Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXV (1920)
- Issue
- Heft 78 (5.11.1920)
- Date
- 1920-11-05
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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F»*־ P«»i*p״ri״**״!״t1n« Pr»f, K«nU Mt «n-! *»<ווי-ייי^יי• י״ ׳יי י.־׳ 24 Chcsclnvan 5681 I XXV. Jahrg. fftua״» uisser CTf®atllcV1f«ieM!1a» :esl^ert«■ KaJra.tStt« la Padßatlna. ״Bseeler Projjrimsra*1 Die Bestimmungen »k/j imolii, Btf.;:•', wa ttenlsr;! |t llunj; f־i> IltuudscliM; mer! Istiiau!1.. 1. 2. 3. is? j I '! de»; ׳• »t und l; 1und; ' •1< : .;r/r Eine Rede Weizmanns 1000 000 Dunam Regierungsland zu Kolonisationszwccken 111 der vergangenen Woche haben in London zwei Versammlungen siattgefuntlen, in denen Clnjini Weiz mann zugunsten des Keren hajessotl über die •zionistischen Fragen gesprochen hat. Line dieser Veranstaltungen. - ein Massenmcetiiig der English Zionist Federation --- wurde von Sir Alfred Mond geleitet, der bei dieser Gelegenheit /um ersten Mal in breitester Oeffcnt- Iichkeit sich an einer zionistischen Aktion in leitender Stellung beteiligt hat. Anläßlich der Aussprache, welche den Reden folgte, gab Woizitiuim einige wichtige Erklärungen ab. I'nnach wird das Mandat folgende Punkte enthalten: den Beschluß von San Remo, die Verpflichtung Englands, mit allen Mitteln die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina zu fördern, die Bestimmung, daß bei der Regierung in Palästina eine ständige Vertretung der Zionistischen Organisation sowie der anderen am Aufbau beteiligten jüdischen Organisationen eingesetzt wird. Außerdem werden in einem besonderen Vertrage die Beziehungen zwischen der Zionistischen Organisation und der Mandatarmacht fcstgclcgt, insbesondere betreffs des Einflusses der Zionistischen Organisation auf die. Besetzung des Postens des Oberkommissars. Auf eine Anfrage über die nächsten Arbeiten der Organisation in Erez-lsrael antwortete Weizmann: Der Arbeitsplan, den die Zionistische Organisation übernommen hat und demnächst verwirkliehen will, besteht aus drei Teilen: 1. Die Urbarmachung einer Million Dunam Boden, die die Regierung uns zu Kolonisatsonszwcckcn übergeben wird. Diese Arbeit wird ungefähr 3 Millionen Pfund kosten. Dieses Gebiet ist aber nur etwa־ ein Drittel der Ländereien, die bei genügendem Kapital von der Regierung zu Zwecken der jüdischen Kolonisation zur Vcrf ügung gestellt werden können 2. Palästina hat keine Kohle und kein Pctroleum, dagegen kann man aus den vielen | Flüssen im Lande elektrische Kraft gewinnen. Ein ausführlicher Plan der Irrigations- und Wasserversorgungsarbeiten ist vorhanden. Die Arbeit, die in der ersten Zeit ungefähr 6000 Arbeiter beschäftigen wird, wird gleich nach der Regenzeit beginnen. 3. Der Wohnungsmangel, der in Palästina besonders fiihlbar ist, muß beseitigt werden. Das kann aber mir geschehen, wenn genügend Hypothekarkredit vorhanden ist. Bei den genannten Arbeiten können im ersten Jahre 30000 Mann beschäftigt werden. IS M, ן und M. Welzmanns Rede Die Zionistische Organisation irr England veran- 5'altote in vergangener Woche in Assntnbly Hall eia Massenmeeting, auf dem Cliajim Weizmann über , den gegenwärtigen Stand der Bewegung sprach. Die; Versammlung erhielt eine besondere Bedeutung dadurch. <la» zum ersten Male I Sir Alfred Mond, 51er englische Verkeilrsminister, als Vorsitzender einer j 10׳'iistisclien Veranstaltung fungierte, Er eröffnete die Versammlung mit einer längeren Ansprache, in der ״ es sei iin allgemeinen nicht üblich, daß sich ücr Vorsitzende mit einer Ansprache an das Publikum wendet, er empfinde es jedoch als ein stolzes Vorrecht, «‘״er so imposanten Versammlung zionistischer Gesüinungsgenossen vorstelien zu dürfen, die zusammen- 1 "^treten ist, um ihren großen Führer und Staatsmann! -Nun Weizmann zu höret). Er erinnere sich der Lr sei Au!‘gaben d a s wogung in der heule sehr viele wertvolle Stunde, in der vor vielen Jahren Tticodor Hcril im selben Raum die Rückkehr der Juden in ihr Land prophezeit habe. Hcr/ls Traum sei heute Wirklichkeit '-ewordon Wir stehen heute nicht mehr Theorien gegen- Über, sondern greiibaren und drängenden Auigaben politischcr, vorwalliingsteclniischer und tiiiaii/ieller N.Uiir. iiher/.e11!׳t ela von, daß das jüdische Volk diese . mit Erfolg lösen würde. Beweis lueitur sei außerordentliche Anwachsen der Beletzten Zeit und die Iatsache, daß Menschen zu uns kommen, die vor kurzem dem Zionismus gleichgültig oder gar feindlich geireiiiilrerstandeii. Heute komme es aber mehr denn je darauf an, dal! das Bekenntnis /um Zionismus kein leeres Lippenbekenntnis bleibe. Der Wij.e zum Ziel muH sich jetzt in erster Lime in der Grelle des finanziellen Opfers für den Keren hnjessod zeigen. ״Wir haben*', sagte Sir Mond, ,.so viele Lander schon finanziert, daß cs jetzt an der Zeit ist, das Land zu finanzieren, aus dem wir gekommen sind und in das wir zurückkehren wollen. Wir haben so manchen wertvollen Dienst der Entwicklung anderer Länder geleistet, und cs kann kein Zweifel darüber herrschen, daß wir auch die Möglichkeit finden ■werden, Ercz-Israel zur Biiite zu bringen.*‘ Es sei die Aufgabe des jüdischen Volkes, denen die Arme zu stützen, die als seine Führer ihm den Weg in das Lund bahnen werde» Cliajim Weizmann begann reine in Jiddisch gehaltene Rede mit ein ein kurzen IJcbcrblick über die politische Arbeit der Leitun«;, die zu San Remo geführt hat. Nun sei es an der Zeit, mit aller Deutlichkeit diejenigen Wünsche des jüdischen Volkes auszusprechen, von denen es yrwurten mul!, daß ihre Erfüllung durch den Maiidatsvertrag mit England gewährleistet werde. Wir wollen nicht mir eine Kolonie, und es ist uns nicht mir darum zu tun, eine Siedlung zu erhalten. Was wir erstreben, ist cm jüdisches Volk und ein j ü d i s c h e s G e m e i nwesen. Er wisse nicht, wann das jüdische Gemeinwesen vollendet sein werde, ob in K) oder üi '20 Jahren, nach einer oder nach zwei Generationen. Das h.'inge allein von den Juden selbst ab, und es sei die Pflicht der zionistischen Führer, das jüdische Volk so zu erziehen, daß es sich selbst seine Wünsche so schnell als möglich erfüllen ' könne. Welches aber sind die Grundlagen, auf denen das jüdische Gemeinwesen aul'gehaut weiden kann, welches die Bedingungen für das noütiselt». Lehen, und die Verwaltung? War wünschen imu verlangen, daß diese Bedingungen ganz klar im Mandat ausges pro dien sein sollen und in jedem politischen, Dokument, das die Friedenskonferenz der britischen; Regierung geben würde. Wir verlangen zunächst, daß die Verwaltung E re .׳.-Israels die Sciiatfung einer jüdischen Majorität im Lande gewährleistet und daß 'die Juden entscheidenden Anteil nehmen so.'fcn am ganzen politischen Leben des Landes, so daß sie ilim ihren btempei awurucken tonnen. Wir verfangen eine Verwaltung i!1 Erez-lsrael, die nicht allein mit dem Ztonis- 111ns sympathisiert und ihm verständnisvoll gegenübersteht, soiulcrn die ihm zum Leb« 11 verhjlft. Es ist sehr erfreulich, daß die ersten Anfänge bereits aile diese Wünsche zu berücksichtigen scheinen.!Der augenblickliche Oberkoiumissar von Palästina ist Zionist. Lr wird die Interessen aller Bevölkerungsteile vertreten. aber er weiß wohl, daß der Hnuntprogrammpunkt seiner Verwaltung der Aufbau des jüdischen Lebens in Palästina sein müsse. Wir glauben tmd sind fest überzeugt davon, daß das zionistische Programm nicht im Wider• sprach sieht zu den Interessen der Araber in Erez-Isracf. Vor allen Dingen aller erklären wir und verlangen, daß wir int Namen von Millionen Juden sprechen und so ein historisches Recht auf Erez-fsraef und den Wiederaufhau unseres Volkslebens besitzen. 111 der Verteidtgtmg dieses geschichtlichen Rechtes kämpfen wir nicht Walten des Krieges, sondern mit denen der schaffenden Arbeit. Wir können nicht dulden, daß das jüdisch-nationale Heim in der Luft hängt. Unsere besondere Forderung ist es, daß jeder Zoll Landes, der in Ercz-Israel frei ist oder brauchbar gemacht werden kann, den jüdischen Massen zur Verfü״u״״ gestellt wird, die nach Erez-lsrael kommen. Wir brauchen deshalb niemandem sein Recht zu verkürzen. Wir wissen daß HunderUatisende, ja Millionen neuer Menschen in Lrez-Israel leben können, wenn nur Land für sie geschaffen wird. Wir verlangen von der Regierung solche Gcsefzc und Bestimmungen, die diese Zwecke fördern. Liiuhcli verlangen wir, daß lx!i dem wirtschaftliche» Atilbau des neuen Heims bei allen großen Arbeiten uen juue» clk* erste Ücteili^uii^sjyeltyenlieit zu a!4Temesr.eiiei1 Bedingungen gegeben wird. Das jüdische ld״pkiT״,t1'bU1rtflt׳ A^1!ll?"c1‘ iäl di<-־ Oedländer Palästinas lunu.i/uslcckcii. Es ist bereit, seine Kraft, sein Geld und sein Wissen dafür einzusetzen, daß Erez-IsracI zur Biute gelangt aber die Gelegenheit hierzu muß ihm jm weitesten Maße gegeben werden. Von diesen drei Bcduigungcn kann dte zionistische Bcvvegun״• nicht ab- (וי Ph U/Kl Voraussetzung für sie alle ist die Möghciueit f re 1 e r E1 n vva nderung nach Palästina. Die Verwirklichung dieser Grundsätze, fuhr Weizmanu.fort, hange von zwei Faktoren ab. Zunächst von ücr engaschen Regierung. Die englische Regierung!11110 unsere Forderungen verstehen, und Weizmann glaube, daB das der Fall sei. Die Regierung habe durch die Bestimmungen Sir Herbert Samuels bewiesen, daß sie mit uns übercinstimmt, und, obwohl die Einwanderung nach Erez-lsrael noch beschränkt ist, können bcrcits SO 000 Juden die Erlaubnis zur Einreise erhalte». Die englische Regierung tue altes, was angesichts der immerhin schwierigen Umstände von ihr verlangt werde» könne. Aber Regierungen und Zeitumst.inde wcchsem. Das Werk des Zionismus will nicht gebaut vem für de» heutigen Tag, sondern für eine lauge Folge von < icnerationeii, und in dem Augenillick, wt» mau die Gnu ul* mauern dieses Gebäudes lege, das ewige Zeiten stenen soll, müßten alle die Dinge, von denen er gesprochen habe, so deutlich gesagt werden, ual> das ganze jüdische Volk sie v e r s t e h e!1 k o n 11 e. Der zweite Faktor, von dem alles abhange, ist das jüdische Volk selbst. Fr sei überzeugt davon, daß alle» leichter sein würde, wenn erst einmal in I.ivz-lsrael eia Anfang gemacht worden sei. Man sagt, daß in der zionistisebeu Bewegung eine Krisis ausgebrochcn sei. Die wirkliche Ursache 51er Krisis ist der Beschluß von Sa» Remo, jetzt stehen die Zionisten vor Alltagsaufgabe». Das hat die Krisis im Zionismus hervorgeruteii, und ati* ihr muß man herauskotnnieii. Weizmann sprach sodatm über die Grenzfrage. ״Wir können nicht gestatten, daß diejenigen!eile de» Landes 'uns abgeschabte״ werden, die uuerläP.lidt sind rür seine Entwicklung, und die wir früher einmal be•־ sessetr haben.*‘ Diese Frage hänge nicht mehr voa der englischen Regierung ab, sondern von der französisehen, die sich bisher den zionistischen Ansprüche» gegenüber freundlich erwiesen habe. Wenn die französische Regierung die Wichtigkeit der Gren/frage nicht zu verstehen scheine, so sei dies die Schuld der französischen Juden. Es sei bitter tür ihn, den französisclwu Jude» solche« Vorwurf machen zu müssen, aber cs sei seine heilige Pflicht als Führer der zionistischen Bewegung, zu erklären, daß ntit der einzigen rühmlichen Ausnahme de» Barons Edtnond Rothschild und einiger weniger anderer es unter den Juden Frankreichs niemanden gegeben habe, der geholfen hat. Der Oberrabbiner von Paris hat am Jom - Kippur nichts besseres zu tun gewußt, als einen scharfen Angriff gegen den Zionismus zu richten, den er als eine Illusion und Narretei bezeichnet hat. Kann es da wundernehmen, wenn die Erklimmgen der französischen Regierung als ein Echo solcher Auffasstmgen erscheinen? Was ist in Erez-Israet zu tun? Die Liiiwundeiuitjf hat begonnen. 1200- 1500 Einwanderer kommen jetzt monatlich in das Land. Diese Zahl muH als sehr hoch bewetdet werden, wenn man die .uigcnblickuchen Verhältnisse in Betracht zieht. Wenn diese Bedingungen weiter so bleiben, würde Erez-lsrael auf lauge Zeit hinaus nicht in der Lage sein, eine größere Anzahl von Menschen ani/um׳hnum, Die Zionistische Organisation müsse sich dafür \crbürgen, daß für diejenigen Neuankömmlinge, die ohne Mittel sind, Arbeit beschafft werden könne. Diese Garantie konnte vorläufig nur für HMKj Mann gegeben werden. Ob sie weiterhin erteilt werden kann für die vielen Tausende, die nach Erez- Israel wollen, hänge von den Zionisten und dem jtidisehen Volke selbst ab. Unter ddn Emigranten war eine große Anzahl unverheirateter junger Leute, Chuluzim, die sich mehr oder weniger für Landarbeit vorbereitet hatten. Für diese war Arbeit zu beschaffen Fs ist »her unsere tMiiehi, dafür zu sorgen, daß da׳ »ihrigen Tausende nicht in langen Zügen als A,rbcits!o<is durch: die Straßen Jerusalems ziehen. Zum Schluß ging Weizmaim noch auf die Frage des amerikanischen Zionismus ein. Der Zionismus in Amerika' hat seine eigenen Ansichten iibcr die Arbeit in Pa-!astiiia, '*und viele von ihnen sind zweifellos richtig und gesund. Wenn die amerikanische Organi sation wünscht, daß die (Kilästincnsische Arbeit in ernster, ge-, schädlicher Weise geführt werde, so stimme, man mit ihr vollkommen überein. Die amerikanischen Zionisten' - dessen sei er sicher -- liegen keinerlei Wunsch, daß jede' einzelne Föderation, die englische, die russische, die. סין Inisc 1e tisw., ihren eigenen Zionismus für?'di mache. .Sie wünschen eine straffe zionistische Weltorganisation. Von einzelnen praktischen •Fragen abgesehen', gehe es keinerlei Differenzen zwischen ihm und den Amerikanern, und cs werde alles geschehen, um auch diese zu klare» und aus der Welt zu schaben. Er hohe, nach Amerika gehen zu können tmd dort zu der jüdischen Oeffcnt* Iichkeit zu sprechen. Er sei überzeugt davon, daß die: Amerikaner mit allen gemeinsam arbeiteu würden.. Weizmann schloß mit einem zündende» Appell für' den Keren hajessotl. Kein Jude dürfe siel» jetzt der Pflicht, am Wiederaufbau tcilzunehmcn, entziehen. Wer cs dennoch tue, müsse verfehmt seit» wie ein Soldat der im Kriege seine Falmc verlassen hat. , * , Druckfehlerberichtfgung. . In der letzten Nummer der ״Jüdischen Rundschau** 1 hat leider der Druckfehlerteufel sein boshaftes Spiel , m geradezu unerlaubter Weise getrieben. Er hat aus dem ״Waad leumi“ einen ״ ׳Waad leomi•* oder gar1 ״- lesnoi“ gemacht und 11er״׳Assefall“ die Endung des Status construaus auch dann angclüingt, wenn das Wort י nicht in der verbundenen Form stand. Endlich hat׳ er behauptet, daß der Jjschuw sidh in allen Palästinafragen der ״zionistischen Weltanschauung‘׳ unterwerfe''’ wahrend er sich natürlich der ״zionistischen Weft- Organisation unterstellt: hat.׳׳*.; ־,, ״. ׳״״״,.