Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 3 (11.1.1921)
- Date
- 1921-01-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 J U E DI SC H E RUNDSCHAU Seite 15 ge» »her gen latiölie Kl er lu. üder ttea chte sein i jü- Wich Jz!1* tgen iden iche iden hier Um, che Idee )111-s- WC* l, m setz* .uto- ^irtjene . war, «ins und ditoläßt. vsen- « zur ׳ird), liehe rden h zu. * tten. ’/ ende | j rieht | | der 4ützmuß iden. •icht, ilitik :hei! Er* 1 als j in 1ann <anp [ , irak- ן | daß׳ , % I sich ן v°r- :zept I:׳ irzu- {/ sant, | den Ostjuden nicht gedient. Mag vielleicht die nationale Autonomie im eigentlichen Sinne^ nicht zweckmäßig und durchführbar sein: das System iles Minoritüteusduitzes, also die Zusicherung hestimmtcr Rechte, die dazu dienen sollen, den Ostjuden als Staatsbürger wie als Glied der jüdischen Nation zu schützen, müßte Goklmanu aneikcnncn. Denn er selbst verlangt ja das Eingreifen der UnoIImachte für die Juden!und cv koastatiert ausdriieklieh, daß ein Abkommen, das auf Reclitsgriinden basiert, auch dann von praktischem Wert sein kann, wenn es auf seiten des nichtjüdischen Teils nicht mit dem Herzen geschlossen wurde. Damit stellt (io Id mann sich eigentlich auf den Boden der Politik, wie sie vom ״Comite des Deiegations •juives“ hetrieben wurde. Einzelheiten mögen fraglich und strittig sein, auch mag Herrn Dr. Gokimann das nationale Prinzip (eben von Prinzips wegen) gegen den Gefühlsstrich gehen - - praktisch aber müßte sich nach seinen Ausführungen eine Verständigung mit ihm über die Goluspolitik in Ost nml West finden lasse». IV. Ja, solche praktisch-politische Verständigung aller Kreise des deutschen Judentums ist denkbar. Man ziehe doch auf beiden Seiten die Konsequenz aus dem bisher Gesagten. Die Errichtung der nationalen Heimstätte in Palästina kann höchstens bei solchen Nichtzionisten, noch Widerstand finden, denen der Antizionismus der Hauptinhalt ihres sogenannten Judentums ist., Die von einigen gedankenlosen Assimilanten aufgcbrachte Meinung, man könne für die ״Kolonisation Palästinas“, aber gegen die ״nationale Heimstätte“ sein, ist wirklich nur als Gedankenlosigkeit zu bezeichnen — wenn man sich sehr höflich ausdriieken will. Oder sollen die Juden in Palästina vielleicht Araber oder Engländer jüdischen Glaubens werden? Gokimann redet vom Aufbau Palästinas als einer schönen Aufgabe und sagt, die Palästinaarbeit müsse weitergehen. Für die praktische Mitarbeit kann danach die Frage in den Hintergrund treten, oh er die Heimstätte in. Palästina als Ergänzung des Systems der Notstandslinderung betrachtet (was wir natürlich auch tun), oder ob er unsere weitergehenden Hoffnungen auf die praktischen und ideeilen Zukunftswirkungen des jüdischen Palästina teilt. Wer heute den ״Aufbau Palästinas“ will, der muß — ob gern oder ungern — den Aufbau des nationalen jüdischen Palästina wollen. Ein anderer Aufbau ist nicht denkbar. Die politischen Möglichkeiten sind gegeben, Einwanderung wie Mitarbeit steht deutschen Juden frei. Wollen sie ernstlich, daß die Palästinaarbeit weitergeht und bald praktische Erfolge zeitigt, so können und müssen sie zur Verständigung mit uns gelangen. Bleibt die Frage der Goluspolitik: Da wir hier in Deutschland die nationale Autonomie nicht anstreben, so fällt das entscheidende Hindernis hei der Verständigung über die Gegenwartsarheit fort. Was wir bisher an Kulturpolitik geleistet haben — hebräische Kindergärten und Sprachschulen, Gründung des Schulvereins - - kann kaum zu ernsthaften Konflikten Anlaß geben. Die Pflege der hebräischen Sprache ist ja schließlich auch vom Zentralvcreinsstandpunkt zulässig. Wieweit jüdisches Schulwesen zweckmäßig ist, mag von uns anders beurteilt werden als von den Nichtzionisten. In gewissem Umfang wird es auch von diesen gewünscht, und umgekehrt wissen die meisten Zionisten, daß es sich hier nicht darum handeln kann, ein völlig getrenntes Unterrichtswesen ״von der Volksschule bis zur Universität“ zu schaffen. Hier ist vielleicht die Verständigung der Parteien nicht ganz leicht, aber unmöglich kann man sie bei dieser Sachlage nicht nennen. Was die Behandlung der ostjüdischen Fragen anlangt, so sind wir — wenn Gokimanns Meinung die Meinung des mchtzionistischen deutschen Juden׳- tums ist — von einein Ausgleich der Ansichten nicht mehr allzu fern. Die Juden haben danach in allen Ländern die Pflicht, den eingewanderteu Ostjuden zu helfen, ihnen Arbeitsmöglichkeit und Schutz vor antisemitischen Verfolgungen zu bieten. In dieser Hinsicht ist schon vieles unter Beteiligung aller jüdischen Organisationen Deutschlands geleistet worden. Die jüdische Politik in Osteuropa bietet «ף\ deutschen Judentum wenig Anlaß zu weiterer J olcmik. F.s kann von Deutschland aus nicht viel geschehen, da der politische Einfluß zurzeit in den tntenteländcrn konzentriert ist. Immer wird die Meinung der osteuropäischen Juden selbst gehört werden müssen, und das Spezialproblem der nationalen Autonomie braucht nicht zum Streitobjekt wenn von allen Seiten darauf verzichtet wird, den veränderlichen Dingen der praktischen I olitik, der Nützlichkeit und Zweckmäßigkeit den Stempel ewiger Grundsätze und Prinzipien.aiufzudrücken. So könnte man sich ganz gut verständigen, Avenu man nur wollte. Es wäre eine Verständigung nicht über die letzten Voraussetzungen jüdischer Politik, wohl aber über dringende Ocgenwartsaufgaben. Aber welchen Wert hat denn solche Vcrständigung? Sic hat Wert. Wenn das deutsche Judentum sich zu einheitlichen Beschlüssen und Aktionen aufraffen könnte, so würde es starken Einfluß auf die jüdische Politik der Zeit ausüben. Und vielleicht könnte damit das -Signal für die Gesamtjudenheit gegeben sein, die immer sinnloser gewordenen Parteistreitigkeiten beiseite zu lassen und sich jetzt, da die Welt sich in rasender Schnelle wandelt, j Millionen von Juden in namenlosem Elend umherirren, ringsum Pogrome wüten oder drohen, Hilfeleistung und Regelung der Wanderung, politische Aktionen und Kolonisation Palästinas in allen Ländern von allen jüdischen Parteien als nötig anerkannt und angestrebt werden, endlich, endlich zu einheitlichem Handeln aufzuraffen! Amerika Die Einwanderungsbül Die neuen Einwanderungsbeschriinktmgen wurden, wie die ״J. P. Z,“ rnitteilt, im Repräsentantenhaus mit 203 gegen 41 Stimmen angenommen. Den Gegnern gelang es ■nur, die Bill ein wenig abzuscluvächcn. So gelten die Bestimmungen nicht, wie vorher geplant, für zwei, sondem nur für ein Jahr. Kongreßmitglied Sigel konnte sein Amendement durchsetzen, daß auch Brüder und Schwestern derjenigen, die erst ihre sogenannten ersten Papiere besitzen, nach Amerika gelangen dürfen. Refereut Johnson malte die Folgen der übergroßen Ein- Wanderung in schwärzesten Farben, um möglichst viele Anhänger für die Bill zu gewinnen. Er verschmähte dabei auch nicht, auf die im französischen Senat cingebrachte a n t i s e m i t i s c he Interpellation zu verweisen, die einwandernden Ostjuden hätten nach Frankreich den Typhus und verschiedene andere ansteckende Krankheiten verschleppt. Interessant ist, daß auch die United Slates Shipping Board, die Regierungskorporatiou, der der Aufbau der amerikanischen Handelsflotte obliegt, gegen die Bill Stellung genommen hat, da sie in der Einstellung der Immigration eine (jefahr für die amerikanische Handelsflotte erblickt. Im allgemeinen wird jedoch die Bill in jüdischen Kreisen nicht allzu tragisch genommen, da es fast sicher ist, daß sie vom Senat verworf c n wcr 11 en wird. Unter den Gegnern der Bill befindet sich auch der G 0 u v e r 11 e u r von New York, S m i 111, der in einem dem ״Morning Journal“ gewährten Interview sich sehr scharf gegen die Bill ausspricht. Nicht nur , die Bürger Amerikas, sondern auch Nichtbiirger müßten j das Recht haben, ihre Verwandten vor den im Osten wütenden Pogromen nach Amerika zu reiten. Darüber sollte cs eigentlich keine verschiedene« Meinungen geben. Die Amerikaner dürfen nicht gegen die Leiden der ukrainischen Juden gleichgültig bleiben und müßten ihnen die Tore ihres Landes öffnen, auch wenn ן sie gar keine Verwandten in Amerika hätten. Senator Dilingham hat im Senat die Regelung der Einwanderung nach einer Prozent norm vor- I geschlagen. Aus jedem Laude sollen jährlich fünf Proj zeiit von der aus diesem Lande bereits in Amerika sich befindenden Zahl von Landsleuten einwamlern dürfen. Bezüglich der neugegründeten Staaten solle 111 Amerika eine Schätzung vorgctioininen werden, wieviele Einwanderer aus diesen Staaten sich bereits in Amerika befinden, tun danach die fünf Prozent fcststellen zu können. Nach diesem Vorschlag wird die Einwanderung aus Ost- und Westeuropa, Türkei und Asien 738000 pro Jahr betragen. Die Erschwerungen der Einwanderung werden in Kanada strenge durchgeführt. Das lmmigrationsdepartement hat eine Erklärung erlassen, daß cs keine irgendwie gearteten Ausnahmen zulassen werde. Die zahlreichen Gesuche, die bereits in den Häfc» sich bcfindenden Immigranlcn hcrein/.ttlassen, unter Zusage der notwendigen Garantien durch die Verwandten, wurden zuriiekge wiesen. Gegen den Antisemitismus Die Beratende Körperschaft der ״Churches of Christ“ in Aiycrika, in welcher zirka 149 000 protesiantische Kirchen mit zirka 19 500 000 Mitgliedern vortreten sind, liat in ihrer alle vier Jahre stattfindenden beschließenden Sitzung in der Parkstrect - Kirche eine Resolution angenommen, in welcher sic die fortdauernden Angriffe gegen die Juden beklagt und das amerikanische Volk ermahnt, eine derartige schädliche Propaganda ־zu mißbilligen, deren Tendenz es ist, eine übelwollende Rassenteilung in unser politisches System einzufiihrcn. Dr. Egon Michael Zweig, der Letter des Wiener Palästinaamtes und der Nationalfondssammelstelle für Oesterreich, ist von seinem Posten zurückgetreten und hat eine Stellung im Nationalfonds-Hauptburo im Haag übernommen. Rußland I Der Friedensvertrag in Riga und die I jüdischen nationalen Rechte I (A. W.) Aus den Kreisen der russischen Friedens- I delcgation in Riga wird mitgeteilt, daß der Volkskoin- I missar für jüdische Fragen, More ina, sich an denl Volkskommissar für das Auswärtige, T s c 11 i t s c 11 e r i nj, I mit einem ausführlichen Memorandum gewandt haben I soll, worin er darauf hinweist, daß in den üiii/clptmkicii I des Präliminarfriedens, in denen von den nationalen I Minderheiten die Rede ist, alles was mit den Juden in Zusammenhang gebracht werden konnte, sorgfältig vermieden worden ist. Im!,unkt •1 dieses Vertrages, | der von den gegenseitigen Bürgschaften für eine freie kulturelle, sprachliche und religiöse Entwicklung haudelt, werden nur die russischen und ukrainischen Nationalitiiten erwähnt. Hingegen werden die jüdische und wcißrnssische Nationalität mit keinem einzigen Worte bedacht, obwohl kraft dieses Vertrages dem polnischen Staate Gebiete cinvcrleibt werden, in denen Million«» Juden und Weißrussen wohnen, die stellenweise sogar die Mehrheit bilden. Dieses Verschweigen des Bestehens zweier National!- täten bildet eine wesentliche Lücke dieses Fricdensverträges und hätte zur Folge, daß für den Fall der Aufnähme dieses Punktes in seiner jetzigen Fassung im Frieden «vertrage es unmöglich wäre, die Forderung nach Gleichberechtigung der jiddischen Sprache atifzustellen. Es wäre daher unerläßlich, daß der betreffende Punkt des Friedensvertrages so redigiert wird, daß das hieraus verbürgte Recht einer freien kulturellen, sprachlichen und religiösen Entwicklung für die jüdische und weißrussische Nationalität klar zum Ausdruck komme. 111 Beantwortung dieses Memorandums teilte Tschitschcrin mit, daß das Material an Joffe zur Verwertung desselben bei den Verhandlungen mit den Polen nach Riga gesandt wurde. Hierzu wurde auch bemerkt, daß das Volkskommissariat für auswärtige Angelegenbeiten durchaus auf dem Boden der Verteidigung der Rechte der nationalen Minderheiten im allgemeinen und der jüdischen im besonderen steht. Förderung von Handwerk und Ackerbau unter den Juden in Rußland Der Pariser Korrespondent der ״J. P. Z.“ berichtet: Die ausländische Delegation der üe.ellschal't zur Fürderung des Handwerkes und des Ackerbaues unter den Juden (Ort) teilte dem Exekutivkomitee der Jüdischen Wclthilfskonfereiu einen Bericht ihres Generalsekretärs Zigelnicki aus Moskau mit, worin unter anderem darauf hingewiesci» wird, daß das Zentralkomitee jetzt das Hauptgewicht auf die Arbeit in der Ukraine legt, und daß in einer Reihe von Städten, wie Berditschew, Tscherkassy, Win ni/a, Kamenetz-Podolsk, Nowograd-Woiynsk, lokale Abteilungen der Gesellschaft gebildet wurden, die eine aufopferungsvolle Tätigkeit entwickeln, durch die besonders landwirtschaftliche Kooperativen und genossenschaftliche Werkstätten gegründet werden. Zugleich werden Verhandlungen gcführt mit der R ä t e r e g i e r u!1 g , daß die professio- »eilen Schulen, die der lea und anderen gehört habe ר, der Leitung des Ort unterstellt werden. Die Abteilungen des Ort in Riiterußland und der Ukraine unterstreichen besonders die Notwendigkeit, ihnen Gegenstände zu schicken, für gehörige Einrichtung der kooperativen Werkstätten und professionellen Schulen. Hindernisse für den Import all dieser Dinge nach Rußland bestünde!» nicht. 11» den Rayons von Witebsk und Hornel sind bereits zirka 70 »Wische landwirtschaftliche Kooperativen eingerichtet, die auf 2700 Deßjatincn Boden arbeiten. Im Minsker Rayon bearbeiten diese Kooperativen 3030 Deßjatincn. Das Zentralkomitee des Ort hat mit dem russischen Obersten Wirüchaitsrat zwecks Organisierung neuer großer Werkstätten eine Abmachung getroffen, derzufolge der Ort diese Werkstätten mit Maschinen und Handwerkzeug beliefert und Instruktoren delegiert, die den Arbeitsgang zu inspizieren haben. Der Oberste Wirtschaftsrat hat dagegen die von dem Ort organisierteu Fabriken und Werkstätten mit Aufträgen, wie auch mit Rohmaterialien und Zutaten zu beliefern. Die fertigen Produkte werden dem Obersten Wirtschaftsrat abgclicfert. Die ausländische Delegation des Ort ergreift jetzt Mittel, um für ihre Arbcits- und Lehrwerkstätten in Rußland und der Ukraine die nötige» Maschinen und Handwcrkszeuge zu übersdtickeii. fm November sollte in Moskau eine Konferenz des Zentralkomitees des Ort mit den Vertretern der lokalen Komitees über eine Reihe von Fragen der praktischen Arbeit stattimden, worüber die Berichte noch ausstehen. Dreieinhalb Millionen Dollar für Schnellhilfc. Das American Distribution Committee hat auf seiner letzten Sitzung, nach einem von Lt. Bäcker erstatteten Berichte beschlossen, 3',’2 Millionen Dollar für unmittelbare Hilfe an die Kriegs- und Pogromopfer flüssig zu machen. Diese Summe muß erst aufgebracht werden. Von den zu verteilenden 31/2 Millioiien Dollar entfallen auf Rußland eine Million, Pole!» 690000, Oesterreich 200 000, Ungarn 200 000, Palästina 400 000, Tscliccho-SIowakci 100 000, Litauen 75000, Rumänien 105000 und Lettland000 100 ־ Dollar. Jüdische Flüchtlinge aus dem Kaukasus in Bagdad. Fast allwöchentlich treffen in Bagdad Massen jüdischer Ffeimlosen, größtenteils aus dem Kaukasus, ein, die sich nach Palästina begeben. Den größten Teil ihres Weges haben sie zu Full zurückgelcgt. Die dortige jüdische Jugend errichtete ein Emigrationsbüro, um diesen Heimtosen zu helfen und sie schnellstens nach Palästina zu bringen. *