Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXVI (1921)
- Issue
- Heft 1-2 (5.1.1921)
- Date
- 1921-01-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652316-2652317--13674-2671421- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Riga 2× ep/1000826
OCR text
Seite 6 JUED1SCHF. RUNDSCHAU Nr. 1/2 1:־! ■ ß i־J?*t» .41 3 ׳ €'׳<־;וגי ' 'rt "i| . 1■;I ׳ % י if*׳ ׳ ■'; J 1.2? ."J tß '■ ן"■׳ י ■|} : 1 , 4 V« ■M >.*« wir }׳an/ im Sinuc des besorgten Erziehers י ־ dach »0 »ncschuggc sind, nach Palästina gehen zu wollen? Hier kommen wir denn zum eigentlichen" Thema, nämlich zum Zionismus. Jawohl, wir Sollen «ach Palästina, unseretwegen, das heißt um dc\ Idee willen, die unserem Dasein Sinn und Ziel gegeben hat. Wir wissen, daß Wir nicht alle auf einmal himibmvamlem können, <1,111 nur ein Teil der Ostjuden zunächst Auf• «ahme finden kann, daß von den älteren Westjuden nur ein sehr kleiner Teil sich von Beruf und Umwelt loslösen wird, um sich in Palästina eine neue Existenz ni gründen. Eben dämm sind wir heim Aufbau Pa• liistinas, besonders bei der landwirtscliaftlichcn Kolonisafion, auf die Jugend angewiesen. ־ Die Frage sollte uns bange machen, ob unser Volk die rechte Jugend für diese Zeit des ersten mühsamen Aufbaues besitzt, und wenn uns in dieser schweren Ucbcrgangszcit etwas trösten und ermutigen kann, so ist es eben der Anblick dieser Jugend, die allen häuslichen Widerständen zum Trotz ihren zionistischen Willen in ernster Arbeit in die Tat umsetzt Ja, diese Jugend will und soll nach Palästina, >un der Idee willen, um ihrer selbst willen, Oiibe es diese Jugend nicht, so gäbe es keinen Zionismus. Denn was ist Zionismus heute noch anderes als der Wille, die praktische Möglichkeit, die England uns bot, zu nützen, die Tat zu vollbringen, die gestern nicht möglich war und morgen vielleicht wiederum nicht möglich sein wird? Was anderes in aller Welt soll denn ein junger Zionist heute erselmen, als dabei zu sein, als mitzubauen? ״Aus Gymnasiasten und Realschülern Landwirtschaftliche Arbeiter zu machen, heißt denselben Geniestreich begehen, als wenn man Blumentöpfe aus Meißner Porzellan machen wollte'׳ — sagt Klötzel. Du liebe Zeit! Ihr Meißner Porzellan, Herr Klötzel, heißt im vorliegenden }'alle: noch cm Rechtsanwalt, noch ein Ar/t, noch ein Journalist. Ich gebe ein halbes Dutzend davon auf einen jüdischen Landwirt (nicht Tagelöhner!) in Palästina imd treibe damit nicht Raub• bau, sondern Aufbau. Ein Volk erkämpft sich den Heimweg, Neuland will erschlossen werden, das Herz der Jungen schlägt hoch, denn sie wissen, daß es auf sie ankommt - und der Herr Oberlehrer sagt, sie sollen wieder nach Hause gehen und Vokabeln lernen. in diesen Zeiten, vor solchen Aufgaben so zu sprechen, das ist Anti/ionismtis. Es ist nicht wahr, daß Ihr, wie Klötzel doziert, die Pflicht habt, in Deutschland zu bleiben, bis Erez- Israel Euch brauchen kann Erez-Israel braucht nur diejenigen, die dorthin wollen! Niemand wird Euch rufen, wenn Ihr Euch nicht selber ruft! Niemand wird das jüdische Palästina bauen, wenn sielt die Jugend nicht findet, die entschlossen ist, alles hinter sich zu lassen und ihr Dasein an das Werk zu setzen. Dies — und nichts anderes — ist heute schaffender Zionismus. Ihn zu lähmen, ist in diesem Abschnitt unserer Geschichte das schwerste Vergehen. ״Die Sünde an der Gegenwart lialtc ich für eine Todsünde“ -- also sprach Bismarck. Schickt Euch Leichtfertigkeit ins Verderben? Mißbraucht mau Eure feurige Unerfahren• heit? Wer Verantwortung zu tragen gelernt 11.1t, wer heute im Zionismus Verantwortung trügt, darf dieser Frage nicht ausweichcn. Ich antworte und würde, wenn die Melly Joseph Zu der Ausstellung in der ״E w e r“ B u c 11• h a tul 1 u n g. Unter den Bildern von Melly Joseph, mit deren Vorführung die ״Ewer'‘-Bucl1hamlli1ng ihre Ausstellungs• reihe würdig eröffnet hat, befindet sich eine Kopie nach einem Bilde Gauguins, einem der schönsten Werke des Meisters. Es ist keine Kopie im gewöhnlichen Sinne, eher eine Nachdichtung. Die Künstlerin, hat nicht nur Form und Farbe getreu wiedergegeben, sondern es ist auch etwas vom Geiste des grollen Vorbildes darin. Außerdem aber, was das Werk als Kopie erst wertvoll macht, etwas vom Geiste der Künstlerin selbst, and deshalb scheint mir gerade dieses Werk für die Künstlerin besonders Charakteristisch zu sein. Auch sie liebt als Bildinhalte das Fremdartige, Exotische, Märchenhafte, auch sie gibt all ihren werten jenem stillen Grundton einsamer Stimmung, das empfiiuluiigsvoll Träumerische, das uns dieses Gesamtwerk der jung Verstorbenen jetzt als Abbild einer wundervoll zarten, gefülilsreicheii Fraueuseele erscheinen läßt. Dieser Gefühlsgcbalt wird uns hier zu reinem künstlerischen Erlebnis, weil er nicht nur Ln Ausdruck und Bewegung der dargestellten Menschen und Dinge liegt, sondern auch im Ton der Farbe, im sanft schwingenden Vcrlaut der Linien, in dem einfachen Gefüge der Kompo* sition. So können wir Mellv Joseph jener Gruppe unter den modernen jüdischen Künstlern cinrcilicn, die sich von der forma! und seelisch radikalen, aufs Pathetische, Ekstatische eingestellten Bewegung!enthalten, sieh auf den anderen Bezirk der seelischen Welt zuri'ickzicben: geruhige Innigkeit, verhaltene Inbrunst, ein stilles Steh• zurückncigcn in die eigene Seele. Wie bei den niciskm jüdischen Künstlern liegt ,־titelt bei Melly Joseph die Stärke nicht im sinnlichen Reiz der Farbe, sondern in der abstrakt umschreibenden, systematisch atifhainnden Linie. Das sichere Gefühl für den einheitlichen Biklaufbau, die Klarheit und idinstkriselt empfundene Folgerichtigkeit der Komposition giht ihren Bildern die starke dekorative Wirkung. Das geht zuweilen so weit, «laß die Klippe des Kimstgewerbliehen nicht vermieden wird, wie ja überhaupt das Kunstgewerbe, in Wertteil von feinem Geschmack und «lekorativer Phantasie, einen nicht unwesentlichen Teil ihres Schaffens ausmacht. Daß sie aber die Fähigkeit in sich hatte, über diese Beschränkung htnatutzugehen das zeigt ihr stärkstes Werk ״Rosdi Hasduuiah“,‘ eine Verantwortung auf mir allein ruhte, genau so antworten: Ihr dürft und sollt'Landwirte werden, wenn Ihr kürper• lieh und geistig dazu geeignet seid (ob Ihrs seid, wird eine kurze Lehrzeit׳ ergeben). Euch vor allem braucht das jüdische Palästina. Ihr habt das ungeheure Glück, in einer Zeit Euren Beruf zu wählen, da dk Aufbauarbeit beginnt. Wen starke Neigung zu anderen Be■ rufen Jodet, den soll man kernen Augenblick überreden Landwirt in Palästina zu werden Aber hunderte und tausende junger gesunder Juden in Ost und West werden, so iioffe ich, zur Landwirtschaft gelten, die ein guter und befriedigender Beruf ist (nicht weniger als irgend ein anderer), und werden so zu der schönsten Verbindung von beruflicher und nationaler Arbeit gelangen. Ihr weidet es anfangs schwer haben - hier und drüben — wendet vielleicht zum Teil wieder abfalkn, andere Berufe ergreifen oder attswamkiu IXts sind unvermeid• liehe Begleiterscheinungen, und niemand darf eine Garantie für seine materielle oder seelische Zukunftsent- Wicklung von der Zionistischen Organisation erwarten. Daß aber solche Jugend jetzt in allen Lindem auf steht und an die Arbeit in Palästina geht, das ist das Gebot der Stunde. Diese Jugend wird Palästina aufbauen, fltr Irnht das Glück, Vorhut und Elitetruppc im nationale« Freiheitskampf sein zu dürfen. Prüft Euch, ob litt• ilcr Aufgabe gewachsen seid. Steckt Euch keine falschen Ziele, denkt daran, daß es keinen Indianerstreifzug niit/niiKiclten, sondern in stetiger Arbeit ein Land zu besiedeln gilt. Wisset, daß alle Theorien van Gemeinschaft, Kommunen, Kwuzoth usw,, stell erst noch in der Praxis zu bewähren haben werden, und daß viele Wirtschaftsformen möglich sind, wenn Ihr tüditig seid, alle zusammen aber unmöglich, wenn Ihr nicht gute Landwirte werdet. Euer Ziel sei nicht Reichtum und Luxus, aber eine Daseinsform, üt der em gebildeter Mensch mit Frau und Kindern sich dauernd wohlzufühlen vermag. Ein gewisses Maß von Selbständigkeit und Wohlstand ist hierzu nötig. (Auch der Ostjude wird ja nur dann dauernd Bauer oder Farmer bleiben, wenn solche seinem liikiutigsdraiig genügende Daseinsform in Palästina gefunden wird.) Wir ahnen und hoffen, daß sielt aus der Arbeit und Lebensweise intelligenter und idealistisch gesinnter Juden neue Wirtschaftsformen und eine nette (kmcinschaftsgesmniing ergeben werden, die auch für andere Völker fruchtbar werden mögen. Sind wir uns über alle diese Voraussetzungen einig, so rate ich Euch: Werdet Landwirte, bleibt Landwirte, setzt Euch durch: in Eurem Beruf, im Zionismus, in Palästina, lallt Euch von billigen Gemeinplätzen, vcrmotteten Pädagogitmisgrundxatzen nicht beirren. Geht Eurem Weg und laßt die Toten ihre Toten begraben.!1. Vott> Dr. Ludwig Pinner. Im Laufe der letzten 2 - 3 Jahre hat eine Anzahl junger Zionisten Deutschlands sich dem landWirtschaftliehen und gärtnerischen Berufe zugcwa1v.lt. Nach einer im Herbst dieses Jahres aufgesiellten Statistik befanden sich im ganzen '208 auf dem Lande, davon waren 7<J Mädchen, die zu vier Fünftel in der Gärtnerei tätig j waren. Von den ISO männlichen Praktikanten waren (>4 Ostjuden, 07 Blau-Weiße und 23 «lern Blau-Weiß lucht angehörige deutsche Juden, Seitdem hat sieh durch Vermehruttg der Zahl ostjüdischer Praktikanten das Verhälttiis noch weiter verschollen, Wenn die gegenwärtig ltcrrkosmische Vision, erfüllt von mystischer Schaltung, bildlüfte Aussage über Dinge einer anderen Welt. Immer wieder drängt sich uns bei Werken moderner jüdischer Künstler die Frage auf: Was ist an ihnen Jüdisches? So auch hier: sagt diese Künstlerin, die seihst «ins 1 .:!ml unserer Sehnsucht geschaut, etwas von seiner morgcnliiinliselicu Stimmung in ihre Bilder aufgenommen hat, sagt sie uns etwas von unserer eigenen Art und Sehnsucht, sagt sie uns anderes als Künstler fremden Stammes? Wir können und wollen die Frage liier «icht beantworten. Wir können es hier nicht: denn die ganze Problematik dieser Frage zeigt sich eben «larin, «laß ihre Beantwortung in jedem einzelnen!•'alle ausführliche theoretische Erörterung vorausset/.t. Wir wollen es nicht: denn es scheint uns unangemessen, grob auszusprechen, was die Künstlerin selbst nur ganz zart andeute♦. Wer so fein lüirt, wie sie spricht, wird sie auch hierin deutlich genug verstehen. K, F. Israel Chain! Tawjaw gestorben. ln Riga i« vor einigen Tagen der bekannte hebräisdie Sdiriitstcller und Pädajptge Israel Cliaim Tawjow im Alter von (>i Jahren gestorben. Der Vcrstorhene gehörte zu den besten F'eiiilleFmisten tu «kr hebräischen Presse und zählte durch Jahrzehnte hindurch zu den ständigen Mitarbeitern im ״Mamcliz“ uivJ ״ILt/man“, Tawjow war auch wissenschaftlich tätig und veröffentlichte im ״Flaschi'oach“ und anderen hebräischen Zeitschriften sehr wertvolle Studien auf dem Gebiete «1er hebräischen und jüdischen Philologie und Literatur. Be• sonders wertvoll ist seine Studie über die hebräischen und slawischen Elemente in der jüdischen Sprache. Sein Hauptvmüeiist war die Schaltung einer hebräischen pädagogischen Literatur, Auf diesem Gebiete verfaßte er eine große Anzahl von Lehrbüchern uni Anthologie«, die zu den besten in unserer Literatur gehören. Tawjow gab auch eine hebräische Jugemlzeitung ״Hadiawer" *Ier, Verstorbene war Mitarbeiter von vielen jüdischen Zeitungen, wo er auch zahlreiche populärwissenschaftliche Arbeiten veröffentlichte. In den letzten Jahren übersetzte er für den Stybel-Verlag eine ganze Keine von europäischen Fontänen, so Dickens, Zola und Uskar Wildes ״Dorian Gray‘•. Vor einigen Wochen kam Iawjow mit einem Fluch tlingstransport aus Sowjetruliliiiui nach Riga, wo er infolge seiner Er- Schöpfung schwer erkrankte. Nun ereilt uns die Nachrieht, daß er dort gestorben ist. sehende Tendenz in der «ieutsdicn zionististdica Jugend anliält, kann man anm־hmcn, daß jährlich etwa 50 Junge» aus deutsch-jüdischen Kreisen sich neu «kr Lindwartschaft /«wenden. Diese Jugend hat, wie bekannt, von allen sonstigen Schwierigkeiten abgesehen, meist mit dem hartnäckige» Widerstand ihrer Eltern zu kämpfen, die gewöhnlich Njcht/ioiiisten sind oder zu «lern ״ci lieblichen teil deutscher Zionisten“ gehören, in deren Sinne Herr Klötzel in Nr. 01/02 der ״J. R." schreibt. Die nichtzionistischen Eltern werden gut tun, den Artikel von Herrn Klötzel zu lesen, da sie dort zionistische Arg״- mente geliefert bekommen, mit denen sic ihre miß. leiteten Söhne vielleicht erfolgreicher als bisher von ihrer Jugendschwärmerei heilen und zu den erprobten Berufen eines jüdischen Rechtsanwalts, Arztes oder Kaufmimmt zu rück führen können. Diese zionistische Argumentation des Herrn Klötrel wendet sich einmal an den Verstand und danti an das Ge fülii. Er sagt (zmn Verstand): Jedes Volk kolonisiert 1111! seinem ״Uebersdiuß“; wenn aber Gymnasiasten und Realschüler landwirtschaftliche Arbeiter werden, so ist das vom Standpunkt «kr Volksökonomic eine Verschwendüng. Sie sollen im deutschen Wirtschaftsleben und an deutschen Hoch schule n etwas lernen, was später in Palästina unentbehrlich sein wird, und wenn sie selbst nicht mehr als Rechtsanwälte, Aer/te oder Katifleute in Palästina gebraucht werden sollten, so werden ihre Kinder in einem derartigen Beruf Palästina nutzen, ja dun ״unentbelirhch“ sein. Und er sagt (zum Gefühl): Bei der unbeschreiblichen Ostjuiknnot hat ein deutscher Jude kein Anrecht auf Palästina, ״bevor nicht der letzte Ostjude dort ein Asvt gefunden hat“. Ihr dürft daher jetzt noch nicht nach Palästina! Das erste Argument ist alt und falsch, das zweite ist etwas «euer, aber ebenso falsch. Wenn man die bei der Kolonisation anderer Völker gebildeten fkgriffe auf das jüdische Volk amvendet, so entsteht meist ein unzutreffendes Bild. Man braucht sieh nur zu vergegenwärtigen, wie der für «lie Kolonisation verfügbare ״UebcrschuB“ bei anderen Völkern und bei uns aussieht. Aus einem normalen Volke wandern kräftige junge Leute aus, die sich draußen günstigere l'.xistcn/lHulingungen versprechen als in der Heimat. Bei uns besteht dieser ״Uebeischuß“ in all den Trümmern, die die Elendswelle «ics Ostens an den Strand gespült hat. Die Länder, in die sich der Uebcrschtiß anderer Völker ergießt, bieten dem Einwanderer besonders vorteilhafte- Prodnktionsbedingtmgcn; bei Palästina ist das nicht der Fall. Bei anderen Völkern rekrutieren sich die Aus- Wanderer aus allen Berufsarten, besonders aber aus den ländlichen; bei 1ms fehlt dieses Element, »vahrend wir einen Ueberschuß an städtischen Berufen haben. Da in Palästina aber eine Kolonisation ohne «las Rückgrat der ländlichen Siedlung undenkbar ist, so muß wenigstens zum Teil eine Berufsumscliidttung erfolgen. Man brauchte eigentlich heute «lie Spalten einer zionistischen Zeitung nicht mit Aufzählung dieser Grundtatsachcn zu fußen, wenn, sie nicht einem ihrer Redakteure offenbar unbekannt wären, (hier wenn sie ihm bekannt sind, so ist der Schluß unverständlich, den er daraus zieht, ׳nämlich «laß die aus den Kreisen des Blau- Weil! hervorgegangenen Lairäwirtschaftslehrlingc für Palästina ״selbst dann einen Verlust bedeuten, wenn sie wider alles Erwarten wenigstens mittelmäßige Landwirte werden sollten.“ In einem Agrarlande? Bei einer Einwandercrschaft, die fast gar keine Landwirte, also auch keine mittelmäßigen auf weist? Aber «lie guten Rechtsanwälte, Aer/te uiul Kaufleute, die dem Lande verloren gellen und später einmal 1111entbehrlich sein werden, klagt Herr Klötzel. Nun, ich sehe nicht so schwarz wie er; ich glaube, wenn das Land sie brauchen wird, wird es sie haben, und man wird sogar den Abgang, der durch die deutsch-zionistischen Landwirte (jährlich etwa 50) entstanden ist, verschmerzen können. Wie steht es aber mit dem Appell an das jüdische Gefühl der deutschen Zionisten? Ihr dürft nicht nach Erez-Israel, bevor der let/ic Ostjude dort ein Asvl gefunden hat, schreibt Herr Klötzel. Aber er gibt gleichzeitig «kr Leitung recht, die heute sagen muß: ״Palästina ist keine Antwort auf das namenlose Eiend ticr ustjüdischen Massen, sie dürfen noch nicht nach Erez- Israel“; denn er hat sich in trefflicher Weise den Standpunkt zu eigen gemacht,* «laß nur ״die Notwendigkeilen ues Landes“ einen Anspruch auf Einwanderung begründen. Gäbe es nun ostjüdische Chnluzini, die allen Notwendigkeiten des Landes, in diesen Falle den Lindwirtsciiaftiichen, entsprächen, i« hiinreieiiender Zahl, so ließe sich auch noch mancherlei gegen «iie so formulierte Wartcparok Klötzels entwenden. Aber der von ihm zitierte Satz «ies ״Haarez“ beweist ihm, daß dies in Et «ier Fall ist. Vorgebiidete Landwirte und tiärtuer sind eben unter den Ostjuden nur in verschwindender Zahl vorhautkn. Das heute etwas oft gebrauchte Wort ״Ul.duz' besagt eben nichts ihrer «iie Vorbereitung und Eignung zur Pionierarbeit, sondern bestenfalls über die Bereitschaft dazu. Daß die Ostjuden unglücklicherweise selten dk Möglichkeit haben, sich auf den landwirtschaftlichen Beruf vorzubereiteu, ist nicht ihre Schuld; um s«> mehr ist es die Pflicht deutscher Clialuzim! diese Eaelivorlnreitimg zu he! re Lea und dem Linde die Eaclileute zu geben, deren es dringend bedarf sei יס um die landwirtschaftliche Technik zu verbessern oder um ' in Gartenstädten Lehrmeister und in Arbeitergruppen technische Leiter zur Verfügung zu stellen oder auch um selbst vorbildliche landwirtschaftliche Arbeitsgruppen zu bilden. Daß heute ein wohlhabender Amerikaner