Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 11 (8.2.1921)
- Date
- 1921-02-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 71 ADfipetl MöMtl Monds Rede iin Waad ha!r Jerusalem, 18. Januar. A111 Montag, den 16. Januar, wurde im Waad luiir (Jüdisclier Stadtrat) zu Ehren von Herrn l>r. Wcizmann und Alfred Mond eine feierliehe Sitzung abgehalten. Die Gäste wurden von Y eil in, den Rabbinern Kuk, Jakob Meir und pi sch mann (MUraclu), sowie von Ussischkin begrüßt. Ussischkin sprach über den historischen und zukünftigen Wert Jerusalems für das jüdische Volk, l'ssischkin meinte, daß es an der Zeit wäre, die uns nach der Zahl der Juden in Jerusalem zustehenden Rechte in Jerusalem selbst zu beanspruchen. Wir müßten Jerusalem, das eine große jüdische Majorität hat, auch tatsächlich zu einer jüdischen Stadt machen. Wir müssen das ganze Leben Jerusalems, besonders das kommu- Sir Alfred Mond Minister für öffentliche Arbeiten im britischen Kabinett Vorritiender de» ökonomischen Rate» beim Palästina-Grundfonds (Keren Hajessod) der Zionistischen Organisation nale, sozusagen judaisieren und hebraisicrcn, was für das nationale Ansehen im Lande selbst und im Ausland von großem Werte sein wird. Auf die Begrüßungsreden antwortete Sir Alfred Mond, der den ersten Satz hebräisch sprach und dann englisch fortfuhr. Seine Rede wurde von Yeliin Satz für Satz ins Hebräische übersetzt und oft durch Beifallsäußerungen unterbrachen. Er sprach über das ihm zuteil gewordene Glück, zsnn ersten Male in seine Heimat, das Lind seiner Väter, zurückkehren zu dürfen. Hier fühle er sich vereint mit seinem Volke. Er wiederholte, daß die englische Regierung, der er angchört, nach wie vor von den besten Gefühlen dem jüdischen Volke gegenüber erfüllt ist und fest entschlossen ist, das gegebene Versprechen einzuhalten. Wir warten Im Waad hazirim Am K1. Januar besuchten Mond und Wcizmann den Waad hazirim, wo sie nach der Begrüßung alle Abteilungen besichtigten, uin sodann in Bcgleifung von Dr. Lurie einige Schulen zu besuchen. Nachmittags fand dann im Hause Ussischküis in An• Wesenheit von Wciz.n1 am n, Mond, Ussischkin, Kuppin, Warburg, öettingerund Dr. E1 iasch eine Beratung statt. An! 17. besuchten Mond und Wciz• mann weitere Schulen und speisten abends in Gesell- 'eliaft von Samuel, General Dcedcs u. a, bei ds&ischkin. Nach der Rückkehr Monds und Wcizmanms aus Jaffa war für den 25. Januar eine außerordentliche Tagung des Waad Leumi anberaumt. In den Kolonien — In Tel-Awiw Am 18. Januar besuchten Mond und Wcizmann kischon-lc Zion. Mond gab' seiner großen Freude Ausdruck, die Entwicklung dieser ersten, von Baron kotlrschjld in Palästina gegründeten Kolonie durch eigenen Augenschein feststellen zu können. Sie sei um IPsIläsünma schon seit 2000 Jahren auf diese Gelegenheit, jetzt aber trennen uns nur wenige Jahre von der Erfüllung, Es wäre ein Wahnsinn und eine Profanierung des nationalen Gedankens, die Möglichkeit ztizugeben, daß uns irgend etwas von der Erfüllung unseres Ideales abhalten könne. Vieles habe sich bereits geändert zu unseren Gunsten. Das scheint beinahe wie ein Wunder, noch größer als das Wunder unserer zweitausendjährigen Existenz. Nun aber ist die Zeit der Wunder vorbei. Jetzt brauche man Taten, Taten von Menschen, die im Bereiche der Wirklichkeit liegen. Erwerdenicht nach lassen, und werde es nicht zulassen, daß andere Juden den Mut fallen ließen. Er möchte hiermit nochmals betonen, daß er es auf sich genommen habe, in England eine Körperschaft aus Männern von Kapital und Erfahrung zusammenzubringen, um das Land aufzubauen. Unser Gebäude muß von ewiger Dauer sein, Sir Herbert Samuel Oberkom1m*0ar von Palästina daher muß das Fundament, besonders gut gelegt sein. Ferner sprach Mond noch über die Beziehungen zu den Arabern und schloß seine Rede mit folgendem Versprechen; ״Ich versichere Ihnen, daß ich alles tun werde, was in meiner Kraft, in meinen Mitteln und in meinem Einfluß liegt, mit Energie und Enthusiasmus, mit dem tiefen Gefühl der Ehrfurcht, das jeder Jude seiner Heimat gegenüber empfindet, uin diese große Pflicht gegen unser Volk zu erfüllen.“ Die mit großer Erregung gesprochene Rede machte einen tiefen Eindruck auf die Anwesenden. Auch Dr. Wcizmann dankte für die Aufnahme in knappen Worten, worauf die Sitzung mit der ״Hatikwah“ geschlossen wurde. Am Ausgang wartete eine große Menge, die die Gäste begeistert begrüßte. die Grundlage des bestellenden Jischub wie auch des zukünftigen. Nach Besudi der Kelter Rischon-lc-Zlons begaben sich Mond und Wcizmann nach Rechoboth und N c s Z i o n a h und sodann nach T cl-Awiw, wo ihnen ein besonders feierlicher Empfang bereitet wurde. Auf die Begrüßungsansprache Discngoffs antwortete Mond in einer halbstündigen Rede, worin er die pessimistischen Bedenken Discngoffs zu zerstreuen versuchte. Alle Bedingungen sprächen für uns. Die Krise sei eine allgemeine und Geld werde aufgcbracht werden. Die Juden, die in der internationalen Finanzwelt eine so große Rolle spielen, werden sicherlich auch den Aufbau eines so kleinen Landes bcwcrkstelligen können. Die beiden von ihm besuchten Kolonien bewiesen, daß wir aus dem Nichts zu schaffen verstünden. Abends besuchten die Gäste die Gesangsei title ״Sulamith“, wo ihnen zu Ehren ein musikalischer Abend veranstaltet worden war. Am nächsten Tage besuchten sic das Stadthaus in Jaffa und das Gymnasium in Tel-Awiw, um sich sodann nach Petacb-Tikwah zu begeben. Am Samstag gedenken sie Haifa und Tiberias zu besuchen. Rundschau Das Mandat — Der Wechsel in der englischen Orientverwallung — Alfred Mond und Herbert Samuel - Der Israelit und Palästina — Vom Joint R.W. Berlin, 7. Februar. Der Mandatsvertrag für Palästina, dieses für die nächste Zukuntt des jüdischen Volkes so außerordentlich wichtige Dokument, das schon vor Veröffentlichung des texte, seit längerer Zeit Gegenstand heftiger Erörterung gewesen ist. ist am 6. Dezember 1620 vom englischen Delegierten Mr. Balfour dem Völkerbund vorgelcgt worden. England hat einen Entwurf vorbereitet, (1er das Resultat langwieriger Verhandlungen mit der Zionistischen Organisation darstellt, und über den auch bereits eine Einigung mit der französischen Regierung herbeigel ührt worden ist. Dieser Entwurf war bisher in seinem Wortlaut nicht bekannt, nur einzelne Punkte sind in die Oeffentlichkcit gedrungen. Nunmehr gelangen wir unmittelbar vor Erscheinen dieser Nummer unseres Blattes, das sich deswegen verzögert hat, in den Besitz des vollen Textes des Entwurfes. Der Wortlaut ist weder von der Regierung noch von der Zionistischen Organisation veröffentlicht, sondern vom ״Jewish Chronidc“, und es ist nicht ersichtlich, auf welchem Wege das genannte Blatt in den Besitz des Dokumentes gekommen ist Wir können unter dem unmittelbaren Eindruck des Entwurfes der allerdings, da er vom Völkerbund noch nicht bestätigt ist, vielleicht noch nicht die definitive Fassung darstellt, in den Einzelheiten kein abschließendes Urteil fällen. Es bedarf dazu eines eingehenden Studiums, das durch die schwierige und oft unklare Ausdrucksweise des Textes er- Schwert wird. Immerhin kann heute schon festgestellt werden, daß dieser Vertrag tatsächlich eia historisches Dokument ist. Die Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina wird feierlich anerkannt, das Ziel der Schaffung einer nationalen Heimstatte lür das jüdische Volk neuerlich als die Aufgäbe der Mandatarmacht proklamiert. Die Zionistische Organisation wird als völkerrechtliche Vertretung des jüdischen Volkes anerkannt und soll die Mitarbeit aller jener Juden sichern, die den Aufbau Palästinas als jüdische Heimstätte wollen. Dies allein sind ungeheure Erfolge und sie krönen die aufreibende, unendlich hingebungsvolle politische Arbeit der zionistischen Führer, vor allem Weiz״ manns und Sokoiows, die trotz aller Antagonismen das Werk zu diesem Abschluß gebracht haben. Viel• leicht wird es notwendig sein, an Einzelheiten des Mandates Kritik zu üben. Aber cs ist gar nicht abzumessen, welchen Fortschritt dieses Dokument gegenüber dem Zustand von 1914 bedeutet. Das Mandat ist noch nic'it der Judenstaat; aber es bietet schon im gegenwärtigen Augenblick die größten Möglichkeiten für jede jüdische Aufbauaktion, die als Abschluß der Entwicklung den Judenstaat bringen kann. Der Wechsel, der sich in der englischen Regierung vollzogen hat, wird für die Verwaltung Palästinas zweifellos von einer gewissen Bedeutung sein. Im Zusammenhang mit der Ernennung Lord Readings zum Vizekönig von Indien ist bekanntlieh Lord Millner vom Kolonialamt zurückgetreten und Winston Churchill, der frühere Kriegsminister, ist zum Leiter des Kolonialamts ernannt worden. Da die Kontrolle der dem englischen Mandat unterstehenden Territorien vom Foreign Office auf das Kolonialamt übergegangen ist und sonach auch Palueti״a nunmehr in dieses Mini* steriurn rcssortiert, ist es von großer Bedeutung, welche Haltung der englische Kolonialminister der jüdischen Sache gegenüber cinnimmt. Churchills Haltung in der Judenfragc war bisher zumindest eine zweideutige. Er hat wiederholt die unsinnigsten antisemitischen Argumente gebraucht und ist besonders scharf gegen die Juden als Träger des Bolschewismus hervorgetreten. Er steht in nahen Beziehungen zu der antisemitischkonservativen ״Morning Post“. Dem Zionismus steht Churchill allerdings etwas freundlicher gegenüber, wenn auch aus einer etwas schiefen Auffassung der Sache heraus. Bekannt ist sein Artikel über ״Zionismus und Bolschewismus“, in dem er den Zionismus begrüßt, weil er die Juden vom Bolschewismus fernhalte. Es ist zu hoffen, daß Churchill, wenn ihn sein Amt zu einem cingehen־. deren Studium des Zionismus zwingt, auch über diese Dinge etwas verantwortlicher denken wird. Im übrigen ist es noch׳ sehr zweifelhaft, ob Palästina diesem Amt unterstellt bleibt, ln der letzten Zeit ist es beinahe zur Gewißheit geworden, daß ein neues Ministerium des Middle-Eeast geschaffen werden soll, das die ganze Politik in