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Jüdische Rundschau · 1920-11-12 · Heft 80 (12.11.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 80 (12.11.1920)
Date
1920-11-12
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. SO JUEDISCHE RUNDSCHAU?eile f05 «e z M n m K Sc!1» 1a tebhr ist ai riericr י2 יון ICIl »!!■■י 5c״ •eit tvtiein ydjron icn׳ ich׳.• ►C'S ‘ יי JU'־׳• IC *» l> n fcUsc hin« |d!c iJIlt•־ fclUT |j*a1 I Fr tptcr j ein «len f f das ^51c» ו de» ffnet. licht־ ach he- Von den ״Notwendigkeiten Palästinas“ and von Bedenklichkeiten der ״Berufs- Umschichtung“ :Es ist vor kurzem i» der ״Jüdischem Rundxdum“ *Juri'li eine kleine Notiz auf die widersinnige Propaganda aufmerksam gemacht worden, die unter der jüdischen Sfmieniensdiatt und in anderen Kreisen der Jugend für den l.elirlK'inf gemacht wird. Da behauptet worden ist, diese Notiz habe offiziellen Charakter gehabt, steile ich hiermit ausdrücklich fest, daß dies leider nicht der ball ist. Sie stammte von mir, nichts an ihrer Fassung wies darauf hin, daß sie anderes sei als eine Acußerung des Schriftleiters der ״Rundschau“. Da sie aber nun einmal mißdeutet worden ist, sei 11 icr in einiger Aus* führlkhkeit nochmals wiederholt und begründet, worauf durch sie liingevviesen werden sollte. Zunächst das Tatsächliche. Es wird von vorschiedeneii Seiten auf die jungen Studenten lüngcwirkt, ״Lehrer“ ׳zu werden, d. h. in den meisten Fällen Philok>gie zu studieren und das Oberlehrerexamen zu machen. Diese neueste Forderung der ״Bcnifsumschiditung“ wird nach der gleichen Weise propagiert, wie die Land- Wirtschaft und das Handwerk, d. ft man macht auch hier aus der Frage der Berufswahl eine Angelegenheit der zionistischen Moral. 1 )er Lehrberuf wird zu einem der wenigen ״zionistischen“ berufe erhoben, denen man angchören kann, darf, muß! ״Palästina braucht Le 11 rer!“ Unter dieser Parole wird auf die jungen Leute, die Landwirt nicht werden können, dürfen oder wollen, geradezu ein moralischer Z w a 11 g ausgeübt. Der ansteckende Cliaraktcr solcher Beeinflussungsversuche ist bekannt. Er hat es zuwege gebracht, daß eine ganze Reihe junger und sogar älterer Semester behaupten, nichts anderes werden zu können als ״Lehrer“. Wer sich aus gesundem Empfinden heraus dagegen sträubt, hat keinen leichten Stand; er wird von den Propheten des neuesten ״zionistischen“ Berufes bearbeitet, bis er nacligibl oder als ״lau“ aufgegeben werden muß, Fest stellt, daß die meisten dieser zukünftigen ״Lehrer“ inner* lieh gar kein Verhältnis zu d<er!1 gewälzten Beruf besitzen, daß sie nie und nimmer auf den Gedanken ge* kommen wären, Pädagogen zu werden, wenn man es ihnen nicht unter stetem Hinweis auf die ״Notwendig* keilen Palästinas“ als zionistische Pflicht eingeredet hätte. Diese Tatsachen stehen fest; sollten sie geleugnet werden, so bin icb in der Lage, eine ganze Reihe solcher Fälle zu charakterisieren. Heute genügt es mir, de!!, 1mgefahren Verlauf eines Gespräches mit so einem ״Lehrer aus zionistischem Pfliditbewußtsrin“ wiederzu* geben, das als typisch angesehen werden, kann. Der He* treffende, ein junger Student im fünften Semester, hatte bisher Kunstgeschichte studiert. Plötzlich sattelte e־r zur Philologie um. ״Haben Sie die Kunstgeschichte satt bekommen?“ fragte ich. ״ •״Nein; aber was soll ich in Palästina mit Kunstgeschichte anfangen?‘» — ״Und was studieren Sie jetzt?“ — ״Philologie, ich will Lehrer wer* den.“ - ״Lehrer? Ja, haben Sie denn erzieherische Be* gabuiig oder Neigung? Wissen, Sie denn mit Kindern umzugelien?“ - Der zukünftige Lehrer, den Palästina ״nötig“ luit, wörtlich: ״Ach, wissen Sie, Kinder Interessieren mich, solange sie kleine niedliche Babies sind, dann erst wieder so mit sechzehn, siebzehn Jahren.“ — Ich machte ihn darauf aufmerksam, daß er sich also gerade für das schulpflichtige Alter nicht interessiere, ob er es denn dam* verantworten könne, Lehrer zu werden. Er meinte, es bleibe ihm ja nichts anderes übrig; 7.r.m Landwirt oder Handwerker eigne er sich nicht ■und andere ״zionistische Berufe“ seien vorläufig Tohuwabohu*) ״Sie machen die Luft dir dumpf und schwer, Die kreischenden Zwerge! Lach’ ihnen Abschied, fahr׳ über das Meer, Steig’ über die Berge! Doch eile du gehst, nimm einen am Ohr Und scliüttel’ ihn leise! . , . Verloren ist, wer den Humor verlor ... Glück auf die Reise!“ (Otto Julius Bierbaum.) Warum die meisten judcnroinanc der Westeuropa 1■ sehen Literatur so erstaunlich schlecht sind, ist eine im einzelnen noch ungelöste Preisfrage. Die Tatsache besteht und gilt fast lückenlos von Jakob«wskid tränenseügcin ״Wcrthcr, der Jude“, erschienen etwa anno 1890, bis zu den Erzeugnissen des Weilmachtsmarktes 1 <Jl<>/20. Vielleicht liegt die Ursache zum Teil darin, daß zur künstlerischen Meisterung des ncuzeit liehen Judenlebcns neben anderen guten Gaben auch ein wenig Humor erforderlich sein dürfte. Und an dem gebrach es denjenigen, die Judentum und Judenheit dichterisch erfassen wollten, bisher leider vollständig. \V o wir Ansätze zu Humor und Satire ׳fände», waren beide danach! Mit Schrecken denkt man noch der Zeiten, in denen Arthur Landsberger, den licbgewohntcu Boden des Schlüsselromans verlassend und sich höheren, d. h. oberhalb des Gürtels Hegenden Problemen widmend, jüdische Gcsellschaftssatire bieten wollte! Oder der üblen Entgleisung ״Schlaraffenland“, dieser abscheulich antisemitelnden Karikatur, für die leider Heinrich Mann als Verfasser zeichnete. Einzigartige AusnaJnnen waren in mancher Hinsicht Schnitz* lcrs feiner ״Weg ins Freie“ und Georg Hermanns ״Jettchcn Gebert“. Aber der Wiener Meister überschreitet — auch auf jüdischem Gebiete —• nicht die •) Tohuwabohu. Von Samm y Gronemana. Berlin. 1920. Welt-Verlag. ja noch nicht vorliamleje teil sagte ihm, dann möge er in Gottes Namen in Deutschland bleiben und Kunst- Historiker werden. Er sah midi ganz erschrocken an.: das würde er auf keinen Falt tim. Er müsse nach Palästina. Dieses kleine Gespräch offenbart ganz deutlich die Untergründe des ״Drangs zum Lehrberuf“. Man spricht von den ״Notwendigkeiten Palästinas“ und meint das persönliche Verlangen, nach Erez-Israd׳ zu gehen. Alle diese jungen Studenten sind1 gute Zionisten und mehr oder minder intelligente, fleißige Menschen. Die grolle Mehrzahl von ihnen kommt aus einem ausgesprochen bürgerlichen Milieu, ein gewisses Maß geistigen Komforts ist ihnen unentbehrlich, selbst wenn sie es lernen sollten, vom materiellen Komfort abzusehen. Vor allem wollen sic auf eins nicht verzichten: aufs Studio!11. Die Universität ist für Schüler, die auf deutschen Gyiuiiasieu herangcwachseit sind, dis sehnlichste Ziel ihrer Wünsche. Das ist durchaus natürlich und keineswegs zu tadeln. Und wenn es׳ sich ermöglichen läßt, daß sie ein Studium ergreifen, das ihnen, in absehbarer Zeit eine berufliche Tätigkeit in Erez-Israd ermöglicht, so ist das sicher gut. Aber man soll die Dinge nicht verdrehen und ihnen einen falschen Nimbus geben. Und vor allem soll man nicht einen gesunden, aber immerhin banalen Egotismus zum Heroismus stempeln, soll nicht von ״Notwendigkeiten Palästinas“ sprechen, wo es sich nur uin das Kompromiß handelt, nach Palästina zu wollen und doch kein ״Gialuz.“ zu werden.!Daß Palästina in absehbarer Zeit Lehrer und Lehrerinnen in größerer Zahl brauchen wird, scheint mir nicht zweifelliaft. Daß aber gerade der Oberlehrer deutscher Prägung der gesuchte Mann sein wird, glaube ich nicht. Der Bedarf an ״Gyninasial-Paukern“ wird zunächst gering sein. Philologen wird man jetzt wenig naclifragen, wohl aber Männern und Frauen, die kleinen Kindern Lesen, Schreiben und Rcdutcn beibringen können. Palästina braucht Lehrer mit dem pädagogischen Können derer, die an den deutschen Volksschulen unterrichten! Und liier zeigt sielt, wie mir scheint, ein weiterer Beweis dafür, wie wenig die ״Notwendigkeiten Palhstinas“ bei der neuen Parole berücksichtigt werden gegenüber den — an sich begreiflichen — Wünschen der Einzelnen. Nicht einem dieser zukünftigen ״Lehrer“ ist es eingefallen, auf die akademische Laufbahn zu verzichten und auf ein Seminar zu gehen! Nicht einer will Vo 1k s s c h ul ich re r werden! Die ״Not׳ Wendigkeiten Palästinas“ werden gemodelt im Sinne derer, die Palästina nötig haben! Sollte das jenen Acltcrcn entgangen sein, welche die Propaganda für den Lehrberuf in Szene gesetzt haben? Ist es ztiviel gesagt, daß hier grober II n fug verübt wird? Wir haben ja in puncto ״Berofsumschichtung“ schon merkwürdige Dinge erlebt. Es ist schon ein ziemlich tolles Stück, wenn ein talentvoller junger Mediziner, der bereits das Physikum hinter sich hat, plötzlich seinen akademischen Lehrern erklärt, er müsse die Universität verlassen, um — Schlosser zu werden. Denn ״Aer/te gibt es in Palästina schon zu viele, aber es mangelt an Handwerkern.“ Aber dal! man sozusagen zwangsweise aus Bianweißen und K. J. V.ern Lehrer fabriziert, wie der alte Fritz. Unteroffiziere dazu kommandierte ~ das grenzt zu sehr an Verantwortungslosigkeit, als daß man dazu schweigen könnte. Selbst wenn Palästina sofort dringend Lehrer brauchte•, dcutsdie Oberlehrer sogar, dürfte für den Lehrberuf keine ״Propaganda“ gemacht werden. Man Grenzen des weilen Landes, in dem man Tennis spielt. Ihn fesseln in erster Reihe die brennenden ProWc! jener Männlein und Weiblein, die zu viel zu essen tuxi zu wenig zu arbeiten haben, und deren Problematik im allgemeinen durch knappere Diät tmd ein wenig Prügel zu lösen wäre. Georg Hermann andererseits bat mit wirklichem Humor einen wundervollen Ausschnitt aus dem Berliner jüdischen Dasein der Biedermeierzeit gegeben. Mehr wollte und konnte er auch niau: Seine jüdischen und menschlichen Interessen und — verzeihen Sie das harte Wort, sagt Wippchen — Kenntnisse gehen in östlicher Richtung nicht über den Potsdamer Platz hinaus. Und damit ist die Sache heute nicht nicht ganz zu schaffen. Auch die Berliner Judenlieit, selbst die der westlichen Stadtteile, läßt sich nicht mehr aus dem großen Ganzen lösen, ohne daß das gewonnene Bild — trotz feiner Einzelheiten — im Gesamtcindruck schief und unvollständig wirkt. Um so dankbarer dürfen und sollen wir sein, daß in Groiieinann zum ersten Male ein Autor mit fester Faust das moderne Judcnlcben anzupacken gewagt hat, der durchdringende Kenntnis und Erkenntnis östlicher und westlicher Judctiscele und schärfste Fähigkeil des Sdmuens mit starkem Humor vereint. Daß kein eigentlicher, in sich geschlossener Roman zustaiuk'gekonimen ist, liegt vielleicht am Stoffe selbst Grone mann hat offenbar in dieser Hinsicht freiwillig Verzicht geleistet, wie schon daraus hervorgeht, daß seinem Buche ein derartiger, in ein bestimmtes Literaturgebiet verweisender Untertitel fehlt. Aber dafür enthalten die zwölf Kapitel, in die das Buch äußerlich zerfällt, eine solche Füße glänzend komponierter Einzel» bildcr und sind trotz der etwas gewaltsamen Rahmen- Label in sich künstlerisch und kulturgeschichtlich so abgerundet, daß man am Schlüsse des Ganzen wahrhaftig so etwas wie einen Gesamte!ndruek jüdischen Lebens der Vorkriegszeit verspürt! Jedenfalls ist die Menge jüdischer — auchjiküscher, nochjüdischer, nichtmehärjüdischer, leider und Gott kann durch Propaganda ebensowenig Lehrer erziehen, wie« Künstler. Unsere zionistische Jugend ist doch so sehr eingeschworen auf Schulreform: warum gestattet sie, daß man gerade für den Beruf, zu dem wie zu keinem in der Welt nur innere Berufung berechtigt, ״Propaganda“ macht, warum hat sie nicht schon Fingst den Schwindel aufgedeckt, der unter einem moralischen Zwang Bilchmgsselmster für Palästina züchtet. Warum setzt sie nicht denjenigen ihrer Altersgenossen den Kopf zurecht, die ״Lehrer“ werden wollen, ״weil es ja sonst keinen zionistischen Beruf gibt, der für sae!)aßt?“ Ist unsere Jugend denn so senil, so kritiklos, daß es genügt, von ״Notwendigkeiten Palästinas“ zu schwatzen, um sie vergessen zu lassen, daß man Lehrer nur dann werden darf, wenn man dazu bestimmt ist. Daß man dann aber auch Lehrer wird: hier tuul in Palästina! Damit ist wohl •d*bs Wesentlichste ,gesagt. Die Schuldfrage ist nebensächlich. Wie weit die vo!» der Organisation errichtete ״Berufsberatung“ an diesen Dingen positiv schuld ist, vermochte ich nicht mit Sicherheit zu ermitteln. Daß sie dem Unfug nicht gewehrt bat, zum mindesten nicht so, daß dieser Widerspruch dea gleichen Erfolg hatte, wie sonst ihre Anregungen zu haben pflegen, bleibt Vorwurf genug. €. Z. Klötzel ׳ Vom ״Joint“ Auf einer Sitzung der Exekutive des ״Joint“ »n New York erklärte Felix Warburg, daß als Resultat seiner Informationsreise nach Europa die Hilfsarbeit!ungestaltet und sieb von nun ab konzentrieren wird auf rekoiistmktive Hilfe, Versorgung von Kindern und Waisen und Verbesserung der sanitären Zustände. An Stelle des zurückkehremlen hochverdienten Direktors, Dr. Gold mann, werde kein Direktor für Europa bestimmt werden, sondern ein aus drei Personen bestehender Exekutivrat, dem angeboren werden: Dr. Bogen, der die momentane Hitisarbeit leitet und zu trachten hat, daß sie in eine Form von konstruktiver Hilfe überführt werde; die momentane Hilfe soll nur dort gewährt werden, wo sie unbedingt nötig ist und von Monat zu Monat eingeschränkt werden und an ihre Stelle Hilfe, die geeignet ist, das ökonomische jüdische Leben auf eigenes und sicheres Fundament zu stellen, treten, Dr. Peiser, der die Kinderarbeiten leitet und der bekannte Typhusspezialist, Dr. Plot/, als Leiter der sanitären Hilfe. Jeder von diesen wird auf seinen» Gebiete selbständig sein. Vor dem Inkrafttreten dieser neue!! Organisierung wird der neue Exekutivrat auf einer, nach Wien für den 15. November cinbcrufenen Konferenz aller Rayonsd Rektoren zusammenkommen, um ein genaues Programm für die Arbeit des nächsten Jahres aufzustellen. Auch das Emigr.1tionsproblcm sei von ungeheurer Wichtigkeit, aber der ״Joint“ sei nicht im Stande, sich mit diesem Problem seiner ganzen Größe nach zu befassen. Nach der Art der jüdischen Wanderung müssen die notleidenden jüdischen Emigranten nach gewissen Klassen ciugetcilt werden, und könne sieb tk*r ״Joint“ mir mit einzelnen dieser Klassen befassen. Das ״People Relief Committee“ hat auf seiner letzten Konferenz mit 21 gegen lö Stimmen seinen Austritt aus dem ״Joint Distribution Committee“ beschlossen. Nachträglich wurde jedoch der Beschluß gefaßt, binnen einem Monat eine spezielle Konferenz nach Philadelphia einzuberufen, die obenerwähnten Be- Schluß zu ratifizieren haben wird. (J. P. Z.) sei Dank jüdischer! — Menschen, Typet», Schicksale, Zustände, Acngstc und Glückseligkeiten, Leiden und Freuden so überwältigend groß wie noch in keinem anderen Werke jüdischer neuzeitlicher Crzählmigskunst, Immer wieder, wenn man denkt, nun könne nichts Neues, sicherlich nichts Komischeres mehr kommet», greift Groiiutuim mit behutsänicr Hand noch einmal in einen der großen Käfige hinein, mit denen unseres Herrgotts• jüdischer Zoo geschmückt ist, und haut ein anderes absurdes Tierchen vor unsere verblüfften Augen hin. Erfreulicherweise geht er dabei der — bei seiner sehr gründlicher, persönlichen Kenntnis dos;,Materials“ recht naheliegenden! — Gefahr des Schlüsselromans glücklich aus dem Wege. Trotzdem ist alles so kompromittierend echt gehalten, daß man sich nicht getrauen mag, ihn der leisesten Uebertreibung zu zeihen! Auch die tuiwahrscheinlichsten Affen und Aeffinnc», Kamele, Ochsen, Schäflcin, Katzen und Puten dieser bunten Herde dürfte/» mehr als ein Paraüelexemplar im wirklichen Leben herumzuspringen haben. Im einzelnen erscheinen mir als die besten Stücke vor allem das ja bereits berühmt gewordene fünfte Kapitel ״Paradiesäpfel“, enthaltend den so aufregenden Prozeß Pfeffer contra Borneh wegen der Ethrogim, von denen leider die Stet» rcl abgebrochen waren - mit seiner wohl als klassisch z"u bezeichnenden Schilderung aus dem Berliner Anwaltsdascin, — schlechthin ein — man entschuldige das abgegriffene Wort — Kabinettstück ^jüdischer Gegciiwartssehildenmg. Ferner die köstliche Geschichte,־ wie Jossel Schlenker Ja Borytschew den Faust ״lernt“, — die von der grollzugig geleiteten Bcttelbriefanstalt Wolf Klatzkcs in der Dragonerstraßc; die Sprechstunde bei dem orthodoxen fortzeugend ״religiöse“ G. m. b. H's gründende« Rabbiner, — die so beängstigend geistvolle Dsmitation im östlichen Lehrsaal Über die eminent nraktische Frage von den beiden falschen Zeugen, die ״S» talmudjschem Rechte immer abwechselnd kanrnme einzeln und gar nicht hingerichtet werden dürfen! Daß

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