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Jüdische Rundschau · 1921-01-05 · Heft 1-2 (5.1.1921) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXVI (1921)
Issue
Heft 1-2 (5.1.1921)
Date
1921-01-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Nr. 1/2 Seite 2 JUEDISCHE RUNDSCHAU Ein Interview mit Sokolow Die französische Grenzpolitik — Sokolow gegen die Amerikaner Für industrielle Entwicklung gestellt die landwirtschaftlicliC Arbeit, eingeschränkt) das Schulwesen. Das Auftreten der Reorganisationskonnnission, die in Palästina den Kontakt mit) der Bevölkerung nicht gefunden hat,'hat hn Lande ziemliches Unbehagen hervorgerufen. Die Vorschlüge, die Simon mitgebracht hat, dürften den unmittelbaren Anlall zu seiner Demission gegeben! haben. Für den Landesvorstand der Z. V. f. D, besteht mm die Notwendigkeit, zu diesem Kernproblem Stellung zu nehmen. Dabei darf nicht verkannt werden, dall die Frage der Aufbringung der Geldmittel das ernsteste Problem ist, auf dessen Lösung heute die Kräfte konzentriert werden müssen. Das Geld für nationale Zwecke wird nur dann zu haben sein, wenn die nationale Arbeit mit aller Energie fortgesetzt wird. Darüber hinaus aber inufl Klarheit darüber geschaffen werden, welche nationalen Funktionen für den Zionismus essentiell sind und welcher nationale Gesamtaspekt nicht ver- Jorcn werden darf, ohne das Wesen des Zionismus in seinen Grundlagen zu gefährden. R. Wl Unterstaatssekretär Harmsworth über Herbert Samuel Aus London ward berichtet: Der Overscas Club gab dieser Tage zu Ehre!! des in London anwesenden Gouverneurs von Jerusalem, Mr. Ronald Storrs, einen Lunch, bei welchen! in Vertretung des erkrankten Lord Northcüffc Uiilerstaalssckrelär des Auswärtigen Harms wort 11, präsidierte. Es wurde eine Botschaft Lord Northdiffes verlesen, in welcher er der Tätigkeit Sir Herbert Samuels als Oberkommissar von Palästina Anerkennung zollte. Unterstaatssekretär Coeil Harmsworth knüpfte in seinen! Trinksprueh an diese Worte Northdiffes, welche gerade aus dessen Munde gröbere Bedeutung gewinnen, an und sagte: ״Lord Nortluliffe schätzt, wie alle Welt, ganz besonders den Mut und die bewunderungswürdige. . administrative, (iesdiickliclike.it Herbert Samuels, mit welchen er die vielen komplizierten Probleme Palästinas nllm,ältlich ihrer Lösung zuführt." Redner seihst konnte vor einigen Wochen in! Unterhaus auf die Erfolge und die Bestrebungen. Sir Herbert Samuels, soweit s.e damals bereits vorgeschritten waren, unter allgemeinem Beifall hinweisen. Viele Aufgaben, welche im Unterhaus heute die Debatte beherrschen mul verschiedene Meinungen hervorrufen, haben die Aufmerksamkeit Herbert Snmiiels in Pa• läMiea In vollem Malle ervvekl, uml, kaum ial eilt Problem ausgesprochen, schon kommt aus Palästina als Widerhall die Mitteilung, daß Sir Herbert Samuel eigene Kommissionen z.ur Behandlung dieser!־ragen bildet, Er hat sieh einen Rat *gebildet, in dessen Zusammensetzimg sieh schon seine Einsicht bekundet. Deik! dieser Rat besteht nicht bloß aus Beamten, sondern in entsprechendem Verhältnisse aus Mohammedanern, Christen und Juden. Ebenso hat Samuel das große Verdienst, im Lande selbst den Sinn und das Vcrstiinciis für die unmittelbar z.it lösenden großen Fragen dieses ausgedehnten Gebietes z.u erwecken. Er hat auch Zeit gefunden, Einblick in die ganze Land frage zu gewinnen, eine Frage, die erst jüngst in beiden Häusern des Parlaments eine eingehende Diskussion hervorgerufen hat. Er hat ein großes Programm für Straßenbau ausgearbeitet, wobei er sielt manche Anregung von unserem bekannten Techniker Sir Eric Oeddes geholt hat, und inmiten all dieser vielseitigen mühevollen Tätigkeit hat er sogar noch Zeit gefunden, sich mit der Regelung des öffentlichen Ankündigungs- und Plnkatierungswesetis zu befassen. (Heiterkeit.) Wir können uns, schloß Hannsvvortli seine Ausführungen, von Herzen gratulier e n, daß wir Sir Herbert Samuel als Oberkommissär in Palistina um! Mr. Storrs als Gouverneur in Jerusalem haben. Argentinien wünscht jüdische Einwanderung In Paris weilt auf einem Besuche Europas der argentinische Oberrabbiner Dr. Chalfon, um im Auftrag der argentinischen Regierung die Einwanderung der Juden nach Argentinien zu fördern. Vor seiner Abreise hatte er eine Audienz beim Präsidenten der argentinischen Republik, der ihm erklärte, daß Argentinien seine Entwicklung den eingewanderten Juden Verdanke und den Rabbiner aufforderte, in Europa Schritte zu unternehmen, um einen großen Teil des jüdischen Auswandererstromes nach Argentinien zu lenken. Die jüdischen Einwanderer würden bcsondere Begünstigungen genießen. Die jüdischen Arbeiter Amerikas für die Kwuzoth Oie ״Hazcfirah“ teilt aus sicltercr Quelle folgendes mit: Nachdem in Amerika bekannt wurde, daß der Waad Haziriin das jährliche Budget der Arbciter-Kwuzoth in Palästina herabsetzen mußte, begann Herr Dr. Nach man׳ Syrkin unter den jüdischen Arbeitern Amerikas eine Propaganda zugunsten der Aufrcditerlialttung der Kvvuzotli in Palästina. Seine Propaganda hat vollen Erfolg gehabt. Aus jüdischen Arbeiterkreisen Amerikas sind bis jetzt 100 000 Dollar als Anleihe für die landWirtschaftliehen Kwuzoth in Palästina und Zwar für den Ankauf von Arbeitsmaschincn und Geräten aufgebracht worden. Die ״J.P. Z.“ veröffentlicht ein Interview mit Sokolow über die gegenwärtig breiuicndslcn ztonistisdwsu Fragen. Die Grcnzfragc. 111 erster Reihe wurde die jetzt aktuelle Frage der Grenzen Palästinas besprochen, Sokolow erklärte: ״Die Franzosen beabsichtigen, uns Erez-Israel bloß in den historischen Grenzen von Dan bis Beerseba zu gewähren. Wir können uns damit nicht begnügen und fordern ausgedehntere Grenzen, um eine größere Ent- Wicklung der palästinensischen Industrie zu ermöglichen. Die französische Regierung versicherte uns, im Prinzip nichts dagegen zu haben, einen Teil ihres Territoriums den Juden zur Ansietlhuig zu überlassen. Da aber — motiviert Frankreich — die Zionisten gegenwärtig ihr erstes Experiment unternehmen und niemand mit Bestimmtheit sagen kann, oh dieses gelingen wild, wollen wir mit unserem Beschluß noch abwarten, dem! falls die zionistische Kolonisation nicht erfolgreich sein würde, wird England das von uns den Juden abgetretene Gebiet, ebenso wie ganz Palästina in seinen Besitz nehmen. Soll t e 11 w i r u!1 s j e d o c h über z. e u g c n, dal! das j ii 11 Iselte Unternehmen im Gel in■ gen ist, werden wir uns ohne Zögern mit Euch in Verbindung setzen; aber wenn wir jetzt das verlangte Territorium Euch zur Verfügung stellen würden, wäre es, als ob wir es einfach England schenkten. So lautet die Argumentierung tief Franzosen Die Geldaufbringung. Amerika und die Erziehung. Nim ist es unsere Aufgabe, Palästina vorläufig in seilten biblischen Grenzen zu besetzen; nachher werden siel! für 1111s sicherlich weiteix־ Möglichkeiten eröffnen. Wir verhandeln noch mit der französischen Regierung wegen des Mc-Mcrom-Gcbiets, das eigentlich ein Sumpf, nach Amelioricrung Raum für mehrere Kolonien abgehen würde; vorderhand sind wir allerdings noüh nicht so weit, um auf dieses Gebiet unbedingt nagewiesen zu sein. Auch bei der jetzigen Größe Palästinas weiden die Pläne Kuthcnbcrgs zur Ausführung gelangen können, bei deren großzügiger Durchführung, selbst das historische Palästina bis 5 Millionen Seelen wild liisseu können, Unsere jetzige Aufgabe bestellt darin, kolossale Ge Id mit lei auf zubringen. Hier stoßen wir nun gegenwärtig auf große Schwierigkeiten. Die Amerikaner sind scheinbar müde geworden, die nötigen Summen aufzubringen und eile Ostjuden in Anbetracht ihrer tristen ökonomischen Lage und der niedrigen Valuta nicht sehr leistungsfähig. Außerdem begreifet! die amerikanischen Juden, falls wir die zionistischen Vertreter als deren wahre Wortführer z.u betrachten haben, keineswegs den unschätzbaren Wert der Jugenderziehung i in jüd i s cl! ca G c i s te. Als echte' Busincssleute sind sic gewohnt, Geld nur für Dinge zu verwenden, die gute Dividenden abwerfen. Wir jedoch, die wir keine philanthropischcn Zionisten sind, messen diesem Erzieliungsprob 1 e 111 eine ungeheure Bedcu* Die neuen Grenzen zwischen Syrien und Palästina Gemäß dem ״Temps" beginnt die neue Grenze zwischen Syrien und Palästina, wie sie in dem englisch-französisehen Abkommen vom 23. Dezember niedergelegt ist, am Ras Nakura, oft als ״Treppe von Tyrus“ bezeichnet, ein bedeutendes Vorgebirge, welches zu allen Zeiten ein imühcrsclireitbarcs Hindernis für jeden Verkehr auf Rädern zwischen Akka und Tyrus bildete, bis 20 30 /f* die siebente Mcerut-Division des Generals Fane eine Straße darüber in! Oktober 1Ö18 anlegte. Von hier aus folgt die Grenze der Wasserscheide zwischen dem Farali-, Kurn- und Kerbcrafhtß im Süden und dem Duhleh-el-Ayon- und Zcrkafluß im Norden, so daß auf diese Weise die berühmten Ruinen vom Kalar Kurain die Statkenburg oder Montfort der Kreuzzüge, Palästina verbleiben. Siel» dann nach Norden wendend, folgt die Grenze der Wasserscheide zwischen dem Litani (Lcontes) und dem Jordan bis nördlich Mctullah, der nördlichsten jüdischen Kolonie, wendet sich dann ostwärts bis einschließlich Banias (Caesarea Philipp!) und seiner ״Quelle tung bei, da unsere Zukunft davon abluüigt, ob unsere Kinder in Palästina eine nationale Erziehung erkalten. Die amerikanischen Zionisten ahnen augenscheinlich nicht den moralischen Schaden, den sie dank ihrer kurzsichtig gen Taktik unserer Aufbaubewegung zu fügen. Es wäre zwecklos, mit ihnen darüber weiter Streit zu führen. Wir müssen deshalb selbst die nötigen Mittel finden und zwar bei den Ostjuden, trotz ihrer jetzigen Armut. Hoffentlich werden jedoch die Amerikaner bei Er riehtung der Agrarbank, Häuserbauten und anderer Unternclunungen ihre materielle Mithilfe nicht versagen'1 Die Arbeiterfrage. Bei Berührung des Problems der B e s c 11 ä f t i - gung ausschließlich jüdischer Arbeiter in Palästinaerklärte Sokolow, die ganze Tragweite dieses Problems wohl zu erfassen. Man könne jedoch keineswegs die traurige Tatsache außer acht lassen, daß die Kolonisten nicht in der Lage sind, höhere Arbeitslöhne zu zahlen, weshalb sie auch auf arabische Arbeiter angewiesen sind. Wir wollen auch keineswegs den arabischen Arbeiter boykottieren. Wir setzen jedoch große Hoffnung auf die Entwicklung der Industric. Nun erhalten qualifizierte Arbeiter, selbst bei den jetzigen ungünstigen Verhältnissen, relativ hohe Löhne. Soldie Arbeiter sind sehr zahlreich unter den Ostjuden, In der Industrie läge somit die Möglichkeit vor, ausschließlich jüdische Arbeiter zu beschäftigen, denn bei einem Ricsmunterncliinen, wie wir cs vorliaben, muß stets auf die Lebensfähigkeit aller Unternehmungen Bedacht genommen werden. Die Bodenfrage. Bezüglich der Bodennationalisicrung und der betreffenden Beschlüsse der Londoner Konferenz meinte Sokolow: ״Die Londoner Konferenz, hat sich gegen die sofortige Bodennationalisicrung in Palästina ausgesprochen, weil die amerikanischen Delegierten versicherten, daß in Amerika für zionistische Zwecke liauptsächlich die hnlbassiinilierten Juden, die sog. ״Jahudim" Geld spenden, die im Fall der Akzeptierung der radikalen Resolution über die Bodennationalisierung, den Zionisten ihre Hilfe versagen könnten. Andererseits würde auch die englische Regierung iler/eit die Boden• iiatlonaliskiuiiß kaum gestatten." Auf die Frage, ob nicht audi für Palästina die Fest• Setzung, von Minimallöhnen erwünscht wäre, autwortete .Sokolow verneinend. Die Araber würden in diesem Falle die Kolonien einfach überfluten. Audi seien die Kolonisten nicht imstande, größere Arbcitslöhne zu zahlen. Die Landwirtschaft dürfte jedoch seiner Meinung nach keineswegs die große Rolle in Palästina spielen, wie allgemein geglaubt wird. Nur die industrielle E111 w»c k 1 u 11 g werde imstande sein, Millionen z.u erhalten. Außerdem müssen wir Unser Hauptaugenmerk der Wohnungs- und Erz i c 11 u n g s f r a g e zuwenden. Bei Aufbringung der nötigen Mittel wird all dies sicherlich eine befriedigende Lösung finden des Jordan“ in Palästina. Der ״Tcmps“ gibt nicht an, auf welcher Seite der neuen Grenze das riesige Kastell Subeibch auf dem Hügel oberhalb Banias liegen soll, aber augenscheinlich wird Kuneitera, der äußerste Vorposteu menschlicher Behausungen, der die von Hyänen bewohnten Wüsten des steinigen lturaea überragt, zu Palästina gehören. Die Grenze geht dann über den Jerabafluft nach dem See Gcnczarcth. Auf diese Weise werden beide Seiten des oberen Jordans von Dan durch den Jluieh• Sec (Wasser von Moroni) und vorbei am Jisr-Benat- Jakub (Brücke der Töchter Jakobs) zu Palästina geboren. Die Grenze überschreitet den See Genczareth, indem sie das Land dös Cadarcnes Frankreich überläßt. Von Semakiv nach dem östlichen Austritt aus «1011־ See lauft sie bis zum Südufvr «les Yarnuik, s.> dal! sie 1u>el1 Dcraah tuul Bosralt entschließt. Die Eisenbahn unter* lialb des Yarnuik von Dcraah nach Scmakh wird durch eine gemeinsame Unternehmung gebaut werden. Von Dcraah läuft die Grenze nach Nasjß, von da nadi Iitiar und nordöstlich zu dem höchsten Punkt am Euphrat bei Abu-Kemal, 50 Meilen westlich von Auali. Dann läuft sie nach Rumeilan Keui, so daß sie das ganze westliche Kabur bei Syrien beläßt imd Sinjar bei Mesopotamien, und von da zum nächsten Punkt am Tigris, ungefähr 70 Meilen nordwestlich von Mosul. Die Ostgrenze von Syrien geht auf den Tigris zu bis etwa nach Jcziret-Ibn-Omar, wo sie die türkische Grenze trifft, wie sie im Vertrage von Sevrcs niedergclegt ist. Versammlung, in Amsterdam Amsterdam, den 2. Januar. (Telegramm der ״Jüdischen Rund schau".) Unter ungeheurer Beteiligung der gesamten jüdischen Bevölkerung fand hier ein Massenmeeting über Keren hajessod statt. Weizmann und Jabotinsky hielten Ansprachen, Weizmann machte die Mitteilung, daß er sich mit Alfred Mond nach Palästina begibt, und daß das Economic Council nunmehr konstituiert wurde. Auch «ler englische Gesandte, Sir Graham, wohnte der Versamrahing bei. *

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