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Jüdische Rundschau · 1921-02-01 · Heft 9 (1.2.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 9 (1.2.1921)
Date
1921-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 57 ן 9 lid\ lengibt Um• Bjcteil, Kv- Uislieh tsd Ke-!raen« ■sen das «11• imler mri der e runein in get l<£. en- «tu ncs ncr »erall gc- יי™ jge kn ag er 1<2; ־sii -8» So ״k didu »st B״ toc• -!fn Nr. 9 JUED1SCHE RUNDSCHAU * «tit einer nachlässigen Handbewcgting das ganze ״Ariernun“ von der Tafel der Wissenschaft in eien Kehricht des Aberglaubens gefegt werden kann, überkommt einen in gleichem ״Walk Ekel und Schrecken vor dem borliierten Dünkel einer in Deutschland nach Hun.ierttausenden zählenden Sippschaft, die mit blinder Ziihigkeit an einem Idol hangt, nur weil es ihr gestattet, sich selbst aimibeten. Die ganze alldeutsche Kassentheorie und der von ihr nicht nt trennende RassenantiscmiUsmus sind aufgebaut auf dem Gegensatz Aricrtum — Semitennun, das hcälit: Edelrasse und Otterngezücht. Nehmt unseren Alldeutschen den Wahn, sie seien durch das Wunder ihres Blutes Krone der Schöpfung, und ihre;.׳oUbcstimmteii Herrscher, so nehmt Ihr ihnen Stab und Stütze ihres geistigen Daseins, das nur von dieser Lüge lebt. Längerer Ausführungen bedarf es, um die ״Ger• ir.anentheorie“ als ״Dichtung unter Ausschluß der Wahr- .!eit“ zu erweisen. ״Die einzig kulturfähige Rasse ist die weiße, der einzig wirklich schöpferische Typus der j hochgewachsene, blonde, blauäugige Germane.“ Es gibt j Hierfür weder einen wissenschaftlichen Beweis noch j empirische Anhaltspunkte. Es ist, wenn man so sagen will, eine reine Wunschphantasic, auf der sich die Germaueutheorie als Ergebnis eines pathologischen Denk- Prozesses aufbaut. Da der Augenschein mit der Theorie nicht übereinstimmeii will, werden neue Theorien erfundeu, tun die Theorie zu stützen. Es gibt Menschen von unleugbarer schöpferischer Begabung, die offenbar keine Germanen sind? Nun wohl, so sind sie wenigstens Abkömmlinge von Germanen, Mischlinge, deren Körper zwar die Stigmata der anderen, minderen Rasse zeigen, deren geistige Taten aber für den germanischen Ahn zeugen. Auf diesem sehr einfachen Wege gelangt mail dazu, schlechthin tlie ganze Kultur einschließlich des Papsttums, der Renaissance, der französischen Revolution und des napolconischcn Zeitalters als ein Pro- <iukt germanischen Schöpfertums zu reklamieren. So werden alle großen Männer, trotz Schädelindex und Na^enkoutur, zu Germanen. Und da Christus zweifellos eine derjenigen historischen Persönlichkeiten ist, an denen sich derartige Theorien als wahr oder falsch erweisen in ü s s e n , so gibt es für die Germanenthooretiker nur zwei Möglichkeiten: entweder Christus war eben kein Jude, sondern Germane, oder — er war nicht die große historische Persönlichkeit und die Teiltsehen täten besser, zu Wuotan zurückzukehren, den sie -'ich widerspruchslos so liochgewachsen, blond und blauäugig vorstcHen können, wie sie wollen. Fritz Kahns Darstellung dieser Theorie vom ,.blonden, schöpferischen Germanen“, dein ״Lichtmenschen“, dem der dunkle, unproduktive, minderwertige Jude als Folie gegeiiübcrsteht, ist eine glänzende und genußreich:• Apologetik wider die pscudowisseiischaftliehe Schwarzweißmanier der Gcrmanomaiien.' Es gc* nügt, sich den Inhalt des Buches von Kahn zu eigen zu machen, um mit dem nötigen Rüstzeug versehen zu sein. Das Kapitel über den ״Semiten“ beginnt mit den bezeichnenden Worten: ״Den Ideenpalast der Germaticutheorie können wir mit Gewißheit als einen Götzentempel niederreißen, aber wir sind nicht imstande, an seiner Stelle das Heiligtum der Wahrheit zu errichten . . . Wissenschaft ist negativ, ist Ausschaltung des Irrtums. Sie ist die Quadratur des Kreises. Immer mehr nähert sich das Vieleck des Irrtums dem Zirkel der Wahrheit. Aber niemals wind cs ein Kreis.“ Der Ursprung der semitischen Völker liegt im Dunkeln, gleich dem der indogermanischen. Von beiden sprechen die Geheimnisse des Mythos, sie sind vielleicht Be-! standteile des Glaubens, nicht des Wissens. Es erfordert j eine gewisse Konzentration, um Kahn in diesem Kapitel j zu folgen. Aber es lohnt sich, denn Kahn zeigt mit j überraschende!‘ Ueberzcugungskraft, welch leichtes Spiel I es wäre, die Germanentiieorie in eine Seinitentheorie j umzukehren und mit den gleichen Argumenten zu ״beweisen“, daß die Wellkultur im Ganzen und in ihren wesentlichen Teilen das Werk des ״einzig schöpferischen! semitischen Typus“ sei. Für den Juden weist Kahn nach, daß bei ihm! von einer ״Rasse“ als einem konstanten Wese11s/11st:u1d j so wenig die Rede sein kann, wie bei den ״Germanen“. J Er gibt einen großzügigen mul beinahe künstlerisch; schönen Abriß der jüdischen Geschichte und unterstreicht, l was gemeinhin in jüdischen Schriften nicht gerade in ן den Vordergrund tritt: wie sehr das jüdische Volk 1 ein mixtum compositum aus den verschiedensten Bestand-; teilen ist. Durch Vermischung mit Landesbcwohuern u id ״ Nachbarn, besonders wohl mit den Philistern, in späterer j Zeit ein ausgedehnter Proselytismus sind unzählige einzelue Bestandteile aller Gruppen der weißen und sogar der schwarzen Rasse vom Judentum aufgenommen , worden. Erst etwa mit dein Jahre 1000!1. Chr. beginnt I! jene starke und starre Inzucht, ״die in ihrer Strenge | und Dauer in der Geschichte der westlichen Völker | ohne Beispiel ist. Aus dieser . . . Epoche der Rein-! z'icht ist das jüdische Volk nach allen vorangegangenen! Kreuzungen und Mischungen als eine anthropologisch > umgrenzte Einheit, als eine Rasse hervorgegangen.“ j Eine jüdische ״Rassenthcoric“ wäre genau so unsinnig! und überheblich, wie es die germanische ist. Auf alle j Fragen des Rassciuäßigeii muß der ehrliche Wissen- ' schattier antworten: ignoramus. ״Aber cs ist besser, 1 sich mit sokratischcr Einsicht in die Klause der Be- | sclicidcnheit zurückzuzichen, als, wie die Germanen- | tlicorctikcr es tun, Potcmkinsche Dörfer aufzubauen i und sich an einer Illusion zu begeistern.“ j Das Kapitel über die ״Kultur der Juden“ be- | ginnt mit eine!• eindrucksvollen Schilderung des Ein-! flusscs, den die Bibel, die kulturelle Höchstleistung des i jüdischen Volkes, auf die Menschlieitskiiltur ausgeübt | hat. und nicht 7.11m wenigsten auf die Kultur der Deut- I scheu. ״Die erste deutsche Geistestat in der Geschichte i ist die Uebersetzung der Bibel. Mit ihr beginnt die Gc- 1 schichte der deutschen Nationalkultur. Man überlege 1 sich, wie seltsam es ist: der deutsche Geist erwacht, I will ein erstes Werk, sein erstes nationales Werk voll- | fühlen, — und übersetzt das Volksbuch der Juden in '׳ seine Sprache . . . Streicht inan Schopenhauers ״Welt ׳ als Wille“, das populärste philosophische Werk, oder j selbst Deutschlands volkstümlichste Dichtung, den Faust, | aus dem Bewußtsein der Gegenwart, so risse man keine ן fühlbare Lücke in das Gedächtnis der Zeit. Aber un- ( denkbar ist die heutige Kultur ohne die Bibel. An j ihr sind die Völker Europas groß geworden. Au ihr ן haben die Nationen lallen gelernt. Sie ist die Ammenj milch der Geister.“ Diese jüdische Kulturtat hat eine antisemitisch orien- ■tierte Wissenschaft als ״Plagiat“ hinzustcllcn versucht, Delitzschs ״Bibel und Babel“ versuchte, das Judentum zu diskreditieren, indem cs die babylonischen ״Fundauu.'iite“ seiner Weltanschauung und Lebensgcs'.aUuiig bloßlcgtc. Kahn zeigt das Falsche der Fragestellung, die jene Seite dem jüdisch-babylonischen Problem gegenüber cinnahm. Nicht das erscheint wurderbar, daß im Jüdischen Babylonisches sich findet, sondern wie diese Elemente dort gestaltet worden sind. Erstaunlich ist nicht die äußere Uebereinstimmung zwischen dem ״sabatu“ Babels und dein ״Schabbaih“ des jüdischen Gcsct7.cs: bcwuiiderswert aber ist die Wandlung vom ״Unglückstag“ des babylonischen Aberglaubens zum weihevollen Ruhetag der monotheistischen Well auffassung. In diesem Teile des Buches finden sicfi einigt* Gedankengänge, die zur Kritik heraiisforilern. So wenn Kahn unter Gleichsetzung von Semitismus-Babylonismus dazu gelangt, im Juden den ״Protestanten“ gegen den Srniitismus zu schildern, ihn sozusagen zum echten, zum legitimierten ״Anti-Semiten“ zu stempeln. Ohne hier auf die Frage näher cingclicn zu können: diese Antithese ist zu geistreich, um wahr z.1 sein. Kahn hebt dann drei Persönlichkeiten als die Repräsentanten des jüdischen Geistes vor der Weltgeschichte* heraus: Moses, Christus, Marx. Ueber jeden von diesen dreien weiß er Dinge zu sagen, die nach Form und Inhalt gleich lesenswert sind. Aber gegen seine Schlußfolgerung erheben sicli Bedenken: ״Mosas, Christus, Marx sind drei Repräsentanten einer spezifischen Rasse und Rassenveranlagtiiig, die in der Eigenart ihres Wesens und ihrer Leistlingen in der Geschichte der Menschheit einzig daslelit und der durch diese Einzigartigkeit der Begabung, — wie jedem anderen Kulturvolk, — eine bestimmte Mission im Dienste der Menschheit zufällt.“ Kahn klassifiziert nach dein Wesen der genialen Vcranlagung und im Hinblick auf die Manifestationen de.־; jüdischen Prophctismus, Moses, Christus und Marx, die ״Genies der Seele“, nennt er den Juden den Ethikcr. Nicht weit davon stellt derSatz: ״Acsthelisicrende Völker,; wie die europäischen, haben es leicht, vielseitig zu sein! Ethische, wie die Asiaten, vermögen es nicht.“ Nun, man wird das Empfinden nicht los, als ob hier eine; Selbstcinschätzung vovliege, der gegenüber man äußerst! kritisch sein sollte. ״Acsthctisicrcndc“ und ״ethische“ : Völker, ist diese Gegenüberstellung erlaubt? Es ist hier j nicht der Ort, gegen Kahn mit Beweisen zu poleitiij sieren. Wenn überhaupt auf diese Dinge hingewiesen 1 wird, so geschieht cs aus der Vorahnung einer Gefahr 1 heraus: hier scheint der Anti-Chamberlain von seinem! Gegner irgendwie infiziert. Die Juden das ethische j Volk, der jüdische Genius das ״Scclengenie“, - es! schmeckt uns nicht, die wir uns eben von Kahn die j Unhaltbarkeit der Gerinaneniheorie beweisen ließen! Es ■ ist doch zweifellos, das Volk, das unter den elbischen | das ethischste, das Genie, welches ״Scclengcnic“ wäre:; dieses Volk und sein Genius, sie ständen hoch über j allem andern Volk und allem andern Geist! Worin aber 1 unterscheidet sich diese Theorie von der der Gennano-! manen? Kahn hat das hübsche Wort von der ״Seelen- | rasse“ erdacht. Will er auf ihm eine neue, eine jüdische j ״Rassentheorie“ aufbauen? Ein Volk der Ethik zu werden, ist eia Ziel, jeder Nation erlaubt, fast geboten. Volk der Etltik sein zu wollen, durch ״eine spezifische Rasse und Rassen- Veranlagung“, scheint uns die größte Gefahr für jenes. Ziel. Demi wie wollte man werden, was man ohnehin ist? Das sollte zum Schluß noch gesagt werden: wir wollen als freies und gleiches Volk in der Reihe der andern Völker stehen. Wir kennen keine ״Rassentheorie‘•, die uns verpflichtete, uns minderwertig zu fühlen. Der Himmel möge uns vor jener andern bewahren, die uns in die eisige Höhe des ״Ucbervolkcs“ erhöbe. Kahns Buch ist trotz alledem schön und wertvoll, schöner und wertvoller als das meiste dessen, was bisheb über diese und ihnen verwandte Fragen gesagt worden ist. Und daß wir just am Schluß ״nein“ sagen müssen, fällt uns um so schwerer, als wir den größten Teil dieses Buches mit aufrichtiger Genugtuung begrüßen können. C. Z. Klötzel. ßüchersehau! Davidsohn: Beiträge zur Sozial- und Wirtschafts• i gcschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation.! Verlag Louis Lamm, Berlin 1020. ln einer auf umfassender Bearbeitung urkuiulj iichen Materials gestützten Arbeit über die jüj (tische Bevölkerung Brandenburgs im Mittelalter; (und der frühen Neuzeit) kommt der Verfasser zu dem Schlüsse, daß die Juden Brandenburgs | die gleichen ökonomischen und sozialen Verhältnisse I wie die übrigen deutschen Juden dieser Zeit anfweison | und wie in von Caro zu umfassender Darstellung ge- * 1 bracht wurde. Für die Vertiefung dieser Annahme 1 durch deren Erhärtung in einem Spezialfall muß mau 1 dankbar sein. Allerdings führt die ״objektive“ Eiusiel- . lung des Chronisten, die der Verfasser eingangs betont,; sehr leicht zur alleinigen Wertschätzung der öffentlichen ׳ Urkunden, da nur diese halbwegs zugänglich sind, und unterstiUzt apologetische Absichten, ohne daß dies in; der bewußten Absicht des Verfassers zu liegen braucht. : Ist das insolange unbedenklich, als nur die früheren i Verhältnisse, über die man wohl niemals rechte Klarheit erlangen wird, behandelt werden, so kann es bei der Fortsetzung der Arbeiten — die vorliegende scheint nur Einleitung zu einer größeren zu sein, in der auch spätere Epochen behandelt werden — zu einer Vernichrung der jüdischen Wissenschaft führen, die aus Eifer, Irrtümer und Böswilligkeiten zu erklären und zu bericlitigen, ins Gegenteil uinschlügt und Tatsachen verschleiert. Berlin. Erwin K 0 h n. Dr. Max KoÜenschcr: Die polnische Staatsimgchörigkeit, ihr Erwerb und Inhalt für Einzelpersonen und Minderheiten, ilargcstellt auf Grund des Staalsvertrages vom 28. Juni 1919. Berlin 1920, Franz Vahlen, Preis 4.— M. Diese Schrift, deren rechtswisscnschaftüchen Wert ich bereits in der ״Juristischen Wochenschrift“ gewürdigt lialic, ist meines Wissens der einzige bisher erschienene Kommentar zu dem 90g. Minoritätenvertrag. Die Entstehungsgeschichte dieses Vertrages ist bekannt, ebenso die Leidensgeschichte seiner Einreihung in die polnische Gesetzessammlung. Trotzdem der Vertrag von der polnischen Regierung ratifiziert und: vom Sejm, dem polnischen Reichstag, am 31. Juli 1919 genehmigt wurde, so wurde er dennoch nicht veröffentlicht, obwohl er orga- ׳!lisch in den Friedonsvcrtrag gehört. Die Behörden hielten. I sich nicht an den Vertrag, und zwar mit Recht, da für sie nur dasjenige Gesetz bindend ist, das in der vorgeschriebenen Weise kuiidgcmacht wurde. Hunderten von Juden, die auf die polnische Staatsangehörigkeit Ansprucii halien, wurde sie abgesprochen, die der jüdischen nationalen Minderheit zugestatidetien Rechte verweigert. Nun ist dieser Vertrag, die Grundlage der küiifiigcn polnischen Natioiia'itätcngesetzgebiing, auf Drängen der jüdischen Abgeordneten endlich veröffentlicht und dadurch Gesetz geworden. Kollenscher hat seine Aufgabe vorbildlich gelüst. Seine klaren und juristisch sehr scharfen Ausführungen eröffnen uns den Einblick in die mannigfachen Möglichkeiten, die für die jüdische Minderheit bestehen, wenn der Vertrag von der polnischen Regierung eingehaltcii wird. Das kleine Werk kann jedem, der sich für jüdische Fragen interessiert, insbesondere auch Nichtjuristen, aufs wärmste empfohlen werden. Berlin-Hamburg, Dr. Wilhelm Fink. Das erste Buch der Makkabäer. Uebersefzt und er- I klärt von Dr. Consta nt in Gutberiet. (Alltest. 1 Abhandlung, Herausgcgebc» von Prof, Dr. Nikel, j Bd. VIII, Heft 3/4.) VIII u. 262 S. Aschendorff, : Münster. 30 M. j Das erste Buch der Makkabäer ist bekanntlich nicht : im hebräischen Urtext, sondern nur in einer griechi- 1 sehen Uebersetzung auf uns gekommen. Diesen griechi- I sehen Text veröffentlicht ein katholischer Gelehrter nun; mit deutscher Uebersetzung und Kommentar, der das | Verständnis des Textes erleichtert. Das Buch, das in : den Kanon der heiligen Schriften nicht aufgenommen wurde, gibt den Bericht über eines der stolzesten Kapilel der jüdischen Nalionalgeschiclitcn, von den Juden- Verfolgungen des Antiochus bis zun Tode Simons, des Sohnes des Mattathjahu, umfaßt demnach etwa 40 Jahre. Der Bericht ist im Vergleich zu dem zweiten Makkabäerbuch sachlich und von nationalem Selbstbewußtsein erfüllt. Das vorliegende Werk kann dazu beilragen, das auch in unseren Kreisen noch wenig bekannte Buch zu popularisieren. t. Moskau 1920. Tagebucliblätter von Dr. Alfons Gold Schmidt. Berlin 1920, Ernst Rowohlt Verlag. 11 M. Dieses Buch ist eine Sammlung von feuillelonartigen Skizzen, die auf der Reise nach Moskau gewissermaßen als Nebenprodukte einer wissenschaftlichen Volkswirtschaftlichcn Arbeit entstanden sind. Sic sind aber mehr als bloße Feuilletons; sie eröffnen blitzartige Pcrspektiven, Einblicke in eine werdende neue Well, die von ו der Parteien Haß und Gunst umwogt, dem westlich . europäischen Menschen heute kaum erkennbar ist. AU-; zuviel tendenziöse Schleier sind über Rußland gebreitet. ׳ Auch diese Schrift klingt manchmal apologetisch, aber sic ' ist durchpulst von wahrhaftem Erleben, sie beschönigt 1 vielleicht, aber sie* erkennt das Gute ar» und will Verstanduis für Werdendes wecken. Carum sollte es jeder lesen, 1 bevor er stimrniitigsir.äüig urteilt. Denn mehr als ' Stimmung ist darin kaum gegeben, es ist kein wissen- : schaftüchcs Buch, das endgültige Urteil muß dem zweiten; Werk Goldsclmiidts Vorbehalten bleiben. Dies hier ist! auch kein politisches Buch. Es schildert das Leben von j allen Seiten, es zeigt die Veränderungen in dieser für 1 uns Juden so wichtigen Osthälftc Europas; leider er- * I zählt der Verfasser nichts vom jüdischen Leben, aber j er schildert mehrere Juden (auch eine Jüdin), Men- , sollen von ungeheurer Spannkraft, Organisationsgabe •und reiner Moralität, bescheidene und leidenschaftliche Arbeiter für ihre Idee. Einer, der Finanzchef des Textiltrustes, Plawnik, ist nach Goklschmidt einer de: besten i hebräischen Schriftsteller Rußlands und redigiert eine hebräische Zeitschrift. — Ein seltsames, interessantes I Buch, wenn auch nicht in allen Einzelheiten überzeugend 1 und stellenweise etwas salopp. W, ן Hebräische Sprachlehre. Grammatik, Vokabular und j Ucbungsstücke von Prof. Dr. Wilhelm Lotz. 1 Dritte durchgesehene und vermehrte Auflage. Lei]!- j zig 1920, A. Deichertschc Verlagsbuchhandlung. I D'!esc. Grammatik eines protestantischen Gelehrten j führt in die Formenlehre der Sprache der Bibel ein. Sic | ist allerdings nur für Menschen mit humanistischer Sprach- 1 bildung benutzbar. Ein kurzes Wörterbuch ist beigej geben.

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