Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1920-10-15 · Heft 72 (15.10.1920) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 72 (15.10.1920)
Date
1920-10-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2651273-2652228-2652296--13471-2671199
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Seile 50׳״ JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72 nistiscJi gedacht, daun, wenn es nicht anders geht, lieber jüdisches Kapital den Boden kaufen zu lassen? Dieser Verwirrung der Jugend nuili ein Luide gemacht werden. Jetzt oder nie ist der Augenblick gekommen, wo unsere Leitung all denen, die es noch nicht wissen, beibriugen muH, was eigentlich Zionismus ist und wo es gilt, ihnen mit aller Entschiedenheit das Primat der zionistischen Forderung vor äugen zu führen. Was dein deutschen Zionismus not tut, ist Sachlichkeit, jene Sachlichkeit, die auf dein sicheren Grunde der reinen Idee ideelle Opfer in Kauf nimmt mul nüchterne, wirkliche Arbeit gewährleistet. Fort mit der Herrschaft der Phrase mul dem ewigen Hegeistmmgsruiiseli! ״Begeisterung ist keine Heringswarc, die man einpökelt aui einige ,Jahre.“ Dieses (loethewort sollte man mit weithin sichtbaren Lettern an die Pforte der neuen Futwicklung einkratzen, die kommen muh, wenn anders der deutsche Zionismus nicht jeden Zusammenhang und jeden Finfluli in der Gesamtbewegung veriicien will. Von jenen, die im Namen des ihnen heiligen Zionismus die unerträglichen üefiihlsütaneien singen, verlangen wir, dali sie diesen) ihrem Ideal das kleine Opfer bringen, zu schweigen, wo sic nichts verstehen und zu arbeiten, wenn man es von ihnen fordert. Nicht weil es unreinlich ist, heimlichste Gefühle immer wieder dem Pranger einer grollen Oeffentlichkcit preiszugehen, bitten wir um gnädige Schonung unserer Geschmacksnerven, wenngleich es begreiflich wäre, daß jemand sieh versucht fühlte, das Donnerwort Stefan Georges: ״Schweigt mir vom höchsten Gut!“ ihnen in die Ohren zu brüllen. Nur aus dem sachlichen Interesse des Zionismus stellen wir unsere Forderung, das übervolle Herz für eine Weile zu besänftigen und die seelische Beteiligung au der jüdischen Zukunft nicht in gcräusch.- vollem Wortpathos zur. Schau zu stellen, sondern sie in bescheidene, fniehtbringcndc, freilich zur Außen- Wirkung weniger geeignete Kleinarbeit umzusetzen. Ich komme zum Schiul!. Die Zeiten, wo die reine Ideologie im Zionismus blühte und gedieh, sind nun, wo es um Verwirklichung geht, endgültig vorbei. Auch diese Epoche zionistischer Futwicklung, 60 fürchterliche Auswüchse sie uns auch brachte, war notwendig u1\d gut. Sie hat uns ja erst die Möglichkeit gegeben, den nationalen Gedanken in seiner ganzen Tiefe zu erfassen, und mir weil wir iu der Ideologie gelebt haben und durch sie Zionisten geworden sind, können wir sic, ohne Schaden an unserer Seele zu nehmen, für eine Weile zurücksteifen. Heute giltdie Sachlichkeit, der praktische Idealismus. Gesinnung ist Voraussetzung, das Ziel aber ist Leistung, jeder au seinem Platz. Mit zusmnmeiigehissciu n Zähnen, wenn es ideelle Opfer erfordert. Aber freudig und als Selbstverständlichkeit empfunden, weil die Verwirklichung des grollen Ideals auf dem Spiele steht. Verurteilung eines jüdischen Redakteurs. Der Redakteur der jüdisch-sozialistischen Zeitschrift ״Lebensfragen“ wurde an einem Tage unter vierfache Anklage gestellt. Die ״Lebensfragen“ wurden küjz.lich von den wegen Veröffentlichung gewisser militärischer Geheimnisse und angeblicher Verhetzung eines Teiles der Beviilkc rung gegen den anderen eingestellt. Für den Abdruck eines Artikels ״Wuliganischc Autrufe“ wurde der Redakteur zu einem Monat Kerkers, für einen zweiten Artikel ״Es lebe die zaristische Nagaika im freien Polen“ zu zwei Monaten, für einen dritten Artikel ״Heute beginnt die grolle Offensive“ zu 100 M. Geldstrafe verurteilt Von der vierten Anklage wurde er freigesprochen. »- . I — .1.1 < .... , I_ Ich glaube, ich werde unter den größten Wohltätern der Menschheit genannt werden. Niemand dachte daran, das gelobte Land dort zu mchen, wo cs ist ~ und doch liegt es so nahe. Da ist cs: in uns selbst! leb glaube, für mich hat das Leben aufgehört find die Weltgeschichte begonnen — ־ .'* Büch erschau Eugen Hocflich, Feuer im Osten. L. P. Tal fV G>., Verlag, Lcipzig-Wien-Ziirich, 1020. Das Buch setzt die Reihe ״panasiatischer Bücher“ des Autors fort Es verkündet die Menschlichkeit Asiens, es entzündet in immer neuen Variationen die Sehnsucht nach wahrhaftem sinnvollem Leben, es flucht voll grimmiger Leidenschaft der mordenden, zerstören• den Bestie Europa, die sich in lockendem Gewand in die tiefe Ruhe Asiens schleicht, ihr Gift verbreitend, die Gewalt und das Unrecht legitimierend, Todfeindin des Geistes, babylonische Entzweiung stiftend. Das Buch enthält eine Reihe poetischer Skizzen, kurze Schilderiiugen von Erlebnissen des Autors, der im Orient (an der Paliisiinafront, während dos Krieges) die Leiden und die Größe orientalischer Menschen aller Völker iu brüderlichem Empfinden milerlebt. Hier erwacht ganz lebendig das Gefühl der 'Verpflichtung des Judentums zur tätigen Einstellung in den Zusammenhang, aus dem cs einst gerissen wurde. Selbst wenn die Skizzen mehr Dichtung als Wahrheit enthalten, wecken sic tiefe Teilnähme und Mitempfinden und sind für die Mehrzahl der Juden, die heute zu gute Europäer geworden sind, von empfehlenswerter Heilkraft. Das verschlossene Buch. Jüdische Märchen vo'n Irma Singer. Mit einem Nachwort von Max Brod. Zweite Auflage. Buchschmuck von Jakob Löw. Berlin und Wien 1021), Verlag R. Löwit, Preis 15 Mk. Die soeben erschienene zweite Auflage der jiidisehen Märchen Jrrna Singers zeichnet sich vor der ersten Auflage durch erheblich besseres Satzbild aus und enthält neuen Buchschmuck des Wiener Malers Jakob Löw׳. Auch in dem neuen Gewände weiden die Märchen Freude in viele Kinderherzen säen; sie bilden eine Oase in der Wüste unserer jüdischen Jugendliteratur. Die ״Verständigung“ Von A. S. L i r i k. Dieser Artikel des Warschauer Schriftstellers Lirik, der seit einiger Zeit in Berlin weilt, wurde aus dem jidischen Manuskript für die ״J. R.“ übersetzt. Verriegelnd Tür und Tor, vergessend alle Ansprüche, unterdrückend die Gefühle der Beleidigung und Wehmut, haben die Juden Polens sieh seihst vergewaltigt und sich iu den Kampf um die Rettung des Vaterlandes gestürzt, Ein Hoffnungsstrahl hat ihnen für einen Augenblick geleuchtet, ein Minister hat für sie ein gutes Wort eingelegt, die ״Dwa Grosze“ hat für ein paar Tage ihren Toll gemildert. Das genügte den Juden l'olens, um die Front zu ändern. Tausende von jungen Leuten haben sich freiwillig gemeldet, die ganze jüdische Studentenschaft lut sich der polnischen Armee zur Verfügung gestellt, und alle jüdischen bürgerlichnationalen Parteien haben tagaus, tagein von den Juden Opfer und Patriotismus verlangt. Ein Gott weiß, was sich damals iu jüdischen Herzen abspicltc, was für eine übermenschliche Anstrengung dazu gehört, blutiiberströmt hurra zu rufen, von jemandem tief beleidigt sein und ihm Liebesbez.eugtmgen erweisen zu müssen, Aber es war ein außergewöhnlicher Moment, es schien, als oh eine Revolution iu der ganzen Psyche des!»1• nischen Volkes sich vollzogen hätte, und die Juden l'olens wollten nicht lange darüber nadigriibein, wollten dem polnischen Volke nicht die Vergangenheit nachtragen und glaubte«, daß nunmehr alles Böse aufhören werde und sahen hoffnungsvoll in die Zukunft. So sah es erst vor ein paar Wochen aus, als die Bolsehewiki etliche zwanzig Kilometer hinter Warschau standen, als die polnische Armee nur ein Wunder retten konnte und Polen der Welt gegenüber seinen einheitliehen Willen zur Selbständigkeit und Freiheit demonstrieren mußte. Das Wunder ist geschehen, die polnische Armee hnt einen Sieg davongetragen, der polnische Stolz ist wieder erwacht, mul — was waren die ersten Früchte? Zehntausende jüdische Soldaten sind interniert worden, m SieiUce, iu Üialvstok, in Lomcza sind Judemnetzcleien vorgckoimnen, alle jüdischen Arbeiterorganisationen sind total vernichtet worden, in Piock ist der Rabbiner Scliapira erschossen worden. Kurz, die Pogromwelle steigt mit frischer Kraft, und wer weiß, welchem neuen Unglück wir noch entgegengehen. Vor ungefähr einem Jahre erschien plötzlich in Warschau Herr l)r. Alfred Nossig, der zu sich die Vertreter der jüdischen Presse und die jüdischen Sejmdeputierten einltid und versuchte, in einem zwanglosen Gespräch den Boden der ״Verständigung“ zu s״ndicreu. Ich erinnere mich noch wie heute an das Gefühl von Angst und Herzbeklemmung, das wir alle wie ein Mensch gespürt haben. Schon das Wort ״Verständigung“ allein bedeutet für uns eine Beleidigung. Wer fordert sie denn eigentlich von uns? Wollen wir denn einen Kampf mit den Polen führen, s:mi wir denn zwei Parteien, die sich gegenseitig Zugeständnisse machen? Iu der Wirklichkeit handelt es sich doch nur auu eine ungerechte, verbrecherische Hetze gegen ein paar Millionen Juden, welche nur noch das Eine verlangen: man möge sie in Ruhe lassen. Der Vorschlag des liebenswürdigen politischen Schaddien Herrn Alfred Nossig ist rcsnl tatlos geblieben und nicht einmal der (.!)Öffentlichkeit bekannt geworden. Aber das Mißvcrständnis dieser ״Verständigung“ hat noch längere Zeit in politischen Kreisen gespukt, und von Zeit zu Zeit pflegten manche polnische Führer vorsichtig und. ohne Ueberzcugung dieses Wort wie eine politische Rakete loy.ulassen. Das war das letzte und radikalste Wort, das ein polnischer Judeulreund sieh erlauben durfte, und wir, die jüdische Presse und das jüdische Publikum, suchten in bester Absicht und mit ehrlichstem Streben den konkreten Inhalt dieses Wortes zu finden. Aber immer wieder blieben wir erstaunt und verlegen vor diesem Worte stehen, wir wallten immer nicht, was von 1ms verlangt wird, um diese Verständigung herbeiz.ufiihren. Das einzige, was wir aus all den nebligen Phrasen über Verständigung, herauslesen konnten, war, daß wir nicht laut von unseren Leiden sprechen sollen, tun nicht Gott behüte die Ehre der edlen polnischen Nation vor der großen Kulturwelt auzurühren. Und mm kam fieser Moment, gerade der kritischste (Moment, als das ganze Schicksal Polens in Frage gestellt war. Um die Partie mit der schönen Braut zusiande zu bringen, haben die polnischen Juden auf jede Mitgift verzichtet, versucht, aus ihrem Gedächtnis alle alten Sünden zu streichen; sie haben sogar auf die nationalen Forderungen verzichtet, (? ־• Red. d. ״Jüd. Rmulsch “) Das einzige, was' sie in jenem Moment verlangt haben, war, daß die Regierung die antisemitische Hetze energisch und aufrichtig bekämpfe. Wochenlang tagten die Mitglieder der Verstniuligungskominissiun und erzählten einander gegenseitig, was jeder auf dem Herzen hatte. Das einzige konkrete Resultat all d'escr Diskussionen war ein stammelnder, schüchterner Aufruf an die Bevölkerung und die Armee, man möge atifhöreu, Juden zu prügeln, weil doch Juden eigentlich auch Menschen sind mul hauptsächlich* weil cs den polnischen Interessen schädlich ist. Diesen ungeschickte״ Aufruf haben die Juden sehr teuer bezahlt, mit blutigen Opfern, ungerechten Beleidigungen und mit einem Kampf gegen das eigene Gewissen. Aber auch d.es Irot nicht geholfen, die Partie ist schnell auscinandcrgegangen, und jetzt stehen wir wieder vor einem großen Unglück, und wieder bleibt die Frage: was können wir tun? Die politische Lage der polnischen Juden ist eine eigentümlich tragische. Der. Jucke in Polen kann und will nicht den ganzen politischen Schwindel der imperialistischen Kliquc mitmachen, das angeborene Gereelitigkeitsgefiihl und der'gesunde Menschenverstand erlaube״ dem Juden nicht, begeistert hurra mitzuschrcien, wen״ es den polnischen Rädelsführern einfäib, einen allenteiierlichen Vormarsch nach Kiew und Minsk zu unternehmen. Solch ein falscher Patriotismus ist ihn» zuwider. Andererseits ist das!Klinische Judentum wirklich :!״ dem Aufblühen Polens interessiert. Das größte Unglück für die polnischen Juden ist doch die geistige und materielle Armut l'olens, Ein Staat, der vom ersten Tage seiner Befreiung au Krieg fuhrt, ein Staat, der schon soviel Milliarden Schulden hat, während er las; nichts produziert, ein Staat, der fast nur auf Kosten anderer lebt - ein solcher Staat muß aus seinem Am!• semilisiiiiis Kapital schlagen, für einen solchen Su:!! ist der Antisemitismus ein Vermögen, eine Kraft, mit der man die nationalistischen Trctimiaschiuen schmieren kann. Beginnt Polen ein friedliches Lehen zu führen und ist dann auf die inneren schöpferischen Kr.ift« angewiesen, hört Polen auf, auf Kosten Frankreichs zu leben und beginnt wirklich ein selbständiges Lehen zu führen, mit dem Moment müssen sich auch die objektiven Bedingungen zugunsten der Juden ändern. Aufrichtig wünschen die Juden, Polen selbständig zu sehen, aufrichtig sehnen sic die Epoche herbei, in der die wirklichen, legitimen Kräfte Polens sich entwickeln werden. Von diesem Standpunkt aus können die Juden aufrichtige Patrioten sein und sind es auch, und der objektive, ehrliche Darsteller der Geschichte der jüdisch polnischen Beziehungen wird zugeben müssen, daß m dieser Hinsicht gerade die jüdischnationalen Parteien in Polen viel geleistet haben. Man hat sich bemüht, den Abgrund zwischen uns und den Polen möglichst zu überbrücken, inan war bemüht, keine üefuiilspolitik, sondern eine Politik des Verstandes und der üereehli״• Weit zu führen, man wollte die Massen politisch er• ziehen und sic zu dem Gedanken bringen, daß etwas existiert, was über allen Parteien und Politikmaeh rn stellt: der Staat Polen. Aber diese Arbeit hat s.ch als eine Sysiphusarbeit erwiesen, Polen, das ein altes Kulturvolk sein will, das mit einem solchen Stolz von seiner historischen Mission spricht, ist einer l'oliuk nicht gewachsen, die nicht aui Gefühlen aufgehaut ist. und wieder stehen wir enttäuscht in unserer Li/t׳:1׳, Hoffnung, wieder hat man lins in unseren best, 1 («׳- fühlen beleidigt, und wieder stellt über unserem Kopfe der Todesengel. Was bleibt uns zu tim übrig? Ich meine, wir, müssen wieder anfangen zu schreien, /u schreien über die ganze zivilisierte Welt Wir ha(»■, :1 verschiedene Miltel versucht, wir haben die vcrsclm• densten politischen Wege eltigeschlagon, aber alle Rechmmgen haben sich als falsch erwiesen Wir haben die Erfahrung gemacht, daß, als der Deputierte G ז ii 11 h a u m im Sejm nrisgemfen hatte: ״Wir leben hier wie 111 einer Hölle“, zwar die ganze polnische Presse gelärmt, geschimpft und gedroht hat, aber gewirkt hat [: es doch. Mit ״Verständigungs“-PoUtik stürzen wir um J immer wieder irts Unglück und betrügen die Welt, die I da meint, in!*ölen habe sich etwas zugunsten der j Juden geändert. Wir müssen wieder unsere Stimm? h laut hören lassen, und all denen, die noch ein Ge- { wissen haben, zurufen: Vergesset nicht, dali gegen d e j Juden in Polen unaufhörlich gehetzt wird, vergesset j nicht, daß an uns .eine himmelschreiende1 Ungcrechtig• « keit begangen wird. Die Lage ist derart, daß wir f nichts mehr zu verlieren haben. Zut neuen polnisch •jüdischen Vcrständigwigsver- I. handlung wird uns noch geschrieben: t A. Vi'. Die jüdische Presse in Polen hebt besonders f die Tatsache hervor, daß den polnischen Staatsmännern bei | ihren wiederholten Besuchen in England wud Frank rcirf! I eindeutig zu verstehen gegeben wurde, daß ein wirklicher i Aufbau ries polnischen Staates, nur daun möglich sei;!! wird, wenn im Lande selbst Ruhe mul Ordnung herrsche» wird, und daß mir durch Zusammenfassung aller fähigen Kräfte in den eigenen Reihen de maßgebenden Linanzkreise fiir die Sache l'olens gewonnen werden können. j 11» dieser Tatsache ist der Schwerpunkt der jüdischen Frage zu erblicken und es ist erklärlich, d»ß die Ergebnisse der jetzigen Verhandlungen nur von diesem > Standpunkt gewertet werden müssen. Es ist auch eh»c keineswegs leichte Aufgabe der Regierung Daszynskis hei der augenblicklichen außen- und innerpoiitischen Lage Polens einen wirklichen jüdischpolnischen Frieden herbeizuführen. : Die seit Begründung des polnischen Staates unter Moraczesvski gcliawlhabte Politik der s v s t e in a t i ־ 'sehen Verfolgung der jüdischen Bevölkerung lallte tiefe Wurzel, die stark ausgebrcitetc antisemitisch? Pmpagnmia bestimmter Kreise, voran die polnische N'J).־ Presse, ferner die I fetze im Heere haben die Kluft 1 zwischen beiden Völkern immer mehr vertieft und haben eine Atmosphäre des bittersten Hasses erzeugt, di,־ nicht leicht aus der Welt zu schaffen ist. Jetzt müssen die Polen beweisen, daß sie sich den Tatsachen nicht verschließen und Verständnis für die Lebensfragen der jüdischen Minorität in Polen haben und auch bereit sind, in diesem Sinne zu handeln. Das eine bildet die Voraussetzung ■für das zweite und ohne Verständnis hei den Polen ist eine Verständigung mit den Polen natürlich unmöglich Antisemitismus in der Krim. Nach in Km«• stantinopef eingetroffenen Meldungen verbreitet sich der Antisemitismus in der Krim immer mehr. Aufhetzende Berichte werden verbreitet und auch die offiziellen Communiques Genera! W r a n g e l s enthalten zahlreiche antisemitische Verleumdungen, was beweist, daß trotz aller freiwilligen Versprechungen seitens der Regierung Wrangds, Pogrom agltation getrieben wird.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.