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Jüdische Rundschau · 1921-01-28 · Heft 8 (28.1.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 8 (28.1.1921)
Date
1921-01-28
Page
– (sequence 2)
Language
German
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: utc• 48 und nidu einmal den Schatte» eines jüdischen Oe• »einwesens in i'aiiüstina liaben. Vom Standpunkt der Ockonomie mag es eine großartige Reform scheinen, wenn verlangt wird, daß das jüdische Palästina seine Schulen •selbst erhalten muß. Vom Standpunkt der Politik, der zukünftigen staatlichen Entwicklung des Landes ist die Forderung eine grandiose Torheit. Die Schulen in Palästina sind nicht Schulen, die nur auf das Bedürfnis der ansässigen Bevölkerung /»geschnitten sind. Brauchen 70000 Menschen sechs Mittelschulen, eine technische Hochsdvtile und eine Universität? Aber das einwandernde Judentum braucht sie, die politische Entwicklung braucht sie, die Forderungen, die wir zu erheben liaben, brauchen sic. Auf wirtschaftliche Positionen muß sich unsere Politik stützen können, sie müssen im Lande geschaden werden um jeden Preis. Es klingt großartig, wenn wir uns heute darauf besinnen, daß wir doch eigentlich ein Volk von Rechnern und von Kauflcutcn sind und daß wir unseren nationalen Ruf schädigen, wenn wir in Palästina Unternehmungen gründen, die nur mit Opfern oder gar nicht haltbar sind. Es Ist schon hundertmal gesagt worden, es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten man das ganze Spiel nicht hätte beginnen dürfen, zumindest nicht, wenn man keinen langen Atem hatte. Es ist etwas viel verlangt, wenn man fordert, daß für die Kolonisation eines Landes wohl Blut, aber kein Geld vergossen werden darf. Kein Tropfen jikliselten Blutes, der in Palästina geflossen ist, ist vergebens geflossen, kein Pfennig, der ins Land, in jüdische Arbeit bincingesteckt worden ist — in jüdisclie! bleibt der jüdischen Entwicklung des Landes seine Zinsen schuldig. Auf Menschen, auf juden muß sich unsere politisclie Arbeit stützen, juden müssen ins Land, sehr viel juden müssen ins Lind, Die politische Arbeit ist auf die Dauer unmöglich, die Position ist nicht zu halten, wenn wir noch ein paar Jahre die verschwindende Minderheit bleiben, die wir jetzt iin Linde sind. Jeder kennt die Schwierigkeiten der Einwanderung, und wir wahrhaftig haben uns oft genug gegen die Phraseologie gewandt, die gerade bei diesem Kapitel so grelle Blasen getrieben hat. Aber ist cs nicht beispiellos, daß die englische Verwaltung des Landes der jüdischen Einwanderung größere Clianccn eröffnet, als die Leitung der Zionistischen Organisation glaubt verantworten zu können? Wir wissen, welch ungewisser Zukunft der Einwanderer im Laude entgegeusteht, wir wissen, daß die ganze Entwicklung des Landes überhaupt noch auf einer sehr schwachen Basis beruht. Es ist keineswegs ausgeschlossen, daß über kurz oder lang Palästina, das sich ja heute auch nicht gerade in rosigen wirtschaftlichen Verhältnissen befindet, von einem sehr schweren Rückschlag betroffen wird, und wir müssen mit der Tat- Sache rechnen, daß es auch möglich ist, daß samtliehe jüdische Anstalten und Einrichtungen des Landes eines Tages vor dem Bankrott stehen. Dies wäre nur eine Katastrophe, wenn es uns passierte zu einer Zeit, wo nur 70000 Juden im Lande sind. Sind es ihrer erst 300000, ist cs nichts weiter als ein Stein auf dem Wege. 300000 Juden in Palästina, das ist die Grundlage, auf die man sich stellen kann, wenn man vor den Völkerbund tritt, AU dies ist nichts Neues und ist sicher jenen Männern bekannt, die aus stärkstem Verantwortlichkeitsgefühl für unser Werk sich heute für seine Einschränkung dnsetzen, die verlangen, daß das Schulwerk abgebaut, daß die Einwanderung gestoppt oder eingeschränkt wird und die mit angstlicher Gcwissenliaftigkeit die paar risikoloscn Mög- Hchkcitcn ausfindig zu machen trachten, die die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas zunächst nur hat. Sic haben ein Argument, mit dem sie unsere Forderung glauben beiseite rücken zu können, beiseite rücken zu müssen. Das Argument heißt wir haben kein Geld. Dies ist allerdings ein schwerwiegendes Argument. Es gibt darauf zwei Antworten: die erste: wir piüssen das Geld haben. Wir befinden uns in einer solchen Lage, daß wir nur die Wahl haben, das Geld aufzubringen oder zugrunde zu gehen. Es ist dieselbe Lage, in der sich die Länder des Krieges befunden haben, und wir haben nur dasselbe Mittet, das diese Länder zum Sieg geführt hat: den Mut der Verzweiflung, Wie immer wir rechnen, was immer wir abstreichen wenn das Werk gelingen soll, bleiben so große Summen nötig, müssen so große Beträge aufgebracht werden für Zwecke, die politisch höchst bedeutsam und absolut notwendig, wirtschaftlich aber auf lange Zeit hinaus zweifelhaft sind, daß wir immer nur vor einer Alternative stehen: entweder wir haben das Geld oder wir können den Voraus- Setzungen nicht gerecht werden, unter denen uns j U E D LS L l i K RUN 1) S L H A V... das Recht auf Palästina erteilt worden ist. Und; die zweite Antwort: wir können das Geld haben. ׳ Es ist schon bewiesen, wir bekommen die Millionen,! wir bekommen den Maasscr, wenn wir nur stark! genug sind, die große Forderung zu stellen, und weil» wir die große Forderung zu großen Zwecken, für den Judenstaat, stellen. Nur dann bekommen wir das Geld, dann ist das jüdische Volk j aufzurüttcln, ist cs bereit, sich zu entäußern. Zeigt j ihm den großen politischen Aspekt, und es ist j bereit, darauf groß zu reagieren. Kein Wirtschaftj lieber Aspekt, den wir ihm in Palästina zeigen ן können, ist groß genug, um das Volk zu erschüttern j und ist viel zu klein, um das Kapital in Bewegung zu setzen. In Amerika, wo man nur von den wirt-! scliaftlichcn Möglichkeiten spricht, hat man bisher! kein Geld bekommen. In den verarmten Ländern j Zentraleuropas, wo wir die politischen Möglichkeiten 1 gezeigt haben, haben wir das Geld bekommen, j Niemand wird uns cinrcdcn, daß das amerikanische j Judentum so grundverschieden ist von dem Judenj turn der Länder, aus denen cs stammt, daß es j unfällig tmd unwillig ist, sich für den großen j Hcrzlschcn Gedanken zu begeistern und nur be- I reit, sich an die kleinen, mehr oder minder gut ausgerechneten Wirtschaftsideale einer kleinen volksfremden Führerschaft zu klammem. Daraus ergeben sich zwei Forderungen: Die eine: Wir können jetzt keine Defaitisten gej brauchen. Wir rechnen ihnen die Kleinheit ihres! Mutes nidlt .111, wir verstehen, daß sie aus einem | hohen Verantwortlichkeitsgefühl heraus handeln, j aber sie können jetzt nicht an der Spitze der Or-! ganisation stehen. Wir sind im Kriege, und unsere j Generale müssen au den Sieg glauben. Wir müssen ן das Volk einigen in dem Glauben an den Sieg, wir i müssen es zwingen, an den Sieg zu glauben, dann | wird es siegen. Es wird Maasscr geben, und wir , werden aus Palästina den Judenstiat machen. Es; ergibt sich eine zweite Forderung: Kampf gegen die Phrase. Wir müssen uns verschwören, uns | der Phrase zu enthalten, wir müssen sic be• j kämpfen, in welcher Gestalt immer sic auftretc, bis 1 aufs äußerste, wir müssen mißtrauisch werden gegen j jetles gesprochene Wort, wir müssen die Tat verj langen und müssen uns gewöhnen, nur mehr die Tat i zu werten. Das war das eigentliche Unglück der l Jahreskonferenz, daß wir Amerika die Phrase gegen-! überstellten, die Redner, die Schwätzer, die Wort- : süchtigen. Wir können dem Amerika der Praxis j nur den Zionismus der Tat entgegensetzen, wir l müssen den Traditionen entsagen, wo sie zum 1 Wort erstarrt sind, den Männern, wo sie zu Rednern j geworden sind. Wie wir keine Defaitisten in der Leitung und an der Spitze der Acmter haben wollen, so muß cs uns Gesetz sein, daß wir! keine Redner in sie entsenden. Die Schmach der I sogenannten Wahl zum Großen Aktionskomitee | bei der Jahreskonferenz darf sich nie wiederholen. J Das ist auch der Weg, wie wir dem Mißtrauen j begegnen, das unsere Sachlichkeit anzweifelt. Es! ist wahr, wir sind nicht davon überzeugt, daß j höchste Wirtschaftlichkeit der einzige Maßstab ist, } den wir heute au die Arbeit in Palästina zu legen j haben. Aber wenn wir mit der eisernen Entj schlossenhcit, mit der wir heute unsere ganze Sache auf diesen einen Keren hajessod stellen, mit der wir j das jüdisdie Volk zwingen wollen und zwingen! werden, den Masser zu geben, an die Gestaltung j der Dinge, an die Verwaltung der Einrichtungen \ herantreten, wenn wir alles auf die Tat entstellen; und nuj• oie Leistung als die Voraussetzung für Amt und Würden gelten lassen, dann wird kein Raum mehr sein für den Vorwurf de! Verschwen* düng, der Versumpfung, der Verzettelung. Ein Programm der Tat, ein politisches Pro-! gramm. Es erweist sich wiederum, daß die prak- : tische Arbeit in Palästina, die Schaffung \on Positionen in Palästina die Grundlage unserer Politik ist. Und es erweist sich, daß wir zu ihrer Ausführung eine starke zionistische Organisation brauchen, Das ist die letzte Konsequenz, die wir ziehen, die letzte Forderung, die wir stellen: dieses wahrhaft verzweifelte, aber einzig zukunftsverheißende Unterfangen verlangt die Geschlossenheit der Glieder, verlangt die Konzentrierung der Aktion, verlangt die Einheit der Bewegung. Mehr als je bedarf unsere Politik jenes Instrumentes, das Herzl uns geschaffen und uns als sein heiligstes Vermächtnis hinterlassen hat: der starken, kistungsfähigen, einheitlich geführten zionistischen Organisation. In Ihr zusammengeschweißt, vermögen wir der furchtbaren Notwendigkeit standzuhalten, der wir begegnen müssen, vermögen wir uns die Mittel zu erzwingen, die Anfang und Ende unserer Aufbau-Arbcit sind. Ohne sie, zerstreut im Raum, sind wir nichts, sind wir nicht einmal imstande, die Einzeluntcmehmungen zu organisieren, auf denen die Hoffnungsarmut, der KJeinglaube das Palästina- Nr. 8 werk notdürftig aufzubauen sucht. Die Organi. sation allein gibt uns auch den Mut und die Kräh zu der Reform an Haupt und Gliedern, deren wir in diesem schicksalsschweren Moment bedürfen, gibt uns die Fähigkeit und die Ausdauer, die uns in den Stand setzen, unsere ganze Arbeit, unser ganzes Sein auf die Politik einzustelien, die allein uns die Erfüllung unseres Verlangens verheißt und die heißt: Palästina aufzubauen so schnell wie wir nur können, mit so viel Menschen wie wir nur haben, und mit so viel Mitteln, wie wir «ur zu beschaffen vermögen. Araber und Juden Der arabische Kongreß in Haifa Die arabische Zeitung ״Iteth ei Mikdasdi“ autwertet auf das Sclireiben des Zivilsckretiirs der paJäsb- Musischen Regierung, welches die Legitimation <10 arabischen Kongresses zu Haifa angcfochtcn hat, in einem Längeren Artikel. Das Blatt schreibt: ״Einige von den MitgUcdcrn des Kongresses wurden von den mohammedanisch-christlichen Vereinen gewählt und durch Organisationen, welche auf legitime und offizielle Art gegründet wurden und welche schon seiner■ zeit vor der amerikanischen Kommission unwidersprochen als Vertreter des Volkes aufgetreten sind. Auch die Regierung hat sic anerkannt. Andere Delegierte wurden von maßgebende» Pcr.-önlichkcitcn der Bevölkerung und von den Vorstehern der mohammedanischen und ciiristliehen Gemeinden gewählt, sowie von den Schä&s der Dörfer und Städte. Der Kongreß war zusammen■ gesetzt aus den angesehensten Personen des Landes, welche die, Vertreter der überwiegende» Majorität de« ganze» Volkes sind und im Name״ des arabischen Volkes von Palästina sprechen, der Mohammedaner und der Christen. Es sei noch hinzugefügt, daß die For• derungen des Kongresses identisch sind mit den For• derungen, die das Volk vo» dem Tage der Eroberung des Landes bis auf den heutigen Tag erhebt, ohne dal ein Mohammedaner oder Christ im Lande dem widersprechen hat Sie haben diese Forderungen auch wieder• holt der Regierung überreicht. Wenn die Regierung Zweifel hat, so möge sie sich mit einer Frage an das V olk wenden. Wir zweifeln nicht, daß das Volk, das die ihm drohende Gefahr sieht, den Kon• greß mit seiner ganzen Kraft unterstützen wird, und wir glauben, daß die Regierung diesem Volk Gerechtig• keit widerfahren lassen muß.“ Arabische Demonstration in Nablus Jaffa, 16. Januar. (J. C. B.) In Nablus (Sychem) fand eine arabische Demonstration statt Die Redner forderten die Anerkennung des «!klängst in Haifa ab• gehaltenen Kongresses als die Repräsentanz des arabi• sehen Volkes. Eine jüdische Aerztin an der Niederlassung verhindert Jerusalem, 10. Januar. (J.C. B.) ln Sychem ist letztens ein Fäll vorgekommen, der die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte. Der dortige Apotheker lud eine jüdische Medizinerin nach Sychcm ein, damit sie sich dort als Frauenärztin niederlasse. Der Ge mcinderat in Sychem, der aus Effcndis besteht, hat ihr aber die Niederlassung verboten, weshalb sie Sychem verlassen mußte. Araber beschäftigen jüdische Arbeiter Ein arabischer Unternehmer, dem die Regierung größere Arbeiten übertragen hat (Wegebau in Tul-Kam und Turo) beschäftigt bei dieser Arbeit 100 jüdische Arbeiter, die sich bei den letzten Cliausseebauten als sehr leistungsfähig erwiesen habe», so daß sie sowohl von der Regierung wie auch von Privatunternehmern anderen Arbeitern vorgezogen werden. Ihr Lohn beträgt 5 sb. (25 Piaster) pro Tag. Von den Chausseebauten 303 Chaluzim, welche auf der Landstraße Tiberia: Setnack arbeiten, halten wöchentliche Zusammenkim ab, auf denen sie zusammen mit zwei technischen Sa verständigen die Arbeit für die nächste Woche 1 alle Angelegenheiten, die da* Leben der Arbeiter treffen, besprechen, ln einem den ״Heißen Quelle von Tibcrias benachbarten Gebäude haben die Arbei von denen 19 junge Frauen sind, ein Lesezimmer, StutL Zimmer und einen Speiscsaal eingerichtet. Diese Arbc verdienen 30 bis 45 Piaster pro Tag, von welchen zjrka 19 Piaster für ihre Ernährung ausgeben. 15 jui Mädchen und 5 junge Leute versorgen die Küche. I Gesundheitszustand der Arbeiter ist vorzüglich, v ste verpachtet sind, täglich Chinin zu nehmen. N Fertigstellung der Straße Tibcrias-Semack wird 17wferI^er^aS~Tl?b.cJlas “* AnSriff genommen, an 1700 Chaluam arbeiten. Arabische Konferenz Ober Erzlchun&sfracre ürLraem,SSCel״^nirCßr ßewäWte Exckutivkomi ־rTar־'‘:

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