Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 87 (7.12.1920)
- Date
- 1920-12-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr 87 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 653 1 IJ w״ Ent■ ls tlvüi tt, >: 1׳ Cti Sc׳ 1. 'VI־■ ‘ imtvi ■! Wische rur/cr׳ X d,!s II, treten, Namen? j Staat 1 seiner » I ן f :1 llv ISWo;׳«! einer l einer hs er .Tönr, 1 Am'•; von tf »mf tt .ar• 1Mal!«' Itcii*'! Imnte au A'!1 MltlUIr II•1׳ ' l a ■״‘־־p ¥ *,*4 I! ri, j 1 JT C^y. i H «—י-" f ■yi ,n-v UL Gedera t; ine C 11 a!1 u kan h betracht u n g. 111 <101־ Geschichte wiederholt sich niäils. Niemals kdireii die gleichen Umstünde w'ieder, einmalig ist alles geschehen, und für immer tritt es ah vom Schauplatz der Geschichte. In dem bunten Wechsel der Geschichte c;ibt es keine Gesetze, unerschöpflich mul immer überraschcnd neu ist das Leben. Aber eines können wir aus der Geschichte lernen, eines scheint sich in immer neuen Formen zu wiederholen: wenn eine neue Zeit, wenn neue Ideen am 1 lurtzonte nuftauchen, neue Wege der suchenden Menschheit sich weisen, sind es immer kleine Zirkel von Menschen, die das Neue ahnen, Gelieituhtiudeu ähnlich, über das l rni verstreut, ohne Keimtnis voneinander noch Zusammenhang untereinander, I Tapix'inle und Suchende, die ohne jede äußere Form ] nnd ohne jede verbindende Organisation doch der Geist \ereinigt, der sic beseelt, die - einander unbekannt -ich doch immer erkennen, um gemeinsam den Weg ru gehen. Weil sie wenige und einsame sind, spüren mo mit wuchtender Macht alle Verantwortung für die Zukunft, der sie ahnend den Weg bereiten, auf sich lasten. Sie sind zu jedem Opfer bereit, entschlossen und gläubig. Meist ringen sie sieh in einem inneren Kampfe zu ihrer neuen Ansicht durch, aber der Sieg m diesem Kampfe macht sie zu Gläubigen, denen kein Zweifel etwas aniiabcn kann, ihre Taten sind inigewifi, irrend und klein, aber aus ihnen reifen Früchte, wachst die Zukunft. Und spater, wenn lange schon der Geist, der jene ersten vereinigt und beseelt hat, der Gewohnheit und der nüchternen Uehcrlegung Platz gemacht hat, wenn an Stelle des frei, nur vom gemeinsanien Ideal getragenen Hundes der mecliaiiiselie und;;'eistlosc Zwang und Schematismus getreten, das Konipromiß und die stete Rücksichtnahme an Stelle der spontanen, aus innersten Kraftquellen stürmenden Man- (!eins, dann gedenkt das Volk jener ersten und wenigen als seiner Helden und feiert die Tage des Gedenkens ihrer Taten als Feste, von Sehnsucht erfüllt nach der Grölte ihres unruhigen Suchens und mutigen Handelns. So feiert unser Vylk das Fest der Makkabäer. In solchen Bünden begann auch die Bewegung der Zionsliebe, als sie aus Traum mul (icdnnkcubild einsanier Denker die Grenzen des Reiches der Verwirkiichung in der sichtbaren Welt zu übersehreiten begann. Es war die Zeit, da in Rußland die Assimiiati insbew׳cguug, die hereits die jüdische Intelligenz, vor allem die Jugend, erfüllt batte, unter den Schlügen, der 1*0gronic und des in ganz. Europa mit neuer Stärke ein- *el/enden Antisemitismus zusnuimcnhrnch. Die jüdi- ־•ollen Studenten in Uullland, die Führer der Assiinilalioiisbcwegiiug, wurden■ durch einen oft zu beobachtenden Pro/eil die ersten Führer der nationalen Wiedergeburt, während die nicht assimilierte Masse des Volkes auch weiter in völliger Apathie und Gleichgültigkeit der nationalen Idee gegenüber verharrte. Nur jenen, die in der Assimilation innetes Leben gewonnen hatten und u\ heißem seelischen Kampfe sich ihr Volkstum erobern mußten, konnte die Zionsliebe jenen Malt und Aufsclnvniig geben, (fall er ihr ganzes, ferneres Lehen heherrschte. Auch hier führte der Weg zum Zionismus über die Assimilation. Es war kein leichter Weg, s.mdem ein schweres Ringen. Aus diesem Kampf kam ihnen die Entschlossenheit: nichts Halbes, keine Kampromisse! Nicht Zion lieben und dabei im Gallith weiter-!eben. Nein, etwas Ganzes, Entschiedenes. . . . 'Alles! Hinrnif nneli Zion, in das unfruchtbare, wilde Gebiet um! in harter Arbeit aus Steppen und Felsen fnichtbares Land bereiten. Aber das heißt: alles lassen, was einem lieh und teuer ist; Europa und seine Kultur, behagliches Leben und geistliche Mulle; d. h., alles vor*!gebücli machen, was so viel gekostet hat: die Mühen der Studien, die Entbehrungen der Jugcndjahre, die Opfer der Ettern. . . und doch: es muH sein. Einer, der später seine Erinnerungen jtiedergesclirkheii hat, beschreibt seinen Kampf: ״In einem Teile unseres Vereines machte sich eine starke* Bewegung zugunsten der Kolonisation Paliistinas fühlbar. Ich dachte viel über diese Frage nach und kam zu dem Schlüsse, daß dies der einzb׳■' mögliche Ausgang für unser Volk sei. Meine Zweifel lösten sieh. Das Judentum hat noch eine grolle Zukunft, ein grandioses geschichtliches Ziel, es gibt daher noch eine edle und breite Laufbahn für die wahren Söhne Israels. Ich fand einen Sinn im Namen ״Jude“. Die grolle Idee der Wiedergeburt ist alle Arbeit für sie' wert. Aber auf die weitere Bildung verzichten und in einer wilden Gegend Pflug und Hacke in die Hand nehmen. . . . Wieviele Jahre habe ich mich abgemüht, ich bin schon so mit dem Gedanken an eine wissenschaftliche Tätigkeit verwachsen, und jetzt, nicht weit vom Ziele, soll ich all das mit der schweren Arbeit des Bauern vertauschen! . , . Die ganze Zeit tobte in mir ein heftiger Kampf, ich war wie im Feuer, iievor ich mich entschlossen habe. Jetzt aber bin ich ruhig; ich weil! was ich will.“ JE. Chissim : aus dem Tagebuch eines Paiastinaiimnigranten. Russisch Woschod 18SÖ). Diese Studenten, die ihr!.eben mit Zion fest zu verknüpfen entschlossen waren, nannten sich ״Bilu“ nach den Worten des Propheten Jesaia (2,5) ״Beth Jakob, lechu w'eneldia!“ Im Januar 1S82 entstand an der Cluirkower Hoch schule der erste derartige Zirkel. Bald entstanden auch in anderen Städten derartige kleine Zirkel der Intelligenz, die miteinander durch das gemeinsaine Ideal und das gleiche Streben verbunden waren. Bald Vereinten sie sich, und die Aufgabe, die vor ihnen stand mul naturgemäß aus ihrer ganzen idealistischen; Gedankcnrielitunj׳ floU, war ein soziales und nationales ENperinient, dal» wenn es glückte, als Beispiel für die übrigen Juden wirken sollte, eine Mustcrkolonie, deren Gelingen, wie das aller ähnlichen sozialen (sogenannten' ״utopischen“) Experimente, von der persönlichen Reife und Hingebungskraft 'der einzelnen abhing. An dem Beginn jeder Bewegung steht die persönliche, idealistische Initiative, das liatten die ״Bilu“ mit den Narodniki und dt1:־ Sozialrevolutionären in Rußland, das haben sie mit dem Hapoel-i I.'watr gemeinsam: nur das persönliche Lehm und das anfeuernde Beispiel kann den Gnuul• stein legen. Mit aller Naivität des Idealismus gingen die lliiu an ihr Werk, ungerüstet der Schwierigkeit der Aufgabe gegenüber, ohne Geldmittel und ohne jede Unterstützung durch das Volk. Der Geldmangel erlaubte mir kleinen Gruppen die Ueberfahrt. Das Volk verharrte völlig apathisch dem ganzen Beginnen gegenüber. Am 2-1. Juli IS32 kam die erste Gruppe - dreizehn Männer und ein junges Mädchen. Sie begannen in der 'Ackerbau- Kolonie der Alliance Israelite Universelle Mikvves-Israel zu arbeiten. Am <). August kam eine zweite Gruppe von sichen Menschen, die 330 Rubel nach Palästina mitbiaciUen. Die neunzehn Männer lebten nur als Arbeiter in Mikweh-Israel, wo sie für völlig ungewohnte, schwere Arbeiten einen Frank täglich als Lohn erhielten] die zwei Mädchen führten unterdes die Wirtschaft und bereiteten Speisen, Mit einem unerhörten Mut gingen diese ersten jüdischen Proletarier auf dem Boden' Erezcp (jp» Äs' Israels an ihre Arbeit, nichts war ihnen zu schwer, alles er■ trugen sic und rangen seihst dem mißtrauischen Alleime- Verwalter Hirsch Achtung ab, <1.1 sie mehr leisteten als die arabischen A! beiter. Wie weit aber waren sie von ihrem eigentlichen Traum einer Mustcrkolonie ent• fernt! Dazu kamen immer neue Mühsal!•; viele wurde 11 krank, von den neunzehn arbeiteten meist nur zwölf, und von ihrem Monatsverdienst mußten 20 Menschen leben. Es reichte gerade für Brot; eine irgendwie ans• reichende Nahrung bei ihrer angestrengten Arbeit konnten sie sich nicht verschaffen, und die primärsten gewohnten Kulturbedürfnisse, wie Rauchtabak oder Klei* derreparaturen mußten unberücksichtigt bleiben. Dabei aber wollte diese Handvotl hungernder Proletarier noch einen Mittelpunkt, eine vorbildliche Kolonie des erwach• senden jüdischen Volkes bilden. Romantische Träume1 Langsam blieben von der Gruppe nur neun Menschen übrig. Diese siedelten sich am 7. November 18S2 in der Kolonie Rischon־ic־Zion an, dort lebten sic im jüdischen Milieu, dort konnten sie wenigstens einen Teil ihrer Sehnsucht erfüllen. Ueber ihre Wirkung dort schreibt M. Schabt (״Biluktzi“ UJ17, S. 22): ״Sie haben tleiüig gearbeitet, singend gingen sie an die Arbeit und singend kehrten sie zurück. An den Abenden veranstalteten sic Vorlesungen und Unterhaltungen über dir* Geschichte des jüdischen Volkes, über Agronomie, lernten hebräisch. Sie wurden das Zentrum der ganzen Jugend der Kolonie; alle hielten es für eine Ehre, den Abend bei ihnen zu verbringen, in ihrem Zelte war es immer heiter, immer freundlich, es kamen alle dorthin, deren Mut gesunken war, «der die das Schicksal zer• mürbt hatte.“ Aber doch war es nicht ihre Kolonie! Dazu kamen Mißgeschicke: vor allem eine Mißernte, die große Hoffnungen vernichtete. Langsam begannen einige zu verzweifeln; stürmische Sitzungen fanden statt, nächtelange Diskussionen, immer neue Projekte tauchten auf. Endlich entschloß sich ein Teil, auf die alten Bilu-Idecn zu verzichten und sich als gewöhnliche Kolo nisten in Rischon-le-Zion niederzulassen. Die anderen gingen nach Mikwch-lsrael zurück. Da sollte ihnen die Erfüllung ihrer Träume werden. Zu Beginn des Jahres 1SS1 kaufte M, Pincs beim Dorfe Katra, 30 km südöstlich von Jaffa, ein Grundstück in der Größe von 230 Dtirtam. Einige chowcwc• zionistische Organisationen kauften einen Teil des Bodens für die Bilu. Int November 18St übcrsiedeltcn neun Bilu auf den neuen Boden und nannten den Ort Ge• <lcra, wie er in der Bibel (Jos. 15,30) heißt. Pines erbaute für sie eine Holzbaracke, das erste Wohnhaus in der Kolonie. Am ersten Tage des Chanukah festes r>1.13 vv u r d e die neue Kolonie ein• geweiht. Es war ein seltener Feiertag in dem Hause der Bilu, als dort die traditionellen Lichter der Freiheit entzündet wurden. Und obwohl dieses Haus ihnen nicht als Schutz gegen Kälte und Regen dienen konnte, weil der Regen durch die Spalten strömte und der Wind von allen Seiten blies, obwohl sie verschiedenes Unheil und alle möglichen Entbehrungen zu erdulden hatten, ertrugen sie doch dies alles standhaft. .. . Ohne Ochsen, ohne Pferde, ohne Ackerbaugeräte, konnten sie im ersten Jahre ihren Boden nicht selbst bearbeiten, sondern mußten ihn den benachbarten Arabern zur Bearbeitung übergeben. . . . aber um nicht müßig zu sitzen, reinigten sie von Steinen einen von den Hügeln der Kolonie mit einer Oberfläche von drei Dunam und pflanzten dort einen gemeinsamen Weingarten. Dies kostete ihnen eine ungeheuere Arbeit, da sie kein Vieh hatten, um den Boden aufzureißen, und sie alles blaß mit einer Hacke tun mußten. Aber auch das brachte ihre Stand- Vorlesung Rose Liechtenstein Erste M a t i 11 e c der E w e r - B 11 c 1111 ה n <11 u 11 g. Die Ewer-Buchhandlung hatte am vergangenen Sonntag meiner Matinee in ihren eigenen neuen Räumen gebeten. Rose Liechtenstein las Alfred Ken׳, Die schönen 11ml harmonischen Raume des Ewer-Heimes boten einen anheimelnden Rahmen. Rose I icchlenstein am׳ VortragstKcli ist ein Genuß, noch bevor sie das erste Wort gesprochen hat. Sie ist ein ״Jüdisch Kind“ und trägt i'ilwr dem von innen luv,■ms erleuchteten Oval der Gesichtsmaske die golden-gläserne Esther-Krone. Nur wenn ■:nan sehr genau hinsieht, merkt man, daß cs ein abenteuerlich schöner Kamm ist. Sic Jas die graziösen und temperamentvollen Imj..:rtinv!1/en des Herrn Alfred Kutnpnvr so, daß cs nicht ׳!■ir ein Genuß, sondern direkt schon ein Vergnügen war. Bekanntlich kann man den Km nur auf eine Weise lesen: so wie er es will. Die Liechtenstein las ihn, wie sie es wollte. Und sielte; sie weiß besser, was er will. Nach herrlichen Belanglosigkeiten, an deren Stelle mau v nt der Liechtenstein lieber einiges aus der ״Welt im 1 cht*• gehört halte, zum Schluß, natürlich, ״J c r 11 s c 11 a - 1 ijim“. Wenn man cs so für sich liest, ist das Schöne d!rin schön und das Freche frech. Wie die Liechtenstein < . las, spürte man, wie Schönheit und Frechheit aus einer Seeie kommt. Dieses Epos eines Höchsta.ssinäherten ist in seiner nationalen Auswirkung stärker als die gesamte zionistische Propagaudaliicratur zusammen. Die Liechtenstein liest es, als wollte sie den Keren h.ijessod allein aufbringen. Alfred Kempncr: Deine Pion:! Rose Liechtenstein; schönsten Dank! Ewer-Buchhandlung: unser Kompliment! C. Z. K. Vom Maasser Die Beschlüsse der Zionistischen JnUreskoniercn/. in Laudon über den Keren hajessod, die diesem als allgemeinen Maßstab für den finanziellen Anteil jedes Juck•» mit Aufhatt des jüdischen Palästina die Abgabe des Z e h n t e n vom V e r in ö g 0 n und E i n k o m m e n zngnnule legen, haben eine der ältesten Einrichtungen des jüdischen Gemeinschaftslebens, den Maasser, wieder in unser Blickfeld gerückt. Juden, die in der Tividition ihres Volkes aufgewachsen sind, oder sulchen,!lenen die schriftliche Ueberliefcrttng des Judentums kein Buch mit sieben Siegeln ist, braucht man kaum!׳!! sagen, wie diese älteste Form der Besteuerung des Individuums für die Gemeinschaft in ihren Details beschaffen gewc-.eii ist. Denn Lehre und Leben haben im Judentum zu aiien Zeiten auch Fir die Kraft, die dieser'Einrictitung des Judentums innewohnt, Zeugnis abgelegt. Für das neue jüdische Geschlecht jedoch, das in weiter Ferne von den Ueberlicfenmgon des Judentums, von ihrer Kenntnis ti.nö ihrer Betätigung, aufgewnehsen ist, dürfte es wohl erwünscht und notwendig sein, ihm im Augenblick, wo es sich auscliickt, sich zmn ersten Male im Stile und in den Formen der Vorfahren für die jüdische Gemeinschaft Lasten aufzuerlegen, einiges über das Wesen und die Entwicklung der nitjüdischen Maasser- Abgabe zu sagen. Wir sagten schon, daß die Zehntabgabe, der Maasser, die älteste Form der Besteuerung des einzelnen für die Gemeinschaft ist, die das Judentum kennt. Die religiöse Tradition verlegt ihre Entstehung bis in die früheste, die .vormosa;׳sehe Zeit zurück. Schon die Stammväter des Volkes sollen — so berichtet der Midrasch — den Maasser gekannt und gegeben haben. Das ist natürlich nur'eine Legende, aber cs ist eine schöne und sinnvolle I-egende, Denn aus ihr spricht, wie tief verwurzelt im Bewußtsein und Gefühl des jüdischen Volkes der Maasscr-Gcdaiikc ge• wesen ist; so tief, daß die dichtende Volksseele seine Kenntnis und Verwirklichung schon in legendären Zeiten voraussetzte. Quellenmäßig belegt ist das Vorhandensein des Maasser freilich naturgemäß erst für die Zeit, für die überhaupt geschichtlich brauchbare Quellen vor• hatulen sind, die Zeit des Moses. Die Bibel, die für diese Zeit!!er Geschichte unseres Volkes die einzige Quelle ist, erwähnt die Institution der Abgabe des Zehnten an vier Stellen, im dritten, vierten und fünften Buche Moses, aber wir müssen gestehen, daß die Angaben, die sie über diesen wichtigen Teil der Steuergeset־:״ gchimg des Volkes macht, nicht übermäßig durchsichtig sind. Nur soviel wird auch aus den kurzen biblischer« Mitteilungen deutlich, daß schon die mosaische Gesetzcchiing zwei ihrer Zweckbestimmung nach verschiedene Arten des Maasser gekannt, den Maasser, der für den Unterhalt der Priester und Leviten als Ersatz für ihren Ausschluß vom Bodenbesitz bei der Landnahme bestimmt war. und einen anderen Maasser, der von jedem einmal im Jahre nach Jerusalem gebracht und dort verzehrt werden sollte. Die Unklarheit der biblischen Bestimmungen über die Verwendung des Zehnten macht es verständlich, daß sich die rdigionsgcsctzUche Deutung der nachbiblischen Zeit auch dieses Begriffes bemächtigt und versucht hat, über die Einzelheiten der Zehntpflieht größere Klarheit ,zu schaffen. Der schriftliche Niederschlag dieser Bemühungen liegt in den Bestimmungen der Mischnatraktäte Alaasscot tind Maasser scheid. Wie schon aus der Benennung der beiden genannten Traktate ersichtlich ist, steht zu der talmudisehciv Zeit die Scheidung der Zehntabgabe in zwei verschiedene Maasser endgültig fest, ja inan spricht in dieser Zeit direkt von einem ״ersten Zehnten“ (Maasser ri schon) und einem