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Jüdische Rundschau · 1920-11-05 · Heft 78 (5.11.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 78 (5.11.1920)
Date
1920-11-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seife 500 Einigung und Reinigung A Dir erste Session der Asscfath hatiiw». s 1 V % : t . UEDISCHE RUNDSCHAU!־׳:,>■''־יי *'* .■י״,.■״׳■ ״■״-״ ■׳״—״ -*l>r>—־Vf T"»»r«״** Nr. 78 vlotv.Iatrigen den Roden entziehen wird. Es ist eine cnÄ51w?che .'•Nebenwirkung, daß die Pestbeule, die audes Jischmv gefressen hat, bei־dieser Oelce^nl/'lt aufft-ebrochen ist. Um die Zeitung i weh.'y:m« hat im wesentlichen nur eine Aufgabe erfüllt.' ‘*ivL־- . ... hat das legitime Organ der palästinensischen Juilln*^!^ Llajom" in Jerusalem, die immer selten den schuft geschaffen lind so den Grundstein zur Selbst Verwaltung der palästinensischen Judenschaft gelegt. Die IXMegiertenversaniinlung hat diesmal nur acht Sitzungen abgelialten und sich vorwiegend mit der formalen Frage der Kompetenz und Funktion der Versammlung selbst und des zu wählenden Nationalrates beschäftigt. Zwei Richtungen waren deutlich zu unterscheiden: Die linken Parteien, die Arbeiterschaft und das progressiv-demokratische Bürgertum, traten für eine möglichst weitgehende Autorisation der nationalen Selbstverwaltungsorgane ein, wällrend der rechte Block und das Zentrum, bestehend aus den Sepbardiin, den Kolonisten, dem Misrachi und dem!Israeli, dem Nationalrat nur eine mehr vorbereitende Rolle ztitcilen und weitere Beschlußfassung einem neu zu wählenden Parlament vorbehalten wollten. Der Grund für diesen Widerstand der Rechten ist wohl vor allem der Umstand, daß die gegenwärtige Zusammensetzung der Asscfath haniwcharini den linken Parteien ein Uebcrgewicht sichert. Aber nur ganz schüchtern wagten manche Redner die Rechtsgültigkeit der Wahlen in Zweifel zu ziehen. Durch die Teilnahme der Orthodoxen, denen trotz ihrer Abstinenz bei den Wahlen eine Anzahl Sitze eingeräumt worden waren, wurde diesen Einwendungen vollends der Boden entzogen. Die IX’balten standen, ,nach dem Bericht zu schließen, auf dem Durchschnittsniveau eines •curoplüschen Parlaments; dennoch war in manchen Reden der Hauch der jüdischen Wiedergeburt zu spüren, etwas von der Grundstimmung des ersten Zionistenkongresses, das Bewußtsein der Größe einer Stunde, in der das jüdische Volk wieder für sich selbst zu sprechen und unter eigener Verantwortung zu handeln beginnt. Die Redner der sozialistischen Parteien zeigten im allgemeinen große Versöhnlichkeit und stellten sich auf den Boden der Volkssolidarität; als Aufgabe dar Assefall! haniweharim erschien ihnen die Organisierung des Volkes, um derentwillen sie ihre eigentlichen Parieizicle /uriickstellten. Auch gegenüber den zahlreichen Angriffen der Rechten Jratea die linken Redner nur selten aus ihrer Reserve hervor. Die gefaßten Beschlüsse wurden in der Pcrmanenzkommission vereinbart, trugen also Kompnomißcaarakter. Sie begnügen sich mit der Regelung der formalen Fragen der Organisation und der Finanzen und übertragen dem gewählten Nationalrat die Ausarbeitung der Statuten, die Vorbereitung und Regelung der Details. Du׳ erste Session der Asscfath haniweharim ist ernst und würdig verlaufen und hat bewiesen, daß der Jischuw in den letzten harten Jahren zur Reife geschmiedet worden ist. Sowie die Wahlen in die kritischen Tage des Pessachpogronts, in eine Zeit der größten Erregung fielen, so stand jetzt die Tagung im Zeiärcn der großen wirtschaftlichen Krise, die die wichtigsten nationalen Positionen in ihrer Existenz bedroht. Wieder — wie zu Pessach hat der Jischuw seine Fähigkeit erwiesen, in der Stunde der Gefahr über alle Partcizcrsplittorung hinweg zusammenzustehen. Besonders hedeutu.igsvoll ist es, daß auch die Angehörigen der Gemeinden, die Sephardim, Jemeniten. Bucharer usw. zum ersten Male mit den Asdikcnasim geeint aufgetreten sind. Die Organisierung des Jischuw ist der erste Schritt zur Schaffung eines einheitlichen palästinensisdten Judentums, das auch zur Selbsthilfe fällig ist. Diese Bedeutung wird auch von der Bevölkerung klar erkannt und nach der Depression der letzten Tage hat das palästinensische Judcutum wieder Mut geschöpft. Der gewählte Nationalrat ist nunmehr die einzige berufene Vertretung des palästinensischen Judentums. Mit ihm hat die Zionistische Organisation zu rechnen, sic wird ohne seine Mithilfe die Verwalhing der inneren Angelegenheiten Palästinas nicht führen können. Die Mündigkeit und Selbstverantvvortung des Jischuw wird auch viel dazu beitragen, den Jischuw wirtschaftlich auf eigene Füße zu stellen. Aber audi die englische Regierung und der jüdische Statthalter werden zweifellos die Rechte der jüdischen Selbstverwaltung und ihr Organ anerkennen, Dadurdi ist endlich nach außenhin völlige Klarheit geschaffen und jeder Art Hin'ertreppen- Politik, die die Atmosphäre zu vergiften droht, ein Ende gemacht. Die Asscfath haniweharim hat auf diese Weise eine Reinigung des öffentlichen Lebens bewirkt, die besonders zu begrüßen ist. Seit Wochen ist von seiten gewisser Kreise eine erbitterte Agitation gegen die Asscfath haniweharim geführt worden, weil man befürchtete, daß sie gewisse Schäden des öffentlichen Lebens brandmarken und Charakter der widerlichsten Sensationspresse taig, die die Nerven der Bevölkerung durch erlogene Tendcnznicldungcn und übelste persönliche Klatschgeschichtet! reizte, dabei einem sprachlichen Barbarismus huldigt, der jedem Freund der hebräischen Sprache geradezu als Beleidigung erscheinen mall, hat sich eine Gruppe von levantinischen Politikastern geschart, die es sich zur Aufgabe machte, die Autorität der Asscfath haniweharim zu untergraben. Die Zeitung schreckte auch vor dem Mittel der Denunziation nicht zurück, und ihr beliebtestes Argument war die Behauptung, die Asscfath haniwcharim sei nur ein Mittel zur Einschleppung des Bolschewismus nach Palästina. Alle fühlenden Männer, besonders auch U s s i s c h k i n, und der als Vorsitzender des Waad Hasmani hingebungsvoll tätige Dr. Thon wurden persönlich in der ge-!lässigsten Weise angegriffen und mit Kot boworfen. Männer wie Ben-Jehuda, die stets die erbitte rtslcn Feinde der Orthodoxie waren, wurden plötzlich Verteidiger der Rechte der Orthodoxie und behaupteten, die Versammlung sei keine wirkliehe Vertretung der palästinensischen Judensclraft, weil die Orthodoxen nicht an den Wahlen teilgcnominen hätten, obwohl erwiesenermaßen sich über 70 Prozent der Bevölkerung beteiligt hahen und auch mit den Orthodoxen später eine Einigung zustande kam. Eine besondere Agitation wurde unter den Kolonisten Judäas getrieben, und zwei Tage vor Eröffnung brachte ״Doar Hajoiii“ in großer Aufmaclmng die Nachricht, daß die Kolonisten vom Petach Tikwah und Rischon-le-Zioti ihre Delegierten abbemfen. Später wurde allerdings fcstgcstcllt, daß in den vom Redakteur des ״Doar Hajom" voranstalteten Versammlungen dieser Kolonien, wo die Beschlüsse gefaßt wurden, nur ein kleiner Bruchteil der Kolonisten anwesend war. Der Haß der Koj lonistcn gegen den jüdischen Arbeiter wird mit allen j Mitteln geschürt, um eine reaktionäre Koalition! zustandezubringen. Dieses beispiellose Vorgehen | werde von allen Parteien mit größter Entrüstung I autgenommen, und in der Asscfath haniweharim brachten die Journalisten einen Antrag ein, worin sic jede Gemeinschaft mit ״Daar Hajom" ablehnen j und gegen seine Haltung mit Nachdruck proj testieren. Die Resolution wurde einstimmig ange-! noinmen. Dem glanzvollen Verlauf der ersten De• J legiertenversnnnnlung haben diese Intrigen nicht geschadet. Aber sie haben schonungslos enthüllt, welche schwere Gefahr dem gesamten Jischuw droht, wie sehr auch *in Palästina die verwerflichsten Methoden eigensüchtiger, das Gesamtwohl unbedeutlich preisgehender Politik sich eingenistet haben. Dies ist keine interne Angelegenheit Paliistinas mehr, es ist eine Angelegenheit der gesamten zionistischen Bewegung, welche sich mit Empörung gegen diese Schädlinge der jüdischen Sache, gegen diese Krämer und Wechsler in dem Heiligtum Zion wenden und alles aufbieten muß, um diese Gesellschaft hinauszujagen oder unschädlieh zu machen. Das Gallith•(ieschiek, das überall Mauschel den! Juden auf dem Fuße folgt, darf nicht in Ercz-Isracl seine Auferstehung feiern. Jene . Personen, die die Selbständigkeit des Jischuw, seine politische Organisierung vereiteln wollen, um besser im Trüben fisdien zu können, um durch das Intrigenspiel unkontrollicrbarer Zwischenträgerei bei den Machtfaktoren im Lande eine Stellung zu erobern und ihre persönlichen Zwecke zu fördern, müssen ein für allemal in der Ocffentlichkcit un• möglich gemacht werden. Der würdige Verlauf der Asscfath haniwcharini hat das Ansehen des palästinensischen Judentums und seiner gewählten Vertretung nach innen und nach außen gehoben. Die Autorität des Nationalrates wird mit seiner Arbeit und seinen Leistungen wachsen. Das palästinensische Judentum wird von nun an innerhalb der zionistischen Bewegung und innerhalb des gesamten Judentums eine führende Rolle spielen können, wenn es geeinigt, gefestigt und zielbewußt an die Lösung seiner Aufgaben heran geht. R.W, Ein Dementi Felix War bürg hat gleich nach seiner Rückkehr nach Amerika die allgemein verbreiteten Ocr&dhtc, er hätte in Europa Verhandlungen gepflogen, um wpmöglieh die jüdische Einwanderung nach Amerika einzu* dämmen, aufs energischste dementiert, Eine derartige Tat in der jetzigen kritischen Zeit würdeer gerade zu als verbree herischbezeichnen.. Erez-Israel Der Waad Haleumi beim Oberkommissar Laut Beschluß des Waad Leumi vom 30. Tisdtri stellten sich ain 3. Oiescltwan die Herren Dr. Thon, David Y eil in und Ben-Zwi dem Obcrkommissnr vor, um ihm über den Verlauf der Asscfath haniweharim zu berichten und ihm ihre Resolutionen initzuleilen. Jaffas neuer Hafen Wie die ״Zionistische Korrespondenz" mit teilt, hat Herr Tolkoxvskv, der Vorsitzende der Hafen• kommission für Jaffa, die Milteilung gemacht, daß du• Verhandlungen mit einer bekannten Hafenbaufirma bvziiglich des Haues des Hafens von Jaffa un.1uittc1b.1r vor dem Abschluß ständen. Der künftige Hafen wird zehn Füll (tauscnd-Tons-Schiffcn Unlerkuiift gewähre! können, seine Tiefe wird 30 Fuß betragen. Ein Ted des Meeresbodens wird troekengelegt werden, und »s werden an dieser Stelle Lagerhäuser errichtet werden Der Hafen soll mit den modernsten Einrichtungen ver• sehen und so angelegt werden, daß eine Erweiterung jederzeit möglich sein wird, Ostjordanland und britische Verwaltung. Wie du arabische Zeitung ״Muktahas" meldet, haben die lk■• wohncr des Adsdilun (nördlicher Teil des _ Ostjordan■ Landes zwischen Tiberias- und Mcromsee) eine Abordnung nach Jerusalem an den Oberkommissar Sir Her• bert Samuel gesandt mit der Bille, die Verwaltung dieses Gebietes /u übernehmen. Durch die Wüste Gobi nach Palästina, in 1 .! lästina langte eine interessante Einwanderer,״ruppe aus Sibirien an Es handelt sich um zwölf Personen unter Führung von N'oweineski, dem Vorsitzenden des Jude sehen Nationalratcs und der Zionistischen Organisation •Sibiriens. Nur mit großer Mühe hat diese Gruppe von der bolschewistischen Regierung die Ausreiseerlaubnis bekommen, indem sie sich als Vertreter des ameriki.nsehen Joint ausgah. Als die Auswanderer bereits unter• wegs waren, wurde ein Verhaftungsbefehl gegen sie er• lassen Die zwölf Personen haben eine unsäglich schwere Wanderung durch die Wüste Gobi vollführt, bis sie schließlich nach langer Reise Palästina erreichten Sie bringen bedeutende Mittel mit, die, sie /u Industrie zwecken in Palästina verwenden wollen. Berlin- Palästina. Die am besten benutzbare Reise route für den Personenverkehr nach Palästina führt ztiizeit über München -Innsbruck Triest. Ein Weg von Berlin aus über Wien wäre wohl infolge «lei Österreich(• sehen Valuta etwas billiger, ist aber infolge der derzeitigen Verhältnisse in Oesterreich äußerst umständlich und zeitraubend. Man fährt von Berlin bis Triest 35 Stunden, von Berlin nach Wien ebenfalls in Stunden, von Wien nach Tiiest zirka 21 30 Stunden. Von Tri! -t aus gellen folgende Dampferlütien nach der Levante, beide dein 1 loya Triestino gehörend: 1. Die Eillinie Triest Alexandrien, betrieben mit Dampfer ״Helotian", abfahrend je Jen zweiten Sonntag, d. h. 11. November, 25. November, 5. und 23, IWembcr. I ahrtkosten: 1. Klasse C, II. Klasse 2h. 11, 111 Klasse 11. Zwischendeck 4.15 L. 2. Die Postlinie, die von Triest aus alle wichtigeren Häfen der italienischen und griech:'• selten Adriaküste berührt und dann Alexandrien Fon Said—Jaffa -Haifa—Beirut und die klcinasiatlschc Küste anläuft. Während die Dampfer der Eillinie für die Fahrt bis Alexandrien fünf Tage benötigen, braucht du• Postlinic bis Jaffa zirka 15 Tage, da diese Dampfer mehr Gewicht auf den Frachtenverkehr als auf den Passagierverkelir legen. Auch diese Dampfer gehen 14 tägig, abfahrend am 14. und 23. November, 12. und 25. Dezember. Fnhrtproisc: Triest—Jaffa resp. Haifa I. Klasse 3(».— C, II. Klasse 27.— •C, Zwischendeck 5.10 C. Die Fahrt Berlin—Triest kostet III. Klasse zirka 330 deutsche Mark. Von Alexandrien aus können die Passagiere sowohl mit der Bahn als auch mit dem Dampfer weiterfahren. Die Bahnfahrt bis Jaffa datiert zirka 24 Stunden und kostet 1.1 C; die Schiffsreise »lauert etwa 2-3 Tage und kostet 1.9.5 C. Schiffsfrachtraten. Die Schiffsfrachtratcn von Ham bürg (f. o. bj nach Jaffa stellen sieb zurzeit folgender• maßen: Glaswarett 70 Schilling, Meta4\ Bisen-, Kurz• waren oder Bücher 70 Schilling, Möbel uit'.l Batunwol!- waren Öß Schilling pro Kubikmeter oder 1000 kg. (Ver• Schaffung einmal monatlich.) Stadtverwaltungen. Der Otxtrkommissar hat eine Kommission eingesetzt, um das Geschäftsgebaren und ins besondere die Finanzen der Stadtverwaltungen Palästinas zu überwachen und die nötigen Reformen uurchzuführen Als Leitprinzip ist die Forderung aufgestellt, daß die Einnahmen alle Ausgaben sowie den eventuellen Zinsendienst für die in der Zukunft nötigen Anleihen decken müssen. Die Kommission soll die notwendig gewordenen Arbeiten gutheißen und ihre Deckung durch speziell» Steuern oder sonstige Einnahmen sichern. Resolutere Aufmerksamkeit soll die Kommiss'on der Stadt Jerusalem schenken. Zu diesem Zwecke sind der Kommission mehrere Herren attachier». daruntei Herr David Yc 11i n. * Die Norntalspttrbaltn Jerusalem -Tel-Awiw Jatn wurde am 5. Oktober dem allgemeinen Verkehr uh»'• geben. Am 20. Oktober hat in Jaffa eine große fandwirtscbaftliche Ausstellung verbunden mit Pfcrdckon• kurrenzen stattgefunden. In Beantwortung der Ncujahrswünsdhc der Kok»• nisten aus Sichrem Jakob erklärte Baron Edmond Rothschild, in allernächster Zeit nach Palästina kommen zu wollen. Lauf Meldung des ״Hnpoel-Ha/ai'r" vom 8. Oktober kamen In den letzten zehn Tagen insgesamt 800 Per• sonen nach Jaffa. Der ״Doar Hajom" vom 14. Oktober veröffentlicht ein von Michlin entworfenes hebräisches Morse• Alphabet. , Prof. J a h u d a ist am 8. Oktober In [erusakun emgetroffen. *t £

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