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Jüdische Rundschau · 1920-11-05 · Heft 78 (5.11.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 78 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Als Mau• datarmaeht PiListinas ist es unsere Pfliebt, uns zu 110• im'ilien, das beste für unsere Schützlinge, zu erreichen, und diese Grenze wurde das befürchten wir verhindern, dali aus Palästina das wird, was wir austreben: ein moderne! Staat, der eines Tages.in der Lage sein wird, sowohl wirtschaftlich wie politisch selbständig zu leben. Territorium ist hier nicht die Hauptsache, sondern die Nutzbarmachung der Quellen für ein gesimdes Wirtschaftsleben. Bekanntlich ׳ hat Palästina bisher keine Kolde und wird vom Wasser abhängig sein, nicht nur für die Bewässerung des Landes, sondern auch für alle zu gründenden Industrien. Die beiden grollen Wasserläufe, aulter dem Jordan, sind der Litani und der Y a r m וו k , welch letzterer Jaulan von Gilcad, trennt. Der Litani ist aus diesem Grunde nur für Galiläa von Bedeutung, denn Syrien zieht sich von Galiläa nach Nonien, und Palästina hat einen Anspruch auf die Nutzbarmachung seiner Wasseiiäufc. Der Litani liegt weiter nördlich als die historischen Grenzen Galiläas und hat für Palästina nur als Zufluß Bedeiituug. Was angestrobt wird, ist nicht eine Erwcitcrung der Grenzen zum Zwecke des Landerwerbs, sonderu nur die Nutzbarmachung der Wasserläufe innerhalb dieses Territoriums. Das ist unseres Erachtens bedeutungslos fiir Frankreich, während es für Palästina sehr wesentlich ist. Noch wichtiger ist allerdings die Frage des Yarmuk. Dieser, nicht der Jordan, ist der eigentliche Fluß Palästinas; und um die wirtschaftliche und politische Gcographie des Landes richtig zu beurteilen, muß mau es nicht von Norden nach Süden, sondern von Osten nach Westen, mit dem Yarmuk und der Ebene von Esdrclon als wirtschaftlicher Mittelpunkt, betrachten. Noch einmal, unsere Beweggründe sind wirtschaftlicher, nicht politischer Natur, und Frankreich kann uns zustimmen, ohne die Zukunft Syriens preiszugeben, denn die sich ergebenden Grenzwcrbcsserungen zwischen Dan mul Me/ereb in Palästina würden nicht von großer Bedeutung sein. F.s muß zugegeben werden, daß die jetzt vorgeschlagene Noriigrvuze eine Erweiterung der im Sykes- Picot-Vertrag . fcs(gelegten Hediuguncn bedeutet, und darum sprechen wir von dem Zugang zu den Litani- Wasscrläufen und der Einverleibung Mezercbs in Palästina als von ״Konzessionen“. Aber seit dem Sykes- Picot-Vertrag hat sich vieles ereignet. Als er geschlossen wurde, hatten die' alliierten Regierungen Palästina noch nicht als nationale 1 leimstätle für die Juden ins Auge gefaßt mul der Leitgedanke des Mandats, der es verbietet, ein Land den Interessen seiner Mandatare dienstbar zu machen, batte 11.ich nicht gesetzliche Form erhalten. Palästina sieht nicht nnler englischem Protektorat im landläufigen Sinne. Es sieht innerhalb der Grenzen internationaler Politik, und die Errichtung einer jüdischen Heimstatte — wtr möchten lieber ganz ehrlich einer jüdischen Nation sagen — Ist nicht ein britisches, sondern ein internationales Experiment, und ebensogut ein Teil der französisehen wie der englischen Politik. Wie dieses ideaf, Palästina zur Heimstätte einer wiedorerwachten jüdischen Nation za machen, zu verwirklichen ist, darüber kann inan verschiedener Meinung sein, aher daß dies Ideal ein edles ist und daß es in seiner Erfüllung von tiefer Wirkung auf die ganze׳ Welt sein wird, darüber kann kein Zweifel herrschen. Frankreich sollte unserer Meinung nach für diese Idee tx׳- soliden• Sympathien haben: gehörte sie nicht zu den Beweggründen, die den grollen Napoleon zu seinem Einbruch in Palästina veranlaßtcn? Jedenfalls, seit der Kon feie nz von San Rem״ gehört die Verwirklichung dieser Idee so w o hl zu 1־ r a n k r e i c h s als / u u User c n A u f g a b e 11; wir fordern Frankreich auf, durch seine Mitwirkung zum Erfolg hei zu trägen. An Vieh sind diese (iienzsireiligkeiten geringfügig. Abci von der Art ihrer ik-gcluit 4 wird cs abhäng eil, ob ein jüdisches Palästina als bloße historische Kuriosität entstehen wird, ■oder ein Palästina, das eine wirkliche Nation darstellt, eine wirkliche aufhüiliemfe ,Macht in der Welt des Ostens, Polen Eine Rede Schntarja Lewins auf der Assefatb haniweharim führte folgendes ans: teil hin liurch Galizien, Polen, Tschechnslowakien, Detilsdiland und Oesterreich gereist und habe gesehen, was das Judentum während des Krieges gelitten hat 11:11 bin zu einem sehr traurigen Resultat gekommen: ich glaube nicht mehr an die Zukunft des jüdischen Volkes m der Diaspora, Ich war immer Optimist, ich glaubte mmer. daß wir den Antisemitismus überwänden worden. VI1 habe jetzt, den Glauben verloren. Alles, was man ״her die Lage geschrieben hat, alles was Sie gehört haben, ist nur ein Echo, ein schwacher Schatten, nicht eia Hundertstel davon, wie es in Wirklichkeit aussicht. Wenn ab and! Meister der Sprache wäre, idi hätte doch nicht den für dieses Entsetzen passenden Ausdruck gefmuieii. IX־r Tod aller der ist ja gar nicht schreckbrli. er ist doch so natürlich, so einfach. Aber unser Lebe» hat keinen Namen, weder Morgen noch Abend, noch Dämmerung ist es, keine Minute der Ruhe, ich habe die Idolen gesehen, aber die inadien sich über uns lustig. Gegen wen können wir protestieren? Gegen wilde Tiere? Wem können wir drohen? Sie kennen die Antwort der Regierungen: Wir können uns nicht in die inneren Angelegenheiten einer Regierung hineinmischen. Aber wenn wir hier auch nur eine halbe Million Juden hätten, so batten wir die 15• Milli.men Juden der Welt gerettet. Unsere gesamte Arbeit in der Diaspora ist eine Sisyphusarbeit. .Audi in Amerika bähen wir keine Zukunft. Aber hier, in Palästina, was w!f hier hauen, das wird bleiben. i>er palästinensische Morgen ist unserer. Wir müssen der ganzen Welt unseren letzlen Beschluß miitcilcu, daß wir alles mögliche tun müssen, um unsere Arbeit in Palästina zu besclileunigen. Alle anderen Wege sin«) länger als der Weg nach Palästina. Jedes Hundert Juden, das nach Palästina kommt, rettet Tausende, die in der Diaspora bleiben müssen. Wenn wir liier eine befreite־, bodenständige Gemeinschaft bilden, wenn wir unsere Zukunft selbst schmieden, dann werden wir bei nicmandem um Hilfe bitten müssen, dam* wird unser Vertreter nach Warschau und Budapest gclicn und unsere Rechte verlangen. Der schwächste Jude in Palästina ist stärker, als all die fremden Helden, die *ms helfen wollen. Aber zugleich müssen wir uns an das jüdische Volk in allen Ländern wenden und ihm mitteilen: Nicht für uns sind wir ins Land gekommen, sondern für das ganze Volk. Das Volk muß Sofort die nötigen Mittel be» schaffen, die die Arbeit beschleunigen können; denn cs gibt nur einen Weg und eine Hoffnung Aschkcnasys Mission ״Wilna ist polnisches Eigentum, mögen die Juden sich hüten, gegen Polen zu stimmen.“ Es stellt sich heraus, daß die Mission des Prof. Asclikcnasv. den l11»׳en neben l’ailerewski in den Völkerbund entsandt bat und der zurzeit in politischem Auftrag in London weilt, den besonderen Zweck bat, zu erwirken, daß von englischer Seite den Juden in W, ilna nahegelegt werden möge-, bei der Volks• abstiimiiiing, die notahcne unter, den Bajonetten des polnisclicn il’Anmuizio stattfinden wird, fiir Polen und gegen Litauen zu stimmen, ln welchem Sinne diese ״Beeinflussung•' von Aschkcnnsy gedacht ist, offenbaren die Ausführungen, die er gegenüber dem Redakteur der ״Jewisli Times“ gemacht hat. ״Die Majorität dpi Wilna er Bevölkerung ist polnisch, Wilna ist für Polen ein Heiligtum. Es w äre sehr verfehlt, wenn die Juden nicht für Polen s t i 111 in e 1* w ii 1 - den, sie würden sich selbst damit g e f ii h r - liehen Schailen zufügen.“ Man fragt sich, warum denn Polen einen so großcu Wert auf die jüdischen Stimmen legt, wenn die Majorität in Wilna ohnehin polnisch ist? Und ferner fragt man sich, ob ein Jude noch tiefer sinken kann als dieser Historiker, der den Wilnaer Juden ziemlich unverhüllt mit dein Pogrom droht, wenn sic es wagen, sieh .gegen Polen zu erklären und für Litauen, in dem sie nicht mir in Frieden leben, sondern eine weitgehende 11:1tioitale Autonomie besitzen. Es gehört die ganze Frechheit eines Renegaten dazu, tun zu glauben, Männer wie Mcntefiore und Earl R e a d i n g würden sich dazu liergeben, mit einem Aschkcuasy auch mir an einem Tisch zu sitzen. iXitl Aschkcuasy noch nicht getauft ist, verdankt die polnische Regierung lediglich einem ZiilaJk dem sie heute von Herzen dankbar sein wird. Er wirre, nachdem er auf Kosten jüdischer Gemeinden studiert hatte, längst Christ geworden, wenn nicht sein reicher Schwiegervater noch lebte, der immer noch Kaltau und Peies trägt und sehr energische finanzielle Maßnahmen treffen würde, wejui der Schwiegersohn sich taufen ließe. So kann es Aschltenasy passieren^ daß ihm das gleiche Schicksal zuteil wird, wie dem ehemaligen ״jüdischen׳• Vertreter Polens in Berlin, 1' c I dm a 11 11, der erst auf dem Totciihctte den entsehcLieiieeii Schritt tun konnte. Es ließe sich über die Vergangenheit Aschkcnasys nucli viel sagen, was sein Bild als das eines der übelsten Renegaten, die das Judentum je besessen hat, vervollständigen würde. Immerhin wird das bereits Angeführte hinreiehen, um auch den englischen Juden die Augen über diesen Mann zu öffnen, der sich auf erschwindelte ״zweihundertjährige Beziehungen zu den Juden Londons“ beruft, um sie seinen Plänen willfährig zu machen, die auf eine Vergewaltigung der Juden in Wilna hinausl,uifen. Balacliowicz-Bestien I >ie d ruppem des Generals Ralnrhowicz verüben in den meisten von ihnen eingcnonmimen Orten Pogrome nach Art der in der Ukraine vorgekouunenen. Aus zahlreichen Ortschaften werden derartige schauderhafte Einzeihe:ten gemeldet, dali einem fast das Blut erstarrt. Wir müssen natürlich auf die Wiedergabe der vielen Einzelheiten verzichten tmd greifen als Beispiel nur emu• Stadt, Kamieii Kaszurski (Uuivcineincu! Kowel) heraus, da cs ähnlich auch in allen anderen Städtchen \01gtng. Nach den im Jüdischen Natioualr.it 111 Warschau befindlichen Protokollen und Berichten gelangtet! die [ nippen Bal.icliowicz’ am 14. September nach Kamieii Beim Aufbringen der verlangten Kontribution wurde״ die aas Geld sammelnden Juden mehrfach beraubt 11 ml bestohlen. Nach Ucbergabe der Kontribution erklärte der Oberst seinen Soldaten: Jetzt unterhaltet euch. Eiu Offizier hieb der 1 achter von Elieser Eisenberg, die sieh der Vergewaltigung widersetzie, beide Fiisse ab, ^■clmitt ihr die Zugige aus und erschoß sie! zusamt ihren» ääjälirigen Vater und Ujährigeu Bruder, worauf er 11,1» Haus austeekte. Scheiitbrod aus Warschau wurde atiigehängt, losgekauft, jm nächsten Tage jedoch wieder verhnflet, und als sich lieraiisstellte, daß er seinerzeit Kandidat für den Reichstag war, erschossen. Der 70jährige Simon Bahr wurde mit Petroieuni begossen und :!״gesteckt. 111 die Wohnungen von Renzion Kartsin und Abraham Endin trieb man 10 jüdische Mädchen zusammen und vergewaltigte sie in* Laufe eines ganzen Tages. 30 Thorarollc« wurden zerrissen oder verbrannt; Dies alles ist eine stark gekürzte Aiii/ählifng der dokument,irisch festgestellten Grausamkeiten in Karnien. Im Protokoll folgt noch eine Liste der bisher festgestcllfci! Namen der 03 Ermordeten. (I.^l*. Z.) ״ W• 1״ Galizien wird seitens der ix.luisel״•״ Reaktion gegen das jüdische Kulturleben ein Kaumf mit unerhörten Methoden geführt. So werden beisnidsweise, trotz erteilter Erlaubnis der zuständigen Zentralbeliorde, von unteren Beamten jüdische Theatervorstcllungen aus ,fGründen, die das friedliche Zusammenlelx-ii beider nationalen Gruppen gefährden“, verhütete Aus denseben ״Gründen“ werden andere Kultnrüistitutioiien sowie die Einrichtungen des Pfad finderhundes ״Hasclioiner4‘ verboten , A־ y^• .A"1 A w• Mtsfa״d hi Bukarest die Erüff* nung der jüdischen Volksunivcrsität statt.

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