Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1921)
- Date
- 1921-02-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652326--13765-2671521- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 72 I UED1SCH E RUNDSCHAU Nr. 11 t-r 1 bezug auf den Liindcrkomplex von Aegypten bis Mesopotamien verwalten soll. Dieser Plan ist schon deswegen begrüßenswert, weil dadurch die Länder, die schon in! Altertum eine gewisse politische Einheit bildeten und zweifellos auch eine besondere Eigenart haben, zu einer Einheit in bezug auf die Richtlinien der Administration zusaininengcfalit würden, so daß man ihrer Eigen• art auch in der Verwaltung besser Rechnung tragen könnte. Ist es ja bekannt, wie arger Schaden dadurch angerichtet wurde, daß man z. B. ein Land wie Palästina nach der Schablone des englischen Kolonialsystems verwalten wollte. Es verlautet, daß zum Leiter dieses Ministerium für den Vorderen Orient Mr. Omisby-Gore ausersehen ist. Es braucht nicht gesagt zu werden, daß eine solche Wahl vom zionistischen Standpunkt .־lulkrordent* lieh zu begrüßen wäre. Ormsby-Gore ist ein genauer Kenner des ganzen Vorderen Orients und hat iiir das zionistische Problem stets ein tiefes Verständnis gezeigt. Er war eine der stärksten Stützen der von Balfonr initiierten englischen Politik in be/ug auf den Zionismus und genießt •auch bei den arabischen Kreisen großes Ansehen. Am 21. Februar soll in London eine Konferenz zur Revision des Vertrages von Sevres (in bezug auf Konstantinopel, Griechenland, Anatolien) nbgehalten werden. Bis dahin dürfte die wichtige Frage der Neuregelung der Orientressorts im englischen Ministerium geregelt־ sein. דח 1 %•״■«*» «w* Wir bringen heute die Bilder jener zwei Männer, welche berufen sind, beim Aufbau des jüdischen Palästina eine besonders hervorragende Rolle zu spielen. Beide sind englische Staatsmänner, hervorgegangen aus der Schule des englischen öffentliehen Lebens, beide haben sich dank ihrer persönlichen Qualitäten durchgesetzt und bekleiden hervorragende Stellungen im englischen Staatsdienst. Beide sind begeisterte Juden, die die Idee der jüdischen Wiedergeburt voll erfaßt haben. Herbert Samuel, der gegenwärtige Regierungschef von Palästina, hat noch vor seiner Berufung zu diesem Amt wiederholt bewiesen, wie tief er von der zionistischen Idee ergriffen ist. Unvergessen bleibt seine Rede am D.-klarationstag, wo er die Vision des neuen Jerusalem schildert, das nicht nur einen neuen Staat bilden soll, sondern auch der Kern einer neuen, besseren Gemeinschaft sein wird. Alfred Mond, der jetzt zwei Wochen in Palästina war, hat sieh gleichfalls mit einer Wärme ohnegleichen zur zionistischen Idee bekannt. Der englische Minister sprach in der Versammlung palästinensischer Juden mit Innigkeit und Erregung von seiner Zugehörigkeit zum jüdischen Volke, von seiner großen Liehe zu dessen ewiger Heimat Palästina. Er fürchtet nicht den Vorwurf, daß er als Nationaljude •schlechter Engländer sein müsse - jenes Argument, das auch in England wohlbekannt ist, Er bat aller Kriseustiminmig zum Trotz mit unzweideutiger Bestimmtheit erklärt, daß er sich mit seiner ganzen Energie und seinem ganzen Einfluß dafür einsetzen wird, daß die zum Aufbau Palästinas notwendigen finanziellen Mittel beschafft werden. Aus Mangel an Geld darf das Werk der jüdischen Wiedergeburt nicht scheitern. Alfred Mond will alle wirtschaftlichen Kräfte des Volkes mobilisieren, damit das Werk gelingt. Mit diesem Versprechen kehrt er jetzt nach Europa zurück, Die Treuinmgsorlhotlosie scheint ihre separatistischc Haltung auch in der Palästinafrage nicht aufgeben zu wollen. Ihr Organ, der Frankfurter ״Israelit“ betrachtet es noch immer als seine Hauptaufgabe, auf der einen Seite die zionistischen politischen Erfolge herabzusetzen, auf der anderen Seite die Orthodoxie aui/ufordern, die auf Grund dieser politischen Erfolge geschaffene Lage für eine lebhafte Palästinaarbcit im Sinne der Trenmmgs- Orthodoxie auszuuützen, Die Agudas Jisroel, deren Organ der ״Israelit“ ist, versucht beständig, sich als die Wortführerin der gesamten Orthodoxie zu gebärden, wahrend sie in Wirklichkeit nur einen 1 eil repräsentiert, Ein immer zunehmender Teil der Orthodoxie ist heute bereits durch den Misrachi zionistisch organisiert, der auf keine orthodoxe Forderung verzichtet, jedoch aufrichtig genug ist anzuerkenneu, daß die politischen Voraussetzung gen für jede Arbeit von der Zionistischen Organisation geschaffen worden sind, und daß eine Eininisclnmg anderer Faktoren in die politische Arbeit im gegenwärtigen Stadium sinnlos und außerordentlieh schädlich wäre. Die Agudas Jisroel dagegen kann es nicht lassen, auch politisch immer wieder mit Sonderaktioncii nachzuhinken, Sclbstvcrständlieh lehnt cs der ״Israelit“ auch ab, einer Betcihgung am Keren hajessod das Wort zu reden. Er versucht, die wirtschaftliche Bedeutung des Keren hajessod zu bagatellisieren und meint, •daß Zu Brandtis’ Interview Aeußerungcn von Schraarja Lcvln Die jüdische Zeitung ״.;Der Tog" in New York, die ■kürzlich das auch von’uns wiedcrgcgebcnc Interview mit Brand eis veröffentlichte, bringt jetzt ein Gegeninterview von Dr. Sch m a r j a L e v i n. Dr. Levin betrachtet den Keren hajessod als die Grundlage des gesamten Aufbaus Pa Uistinas. Private Initiative wird natürlich im Lande ein weites Betätigungsfeld finden, aber sie wird mir Schritt für Schritt dem Keren J»:1jcss.Kl folgen. Je erfolgreicher tirnl vielseitiger die Arlx-it des Keren hajessod sich gestallen wird, tun so stärker werden die Privatunternehmer an Unternehmungen in Palästina interessiert sein. Der Keren hajessod hat die Aufgabe, das Land zu erschließen und die privaten Unternehmer auf die verschiedenen Möglichkeiten im Laude hiuzuweisen, sowie die Voraus- Setzungen für diese Unternehmungen zu schaffen. Wenn man die Aktion in viele Einzelumeriiehmungen spaltet, schafft mau kein Gemeinwesen; wenn 1000 Juden je,der in seinem I lause allein beton, ist es noch kein Miiijan, dagegen zehn Juden vereint betend bilden schon eine religiöse Gemeinschaft. Er, Levin, wolle nicht mit Brandeis über die Atögiielikeil der Durchführung des Keren hajessod debattieren, sondern d 11 r c 11 angestrengte Arbeit h c - weisen, daß der Keren hajessod durchfühlbar ist. Der Keren hajessod muß das Fundament für das zukünftige Gebäude schaffen. Die Schaffung eines Fundamentes kann aber nicht dem Zufall und, der Laune privater Unternehmer ״nvertraut weiden. Dies muß v o n! g c s a m teil j ii d i s c 11 e 11 Volke gemacht werden. Der Keren hajessod ist kein separates Unternehmen europäischer Zionisten, sondern eine Angelegenheit der g e s a m t e ח Zionistischen Organisation und des g c s a 1111 e 11 j ii d i s c 11 e 11 Volk c s. Ferner sagte 1. e v i n in einem Interview mit dem Redakteur des ״Morniiig-Journal“: ״Sie fragen, was man jetzt für Palästina tun kann. Meine Antwort ist: Helfen, den großzügigen Plan ktitenbergs zu verwirklichen, Palästina zu bc forste 11, sanitäre Zustände zu schaffen, Häfen und Häuser zu bauen U11d S eil 1 ii s s c 1 -111 d 11 s t r i e 11 zu gründen. Der durch die Tendenzen des amerikanischen Zionismus auch die Sonderzwecke der Orthodoxie gefördert werden. Am meisten liegt ihm natürlich daran, daß die Kasse des Wand hncliimich geschwächt wird. Er hofft, daß dieser Umstand auch den Misrachi veranlassen würde, die Verständigung mit den Zionisten bezüglich der Unterrichtsvcrwaltung /11 brechen. Daß dabei natürlich immer wieder auch sachliche Unrichtigkeiten behauptet werden, bedarf kaum der Erwähnung. Es ist bedauerlich, daß in diesem wichtigen Moment so unfruchtbare Sondertendenzen die gemeinsame Sache schädigen. Wir hoffen, daß auch die Orthodoxie in zunehincndem Malle ciiisehcn wird, daß die vom ״Israelit“ gewiesenen Wege falsch sind, 1md daß ihr Interes.se für Palästina, das auch die Agudas Jisroel zu immer stärkerer Betonung des Palästinagedankens gezwungen hat, schließlich den Weg zur gesamtjiidisehen Palästinaaktion finden wird. Der Beschluß der Wiener Konferenz des Joint, die Hilfstiitigkcit bis Juli an{ <10 ״,״ eiuztisehranken und von da an völlig einzustellen, hat auch auf Palästina zurilckgewirkt. In der letzten Sitzung des Wa:ui leumi hat der Leiter des Joint, l)r. de Zola Pool, über die I lill'stiitigkeit berichtet, und <1011 Antrag gestellt, der Waad lemni möge sich in dem noch übrig bleibenden halben Jahre an der Leitung des I lilfswerkes beteiligen. Diese Verhandlungen gehen ״Haare/.“ Veranlassung zu einer umfassenden Kritik der Hilfstätigkeit des joint. in einem Leitartikel werden die demoralisierenden Wirklingen dieser Hilfstiitigkcit geschildert und als Ursache der Umstand angeführt, daß die Leiter des Hilfswerkes keinerlei Kenntnis der Psychologie der Bevölkerung und der besonderen Laiitlesverliültuisse hatten, so daß sie nicht nur vielfach Schwindlern zum Opfer gefalle» sind, sondern auch oft durch das Unterstützimgswesen die Leute von der Arbeit *abgelialten haben. In! 11/a Jahren hat das Joint in Palästina 2 Millionen Dollar ausgegebeii. Die Wirkungen dieser ungeheure« Geldsumme, sind so gut wie Null, während für dasselbe Geld monatlich (AH) neue Einwanderer in produktiver Arbeit hätten untergebraclit werden können 1 Das Blatt verlangt daher mit allem Nachdruck, daß wenigstens für das letzte halbe Jahr der Waad leumi die gesamte Leitung des Hilfs- Werkes übernehme, damit dk■ 205 00t) Dollar, die noch zur Ausgabe gelangen sollen, nicht in ähnlicher Weise verschleudert werden sollen, wie cs bisher der Fall war. Wir liraeltlen in Nr, ü’ä/y l des vorigen Jahrganges eine Notiz des J, C. B. über die Vorgänge i!n u n g a rischen Zweigbüro des Joint Der ungarischjüdische Baron Polnay soll danach die Gelder des Joint direkt in den Dienst der Horthy-Regierung gestellt und auch bei der Verwendung der Gelder das jüdische Interesse vollkommen hintangc.'cizt haben. Wir haben damals auf Grund von persönlichen lnformatwnen, die uns ein in Berlin wellendes Mitglied der ungarischen. Joint-Leitrmg zukonunen Udi, die Rieh- Rutenberg sehe Plan ist bereits in Angriff genommen auch Häuser werden gebaut. Ingenieur Kre’ ui e 11 e t z k i 1 aus Wien hat bereits «ach Palästina eine Anzahl Maschinen für die Ziege 1 f abrj. kation hinübcrscliaffen lassen. Mehr als (jjc Hälfte der für die Z c in e ״ t f a b r i k notwendige* 150000 Pfund sind bereits cingczahlt. Die Vielgestaltig, keit und das Ausmaß der zukünftigen Arbeit hiin^ von den Erfolge״ des Keren hajessod ab. Von Erfolg des Keren hajessod hängt auch dk weit«* Tätigkeit der Privatinitiative im Lande ab. Durch dir Bewegung und die Propaganda zugunsten des Kit« hajessod wird auch das Pflichtgefühl der J tidcs gegenüber Palästina geweckt werden. Möge Amerika wissen, daß der Erfolg des Keren Iiajessod jj! Europa als sicher betrachtet wird. Dafür bürgt die Begeisterung, mit der die jüdischen Massen den Gedanken »«{genommen haben.“ Auch in Kanada bat der Keren hajcssotl-Gedankc in den zwei Wochen, die Dr. Levin dort zugehr acht hat, gute Erfolge gezeitigt. Die amerikanischen Zio• niste» scheinen das Hanptprinzip des Zionismus;!n, dem Auge verloren zu haben,!dieses besteht darin, «laß wir uns auch in der Diaspora über alle Grenzen hinweg, setzen und gemeinsame, durch keine Landes grenzen getrennte Arbeit leisten Joseph Cowens Eindrücke Mr. Joseph Co wen, der bekanntlich in Aut. trage des Direktoriums des Keren hajcisod in Amerika war und dort bei der Konferenz in Buffalo das b:t•׳, torium vertreten hat, äußerte sich nach seiner RiickLIu in London einem Vertreter des ״Jcwisli Chronide gegenüber, er sei der Ansicht, daß tier zionistisch- Geist in den jüdischen Massen Amerikas nicht we uiger lebendig sei als in Europa. Wenn du Begeisterung nicht immer genügend zutage trete, so 5c! das mehr ein Fehler der zionistischen Führer als der zionistischen Massen in Amerika. Herr Cowcn lehnte cs ab, Einzelheiten über die bestehenden Mcinungsver• schicdenheitcn zwischen den einzelnen Gruppen da zionistischen Führer mitzuteilen. Er gab jedoch der Meinung Ausdruck, daß die Sitzung des Großen A.-C die Differenzen beseitigen und die Einheit in den zionistischen Reihen wiedcrherstcllcn wird. tigkeit dieser Meldung in Zweifel gezogen. Nach den von uns nunmehr eingezogenen Informationen beruhen die Angaben der erwähnten Meldung!eitler auf Wahrheit. Die ungewöhnliche Schamlosigkeit der völlig ent judeten Oberschicht des ungarischen Judentums zeig! sich darin, daß der erwähnte Herr Polnay es auch unternommen bat, im Ausland für Horthy-Ungam Propaganda zu machen und sich dabei an prominente jüdische Persönlichkeiten zu wenden. Die Vertreibung der Ostjiidcii aus Budapest ist gleichfalls unter der Patronanz dieser jüdischen Notabel» erfolgt. Daß ii! der Verwaltung des Bulapester Joint auch Zionisten vertreten waren, Ut allerdings riehii•:, um so bedauerlieber war es, daß sie wahrscheinlich unter <1011! Terror der I lorthy-Banditen nicht die Möglichkeit halten, gegen diesen Mißbrauch jüdischer Gelder in entsprechender Wein■ aiU/.utreteu. Wie jetzt au- New- York gemeldet wird, wurden in einer Sitzung des Joint zwei Personen aus der Leitung der BuJapcstcr Zweie stelle entfernt. Es ist anzunehmen, daß diese Mali rege! auf Grund der erwähnten Informationen erfolgt ist Die englischen Parteien und der Zionismus Interview mit Alfred Mond In einem Interview erklärte Sir Alfred Mund dem Mitarbeiter von ״Haare/“ in Jerusalem, <k! ilm über das Verhältnis der englischen Regierung zum Zionismus bei einem eventuellen Regierangv Wechsel befragte, folgendes: Die Arbcitcrpartei und ihre Führer verstehen den Zionismus und verhalten sieh ihm gegenüber wohlwollend. Nur die Konservativen von der Holten Kirche, deren Sprachrohr die ״Morning Post“ ist, ver• knüpfen ihren Anfizionisimis mit ihrem Antiscmitismus. Aber dieser Kreis ist längst erledigt. Mit Staunen und Genugtuung habe er feststellen können, daß Engländer aller Kreise ihre Hilfe unserer Sache angeboten hätten. Ferner sagte er: ״Die englische öffentliche Meinung verhält sieh vollkommen wohl• wollend gegen den Zionismus. Die Eng•!linder vertrauen der schöpferischen Kraft des jüdischen Volkes. Die englische Regierung hat den Zionismus mit dem Mandat übernommen und in diesem Sinne wird sie ihr Versprechen halten.“ Der Vatikan und Palästina. Zufolge einer Reuter mdduug aus Rom wurde der Vatikan ersucht, seine Hai- 1/״o r!,d״n vo!\ Erankreich ausgeübten Schutz über d* fr,!«״, ״״*1״n Heugen Land zu definieren. Laut vorläßliche 11 Informationen ist der Vatikan der Meinung, daß £ Frage von der politischen Lage der Territorien, h' n״;,Tdi־< drv r?.'ck,.'>ra,t ausgeübt weiden sali, ab־ defl'L R°‘,t1sc1e H*« 1n Palästina ist noch nicht . ״ 'r dcr Vertrag von Sevres noch rlmd I britische Mandat noch nicht r Dcc״lllSc btuW bat daher eine ModituiertNitf von dem Status quo ante nach nicht vorgelegt•