Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 91-92 (22.12.1920)
- Date
- 1920-12-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652314--13639-2671385- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seile 00ג für soll gespendet werden, dafür soll der Kli!!j‘dbeutcl Iienmigchen, alles andere soll gegründet^ werden, alles andere sollen Uesellscliaftcn u־c־ >' n mit Aulsielitsräten, mit Aktien, mit Dividenden GVyk mindestens mit Dividendeiiaussichten. Dafür sollen Prospekte I1eransp;ehe11 und mau rechnet, daß auf diese Weise mehr eiukonunt. Aber das ist sehr zu bez.wcifelu. Wenden wir uns unter kapitalistisehen Gesichtspunkte» an die Geldgeber, so wird die ganze Sache eine Frage von kapitalistischer Berechnung, dann werden jene Unternehimmgen, jene ( lesellsehaiteu ilu Kapital bekommen, deren fiuen/ielle Aussichten besser oder vielleicht bestenfall׳ ebenso wertvoll sind wie irgendwelche aridere Ka pita Istnögli eltkc iten in irgendwelchen anderen Liimlem. Welcher Grund soll Jen Kapitalisten veranlassen, 1 »old für eine Palästina-Aktiengesellschaft /u gehen, wenn eine Aktiengesellschaft in Borneo oder gar in Amerika höhere Dividenden in Aussicht zu stellen imstande ist? Und wenn wir schon daran glauben, daß auch bei der rein kapitalistisehen Betrachtungsweise bei Zionisten zionistische licsichtspunkte mit in Frage kommen, so ist es doch klar, daß dann das nötige (ield gefunden weiden wird in erster Linie oder ausschließlich nur für jene Aktiengesellschaften, die wirklich eine gute Dividende in Aussicht stellen können. Wir fürchten» allzuviel solche Unternehmungen sind, zum mindesten in den ersten Jahren, auch für Palästina nicht zu finden, cs bleibt ein ganz großer Teil von Aufgaben übrig, die bestenfalls, zumindest für die erste Zeit, wenig rentabel oder sehr riskant erscheinen, üb aber auch die weniger rentahelen Gesellschaften ihr Kapital finden oder rechtzeitig finden, muß zumindest dahingestellt bleiben. Wir sehen ja auch, daß die Amerikaner für sich an ganz bestimmte Gesellschaften denken, au jene nämlich, die wirklich sehr sicher sind und eine fast lisikoiose Aussicht auf Gewinn haben: die Agrar- und Hypothekenbank, die Gesellschaft für Regelung der Wasserkräfte des Landes, die Gesellschuft für Lieht und Kraft u. dgl. Natürlich ist für solche Unternehmungen Kapital zu haben. Was aber wird mit den anderen Aufgaben? Fürchten die Amerikaner nicht den Vorwurf, dal! sic auf diese Weise die rentablen Gesellschaften den Umdem mit der guten Valuta Vorbehalten mul es den Landern mit der schlechten Valuta überlassen, Spenden ftit unrentable Anlagen zu Sammeln? Und die kulturellen Aufgaben, die sozialen Aufgaben, die sanitären Aufgaben? Werden sie wirklieh ausreichend gedeckt werden, wenn wir auf der einen Seite das kapitalistische Interesse erwecken und die großen Summen, die für Palästina aiifzubringen sind, für Kapitalsanlagen weggenomiiieii halien? Wird noch genug übrig bleiben für jenen großen Komplex von Aufgaben, auf denen letzten lindes die lintw icklutig des jüdischen Paliistina mindestens so beruht wie auf den Schornsteinen und Telegrapheiidrälilen? Zur Judeofrage Von Fr. W. Fo^rster 1111 Verlag ״Friede durch Recht'‘ (Stuttgart) erscheint soeben ein hochinteressantes Buch des bekannten P'idagogen und Politikers Fr. W. Foerstcr: ,,Mein Kamp! gegen das militärische iiikI nationalistische Deutschland." Ohne sich mit allem dort Gesagten zu identifizieren, dar» gesagt werden, dal' in ihm eine der wesentlichsten Quellen »!!{gedeckt wird, aus der das über Deutschlarnl verhängte Schicksal geflossen ist: der iiationalisii che und militaristische Dünkel. Wenn wir aus ׳li.'sem Buche das kurze Kapitel über die Judenfrage' hier z.uni Abdruck bringen, so' geschieht es weniger 11:11 der darin enthaltcnvn Absage gegen den Antisemitismus willen. Wich• tiger scheint es uns als Beispiel dafür, wie seltsam .sieh sogar im Denken eines der freiesten und edelsten deutsehe» Geister Jüdisches spiegelt, Daß der übet zeugte Christ von der ״Assimilieruiig an den Geist Christi'‘ spricht, nimmt uns nicht Wunder. Nachdenklich machen aber sollte es uns, wie wenig unschciacnd auch dieser Mann vom Wesen des Judentums als einer Gemeinscliaft weiß. An dem tiefen und tineniüki'idiea Streben F oersters 11,•ich Wahrheit und Gerechtigkeit ist kein Zweifel erlaubt. Um so deutlicher wird, wieviel uns noch z.u tun bleibt, um den Gedanken des jüdischen Volkes wenigstens denen nahe z.u bringen, die gleich ihm an einer neuen Weltord nuiig des Rechtes schaffend sich bemühen. Da die Kandidatur Foerstcrs für das Amt des Reichspräsidenten bald aktuell werden dürfte, cniptelden wir die Lektüre seines Buches dringend. 111 dem Kapitel über den deutsch-französischen Konflikt wurde ein Wort Paul Seippels zitiert: daß der Triumph des Rechts und der Wahrheit im Drevfußpro zell die Ouvertüre zum französischen Sieg an der Marne gewesen sei. Dieses überaus treffende Wort hat eine tiefe, mahnende Bedeutung für Deutschland. So wie Frankreich gerade deshalb der deutschen Wucht standzuhalten vermochte, weil es moralische Kraft und Klarheit genug besessen hatte, um das Recht eines einzigen Juden schwer zu nehmen und monatelang J U F.DISC H E RUNDSCHAU - % ,,׳ Unsere \jirfahnmgen sprechen dagegen. Wir * haben gese ll־n, daß es eben jene Einheitlichkeit ß,t*s Aufbatt'jvdankens ist, die der Keren hajessod ^rä'ikörpcrt, die die Herzen der Juden gewinnt. r-14:uk״,!*fbt eben nicht mehr für Eiu/elz.vvccke, man gäfü'ftir den ganzen Begriff des Auf bans und inan weiß, daß aus dem, was man gibt, nicht eine Gesellschaft gegründet, nicht eine einzelne Aufgabe gelöst wird, sondern daß man einer! Baustein gestiftet hat zum Bau des jüdischen Gemeinwesens itt Palästina. Man fühlt schon etwas von dem Werden des neuen, des wirtschaftlich, des sozial, des staatlich fundierten lüdiscllen Palästina; dafür gibt man viel mehr, als 111,111 für wirtschaftliche Unternehmungen geben würde. Glaubt einer, daß man Aktieii/ciclmungen nach dem Begriff des Maaßer bekommen kann? N',111, wir bekommen in Europa den Maaßer fiir den Keren hajessod lind wir haben gar keinen Grund, darauf zu verzicliten. Und noch etwas ist zu sagen; cs gibt ja heute schon eine ganze Menge kapitalistischer Gründungen für Palästina, in (.lenen jüdisches Kapital investiert wird. Es ist ja nicht, als oh man auf die großen Gesellschaften warten müßte, die jetzt gegründet werden sollen, wenn man Kapital in Palästina anlegcn will, in allen Ländern regt es sieh,'werden größere und kleinere UnteruehiiHUigen gegründet, organisieren sich Gesellschäften, Firmen usw. und wir haben fast den Eindruck einer bevorstehenden Uel>erfltm1ng Palästinas mit solchem Kapital. Dabei ist nicht zu vergessen, daß diese Unternchiiiungen nicht so groß sind, als daß nicht der einzelne, der sein Kapital hineiusteckt, sie noch übersehen könnte. Daher beteiligt er sich daran eventuell mit einem großen Teil seines Vermögens und rechnet mit der Möglichkeit der Verwertung seiner Arbeitskraft itt einer solchen Gesellschaft, auf die er vielleicht seine Existenz gründet. Das alles fällt bei den großen Gesellschaften vollkommen weg, die anonyme Unternehmungen sein werden, zu denen man Vertrauen haben kan» oder nicht. Wir fürchten, daß, wenn es auf den Wettlauf auf dem Kapitalmarkt ankoinmen wird, die großen Gesellschaften gegenüber den kleinen EinzcluntcriK'lmumgcii erheblich in Nachteil .kommet!, nicht genügend Kapital finden werden. Eines kann und 'muß verlangt werden: daß der Aufbau Palästinas nach streng wirtschaftlichen Gesichtspunkten geschieht. Eben dafür bildet die Form des Keren hajessod, wie sie in London festgelegt wurde, die beste Garantie. Die Ausstellung von Zertifikaten für jede Einzahlung, die Mög* liebkeit einer Einflußnahme auf die Verwaltung, die damit jedem Zeichner gegeben ist und die Verpfliehtung, den Fonds so zu verwalten, wie man ein Unternehmen verwalten muß, das darauf basiert, daß es Dividenden herauswirtschaftet. eine Verpfliclitung, die in der ganzen Struktur des Keren hajessod begründet ist, sichern das Maß'von wirtdafür zu ringen, daß das Leben dieses Juden den Militärs entrissen werde so wird Deutschland emlgültig zusaiiimenbrccheti, wenn cs den deutschen Natioaalisteu gelingt, weitere Kreise in Deutschland zur Brutalisierung der jüdischen Elemente aufz.uheUen. Wie wir den Juden behandeln, danach werden wir gerichtet werden. Der Jude ist uns gegeben, damit wir uns ihm gegenüber in schwerem ■Kampf mir eigener roher .Unduldsamkeit zuin Rechtsgedankeit eniporrtngen unser eigenes Recht in der Welt wird weder durch flanuueacle Proteste noch durch Gewalt und Intrige, sondern nur durch unsere innerste Bewährung gegenüber dem fremden Rechte zur Auerkenmmg gebracht werden. Gewiß kann cs niemand verwehrt werden, den jüdischen Einfluß für schädlich zu halten und ihn mit allen erlaubten und;inständigen Mitteln zu bekämpfen, das wilde und harte Generalisieren aber, die Fußtrittspräche, die gesellschaftliche Aechtung und Ausschließung verrät eine unbeschreibliche Roheit der Gesinnung; inan fragt siel! mit Granen, oh das deutsche Volk für diesen Antisemitismus, dessen erster und lautester Wortführer hezcich neiulmveisc T r e i t s e 11 k e war, nicht noch einmal schwer gestraft werden könne dadurch, daß ihm in der Welt das gleiche zugefügt wird, was seine Hetzer jetzt dem Juden zufügen. Fine Ahnung von solchem Gericht kann man im Ausland bekommen, wenn inan merkt, wie wir überall als ״boches“ gestempelt sind; da kann man sicli eine Vorstellung von der Tiefe des Wehs machen, das die liochgesimiteiv Elemente unter den Juden über diese verallgemeinernde Ausstoßung, über diesen Makel ihrer Geburt, über diese unmenschliche Mißachtung empfinden. So wie im vorangelienden' vom Preußen gesagt war, daß er die letzten Konsequenzen aus einem allgemeinen Weltzustaiui gezogen habe und dadurch ein Spiegel für eben diesen Weltzustaiid geworden sei, so darf man auch vom Juden sagen, daß sein Geschäftsgeist nicht 'etwa, ein isoliertes Ucbcl innerhalb der menschlichen Wirtschaft darsfe'lt, sondern vielmehr das tiefste Wesen dieser Wirtschaft mit konzentrierter Be- Nr, 91/92 schaftlieber Kontrolle tnttl Durchsichtigkeit, das wir;(Heulings entschieden von dem Aufbau Palästinas verlangen. Wir sehen, daß die Leitung in London sich mit bemerkenswertem Erfolg bemüht, gerade auf dickem Gebiete möglichst weitgehend» Gar:!״ tien zu schaffen. Sollten sie'nicht genügen, sollten die Amerikaner auf diesem Gebiete weitergehende Vorschläge zu niachcn Italien, so werden sie immer unserer Unterstützung gewiß sein. Im übrigen aber haben wir auf Grund der Sammlungen, die wir bereits vorgetiommen haben, auf (!rund dei Erfolge, die wir bereits erzielt haben und die nicht klein sind, die feste Ueberzeugung, daß der Keren hajessod in seiner jetzigen Gestalt eine! glückliehen Eingebung seine Existenz verdankt, in seine׳ Verbindung von nationaler Tendenz mit geschah lieber Struktur die Form darstellt, die uns du Herzeit und die* Taschen des jüdischen Volkeöffnet Noch ist uns in keiner Form bewiesen, daß die amerikanischen Vorschläge in dieser Hinsieiu mehr leisten, im Gegenteil, wir haben die stärksten Bedenken dagegen und darum müssen wir daran! bestehen, daß vier Keren ltaiessod so bleibt, wie er geschaffen wurde und müssen verlangen, daß die Leitung ihn in dieser Form hält. Wir zweifeln gar nicht daran, daß, wenn die Amerikaner hvi'vivor der Konferenz, in Buffalo so wie wii hu den Keren hajessod wirklich gearbeitet hätten, -u gleichfalls zu unserer Meinung gekommen wären und wir rechnen darauf, daß sie im Einklang mit der Gesamtorganisation auch jetzt noch den richtigen Weg finden, der den Erfolg verbürgt und für den es jedenfalls eine grundlegende Vor-;Umsetzung gibt: die Einheit der Organisation und die Fit!heit der Aktion. Thronrede und Judenfrage Bukarest, 10. Dez. (Verspätet.) (Jü׳l Kon.-B / ״M .1111 u i re a" nimmt im Leitartikel Stellung zu! Thronrede des Königs und drückt das BulaUcrn de! rumänischen Jiulcnlicit aus, daß die Thronrede um keinem Worte die Politik vier Regierung den Jude!! gegenüber erwähnte, als oh der Koni:: nicht wüßte, daß daneue Rumänien eine zahlreiche jüdische Be• völkcrting hat, deren Wünsche und Forderungen .11׳ den Staat noch immer mierfnllt bliebe». Das Blatt fragt oh die vielen J 1׳ d e n d e k r e t e dem König nicht be kau nt seien und ob auch die Krone den M i 11 o r i t ä len vertrag von Saint- G e r m a in 11 n h e a c 111<■ 1 lassen will. Die rumänische Judenheu isi ob vier ‘du hei jeder Gelegenheit zuteil werdenden Veradvnmg, <'-< die 'kömgliehe llmmic.l•.• besiegelt hat, 1111!״iki.iid' und empfindet dies um st! schmerzlicher, als die D! י o r;; a n i s a t i u n;11! 1 e r d e n r 11 m ä 11 i s e h e 11 J n ׳.len einen tröstlichen Ausblick in die Zukunit ir.cht erlaubt ' Sitzung des Landesvorstandes der Z. V. f. D. Am 2. 11. 3. Januar 1021 findet in Berlin im 7.in 11. Zctnralbüro, Sächsische Str. 8, eine Sitzung de- Fände- Vorstandes vier Z. V. f. I). (Geschäfisfüliren.lei \u-s1׳in!1: iiikI Zentralkomitee) statt. iriebsamkeit und Logik ans Licht bringt und deshalb ein Spiegel der Selbsterkenntnis für den Geist «msoroi ,,arischen'‘ OekoiKimie ist. Man soll gewiß die Art von jüdischem Typus, die auf diesem Boden gewach-en ist, nicht beschönigen, cs ist aber der Gipfel dei Oberflächlichkeit, wenn man den Zorn all derer du unter dem modernen Geklaicnschtinümi leiden, •mf <!• Juden ablenkt, statt ihnen das Wort auf die lappen / legen: nostra culpa, »ostra maxima culpa! Denn aucl tiic arischen Kapitalisten sind nicht Banditen uiiuTuü' einer Welt■ von Liebe und Ehrlichkeit, sondern auch sie bringen auf einem ganz bestimmten Gebiet 1;11« die allgemeine rücksichtslose und kulturlose Gier n.u'h materieller Sicherung und Macht zum Ausdruck.') Für das deutsche Volk wird die Art seiner Stellung nähme zur Judcitfrage außenpolitisch mul inncnpolüi-d] von höchster Bedeutung werden. Es möge sich drcinu׳ iKsiimcn, ehe cs sich in das Treiber seiner Vt'-W miten lüneintreibni läßt Wir haben wahrlich ge.iu- Feinde in der Welt, es fehlte gerade noch, daß w auch jetzt noch, wo unsere ganze Wiederherste!:,yvon riesigen Krediten ahhiingt, die jüdische I lochf::!;.''•' *) In vier ״Süddeutschen konservativen Korresjo•1 den/" (Adam Röder, Karlsruhe) finden sich folgui?' treffende Bemerkungen: ״Nur primitivste Triebhaft•:: kt'it, verscliwistert mit elementarer Unkenntnis der kap tnlistischen Geschäftsmaclit, kann behaupten, daß d•'1 Jude in dem moralischen Wirrsa! der Zeit mit ihr-1 absoluten sittlichen Untcrwertigkeit alles gescluftl14'11 und persönlich Betriebsamen eine besonders gravierend- Rolle spiele. Wahrlich, wer auch mir ein Minium"' von Einblick und Kenntnis dessen hat, wie es >> D c 111 s c h I a 11 d g e s c h ä f 11 i c h z u g e 111, weiß, "11 entsetzlich tief verstrickt das ganze deutsche Gr schäffslebeii in der Gewalt des iFnmoraiisdien er-c!1111׳». wie ein _nicht zu überbietemler schlimmer GeSt de- Mainmoiiistisdicn, des Gewinnsüchtigen,. des Gewi *e.:• losen und des Rücksichtslosen die Seele des VC״"׳ verheert und wie der Geist des kaufmännisch Soli*•1'״ vollständig vor der schmutzigen Rafisucht kapitulier- 11,1t. Wahrlich, der Unterschied von juo unu Christ f3׳'! als völlig belanglos hinweg.’‘