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Jüdische Rundschau · 1921-01-05 · Heft 1-2 (5.1.1921) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 1-2 (5.1.1921)
Date
1921-01-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ß st• re jlten. Oicht Ichti- I»׳are ircn. litten inut rkhaterlen.'״ Nr. 1.2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 3 Rundschau i Berlin, 4. Januar ן Die deiinitive Festsetzung und Veröffent. lidiung des Mandates über Palästina ist nunmehr wieder; Ibis Februar aufgeschoben worden. So wie früher die Entscheidung über das Schicksal faliisünas bis zur Regelung der anderen, mit dem türkischen Frieden zusammenhängenden Fragen wartert mußte, ebenso ist auch jetzt die Tatsache, daß der Friede von Sevres bisher nicht ratuuicrt wurde, Ursache genug, uni die Bestätigung dei Mandate, (durch den Völkerbund aufzuhalten. Nachdem bei den letzten Londoner Bcsptcchungcn ein Einvernehmen zwischen Frankreich und England erzielt worden war. hat nunmehr Amerika seine Auffassung dargelegt, daß vor der Ratifizierung des Fiiedensvcrtragcs die Okkupationsmächte, die ehemals? lürkischen Gebiete mir aus dem Titel mili•!arischer Okkupation, keineswegs als Mandatsträger besetzt halten. Ucber die Mandate soll nach der Ratifizierung des Friedensvertrages nicht der Völker, butid, *sondern der Oberste Rat der Alliierten entscheiden. Trotzdem also auch das Palästinamandat noch nicht rechtskräftig festgesetzt ist, sind doch gewisse Andeutungen über seine gegenwärtige Fassung in die Ocffenilidikeit gedrungen. Wir haben es bisher | vermieden, auf diese Nachrichten einzugehen, obj wohl wir wissen,, wie stark das Interesse der ganzen iüdischcn Odfentüehkeit an diesem für das künftige Geschick des jüdischen Volkes so wichtigen Ver. träges ist. D.־;m wir halten es für sehr bedenklich; die Gerüchte über den Stand derartiger Angelegen״» heiten zu veröffentlichen, solange die Sache seihst noch im Stadium der politischen Verhandlung ist. ln einem solchen Falle empfiehlt es sich aus vielen Gründen, eine gewisse Zurückhaltung zu hewahren, bis sichere Ergebnisse m'itgcteilt werden können. Da die Fragen nun 'doch von mehreren Blättern besprochen wurden, und auch die ״Times“ sich darüber äußerten, so verzeichnen wir hier den woscntlichcn Inhalt dieser Meldungen. Bekanntlich wurde der ursprünglich vereinbarte Text des Mandates im Laufe der späteren Verhandlungen weseiitlieh verschlechtert: den zionistischen Bemühungen ist es nun gelungen, wieder eine Verbesserung durchzusetzen, indem mehrere, vorher gestrichene Absätze wieder in den Text nufgenommen wurden!. Dazu gehört vor allem die prinzipiell wichtige Einkitung, in der die historische Verbundenheit des jüdischen Volkes mit Palästina als Titel für die Errichtung der nationalen Heimstätte ausgesprochen | wird. Das Mandat enthält ferner die Völkerrecht- : liehe Anerkennung der Zionistischen Organisation, die die palästinensische Regierung in den Fragen der Verwaltung des Landes, insbesondere in wirtschädlichen Fragen zu beraten hat. Weiters sichert der Vertrag der Zionistischen Organisation gewisse Vorrechte bei der Vergebung voii Konzessionen und öffentlichen Arbeiten und spricht aus, daß autonome, sich selbst verwaltende Institutionen im Lande zur Entwicklung gebracht werden sollen. Da das Mandat noch nicht offiziell veröffentlicht wurde, haben diese Meldungen nur den Charakter von Vermutungen. Wir haben bereits mehrfach unsere Auffassung dargelegt und insbesondere betont, daß durch den Mandatsvertrag zwar das jüdischc Palästina nicht geschaffen werden kann, daß er aber doch den Weg dazu eröffnen will. Wir hätten gewünscht, daß die in der Balfour-Deklaration in Aussicht' gestellte Unterstützung Englands zur Entwicklung des autonomen jüdischen Ge* meinwesens deutlicher in dem Wortlaut des Mandates zum Ausdruck komme. Wir müssen jedoch anerkennen, daß cs ein außerordentlicher Erfolg ist, wenn es Weizmann gelang, den nr. sprimglichen Text des Mandatsentwurfes wenigstens in den Hauptpunkten wiedcrherzustellen. Das Man:- dat bietet volle politische Garantien!und alle Freiheit für unsere künftige Arbeit. Von der Arbeit allein bängt alles ab. f Wälirend das Mandat noch' in Schwebe ist, ist die Frage der Grenzen durch ein englisch! französisches Ucbcrcinkommen definitiv erledigt worden. Allerdings hat Sokolow in einer ini unserer heutigen Nummer veröffentlichten Unterredung die Ansicht ausgesprochen, daß Frankreichs Widerstand sich lediglich gegen den englischen Rivalen, keines!- wegs gegen den Zionismus kehrt, und daß für den Fall einer späteren Autonomie Palästinas auch der nördliehe Teil dem jüdischen Volke gegeben werden wird, trotzdem ist das vorläufige Ergebnis der Verhandlungen die schmerzliche Tatsache, daß Palästina geteilt ist. Es wurde wiederholt darauf hingewiesen, welche wirtscliaftlichen Nachteile die , Abtrennung des Nordens mit sich bringt, insbesonderc infolge des Verlustes der Wasserkräfte. Die Bevölkerung Palästinas aber, die über die gefallene Entscheidung tief erregt ist, empfindet unmittel• bar, welche blutende Wunde dem Lande zugefügt wurde dadurch, daß man eines der schönsten Stücke aus seinem Leibe gerissen hat. Die Gegend in der Umgebung des Tibcriassces und von hier gegen den Norden ist nicht nur der schönste, sondern einer der jüdischesten Teile Palästinas. Dort liegen die Sicdlungspunktc der Arbeiterschaft, die Keimzellen des hebräischen Arbcitcrlcbcns, von dort zogen die Arbcitdr und die Schüler Palästinas singend in das Gebirge, dieser Boden ist durch den Tod der in der Verteidigung der jüdischen Siedhingen gefallenen Wächter und Arbeiter geheiligt. Die Zionisten der ganzen Welt bedauern die Loslösting dieses Teiles, aber nur die Palästinenser spüren diesen Schlag in seiner vollen Schwere. Dem ״Problem des Zionismus“ widmet der ״New Statesimin“ einen ausführlichen Artikel. Er nennt die Balfour-Deklaration einen Schritt in's Dunkle und polemisiert gegen die übermäßigen Ansprüche, die unlängst von Zangwill aufgestellt wurden. Das Blatt kritisiert die Stimmen der Ent■* täusehung, die von zionistischer Seite gegen das Mandat und die Grcnzreglung!aut geworden sind. Es bezeichnet eine volle Erfüllung der Ursprungliehen Versprechungen als unmöglich, da die Erriehtung eines vollkommenen Judenstaates ohne Rücksichtnahme auf die Gefühle und Rechte der Majorität der Bevölkerung eine Ungerechtigkeit wäre. Die Zionisten hätten die Aufgabe, aus den beschlossenen Maßnahmen das Beste herauszuholen. Das wichtigste sei die Lösung der Araberfrage. England könne zwar eine militärische Macht in Palästina erhalten, die allerdings allmählich von den palästinensischen Steuerzahlern wenigstens zum1 Teil erhalten werden müsse, England könne ferner das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Stämmen ,.hersteilen und dafür sorgen, daß der nichtjüdischen Majorität kein Unrecht geschieht, England könne auch die wirtschaftliche Lage Palästinas in jeder Beziehung heben. Darüber hinaus aber sei es Aufgabe der Juden, die arabischen Sympathien zu erringen. Wird ihnen dies nicht gelingen, so würde der zionistische Versuch ein Truggebilde bleiben. Das Blatt hält cs auch für notwendig, daß nicht mir die Quantität, sondern vor allem die Qualität der Immigration geregelt wird. Palästina könne keine Zufluchtsstätte für die verfolgten Fluchtiinge der Ghettos von Warschau und! Budapest sein, sondern die Juden Palästinas müssen mit ihren Händen arbeiten, aufbauen, Straßen, Hiifen, Häuser tisw. schaffen. Nur durch ein neues, für diese Arbeiten taugliches jüdisches Geschlecht kann Palästina aufgebaut werden, nicht aber durch eine Masse von kleinen Krämern und Wucherern, Trotz alledem glaubt das Blatt, daß die Zionisten keinen Grund haben, über die kleinen Mißerfolge in der Grenzfrage verstimmt zu sein. Die gegenwärtigen Möglichkeiten sind genug groß, und die Welt wird; den Erfolg des Zionismus nach seinen eigenen Taten beurteilen. Die Zionisten allein können Pa• lästina zu einem Staat machen. Das Große Aktions-Gomite ist für den 6. Februar nach London einberufen worden. Gleichzeitig wird berichtet, daß Weizmann nach Palästina abreist, und es scheint daher auf den ersten Blick zweifelhaft, ob der Termin wird aufrecht erhalten werden können, da die Sitzung ohne Weizmann keinen Sinn hätte. Will Weizmann schön am 5. Februar zurück sein, sb wird er in Palästina kaum viel tun können. Die Sitzung des A. C. ist zweifellos von großer Wichtigkeit, weil dort die Rcorganisationskommission über die Ergebnisse ihrer Palästinareise berichten wird. Es wäre n wünschen, daß die Sitzung so vorbereitet wird, daß konkrete Resultate zu erwarten sind. Auch eine Beteiligung der Amerikaner ist unerläßlich. Seit der letzten Jahreskonferenz, die ohnedies ihrer Aufgabe nicht gerecht wurde, hat sich neuerlich ein ungeheurer Stoff angesammelt, der eine Klärung herausfordert. Die Exekutive, welche unter Hintansetzung der organisatorischen und kulturellen Aufgaben lediglieh für kolonisatorische und finanzielle Arbeit eingesetzt wurde, hat bisher ihre Kolonisationspiäne nicht bekanntgegeben. Durch die Beschlüsse der Amerikaner in Buffalo ist überdies eine neue Situation geschaffen. Die Ereignisse in Palästina, einerseits die andauernde wirtschaftliche Krise, andererseits die beginnende Selbständigkeit des Jischmv, der sich in Assefath haniweharim und Waad icumi seine Organe geschaffen hat, fordert gebieterisch eine Stellungnahme der Exekutive. Das: A.C, muß darüber endlich• Klarheit schaffen, und wir verhehlen uns nicht, daß dies zum, Teil auch mit einer Neuregelung der Personenfrage innerhalb der Leitung Zusammenhängen wird. Auch im englischen Unterhause ist die Frage der Beteiligung der jüdischen Bevölkerung an den Kosten des Aufbaues Palästinas wieder erörtert worden. Mehrere Interpellanten haben darüber Beschwenk: geführt, daß die englischen Steuerzahler die Lasten der Okkupationsarmee tragen müssen und haben gefordert, daß die Juden zur Deckung dieser‘ Koster» herangezogen werden. Bonar Law sowie andere Mitglieder des Unterhauses haben mit Recht darauf hingewiesen, daß die jüdische Bevölkerung außerordentlich viel für die Kultivierung des Landes tue, was der gesamten Bevölkerung zugute komme und eigentlich vom Staat getan werden sollte. Es wäre daher nicht gerechtfertigt, auch die Kosten dort Okkupationsarmee den Juden aufzubürden. Diese Debatte zeigt' wieder, daß cs ein ^großer Irrtum wäre, ,von England den Aufbau der jüdischen! Heimstatte zu verlangen. Nur die Juden selbst können dieses Werk leisten, und nur wenn es vom jüdisehen Volk durehgeführt wird,׳ besteht die Gewahr des rechtlichen Besitzes. Auch die englische Oeffentlichkeit erwartet mit Rpcht, daß die Juden alle Anstrengungen machen werden, und daß sie vor allem das notwendige Geld aufbringen werden. Sollte dies nicht der Fall sein, dann wird allerdings auch das Ansehen und das Recht der Juden .sehr gering bleiben. Aus dein spärlichen Material, das über die Reise der Kommission Simon in die Ocffentlichkeit, das heißt in die palästinensische Presse gedrungen ist, sind vor allem zwei Tendenzen zu entnehmen: Erstens das Bestreben, die Erziehungsarbeit von der Zionistischen Organisation abzuwälzen, zweitens der Plan zur Umwandlung der gesamten palästinensischen Verwaltung durch Schaffung einzelner voneinander unabhängiger Institutionen. Beide Maßnahmen halten wir für unglücklich. So sehr Zweifellos eine Neuregelung der ganzen palästinensischen Verwaltung notwendig ist, so liegt doch in der vollen Auflösung der zentralen Institution eine große , Gefahr. Es wird damit der amerikanischen Tendenz der Unabljüngigkeit der verschiedenen Unternehmungen nachgegeben, und es ist zweifelhaft, inwieweit sich innerhalb eines solchen Systems der nationale Einfluß sichern läßt. Bei einer Sitzung! der Organisationskommission mit der Exekutive des Waad leumi stellte Herr Simon in Aussicht, daß ein Teil der palästinensischen Verwaltung gänzlich’ auf den Waad leumi übergehen könnte und dadurch die vom Waad leumi urgierte Beteiligung des Jischuw am Waad hazirim überflüssig würde. Auch diese 'Lösung ist unbefriedigend, denn dadurch' würden einzelne Arbeitszweige der Kontrolle ganzlieh entzogen. ז Die schwierigste Frage ist die Frage des Erziehungsbudgets. Der palästinensische Staatsrat (Advisory Council) hat sich mit der Erziehung in Palästina beschäftigt, und es wurde dabei festgestellt, daß 90000 bis 95 000 von 111000 arabischen ־Kindern ohne jede Erziehung bleiben. Die Regierung verausgabt 54 000 Pfund für Erziehungszwecke. Die jüdische Erziehung wird ausschließlich vom Waad hachinuch geleitet, dessen Budget im Jahre 5680 102 139 Pfund (ausschüeßlieh Administrationsspesen) betrug, wovon 111 Anstalten mit 11 S45 Kindern finanziert werden. Soweit die Regierung Schulen aus Steuergeldern bezahlen wird, ergibt sich die merkwürdige Situation, daß jüdische Steuergelder für ein Erziehungswerk verwendet werden, von dem Juden zwar nicht rechtlich, aber faktisch ausgeschlossen sind. Das Advisory Council hat Maßnahmen erwogen, um neue Einnahmequellen zur Deckung des Erziehungsbudgets zu schaffen. Vorderhand aber ist keine Aussicht, daß die jüdischen Schulen nennenswerte Subventionen erhalten können. Es ist aber ganz klar, daß das Erziehungswesen für die Zukunft des Zionismus von geradezu entscheidender Bcdeutung ist. Ohne eine nationale hebräische Jugenderziehung wird in Palästina vielleicht eine bescheiden« Kolonisation, niemals aber die Verwirklichung des Zionismus möglich sein. Die Erkenntnis von der überragenden Bedeutung des Erziehungswesens hat sich vor sieben Jahren anläßlich des Sprachenkampfes elementar Bahn gebrochen. Damals, unmittelbar vor dem Krieg«, wurde das Schulwesen von der Zionistischen Organisation übernommen und aus dem neugeschaffenen Zentral*

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