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Jüdische Rundschau · 1920-12-14 · Heft 89 (14.12.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 89 (14.12.1920)
Date
1920-12-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr: 89 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 607 Die sanitären Verhältnisse in Galiläa Einem Bericht des ״Hapael-lla;׳.a'1r“.at1s Tibc ri n s entnehmen wir, dal! die Frage der inedizjiiiselie» . 1 lilfe dort, äußerst brennend ist. Während aus gaiu Untergaliliia die Kranken na 111 Tiberias Strumen, gibt es im Spital der ״lladassa“ nicht mehr als acht Plätze für Miimier und seelts für l'raimn und sehr wenige für Kinder. Hie Milgliedcr der Krankenkasse hcniiihcn sich, die Arbeiter in einem in der Nahe des Spitals gele«envn üasthause unterzukringen, damit die Aerzte um! Schwestern der ״Hadassa“ auch ihnen sich widmen können. Jedoch oft liegt ein Kranker 21 Stunden, ohne dali irgendein Mensch ihn besuchen kommt. Aidierdein gibt es in diesem Gasthause auch keine zureichende Verpflegung für die Kranken. Auch bei den Chausseebauten in der Nähe von Tiberias ist die medizinische Hilfe nicht genügend, besonders die Mädchen leiden sehr, da es für sie keine Plätze gibt, und de im Falle der Erkrankung in den Zelten liegen bleiben müssen. IXr Korrespondent des ״Hapuel- Ha wir“ betont auch die Notwendigkeit, dal! die Ucber־ führung der Sclnverkranken in die Spitäler nicht durch die Hilfe der nicht genügend vorbereiteten Kranken!- kassen, sondern durch die über Automobile und alle Hilfsmittel verfügende ״l ladassa* erfolgen soll Volksbildungskurse in Jaffa. Anfang Kislew warden in Jaffa von der Kulturkommission des liapoei- H11'*/1׳r \\i<s1׳u^ciKtni.Vih£ VdksiH1dtmg>kur>e ciöffiict, die in zwei Abteilungen zerfallen, und zwar für geistige Wissenschaften und für Naturwissenschaften. Unter den Vortragenden bcfiiule» sieh die bekanntesten Personlichkeiten des Landes. Wir erwähnen: Bibel (Dr. Mossinsoim), Gesehiehte (!1inner), mittelalterliche Literatur (Dr. Zitrone), neue Literatur (IJisteiVz'.kt), politische Oekouomie (l>r. Jakob Hluwstein), Chassidismus (Ben Jccheskel). Oie wissenschaftliche» Kurse zerfalle» in Vorlesungen über Fhysik, Chemie, Botanik, Physiologie und Hygiene, Psychologie, Geographie usw. Die Kanalisation Jerusalems. Im Josaphatal bei Jerusalem fand die Uebergabc der von der Zionistischem;ommissiou gebauten Kanalisation Jerusalems an du•. Stadtverwaltung statt. Anwesend waren die Spitzen der Zionistischen Kommission, der Stadtverwaltung, Vertretcr der Regierung und die Erbauer des Werkes. Ingcnicur Erker eröffnctc die Feier mit einer hebräischen Vöde, in der er die Bedeutung der Anlage ihr die öffentliche Gesundheit dailegte. Nach ihm sprachen, ebenfalls hebräisch, der Leiter der Kauuasatiousarbciten. Kanter, sowie der Vorsitzende der Zionistischen Kornmission, Ussischkin, welcher dem Bürgermeister das Kaiialisaliouswerk mittels einer hebräisch lind arabisch auf Pergament altsgefertigten Urkunde übergab, ln seiner Dankrede sprach iler Bürgermeister von Jerusalem den Wunsch aus, dal! die Zionistische Kommission ihre segensreiche Tätigkeit fortzuset/en in der Lage sei. Die Phosphatlagcr Palästinas. Nach dem Regierungsberieht für das gegenwärtige Jahr gibt es in Palästina, insbesondere iut Ostjordanfand und in der Wüste Judäa, ausgedehnte Phosphntlager. Bereits vor dem Kriege wurden die ersten Versuche zur Au-- beutung gemacht. Bei der allmählichen Steigerung des Bedarfes an künstlichem Dünger dürfte die Ausbeute inzwischen weit rentabler geworden sein. Nach dem lö•- ßierungsherleht werden numnehr erhöhte Anstrengungen zur Ausbeute der Phosphntlager gemacht. Landwirtschaftliche Ausstellung in Jaffa. In Jaffa wurde kürzlich die erste landwirtschaftliche Ausstellung Judäas eröffnet. Etwa 90 0/0 der ausgestellten landwirtschaftlichen Erzeugnisse waren von jüdischen Landwirten ausgestellt, zum großen Teil von Kolonisten, zum Teil auch von Arbeitergenossenschaften. Die jüdi• sehen Aussteller erhielten die weitaus größte Zahl der Preise. Baron Edmund Rothschild für Palästinazwecke. Wie der ״Donr Hjom“ mitteilt, zeichnete Baron Edmund Rothschild auf die Palästinaanleihe int ganzen 300 000 AI, davon vorläufig 70 000 €. Außerdem sagte Rothschild nach dem ״Doar Hnjom“ '100 0:>0 X. für die Ver• wirklicliung des Ruthenhergschcn Elcktrifizienmgs- Projektes zu. Palästina als Einfuhrland, ln einem zusammenfassenden Artikel äußert sich ״Near East“ (London) über die Bedeutung Palästinas als Einfuhrland. Das Blatt schreibt: ״Britische Fabrikanten haben jetzt eine großartige Gelegenheit, ihren Handel in Palästina auszudehnen. Das Land zeigt ein unvergleichliches Ge- «leihen, und das Gebiet jenseits des Jordans ist bekanntlieh infolge der ausgiebigen Verwendung unserer arabischeu Verbündeten im Kriege unter der militärischen Oberleitung Großbritanniens reichlich mit Gold versehen. Es herrscht großer Mangel an Baumaterial, wofür der Einfuhrzoll von 11 0/0 des Wertes auf 3 ״/» herabgesetzt worden ist. Landwirtschaftliche Maschinen um! Geräte sowie chemische Düngemittel werden in grüßen Menget» verlangt und können zollfrei eingeführt werden, ebenfalls eiserne Bettstellen, Töpfergeschirr, Eisenwaren, Be- Ideidung, Holz, Möbel und Heizmaterial jeder Art. Palästina muß als Stapelplatz für die große Einfuhr nach Transjordanien und dein Hauran befrachtet werden, wo ausgedehnte Kornfelder (hauptsächlich Weizen und Gerste) den Reichtum eines Gebietes von der Größe Frankreichs bilden.“ Der Außenhandel Palästinas. Die palästinensische Regierung hat einen Bericht über den Außenhandel Palästinas m der Zeit vorn 1. April 1019 bis 31. März 1020 lierausgcgebcn. Der Import betrug in dieser Zeit zirka 4,47 Millionen Pfund Sterling, der Export 1.26 Millionen Pfund Sterling. Die üer'iigfügrgkcit des Hxports erklärt sich durch das Ausfuhrverbot für alle Getreidesorten, an denen das Gstjordanlaud besonders reich ist, das vor dem Kriege große Mengen nach England, Acgvpten und Italien lieferte. Ausgeführt wurde!* Orangen (zirka 161 000 £ nach England und Aegypten), Wein, Seife usw. Eingeführt wurden u. a. Baumwolle, Zucker, Naphtha und Reis. Als Importländer, kamen besonders England, Frankreich tmd‘ Aegypten 'in Betradit, als Exportländer England und Aegypten, des Privatkspifals in Palästina Anmerkungen zu Kaplun-Kognns Artikel Von R ti d o I f Samuel. Berlin Diese Erwiderung aus den Kreisen des Llapoel-Haznir mußte aus technischen Gründe» bis heute zuriickgestellt werden. Die Auseinandersetzung mit Kaphiu-Kogans Artikel in Nr. $<> der ״J. R“ macht mehrere Vorbemerkungen notwendig. Es muß Verwahrung dagegen eingelegt werden, daß gegen Hapoel-Hazai'r Angriffe in der Form apodiktischer Behauptungen gerichtet werden, die auf einer offenkundigen Unkenntnis und auf jenem absichtliehen Mißverstehen beruhen, das mit Behagen überall dort Platz greift, wo in einer komplizierten Frage Mißdctitiingcn möglich sind. Nostra culpa: wir haben lange Zeit versäumt, die deutsche zionistische Oeffcntlichkeit über das Wesen unserer Bewegung aufzuklären, da wir seit dem vor etwa drei Jahren erfolgten ersten Eindringen in den deutschen Zionismus alle lebendigen Kräfte in der iunern Entwicklung der Bewegung gebunden hatten. Aus unserer meist hebräisch geschriebeneu Literatur sieh zu informieren, scheint den deutsche!» Zionisten nicht möglich, die ja kaum die ״Arbeit“ zu lesen für nötig halten. Ich beschränke mich daher darauf — vorbehaltlich einer spätem Auseinandersetzung auch über diesen Punkt — diesmal nur die Angritfe Kaplun- Kogans gegen Hapoel-Ha/air als oberflächliches Fehlurteil zurückzuwcisen, ohne mich heute in die Diskussion darüber cinzulasscn. Nur eine Bemerkung noch: Es ist ein billiger Effekt, einzelne aus dein Zusammenhang gerissene Worte Buhcrs, die an ihrer Stelle sinnvoller sind als Kaplun- K«ga« ־/tt ahnen scheint, in nationalökonomischen Untersuclumgcn der Kontrastwirkung auszusetzen. Bubcr spielt i;> unserer Bewegung nicht die Rolle des National- Ökonomen, der ökonomische Details festsetzt. Die von Kaplun-Kogan erwähnten Formulierungen des zionistisehen Zieles entstammen als der ökonomischen; liuicn, die auch bei der des Zionismus eine Rolle die Realität erst fiiilt in h einer ganz anderen Sphäre und doch sind sic Riehtwirtschaftlichen Realisierung spielen. Ihre Umsetzung in das Gebiet der Oekouomie. So ist mit wirtschaftlichen Argumenten allein ihnen nicht beiziikommen. Aut diese Art der Polemik Kaplun-Kogans versagen wir uns eiiizugehcii und wenden 1ms lieber dem sachliehen Teil seiner Ausführungen zu. Eine Auseinandersetzung mit ihnen ist nur möglich, wenn wir 1ms vornherein klarmachen, daß die ganze grundsätzliche Einstellung, aus der heraus der Artikel geschrieben wurde, irrig ist. Uin einem in letzter Zeit häufig gegen unsere Grundauffassimg gebrauchtem Argument gleich zu antworten, kann man nicht umhin, an dieser Stelle einiges erneut zu sagen, was vielleicht überholt klingen mag. Durch die gesamte zionistische Presse geht 11eute der Ruf nach Sachlichkeit. Und je weniger man mit diesem Göttergeschenk behaftet ist, desto lauter tönt dieser Ruf. Aber man sollte dabei doch nicht so völlig vergessen, daß die Forderung der Sachlichkeit keine Idee ist, die auf der Jahreskonferenz erfunden wurde. So»- dem diese Forderung der Sachlichkeit ist?eit Jahren und Jahrzehnten von allen denkenden Zionisten erhoben worden und nicht zum mindesten die palästinensische Arbeiterpresse hat diese Forderung immer wieder vertreten. Allerdings ist eiin Unterschied zwischen dieser alten Forderung und dem, was man heute «laraus gemacht hat. Wenn man von unserer Seite aus Sachlichkeit forderte, so sollte das nicht heißen, aus dem Zionismtis eine Transportgesellschaft zu machen. Wohl verstand man darunter die Forderung, daß alle ausführende Arbeit von Fachleuten geleistet werden sollte. Daß aber diosclltcn Fachleute und Spezialisten auch gleichzeitig die Leitung der Zionistischen Organisation übernehmen sollten, daran hat man nie gedacht. Es gibt einen Unterschied zwischen der sachliehen, korrekten Ausführung eines Planes und seiner Konzeption, seiner Einordnung in einen großen Zusammenhang. Die Forderung nach Sachlichkeit erheischt fachmännische Au s fü hrun g unseres Kolonisationsplanes. Sie hat nichts zu tun mit der Aufstellung der Grundsätze und Richtlinien, nach denen er claiin erst ausgeführt werden soll. Wenn man heilte die Forderung nach Sachlichkeit in ihr Gegenteil verkehrt lind aus einer Waffe des radikalen Zionismus zu einer Waffe gegen ihn gemacht hat, so ist dies für uns keineswegs ein Grund, sie nicht wieder auf das, was sie eigentlich war und wieder sein soll, zurückzuführen. Wir scheuen uns also nicht, über die grundsätzliche Ein- Stellung zu den Problemen des Paliistinaaufbaus einiges zu sagen, was vom Standpunkt eines kleinlichen Spezialistcntums aus zweifelsohne den Eindruck des Unsachlichen erweckt. Denn am Anfang steht doch die Frage: Welches ist eigentlich das Ziel unserer Paläsiinnkolonisation? Dieses Ziel kann nicht rein ökonomisch definiert werden, und es äst falsch wenn Kaplun-Kogan schreibt, daß es ״nur auf den wirtschaftlichen Aufbau ankommc“. Bei der Lektüre seines Artikels könnte inan den Eindruck gewinnen, als ob dieses rein ökotvomische Problem, als das er den Palästinaaufbau hinstellt, seine Lösung 1bereits gefunden hätte, wenn dort, sagen wir in einer Reihe von Pflanzungskolonien, eine neue Stelle• geschaffen würde, in der z. B. Orangen für den Weltmarkt gepflanzt und für den Markt in Liverpool verfrachtet werden. Gegenüber dieser ganzen Betrachtungsweise müssen wir daran erinnern, daß das Problem unseres Palästinaaufbaus in erster Linie ein nationales Problem ist. Das Ziel der zionistisclten Kolonisatron ist nidht erreicht durch eine beliebige Ansammlung wirtschaftender jüdischer Mensclien L» Palästina, so»- dern Ziel unserer Kolonisation ist der Aufbau einer nationalen Heimstätte, der Aufbau einer gesunden und lebensfähigen Volkswirt- Schaft als Zentrum für den gesamten V o 1 k s k ö r pe r. Alle Kolonisationsmctlioden sind nur Mittel zu diesem Zweck, ihm haben sich alte ökonomischen Betrachtungen unterzuordnen. Wirtschaftliclie Pläne sind keineswegs Selbstzweck und können!nicht losgelöst von den Grundideen der zionistischen Bewegung für sich allein betrachtet werden. Sondern Selbstzweck ist lediglich und allein der Aufbau des nationalen Zentrums. Bei jedem Kolonisationsplan ist also zu prüfen, nicht, ob er allein und für sich genommen, durchführbar ist, sondern ausschließlich, ob er tatsächlich fähig ist, diese Aufgabe zu lösen. Das alles aber scheint Kaplun-Kogan nicht genügend in Rechnung gestellt zu haben, und daraus allein sind manche seiner merkwürdigen Trugschlüsse zu erklären. Wir haben also zu untersuchen, durch welche wirtschaftlichcn ■Rinne, durch welche Kolonisationsmctlioden dieses Ziel, der Aufbau eines nationalen Zentrums, einer gesunden jüdischen Volkswirtschaft in Palästina erreicht werden kann. Ist das Privatkapital fähig, diese Aufgabe zu lösen? Die erste Frage, die man hier stellen muß, ist die, nach der Anziehungskraft Palästinas für das Privatkapital. Wenn man den Artikel von Kaplun- Kogan gelesen hat, so weiß man nicht recht woran man ist. Wirft er der zionistischen Leitung vor, daß sie die Kapitalisten nicht nachdrücklich genug eingdadeu habe? Dies ist doch aber in der Tat nicht der Fall. Kein Mensch hat docli bisher dem Privatkapital in Palästina irgendwelche Beschränkungen auferlegt. Sondern ün Gegenteil hat die Jahreskonferenz festgcstellt, daß selbst die nationalen Institutionen und Gelder (die doch im Grunde vom jüdischen Volke nicht ‘ eigentlich für diesen Zweck gesammelt und errichtet wurden) das Privatkapital gegebenenfalls unterstützen sollen. Und doch ist es nicht gekommen und kommt nicht. Vor dem Kriege bereits haben wir gesehen, wie das europäische Privatkapital daran ging, Nordsyrien zu erschließen, Palästina aber wurde davon nicht berührt. Und damals liatte es das Privatkapital mindestens ebenso leicht, in Palästina zu arbeiten, wie heute. Damals hinderte nicht der 11011c Stand der palästinensischen Valuta einen großen Teil der europäischen Kapitalisten an der Betätigung in Palästina. Und auch heute ist nichts davon zu merken, daß etwa das Privatkapital in größerem Umfange Palästina zu erschließen beginnt Denn daß einige Zionisten heute einige ganz wenige Unternehmen ins Leben rufen, kann man nidit als Betätigung des Privatkapitals bezeichnen. Alle Kapi- (alten, die in den ganz wenigen Gesellschaften invcstiert werden, könnten •wahrscheinlich an anderer Stelle mit viel größerem Nutzen angelegt werden. Und Kaplun-Kogan selbst glaubt ja nicht, daß diese ״philaiilhropische“ Kolonisation, die •auf einen Teil ihres Profites verzichtet, der harten Wirklichkeit gegenüber von genügendem Umfang und Dauer sein wird. Wenn er über die ״sozialistische Philantropie“ spottet, so stimmen wir ihn! absolut bei. Und wir sind sogar überzeugt davon, daß noch häufig auch nichtjüdische Sozialisten auf die ' Schwenkung des zionistischen Bürgertums vom Pittsburger Programm, von den Resolutionen des deutschen Palästina-Delegiertcntages usw., zu den Beschlüssen der Londoner Jahreskonferenz als ein Musterbeispiel dafür liiiideuten werden, wie wenig soldie uneigennützigen Gebürden des Privatkapitals ernst zu nehmen sind. Was also soll man tun, damit das Privatkapital nach Palästina kommt? Soll man es wirklich noch einmal einladen? In der Tat aber richtet sich doch das Privatkapital nicht nach noch so schön formulierten Einladungen. Es geht lediglich dorthin, wo es Profite einiieimsen kann. Und wir müssen uns daran gewöhnen, daß Palästina ein Landist, in dasdas Privatk;1 p i t a 1 schwerlich gehen wird, weil hier eben Profite derzeit nicht zu holen sind. Ueberall dort, wo mit europäischem Kapital Kolonial- Länder okkupiert wurden, geschah cs, weil dem grollet» Risiko große Profite entsprachen. Sie kamen zustande, weil in juiigfräiiüclH'n Ländern unberührte Schätze in kurzer Zeit geplündert werden konnten. Hier war es unberührter Boden, der ohne Mühe vielfache Ernten gab, dort ungeheure Waldungen, die in fast unbegrenzter Möglichkeit kostbarste Nutzhölzer lieferten, in andern Landern Gold- und Erzlager, die dem europäischen Kapital (besonders dann, wenn es, wie in Afrika und Amerika, vielfach rücksichtslosen Raubbau trieb) so hohe Profite versprachen, daß selbst das große Risiko eines Koionisationsuntemehmcns bedeutungslos wurde. Dazu kam noch, daß die großen Kolonialgesellscliaftcn auch die Arbeitskraft der Ureinwohner rücksichtslos nuszubcuten pflegten. Nur diese ungeheuren Profitnioghchkciten haben bisher europäisches Kapital in übersecssche Länder gelockt. Diese Profitmöglichkciten aber fehlen in Palästina. Es gibt keine unberührten Bodenschätze, und eine rücksichtslose Exploitation Einigster menschlicher Arbeitskraft wird heute nicht mehr geduldet werden, ganz zu schweigen vorläufig von der Kardinalfrage der Verwendung jüdischer Arbeit. Und — nicht zu vergessen, gerade bei der grundsätzlichen Ein- Stellung, die wir zu dem ganzen Problemkomplex haben - alle diese europäischen Kolonisationsunternehmungen in Australien und Amerika, in Indien und Afnka, dienten lediglich dem Gewinn und hatten nichts zu tun mit einer Volkskolomsat lon, mit dem Aufbau eines na t.onalcn Zentrums. Eine derartige, einzigartige

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