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Jüdische Rundschau · 1920-11-26 · Heft 84 (26.11.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 84 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 530 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 84 unschuldigen Läminleiu, 'tlie ‘ •inir' mitgchölfen '.׳ Intieii, 'und 1חוו furchtbaren Gewissensbissen zu entgehen, 1111115 dan Gericht alle lai.fcn 'lassen..! So. tat cs wenigstens das Divisiousgcricht in Kaseluu. , . . Und die 38 WH). Kronen, welche damals vcrschwauden? Die gingen das Gericht nichts an. Die Mütter der Ermordeten bestätigten, daß diese das Geld mitgvhalit hätten. Ein Zeuge ׳bestätigt):', daß sich ein Korporal n.;t einer Uhr nml einer Brieftasche gebrüstet batte, ״die liiitle er Vau der Jagd“, Bei der Exhuinierung der Ermordeten einen Monat später wurde «eder Geld noch Wertsachen gefunden und alle besseren Kleidungsstücke fehlten. Der Zeuge Bednar hatte so• gar )׳eschen, wie der Korporal Horak den Juden alles י ield abnahnt, und . noch d u auf aufmerksam gcunchi, daß inan doch schriftlich anfnehinen müsse,.was ein jeder abgebe. Aber der Raubmörder leugnete und das* Gericht glaubte ilnü, erklärte die Zeugen für Lügner und fällte in diesem Punkte einen Freispruch.׳ Freilich, Leuten, welche heim Erschießen von wehrlosen luden Geld wegnehmen, hätte man init Mühe patriotische Motive für ihre Heldentat in die' Schuhe schieben׳können. 'Jet/t aber ging cs. Und schon nehmen sielt einzelne Blätter der ״ver- ,urteilten Beschützer des Vaterlandes“ an und protestieren g4gen das Urteil, weil es ״jüdische Spinne" schütze. Das Verfahren 11.1t zwar nicht die leiseste Spur eines •Beweises dafür erbracht, daß die sieben Juden sich irgendwie zugunsten der magyarischen Armee betätigt hätten, aber Juden gegenüber steht die grundloseste Verdächtigung an Stelle des Beweises. Diese Methode ist in Polen bereits erprobt. Nun scheint sie auch in der tschechoslowakischen Militär- ,Justiz. Eingang zu finden. In diesem Fall ist aber das lVweismaterial so klar, daß nur Parteilichkeit die Richter mit Blindheit schlagen konnte. Dieser Prozeß wird nicht ■dazu beitragen, das Ansehen der ׳tschechoslowakischen! 'Kepublik zu liehen. Zweiter Delcgiertentag des Voiksverbandcs der Juden für die Slowakei. Die Prasidialkommission des Volks verbamies der Juden für die Slowakei hat bcschlossen, den statutenmäßigen Delegiertentag des Volksvvthamles der Juden für die Slowakei am 7. und 8. Dezember in Picstauy abzulialteri, , Wahlen in Karpathoruüland. Das autonome Karpathoriißlarid, in dem bisher poßtisch ein völliger Ausnahmc/ustand herrschte, hat an den Waiden in der Txclicclio-Sknvnkei keinen Anteil nehmen können. Nunmehr sollen auch in diesem Gebiet die Wahlen ausgeschrieben werden, und zwar sowohl die Parlamentswählen als auch die für den autonomen Landtag, welchen diese Provinz erhalten soll. Karpatboriißland weist eine derart d i e h t e j ü d i s e h e Bevölkerung auf, daß es dieser bei einigem Vorgehen leicht gelingen( könnte, je einen jüdischen Kandidaten in Parlament und Senat nach Prag zu entsenden und mehrere Sitze, im seibstän- (Ligen. Landtage Zu erobern. Die ׳näheren Bestimmungen für die Waiden und ebenso die Festsetzung des Zeit- Punktes dürfte ehestens erfolgen; l )ie ״V «reinigten .jüdischen Parteien'' ■in der Tschech!)-Slowakei ,haben beschlossen, in Karpathoruüland eigene Kandidaturen aufzustelleu, und es ist ihnen gelungen, die jüdisclie Bevölkerung dieser Provinz, für ihr Programm zu gewinnen. Die Behörden dieses bisher durchaus■ diktatarisch verwalteten Gebietes stellen übrigens der Auf- Stellung eigener jüdischer Kandidaturen sympathisch gegemiber und eine eigene jüdische Vöikspolitik wäre ein zweifelloser Gewinn für das ganze Land, wo die verelendete und vielfach analphahctische ruthenische Bevölkerung leicht den .hetzerischen Einflüssen magyarischer Agitatoren zu erliegen droht. Erez-Israel Lebensbedingungen III Einem Privat Brief entnehmen wir die folgenden Daten: Die J a 11 r e s ni i e t e einer unmöblierten׳ Wob- ״ung, bestehen(! aus drei Zimmern samt Zubehör, kommt in Tel-Awiw auf zirka 140 Pfund Sterling, in, Jaffa auf zirka 100 Pfund Sterling bzw. SO Pfund Sterling ärmlichen Stadtteilen, wo es freilich sehr schmutzig ist, und ebenso hoch in Jerusalem. Man muß jedoch infolge der Wohnungsnot oft ein halbes Jahr lang suchen. Wer die Mittel aiifbringeu kann, haut daher lieber ein kleines Haus Die Kosten betragen in Tel- Awiw (am äußersten Ende gegen das Meer zu) für den Bauplatz 100׳ Pfund Sterling und für den Bau eines Hauses, eingerichtet für zwei Wohnungen zu je drei Zimmern, 800 1)00 Pfund Sterling•. Hierbei bleibt mir ein ganz, kleiner Hafnium. Die Monatsmict e für ein möbliertes Einzelzimmer, ebenfalls sehr schwer erhälthdi, beträgt in Tel-Awiw 3 4 Pfund Sterling, in Haifa und Jerusalem 2 Pfund Sterling. .Möbel sind nicht sofort käuflich, sondern müssen erst beim Tischler bestellt werden,״׳ doch gibt cs gute :Werkstätten. * Volle P e 11 s i o 11, einschließlich eines Zimmers, kann man leicht finden mul kostet in bescheidenen Verhältnissen 10 Pfund Sterling, in gut bürgerlichen IS 20 Pfund Sterling monatlich. _ Eine bürgerliche Küche für eine Familie von vier Personen kommt aut 30 Pfund Sterling monatlich. Lehen mii i t tv1׳ sind sehr teuer und etwa auf das Fünffach« des Friedenspreises gestiegen; Dienstboten sind fast gar nicht erhältlich, nämlich reinliche, welche etwas kochen können. •Kleidungsstücke sind gerade so teuer wia in Wien * 1 Berufliche• Steifung zu finden ist gcraJi* jetzt sehr schwer. Viele Angestellte leben noch immer ,von ihren früheren Ersparnissen. Wir hoffen aber, daß die energischen Maßnahmen des High Commissioncr allmählich das wirtschaftliche Leben jin Lande er yvccken werden. . V ׳ ׳• Akademische' ßerufsumschichtuiig - Von Ernst SI in ö n. ־ ׳ Die Ausführungen Klötzels über dieses Tlicnia zwingen nicht nur zur Erwiderung, sondern zu etwas 11 (*eli viel Unangenehmerem, das für Leser und Autor gleich peinlich ist: zur Wiederholung von Gemeinplatzen, zur Widerlegung längst widerlegter Argumente. Trotzdem erscheint es notwendig, sich dieser koinprouiittiercnden Arbeit hier noch einmal zu unterziehen, um die vorhandenen Mißverständnisse aus dein Wege zu räumen ,und vor allem: 11 in z u k ii 11 f t i go 1 u v e rhindern. I ■ . Zunächst ein paar prinzipielle Bemerkungen. Wer in unserem Kreise für die akademische Berufs- .»1111 s c 11 i e 111 11 11 g eintrat, der war sieh stets darüber klar, daß er damit auf die Berufsumschichtung der Akademiker Verzicht leistete oder vielmehr, daß er sich •nur an diejenigen mit seiner .,,Propaganda",■ mit seinem Rufe wandte, denen die größere und die notwendigere 'Leistung aus irgendwelchen .Gründen 1111־ möglich war, au diejenigen also, die nicht aufhören konnten, zu studieren, um als Landwirte oder Handwciker nach Erez-Isracl zu gehen. Sehr älmlieliu Erwägungen, wie sie gerade Klötzel a11stcllt, führten dazu, nicht jeden, der ein guter Zionist war, gewaltsam zum Landwirt zu pressen und Walter Moses sprach -- :113 Abschluß einer persönlichen tuid allgemeinen Entwicklung'sphase das gute Wort von der Unmöglich* heit, sein ganzes Leben Minute für Minute einem ungeliebten Beruf /u opfern, so leicht auch ein einmaliger heroischer Entschluß, etwa der ״Heldentod" sein möge. Nachdem diese Erkenntnis sieh durchgcsetz.t hatte, ergriff zunächst eine tiefe Depression alle diejenigen, die nicht aufs Studium verzichten zu können glaubten und doch den Willen hatten, ihren Beruf' irgendwie auf die Notwendigkeiten des jüdischen Volkes einzlistellen. Die verschiedenen Auswege, die gefunden wurden -- der Weg. Lehrer zu werden, ist nicht der einzige, -- tragen die Spuren des Kompromisses zu offenkundig an sich, als daß cs ein Verdienst zu nennen wäre, auf diese Spuren polemisch und praktisch hinzuweisen. Die Frage ist lediglich, ob cs sich liier um ein für den einzelnen und die Gesamtheit zweckmäßiges Kompromiß handelt. Zur Klärung .dieses Problems muß. zunächst eine Vorfrage beantwortet werden, Die lautet: sind samt liebe akademischen Berufe gleich unbrauclibar in Palästina? Es wird wohl nicht viele );eben, die das bejahen und damit ernsthaft behaupten wollen, daß der deutsche Jurist etwa relativ ebenso brauchbar sei wie der Elektr,)-Ingenieur, der Hafenarzt und der — Oberlehrer. Auch abgesehen von den besonderen Bedürfnissen unseres Landes ist wohl ganz allgemein folgern!er Grundsatz aufzustellen: Berufe, die für die! spezicllen Verhältnisse Deutschlands vorbereiten, sind im Auslände weniger zu verwenden als solche, die allgemeine und überall benötigte Fertigkeiten vermitteln. Danach scheiden z. B. die Juristen zwar recht ganz aus — denn ein Teil ihrer Berufsvorhildung würde ihnen vornnitlich in jeder Beamtenstelle zustatten kommen --- ,aber Sie rücken immerhin von vornherein in den ׳Hintergrund. Von den ührigbleibonden akademischen Berufen schien nach allen Nachrichten über und aus Palästina! der des Lehrers am meisten Aussicht zu bipten. Dies wurde nicht etwa nur von unverantwortlicher Seite betont, sotidern z. B. auf der Londoner Sitzung des Actions-Comites im Kulturreferat Hugo Bergmanns sehr deutlich liervorgeliohcn. Das Wort ״Palästina braucht Lehrer“ war ja schließlich nicht in Berlin entstanden, sondern ins ganz konkretem Mangel au Unterrichtskräften erwachsen. So kam es, daß sieh zunächst eine Reihe junger Hute entschloß, l.ehrer zu werden und dann; weiterhin auch auf ihre Kameraden in diesem Sinne einwirkte. Von irgend einer parolemäßigen Propaganda kann meines Wissens nirgends die Rede sein; auch hat man hoffentlich unterlassen, den in unseren Kreisen überhaupt allzu häutig angckiirbclten Oesinnungsanpar.it wieder einmal zu bemühen. Soweit wir Klötzels Ausführungen nur gegen solche Uehertroibiingeii wenden, sind sie durchaus willkommen zu heißen; dort, wo sie indessen selbst zu Ueliertreibungen werden, muß mau sic zurückweisen. Und zwar scheint er mir, um nun auf das einzelne zu kommen, in folgenden drei Punkten zu irren: 1. Wer heute Philologie studiert, wird damit noch nicht ״deutscher Oberlehrer“, wer aut ein deutsches Volksschullchrerscniinar geht noch kein ״melamed“. Sehr viele unserer jungen Philologen haben durchaus die Absicht, als Lehrer in eine Kolonie zu gehen, besonders diejenigen, die I lebräisch und Arabisch treiben, aber auch häufig die Naturwissenschaftler Das deutsche Biklungswesen hat neben seinen großen fachlichen Vorziigen den von Klötzel ganz richtig■, liermisgeiiililtcn Mangel: es trennt die Wissenschaft zu sehr von der I'ädag'ogik, den I [örsa.11 zu sehr vom Lehrerseminar Nichts wäre ■— auch für die Entwicklung der deutschen Schulvcrhältnisse — wesentlicher als eine stärkere und frühere praktische Tätigkeit auch der akademisch vorgebildeten Lehrer, als eine Abschaffung der widersinnigen Einrichtung, daß heute ein Braver, der sieh für Mathematik interessiert unbedingt Lehrer werden muß, weil er sonst nicht seinen Neigungen! folgen kann, ohne zu verhungern. Aber für uns treffen diese Bedenken nicht zu: denn wir 11 ab ei! unsere Scmi 11 are i 111 B t a u - Wc i ß, i ni K. J. V., in den Juge nd a b• t c i 11111 g e n der Turne rsc 11 aft und nicht zuletzt im ״Volksh e i m“. Dort erprobt sieh der zukünftige Lehrer, dort prüft er seine Fähigkeit, mit Jüngeren ujhzugchon und auf sie zu wirken, dort sucht er sich die Altersstufe heraus, für die er besonders zu passen meint. (Nebenbei: der wirkliche Pädagoge kann sich auf jedes Alter «instellen;' ja — vielleicht ist gerade das sein eigentliches Kennzeichen,) Und wenn man sieh unsere jungen Philologen wirklich ansieht, so machen sie denn auch höchst selten den Eindruck von künftigen ״Paukern“, sondern meistens den von Menschen, die schon licutc in einem lehrenden und führenden, aber auch in einem lernenden und sieh' bereichernden Verhältnis zu Jüngeren stehen, das gegenscitig und deshalb lebendig ist. . , י >■ 2. Also viele von Klötzels ״deutschen Oberlehrern•‘ haben sich unversehens schon in künftige Koloniallehrer verwandelt. Die iibrigbicibcndeu, die Wunsch und Ri•, rufung fühlen, an ü y 111 n a s ie n oder Le 11 r e r se 1111naren zu wirken, dürften wohl auch ihren: besonderen Wert gerade d 111 c h die systematische Ausbildung •1; IXmtschland erhalten. Niclit nur meiner Ueber/eugim״ nach ist es die Aufgabe des deutschen 'Zionismus, geschulte und durch Europa hindurchgcgangcnc Kräfte in all die Berufe zu entsenden,׳• wo! die anders geartete Geistigkeit der Ostiudcn weniger leisten wurde mul diescr'lirglin/.uii« bedarf. Aus dem anfänglichen ״Führer• fiimnel" •der westlichen Zionisten und der spateren Ostjudenvertun!mlung hat sich - wieder ein Gemein• platz! Ilm.'ililich die Wahrheit herauskristallisicrl, dal! allein gegenseitige Jleeinflussiing und gegenseitier Austausch 'den neuen Juden mul das neue Land schaffen können. Bei diesem Werke scheint mir der mit dein ״Golde Aegyptens“ beladene jüdische - aber wirk lieh, jüdische 1 — Lehrer «ine wichtige Aufgabe zu erfüllen haben. Diese Möglichkeiten erscheinen in einem noch viel bedenklicherem Liebte, wenn inan sieh davon überzeugt, dal! Unsere 'junger»' Philologen sich fast nie mals* 111 egoistischer Weise auf Palästina versteifen, so»• dern von jenem größeren Z i o n i s m u s erfüllt sind, der bereit ist, an jeder Stelle zu wirken, wo *ihn da. jüdische Volk braucht und wohin es ihn ruft, und du• in dieser Erkenntnis nötigenfalls auch bereit wären, auf Erez-fsrael zu verzichten und irgendwohin nach dem Osten zu gehen. (Hierfür und ebenso für Erez-Isracl ist es übrigens notwendig, daß sich unsere künftigen Lehrer nicht mir mit dem Hebräischen, sondern aueli mit dem Jiddischen vertraut madicn. Jiddisch ie mm einmal tatsächlich heute die Sprache ׳unseres- Volk״ nml wer es von der Notwendigkeit des Hebräischen überzeugen will, der!miß sich zunächst überhaupt ver-t•iniligcii können, Du dies in den meisten dieser Hinweis! ״vergessen“ wird ein Zeichen für die unglaubliche Volksfrcmdhcit vieler unserer Gesinnungsgenossen s« sei es hier in Paranthese v ermerkt.) 3. Aber noch einen dritten Fehler begeht Klötzel Er wirft mit den Worten ״Die Schuldfrage ist neben sächlich“ in Wirklichkeit natürlich die Frage der Ver• a nt wort ung auf und vergißt, daß dies Probier!• ja schon dann auftnncht. wenn wir junge Mensche!' überhaupt• aus’ ihrem häufig so behüteten und umfriedeten Dasein'in den an allen Ecken brennenden mul gefährliehen Feuerkreis des Zionismus hineinzerren. Wir machen sie unsicher, wir erschüttern ihre geistige und materielle. Ruhe, wir untergraben die Harmonie ihrer Anschauungen und Taten. Wer gibt uns dazu das Recht? Nichts als die unpersönliche, die übergeordnete Idee! Aber dann׳ muß inan doch weiter sehen, daß wir nur beim ersten frei und beim zweite!! Knechte sind, daß all diese späteren Fragen doch nur dkm ersten und entscheidenden Mut ‘zur Vera ntwortung entspringen, der überhaupt unsere Propaganda und den Zionismus ermöglicht hat. Dieser Mut verlangt .)ft von uns nicht nur das Opfer der eigenen Persönlichkeit, sondern das für den sittlichen ,Menschen viel schwerere Opfer eines gewissen Prozentsatzes unter den ״anderen“. Wer dem nicht klar ins Auge sehen kann, oder wer davor zurückschreckt, der soll seine Fländc'vom jugendlichen Zionismus lassen. Damit ist natürlich kein Freibrief ausgestellt für! die gewissenlose Behandlung des Einzelfalls; bei jedem nml! selbstverständlich aufs genaueste geprüft werden, ob er für den in zVussicht genommenen Beruf geeignet ist. Aber man muH eben Mut und Recht zum starken Eingriff in das persönliche Leben sowie Mut und Recht zum Irrtum haben, der sich nie ganz wird vermeiden lassen. Der Mediziner, der Schlosser wird, ist für mein Gefühl durchaus keine unerfreuliche Erscheinung, sondem im Gegenteil der Beweis starken Willens und gesammelter Kraft. Gerade dieses Beispiel ist übrigens iitr Klötzels Argumentation sehr bezeichnend: an und für sich liegt doch der Beruf des Schlossers viel mehr in der Ebene .des Vo I k s s c h u II c h r c r s wenn wir diesen Begriff nun einmal in seinem Sinne als Gegensatz zum Oberlehrer nehmen, obwohl cs diese« Gegensatz in Erez-Isracl hoffentlich nicht geben vyird. Aber hier zeigt sieb eben das sonst verhüllte Kernmotiv seiner Darlegungen: er scheut vor jenem starken Eingriff in die autonome S p h ä r c der Persönlichkeit zurück. Wir glauben gezeigt zu haben, daß er damit bereits einen Grundzng der zionistischen Propaganda verneint (Hier nufgibt, oder - /tun mindesten verkennt. Wer die Unglückschaiice nicht auf sicli nehmen kann oder will, wer jeden Irrtum mathematisch ausschließen muß, bevor er sieh zu einer Tat entschließt, der wird nie - ja: der wird nie Pädagoge sein können So schließt sich unser Kreis wieder. Wir sah e 11: nicht 1. Nicht jeder Philologe wird Oberlehrer. 2. Auch die Oberlehrer sind notwendig, wenn in Palästina, so bestimmt im Osten. 3. Die Verantwortung muß ertragen werden wie die Verantwortung für den Zionismus. Wir wissen: 1. Niemand soll Lehrer werden, der nicht Lust und Liebe dazu hat, , . '2, Wer es wird, hat Aussicht, seinem Volke zu dienen. Der Fall Goedsche Herr L. Jacob sohn, Lüneburg, schreibt uns: ״Der Roman Brawitz ist nicht 18(18, sondern etwa acht Jahre früher erschienen. Der Verfasser, von dem noch einige andere Romane stammen, nannte sieh Sir John Ratcliffe; er war der frühere Kreuzzeitungs- Redakteur Go«d sehe, der in liberalen Zeitungen ״Zeuge" Goedsche genannt wurde. Diese Bezeieliinmg ist zurückzuführen auf die Rolle, die er in dem'Hochv'erratspro/esse gegen den demokratischen Ohertribtinulrat Waldeck gespielt, von welchem Prozeß der .Vorsitzende Richter am Schluß gesagt: ein Bubenstück, ersonnen, um «inen Mann zu׳ verderben.“

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