Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 80 (12.11.1920)
- Date
- 1920-11-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seile 604 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80 V* ' Palästina-Banken Kürzlich wurde bekannt, daß in Bulgarien eine' bulgariscli-palästiivensisciie Bank gegründet worden ist. Der Zweck einer solchen Bank ist einleuchtend. Sie soll einerseits den Handelsverkehr zwischen Bulgarien'und Palästina fördern und ein besondercs Kreditinstrument für Kaufleute sein, welche den Export und Import mit Palästina fördern wollen. Sie dient auf diese Weise dem höchst erstrebenswerten Ziel, Palästina in die Weltwirtschaft ein• zu beziehen, ihm die Möglichkeit {pinstiger Im• porte und die Gelegenheit zu möglichst starkem Export zu gelten. Es kann kein Z\v־eifcl darüber herrschen, daß es notwendig ist, die Weltwirtschaft• liehe Verflechtung Palästinas immer stärker zu fördern, wenn Palästina befähigt werden soll, eine ständige große Einwanderung aufzunchnien und fest/uhalteii. Eine solche Palästinabank hat aber noch ein zweites Ziel: Sic will in dem Lande, in dem sie gegründet wird, die liquiden und ver• fügbaren Gelder dortiger Juden autnelimen, um sie zu kurzfristigen bankmäßigen Anlagen in Palästina zu verwerten und dadurch befruchtend auf das palästinensische Wirtschaftsleben einzuwirken. Namentlich diese Aufgabe ist von denkbar größter Bedeutung, und es ist erstaunlich, daß nicht hingst die jüdische Welt mit einem Netz von Palüstinabnnkcn überzogen worden ist. Zwar in den Anfängen der organisierten zionistischen Bcwegung war dieser Plan bereits sehr deutlich konziplert. Der Jewish Colonial Trust sollte die jiidi sehe Weltgrundbank werden, die jüdisches Kapital in den bisherige» jüdischen Zentren aufnehmen und zur Entwicklung Palästinas verwerten sollte. D'.v Erfolge des J.C.T. in dieser Beziehung sind nicht allzu bedeutend gewesen; warum, bleibe hier »»erörtert. Jetzt jedenfalls wäre der Zeitpunkt gekommen, in weitestem Maße an die Gründung von Paliistinabaukcn heranzutreten. Die Leitung des J.C.T. müßte veranlaßt werden, in allen dichtcreu jüdischen Zentren Filialen an zu legen. Warum verbreitet der J.C.T. nicht ein Netz, von Bank* filialen in der judenstadt New Yorks? Wenn selbst die bulgarischen Juden die Zeit für gekommen halten, eine bulgarische Palästinabank zu errichten, so dürften amerikanische Palästinabanken erst recht von Wert sein. Ebenso müßte inan in Kanada, in Argentinien, in Südafrika, in Aegypten, in Tunis und anderen dichteren Judcnsicdhingcn Vorgehen. In Europa kommen zurzeit die östlichen Staaten weniger in Betracht. Eher könnte man an Gründüngen in manchen Städten denken, wo sich ostjüdische Flüchtlinge in größerer Zahl niedergelassen haben. Vor allem käme London in Betracht, wo der J.C.T. eine ganz andere Wirksamkeit entfalten müßte, dann aber könnte man auch au Kopenhagen, Stockholm, Antwerpen und ent• sprechende Plätze denken. Selbst Wien, Berlin und Prag liegen durchaus nicht außerhalb des Be• reiches der Erwägung. Auch Rumänien und Beß• arabien dürften einen günstigen Boden für die Er• richtung von Pa!ästmnb::.1Uvn bieten, deren Grii’1• düng am besten vom J.C.T. nach einheitlichem Plane in die Wege geleitet würde. E. M. Keren hajessod Jabotinsky im Direktorium Das Mitglied des Direktoriums des Keren hajessod, Herr W. Jabotinsky, hat die Leitung der Propagandaabteilimg innerhalb der Zentrale des Keren hajessod übernommen und nicht, wie cs in der vorigen Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ irrtümlich hieß, die Leitung des Hauptbüros. Besonders!)«merkenswerte Beschlüsse zur Aktion des Keren hajessod faßte der Parteitag der österreichisehen Z i o n 1 s t fr 11. Es wurde u, a. Ire sch lassen, «lall Zionisten, die ihre Pflicht nicht Ln vollem Malle erlullen, aus der Organisation a u s zu s c 111 ic ße ת seien. Einhellig wurde der ('iriindsatz aufgostellt, daß zunächst die organisierten Zionisten ihren Beitrag leisten müßten, und daß dieser Beitrag der oganrisierten Gcsinnungsgenossen keine ״Spende“, sondern ein Opfer sein müsse. Bevor die Sammlung unter Zionisten abgeschlossen ist, '.v:rd mail an die übrige Jmleiiseluft nicht hcrantriicn, weil inan erst dann_ moralische Berechtigung dazu haben wird, wenn die Zionisten ihr Opfer gebracht haben werden. D;c Delegierten des Parteitages, ltl an der Zanl, gingen mit gutem Beispiel voran. Sie brachten unter sich als Grundstock für die einzu reihende Sam inlung den •Betrag von 1 700 000 Kronen auf. Diese Stimme ist so zu verstellen, daß ein erheblicher Teil sofort Hi bar erlegt wurde, der Rest in Monatsraten innerhalb der. festgesetzten Frist von einem bzw. fünf Jahren zu erlegen ist. Der Referent für den Keren hajernd,. Dr. Jakob Werner, gab der Ueberzcugung Ausdruck, daß die österreichische Judenschaft einen weit Quote ” aulhr*ngen w>rd, als die ihr aufgetragene r*M\r ״u c h 1a ® d fanden Keren hajessod-Konfe• den •tau'1* 1»'üth• fr» Hamburg und Drcs• Erez-Israel Die palästinensische Presse über die Assefall Die langersehnte Eröffnung der Assefath hnniweharim wurde von der palästinensischen Presse aufs lebhafteste begrüßt. Llr. Klausner gibt im ״Haarez“ die Paral.ele zwischen unserer Zeit und der des Auszuges aus Babylon. Damals dieselben Fragen wie heute. Politisch — der Gegensatz zu den Samaritanern. Aimmitcn und Arabern, die das Laad während des Exils besetzten; ökonomisch — die Verschuldung und Versklavung der armen Be- Völkern״״ und deren Ausbeutung durch die Radien; kulturell - die Fragen der jiiciitjiidischcu Frauen und der verunreinigten Sprache. Esra und besonders Nc* heniia, der damalige Oberkommissar, allein konnte« all diese Fragen nicht lösen, sie brauchten die Unterstül/nng des Volkes und versammelten die ״Männer der Großen Versammlung“. Er schlägt daher vor, auch die jetzige Tagung ,,Knesset lingdola“ zu nennen, das ihm für eine solche zwisdien Parlament und Parteikongreß stellende Körperschaft wie priidistiniert sdieint. Sch. Schiller bespricht gleichfalls im ״Haare/.“ die Aufgaben einer Organisation der palästinensischen Juden und ihre Beziehung zur Zionistischen Organisation. Das Judentum Palästinas wird aufhören, eine mechanische Mischung von Juden aller Länder, Sprachen, Klassen, Riten usw. zu sein, die sich einander aufs äußerste bekämpfen, weil es ihnen an der gemeinsamen Basis fehlt, auf der sie stehen, die sic nicht auscmanderfallcn läßt. Die Asscfah wird das jüdische Palästina zu einem lebendigen Organismus zusanunetisclixveißcn, in dein zwar jedes Glied seine Eigenart bewahrt, die aber doch gemeinsam arbeiten. Sowohl die jüdische wie die nichtjüdische Welt Wertteil die Tatsache der Organisierung der Juden Palästinas respektieren müssen, England ist daran gewöhnt, auf die Stimme der Bevölkerung zu hören nml wird bereit sein, unsere Hilfe bei der Durchführung des Mandats zu erhalten. Die Zionistische Organisation ist die dynamische Kraft, die die Eiuvandcrimg leitet, organisiert, das Land bebaut; das organisierte Judentum Palästinas wird die statische Kraft werden, die alle neuen Elemente verarbeitet, verdaut und zu einem gesunden Körper macht Herr Glücksohn meint in demselben Blatt, die palästinensischen Juden, die bis jetzt Untertanen der türkischen Regierung, der Militärverwaltung, der Zion!• stischcn Organisation waren kurz, alles passiv über sich ergehen ließen würden nunmehr mitarbeitende Bürger der Regierung und der Organisation Schirmann erwartet von der zu Kompromissen zwingenden Zusammenarbeit der Parteien die־ Erstarkung des Mittel- Standes. Auch die ״Doar Hajom*', die mit allen Mitteln gegen die Einberufung der Asscfah war, erklärt, daß er sich auf den Boden der Tatsachen stelle und die Asscfah anerkenne, wenn er auch seine Befürchtungen nicht unterdrücken könne. Er verspricht der Asse fall seine schärfste Kritik als Geleitwort. (Die Asscfah hat übrigens in der vorletzten Sit/tuig öffentlich gegen die Treibereien der ״Do.tr Hajom“ Stellung genommen und beschlossen, ihren Korrespondenten, Hern! M J., aus dem Saale zu entfernen.) Die scharfe Kritik der ״l)u ar Hajom‘' büch jedoch aus. Die Meinungen der Presse über die Resultäte sind alle gleich. Alle, einschließlich der ״Doar Hajom“, sind mit ihrer Tätigkeit zufrieden. Die die Mehrheit besitzenden linken Parteien haben, wie die Presse allgemein betont, eine große Mäßigung an den Tag gelegt, di;׳ auch die schärfsten Gegner gewinnen mußte. Sie haben die nachträglich erfolgten Wahlen der Orthodoxie anerkannt und auf einer erweiterten Kompetenz der Asscfah nicht bestanden; ihr Ton in «len Debatten sei versöhnlich gewesen, und schließlich verzichteten sie auf die ihrer Zahl entsprechende Vcrtretung im Waad leunii. Sie seien nicht etwa überstimmt worden, sie hätten sozusagen selbst gegen sich gestimmt. Aber in dieser freiwilligen Unterwerfung unter die Interessen Palästinas zeigt sich ihre Reife. Der entscheidende Moment habe sie ernüchtert. So schreibt z. B. in ״Doar Hajom“ Ben John da, der sich an den Wahlen beteiligt, aber nachher gegen die [ Asscfah Stellung genommen hat: Die Asscfah hat einen , Waad gewählt, in dem die Linken keine Mehrheit be- I sitzen. Wohl sind die linken Mitglieder rühriger, po• litiscli geschulter, als die rechten, aber während der Session hat die Linke eine lolxmswerle politische und taktische Klugheit bewiesen. Es ist anzuriehmcn, daß auch im Waad leunii sie ihre versöhnende Taktik beihchaltcn werden. Mau muß sich also dem Waad gegenüber positiv vcrlialteii. Man muß mit der Tatsacht־ rechnen und das weitere ruhig abwarten. Dr. Klausner sicht in einem weiteren Artikel im ״Haara" in der Tatsache, daß endlich ein Waad der gesamten Juden eingesetzt wurde, den. grollten Erfolg der Asscfah. Wir sind «in Volk geworden, das Volk von Palästina! In keinem Lande gibt cs einstimmig gewählte Ministerien, wie es der Waad ist. Gewiß, es wäre vieles an der Asscfah auszusetzen. Es war wenig Begeisterung, die Referate waren wenig vorbereitet, über Erzieliungsfragen wurde gar nicht gcsprachen. Die Asscfah hat keinen Ruf, keine Losung ausgegeben. Dafür aber hat sie sich durch politische Reife, hingebungsvolle Liebe und Verantwortungsgefühl ausgezeichnet, wie sie selten zu finden! sind. Solange jede Partei für sich arbeitet, steigert sich der Parteichauvinisnuis, der Parteihaß; ist inan aber an einen Tisch gekommen, lernt man auch den Gegner achten und ihm die Hand reichen. Es war auf der Asscfah keine Sprachenfrage. Alles sprach, schrieb, referierte und protokollierte Hebräisch. Das ist eine Tatsache, die für die Hebraisicrung des Landes mehr wert ist als Broschüren und Aufrufe. Waad leumi Am 13. Oktober fand bereits die erste formelle Sitzung des Waad leumi statt, die ein temporäres Komitee wählte, das dem Oberkommissär über den Vcrhandhmgsgang und die Beschlüsse Bericht erstatten und das Protokoll der Delegierienversanimlung amsarbeiten soll. Nach ungefähr zwei Wochen soll die Plenarsitzung des Waad leumi stattfinden, auf der der Präsident gewählt werden wird. Gleich darauf soll mit der aktive» Arbeit begonnen werden. Im Waad leumi sind auch die Misrachistcn durch Rabbi Uziel, Rabbi F i s c h m a n n und F c I d m a n r» - R a d I «■ r vertreten. Marine-Besuch Ein Ereignis von ziemlicher politischer Bedeutung wurde am 11. Oktober in Jaffa verzeichnet: An diesem Tage vollzog sich zum erstenmal in Palästina die Vercinigimg zwischen der britischen Hochseeflotte und den! Zivilreginicut des Landes, um so gewissermaßen die Tatsache der Besitzergreifung Palästinas durch Großhritaunien auch von 1li«scr Seite her zu dokumentieren Seit einigen Tagen befand sich auf der Reede Jaffas der Superdreadnought ״Einpcror of India“ (dast viertgrößte Kriegsschiff der Welt); vor kurzem begab sich sein Kommandant. Admiral Richard Webb, zu einem offiziellen Besuch des Überkommissars nach Jerusalem. Sir Herbert Samuel erwiderte diesen Besuch indem er mit Gefolge nach Jaffa kam und vom Admiral aut das Schiff geleitet wurde Herbert Samuel und die Orthodoxie Ehr OlK'rkominissar von Pali stina, Herbert Samuel, hat kürzlich die auf dem Berge Zion befindliche ״Bäte Machasses‘' besucht, wo er vom Rabbiner Horowitz im Namen des Amsterdamer Kolel feierlich begrüßt wurde. Beim Abschied ersuchte der Oberkommissar den Rabbiner, der sielt auf eine längere Reise »ach dem Auslande begibt, dem orthodoxen Judentum im Exil seine besten Grüße und Wünsche, sowie die Hoffnung au*- ziKirücken, daß sie ihn in seiner Arbeit unterstütze» mögen. Deutsche Chatuzim ״Haarez“ schreibt: Am 25. Oktober kamen in Jatta zwei Schifte des Lloyd Tricstino mit Chaluzim an. Bc• sonders fällt eine Gruppe auf: die deutschen Chakt- /im. Sie stechen sichtlich von den anderen durch ihr Auftreten und durch ihre Arbeitswilligkeit ab. Meist handelt es sich tun Studenten, die die deutschen Universitäten verlassen haben, tun in Palästina l.uidwirf• schaftliche Arbeit zu leisten. In ihrem Idealismus er• inner« sic vielfach an die alten Bihi, sic haben aber noch den Vorzug, daß sie sich längere Zeit in Deutsch• land für die landwirtschaftliche Arbeit vorbereitet haben. Die Ernährung Ein offizielles Bulletin der Regierung beschäftigt sich mit der Ernährungsfrage. Danach soll Schlachtvieh aus Aegypten und dem Sudan eingeführt werden. Die Bewirtschafhing von Oliven und Olivenöl wird soweit freigegeben, als die Restbestlindc aus der alten Ernte exportiert werden dürfen. Mit Weizen und anderein Getreide ist sehr sparsam umzugehen, da ein .Mindest• bedarf von 201 000 Tonnen einem Höchstbestand von 1QJ000 Tonnen gcgcniibcrstcht. Der Handel mit Hülsenfrüchtcn und Gemüse (Bohnen, Linsen, Hirse usw.) wird freigegeben. Preissenkung Der Preis der Baumwolle und des Bodenöls ist derart gesunken, daß dies nicht ohne Einfluß auf die Preise der übrigen Bedürfnisse des täglichen Lebens geblieben ist. Trotz aller Bemühungen der Großkauf־ leute, eine Preissenkung zu verhindern, wird allgemein geglaubt, daß die Preise auch weiterhin noch fallen werden. Die Legion Die Regierung hat die Mobilisierung von <600 Mann für ein neues Regiment der jifch'schcn Legion *«geordnet. 1 . «I I V Kleine Mitteilungen Mesopotamien. Bon a r L a w machte ini Untcriwuse Angaben übei die Ausgestaltung der für Mesopotnmie» in Aussicht genommenen Regierung. Eine rein arabische Regierung wird nur während der Wahlperiode im Amte sein. Die Verwaltung wird in die Hände Einheimischer gelegt, die jedoch unter dem britischen Obcrkonimissor Sir Percv Cox stehen. Der Staatsrat wird Vertreter aller Parteien und Liegende» des Landes umfassen. Er wird sich aus 17 Mitgliedern •zusammensetzen, unter denen sich je ein Vertreter Bagdads und Mossuls, ein Parteiführer und zwei Scheichs der Shiastämmc befinde* werden. Rumlinien. (J.P. Z.) Anfang Oktober wurde da* jüdische Lyzeum in GroßWardci» mit einen! feierlich«* Gottesdienst durch Obcrfabbiner Kccskcmcti und de* Direktor des Lyzeums, Dr. Arpad Hegedüs, eröffnet Die Zahl der Schüler betfügt 200, darunter auCh Nichtjuden. Unterrichtssprache ist vorläufig Ungarisch, au* zehn Jahren wird jedoch, laut MiiüsteriaJerkß, die bebräisene Sprache eingeführt werden.