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Jüdische Rundschau · 1920-12-17 · Heft 90 (17.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 90 (17.12.1920)
Date
1920-12-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 674 JUEDISCH E RONDSCHÄl)! Nr. 90 führcr nichts bekannt. Jedenfalls erfahre die Palästina■ Politik der Regierung keinerlei Acnderung. Die Bereichnung ״Zionisiertmg Palästinas“, die der Anfragcode gcprägt habe, könne der Unterstaatssekretär als eine korrekte Kentizcichtuuig dieser Politik nicht anerkennen. Rußland Keine Verhaftung amerikanisch-jüdischer Delegierter London, 29. Nov. (J.C. 15.) Die Föderation der ukrainische» Juden in England erhielt ein vom 19. d. M, datiertes Telegramm aus Moskau, daß die Nachrichten über die Verluftimg der Delegierten des amerikanisch!- jüdischen 1 lilfswerkes unwahr sind. Das Telegramm, das von den kanadischen Delegierten Mr. Salz man und Mr. lla 1 kin selbst unterzeichnet ist, teilt im Gegenteil mit, daß sie sehr frcundlidi in Moskau empfangen wunden und die Haltung der Sowjetregierung ihnen gegenüber mehr als korrekt sei. Mr. Balkin und Mr. Salzman haben inzwischen von Moskau die Weiterreise in die Ukraine angetreten, um der dortigen Judensclwft Hilfe zu bringen. Schweiz Israel Zangwill in Genf Polnische Blätter melden aus Genf, daß Israel Zangwill dahin gekommen sei, um dem Völkerfmnd eine Interpellation wegen der Lage der jüdischen Minoritäten in Pole» vorzuiege». Nach Verhandlungen zwischen den IX-legationen der einzelne» l-i'uler wurde die Interpellation von der Tagesordnung abgesetzt. Die Meldung ist zweifellos mit Vorsicht autzuneiiinen. ״Jewish Chrorticle" veröffentlicht ein Telegramm aus Lausanne, wonach Israel Zangwill vergangenen Montag die einzelne» Persönlichkeiten des Völkerbundes autgesucht und mit ihnen Unterredungen gehabt habe. Lord Robert Cccil drückte seine Uebercinstimmtmg mit Zangwills Anschauung aus, daß die Balfour-Dcklaration ein gewisses Mali von Autonomie enthalte, und versprach, darauf zu bestehen, dal! das Mandat im Sinne dieser Auffassung entworfen werde. Padertwski, den Zangwill ebenfalls besuchte, drückte sein Bedauern darüber aus, daß kein jüdischer Vertreter im Völkerbund sitze und versprach eine Verbesserung der Situation der Juden in Polen. Das Hinderheitsschutz Gesetz Warschau, 11. Dezember. Die polnische Regierung veröffentlicht im Reichsgesetzblatt den Text des Versailler Mindcrlicitsschutzvcrtragcs vom 8. Juni 1919 in drei Sprachen: Polnisch, Französisch und Deutsch, Damit tritt der Vertrag iür Polen in Rechtskraft. (Bekanntlich haben vor kurzem die jüdischen Ab• geordneten ün polnischen Sejm wegen der Publikation des Gesetzes, die bisher nicht erfolgt war, interpelliert. - Red. d. ״J. R“) III. , Man kann sich denke», wie unter solchen Umständen der § 15 des Entwurfes auf die Gemüter wirken mußte. Er lautete: ,,Wenn in einer Stadt, in welcher eine der beiden Stadtcordnungcn gilt, sich so viele wahlbcrecbtigte Bürger jüdischen Glaubens befinden, daß sie nun- Bestens diejenige Zahl der städtischen wahlberechtigten Bürgerschaft erreichen, welche eine Teilung der Gesamtzahl der letzteren durch die Zahl der Sladtverordneten ergibt, so kann auf Grund einer zwischen den städtischen Behörden und dem Vorstande der Judenschalt unter Zustimmung der Repräsentanten stattfindenden Einigung den jüdischen wahlberechtigten Bürgern gestattet werden, einen oder nach dein atmegebenen Verhältnisse auch mehrere Verordncte nebst Stellvertretern aus ihrer Mitte zu wählen, welche in der Stadtvcrordneten-Versamniliing und allen, nicht das christliche Kirchen- und Schulwesen betreffenden Angelegenhcitcn Sitz und Stimme haben; dagegen scheiden alsdann die Juden hei den Wahlen der übrigen Stadtverordneten, deren Zahl sich nach Maßgabe der eineintretenden. jüdischen Verordneten vermindert, als .Wähler und Wahl-Kandidaten aus. Das Ergebnis einer solchen Vereinbarung unterliegt der Bestätigung der Regierung und ist in das städtische Ortsstatut aufzunchmcn. Bei der seitens der Juden stattfindenden Wahl von Verordneten aus ihrer Mitte finden die Vorschriften und Bedingungen Anwendung, welche für die Vcronlnelcn- Wahlen überhaupt an dem betreffenden Orte maligclxmd sind,“ Hier bahnte sich etwns an, was noch heute der Wunsch aller bewußten Juden, was den Gegenstand unseres Neides gegenüber unseren sonst nicht gerade beneidenswerten Brüdern in Deutsch-Oesterreich bildet: die Möglichkeit, jüdische Abgeordnete zu wählen. Wie notwendig dies ist, erkennen wir immer von neuem schmerzlich, sobald in einem Parlament die Judcnfragc auch nur gestreift wird. Die Gründe sollen hier ivclit ,weiter erörtert werden. Will man aber kurz die Aufgäbe jüdischer Abgeordneter kennzeichnen, so kann man cs nicht besser als mit de» Worten der bereits erwähnten Denkschrift: ״auf diese Weise den Judenschäften Raum zu gewähren, ihre innerhalb des bürgerhohen Gemcindcwcsens bestellenden und sehr wohl ohne Gefährdung desselben einer weiteren Entwicklung fähigen, eigentümlichen Interessen auf organische Weise 2ur Sprache zu bringen und zu vertreten “ n״,^n erinnert sich ferner, wie die meisten politischen arieien, von Juden gegründet, diese ursprünglich gern Zionistische Dewcgnng Die Krankheit Max Nordaus Paris, 12. Dezember. (Jüd. Korr.-Büro.) Der Krankheits/ustaud Max Nordaus gibt zu großen Besorgnissen Anl.111, Der Patient ist bei Bewußtsein. Am Krankenlager belimien sich nebst der Familie des Paticnten die Aerzte Dr. Marntorek und Jacobson. Heute ist Jean Fischer aus Belgien eingetroffen. Er hat seine Reise nach Amerika verschoben, um am Krankenbett seines alten Freundes zu wachen. Die ,Pariser Jiulenhcit läßt sich stündlich über das Befinden Nordaus informieren. Die Organisationsfrajje iiTBuffalo Von der Convention in Buffalo wird noch berichtet: Zur O r ga ui s a t io 11 s f r a gc wurde ein Antrag der Exekutive vorgelegt, dem Beschluß des zionistischen Kongresses in Chicago, demzufolge die Majorität der Lukles-Exektitiu? der amerikanisch-zionistischen Organisation dtircli direkte Abstimmung der verseilte: denen Distrikte, welche letztere repräsentieren, gewählt werden muß, zu reassumieren. Der Antrag rief große Opposition hervor, da gerade der erwähnte Beschluß bei der vorjährigen Convention in Chicago als Sieg des demokratisclien Systems über das Notabelnsystem gefeiert worden war. Die demokratische Gruppe verlangte für diesen Antrag eine Zweidrittelmajorität, die jedoch nicht erreicht wurde. Dagegen wurde ein Koinpromißantrag Professor Frankfurters angenommen, die vom Chicagoor Kongreß beschlossene direkte Abstimmung auf ein Jahr zu verschieben, Ferner wurde beschlossen, zwei Departements für O r g a •n i s a t i o 11 s - und Palästinaarbeit zu eröffnen und die Bewegung für einen permanenten Kongreß der amerikanischen Judenschaft tatkräftigst zu unterstützen. Schweizer Zionistenverband Auch die Chaluzimfragc beschäftigt den Verband in immer steigendem Malle. Man überzeugt sich so recht von der absoluten Notwendigkeit des Aufbau- und Kolonisationsfonds, wenn man täglich sehen muß, wie hart, undemokratisch und unsozial es ist, wertvolle Irnmigrationsolementc von Ercz-lsrael fernzuhalten, weil finanzielle Voraussetzungen der Einreise• bewilligung nicht zutreffe». Um die Hilfeleistung an die Dur chvva nd e rc r zu organisieren, berief der Verband eine Konferenz verschiedener jüdischer Institutionen ein, die beschlossen hat, ein schweizerisches Ze n t ralim m igra t io nsa m t zu schaffen. Man rechnet auf tätige Mithilfe der Gemeinden für dieses Werk. Line palästinensische Handelskammer für die Scnwciz, deren Gründung auf die Initiativeres Zionistenverbandes zurückgeht, ist im Werden begriffen und wird zur wirtschaftliche» Neubclebmig Palästinas wirksam beizutragen berufen sein. Die Tagung des Völkerbundes in Genf gab dem Zentralkomitee Gelegenheit, mit dem General- Sekretär des Völkerbundes in persönliche Fühlung zu treten. unter ihren Abgeordneten gesehen haben, bis sie immer ״jtidenreincr“ werden, und weiß dann die Worte des Staatsministers Eichhorn bei der Beratung in der Herren- Kurie zu würdigen. ״Mari hat hauptsächlich bezweckt, daß die Juden, auch wenn ein besonderes Vertrauen der christlichen Gemeimlemitglicdcr sie nicht zu Stadtverordneten wählt, dennoch nie aus den Stadtverordncten-Vcrsamnilungcn ausgeschlossen werden.“ Selbstverständlich hatten die damaligen Juden hierfür so wenig Verständnis wie für die politische Judenschaft. So furchtet Moritz Veit (״Der Entwurf einer Verortlnung über die Verhältnisse der Juden und das Edikt vom 11. März 1812“): ״wenn irgendwo das Verfahren ins Leben träte, das durch diesen Paragraphen in Aussieht gestellt wird, so wäre die Städteordmmg aufgchoben und das Mittelalter hätte in den hellen Tag der Gegenwart sich lüneingedrängt.“ Der bereits erwähnte Anonymus füchtct, daß durch die Wahl jüdischer Stadtverordneter ״das verderbliche Bewußtsein der bürgerliehen Trennung, das wenigstens in diesen Kreisen schon verschwunden ist (seit wann? d. Verf.), wieder aufs neue aufgefrischt wird.“ Im ״Vereinigten Landtag“ wiederholte sich dasselbe Spiel, das wir bereits bei den poiit'sclien ludensclnften gesehen haben. Viele schöne Worte über die Eman- ■zipntion der Juden, für die der § 15 ein Hindernis bedeute. Was allerdings richtig ist, wofern man unter Emanzipation der Juden Beseitigung des Judentums im Humboidtschcn Sinne versteht. Von der Emanzipation des Juden tu ms sprach in beiden Kammern kein Redner. Nur Fürst RadziwiU trat auch hier wieder als einziger für den Vorschlag der Regierung ein. Er sieht ״in der vorgeschlagciicn Bestimmung die Ansicht der Regie* rung ausgesprochen, a u t o n 0׳ m i s c h c Rechte zu begünstigen und ist im Prinzip dafür, die Regierung gerade da zu unterstützen, wo es sich darum handelt, aus dem Vormumisdiaftspriuzip herauszutreten.“ ־ Ob solche Worte in der heutigen Zeit, die angeblich im Zeichen des Schutzes der Minoritäten steht, den nötige» Widerhall finden würden, bleibe dahingestellt. Im Jahre 1817 konnten sic jedenfalls nicht hindern, daß der Antrag der Abteilung, daß der § 15 wegfalle, nahezu einstimmig in beiden Kammern angenommen wurde. Am schmachvollsten hierbei ist, daß der Abgeordnete Graf von Königsmark mit Recht sagen konnte: ״Ich hege die Ueberzcugttng, daß der Wunsch, der § 15 möge Wegfällen, mit den Wünschen aller Juden 1m preußischen Lande übe feinstimmt.“ So wurde zum Teil durch die eigene Schuld der Juden eine Gesetzgebung unterbunden, deren Bedeutung auch für das Judentum der heutigen Zeit gar nicht Kleine Mitteilungen Ein Dementi des Rabbi Kuk. In einem in der geographischen Gesellschaft in Paris gehaltenen Vortrage erklärte Kardinal Dulxais, (Laß die ganze Bevölkcrttng ■Palästinas gegen die Trennung von Syrien und die Errichtung dner jüdisch-nationalen Heimstätte sei. Auch der Oberrahhitter Palästinas, Kuk, hatte ihm gegenüber seiner al>neig־euden Meinung gegen den Zionisimis Ausdruck gegeben. Oberrabbiner Kuk versandte nun einen Brie-( an die Presse, in dem er feststellt, daß er me mit dem Kardinal Dubois gesprochen und ihn überhaupt niemals gesehen hat. Die Bekämpfung der antisemitischen Propaganda. Die Bekämpfung der antisemitischen Propaganda in Amerika, die Vom bekannten Automobilkönig Henry Ford geleitet wird, wird energisch von der jtuli>clu־n Presse und jüdischen Persönlichkeiten geführt. Nach der glänzenden Abfuhr, die Rabbi Dr. Wtsc den anfiseniitischen Heizern gab, ergriffen gegen ihn das Wort die Rabbiner Dr. Silver utid Dr. Schulmann, die von der Kanzel aus die Grundlosigkeit und Boshaftigkeit der Ford• sehen Besclittldijningen bewiesen, die sich auf die zweit berüchtigten atitisemitisdien Pamphlete: ״Die Pratokolle der Weisen von Zion“ und ״Die Unruhe der Welt“ stützen, deren Echtheit nicht nur nicht bewiesen werden konnte, sondern direkt vom englischen Joint Foreign Comjnittee als boshafte Mystifikation hingcstcllt worden sind Eine Ehrung David Lubins. Das Internatonale Instirut für Landwirtschaft in Ncw-York beschloß, im Institutsgebäudc eine Gedächtnistafel zum Andenken des eben verstorbenen David Lubin, des Begründers des Institutes, und langjährigen Vertreters der Vereinigten Staaten in diesem Institute anzubringen. Gleichzeitig beschloß <1:0 Generalversammlung des Institutes, dem amerikanischen Staate wie auch der Familie des Verstorbenen ihr tiefes Beileid wegen des Ablebens Ihr« Mitgliedes auszttdrücken. Jüdische Statistik. Nach Angaben des American Jewisli Jear Book für das Jahr 511S1 ist die Zahl der Juden in Oroß-New-Vork von 3090 im Jahre ISIS auf l‘/2 Millionen im Jahre 1920 gestiegen. A. W. Auf der Konferenz der jüdische» Gemeinden i» Beßarabicn wurde ein Beschluß gefaßt, von der rumänischen Regierung die Einführung der nationalen Autonomie zw fordern. Die kanadische Regierung unterstütz die Grenzansprüche De kanadische Regierung hat an die britische Regierung ein Kabcltelegrainm nach London gesandt, das folgenden Wortlaut hat: ״IXe 1 kanadische Regierung unterstützt nachdrücklich die Forderungen der zionistischen Föderation von Kanada, daß bei der Festsetzung der Grenzen von Nonlp.ilästina .die Wasserfälle des Litaniflusses im Yarmuktalc, die Wasserfälle in der Nähe von Tabrti, die verschiedenen JordanqucUen in den östbchcn Gegenden von Tabru unbedingt in die Grenzen von Palästina einbezogen werden müssen.“ abzuschcn gewesen wäre. Wie aus der Denkschrift hervorgeht, sollte der § 15 zunächst gewissermaßen nur einen Versuch darstellea ״Sofern der Erfolg sich günstig erweist, würde damit auf gesetzlichem Wege nach Befinden weiter vorzugehen sein.“ Max Moses Polkc. Vorlesung Max Brod Sonntag, 12. Dezember in der״Ewer“-Bucbl1andIung Für ihre zweite Somitagsmatinee hatte die ״Ewer“- Buchhandlung den Prager Dichter Max Brod gewonnen. Brod las aus dem hier schon gewürdigten Drama ״IXe Fälscher“ den ersten Akt, der auch der stärkste ist. Der Dichter war auch ein guter Interpret seines Werkes, er verstand es, ohne kraß zu wirken, die dramatischen Effekte des an Spannung reichen Aktes zur Geltung zu bringen und dabei doch seine zahlreichen lyrischen Schönheiten wie ein kostbares Gewebe vor den Zuhörern auszubreiten. Die an der Nachschöpfung, des Geschaffenen sich wieder entzündende Hingerissenheit des Dichters teilte sich bald dem Publikum mit, das dann ganz in seinem' Banne stand. Außer den ״Fälschern“ las Brod noch lyrische Gedichte, einige davon noch unveröffentlicht. Ein als Proeinion zu dem Schauspiekikt vorgetesenes, von wildem Schmerz über den Großbetrieb unserer Zeit und von unendlicher Selmsticht nach dem einfachen Guten, der stillen Liebe durchglühtes Gedicht hinter'.icß einen ebenso starken Eindruck wie die anderen, mehr aus rein lyrischer Stimmung entstandenen. Den Abschluß bildete die ״Elegie an die abgefallenen Juden“, ein Lied det Klage und Selbständige. Gegen die netten Gelullte wirkten die früheren aus dem Buche ״Das gelobte Land“ vorgetragenen geradezu matt. Brods neue Dichtungen scheinen von einem ans tieferer uni heimlicherer Quelle sich erneuernden Erlcbnisstrom getragen zu werden als die der letzten Jahre, und manches früher mehr Gedachte und Gewollte (auch aus der Sphäre ries Gcsiniutngsgcnössisehcn) scheint bereits in die tieferen Lagerungen mul Abgründe dichterischen Gefühls untergetaucht zu sei«, um dann plastischer gestaltet, organiseltcr gewachsen, natürlicher entbunden, Kontur und Umriß zu empfange». So gab die (sehr gut besuchte) Vorlesung manche starke und 2ukunftsvolle Verheißungea -aeo-

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