Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 90 (17.12.1920)
- Date
- 1920-12-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 90 J U EDI SCH E RUNDSCHAU Seite 675 Presse-Rundschau Die Lage der Juden in Litauen und Ostgalizien Die ״Frankfurter Zeitung“ brachte in der letzten /eit zwei interessante Aufsätze über die Lage jiidisclwr Minoritäten, Prot. Bergstraße r beschäftigte sieh in einem besonders nusführiieheu Artikel mit den Juden in Ulanen. Er nein von der Tatsache aus, da» die Juden in Litauen etwa 10 <0/׳ der Gesanithevölkeniiig ausmachen. Der junge Staat sei erfolgreich, dazu übergegangen, auf dem Wege der Autonomie seinen eigenen Interessen wie denen der Juden in gleicher Weise z.u dienen. Bergsträller tährt fort: ״Seit dem Juli Idld’besteht ein eigenes ׳Ministerium für jüdische Anectegeulieiteil. Sein Leiter ist, wie alle amlercn Minister, Mitglied des Kabinetts. Seine beamten sind Staatsbeamte. Die Aufgabe des Ministeriums bestellt darin, die iüdisclic Bevölkerung als nationale Minderheit in .allen Angelegenheiten zu vertreten, nicht. 11111׳ in kullurellen mul kirchlichen, snmlern darüber hinaus auch in wirtschaftlichen und nationalen. Der Minister hat als Vertreter der Juden Initiativrecht in allen jüdischen Angelegenheiten. Er verkehrt mit. den Staatsbehörden 111 der litauischen Staatssprache, mit den jüdischen Beliorden in jiddischer Sprache. — 'Die erste Aufgabe des Minisicriums bestand darin, überall, wo jüdische Minderheiten vorhanden waren, diese zu organisieren und dafür zu sorgen, daß die litauische Regierung sie als Träger der zugestaudenen Selbstverwaltung nuerkannte, Ls wurden üemeiiuleräte gebildet, deren KoniiK'tenz sich auch auf «las Schul- und gesamte iHluimgswesen, sowie auf das Gebiet der sonstigen sozialen } lilfe uml nationalen Organisationen «:rstrc.cKte. Oiese Gemeinden sind Zwangsgeuioindeu. Die Wahlen voll- /icheii sich auf demokratischer Grundlage. Die Genuimle lial Steuerreclit über ihre Mitglieder. Sie zieht die Steuer seihst ein. 1111 NiditbeitreiBuiigsfnlle gellt die Lm/ieliun;; auf die staatlichen Beamten über. 1111 Januar PJ20 trat auf Veranlassung «Jes Ministeriums ■ 11 Kowno eine Vertretung aller jüdischen Gemeinden zusummen. Sie beschloß die Gründung eines Nationalratcs aus 31 Personen. Dieser wird das höchste Organ der jüdischen Minderheit innerhalb seiner autonomen ürdiiung sein und ist befugt, in ihrem Namen zu sprechen. Nach der Verfassung des Nationalrates ist der Minister für jüdische Angelegenheiten ihm verantwortlich und verpflichtel, Vorlagen ihm zur gutachtlichen Aeullerung vorab zog dien zu lassen. I>ie Autonomie der Juden in Litauen umfaßt: L die Angelegenheiten «ler Kultgeiucindcn; 2. das gesamte Schulwesen für die Juden; 3. die gesamte soziale Fürsorge einschließlich der ökonomischen Hilfswerke. Bezüglich des Schulwesens bestehen für die Juden dieselben Rechte der Nationalität, wie sie auch alle Minderheiten haben.“ Bergsträiier spricht dann von der Wirtschaftheben Lage der litauischen Juden und den durch de« Krieg hcrvorgertifeiien Notständen: ״Mau sucht diesen Noten jetzt durch systematische Förderung des Wiederaufbaues zu begegnen, und diese Bestrebungen werden notwendig zu tJmsdndituisgsina(!nahmen, indem man versucht, größere Teile des Volkes der Landwirtschalt zuzuführen. Man hat damit verhältnismäßig gute Erfolge gehabt. Eine Besitzung des früheren russischen Ministers Stolypin dient zurzeit als landwirtschaftlicher Lehrbetrieb. Wo Juden kleinere laiulwirtsc'lial'tliclic Betriebe iimchabcn, gellt es ihnen ebenso wie den litauische« Bauern auch jetzt schon meist erfreulich. Dem Handwerk sucht inan durch Kredit, Beschaffung von Handwerkszeug und durch lassere Ausbildung nufzulielfen. Für die gesamte Judenlieit der unteren Klasse« ist eine ganze Anzahl von Volksbanken begründet worden.“ ״Auch die kulturelle Fürsorge ist so einfach «ucht, da innerhalb der Juden verschiedene, sich zum Teil schroff bekämpfende Strömungen bestehen. Der Zionismus hat wälirend <1 e s Krieges bedeutende F o r t s c h ritte gemacht und mit 111 m z 11 s a m 111 e n die 11 e b r ä i sc h c B c w e g u n g. Fs sind eine ganze Anzahl Gymnasien mit hebräischer Unterrichtssprache begründet worden, auch ein hebräialles Lehrerseminar. Neben der hebräischen besteht eine starke orthodox-religiöse Gruppe, die streng am Ritus und an der Fr/iehung im gläubigen Sinne festliitU. Die jiddische Gruppe besteht meist aus politisch links gerichteten Elementen. Sie tritt ein für die Förderung weltlicher Kultur, bricht mit dem Alten, will den Gebrauch der jiddischen, nicht den der hebräischen Sprache. Der Nationalrat verhält sich diesen Strömungen gegenüber objektiv. Schließlich spricht der Verfasser von der Aus- Wanderung und im Rahmen dessen auch über die P a 1 ä s t i 11 n w a 11 d e r u iv g: ״Sie wird durch die Autonomie des dort zu errichtenden Judenstaates ebenso lebhaft gefördert wie durch die zionistische Bewegung. In Litauen wie überall gibt es eine Gruppe junger ideell gerichteter Juden, «he sich in Laudbau und Handwerk für die Arbeit am I nationalen Staat־ vorbereiten. Meist gehören sie den | besser situierten Kreisen an und ihr Idealismus streitet fmt hart mit dem realen Sinn der Väter.“ | Bergsträiier stellt reit Recht fest, daß die Er- I viiung der Autonomie das beste Mittel sei, um die I litauischen Juden am Staat in höchstem Maße «zu interessieren iiikI sic aktiv an seiner Politik 1 und seinem Wirtschaftsleben teilnehmen zu lassen. I * ■ LJ eher das Schicksal Ostgaliziens berichtet 1 )r; Michael Lozynskyi. Er stellt fest, daß die 3 '• icdergewiiintuig des Landes durch die Polen ״eine I mciic Phase der Ausrottung“ für die Bevölke- ■ «mg bedeute. Er erinnert daran, daß doM die polnische Ik'zsmioniitgspolifik seit Kriegsausbruch wüte: ״Es war lm Anfang des Weltkrieges. Russische Truppen waren tJas Land eingedrungen und rückten siegreich vor. 1.יי wie? die polnisch c Verwaltung des Lundes dein ')derreichisclien Oberkommando gegenüber auf die einmmnisGlie ukrainische, angeblich russophü gesinnte Be- «nkerung hin, die daran Schuld sei, daß die Russen w ra*ch vorwärts marschierten. Seine Niederlagen aut diesen ״Verrat“ zurückztifüliren, war dem Obcrkontniamlo ganz gciu-lun, de«,» so verschleierte man eigene Schwäche und eigene. Verschuldungen, und man ließ gegen die ״Verräter“ die Krieg-geset/e walten, wiederum mit' Hilfe der polnischen Behörde« des l.amtcs wie auch polnischer Milit.iTrichter in der Österreich!- sehen Armee, die ja als Kenner der Verhältnisse siel» dafür am bvslen eigneten. Während aber die Masse in Internierungslager getrieben wurde, arbeiteten im eigeiitlielieii Kriegsgebiete Feldgerichte, die jede« Verda'duigcii zum Tode durch den Strang verurteilten und das Urteil sofort vollstrccken ließen, bi« Pole namens Xagorskt, in Friedens/eiten Advokat in Lemberg, rühmte sich, daß er als Militärrichter allein über 200 Todesurteile über ukrainische Bauern gefällt und der Vollstreckung in eigener Person beigewolmt habe. So wußten die Polen in der Maske der Beschützer ösierreichischer Staatsintercssen eigenen Interessen in Ostgali/ien zu dienen.“ Fs wird daun das wechselvolle Schicksal des Landes während der letzten Jahre geschildert. Heute ist Ostgali/ien wieder in polnischer Hand. ״Den gali/ischeu Zeitungen ist zu entnehnu•«. 113(1 überall, wo’ die Polen die roten Truppe« oder die ukrainischen Aufständischen aus dem Lande verdrängt haben, Feldgerichte eingeführt worden sind. Ich denke mit Schauder und Verzweiflung, was das für die wehrlose ukrainische Bevölkerung iimlctttct. Jetzt verrichte« liundertc von Zagorskls ihr Handwerk, um möglichst viel Ukrainer, vor’ allem national bewußte und führende Elemente, aus der Welt zu schaffen. Nach Meldungen galizischcr Zeitungen hat der Chef des• polnischen Generalstabes, General Rozw.tilowski, «inen Befehl veröffentlicht, in dem er darauf hinweht, daß die polnischen Truppen iaden wieder• g e w o 11 n c n e u Gebieten die jüdische Bev ö 1 k 0 r u 11 g, weil sie mit den B o 1 s c h e ־ wi sten sympathisierte, verfolgen. Der Befehl verbietet ausdrücklich ein summarisches Ver• fahren gegen tlie Juden und verlangt eine Untersuchung jedes b:n/elfalles. Hier liegt ein 'neues Dokument der Martyrologie der jüdische« Bevölkerung Ostgaliziens vor, wo sie — da sie im polnisch• ukrainischen Kriege Neutralität bewahrte und auch Sy in* pathien für die ukrainische Sache bekundete — seit zwei Jahren schonungslos verfolgt wird. Wie viel muß sie bereits gelitten haben, wenn dis polnische Oberkommando siel» veranlaßt sieht, einen solchen Befehl zu erlassen! Selbstverständlich ist dieser Befehl nicht dazu bestimmt, den Judenpogrome« wirklich Halt zu gebieten, vielmehr soll er — da die jüdische Bevölkerung gewissermaßen unter internationalem Schutze steht — lediglich die Beschuldigungen entkräften, Judenpogrome veranstaltet und geduldet zu haben.“ Die neue Entwicklung des Herzl-Bundes Seit den» Halbcrstädter Bundestag, der für die weitere Entwicklung des 1 Icrzl-Bumies ganz bestminud und größtenteils neue Richtlinien iestlegte, ist ein haüaesä Jahr vergangen, und wenngleich diese Zeitspanne bei weitem zu kurz ist, uin einem selbstzufriedenen Tätigkeitsberieht die Voraussetzungen zu geben, reicht sie doch aus, tun einige Hinweise zu rechtfertigen, die nichts anderes bezwecken, als befreundete Kreise zu intormicreii und ihnen dadurch vielleicht Gelegenheit zu einer engeren Anteilnahme zu geben. Diejenigen von uns, die aut dem erwähnten Bundes■ tag für «Lese sogenannte neue Richtung eintraten, taten, es aus der Erkenntnis heraus, daß «lie Wandlung der politische re Situation in bezug aut Palästina eine Wamdiimg der organisatorischen Prinzipien, die bisher die vorherrschenden gewesen waren, unbedingt zur Folge haben müßte Diese Prinzipien hatten sich mehr oder minder um das Erzichungsprinzip gruppiert: es galt, in, der jungen Generation eine bestimmte Einstellung nt erwecken, die durch "Worte wie nationale Eigenart, nationaler Stolz, nationales Kuiturgcfüld usw. ungefähr uuisclir.tben werden kann; es galt, die Jugend für irgendwelche Zukuiiftsaulgnben z.u präparieren — aber es fehlte natürlich die Möglichkeit, solche Aufgaben seihst schon in der Gegenwart in Angriff n» nehmen. Fs wat eine Erziehung, die nicht wie bei anderen Völkern Ln die wirtschaftliche, berufliche, kulturelle, politische Betätigung der Erwachsenen überführte, sondern die, mangels eines eigenen Staatslebcnsjj ins Feere mündete. Je deutlicher uns mit der Zeit diese unheiinüciie Nachbarschaft zum Bewußtsein kam, desto krampfhafter wurden unsere Anstrengungen, uns der Wirkhdikcit. zum Trotz irgendeinen wirklichen Inhalt zu konstruieren — denn welche Jugend verträgt aut die Dauer Gut־ Erziehung hin zu etwas, was noch nicht bestellt? Die meisten der bizarren und rasch wechselnden ״K.eli!»!!gen“ unserer Jugendbewegung der letztes« Jahre haben diesen Charakter des Konstruierten uaa des Krampfhaften. Nach Sau Rcmo begriffen cs einige in unserem Kreise sofort: daß nun der organische Uebcrbau der Frz.elunigsorgaiusation Rotunden ,war; daß jede Organisat:on, d:e auch nun noch im rein Erzieherischen am sich weiterveiharreu wollte, an Halt und Inhalt rapide yeiLeren mußte — und daß cs überdies nicht nur Kettung, sondern auch i1 f licht dieser Organisationen) hukuU’te, über sich hinaus und in das sich nunmciir *ast unbegrenzte, doch klar iimschridHii eröffnende neue Arbeitsfeld hineinzuwachseu. Arbeit, praktische positive, einfache Arbeit — nicht mehr wie bisher lediglich im Dienst des Organisatorischen und Erztelienschen, sondern direkt un Dienst des Aufbaus Palästinas — das wurde die neue Richtschnur. Und damit war sofort die notwendige Ergänzung des Erzieherischen« gegeben: sie lag im Aushildncrischcn. Hatte man trüber! Charaktere schlechthin erzogen, so ging es jetzt darum, d:c Menschen so auszubilden, dal! sie in •die Lage kamen, •im Rahmen des Aufbaus Palästinas ganz 11cstimmte (vorwiegend berufliche) Funktionen auszuübca, Die frage des Berufes, bisher nur vereinzelt und meist nach subjektivstem Ermessen zur Diskussion gestellt, wurde <lk schlechthin entscheidende Frage — und damit war dem Herzl-Buiui, als der vorläufig woltl einzigen Organisation mit einheitlichem Berufsdiaraktcr, »irplot/־• lieh eine neue und verheißungsvolle Antgabe gestellt, Gerade die schon erwähnte subjektive Art in der bisherigen Bearbeitung «ler Berutdragi• forderte, vvcniij es einer solchen 1 lenilislorderuiig überhaupt bedurft hätte, «k׳n I lcr/l-B!1ud heraus. Waren es doch gerade die Berufe seiner Mitglieder, die bisher nicht nur völlig vernachlässigt, soiitiern olt geradezu teiulenziös als unwichtig, wenn nicht gar als unerwuusdit bzzeidinet wurden. Der Idealismus «ler Jugeiul lebte sieh um diese Zeit in einem kleinen abgesperrten Winkel aus, wo initiier nur von Landarbeitern und Handwerkern gesprachen wurde. Darüber hinaus and» noch die fundamentale Wichtigkeit gerade der kaufmännischen und ui- «lustricllen Bernte für eine rasche Kuloiiisatioii.smöglicli• keit zu erfassen, reichte er nicht aus. Selbst die Idee des Frzieherisdien, die doch gerade bet diesen Berufen genug Gelegenheit hat, sich zu betätigen, prallte zurück. Somit entstand in der schrittweise steh entfaltenden Arbeit aut de!« Gebiete «ler Berufswahl, Benitsausbildung eine Bresche -- und lu diese trat der lierzl-Butid ein Seither!iahen es wollt auch früher anders orientierte■ Kreise begriffen, daß heute alle, anderen!Tagen vor der übermächtigen einen Frage an Bedeutung verloren haben: wie bringt man das Wirtsduttsleben in PaUstuia in Gang, wie entwickelt man Imlustrie, Handel und Verkehr so rasch, daß dadurch genügend Arbeitsstelle׳« für «lie zahlreichen zur Einwanderung Bereiten geschaffen werden, wie belebt man Import, Export, Bankenwesen und darüber hinaus: wie erreicht man, d;di alles das, was die Zionistische Organisation in Palästina tut, so wirtschaftlich wie mir möglich getan wird? Scheut man sieh es cirerugest«־hcn: wie lauten Gctalir, Palästina wieder zu verlieren, weil wir, das Volk der llanktcrs, des Weltliaiwcis, der Industriepioniere, wir, das Volk der Bal’.in, Rathenau usw. nicht in der Lage sind, unser eigenes Land wirtschaftlich zu erschließe«; weil uns in unserer gesamten zionistisch«! Verwaltung! der Geist des großzügigen Kautinanns, der stets ein Pionier und Kolonisator gewesen ist, fehlt; weil wir selbst 1 dann, wenn wir alles aut eine wirtschaftliche Karte setzen wie beim Keren hajessod, es «ucht vermögen, wenigstens liier diesem. Geist zur Herrschaft zu verhelfen. Mit einem Wort: an Stelle des Lieber* Busses an Kau Beuten, den mancher für Palästina pefürchtet hat, da er jeden Kaufmann für einen Schacherer und Preistreiber hält, haben wir einen solchen Mangel, daß alle verantwortliche Arbeit in den I landen weniger, oder gar nicht berufener Kräfte verbleibt. Emen Mangel vor allem an solchen Kaiifleutin, wie wir sic für Palästina w ii n s c h e 11 (und hierin liegt ein Appell an jene, die in allen Berufen erziehen, nur nicht im Kaufmännischen) — und dieser Not hacl» besten, wenn auch schwachem Kräften abzulielfen, will der Hcrzl-Bund unternehmen. feil spreche es hiermit offen ans: die unfruchtbaren politischen Diskussionen über eventuelle zukünftige Uuige in einen» räumlich zumindest fernen Land, die liegrenztheit und Erstarrlheit in Ideologien, die jegliche Körperschaft hoffnungslos z.ur Schwatzbude wandeln, ekeln uns an. Wir wollen uns davon nach Möglichkeit frei machen, wir wollen uns statt dessen aut ruhige, sachliche und fachliche, praktische und oft nüchterne! Arbeit beschränken, wir wollen uns derjenigen Arbeitsgebiete annclinien, zu deren zweckdienlicher Inangrittnähme uns wirtsdialtlich geschulte Männer wichtiger erscheinen als Zutallsinstu1z.cn oder Vertreter von ״l*artieien“, wir wollen uns selbst mit den wirtschaftlichen, Erfordernisse» Palästinas vertraut machen, wollen uns selbst wirtschaftlich mit Palästina verknüpfen und woUenj unsere Mitglieder zu Zionisten erziehen, die cs nicht nur im Erzieherischen an sich, das 1s־t an Charakter, Gesinnung• und Opferwilligkeit mit jedem anderen ruliig aufnelimen können, ohne davon viel Aufhebens zu machen, sondern die darüber hinaus jederzeit in *ler Lage sind, in der Verwaltung und im «Lande selbst jeden, lAostcn zu besetzen, von dessen sachgemäßer Besetzung die raschere und gesunde wirtschaftliche Entwicklung Palästinas abhüngt. Von diesen Gesichtspunkten war die Tcndciizdebatte* des Bundestages beherrscht. Sie fanden ein trendiges Echo. Seither hat das neugewählte Präsidium Gelegenheit gehabt aus/uprohieren, inwieweit die neue Parole tatsächlich geeignet ist. über die Stimmung eines Bundestages hinaus belebend und befruchtend zu wirken — und inwieweit sic überliaupt praktische Bedeutung gewinnen kann. Ln einem weiteren Aufsatz, will ich hierüber berichten. Heinrich M a r g u 1 i c s. Literarische Mitteilungen Eine Kulturreschichte Israels Eine geschichtliche Darstellung, die allseitig «las materielle, soziale und geistige Bild der Entwicklung nnscres Volkes itn Aitertume geben würde, hat bisher gefehlt. Die Archäologien, wie die von Nowack oder von Bcnzinger, gaben dieses Bild nur in statischer, nicht in dynamo-genetischer Weise. Die Geschichten des alttestamentlichen Schrifttums oder der jüdischen Geschichte dieser Zeit enthielten wohl oft wertvolles Material, wie tlie von Reuß oder Kittel, aber es war versprengt und gab kein einheitliches Bild. Nun hat cs Professor Alfred liertho Ict unternommen, in einer ״Kulturgeschichte Israels“, die im Verlage Vandenhacck und Ruprecht in Gottnigen erschienen ist. diesem Mangel abztihelien. Er zieht dabei, wie es seit Kittels in dieser Hinsicht grunillegciKlcn Darstellung geschehe״ ist, auch die vorisraelitische Kultur Palästinas in den Rahmen seiner Dur- Stellung. Er unterscheidet hier - ob mit Recht oder Unrecht, bleibe dahingestellt - zwei Perioden, die anuritisene und die kanaanitisdie, die durch die Vorlierr- Schaft verschiedener Zweige der semithehen Gruppe bestimmt werden. Die kanaanitisdie Schicht in Palästina wird durch die cindringcnden Israe'iten abgclöst I>;1s Büd, das der Verfasser von dem kulturellen Leben der Israeliten zu dieser Zeit entwirft, ist ihm autlerordc.it• bch gelungen, er gibt der Tradition ihr Recht, ohne sich