Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 88 (10.12.1920)
- Date
- 1920-12-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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p Nr. 88 יי? Cl> 11« Antwort an Erich Mühsam Von RudoW Scliay, Berlin. Ls löst uns Zionisten, die wir gezwungen srnd, sunidij׳ in Kampf, Anpfiff und Abwehr zu leben, gerade/» 1 icfühlc lief Erleichterung, der Befreiung aus, wenn uns ein Mann wie Brich Mühsam in die Schranken fordert*); denn hier steht ein Gegner vor uns, von dem wir wissen, .lall er mit reinen Waffen ficht, dall die Argumente, welche er in die Debatte führt, dall die Ideen, denen ,ein Ka111j)f gilt, nicht Niederschlag materieller Interessen, Geburten der Angst um soziale Geltung, Gesellschaft- 1'ulie Gleichberechtigung, bürgerliches Wohlbehagen sind, lall die Ziele, nach denen er strebt - und über deren illeinselignmehemle Bedeutung man, wie hier geschehen soll, streiten kann -~ nidtt von niederen, vcrsdileiertet» Motiven bestimmt sind, sondern aus reiner, ideeller I ebcr/eugimg erwachsen. Erich Mühsam ist einer der pan/ wenigen, welche um persönlicher Unamn׳hmlidikeilen willen keine Stunde von dem in reiner ik,׳eisteruug mul ehrlichster llehcr/cugung gewählten Weg abgewichen sind; und wie gesagt, die Gefühle, welche uns hier zur Entgegnung treiben, sind fa st erhebende, deiui hier ist uns (die so seltene) Gelegenheit gegeben, zu erweisen, dall auch dem großen, reinen und elu־- iielicn Widersacher gegenüber sieh Weg, Wille und Zel, wie wir sie fordern, als die höheren, weil richtigeren, erweisen. Die richtigeren: es ist befremdlich, dall e;n Mann, , ׳)er so ganz auf dem Boden der Wirklichkeit steht und die sozialen Verhältnis:■•e tüent durch Nebekmust und ״Geist“ sieht, sondern klar crsemit, dall der Machtkampf gesellschaftlicher Gruppen ׳las große Leben regiert, via 11 dieser Manu nur eine der Schnittlinien zu seiten vermag, welche die Menschheit in solche Gnipixm zerteilt. Der ״Klasscnkanipf“ scheidet die besitzende mul atislieutcnde Minderheit in glatter Linie von vier besitzlosen, ausgebeutcteii, arbeitenden Mehrheit. Juden und Aiicr gibt es auf beiden Seiten; eine Scheidung naci: Rassen, Köitfessiiouen, Stammbäumen findet in der so- /iak'ti Gliederung der Gesellschaft nicht statt, ״in den ■ Angelegenheiten des sozialen Lebens gibt es nur zwei Gruppen: die Kapitalisten... und die Proletarier.“ Gewiß, in ״Eiiedeii'Veiten, in ״normalen“ Zeiten steht im Mittelpunkt allen öffentlichen Lehens der Kampf /wischen ״Kapital und Arbeit“, der Kiassenkampf: er regiert die Parlamente, die Presse, die öffentliche (mul meist auch die private) Meinung; er ist die Kraft, welche die Mitl*le des gesellschaftlichen Daseins treibt. Aber die Zeiten verlauten nicht immer ״normal“, die Mensche» rregen sielt maiielimal, und unversehens treten andere rte.ummgsliiiicn zutage, welche vorher nur so ganz uebeidiei bemerkbar waren - weil eben der Kampf zwischen Besitzenden mul Besessenen allzusehr im Blickfehl hervortrat. Da werden plötzlich Völkergrenzen, über welche sich vorher die Kapitalisten aller Länder die Hände!gereicht und die Proletarier aller Lander Brüderküsse «iiisge tau seht hatten, als Frontlinien, Kampf- Stellungen sichtbar. Hechts der Grenze und links der Greu/c einigt sieh Bourgeois und Proletarier zum Kampf gegen Bourgeois und Proletarier. Wir haben dies Schauspiel erst erlebt mul erleben es stündlich weiter, Der Fitmaml, hier läge Psychose, In tum gewissermaßen, vor, kann im Ems! nicht erhoben werden; vor allem nicht von sozialistischer Seite; denn nach der hier geltenden Lehre lichten sich die wirtschaftlichen Klassen nur nach der Vorschrift ihrer Interessen und können :ich in diesen auf die Dauer nicht irren. Die Tatsache, daß sowohl die vorher so einig׳ ״bandelnden“ Kapitalisten und Einigkeit proklamieren.• •len Proletarier aller I.ander plötzlich die alte ״horizom• i.ile“ Erenmmgsebcne vergessen und sich nach einer ״vertikalen“ mngruppieren konnten, zwingt zum Schluß, dall vorher schon die .Menschheit nach dieser Richtung eingestellt gewesen sein muH. Mühsam sieht dies nicht, ״Wir Juden“, ״Wir Deutsche“, ״Wir Franzosen“ scheint ihm das gleiche zu bedeuten, wie ״Wir Fahrgäste 1111 seihen Omnibus“: zufällig an einen! Ort ztisatnmeu• gekommene ,Mer,sehen. Dali «liest■ Fahrgäste, weicht־ durch gemeinsames Reiseziel, gemeinsames Interesse an Beförderung in gleicher Richtung, sofort - ungeachtet ihrer bunten Zusammensetzung aus Bürger, Bauer jukI Bettler -־• eine einheitliche Machtgruppe dar-teücti, wenn sie in engem Hohlweg mit den Fahrgästen einer aus entgegengcsctz.ter Richtung kommenden Kutsche zusammenstoßen, müßte Mühsam auf gef aßen sein. Die Ursache• zum Streit mag;-!ich hier eine ökonomische sein (Furcht vor Zeitverlust ttsw.), die Zusammensetzung der Grapsten lidocli hat keine wirtschaftlichen, sondern zufällige Gründe, wie das Dasein tler Nationen durch Zufälle bedingt ist, wenn man gemeinsam-liistorhiclie Erinnerung, lokale iifttl sprachlich-kulturelle Einheit als solche beirachtet., Diese Betrachtungsweise liegt bei Erich Miihsarn vor, auf Grund seiner schroffen Verbissenheit!11 jene. Behauptung, daß die Geschichte aller Zeiten Geschichte von Kiasseiikäiitpfcn gewesen sei. Man hatte, bevor der Omnibus erfiemleu war, andere Beförderungsmittel, und der NatonnVsmtts in seiner heut!- gen Gestalt lebt erst seit «1er Renaissance; auch die Klassen im modernen Sinn entstanden erst nach Ende des Mittel alters. Die ״horizontale“ mid ״vertikale“ Zerkliiftun•!» der Menschheit jedoch besteht, soweit sich die Geschickte ztirückvcrfolgen Läßt Die nationale Eintcihuig der Menschheit ist ebenso mturgcsetzlidi, ebenso wirküeli wie ihre wirtschaftliche. In den Diasporajude», welche sich in so auffallend großer Zahl der proletarischen Freiheitsbewegung virrbinden (trotz Zugehörigkeit zu einer sozial ״höherem“ ’) ״Die Weltbühne‘1, Berlin, Kr. •Kl vom 2. Dez. 1020. JUEDISCHE SUNPSCHXU Schiclrt), snciit jene eigeiiarlige Spannung zwischen sozialem Geltungstrieb und nationalem Zurüekgexviescnseh» unter dem Motto: ״Keins von beiden“ Auslösung. Das- ״historische Gedächtnis“ der sozial höheren Schicht verweigert dem Juden die endgültige, die restlos»- Aufnähme und zwingt gerade da.turen die Echten m:U Wahren, die nicht zu schmeicheln und ,)ctL-lt» Vermögens 7.1w Feindschaft, zum Bündnis mit «lern ״roictariat. dessen Interesse den gleichen Gegner bezeichnet. Die ■Unfähigkeit Mitlisams, neben »lei Wirtschaft• liehen, der KlasseiizertciUmg der Menschheit a׳.:c!־• deren iialionalc Gruppierung zu erkennen ■ eine Unfähigkeit, die ihm keine 'Unchrc schafft: denn sie stammt aus;eilten Hingabe an die eine Sache - i'us hidentmn habe Seite 001 wendet. Er betont, daß Mr. Balfour als Staatssekretär für ׳Aeußercs ohne Befragung des Parlamentes aut «. Növember PH7 seinen Brief geschrieben 11 ibe, aus dem man jetzt allerlei Ansprüche ableitet. Int Verfolg dieser Politik werde in Palästina eine große Garnison unterhalten, die «len britischen Steuerzahlern 7 Millionen I ftuu* jährlich kostet. ״Den Zionisten der «;;:!uzen Welt stellt es frei, eine nationale Heimstätte üi Palästina atif/ubauen, wenn sie es wollen, aber nicht auf unsere Kosten. ‘ Ohne sich in den inneren jüdischen Streit um den Zionismus cinttiischcn zu wollen, betont Lord Rothermere die Notwendigkeit, daß die Juden selbst die Sache in die Hand nehmen, und nicht englische Staatsbürger für den Zionismus besteuert werden der ganzen, uug. ... , , , bringt ihn zur Auffassung, nationales Judentum nur datim i1v,tmivvdcht‘11 Siim, wenn cs der i rokumution der sozialistischen Ordnung diene, ikaeh ״wenn es sich darauf taeschränk;, Juden aus allen Länder!» zu sautmellt . . . einen neuen Staat zu den übrigen zu gründe«!: mit kapitalistischer Ordnung“. . . gehört es ins ״Gebiet reformistischer Vereinssimpelei“'. Nur wenn es dem ״nach Erlösung durstenden Weltproletariat den ringeheitren Dienst des Beispiels“ leistet, hat es Dasein- Gewiß, wenn es der Welt dieses bieten vermag (und mehr Wirkung damit verstände, als da% Beispiel Rußlands), wird seine Bedeutmig eine unendliche, allmcnschliche seit». Doch ist dies nicht sein Sinn, nicht sein e i ge nt- I i c 11 e s Z i e1. Mühsam vermag eben nicht zu sehen, daß es auch nach Erlösung durstende Völker, ein «ach Erlösung durstendes jüdisches Volk gibt. Recht aufs Beispiel zu aits/ulösen Kleine Nachrichten Literarische Mitteilungen E. P Dr. Joses Chasannwitscli gestorben. Vor emigcii Tagen verschied in Jeknterin-asLaw der bekannte Begrütider der Nationalbiblkrthek in Jerusalem, Dr. Josef C h a sa no w i t sch. Vor zirka 30 Jahren, als in Palästina nur die Anfänge der neuen Kolonisation ansetzen, begann Dr. Chasanowitsch, den Gedanken einer Nationalbibliothek in Jerusalem zu propagieren, die alle unsere Gcistosproduktc aller Jahrtausende in sich aufnelmien soll. Es war ein kühner Gedanke eines Idealisten. Er hat wenig Verständnis für seine Idee gefunden und mußte mit eigenen Mitteln arbeiten. Er liattc in B!alystok eine große Praxis (er war Arzt) und gab alle seine Mittel für sein LieblLngswerk aus Er pflegte hei seine» Besuchen mehr von seiner Bibliothek als von der Krankheit zu sprechen. Er wurel:■ ein Sonderling, von dem man allerlei Legenden erzählte. Besott• tlers war er bei der;'inneren Bevölkerung Bt.ilystoks sehr beliebt, die er unentgeltlich heilte. Allmüliheh gelaug es ihm, auch andere für seine Idee zu gewinnen, und er sammelte einen ansehnlichen Bücher- und Handselirifienschatz, «len er allein nidtt mehr bedienen konnte, obwohl er seilte Praxis sehr vernachlässigt hatte. Die zionistische Organisation übernahm schließ- Hell die Bibliothek in Jerusalem, für die inzwischen auch ein Haas bereits errichtet war, in ihr Budget. Das Haus reicht bereits jetzt für diz in Kisten verpackt liegenden Bücher nicht aus, aber der Grundstein für die Nationalbibliotliek ist gelegt. Ihr Begründer, der Idealist l)r. Chasanowitscli, hat damit sielt seihst ein ewiges Denkmal gesetzt. Grusien. (A. W.) Der ״Ru!“!Berlin) meldet, daß das Ministerium des Innern tler Republik Grusien auf Ersuchen der zionistischen Organisation uni Ge• ־ iielnnigttng der Durchreis«׳ der aus RuBland nach Paliistina Grusien passierenden Juden den Gesuchen gruivdsiitzlich stattgeben wirti, wobei folgende Bedmgun* gen zu beachten sind: 1, Die keixegciwliinigung wird »weh Einholung der Zustimmung der englischen Regie• rtmg zum Visieren der Pässe der Emigranten auf Grund der von der zionistischen Organisation ausgestellten Bestätigung crtei.t. '2. Die Emigranten begeben sielt aus Wiadikawkas otler Baku unmiUdbar in «lie Hafen• Städte Bafirni und Poti, ohne Erlaubnis sich in Tiflis oder in irgendeinem and-.-ren Ort aut dein Territorium Guisiens auf/.uhalten. 3. Zur Vermeidung der Auswuchshing der Geldscheine in ausländisch.־!• Valuta auf dem Gebiete der Republik Grusien verpflichtet sich «lie ־/k>- lnstische Organisation, die F'ahrt der Emigranten Iv.s zum Bestimmungsort (Konstaiitinopel, Palästina) zu Ikzahlen oder in der keichsbank Grusk'iis einen bestimmten Betrag hi ausländischer Währung um zu wechseln, aus welchem Fonds ein Bevollmächtigter der zionistischen Orga!־i»atj!on die Schifiskarten in Batum «der Poti lösen wird Türkei. ״Ln Nation‘' (Konstaiitiiiopel) klagt über das mangelnde Interesse «1er wohlhabenden Juden am jüdischen Schulwerk, «las, nachdem die Alliance eine weitere Unterstützung abgclelmt hat, auf sich selbst gestellt ist. 1 k־r ״Snobismus“ dieser Kreise lasse sie ihre Kinder in christliche Schulen schicken und entziehe den jüdischen die nötigen Mittel Hebräische Terminologie für die Rechtswissen־ schuft. Die Leitung der in Palästina von der Regierung erüifiK-ten Kurse für Rechtswissenschaft wandte sielt at» den Wand Halaschon mit der Bitte, eine Kommission zur Ausarbeitung einer hebräischen Terminologie fiir die Rechtswissenschaft zu ernennen. Vom Waad Halaselum s.ud darauf in die Kommission gewählt worden die Herren Ben Jehttda, E. M. Lifschitz und Dr. Aron Mo sic, außerdem wird noch ein Rabbiner zugezogen werden. (Z. K.) Die hebräische Organisation Amerikas hat ein institut für liöhcrc hebräische Bildung gegründet, in dem folgende Lädier unterrichtet werden: Hebräisch. Bibel, ialmiid Midräsch uuet Agudah״ mittelalterliche Literatur, neuhebräisdK• Literatur, jüdische und a!',genu־im־ Geschichte, Natnrwissens«haften, pädagogische Psychologie, Methodik und Didaktik, Geschichte der Pädagogik, Englisch, Musik, Zeichnen und Geographie Palästinas. D<>- zeit fett sind: Prof. Nctmiark, Prof. Malter, Dr. Turov, Dr. Wolfsohn, Dr. Halfer, Dr. Efrat und nmierv. In ״Sunday Picforial“ schreibt der Herausgelier Lord Roth ernte re einen Artikel, in dein er sich heftig gegen die britischen Ausgaben in Palästina Walter Tschuppik, Die tschechische Revolution. Tal ß! Co., Verlag, Leipzig—Wicn—Zf rieh. Ein Stück Weltgeschichte in Anekdoten!;linkte hier. Aus diesem lebendigen Buch wild nun» Besser als aus manchem dickleibigen Walzer erkennen, warmi Mittelcuropa ■/usammenbrach, warum das revolutionäre Liehet des tschechischen Volkes die Nachbarn .uistcekte und noch :!!!stecken kann. Es ist ein lehrreicher Fall eines nationalen Erwachens, mit dem Schwung, aber auch den Gefahren tles Nationalismus. Hermann Strack, Jüdische Geheimgesetze? Berlin 1020. C. A. Schwetschke (V Sohn, Verlag, 2,30 M. — Derselbe, Einleitung in Talmud und Midrasch. Fünfte, ganz neu bearbeitete Auflage der Einleitung in den Talmud. München 1021, C. 11. Beek. 11 M Hermann Strack, der Berliner Theologe, hat eine Flugschrift verfaßt, in der er*׳ mit den antisemitischen Demagogen abreclinet. Strack ist einer der wenigen chrisiichen Talmtidkenncr, er hat sich seit Jahren große Verdienste erworben nicht nur um die Aufklärung der öffentlichen Meinung über den Talmud, soiv.lern auch um die wissenschaftliche Forschung selbst. O.e neuesten Patujihlete der antisemitischen Schmutzliteratur, insbesondere Artur Dintcrs ״Sünde wider das Blut“, die ״Geheimnisse der Weisen von Zion“, gehen dem Gelehrten den Anlaß, in aller Ruhe und mit Wissenschaftheiter Ueberlegenheit die gröbsten Unwahrheiten, Feilschlingen mul Plagiate »n/ukreidett. Strack führt die Stellen ׳aus der antisemitischer» Literatur an, die ge• eignet sind, das deutsche Volk irre zu führen; er beweist, daß alle die angeblichen ״Zitate“ aus jücli‘- selten ״Gcheimbüchcrn“ grobe Fälschungen sind, die ein Autor vom anderen abschreibt. Die ״ücheimbüdter“ gibt es gar nicht; Talmud, Schulchetn;mich und alle anderen Bücher sind jedem Christen ebenso zugänglich wie dem Juden, verschlossen sind sie mir für diejenigen Christen und Juden, die nicht tlarin zu lesen verstellen. Eingehend behandelt Strack die ״Sunde wiiier das Blut“, «las er als Sünde wider die Kunst, wider die Wissenschaft und wider das Vaterland bezeichnet. Die Broschüre ist gut geeignet, dein deutschen Volk die Augen darüber zu offnen, wie es von gewissenlosen Schwindlern vergiftet wird. - Bedeutsamer• ist das zweite erwähnte Buch, die ״Einleitung in Talmud und Midrasch“. Es ist eine wissenschaftliche Einführimg in Weset», Gliederung, Inhalt des Talmud, ein Grundriß, der jeilem Studium große Dienste leisten wird. Für den Laien, der vom Talmud nichts weiß, gibt das Buch eine gute und übersichtliche Oricnttpcnuig, l>er jüngeren Generation nicht religiös erzogener deutscher Juden, die vom Talmud kaum mehr kennet» als den Namen, ist hier eine Möglichkeit, wenigstens einen gewissen Einblick in dieses merkwürdige riesenhafte Buch ntid Hamit in einem der bedeutendsten Abschnitte der Geistesgeschichte unseres Volkes zu bekommen. Daher ist die neue, durch «lie Einleitung in die Midraschini erweiterte Auflage des auch früher schon geschützte» Str.u kseheti Werkes (die erste Auflage erschien 1887, tiic neuen Auflagen wurden dauernd unter Berücksichtigung der neuen Literatur ergänzt) auch von weiteren Kreisen lebhaft zu begrüßen. Jacob Rosenheim. Beiträge zur Orientierung uu jüdischen Geistesleben der Gegenwart. (Verla!׳ Arzi-im Zürich.) Der bekannte Orthodoxcnfüh rer Jacob Rosen•!leim setzt sich in dieser Schrift mit Hermann Cohen. Huber und Klatzkin auseinander Die Analyse dieser Denker ist scharfsinnig; ganz besonders eindringlich sind «he Ausführungen über Hermann Cohen, während Klatzkin etwas zu kurz kommt. 11־ ihnen sieht Rosenheim Vertreter von ״Tciljiidentümcrn“, denen er «las »olle Judentum entgegensetzt, wie es z. B. in Breuer vervvirklicht sei. Auch wer nicht den nntizioalstisciien Standpunkt Roscnhetms teilt, kann «lurch die kleine Schrift einen guten 1 überblick über die Tendenzen neuerer jü- Bischer IX'nker gewinnen. S\. Deutschland Die Not der j'üdlsclien Volksschullehrer hat den Deutsch-Israelitischen Gemetndebmvd zu foHenrier Eingabe an die Preußische Latuksverxaiiitnlung veran’aßt־ Die Not der jüdischen Volksschullehrer war schon immer groll. Durch «lie veränderten politischen Verhaltnisso ist sie mserträglicti geworden. Du־ Zahl der indischen Volksschulen ist im Laufe der letzten Hlirzehnte stetig zurürkgegatigeit. Von »len vor dem Kr» »oriiamicn gewesenen entfielen die meisten aut I unii \\ rcuOcu, Nachdem diese I^wvin/cii iet/t gefallen sind, hat die Zahl der jüdischen Schulen Verminderung erfahren, die die Aussichten der ,״disclten Lehrer, wenn man ihre Anstellung au! jüdische Schulen Iteschr.uikeii will, geradezu trostlos erscheinen läßt Ztt diesem trüben Ausblick in die Zukunft der <׳esamten jüdischen Lehrerschaft kommt int Augenblick die Not■age der jüdischen Lehrer aus den abgetretenen Culuck-a. Wie das jüdische Element stets vermssigstcn Sliit/eii des Deutschtums ־1 ’«1-.«-:1 wegeine zuso ist auch jetzt damit׳ eine der irn ׳ Osten ge- . , . ׳׳» rechswa. d.iß die Lehrer sich ausnahmskis für Deutschland .יnt Zum beträclitlichen Teil haben sic dies 11 retts getan und sind nach Deutschland Et»va 50 von ihnen befinden sich .U11VI m Berlin, andere »verdcu noch folgen. Sie wesen ist, jüdischen scheiden. abgewaiKlcrt zurzeit stellungslos müssen unter-