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Jüdische Rundschau · 1921-01-28 · Heft 8 (28.1.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 8 (28.1.1921)
Date
1921-01-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m) Iner Jab- *bi- 2״ em ine ker mit c ht, •esmg arn *ohl (em fügt jtcr, |cr- Iter fsae?»ge Per »«3 Jadi die 'der Pas tritt Nr. 3 ׳JUBDUBCHB RUNDSCHAU Seite 4 ׳ Erez-Israel ״Eine psychologische Krise“ Welzmann und Mond 2n Jerusalem Jerusalem, 20. Januar. (J. C. B.) Dr. CliaLm Weizinann und Sir Alfred Mond wurden von der liicsigen jüdischen Gemeinschaft herzlich begrüßt. Unter den Rednern, die die Gäste begrüßten, befanden sich Rabbi Meir, Rabbi Kuk, David Yellin und M. Ussischkin. Sir Alfred Mond antwortete auf die an ihn gerichtete Begrüßung in begeisterten Worten. Er sagte, Palästina sei ein Land von großen Möghciikeiten, und keine Macht in der Welt könne die Juden •am Aufbau ihrer nationalen Heimstätte hindern. Die Schwierigkeiten seien verhältnismäßig klein. Seine eigenen Freunde, Leute von großem Einfluß, Erfahrung und Mitteln, seien bereit, mit allen ihren Kräften beizustehen. In Palästina ist Raum genug für eine jüdisch• nationale Heimstätte, sowie für eine blühende arabische Gemeinschaft. Dr. W e i z m a n n besprach die zionistische Lage und sagte, die in der Zionistischen Organisation eingetretene Krisis sei nur eine psychologische, und er habe die feste Ueberzcugung, daß sie überwunden werden wird. Einen tiefen Eindruck machte seine Erklärung, daß Sir Alfred Mond jetzt einen Teil der Verantwortung bei samt• iiehen zionistischen Arbeiten trage. ■ Jerusalem, 20. Januar. (J. C. B.) Dr. Weizmann und Sir Alfred Mond verließen Jeru* salem, um eine Tour durch die jüdischen Kolon i c n zu machen. Gesellschaft zur Förderung der Wirtschaft*״ liehen Entwicklung Palästinas Die Herren Churgin (früherer Leiter des OeivoKsenschaftswesens im Gouvernement Minsk), No wo* mejski (Ingenieur aus Sibirien), Slizan (Mitglied des Zionistischen Zentralkomitees für Rußland), Supersky (früherer Direktor des Lebensmittelamtes im Gouvernement Charkow), Kassel und J. Rosoff gründeten in Jaffa eine Gesellschaft zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas. Zweck der Oe- Seilschaft ist die Erforschung der Naturschätze Pa- Listinas, seiner ökonomischen Lage und* seines Warenbedarfs. Privatunternchmungen und Gesellschaften, die in Palästina Kapital investieren wollen, sollen mit zuverlässigen Auskünften versehen werden. Die Haltung der Misrachi Die patentierte Orthodoxie, die allein das Monopol auf Frömmigkeit zu besitzen vorgibt, wendet jetzt alle Mittel an, um einen Keil zwischen den Misrachi und die zionistische Weltorganisation zu treiben und auf diese Weise eine zionistenreinc Organisation für den Aufbau Palästinas zu schaffea Zu Ehren des Misrachi muß aber gesagt werden, daß mit dem Wachsen seiner Macht innerhalb der Organisation, auch sein Verantwortungsgefühl gestiegen ist Er weiß, was er der Organisation in der Vergangenheit und Palästina in der Zukunft schuldig ist und treibt keine unnütze Opposition. Seine zur Zeit der Wahlen in Palästina noch schwankende Politik ist in eine feste loyale Zusammenarbeit mit der Organisation übergcgangeäi. ״H a t o r“, das Organ der palästinensischen Misrachisten, schreibt über die Zumutung der ״Agudas Israel“: ״Die ,Aguda‘ lut ihre Front von Bratislava nach London verlegt und Sir Stuart Samuel aufgeboten, um den Misrachi zu beeinflussea In einer nichtoffiziellen Sitzung stellten sie als die einzige Bedingung der Zusammenarbeit den Austritt aus der Zionistischen Organisation. Selbstver- ■rundlich wünscht der Misrachi die Einigung, aber die Einigung des ganzen Volkes, ohne die Nichtorthodoxen auszuschließen. Die Aufbauarbeiten, die das religiöse Leben nicht berültren, sollen und müssen zusammen mit der Weltorganisation ausgeführt werden, mit der Organisation, die die Möglichkeit des Aufbaues geschaffen hat Innerhalb der Organisation kann der Misrachi für die Religion in Palästina mehr tun, als außerhalb. Einen Beweis hierfür bietet die Konferenz in Klausenburg, die von einem Rabbiner eröffnet wurde, und in der die misrachistischen Delegierten viele Reso- Ltioncn durchgesetzt haben.“ Ferner bespricht ״H a t o r“ die durch die Konv'tirtion von Buffalo geschaffene Lage und bemerkt hierzu: ״Die Zionistische Organisation war es, die uns mit vieler Mühe und unzähligen Opfern die Balfoursche Deklaration und den Beschluß von San Remo gebracht hat. Sie hat durch Organisation und Propaganda, Kolo- ״isation und Diplomatie die Finanz- und Kulturinstitute geschaffen, die unsere Zukunft bauen sollen.“ Vor einiger Zeit sagte der ״Schweigende Führer“ (Brandeis): »!Wir hätten drei Sachen nötig: Zeit, Geld und Disziplin,“ *her sonderbarerweise war er es, der die Disziplin zuerst gebrochen hat Sprengungsversuche von mißen, Disziplinbruch von mnen — beides müssen wir bekämpfen, wenn wir etwas erreichen wollen. Nationale Strategie Von Oiajim Ahron Krupnik. Es war im Winter 1908—1909. Die unblutige türkische Revolution war eben vollbracht, und die zionistische Welt blickte voller Hoffnung auf die neuen Helden — Enver-Bey, Talaat-Bcy und Genossen. Man sagte sich, daß die europäisch geschulten Retter der Türkei doch fern sein müssen von jedem Chauvinismus, daß sie jede Nation werden ebenso frei sich entwickeln lassen, wie sie es für die Türken selbst wünschen, und daß sie sielt der Juden bedienen werden, um der Türkei Menschen, Energie und Geld zuzuführen. Unter der Begleitung dieser ״diplomatischen“ Zukunftsmusik Sand die größte Versammlung der Mitglieder des Odcssaer Palästinakomitees unter dem Vorsitz Ussischkins statt. Diese Versammlung bedeutete einen Wendepunkt in der praktischen Palästinaarbeit des Komitees. In einer prachtvollen Schlußrede sagte Ussischkin unter anderem: ״Wir müssen unsere Arbeit über ganz Palästina ausdehnen, von Metullah bis Kastinie.“ Diese neue Bezeichnung Palästinas, statt der alten: ״von Dan bis Ber-Schcwa“ rief großen Beifall hervor. Die alte historische Grenze ist gefallen. Die neue Grenze ist unsere, die von uns geschaffene, durch unsere Arbeit bestimmte. Die alte können wir nicht abändern; die neue hängt von uns ab: mit unserer Arbeit dehnt auch sie sich aus. Metullah war damals eine junge Kolonie, die nördlichste. Joschua Ossowjetzky kaufte sie von den Drusen. Eine vollkommen ״unkaufmännische“ Transaktion. Die Kolonie war weit von Jaffa, der Verkehr schlecht, die Drusen wild und rauberisch. Dazu kommt noch, daß man den Kauf auf jüdischen Namen nicht eintragen konnte. Das kostete BakschLsch. Die Drusen wußten es, sie machten Ueberfälle, raubten und plünderten, und — wenn ich nicht irre — waren dort auch Opfer zu verzeichnen. Man konnte Ossowjetzky nich* den Vorwurf ersparen, daß Cr jüdisches Geld und Blut vergeudet, daß es besser gewesen wäre, diese Opfer an Gut und Blut iin Lande zu verwenden, in der Nähe der bereits bestehenden Kolonien. Ossowjetzky ist schon längst tot. Wäre er heute in unserer Mitte, er hätte einigen Trost gefunden. Den widersinnigen, durch nichts zu rechtfertigenden Bogen, den die Nordgrenze macht, um Metullah in Palästina einzuvericiben, hat die französische Diplomatie nicht aus einein Pietätsgefühl gegenüber der Formel ״von Dan bis Ber-Schcwa“ gemacht, sondern aus Respekt vor der zweiten Formel, der Formel des jüdischen Schweißes und des jüdischen Blutes — ״von Metullah bis Kastinie“. Man hat es nicht gewagt, uns einen Platz wegzunchmcn, der durch jüdisehen Schweiß urbar gemacht, und von jüdischem Blut getränkt wurde. Man wollte das aus ״Prestigegründen“ nicht zugeben und schützte die historische Formel ״von Dan bis B6r-Schewa“ vor. Die unkaufmännische Handlung des Ossowjetzky hat uns die ganze Hulecbene eingebracht. Metullah ist nicht nur ein Dorf von so und soviel Lhmam Boden und so und soviel Einwohnern. Es ist eine nationale Position geworden. Nationale Positionen aber müssen wir uns auch Ln unserem kulturellen Leben sichern. Genau so, wie Palästina nur dann unser sein wird, wenn es von Juden bewohnt und bearbeitet wird, genau so werden wir unser kulturelles Leben nur dann aufbauen können, wenn wir kulturell das Land beherrschen. Die erste Universität in Palästina muß eine hebräische sein. Das gibt dem Lande ein hebräisches Gepräge. Das erste und beste Theater Ln Palästina muß hebräisch sein. Diese nationalen Positionen prägen sowohl den Arabern, wie auch den Ausländern, aber auch den Juden selbst innerhalb und außerhalb Palästinas den Begriff eines jüdischen, hebräischen Landes ein. Diese Imponderabilien soll man bei künftigen Konflikten nicht gering schätzen. Und mit dieser Arbeit kann man nicht lange warten. Die Forderung, die Kosten aller Kulturinstitute mögen vom Lande selbst (d. 11. von der jüdischen Bevölkerung im Lande) getragen werden, ist eine absurde. Bis Palästina einmal imstande sein dürfte, aus eigenen Mitteln eine Universität zu gründen, dürften noch gute 50 Jahre, wenn nicht mehr vergehen. Es wäre aber ein Verbrechen, mit der Universität und den anderen Kulturinstitutionen solange zu warten. Bis dahin haben die Araber längst eine Universität, und uns wird (dann die Regierung vorschlagen, an der arabischen Universität ein jüdisches Katheder oder eine Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums zu gründen. Es wäre übrigens falsch, die Sache so darzustelkn, als ob wir mit der Einnahme dieser nationalen Positionen ausschließlich den Paiästinensern einen Gefallen erweisen. Zionismus ist nicht nur für Palästina da. Nicht nur Palästina hat die kulturellen Positionen nötig. Das ganze jüdische Volk, das wie die ganze Kulturwelt um neue Lebensformen und einen neuen Lebenssinn ringt, braucht diese Kulturinstitutionen, um sich seine Werkzeuge für die Zukunft in eigener Werk- Stätte und nach eigenem Muster zu schmieden. Wir müssen uns einen Plan unseres nationalen Kampfes, eine nationale Strategie ausarbeiten, und nach diesem Plan die nationalen Stellungen einnehmen, die uns unsere Arbeit sichern. Das ist unser Maßstab. Was zu diesem Ziel führt, das ist rentabel. Andere Rentabilität gibt es nicht Die Lebensmittelversorgung Palästinas Ueber die Entwicklung der Lebensmittelversorgung Palästinas erfährt die ״Zion. Korr.“: Das Lebensmittelamt in Jerusalem hat durch Heransdiaffung von Fischen, namentlich vom Genezareth- und Merom-Sec her, eine erhebliche Verbilligung der Fischpreise erzielt Dadurch ist indirekt auch eine Verbilligung der Fteischp.eise eingetreten. Die nach dem Sudan entsandte Kommission teilte ferner mit, daß sie dort eine erhebliche Viehmenge angekauft habe. Außerdem bemüht sidi die Regierung, Kleinvieh aus Zypern einzufüliren. Das gute Wetter, retchiicher Regen und reichlicheres Futter halte» auch auf die Milchpreise druckend gewirkt. Aus Australien wurde Mehl eingeführt, worauf die Preise aller Getreideprodukte fielen. Die spekulativ zurückgehaltenen Getreidemengen gelangen zurzeit zum Verkauf. Auch Holzkohle ist sehr gefallen, und man erwartet einen weiteren Preisrückgang, namentlich dadurch, daß die Eisenbaiindirektion sie billig an Private abgibt Was folgt daraus für unsere Kaufleute? Wärt es nach ihnen gegangen, man hätte sich bemüht, sämtliche 50 Kolonien, die wir haben, möglichst an einer Stelle zusammenzuballen. Sie hätten bestimmt weniger gekostet. Man hätte besser die Maschinen, das Vieh, die Schulen, das Sanitätswesen ausnützen können. Man■ hätte sogar eine größere Anzahl Juden ansiedeln können. Aber die Nordgrenzen wären jetzt weit südlicher gesteckt worden, als es sogar der Sykes-Picot-Vertrag gewünscht hatte. Man kann in der Politik nicht etwas verlangen mit der Motivierung, daß man es einmal brauchen wird. Man kann aber das verlangen, was man bereits besitzt. Hätten wir doch vor 20 Jahren ein paar Kolonien 20—30 km nördlich von Metullah gegründet 1 Sie Wären unrentabel, sie hätten wahrscheinlich sogar noch mehr Opfer und Geld gekostet. Sie hätten uns aber viel mehr ge* holfen, den Litani zu bekommen, als der Zukunftwechsel auf den Plan Rutenbergs, zu dessen Durchführung wir den Litani einmal brauchen werden. Man hätte der lächerlichen Linie nicht noch lächerlichere Formen geben können und hätte die ganze Nordgrenze höher gezogen. Dasselbe gilt von dem Osten. ]Wir hätten uns nationale Positionen sichern müssen. Ein Staat ist kein rentables Unternehmen, keine O. m. b. H. Wer einen Staat baut, einem Staat angehört, haftet für ihn mit seinem ganzen Vermögen, ja mit seinem Leben. Die Juden in Mesopotamien Aus Bagdad wird dem ״J. C, B,“ berichtet: Di mesopotamische Judenschaft hat letztens infolge der an. bischen Pogrome schwere Zeiten mitmachen müssen Viele Juden, besonders in den Dörfern, wurden ausgeplündert, geschlagen und oft getötet Die ZaliJ der Opfer und Waisen wuchs zusehends, so daß die Bagdad«■ jüdische Gemeinde sich gezwungen sah, etwas zur Rettung der Pogromopfer zu tun. Auf Initiative der dortigen Jugend wurde ein Hilfskomitee geschaffen, das durch seine intensive Arbeit zugunsten der Pogromopfer ihre Lage bedeutend gebessert hat Ein aufsehenerregender Fall ereignete sich in der jüdischen Gemeinschart Mesopotamiens. Die dortige jüdische Jugend beschloß, den existierenden jüdischen Repräsentanteurat, der die Interessen der Gemeinschaft vernachlässigte, zu stürzen und einen anderen zu wählen. Die Wahlen wurden unter Leitung des Bagdader Oberrabbiners gehörig durchgeführt, doch als die Namen der Gewählten bekannt wurden, erklärten die gesetzlichen Führer, die Gewählten hielten nicht strikte den Sabbat und sie legten Nachdruck darauf, daß der Rat aus von ihnen ernannten Mitgliedern bestehen soll, die Moses* Gesetze strenge beobachten. Schwedische Handelsbemühungen in Palästina. Nach einer Mitteilung der Jerusalemer hebräischen Tageszeitung ״Haarez langte nach vorheriger Ankündigung 86״•f schwediscben Konsuls am 20. Januar das schwedische Kriegsschiff ״Siglia“ in Jaffa an. Das Schiff kam im Aufträge der schwedischen Regierung, die aul ihm einen Vertreter entsandte, welcher untersuchen sollte, wie man den Handelsverkehr zwischen Schweden und lalastma nebst Hinterland ausgestalten könne. Auf dem Schiffe befand steh ferner eine schwimmende Industrieaussteilung, die während des viertägigen Aufenthaltes des oCfuifes ki Jaffa von jedermann besiCHtigt werden konnte,

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