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Jüdische Rundschau · 1921-01-25 · Heft 7 (25.1.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 7 (25.1.1921)
Date
1921-01-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 7 Seite 43 Das Palästina der Die Bedeutung der Chausseebauten Wir haben wiederholt über die Chausseebauten berichtet, die die palästinensischen Arbeiterparteien 1 von der Regierung übernommen haben. Herbert ' Samuel hat giolies Verständnis für die Not- : wemligkeit der Beschäftigung der jüdischen Ein- 1 wanderer und Chaluziin gezeigt. Während die zio- 1 uistische Leitung immer nur die Einwanderung j stoppen wollte, weil sie keine Arbeitsgelegenheiten j im Lande zu schaffen vermochte und bei ihrer Geld- 1 knappheit die Verantwortung für Unterbringung j und Ausrüstung der arbeitenden Chaiuzim nicht übernehmen wollte, haben die Arbeiterparteien durch! die Uebernahtne der Ciiausscebauten eine bedeuj tende Möglichkeit eröffnet, die noch immer nicht; voll ausgeschöpft ist und deren Umfang gar nicht! alv.tiselien ist. Natürlich bedarf es aber der Hilfe ' der Zionistischen Organisation, unserer zentralen | kolonisatorischen Stelle, die das öffentliche und nationale Interesse dieser Arbeiten wahlnehmen muß. Palästina kann nur durch jüdische! A r b e i t j ü d i s c h w e r d e 11. Und einer der Wege i ist in dem Beispiel der Chausseebauteil gegeben. : Von •der politischen und kolonisatorischen Be-; deutung dieser Arbeiten, die heute in Palästina! unter dem Namen ״K’wisch“ ( Chaussee) die! größte Popularität haben sind doch diese Aabeits- 1 platze neue Zentren hebräischen Lebens geworden; - gibt ein Aufsatz ein deutliches Bild, den Mosche! Smilanski im Londoner zionistischen Zentral- I organ ״Haolatn“ veröffentlicht, und dem wir nach-; stehende Stellen entnehmen: Die Presse im In- und Ausland* *) ist sehweigend an einer neuen kolonisatorischen Erscheinung vorbeigegaugen: an der Arbeit der Chaiuzim bei i den Wegebauten. j Ob wir wollen oder nicht, die eine Frage beschäftigt uns unablässig: Was wird mit der Ein-! Wanderung sein? Es Ist nicht schwer, theoretisch zu beschließen, daß, solange der Keren hajessod über keine großen Mittel verfügt, mit der Einwanderung nicht begonnen werden könne, aber de facto ist es schwer und unmöglich, sich mit diesem Zustand abzufinden. Vergessen wir nicht, daß wir jetzt nicht die einzigen Söhne beim Aufbau des Landes sind. Ein großes, starkes Volk, das zum Leben erwacht und das ebenso wie wir auf die Wiedergeburt des Landes wartet, konkurriert mit uns. Und jedes Stehenbleiben unsererseits bedeutet für dieses Fortschritt. Aber wie ist in der jetzigen schweren Lage ein״ Einwanderung denkbar? Die Leute, die mit eigenen Mitteln und auf eigene Gefahr ins Land kommen, haben immer dem Zionismus zum Wohle gereicht, umsomehr jetzt. Aber nach der furchtbaren Katastrophe im Osten Europas werden das nur einzelne sein, und einzelne werden jetzt nicht das Land aufbauen. Die Hilfe kann nur vom Gros des Volkes kommen. Und wo soll man die Möglichkeit der Einwanderung für diese hernehmen? Die Geldmittel der Zionisten sind plötzlich erschöpft . . . Glücklicherweise beschäftigt sich mit dem Aufbau des Landes nicht nur die Zionistische Organisation, sondern auch die Mandatarniacht, und sie vertritt der Mann, der mit vollem Herzen und tiefem Willen darangeht, am Aufbau des ״nationalen Heinis“ mitzuhelfen. Diese Aufbautätigkeit der Regicrung müssen wir für uns ausnützen. Der erste Versuch Ist bereits gemacht worden. Dieser Versuch ist von großer Wichtigkeit. Durch die Chausseearbeiten zwischen Liberias und Sem ach und zwischen Haifa und Nazareth, welche die Arbeiterparteien übernommen haben, ist der Einwanderung ein Tor geöffnet worden. Dieser Versuch hat eine kolonisatorische Bedeutung ersten Ranges. Es ist das erstemal, daß eine große kolonisatorische Arbeit, die bereits Tausende von Arbeitern beschäftigt, ohne Hilfe der nationalen Kasse gemacht wird. Das ist eine lebendige Tat in der großen, vollen Bedeutung dieses Wortes. Und es ist auch der erste Versuch, eine der schwierigsten und grundlegendsten Arbeiten durch Juden zu machen. Haben wir doch immer diese schweren Arbeiten gefürchtet. Wohl kann man nicht das Ende Absehen, Aber wenn man nach dem Anfang, nach dem Augenschein und nach der bisher geleisteten Arbeit urteilen soll, kann man feststcllen: dieser neue und schwere Versuch wird gelingen. Nicht wenig werden die Opfer sein. Nicht wenig Blut- und Schweißtropfen, *) Für die Jüd. Rundsch.״ stimmt das nicht; wir haben wiederholt mit allem Nachdruck aut dies« Er- *cheinung hingewiesen. — A. d, R. d. ״J. R.“ J U E Dl SC H E RUNDSCHAU jüdischen Arbeit die diese Chausseen tränken werden. Nicht wenig junge Leben werden an diesen harten Felsen zerschmettert werden. Aber der Versuch wird ge-! lingen, und dies werden vielleicht die ersten! Chausseebuuteu sein, die durch Juden gemacht! worden sind. Diese Arbeiten zeigen eine Einwande- I rungsmöglichkcit. Die Regierung wird vollenden, I was sie begonnen. Die notwendigen Gelder werden gefunden werden. Der Schuldner ist sicher, der Gläubiger wird kommen. Der Aufbau wird durch die Regierung bewerkstelligt werden. Und Aufbau heißt doch: Chausseen, Häfen, Austrocknung, Irrigation und so weiter. Die Arbeit, die heute Tausende beschäftigt, wird m o rgen Zehntausende und übermorgen H u 11 d e r 11 a u s e 11 d e beschäftigen. Damit aber dieser Versuch ganz gelingt, darf er nicht dem blinden Zufall überlassen werden. Die Regierung hat die Basis geschaffen, die Ziouistische Organisation inuß die ersten Steine legen. Die Organisation muß die weiteren Bedingungen schaffen: Medizinische Hilfe, Er- Ziehung, Wohnungsbeschaffung, Lesesäle, Küchen und das wichtigste, die Beschaffung des notwendigen Inventars, um die Ucbcrnuhine der folgenden Arbeiten zu erleichtern und den jüdischen Arbeiter gegenüber den anderen konkurrenzfähig zu machen. Vor uns steht die Möglichkeit, ein großes Arbeiterheer zu schaffen. Versäumen wir sie nicht, wie wir sie einmal vor drei Jahren versäumt haben. Deutschland Organisation der Anhaltlschen Juden Wie uns mitgeteilt wird,!st in einer am V. Januar 1021 zu Dessau abgehaltenen Sitzung ein ״Landesverband der Anlialtischen Kultusgemeinden“ mit dem Sitze m Dessau errichtet worden. Jüdische Gemeinden in■- stehen in Anhalt zurzeit in Dessau, Bernburg, Cötlien, Zerbst, Sandersleben, Ballenstedt, Coswig, Gröbzig und Jeßnitz; die sämtlichen Gemeinden haben sich dem neugegründeten Verbände aiigcscldosscn. Der Verband fiat beschlossen, seine Satzungen auf streng d e in okrati sollen Grundsätzen auf/ubaucn und seine Vertretmig durch Urwahlen bestimmen zu lassen; das Wahlrecht soll dem politischen Wahlrecht entsprechen und Männern und Frauen zustehen. Dem vorläufigen Vor stände gehören an: Justizrat Dr. Cohn in Dessau Vorsitzender; Dr. med. Paul Moses in Dessau, stellvertretender Vorsitzender; Landesrabbiner Dr. Walter in Dessau, Fabrik besitzer Louis Ca Im in Bernburg, Kaufmann Schönfeld in Cötlien, Kaufmann Geiser in Zerbst und Kaufmann Otto Herz in Jeßnitz als Beisitzer. Die Begründung des Verbandes stellt den ersten Versuch dar, die anhaitischen Juden zu einer kirchlichen Organisation zusammenzufassen Der Verband hat sich zum Zweck gesetzt: ״Die Vertretung der Gesamtinteressen der anhaitischen jüdischen Gemeinden gegenüber dem Reich, dem Freistaat Anhalt, den Gemeinden und ihren Behörden, wie gegenüber dem Gesamtjudcnhmi und seinen Organisationen. Religiöse und parteipolitische Fragen sind von dem Aufgabenkreis des Verbaudes ausgeschlossen.“ Keren hajessod Die Arbeiten in Kinereth Jerusalem, 13 Jan. (J.C. B.) Die Bevölkerung von Kinereth, der kleinsten Kolonie in Untcrgaliläa, bekam einen bedeutenden Zuwachs von 300 Chaluz i 111, die von der J. C. A, beim Bau der Straße Kineretli Yawniel und Yuwnicl—Milhamia beschäftigt sind. Die Feldarbeiten werden mit ungewöhnlicher Energie beendet. Die Kolonie kann darauf stolz sein, daß seit ihrer Errichtung fast sämtliche Arbeiten von den Kolonisten selbst ausgeführt wurden und in Fällen, wo die Verwendung von Arbeitern notwendig erschien, nur ausschließlich jüdische Arbeiter verwendet W'urden, Der Gesundheitszustand in der Kolonie ist ebenfalls sehr befriedigend. Ein Handelsviertel in Jaffa Jaffa, 18. Jan. (J.C. B. telegraphisch.) Es ist hier eine ״palästinensische Untcrnchnumgsgcsellschaft“ zum Zwecke des II ii userbaues in Palästina gegründet worden. 80 000 Pfund Sterling, sind bereits eingezahit. Hauptaktionäre der Gesellschaft sind palästineiisisclu־ und ägyptische Juden. Unter den Beteiligten sind auch einige Araber. Die Gesellschaft schreitet zuin Bau eines Handelsviertels in Jaffa. Keren hajcssod-Arbelt. Finnland. Dr. Salkind, der Skandinavien in! Aufträge des Keren hajessod bereist hat, ist von Stockholm nadi Finnland gefahren, um dort die Aktion aufzunehmen. — Spanien. In Barcelona fand in An- Wesenheit des britischen Konsuls unter großem Euthusiasmus der jüdischen Kolonie eine Keren hajessod-Ver- Sammlung unter Leitung des Herrn Ben Zion statt Man erwartet in Barcelona einen Ertrag von 100 000 Pesetos. Keren hajessod in Frankreich. Das Zentralkomitee der französischen zionistischen Föderation hat sich auf seiner letzten Sitzung ausschließlieh mit der Organisierung des Keren h a j e s s o d־ in Frankreich befaßt. Nach einem Referate Alexander Goidsteins aus London wurde beschlossen, eine Länderkommission für den Keren hajessod einzusetzen, deren erste Aufgabe die Ausarbeitung eines detaillierten Arbeitsplanes für eine großzügige Aktion des Keren hajessod in Frankreich sein wird. Dieser Plan soll dem Delegiertentage der französischen Zionisteu vorgelegt werden. Amerika Einwanderungsstatistik. Die palästinensische Regicrung beschäftigt sich jetzt mit dem Sammeln statistischcr Daten betreffend die Einwanderer, die ins Land gekommen sind. Zufolge dem bereits vorhandenen Material wird angenommen, daß 82 Prozent der Einwanderer bereit sind, schwere Arbeiten anzunehmen. Die Advokatenpriifung in Palästina. Gelegentlich der ersten Advokatenprüfung in Palästina wurden 11 jtiden und 10 Araber geprüft. Examinatoren waren 2 Juden, 2 Araber und 2 Engländer. 8 Juden wurden hebräisch, 2 arabisch und 1 englisch geprüft. , (Z. K.) Die Aufforstung Palästinas. In Jaffa wurde eine Aktiengesellschaft ״jaar“ begründet, mit der Aufgabe, große Strecken Bodens an den Grenzen Palästinas zur Aufforstung des Landes und für die Errichtung von Holzsägcn käuflich oder durch Pacht zu erwerben. Das Gründungskapital der Gesellschaft beträgt 40 000 ägypt Pfund und wird von einem aus fünf jüdischen Großkauflcuten bestehenden Direktorium verwaltet. Die Ge- Seilschaft ist auf die Dauer von 00 Jahren begründet, das Statut wurde von der palästinensischen Regierung genehmigt und vom Waad Hazirim bestätigt. Ein Teil des Profits wird alljährlich für die Gründung und Erhaltung einer Forstschule verwendet werden. Nach Ablauf der Vertragsdauer verfallen diese jährlichen Ersparnisse an die jüdische Behörde, die »m Jahre 2020 an der Spitze des kullurelien Lebens in Palästina steilen wird. Vereinigung der demobilisierten Legionäre. Die Mitglieder der jüdischen Legion, die nach Beendigung des Krieges dcmobWsiert wurden, haben׳ sich zum ן Zwecke der Besserung ihrer Lage vereinigt Die Reficrung hat versprochen, sie bei der Besetzung von teilen und bei der Ansiedlung zu bevorzugen. Auch die Ica hat ihnen ihre HiJfe zugesagt. Die Vereinigung will geschlossene Siedlungen von Legionären ermögliehen. Verbilligung der Lebensmittel. Die Lebensmittelpreise sina bedeutend zurückgegangen. Insbesondere Milch, Petroleum und Kohle. Die Regierung hat die Ausfuhr von Gerste freigegeben. Alkoholausschank-Verbot in Palästina. Bereits General Allenby hatte als militärischer Administrator Palästinas den öffentlichen Aussdiank von Alkohol in Jerusalem und der Provinz Judäa verboten. Der jetzige Oberkommissar Sir Herbert Samuel hat dies Verbot auf ganz Palästina ausgedehnt. 27! Millionen Dollar für Bodenkauf Auf einer Konferenz von New׳ Yorker Zionisten im Hotel ״Pennsylvania“ wurde nach Anhörung von Referaten von Bernhard Rosenblatt, dem Präsidenten der American Zion Commonwealth, Jakob de Haas, Abraham Goldberg beschlossen, 2V2 Millionen Dollar unter den Juden New׳ Yorks zum Zwecke des Bodenkaufs in Palästina aufzubringen. Die New Yorker Zionisten sollen die größten Anstrengungen machen, um diese Summe bis zum kommenden Pessach für die American Zion Commonwcaltli zu gewinnen. Es wurde auch ein Brief von Wcizmann verlesen, der der Zion Commonwealth nt dieser Kampagne Glück wünscht. Die Palästinapläne in Amerika. Das Palästinaamt der Zionistischen Organisation von Amerika beabsichtigt, daß in Jeder amerikanischen Stadt mindestens eine Gründung für Palästina propagiert werden soll. Nur die Anteile der großen Unternehmungen, wie Anleihe, Wasserkraftausnutzung, Elektrifizierung usw. sollen in ganz Amerika verbreitet werden. (Z. K.) niu״. uw! juuiakni-11 v* cuinuszeniraie. Ui Aufruf der Exekutive der jüdischen Welthilfskonferer an die jüdischen Organisationen hat bereits die erste Erfolge zu verzeichnen. Das jüdische Hilfskomitee! Madrid hat für die jüdischen Heimloseu aus dt Ukraine in Bessarabien 30 000 Frcs gespendet D Vorsitzende des skandinavischen Hilfskomitees’ Prc Simonsen hat gleichfalls größere Beträge in Au sicht gestellt. In Rom hat sich' ein Hilfskomitee für os jüdische Pogromopfer gebildet, welches sich mit d Exekutive in Paris in Verbindung gesetzt hat. Der Zionismus in Marokko. Da die Ausnahmegesetze ui Marokko jede politische Betätigung verbieten, war die marokkanische zionistische Föderation lange Zeit zur Untätigkeit verurteilt Auf das Bestreben N&hum Sokolows, die Be• schrankungcn für die zionistische Tätigkeit aufzuhebcu richtete der französische High Com missioner an ersteren einen Brief, in dem er ihm die Mitteilung macht, daß er sich mit den marokkanischen Behörden ״ 1 ■״?־ setzte, sie mögen die zionistische Tätigkeit unterstützen. Gleichzeitig drückte er ln diesem Briefe seine Anerkennung für. die tunetanischen Zionisten aus.

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