mayer Herbst, Besitzer einer der größten modernen Bäckereien New Yorks und einer «ler tüchtigsten Fachleute auf diesem Gebiete. IX*r größte Teil der Aktien gehört der Vereinigung, die auch das neue Unternehmen kontrollieren wird. Die Prttsburgcr Ortsgruppe hat eine GeseHschaft mit einer Million Dollar gegründet mit dem Zweck, in Palästina eine Glaswaren- und Ziegelfabrik zu gründen. Der Verband der Wilnacr Juden in New York, der über 700 Mitglieder zählt und der mehrere Kassen mit größeren Kapitalien besitzt, hat beschlossen^ in Palästina eine eigene Kolonie zu gründen, wo er seine Landsleute ansiede!« wird. Jedes Mitglied ist verpflichtet, im Laufe der nächsten Jahre 8 Dollar jährlieh zu «itesem Zwecke beizutragen. Man hofft, auch Juden, die nicht aus Wilna stammen, für diesen Gcdanken zu gewinnen. Die amerikanische Zelre-Zioo and der Keren Hajessod Die amerik.uusdie Zeirc-Zioit faßte eine Reilte lic. solutionen, in denen sie ihre Stellung zum Keren hajessod wie folgt «larlegt• 1. Der Keren hajessod, dessen Zweck ist, das ganze Werk des Palästioanufbaucs in die Hände einer zentralen nationalen Körperschaft zu legen, muß in jeder Hinsicht homogen sein und sowohl Investierungc n als auch Spenden umfassen. 2. Der Keren hajessod muß unter Kontrolle der zionistischen Wcltorgani satio n ge. stellt werden 3. Die Exekutive «kr Zevre-Zion appelliert an zionistischen Organisationen, ähnliche Beschlüsse ai fassen und selbige der Zentrale der Zionistischen Qt. ganisation mitzuteiler». Der Delegiertentag der Kanadaer Zionisten Am 30. Januar wurde in Montreal der siebzehnte Dclegiertentag der Kanadaer Zionisten eröffnet. Die Hauptfrage, die diesen De'.cgicrtcntag am meisten Litercssicrtc und ihm «las Gepräge gab, war der Keren I Iajcss^d. Es iag auf der Hand, daß die Amerikaner alles aufbieten werden, um die Kanadaer Zionisten für ihren Standpunkt zu gewinnen und auf diese Weise die amerikanische Aktion in ihrem Sinne einheitlich zu gestalten. Andererseits bemühte sich Schmarja Levin die Zionisten in Kanada für die Londoner Auffassung zu gewinnen, um die amerikanische Gegnerschaft zu brechen und dem Prinzip des Maasser auch La Kanada Geltung zu vcrscliaffen. Die Amerikaner konnten nur eine kleine Minderheit um sieh sammeln, und mit überwältigender Mehrheit wurde der Keren Hajessod im Sinne der Londoner Beschlüsse mit großer 11 v. ge isterung angenommen. Die Organisalion von Kanada verpflichtete sich, im Laufe des ersten Jahres eineMillionDollarzu beschaffen. Schmarja Levin dankte im Namen der europäischen Zionisten für die Unterstützung, die die Kanadaer Zionisten ihnen durch die Annahme des Keren Hajessod erwiesen haben. Die Kanadaer Convention erhielt Bcgrußungst«־'.«■• gramme von üraudeis, Herbert Samuel. Dr. Wdzmann und Ussischkin. Der Bericht der Kanadaer Organisation bestätigt das unaufhörliche Anwachsen der zionistischen Bewegung in Kanada. In der fetzten Zeit haben sid! über 8ÜÜÜ neue Mitglieder in 300 Orten der Organ1.- sation angcscle'osscn. Es süid auf dieser Convention viele Resolutionen angenommen worden, die den Zweck haben, die Kanadaer Organisation auf eine neue Basis zu stellen. Unter großem Beifall wurde der zionistiselten Exekutive in London das Vertrauen ausgesprochen. Große Genugtuung rief dk Mitteilung hervor, daU Baron James Rothschild, der sich auch in Kanada aufiiielt, dort ctnnfalls ein Economic Couueil ins Lehen rief, das aus 75 Kanadaer Kapitalisten besteht, mit dem reichsten jaden von Kanada, Sir M o r t i m c r D a v i s, an der Spitze. Prcssestimmen zum Palästina-Mandat ״J e w i s 11 C11 ron tele" schreibt in einem ausfüliruclien, dem Mandat gewidmeten Leitartikel über die Bestimmungen bezüglich der M i s s ro n s t ä t i g - keit: . . . ״Der Spruch ,Nächstes Jahr in Jerusalem* fimlet seinen merkwürdigen Gegensatz in einer hesondereu Protektion und Begünstigung der ärgsten heiintüekiscfien Feinde «ies jüdischen Glaubens. Die Missionär«׳, denen unter dem Mandat das Recht zugcsprochen wird, aus Palästina den unglückseligen Kampfplatz der diversen Glaiibcnsrichtunget» zu machen, sollen unterstützt werden in all der Intrige und der Intoleranz, der Bigotterie unJ den Schikanen, die, wie wir wohl wissen, nun einmal von der Tätigkeit derjenigen uiucrtrenuUch zu sein scheint, die verblendet genug sind, zu glauben, daß sic nach dem Willen unseres gemeinsamen Vaters Bandein, wenn sie aus schlechten Juden noch schlechter« Christen machen. Die Etablierung eines nationalen Heims für «las jüdische Volk mit einer Ermutigung der Förderung des Zerfalls des Judentums cin/uführen, ist ein Akt unbegreifheher Widersinnigkeit. Denn der jüdische Nationalismus ist verknüpft mit dem jiidische« Glauben. Sie sind unzertrennlich, wenn nicht gar iden• tisch. Für den Juden ist Religion Leben, sowie ihm Leben Religion ist. Wir können uns nicht entsinnen, daß eine ähnliche Klausel in irgendeinem «icr anderen Vertrage enthalten ist, durch die die neuen Nationen seit dem Waffenstillstand gebildet worden sind, uml gerade die Verhältnisse Palästinas und «las Vorwort zum Palästina-Mandat berechtigen zu der Auffassung, daß das Mandat ganz gewiß die letzte aller Stehen ist, an welcher eine derartige Klausel hätte erscheinen dürfen.“ New York, 10. Febr. (J. C. B.) Fast alle hie• sigeti BLätter haben den vollen Text des Palästinaabbommens veröffentlicht und dessen Inhalt mit größeren Kom• ment,iren verseilen. Die meisten Blätter unterziehen «las Mandat einer gründlichen Kritik und finden einen großen Teil seiner Bestimmungen als unzureichend und daher ungünstig. -- ״Neiv York 1 imes“ meint, aus dem Mandat gehe klar hervor, daß der Völkerbund tlen jüdischen Staat nicht geschaffen habe, — .,New Yorker Tribnnc" i.t etwas optimistischer und glaubt, daß das jiidische Volk durch «las Mandat doch die Gelegenheit bekäme, seine Kräfte zu entwickeln und mit Hilfe einer starken Einwamienuig das bis• hörige Palästina in ein jüdisches Hcimland 211 ver• wandeln. — Der sozialistische ״Call“ geht in seiner Kritik am weitesten und sagt, das Mandat schaffe in Palästina Bedingungen zur Expkntierung der Juden und ihrer Aibeit — ״New York World“ befürchtet gewisse Schwierigkeiten i» den arabisch-jüdischen Be- Ziehungen.