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Jüdische Rundschau · 1920-10-29 · Heft 76 (29.10.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 76 (29.10.1920)
Date
1920-10-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 76 JUEDISCHE RUNDSCHAU Die erste 11 «Hl fl iiclii Die Beschlösse I. Die Assefath lianiwcharim ist die höchste Instanz für alle öffentliehen und nationalen Angelegenh e i t e n des jüdischen Volkes in Pa- 1 ä s t i n a und seine einzige Vertretung nach außen wie nach innen. '2. Die Assefath haniwchariin legt mit ihrer ersten Session den Grundstein der nationalen Autonoiniv des jüdischen Volkes in Palästina. 3. Die zweite Session findet spätestens im nächsten Ijar (Mai) statt. -1. Die Dauer der zweiten Session wird von der zweiten Session selbst bestimmt. 5. L);e Assefath hauiweharim wählt einen N ational rat (Waad leiiuti) im Verhältnis von 1: 10 zu der Zahl der Delegierten. (>. Der Nationalrat führt die Geschäfte des palästinensischen Judentums gemäß den Resolutioiien der Assefath haniwchariin und ist ihre Vcrtretuug nach außen und nach innen. 7. Der Nationalrat hat für die Lcgalisicrung der Assefath 'haniwchariin und der von ihr geschaffenen Institutionen zu sorgen. S. Die Assefath lianiwcharim bestimmt sofort ihr Billiget, sowie das Budget des Nationalrates und seiner Kommissionen und beauftragt den Nationalrnt, dieses Budget aufzubringen. 0. Die Assefath lianiwcharim beauftragt eien Nationalrat, einen allgemeinen Stellenplan für die Bedürfnisse des Jischuw auszuarbeiten und ihn der zweiten Session zur Bestätigung vorzulegen. Hl. Der Nationalrat wird beauftragt, ein Wahlgesetz für die Assefath haniwchariin, die Städte und Kolonien a 11 szuarbeiten und der zweiten Session vor/ulegen. II. Der Nationalrat wird beauftragt, ein Gemeindestatut auszuarbeiten und der zweiten Session vorzulege». 12. Sämtliche vom Nationalrat ausgearbeiteten Projekte und Statuten sind der zweiten Session vorzulegcii und einen JVojiat vor der Einberufung der zweiten Session zu veröffentlichen. Bericht (Von unserem palästinensischen Korrespondenten,) Im grollen Saale des Alliance-Gebäudes in Jerusalem fand iinnim'lir nach zweijährigem, Warten der Kongieß der |u1l;isunc1Kischen Juden statt. Das Erötinmigsbikl war durchaus eindrucksvoll und imposant. Der Saal war gesehiiniekl mit Bhiinen und hlauweiitc-n Bahnen, die Sitze nach europäisehciii parlamentarischem Muster von links nach rechts gr-antnet. Zuerst kam die Orlliodo\k־, Mi-srachi. dann die Bauern, Bürger, sodann die Arbeiterschaft (I lapoel-11.1/ai'r und. Achduth 1 laawoJah), Die Presse war durch zirka 60 Personen vertreten. Für die Gäste waren besondere Plätze reserviert. An den Wänden waren die Wappen der zwölf Stämme angcbracht, au der Präsidententribüne hing die schöne Fahne des Maccabi (der Jerusalemer Turnersehaft) und ein großes Herzibikl. Links hingen die Bilder von Weizmann, Ussiselikiu, Sokolow und Nordau, gegenüber die britisdie 1.111111• und Bilder Lloyd .Georges, Balfonrs und Herbert Samuels. Ferner schmückten den Saal ein altes Bild des iiapoleonischcu Synhcdrions, sowie die Bilder 1 raiapeklors mul Jabotinskvs. De Autreehterlialtuug der Ordnung halte du■ jerusalerner Turneisdiafl Maccabi übernommen. Besondere Freude herrschte bei der Ankunft der Delegierten aus Galiläa, die infolge einer Eiscnbnhustörimg erst kurz vor der Eröffnung kommen konnten. Ein buntes Bild boten dar Trachten der verschiedenen 1 Me;:!erteil, besonders der Sepliardim, die in ihren biintseidcnen Gewandern;111 der äußerst«! Rechten Platz genommen hatten. Um 1 ,9 Uhr erschien ■der Jerusalemer Oberbürgermcister, dein ein Ehrenplatz zwischen Ussischkin und Df. Ruppiu am Präsidcnlentisdi reserviert war. Um ,.יי*׳ Uhr ertönte die Glocke, und der Vorsitzende des Waad hasnuni (VorbereiUmgskonunission)!>. Thon erhob sidi und hielt die einleitende Rede. Er Eröffnungsrede Dr. Thons, cnzählt die Entwicklungsgeschichte des Ge- Wahlrecht das vollkommenste in der ganzen Welt ist, und auch die kleinste Minderheit zur Geltung *ko.n1 mein kan«. Ein Eiiiwaud der Orthodoxie war das Frauen- Wahlrecht; wir müssen uns aber zur Ebne aurcdinen, die Frauen vom Aufbau Palästinas nicht ausgeschlossen zu habe». Auf der Tagesordnung stehen nur Punkte, die aulleihalb jeder Pariei■ «der Meinungsverschiedenheit sind. Wir wollen jetzt die gemeinsame Basis für unsere Arbeit schaffen. Wir wollen nur den Rahmen maclieu und denken nicht daran, Gesetze für das zukünftige jüdische Gemeinwesen in Palästina zu geben. Die Aufgabe der Assefath ist, eine Vertretung des gesamten Jischuw zu schaffen, die altem berechtigt wäre, im Namen des Jischuws nach außen wie nach innen zu sprechen. Wir müssen eine Vertretung haben, um. mit (kr größten und wichtigsten jüdischen Organisation zu vcrkehren, die berufen ist, unser Ideal zu verwirklichen. Das ist die Zionistische Organisation. Die Diaspora kann nur vorübergehend eine Zufluchtsstätte bilden; ein Heim, ein Zentrum wird aber nur Palästina werden. Die zukünftigen Generationen werden noch zu erzählen wissen von den 1 leidentaten unserer Chalu/.im, die jetzt in Palästina Wege bauen, Sümpfe trockenlegen und die alten Terrassen auf den Bergen Judäas wieder buchtbar niacheii. Ebenso wichtig ist unser Verkehr mit den Arahem. Es wurde behauptet, dal', die Araber sich ebenfalls organisieren können, wenn wir dies tun. Wir erklären, hiermit, daß wir durchaus nicht eifersüchtig sind, und daß zwei organisierte Körperschaften viel leichter nütein.amlcr verkehren als ein/elye unverantwortliche Personen. Wir kehren ».־ich dem Orient zurück, um die uns verloreiigegatigene Lebenskraft wieder zu gewinnen. Das arabische Volk braucht westliche Kultur, und cs ist im Orient Platz für beide Völker. Wir verlangen mir Vertrauen und Wohlwollen. Wir hoffen, daß wir uns verständigen und gernensam arbeiten werden. Die Regierung des britischen Volkes, dem wir unser Schicksal auvertraut haben, wird unsere Vertreter gesetzlich anerkennen, und wir glauben an das Wort Wei/inaiins: ״Die Verbindung zwischen England und dem jüdische:! Volke ist sowohl eine Vernunftwie eine Liebesehe•'. Sowohl die gemeinsamen Interessen, wie die gegenseitige Achtung dieser beiden Völker sind eine gut.r Bürgschaft für die fkauer dieser Ehe. Die schlimme Zeit ist vorüber, und wir hoffen, unter dem ersten jüdischen Statthalter glücklich und in Liebe leben zu können. Nachdem Dr. Thon .ווו die Ver.uitw.irtuu Stunde erinnert hat, sprach er nach Irosiw unsere unglücklichen Brüder in Osteuropa utui die Assefath für eröffnet. :Leser te für rklirte d.mkens der Assefath haniweharim, der nach der Baif!mrerklän1!1g und nach «len ersten englischen Siegen 111 Palästina entstanden ist und trotz äußerer und innerer Schwierigkeiten die Mehrheit der jüdischen Bevölkerung Palästinas für sieh gewonnen hat, bis es endlich gehingen ist, sie rnit Erlaubnis des Oberkonuiiissars einziibcrufen✓ Hiermit ist der erste Schritt getan worden, »nt unser Recht, ein nationales Heim in Palästina zu gründen, zu verwirklichen. Dieses Ideal werden wir viel eher erreichen, wenn ־wir immer alseine o r g a n i sierte Körperschaft auf treten. Leider hat ein Tcit der Bevölkerung, ungefähr zehn Prozent der Wähler, an den Wahlen nicht teilgenonunen. Die Orthodoxie hat Bedenken geäußert, trotzdem das Herbert Samuels Begrüßung. Nach der Eröffnung verlas Dr. Thon unter tosen• dem Beifall das Begrüßungsschreiben des Oberkommiss.'irs, in dem es heißt; ״Ich interessiere mich soll! ttir die Assefath haniw'ch.iriui und bedaure, nicht bei der Eröffnungssitzung anwesend sein zu können. Ick bin überzeugt, daß ihre Arbeit für die jüdische Bevölkeriing segensreich sein wird und im ganzen Lande harmonische Verhältnisse schaffen wird.“ Nach der Vor•!esuug von Begriiilungste'.egrammen von Wei/maim uiu Sokolow hält der mohammedanische Ober b ü r g e r in e i s t e r Jerusalems eine Begrüßung*■ rede auf arabisch, in der er ebenfalls seiner Hoff ming Ausdruck gibt, daß die Zukunft der gesamten Be völkerung' Palästinas Glück bringen werde. Die Redl wird von Yellin ins Hebräische übersetzt. Ussischkill begrüßt die Assefatli im Namen des Waad ha/irju und der Weltorganisation. Yellin begrüßt die Asse fatli im Namen der Juden Jerusalems. Die Wahlen der Orthodoxen. Nachdem die übrigen Begrüßungsschreiben verlesei worden sind, erhält der misrachistixehe Delegierte Radler Feldman!) das Wori und bittet die Assefath, die nach ti.iglicb erfolgten Wahlen der ()rthodoxeit an/uerkennen um niemanden von der Arbeit der Assefath atiszu schlichen. Jcllin unter.xtüi/t diesen Vorschlag und meint daß dies kein Präzedenzfall sein wurde. Auch l)r Thon bittet, diesen Antrag an/unehmen. Der Antra(■ wird init allen Stimme״ der Rechten und des Zentrums bei Stimmenthaltung der Linken, angenommen. Darauf wird zur Wahl der Permaiienzkommissioi und des Präsidiums geschritten, worauf die ersti Sitzung um 12 Uhr nachts geschlossen wird. Das Präsidium ln das Präsidium wurden gewählt: Efraim Blu׳ men f cid (Achduth haawodah), Josef Mcjuchas (Scfardim), Josef Sprinzak (Hapoel-Hazair), Dawici Ye 111 n (!)arteilos), M. Meirowicz (Bauernpartei), Ahr, Zarom (Jemeniten). Ferner wurden fünf Schrift■ führer gewählt. Zur Propaganda Wir sind in der Lage, eine Anzahl von Numme der jüdischen Rundschau aus 1920, die sich zu Pr pagaudazwecken eignen, in größerer Zahl, nur gegi Ersatz des Portos, abzugeben. Wir Hirten Interessente sich bei uns zu melden, Verlag JüUisdtc Rundschau, Berlin W 15, Sächsische Sfr. 8. Seite 577 Die erste Sitzung des Advisory Council Die Ikü seinem Amtsantritt von Samuel vorkündete Einberufung eines aus 21 ernannten Mitgliedern bestehenden Rates (Advisory Gouncil) tst am 6. Oktober unter dem Vorsitz des Oberkonimissars eröffnet worden. Der Oberkommissar hat in einer längeren Rede einen Bericht über seine Tätigkeit in den verflossenen drei Monaten erstattet, in dem er etwa folgendes ausführte: Die öffentliche Sicherheit des Landes hat ni den letzten Monaten bedeutende Fortschritte gemacht. Die Kriminalität steht weit unter dem Du ich schnitt ähnlicher Länder, die Grenzen Paliistinas sind im Norden noch nicht festgestellt, aber das Ost jorda n Und hat sich dem britisehen Mandat willig unterworfen. Es werden dorthin britische Beamte entsandt, und der wirtschaftliche Aufschwung dieses Landes wird Palästina zugute kommen, das nun auch vor lieberfällen seitens der östlichen Stämme geschützt sein wird. Jetzt ist die Zeit gekommen, den angekitn• digten Rat eiiizubcrufen. Dieser Rat (Advisory Council) ist nicht aus Wahlen oder aus Vertretern von verschiedenen Zonen hervorgegangen. Seme Mitglieder sind auf Grund ihrer persönlichen Eigenschäften gewählt, doch ist dafür gesorgt, daß alle Konfessionen und alle wirtschaftlichen Interessen vertreten sind. Es sind zunächst drei Departeiucnts eröffnet. Die Kosten werden durch besondere Einnahmequellen gedeckt. Die Zahl der britischen Beamten ist bedeutend verringert worden, die unteren Beamten sind zu 91 bzw. 97״.! Palistiuenser. Die Eröffnung des Katasters mußte sich infolge der dazu notwendigen Vorarbeiten verzögern. Nunmehr ist der Kataster eröffnet. Demnächst wird auch eine Bank für Hypotheken- und Landkredit eröffnet werde‘!!. Der Oberkommissar siehe in Unterhandlungen mit europäischen Kapitalisten, die diese Bank iimuizieren sollen. Er hoffe, in der allernächsten Zukunft praktische Erfolge zeigen zu können. Die Eisenbahnen sind jetzt von der Zivilverwaltung übernommen, und gestern (am >. Oktober) sei die letzte Strecke zwischen Jaffa und Ludd eingeweiht worden. Es werden in der nächsten Zukunft wichtige Chausseen angelegt, so Beischeba Jerusalem- Jericho, Jerusalem- Jaffa, JerusaJan-Sichern Nazareth- Haifa, Nazareth Tibcrias-Sommach, die das ganze Land untereinander und mit dem Ostjordanland verbinden werden. Ebenso werden in nächster Zeit die Hafenarbeiten in Haifa und in Jaffa begonnen werden. Es ist eine G e s u ml 11 e i t s k o ni m i ssion eingesetzt, die den Kampf gegen die Malaria systematisch durchführen wird. Während cs unter türkischer Herrschaft keine staatlichen Kranketiliäuser gab, werden jetzt von der Regierung fünf Krankenhäuser mit 293 Betten, 21 sanitäre Stationen, acht Ambulanzen und fünf Stationen für ansteckende Krankheiten unterhalten. Es sind auch Vorkehrungen getroffen, um den Gesund- 11 e i t s z u s t a n d des Viehs zu liehen. Bcsonders ist der Drang der Bevölkerung nach Biidang hervorzubeben. Diesbezügliche Anträge werden dem Staatsrat zur Begutachtung vorgclegt. Ls sind die ersten Schritte unternommen worden, um den Palästinensern die Möglichkeit zu geben, R e e 1! t s \v i s s c n s c h a f t e 11!tu Lande selbst studieren zu können. Dasselbe geschah auch für A po t h e k e r a u sb i 1 d u n g. Ferner erwähnte der Oberkommissar das a rc h;i o lo g i s c h e Ins t 11111, die Städte b a 11 o r d n 1111 g . den Kampf gegen die Verunstaltung des Landes durch Reklame, Verkehrscrleichterung •n, Eiinvamlerungs• Statut. Der Oberkommissar sagte wörtlich: ״Line große Zahl von Einwanderer», größtenletis Juden, landen in unseren Häfen und finden Arbeit bei dem Wegebau und bei der Erschließung des bisher wüsten Landes. Ihre Anwesenheit im Lande hat nicht mir den Eingeborenen nicht geschadet, sondern im Gegenteil großen Nutzen <׳־ebracht durch die Vergrößerung der Produktivität. Das ist ein Beweis dafür, daß der Prozeß der Gründung der jüdischen nationalen Heimstätte den nichtjüdischcn Einwohnern Nut/enund nicht Sch a den b ri ng t.“ f erner sei noch die begonnene Auflorstung zu erwähnen, sowie die Aufhebung des Eisch/.oHs und des Zolls auf Bau materialien. Auf Anfragen der Mitglieder antwortete der Oberkonimissar, er bäte sie, ihm immer offen und freimütig ihre Kritik mitzuteilen. Ferner erklärte er, daß der Rat auch 1 nitiat i van träge efn bringen könne. )

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