Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 85 (30.11.1920)
- Date
- 1920-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2651273-2652228-2652308--13584-2671324- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 85 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seile 637 Politische NachricMen Polen Balachowicz und Sawinkow ״Mehr Sympathie“ erwünscht. Wahrend der Anwesenheit des Generals iiaiacho - wie!׳, und Sawinkows in Pinsk entsandte die ׳!■artige jüdische Bevölkerung eine Deputation mit dem Rabbiner an der Spitze, welche Maßnahmen zur Ein- Stellung der furchtbaren Gewalttaten liefen die Juden erwirken sollte. Balachowicz legte der Deputation dar, er hätte bereits־ die nötigen Maßnahmen zur Verbindenmg weiterer Exzesse unternommen, erging sich jedoch daun in Vorwürfen gegen die Juden. Die . v|)u1;t:iu!1, welche von seiner Antwort nicht befriedigt u ar, begab sich zu S a w i ti k o w. Dieser wies vor allem darauf hin, daß die Juden verpflichtet seien, ihn und Balachowicz in ihrem Kampfe gegen die Bolschewisten ־׳zu unterstützen. Dann erklärte er, er hätte getneinschaftlieh mit Balachowicz bereits die nötigen Maßnahmen zur I hiterdrückung der Gewalttätigkeiten getroffen. Als die Deputation darauf hin wies, daß sich bisher eine Wirkimg dieser angeblichen Maßnahmen nirgends gezeigt habe, begann Sawinkow über die Ursachen dieser Ex- /esse eine neue Theorie zu entwickeln, indem er darlegte, daß die Gewalttätigkeiten gegen die Juden von Militärangehörigen begangen würden, welche bei der Mobilisierimg in die Rote Armee aufgenoinmen und dort von den jüdischen Kommissären und jüdischen Kommunisten schlecht behandelt worden seien. Sie hätte n kein c G e 1 c g e n h e i t gehabt, 1 r ü h c r mit ihnen abzurechnen und täten es jetzt. Nach diesen geradezu zynischen Erklärungen verlangte dann Sawinkow, die Juden mögen ihm und seiner Armee mehr Sympathie erweisen, als sie es bis nun getan hatten. Die Entente röhrt sich Der ״Wiener Morgenzeittmg“ wird gemeldet: Riga, 15. November. (Privat.) Die Nachrichten über die Greuel der Balachowicz-Truppen gegen die jüdische Bevölkerung haben in Entenkkreisen großes Aufsehen erregt und starkes Mißlraum gegen Baladiowie/.' antibolschewikisdic Kampagne hervorgerufen. Die Ententeregierungen naben ihre ti esandten und Konsuln in R i g a, K o w 11 a und Warschau angewiesen, so schnell als möglich g e n a 11 e B e r i c h t e ii b er d 1 e Gewalttaten der Li alachowicz-T r u p p e 11 gegen die jüdische Bevölkerung e 111 z usenden. IXr englische Vertreter bei der lettischen Regierung in Riga ist nach Dünahtirg abgereist, mn von dort nach den Orten zu gelangen, welche von Balachowicz-Truppen besetzt sind. Die Reise hat den Zweck, eine U 111 e r s u c 11 u n g ü 1» e r die J u cL e ji- קog roin e der Balachowicz-Truppen zu führen. Zusammen mit dem englischen diplomatisehen Vertreter reisen einige englische Offiziere. Es ist gut, daß die Entente sieh so genau informieren laßt. Die toten Juden macht das allerdings nicht wieder lebendig. Wenn man sich in Paris lind London entschließen könnte, mit aller Deutlichkeit zu sagen, daß Bestialitäten unweigerlich politische Folgen unangenehmster Art nach sich ziehen, wäre damit eine Möglichkeit gegeben, Pogrom« wirksam zu verhindern. Und das!st es, worauf es allein au kommt! * Pogrom in Rubel. Die Stadt Rubel wurde von den Balachowicz-Söklncrn total ausgeplündert und dabei ■:in Judenpogrom veranstaltet, wobei sieben Personen getötet und eine Anzahl Frauen geschändet wurden Rumänien ״Rumänen mosaischen Glaubens“ Bukarest, 7. November, (J. C, B.) In einem lnicrview mit dem Redakteur einer zionistischen Zeitung äußerte sich Herr Hratiami über die Rechte der rumiinisehen judcnschaft und führte folgendesaus: Die Minüritäten werden wohl ihre Rechte erhallen, jedoch nicht die, die ihnen der Friedensvertrag zuerkennt, sondern diejenigen, welche Rumänien ihnen aus eigenem Antrieb erteilen wird. Die Minoritäten dürfen jetloch nichts IT.- mögliches veilangen. Man beschuldigt mich des Antisemitismiis. ln Wirklichkeit wünsche ich die Gleichbercditigung der Juden, ich bin aber dagegen, daß sie als ־gleichberechtigter, unabhängiger Faktor am politischen leben teilniJimen sollen. Wir betrachten die Juden als Rumänen mosaischen Glaubens, deren Mitarbeit an unserem politischen Leben, jedo'ch nur im Rahmen der allgemeinen Politik, erwünscht ist. Wir sind aber entschieden gegen eine jüdische Miaoritätsuatioi» und gegen die ״doppelte Staatsbürgerschaft“ die der Zionismus vertritt. - Die jüdische Presse Rumäniens polemisiert in scharfen Worten gegen die Ausführungen Bratianus, und bezeichnet sie als Ausflüchte, um den Juden ihre vollen Rechte vorzuenthalten. * Dem ״Israelit“ wird berichtet: in Ncu-Riimiinien, in Siebenbürgen und in der Bitte» w'ina unternimmt die Regierung nichts gegen die von früher her gewährten Rechte der jüdischen Autonomie und den später geschaffenen Rechtsschutz für die jüdische Minorität. Im Gegenteil zeigt sich in Regierungskreisen das Bestreben, das Gesetz über den Minoritätenschütz zu respektieren und auszubauen, wenn sich auch in den unteren Amtsstellen noch zuweilen hierin passive Resistenz bemerkbar macht. im rumänischen Beßarabien fühlen sich die Juden, wie schon gesagt, glücklich und danken täglich dem Schöpfer, daß sie unter rumänischem Schutz vor der Pogrom welle, die hart au ihrer Grenze wütet, sicher sind. Die Flüchtlinge, die täglich aus der I Rille über den Dnjcstcr kommen, berichten über soviel Jammer, daß den Brüdern und früheren Landsleuten förmlich das 'Herz bricht. Hilfsaktionen situ! hier am Werke, wenigstens die nächste Hilfe zu schaffen. Erfreulich ist, daß aus dem Parlamente der rüde antisemitische Ton ganz verschwunden ist, 111 der großen Politik GroB-Rumiiliiens hat das antisemitische Programin keinen Platz. — Groß ist der Drang, der Juden zur Auswanderung nach Palästina, Da aber die Reise über Wien gehen muß, was diese ungemein erschwert und Verteuert, ist der Strom zunächst etwas eingedämmt. In Konstantmopei herrschen nämlich Zustände, die eine Reise über die Türkei nicht als geraten erscheinen■ lassen. Amerika Die amerikanischen Verhandlungen zwischen Juden und Polen Der Pariser J.-Korrespondent der ״J. P. Z.“ meldet unterm 21. Nov.: Auf initiative des amerikanisch-jüdischen Kongresses wird jetzt ein Versuch einer Annähern!!g zwischen den offiziellen Vertretern des amenknnischcu Judentums und der offiziellen Vertretung der polnischen Regierung erstrebt, um durch Festlegung gewisser Bedingungen und Abmachungen die Situation in Polen selbst auf diese Weise in günstigerem Sinne tunzugestalten. Lieber den Verlauf dieser Unterhandlungen erhielt das Komitee der Jüdischen Delegationen soeben folgendes vom IS, November datierte Telegramm des amerikanisch-jüdischen Kongresses: ״Aus den Besprechungen mit Luboirtirski resultierten feste Versicherungen und Versprechungen, unsere Forderangen an die polnische Regierung zu übermitteln. Es׳ ist daher für uns von äußerster Wichtigkeit, daß wir genaue Informationen von Ihnen erhalten, oh Befehle gegen die Exzesse in Polen erfolgt und' die Bedingungen verbessert worden sind.“ Seinerzeit hatte nämlich auf Initiative um) aut Grund der Materialien des Komitees der Jüdischen Delegationen der Vorsitzende der Exekutive des amerikanisch-jüdischen Kongresses, Morris Rothenberg, der sich zeitweilig in Europa aullnelt, über die Verfolgungen der Juden eine Kabehicpcsche nach Amerika ahgescltkkt und damit die Aktionen des ainerikanisclt-jiidischei» Kongresses eiligeleitet. Als infolge der aufgeregten jüdischen Oetlentlichkeit der polnische Botschafter, Fürst Lubomirski, sodann au di« amerikanisch-jüdische Vertretung mit Atmäherungsversuchen hcrantrat, da stellte ihm, als Führer dieser Gruppe, Rabbi Stepheu W i s e , zehn Bedingungen, von deren Erfüllung die Beruhigung der amerikanischen Juden abhängig wäre. Seitdem dauern die Unterbandhingen zwischen beiden Parteien an. Offenbar Haben sich die polnischen offeziellen Kreise in Amerika entschlossen, bestimmte Erklärungen abzugeben. Diese Erklänmgen haben jedoch nur daun einen realen Wert, wenn Sie durch feierliche Deklarationen der polnischen Regierung seihst in Polen abgegeben und in der faktischen Politik zur Tatsache werden. Kleine Mitteilungen ßessarabien. (Jewish Corr.-Bur.) Die Leitung des Verbandes der jüdischen Produktionsgenossenschaften hat sämtliche jüdische Kooperativen Bissarabiens zu einer außerordentlichen Konferenz cinhenifcn, um die wirf* schädliche Umschichtung der bessarnbisclien Juden nach einheitlichen Grundsätzen und mit Hilfe einer zentralen Organisation durcliziiiüliren. Bukowina. Das j,C2crnowjtzcr Morgcnhlatt“ befaßt sich in der letzten Zeit eingehend mit verschiedenen: Vorfällen in Dorna Kandrctti (Südbukowina). In diesem Orte waren seit jeher die Sicherheitszustämle, insbesondere soweit sie für die Juden in Betracht kamen, keine guten. Als die rumänischen Truppen die Bitkowina besetzten, wurde die Ruhe in der Gegend von Dorna Knndreni hergcstdlt. Seither haben sich wieder verschiedene Vorfälle ereignet, welche die jüdische Bevölkerung der dortigen Gegend bedrohen. Im Sommer ll!F) wurde die jüdische Familie Redlich durch eine in ihr Haus geworfene Handgranate getötet. Am 25. IX- /.einher lölö wurde das Anwesen des Juden Klutghofer in Dorna k'amlreni an allen vier Enden nnge/undet. Anonyme Drohbriefe wurden seither des öfteren an Juden gesendet, und die jüdische Bevölkerung der Gegend lebt in Furcht und Schrecken. Sk hat eine Deputation zum Staatssekretär für Lnneres entsendet, welcher Ver- Stärkung der Gendarmerie versprach. Diese unterblieb jedoch, und die Drohungen und Gewalttätigkeiten in der Gegend hören nicht auf. Paris. Am 21. Oktober waren 5t) Jahre verflossen, seif die algerischen Juden als gleichberechtigt das französische Bürgerrecht erhielten. 3SIH)0 Juden wurden damals davon betroffen, heute zählt Algerien 70 000 stimmfähige jüdische Bürger. Adolphe Clrcmiciix, dem damaligen Minister, war die Emanzipation zu verdanken. Bei der aus Anlaß dieses Ereignisses stattgehabten Feier hielt 11. a. der Gatte von Cremicux’s Enkeltochter. Herr Thomson, eine Gedenkrede. Wien. Die Tagespresse beschäftigt sich mit dem tragischen Tode eines der bedeutendsten. Meteorologen in Wien, Dr.. Max Marg ules, der im Alter von 15־ Jahren am •1. d. Mts. in P-enchtoldsdorf an Hungeradem gestorben ist. Universitätsprofessor Dr. Felix Exiter, Direktor der Zentralanstalt für Meteorologie au der Wiener Sternwarte, widmet dem verblichenen Dr. Margtik-s in der ״Neuen Freien Presse“ «inen ehrenvollen Nachruf. Türkei. (A.W.) Dem ״Echo Russe“, Bari:., wird aus Konstantinopel gemeldet, daß die dortige französische Behörde dem russischen General Schkura die Aus- Stellung eines Reisepasses verweigert' habe mit der Begründung, daß dessen Armee, die unter Dcnikin gefuchten hat, in den von demselben besetzten Gebiete systematische Judenpogrome veranstaltet und sogar den Soldaten den Raub des Eigentums der friedliehen Bevölkerung geheißen hat. - Keren hajessod ln Brünn wurde der Distrikttag der mährischschlesischen Zionisten in Anwesenheit von 42 Delegierten aus 18 Ortsgruppen eröffnet. Der Distrikttag hat einstimmig die Resolution angenommen, im Sinne des Beschlusses der Londoner Jahreskonferenz den Zionisten eine zehnprozentige Vermögenssteuer oder durch fünf Jahre eine zehnprozentige Einkommensteuer für den Keren hajessod aufzuerlegen. * Dar, Zionistische Zentralkomitee in Zagreb (Agram) teilt mit, daß Leiter der Keren hajessod-Arbeit in Jugoslawien, Herr Simon Spitzer in Zagreb, Mihanoviceva ul. 32, ist. Die Reise Julius Bergers vom Berliner 2entraleuropäischen. Büro, die ihn durch einen großen Teil Jugoslawiens führte, brachte ausgezeichnete Erfolge. * Die Keren hajessod-Besclilüsse des Parteitags der österreichischen Zionisten haben folgenden Wortlaut: 1. ln Anerkennung der hohen und entscheidenden Bedeutung, die der Aktion für den Keren hajessod auch in Oesterreich zukommt, hat es als Pflicht jedes Zionisteil zu gelten, alle in dieser Aktion ihm vom Landeskoinitcc oder dessen Beauftragten zugewiesenen Arbeiten ohne Weigerung zu übernehmen und mit aller Kraft unter Hintansetzung seiner persönlichen Interessen durchzuführen. Insbesondere darf berufliche Uebcrlastung wohlsituierter Zionisten niemals als Entschuldigung angeführt werden. 2. Das Landeskomitee hat das Recht und die Pili ein, jene Zionisten, welche ihrer Pflicht für den Keren hajessod, sei cs hinsichtlich ihrer eigenen Leistung, sei es hinsichtlich ihnen übertragener Arbeiten nicht erfüllen, aus dem Landesverband auszuscliließen und ihre Namen zu verlautbaren Soziales Anklagen gegen den ״Joint“ Die Frankfurter ״,Neue Jüdische Presse“ vcröffentlicht einen scharfen Artikel gegen den ״Joint“, aus dem wir folgende Darstellung zitieren: ״Nach dem ״Becsi Magyar Cjsag“ übergab diese Organisation im Oktober vorigen Jahres an Hoovcr, den obersten Beamten der Lebcnsmittelvcrteihing Amerikas, eine Fülle von Liebesgaben, zugunsten der entlassenen Lehrer in Ungarn, die meistens Juden waren. Hoovcr händigte die Sachen der ungarischen Regierung aus und diese machte den Eintritt in die — christlich-soziale Partei zur Voraussetzung für die Beteiligung an der Verteilung. Und jetzt hat die gleiche Organisation nach Budapest 25 001) IXülar, gleich 11 Millionen Kronen ungarischer Währung, für den Ankauf von Wiaiteikteidung geschickt, und die Budapestcr Kommission, deren Vor• sitzender Minister a. D. Polnay ist, bdüindigte «Las Geld dem Bürgermeister Sipöii, einem Mitglied der Organisation ״Oicenvichcinien Ungarn“, die die Ausrottung der Juden auf ihre Fahne geschrieben und hunderte von Morden und Räubere:.!! au Juden sowie die Vernichtung vieler tausend er jüdischer Existenzen bereits auf ihrem Gewissen haben." Der ״Joint“ täte gut, siel» zu diesem Bericht schnellstens und in ausführlichster Weise zu äußern. Vorläufig möchten wir nur annclunen, dnB entweder die Darstellung des ״Becsi Magyar Cjsag“ nicht den Tat- Sachen entspricht o«ler der’ ״Joint“ das Opfer einer Täuschung geworden ist, m Vom holländischen Hilfswerk An die verschiedensten Komitees in Amsterdam, die sich mit der Hilfeleistung für die notleidenden: Juden Europas beschäftigen, treten immer wieder Bitten und Anfragen heran, welche von dem wachsenden Notstand in Mittel- und Osteuropa nur allzu beredtes Zeugnis ablegcn. Die holländische Judenschaft sieht sich deshalb vor immer wachsende Aufgaben gestellt, deren Erfüllung die einzelnen Komitees übersteigt. Die folgenden Hilfsorganisationen: das ״Komitee für die Pogromopfer in Ost-Europa“, der ״Vereinigte Verband «ler Amsterdamer Hilfsaktion für hungernde jüdische Kinder im Auslande“ und die ^Kommission für jüdische Transmigranten und Flüchtlinge in Holland“ haben sich deshalb unter dem Namen ״Am sterdänisch Hulpwerk voor B u i t e n 1 a nd s c h e Joden" unter dem Ehrenvorsitz des Oberrabbiners v״<>׳ Amsterdam, Dr. Onderwyzer, vereinigt. Das Büro tles Verbandes befindet sich zu Amsterdam, Berns voor Den Diamanthandel, Weesperpleiti •1, Karner 22, und wird von Dr. Isidore He 11 geleitet. Alle Zu- Schriften aus dem Auslande sind dorthin zu richten Zu CHanttknh veranstaltet der Jüdische Nationalfouds eine Sammlung für den Landerwerb in Palästina. Das traditionelle Fest tlcr Freude und des Sclienkcns darf nicht vorübergehen ohne daß jeder unserer Freunde durch eine größere Spende zur Mehrung des Nationalfondsbodens in Ercz- Israel beiträgt. Jeder sende seinen Beitrag sofort durch den dieser Nummer beiliegenden Postscheck ein, damit er noch rechtzeitig 1m Chanukahausweis Aufnähme findet S