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Jüdische Rundschau · 1921-01-28 · Heft 8 (28.1.1921) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 8 (28.1.1921)
Date
1921-01-28
Page
– (sequence 1)
Language
German
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V \ ,er T(P Sr*' I ) ׳ y 11 o> i -~*wL.Vv.y ...״-.g y. .. RwirklUo »od Verlag W 15, Sid1»<1ch• Straß• 8, Erioheiat jedes Dienatef uod FrelUg־, B«*»jf§prei* bei der Erpediiio• usd den Paetfcatcra eierteljikriidb 15.— M, in Deutschland. AuiltodsoSeoon- Baste werdet» io der Wihrunf der •Inseln*» Linder k» er •ebnet. Nummer 8 Berlin, 28.1. 1921 ■.׳•«Buwwfcaa ו*י M*»* «u > w?g>1*Mwn1ewwMu> »m—miwr Ansteigen-Verwaltung: Verlag Alwin Loewcnlhal. Berlin N^7 7, Dorothe.astr, SS T.I.pU.: Amt Z.aWuta 4314 u.d 4S15. Amelffonpr 1• für dio ai«.eu,um..1t.ao nonp»r«i!l*zen•2,S01L. PamilieBunseige» 4 M, pro Zeil«. Att1«i]f»naabiuß1 DictiaUff «ad freita? aaohaltUj4 ־ Uhr. »*•1•׳■•■יי.׳• '• *׳ ***"pp TelepWna: Ukl*sd S4S a.6li PoaUekeckkento! Berli» Nr. 173^2. Für Oesterreich. Poeteparkatteoemt Wien. Kento Nr. 156 03a 1 Fir Tedn^rhotlewek**; PnaUpark1».t•««it Pr*f, Konto Nr. 156&UX -־ R«dR.kU*nxa«blut S*»»Uj «z«d hi.V%w*db BachmitUg*. — 19. Sch’bat 5681 nm1aBn|u arasmmmzen XXVI. Jahrg. Dar Zionismus erstrebt!Br das jüdische Volk die Schaffung olnor Öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.** Gesinnungsgenossen! Der deutsche Zionismus wird in diesen Wochen und Hcnstcn auf eine entscheidende Probe gestellt. Von Erez- Israel, vo.1 der Leitong der zionistischen Weltorganisation »erden Op'cr nie gekannter Qröfie tnr die Grundlegung des icoen Slcdlungswerkes in Palästina gefordert. Alle Arbeiteeuergie soll in der nächsten Zeit auf die Aufbringung des Keren hajessod (Palästina Grundfonds) gerichtet werden. Im Bewußtsein ernster Verantwortung haben wir begonnen, den Londoner Beschluß mit unbedingter Bereitschaft in die Tat Bfflzasetzcn. Und die Erfolge werden bereits sichtbar. Ueberall erweisen deutsche Zionisten, daß sie bereit sind, wesentliche Teile von Einkommen und Vermögen dem Aufbauwerk in Erez-lsrael aezuvertrauen, Wenn wir letzt an eine andere dringende Aufgabe er-!•;nern. bleibt diese gegenwärtig wichtigste Palästina- Verpflichtung unbesührt. Aber fiber den gewaltigen f׳orderungen Erez-Israels dürfen die ungleich geringeren unserer deutschen Landes- Organisation nicht vergessen werden. Dis für den Keren hajessod aufgebrachten Summen müssen ausschließlich dem Siedlungswerk in Palästina zngute koramsn. Daher müssen für die Erfüllung unserer zi onlstischcn Aufgaben inDeutscliland selbst besondere Mittel zur Verf&gung stehen. Und diese Aufgaben sind nach wie vor uafangreieb! Die Orgaiiisatio■ muß ausgebaut, die Propaganda muß gestärkt werden. Die notwendige förderer״• unserer Kultarbestrebungen, vor allem dtr hebrälsehen Sprachbewegung, erfordert in stets steigendem Maße die Bereitstellung beträchtlicher Mittel; nicht minder dis unabweisbare Pflicht zu aktiver Mitwirkung an der sozialen Arbeit, vor allein aut dem Gebiet der ostjüdl- »eben Flflciitliiigstürsorge. Auch fdr den vom Deicgicrtentag beschlossenen Aufbau eines leistungsfähigen Palästina- Amtes and für die Unterstützung unserer in der palästmensischea Borufsvorb tereitung stehenden Jugend müssen aasreichende Beträge verfügbar sei«. Das finanzielle Element zur Durchführung dieses Arbelts- Programms ist die Zionisten-Steuer. Vom vorletzten Deicgicrtentag beschlossen, hat diese auf freiwilliger SeibstcinsctwUung beruhende Steuer trotz anerkenncoswerter Bemühungen einzelner Grappin noch immer nicht die Mittel sichergestelit, ohne die eine starke aktive innere and äußere Arbeit der Geschäiisführcuden Ausschusses undenkbar ist. — Wir rich'cn daher die Mahnung an alle Orts• gruppea, in Ansfiihraag eines einstimmig gefaßten Beschlusses des letzten XVI. Delegiertentages bei der gegenwärtigen erhöhten Anspannung aller zionistischen Energien auch dio Aktion für die Zionistensteuer mit gesteigerter Kraft fort- Zufuhren. Neue Gesinnungsgenossen müssen der Steuer »erpflichtet, säumige Zahler an ihre Pflicht erinnert werden, Diese Aktion kann ond maß, wie auch an dieser Steile aoehmais wiederholt sei, mit der Propaganda für die Keren hajMsod-Leistuageu der Zionisten verbunden werden. Grandsatz sei: Jeder Zionist, der seine Zeichnung für den Keren hajessod festsetzt, soll sich gleichzeitig znr alljährlichen Zahlang einer vergleichsweise wesentlich geringeren, aber den Aufgaben entsprechenden Summe als Zionistensteuer verpflichten. Wir ersuchen die Ortsgruppen und Gesinnungsgenossen bringend, diesen Grundsatz mit aller Energie darchzuführen. Die gegenwärtige Finanzlage der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und die Zukunft der zionistischen Arbeit in Deutschland erfordern seine ernsteste Beachtung. Der Geschäftsführende Ausschuß der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Rosenblüth. Berger. BiumenfekJ. Boschwitz. Dr. Klee. Kober. Dr. Siegfried Moses. Dr. Walter Mose*. Dr. Rosenberg, fh. Strauß. Trietsch. Prof. Dr. Weil Dr, Wcltsch. Wolisteiner. Zentral-Komitee der Zionistischen Vereinigung für Deutschland Gerd« Arloaonoff. Dr. Martin Ascher. R.-A. Dr. Albert Eaer. Dr. Arnold Barth. Lazarus Barth. R.-A. Block- Hannover. J.-R. Dr. Bodchheimer-Cöla R.-A. Dr. Ücsbrczynski-Beuthen. Alfred Frar.k. Dr. A. Frankel- Martjitrg. S. L. Fuchs-Leipzig. J. L. Goitein-Fraokfurt *. M. Dr. Nah um Goklmamv-Rohrbach b. Heidelberg. k.-A. Grouemaatv Philipp ürüubaum. Dr. L. Grüneberg- Elberfeld. Dr. Saliy Hirsch-Halbcrstadt. R.-A. Jacobsolin- Breslau. Leopokl Jaooby-Chemnatz. Dr. Ernst Kalrnu*- Hamburg. Oeorg Kareski. Ing. P. Kaufmann. R.-A. pr. Max Koilenschcr. Übering. J. Landau-Dresden, [־eopold Landatt-Hamburg. Prof. Dr. Carl Lcwin. mthard Lichtliuim-Schönberg b. Kronberg. Rabbiner Uebermamv. Dr. Fritz Löwenstein. Direktor Alwin Eoewctrthal Heinndh Margulies. Frau Nanny Marguiies. *5• Julius Moses-Mannheim. Dr. M. Nußbaum-Nümbcrg- Ebensee. Dr. Grete Pinner. Dr. Rabin-Frankfurt a. M. Rawktowltsch. Dr. Julius Roscnfcid-Karisruhc, Zahnlr״ Hugo Rothschild-Lübeck. Rudolf Samuel Dr. A. Sandler. Z.-A. Hugo Schachtei-Brcslau. S. Schocken jrfwidkau. Arthur Schragcmheim. Fritz Sondhcimer-Frankhirt am Mala. Dr. Hermann Stahl. Dr. Walter Stein- Königsberg. Dr. Eins Straus-München. Georg Strauß- EJAttrfelde. Dr. Wsity Viktor-Wandsbek. Dr. Ouata׳» witkow־iky. Jacob Wolf!-Frankfurt a. Al Frau Wroasky. Die Politik des Aufbaus Von Julius Berger ln diesen Tagen erlebt der Zionismus die Wiederholung jenes Meinungskampfes, den wir de» Streit zwischen dem politischen und dem praktischen Zionismus genannt haben. Denn um nichts anderes handelt cs sich bei der inneren Krise, die gegenwärtig die Bewegung durch macht, allerdings wird der Kampf sozusagen mit verkehrten Vor- Zeichen geführt. Wir stehen vor einer Auffassung, die behauptet, daß die politische Arbeit des Zionismus im großen Ganzen erfüllt sei. Die Aufgabe der Besiedlung Palästinas, der allmählichen Um- Wandlung von Palästina in die nationale jüdische Heimstätte, sei eine rein ökonomische Angelegenheit. Ganz klar hat dies Prof. Franz Oppenheimer in der jüngsten Nummer der ,',Jüdischen Preßzcntrale“ zum Ausdruck gebracht, wo er sagt: ״Ich kann es nur billigen, daß die jetzige Leitung das Kolonisationsproblem als ein zunächst rein wirtschaftliches Problem auffaßt und behandelt.“ Von eben diesem Gesichtspunkt, der also, wenn wir Prof. Oppenheimer glauben sollen, von den für das Palästinawerk verantwortlichen Stellen der Leitung der Zionistischen Organisation geteilt wird, gehen die Amerikaner in ihrer bekannten Haltung zur Palästina-Arbeit im besonderen und zur Zionistischen Organisation im allgemeinen aus. Der Aufbau Palästinas ist ihnen eine Frage, die ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden kann und darf. Daraus resultiert ihre Forderung nach einer Einschränkung der Immigration, ihr Verlangen nach detn Abbau des palästinensischen Schul-Budgets, soweit es von der Zionistischen Organisation getragen wird, ihre Stellungnahme zum Keren hajessod. Die ״praktischen“ Zionisten haben damals ihren Gegnern gegenüber Immer hervorgehoben, daß für sie die alsbaldige wirtschaftliche Erschließung Palästinas durch jüdische Einwanderer das eigentliehe politische Mittel bedeute, das geeignet sei, den zionistischen Traum zu verwirklichen. Die Entwicklung hat ihnen Recht gegeben, in einem Ausmaß, wie sie es kaum erwarten konnten. Wenn das politische Werk, das Weizmann und So ko low ebenso großartig wie kühn geführt haben, eine reale Unterlage hatte, dann war es die Tatsache der vorhandenen jüdischen Siedlungen in Palästina und einer zionistischen Organisation, die, über die ganze Welt verbreitet, mit dieser Realität auf das engste verknüpft war. Jede jüdische Kolonie in Palästina, jeder Jude in Palästina und vor allem jeder neu eingewanderte Jude in Palästina war eine der Säulen, auf denen die Basis unserer politischen Arbeit und ihres Erfolges begründet ist. ,Wir haben für diese Auffassung einen Beweis von schmerzlieber Eindeutigkeit, lu dem Abkommen zwischen England und Frankreich sind die Grenzen Palästinas so gezogen worden, daß sie alle jüdischen Kolonien ohne Ausnahme einschließen. Daß wir eine Kolonie Metullah ganz hoch im Norden haben, hat uns jene Ausbuchtung nach Norden gebracht, die uns die Grenze einigermaßen erträglich scheinen läßt und den Oberlauf des Jordan zunächst für uns gerettet hat. Wieviel würden wir heute darum geben, wenn wir ein Dutzend solcher Metullali an der Peripherie Palästinas gehabt hätten! Immerhin: das Mandat ist, wie es heißt, fertig, die Grenzen sind, wie cs scheint, gezogen. Kann man min behaupten, daß die politische Aufgabe gelöst ist? Unsere Arbeit bestand bis jetzt darin, uns die politische Position in Palästina zu schaffen, die die Vorbedingung für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der jüdischen Heimstätte ist, jetzt heißt es, diese Position zu erhalten und auszubauen. Können wir dies auf rein wirtschaftlicher Grundlage? Ist unsere politische Position bereits so gefestigt, daß wir die Politik nunmehr beiseite lassen und die Entwicklung Palästinas in Zukunft unter rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten bctrachten können? Die Frage stellen heißt sie verneinen. Und es fällt wirklich' schwer, zu begreifen, wie gerade Männer, die als erste Vorbedingung für die Weiterentwicklung des Landes die gesunde und reale Grundlage aller seiner Einrichtungen als Voraussetzung fordern, fest glauben verantworten st können, die zukünftige Entwicklung des jüdisehen Palästina auf eine so seit wankende und unsichere Grundlage Zu stellen, wie es der gegenwärtige politische Zustand Palästinas ist. Es heißt in keiner Weise die beispiellosen Erfolge verkleinern, die unsere politische Leitung errungen hat, wen» wir feststellen, daß mit dem Mandat und mit allem, was mit 111m zusammenhängt, uns lediglich die Bedingungen, die Voraussetzungen für jene Ent- Wicklung gegeben sind, die wir unter dem Begriff ״nationale jüdische Heimstätte“ rusammenfassen, und für die Herzl das unvergleichliche Wort ״Juden- Staat“ geprägt hat. Es war Lloyd George, der zu Weizmann gesagt hat: ״Jetzt haben Sie Ihren Start, es ist an Ihnen, ein gutes Rennen zu machen.“ Wir geben uns gar keinen Täuschungen hin, daß die Bedingungen, deren Schaffung wir endlich erreicht haben, uns noch allen Eventualitäten ausgesetzt sein lassen, denen die Entwicklung eines Staatliehen Gemeinwesens und insbesondere eines in der Neubildung begriffenen und erst recht eines jüdischen in Palästina naturgemäß ausgesetzt ist. Das Land hat einen Zionistischen Gouverneur, wir wissen nicht, wie lange, und das Land hatte schon einmal eine antijüdische englische Verwaltung. In Palästina herrscht vollkommene Ruhe. Aber die Umwelt, wenn sie auch nicht so unruhig Ist wie etwa Oberschlesien oder gar Polen, ist noch nicht beruhigt. Die jüdische Einwanderung ist /!!gelassen, wir wissen, daß Herbert Samuel ebensowenig wie die jetzige englische Regierung sie jemals stoppen wird. Wie wissen es von Herbert Samuel und von der jetzigen englischen Regierung, mehr wissen wir nicht. Wir wollen wahrhaftig kein Klagelied singen, aber wir wollen uns bemühen, die Situation so zu schauen, wie sie ist. Sie ist verheißungsrcich, sie bietet Chancen, wie sie dem jüdischen Volke nur einmal in seiner Geschichte und kaum jemals einem anderen Volke geboten worden sind. Indem wir von Chance« sprechen, haben wir das Ungewisse des Zustandes zur Genüge betont Es ergibt sich ohne weiteres, daß das politische Werk fortgesetzt werden muß. Wie soll dies geschehen? Selbstverständlich, Weizmann wird weiter verhandeln und Sokolow gewiß nicht weniger. Ma» wird versuchen, und es wird hoffentlich gelingen, weitere Abmachungen zu erzielen, die den Kreis der Möglichkeiten verbreitern. Aber wir wollen uns klar darüber sein, daß sehr viel auf diesem Wege nicht mehr zu erlangen ist. Es ist nicht nur die Meinung der Engländer, sondern die Meinung der ganzen Welt, daß man dem jüdischen Volke etwas gegeben hat, das es sich noch verdienen muß. Und Lloyd George meinte in jenem obea zitierten Ausspruch gewiß nicht, daß wir das Rennen auf dem Papier zu machen hätten. Es war bisher die politische Aufgabe, Bedingungen zu schaffen. Die Aufgabe der Zukunft heißt: Dinge zu schaffen, — und das ist eine politische Aufgabe. Noch müssen wir um jeden Fußbreit Boden ln Palästina kämpfen. Noch müssen wir uns vorstellen, daß jeder Quadratmeter, den wir nicht für uns erlangen, von anderen erlangt wird, die das Oegenteil von dem wollen, was wir wollen. Es ist gewiß so, daß wir, um wieder mit Prof. Oppenheimer zu reden, uns nach der Decke strecken müssen. Aber jeder Zipfel des Landes, der nicht von unserer Decke bedeckt wird, ist der jüdischen Heimstätte verloren. Die Kolonie Metullah war sicher keine sehr ertragreiche Kolonie, sie war recht eigentlich ein wirtschaftlich verlorener Posten. Wir sind noch nicht in der Lage, auf verlorene Posten zu verzichten, im Gegenteil, alles hängt heute davon ab, daß wir verlorene Posten ausstellen. Wir dürfen sie nicht im Stich lassen, aber ohne diese Posten ist die Position nicht zu halten. Die Eingaben die wir fürder an Downing Street und an den Quai d’Orsay zu richten haben, müssen sich auf Positionen in Palästina stützen, sonst werden sie eia Fetzen Papier sein. Auf kulturelle Positionen, auf die Universität, auf Schulen und abermals auf Schulen. Ist es noch nötig, ein Wort über die politische Bedeutung zu sagen, die die hebräische Sprache sich in Palästina bereits errungen hat? Jeder Einwanderer, der ins Land kommt, erschüttert diese Position, denn er kann nicht hebräisch oder nicht genug hebräisch. Und seine Kinder müssen hebräisch sprechen, oder wir werden keinen Judenstaat und keine Heimstätte

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