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Jüdische Rundschau · 1920-11-26 · Heft 84 (26.11.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 84 (26.11.1920)
Date
1920-11-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Ocstcrrcidi Zum östcrrcicliisciicn Zioaisfealr.f Von Dr. H. Kad iacb. IX• r letzte Parteilag der österreichischen Z io 1 »-■teu mitersclned sich vom irühcrcn dadurch, daß nicht fast ausschließlich organisatorische Fragen iii» beschäftigten, sondern, daß vielmehr auch die Probleme der Palästinaarbeit, der Landes-politik, der Kulturarbeit, die soziale Frage, das Problem der Jugenderziehung erörtert, wenn and! nicht citigelieiitl genug diskutiert wurden. Der Grund hiervon liegt bei den meisten unserer Tagungen darin, daß dieselben nidit genügend vorbereitet werden, niehl voilter wenigstens die Thesen der Referenten den Delegierten bekannt sind, so daß die ״e₪1rte Debatte nicht immer einen großzügigen Stempel trügt mul mitunter ms Uferlose verläuft. Wenn dann die Hälfte der Zeit der Parteitage mit zwecklosen, nicht immer sachlichen Reden verstrichen ist, dann wird in den sattsam bekannte« Methoden des Schlusses der Debatte, zur Wahl von Generalreducru mit einer sehr beschränkten Redezeit von einigen Minuten gegriffen, um nur in zwölfter Stunde die Tagesordnung formell zu erledigen. Auf diese Weise findet in äußerst seltensten Fällen die notwendige Orientierung der Delegierten über die Materie und noch viel weniger eine Klärung der breitnendsleii jüdische« Zeit- und Streitfragen statt, die doch einen, wenn auch nidit d e n Hauptzweck unserer Parteitage und Kongrcss'e bilde!! sollte. Diese eben dargelegte Anschauung vertrete ich tum bereits seit einem Jahrzehnte und habe' sic am letzten wie am sorlet/tcii Parteitage, soweit cs die mir zugemessene knappe Zeit gestattete, zum Ausdruck gebracht. Es muß mm allerdings anerkannt werden, daß allseits am Parteitage von de« Vertretern der verschiedensten Schartierungen die Notwendigkeit nach einer Vertiefung in der Behandlung der einzelnen zionistischen Probleme, nach einer intensiveren Volkserziehung und speziell auch Jugenderziehung sowie schließlich nach einer geklärten Stellungnahme /tu« sozialen Probleme betont wurde. leider wurden ,weder das interessante Referat des netten Vizepräsidenten des Landes'tomitees Dr. Sch al.it über die jtolitisclie Lage in Palästina, noch die instruk* tiven Ausführungen des Präsidenten des I.atideskomitees, Stricker, jener gründlichen Erörterung gewürdigt, die sie beide verdient hätten. Die stets lirenneiulcr werdende Araberfrage in Palästina, die Notwendigkeit einer sozial-radikalen Bodenpolitik, die allem mt Stande wäre, den Klassenkampf in Palästina zu ver• hindern und nicht in letzter Linie die Stellungnahme zu den verschiedenen Richtungen im Zionismus wurde wohl von einzelnen Rednern gestreift; eine gründliche Diskussion war natürlich wegen — Zeitmangels nicht möglich. Der Parteitag beschränkte sielt zum Beispiel darauf, das Landeskomitee aufzufordern, bis zum nächsten Parteitag ein Laiidespnogramm mit besonderer Berücksichtigung des wirtschaftlichen Momentes auszuarbeiten und sich weiter diesbezüglich mit den Landeskomitees der Suk/essionsstaatcii Oesterreich-Ungarns ins Eiuvernehmen zu sctzcu. Sehr lebhaft gestaltete sich die Kulttirdebalie, tu de ich Verlaufe der Parteitag mit einer Resolution überrascht wurde, die auch im Gegensätze zur Anschauung maßgebendster österreichischer Zionisten angenommen wurde, des Inhaltes.׳ Das Laiuleskomitcc werde aut ge• fordert, innerhalb eines Jahres hebräisch zu amtieren und alle bei zionistischen Institutionen altgestellten Beamte 11, die nicht innerhalb von etwa D׳ü Jahren hebräisch erlernt haben, ihres Postens zu entheben. Man mag die intensivste Fliege der hebräischen spräche für noch so notwendig halten -• die Aufgaben iler Kulturarbeit können nicht in ihr allein bestellen —, man muß aber den Mut besitzen, es sich zuzugesteUen, die <ieltimg, welche die hebräische Sprache gegenwärtig in Palästina hat und in Zukunft noch im erhöhten ״Maße besitzen wird, welche sie teilweise, wenn auch nicht im selben Umfange, in Osteuropa besitzt, wo allerdings ihr der Vorrang durch das Jiddische speziell von den Poaio/ionistcn streitig gemacht wird, - diese Geltung kamt sie in Westeuropa eventuell allmählich erlangen, für jetzt aber und für absehbare Zeit kann speziell m Oesterreich und Wien sie diese nicht für sich.beanspruclien. Ls mag deעו einen oder dem anderen diese Tatsache unaiigeiieimt klingen; wer aber die Verhältnisse so he trachtet, wie sie sind und seine Augen nicht vor realen Tatsachen verschließt, darf nidit die Zionisten, welelie dieser Meinung huldigen, zu Parteigenossen zweiter ״der dritter Klasse stempeln wollen. Nichts konnte lür den Zionismus in Westeuropa so gefährlich weiden und die Entwicklung der jüdischen Renaissancef ss> hemmen, als wie wenn man den Sprachenstreit zwischen Hebräisch und jiddisch, der überdies den Gegensatz zwischen dem jüaischen Proletariate und den anderen jüdischen Volksschichten zu vergrößern droht, zu einem Angelpunkte zionistischer Kultur.-ybeit machen wollte. Ikisdte inoryti. Der Verhandlungsbericht (Wegen Raummangel verspätet.) An dem vom 30. Oktober bis 2. November'in Wien! stattgefimdenen zionistischen Parteitage nahmen 124 gewählte Delegierte und 17 Virilistcn teil. Die Tagung hat die bisherige Politik der österreichischen Zionisten bestätigt und beschlossen, alle Energien auf die Arbeit für Palästina zu konzentrieren, ohne daß die heute unumgänglich nötige politische Arbeit darunter leiden würde. Ing. Stricker legte in der-Eröffnungsansprache die Aufgaben des Atwenblk Ves dar. Nach Begrüßungs-nisprächen der als u,1 •k‘ «uwe'-eitdcn Dr. Thon; und 1>T. Reich, erstattete Dr. S c I! a 1 i t das Referat über die politische Lage des Zionismus. Die Arbeit der zionistisehen Leitung verspreche die Schaffung: einer ökoiwmi- ־ schon Union zwischen dem arabischen imd französischen Syrien einerseits und Palästina anderseits. Lauf dem! Berichte Dr. Zweigs über die Tätigkeit des Wiener I* a 1 ä s t i 11;1 a nt t e s , ist es diesem trotz allen mnterieilen und sonstigen Schwierigkeiten, und obwohl London jede Forderung ' verweigerte, gelungen, in kurzer Zeit 5200 Menschen nach Palästina zu befördern,־ wovon ein Großteil Clinhuim sind. Von dem Auswanderern waren 75 »/ס sprachlich und 70 *,'0 landwirtschaftjich oder Itandwerklicti für Palästina vorgebildet. Das vom Wiener Palästiimmt begründete Fürsorgekoinilee, das auch vom ״Joint“ gefördert wurde, war auch an der Gründung der Palästina Reise- und Transport-Gesellschaft und der Palästiim Handels- und Imli.strie-Gcseltscliaft - hehle in Wien - beteiligt. Dr. Weiner legte die Prinzipien des K-ereti hajessod dar. Oesterreich solle •iü Mi«. Kronen aufbringen; es werde aber bei entsprechender Arbeit möglich sein, diese Summe zu erholten Der Nationalfands entwickelt sich in letzter Zeit sehr befriedige nu, namentlich infolge der neuen Institution der Bausteine zu 20 000 Kronen. _ , ,. , In einem grundlegenden Referate beleuchtete lnoenicur■Stricker die Notwendigkeit einer intensive« politischen Arbeit. Die Wahlniederlage müsse nur et« Ansporn sein, um die Bemühungen zu• vergrößern nrul eine Arbeitsteilung zu •schaffen, damit die Arbeit für Palästina nicht leide. Nur der politischen Arbeit! sei die öffentliche Anerkennung als einzig beiugte Vertretung der Judenlieit zu danken. Gegenüber der wachsenden Reaktion und im Kampfe gegen die Ostjuden, an dem sich auch das jüdische Gioßkapital und die assimilatorische ״Oesterr.-Isr.-UnioiP' beteiligen, sei politische Arbeit eine Selbstverständlichkeit, Der Bericht Dr. Isidor Margulies’ über Kulturarbeit gab ein schönes Bild der'begonnenen, praktischen Kulturarbeit in Wien. Die Schwierigkeiten liegen hauptsachlich iin Mangel an geeigneten Lehrkräften, so daß mit einem organisatorischen Aufbau eines Schulwerkes nicht begonnen werden konnte. Das Unterrichtsamt des Jüdischen Nationalratcs, dem eine FacWeutekommissio» zur Seite stellt, und der von ihm gegründete jüdische Sdiulvereiii bilden die Zentrale dieser Tätigkeit. Das von Gberrabhincr Dr. C11 a j c s geleitete Piidag0giu 111, dessen Oberstufe Hoehsdiulehaiäkter trägt, hat 250 Hörer und ist einer der wichtigsten Brennpunkte jüdischer. Kulturarbeit ühcvhaupt geworden, der auch in Palästina noch nicht seinesgleichen habe. Das jüdische Gyinnasiuni entwickelt sich sehr befriedigend. Mit der Eröffnung der ersten jüdischen Volksschule ist jetzt begonnen worden. Um dem Mangel an jüdischen Volkssehullehreru abzuhelfen, seien entsprechende Kurse eingerichtet worden. Ein neues, von Dr. Chnjcs gegründete R e l i g i o n s 1 c 51 r c r s e tu i 11 a r soll den sehr vermißte« Typus des modernen jüdischen Religionslehrcrs schaffe». Zahlreiche Privatschulen für Hebräisch sind erstanden, wo bereits Hunderte von Kindern unterrichtet werden. Der ״Verein der jüdischen Kinderfrcimde“ läßtin seinen Tagesheimstätten bereits (aasend Kinder in Hebräisch unterrichten. Dr. Brand, Sekretär des Jüdischen Nationalratcs, gab ei» erschöpfendes Bild der auf dem Gebiete der Berufsti m Schichtung, der Lehrkurse und Werkstättencrrichhmg begonnenen Arbeiten. Die Konferenz faßte auch eine Reihe von Be- Schlüssen, die den Standpunkt der österreichischen Zionisten zu den vorherrschenden Fragen festlegen. Sie fordert die Förderung der Chahmimvanderung tind spricht sich gegen jede Einschränkung der Pnlästinaein Wanderung au s. Sie fordert die entspreche ח d e B ü d g e t i e r 11 nder Kwu/oth und der Kulturarbeit in Palästina sowie des Wiener Palästinaamtes und die sofortige Errichtung der trn migrationszentrale in Palästina. Die Mittel der Zionistischen Org a n i s a 1 i o n sollen ausschließlich Siedlern zugute kommen, die sich dem Pr i n zi ק tl y r nationalen Kolonisation unterwerfen. Die Aufnahme der intensivsten Arbeit für Nationalfonds und Keren hajessod wird den österreichischen Zionisten zur absoluten Pflicht gemacht. Die bisherige Landespolitik wird bestätigt und gegen das ungerechte Wahlgosetz in Oesterreich I*rötest eingelegt. Der Parteitag betaut die Notwendigkeit intensiver Kulturarbeit ״und Hebraisiertmg des Gallith und fordert, daß die in London beschlossene K 111111 rz e ת t r a 1 e in Wien errichtet werde. Eine engere, aus H Mitgliedern bestehende Landesleituug wurde gewählt und eine erweiterte Parteileitung geschaffen. Zum Präsidenten der Organisation wurde Ing. Stricker wiedcrgewählt. Eine interne Subskription für den Keren' 11 ajessod ergab gegen zwei Millionen. Die nicht־ ganz, zu Ende geführte Debatte soll in allernächsten Zeit eine Fortsetzung finden. Die Fortsetzung dieser Debatte fand am 7. ds. Mts. statt. Ueber das Fehle« einer svstematischen Jugendarbeit sprach Dr. Wilhelm Stein. Mnn dürfe die Jugend nicht länger als Rekruten betrachten, welche die Kaders aiiszufüllen haben. Dieser Fehler habe sich schwer gerächt. Man hat vergessen, daß wir zwei wichtige Elemente für die Zukunft haben: die Frauen und die Jugend. Wir haben heute an den Chnluzim, bereits Mensehen, welche alle־ materiellen Interessen für einideales Ziel hinwerfen. Das ist das Beispiel, das wir der Jugend zu geben haben. Von der ■Jugend kann eine Erneuerung kommen, aber man darf ihr nicht von außen Organisalionsformeri aufjuessen. Sie muß ihre Form selbst finden. Interessant sind die Teile der von Dr. Isidor Marg u lies vorgeschlagcuon und vom Parteitag anpenominellen .K u 1 i u r - k e sol 111 io 11, die sich mit der H e b r a i s י e r u n g befassen. Es heißt dort u. a.: ״Im Sinne der bei der Londoner Jahreskonferenz gefaßten Beschlüsse verlangt der Parteitag, daß die zionistische Landesorganisation die Leitung, Zentralisierung und tatkräftige Förderung der jüdischen Kulturarbeit in Oesterreich übernimmt, dafür ein eigenes Ressort mit einem Jnspektorat für den hebräischen Sprachunterricht schafft und ein besonderes Budget festset/t. Der I artcitag 1«. tont die Notwendigkeit der Kenntnis und lebcmhßcn Beherrschung der hebräischen Sprache, und macht e* der Leitung zur Pflicht, alles zu fördern, was der errvichung dieses Zweckes dient. IXe innere Amtsspräche der Zionistischen L a.n <11־ s o r g a in - ist die hebräische. Das L.-iiulcskoinitee hat dafiir zu norgcii, daß dieses Prinzip innerhalb• eines Jahre■* allmählich durchgeführt werde. Alle Beamten jü d i s c h -!1 a t i o n a I e r Institutionen werden verpflichtet, die hebräische Sprache in Wort und Schrift zu erlernen. Das Landeskomitee wird darüber zu wachen haben, daß die Weiterverbleibtitig im Amte von der Erfüllung dieser!,flieht abhängig gemacht wird. , Dr. Josef R. Bloch, der Herausgeber von .,L» BlocliS Oestcrreidtischer Wochenschrift“, feierte dieser Tage seinen 70. Geburtstag. •Aus diesem Anlaß erschien eine von seinen Freunden herausgegebene Festntimmer der Wochenschrift. Die Verdienste dieses Mannes fallen in eine längst vergangene Zeit; er lut als Abgeordneter im Ocsterreichisehen Parlament und besonders '111 dem bekannten Ritualmordprozeß des Pivä. Rohling, der von Bloch der Fälschung überführt .wurde, durch sein ma'nnhnftes Auftreten in der Verteidigung des Judentums Großes geleistet und sein jüdisches (jefühl und großes Wissen ließen ihn auch später den Kontakt nut der jüdischen Wirklichkeit nicht verlieren. Es sei daran erinnert, daß auch Herzfs erste Autsätz.e bei Bloch erschienen. Dann allerdings wurde er durch seine Abhängigkeit von der Wiener Kultus* gemeinde und dem offiziellen Judentum in eine ausgesprochene Gegnerschaft gegen den Zionismus gedrängt. Sein Blatt sank auf das Niveau der übelste» Assmülantt-npresse, der kein Mittel in der Bekämpfung des Zionismus zu schlecht war. Den Anforderungen der neuen Zeit war Bloch einfad» nicht gewachsen, er steckte zu tief in den Traditionen der Ghettopolitik, um den Geist des modernen, innerlich freien Judentums verstehen zu könne«. So ist es ein Symbol, daß auch sein Organ versunken ist, cingegangen, weil seine eigenen Freunde, die Wiener assimilatorische Clique, es fallen ließen. Dr. Bloch selbst weilt seit einc-tn halben Jahr in Amerika. Tschechoslowakei Die Prager Exzesse ln einer außerordentlichen Sitzung des Prager Stadtrates erklärte Stadtrat Dr. Singer (jüdischnational), daß das, was im altehrwürdigen Prager Rntluuse gtschelicn ist, schändlich sei. Nachdem ic!» de« Tatort besucht habe, konstatierte ich, dall beinahe alle Räumlichkeiten mit r o 1» e s t e r G e w a 11jd e ni o! i c r t. kostbare Gemälde zerrissen und die Einrichtung beschädigt und die Schubladen der Mitglieder, der Repräsentanz aufgebrochen worden waren, und daß besonders das jahrhuudertalle Archiv der jüdischen (jemeinde, das nicht nur lür die jüdische Geschichte, sonder!» lür die Geschichte der Stadt Prag wichtige Urkünden enthielt, vollkommen vernichtet sei, Akten, auch Stiftsbriefe, sind zerfetzt und aui die Straße geworfen worden, so daß der auf dkse unerhörte Art verursachte Schaden unschätzbar ist. Gleichzeitig wurden aus der Rathaussynagoge zwei Thora rollen entwendet, das Pergainent zerrissen, ein Vorfall, wie er seit mittehüterliclier Zeit in Prag nicht geschehen ist. Prag, 20. November. (Privat.) Heute herrschte vollkommene Ruhe und steht angesichts des Abrückens aller verantwortlichen Faktoren sowie der Haltung der Arbeitersehaft zu erwarten, daß die. Rulk- und Ordnung nunmehr anhält. Gute Zeiten für Mörder (Spezialbericht der ״Jiid Rdsch.*'.) ' Nach viertägiger Verhandlung *datier und vierzehnmonatlichem Untersuchungsverfahren wurde am 27. Oktober vor dem tschechoslowakischen JDivisionsgerieht in Kascbau der Prozeß gegen fünf tschechoslowakische Soldaten zu Ende geführt, welche im Jimi ldlq eine» R a 11 b m o r d an sieb e 11 J 11 d e n verüb( hatten. Das Urteil sprach die Täler des ״versuchten gemeinen Mordes“ schuldig und verurteilte sie zu einem Jahr schweren Kerkers mit bedingtem S t r a f a u f - schuh. So kommt es, daß die Mörder, über die auch während der Voruntersuchung keine Haft verhangt war, nicht einen Tag im Gefängnis zu sitzet* brauchen. Das »Dvisionsgericht in •Kaschau hat em .Kunststück zustande gebracht, zu dem sogar das weiße Ungarn mit Bewunderung emporbückcn kann. Es fiat Raubmörder zu 'NationallicUlen gestempelt, den Judenmord als eine erlaubte Tat erklärt und damit den Juden angedeutet, daß cs eine Vermessenheit von ihnen ist, wenn sic den Schutz der Gesetze auch für sich in Anspruch nehmen. Wie machte es das Gericht? Es erklärte die Zeugen — und beileibe nicht lauter Juden, sondern waschechte Slowaken und Tschechen, darunter auch tschechische Offiziere — samt und sonders tüiv Lügner und glaubte den Mördern: Dali dm Mörder auf die sieben Juden geschossen lütten, war leider nicht zu bezweifeln. Daß die Juden nachher tot waren, auch nicht. Aber das Gericht nahm au, daß es sieh nicht fcststellen lasse, wer von den Tätern den tödlichen bebuß abgegeben habe, und erkannte datier frei allen fünf bloß auf Mordversueh. Wem! also jemand einen Mord zu begehen beabsichtigt, wird er gut daran tun, sich nach eipern Kompagnon umzusehen. Denn ist er allein und :wird er nachher ertapp(, weiß «nun sicher, daß er der Mörder ist. Waren ihrer aber zwei oder mehrere, dann weiß das arme Gericht nachher nicht, welcher von ihnen der eigentliche Biksewieht sei der die tödliche V/unde verursacht hat, und wer die

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