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Jüdische Rundschau · 1920-10-06 · Heft 69 (6.10.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXV (1920)
Issue
Heft 69 (6.10.1920)
Date
1920-10-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Sehe 526 JUEPISCHE RUNDSCHAU Nr. 60 Ein Brief über die Lage Gg. Alexander l.cv y stellt uns naclistelumde» interessanten Privatbrk'f aus!{!schon le /iom vom 7. September, zur Verfügung. ״I i״ftemlu־h sind Sk• bereits im Besitz meines Schreibens vom 1 «>. August. Seit jener Zeit haben sich hier verschiedene Ereignisse abgespielt, wie sie wohl •teilweise auch schon im deutschen Zionismus bekannt geworden sind. Die Spannung zwischen London, Arnerika und Jerusalem hat hier selbstverständlich ihre Rückwirkung auf das jüdisch-öffentliche Leben gehabt und ganz zweifellos wird dadurch der Fortgang der z.ki- «istischen Arbeiten eine Hemmung von mindestens einem Vierteljahr erleide״. Doch hat dieses Gewitter schon lange in der Luft geschwebt und mau muh hoffen, d.dl es reinigend und ernüchternd auf alle Parteien im 111- und Auslände wirken wird, Der Zionismus ist wohl allen Teilen zu wichtig, als daß diese Krisis von kntastrophater Bedeutung werden sollte. Es ist anzuiiehmeu, daß die Amerikaner nicht auf allen ihren Forderungen bestehen werden, die zu einem Ausschluß des kulturellen Moments im Zionismus führen, würden. Andererseits Wird man es in der hiesigen Leitung lernen, mit den nationalen Gehlem sparsamer umzugehen. Die äußerste Linke wird mit »len rechtsstehenden Elementen wohl auch einen imxlus vivendi finden müssen. Am 2׳>. Tischri wird die Assefath haaiweharim zu tagen beginnen. In den Vordergrund wird voraussichtlich die Evuigungsfragc treten. Fs sind bereits verschiedene Einschränkungen getroffen worden, um die Ausgaben zu verkleinern, wie Entlassung der berittenen Polizisten in Galiläa, Einschränkung des Lehrerpersonals in den Schulen, es wird wahrscheinlich bald auch eine Einschränkung des Beamtcnpcrsonals im Waad Haz.irim folgen und cineVerringcrung der Gehälter, [in Waad Hazirim hatte man den Fewhluß gefaßt, die Immigration׳ bis auf weiteres einzustelkm, doch hat der ״Poe 1 ־ H azai r“ darauf bestanden, daß die Ei 11 wander 11 ng ihren Fortgang nehme, da es ohne Einwanderung keine Kolonisation gebe. Am letzten Sonnabend sind wieder auf drei Schiffen 'JOO Emigranten angelaugt, darunter am 11 Leute aus Frankreich und Amerika, die sieh damuh umselic» wollen, ob sie liier etwas unternehmen können. Es werden auch die Leiter einer ״Landwirtschaftliehen Gesellschaft für Palästina*' aus Amerika hier erwartet, die sich nrit dem Dörren und Konservieren von Früchten und Gemüsen beschäftigen wird', ihr Vermögen soll 2 Millionen Dollar betragen. Ueborwicgend sind es aber Chaluzim, die herkommen. Sie werden hauptsächlich beim Wegebau beschäftigt - den Straßen Scmach Tibcrias (Achduth Haawoda) und Haifa Nazareth (Pocl-Hazair) - und bei den Aufforstungsarbeiten. Sie haben in den Sommernionaten viel gelitten, da wir in diesem Jahre einen besonders schweren Sommer hatten. Falls die Koloritsationsarbeiten nicht bald in größerem Umfange einsetzen, so sind die Folgen für die mittellosen Emigranten, gar nicht abzusehen. Bezüglich der Wohnungsfrage für Einwanderer hat der Waad Haz.irim einstweilen: folgende Vorkehrung getroffen: Am 22. lind am 2L August las ich im ״Maarez“ eine ״öffentliche Bekanntmachung“: ״Die ״Technische Abteilung“ des Waad Hazirim schlagt hiermit vor, ilu״ Angebote und Pläne für gewisse Häusertypen vorzulogen, die in Massen gebaut werden sollen, und zwar: a) provisorische Wohnungen für Massen von Eiäizcleinwandercm, die bei Meliorationsarbeiten Brief aus Litauen Wenn man von Eydtkulinci! aus über die Grenze kommt, glaubt man, ih einer anderen Welt zu sein. Geschnitzte Holzhäuser — •ein Bettler im härenen Gewände■ mul bloßen Füßen und mit einem Tolstoibart - zerschossene Häuser, die einfach dem Verfall überlassen sind — Rußland! Seit einigen Wochen bin ich nun hier Lehrerin in dem kleinen litauischen Städtchen (oder besser größerem Dorf) WiThalien. Als ich hierherkam, direkt aus dem ״militärischen“ Preußen mit seiner Ordnung und Gesetzmäßigkeit, war ich einigermaßen verwirrt. Jiddisch, Litauisch, Hebräisch, Russisch schwirrte an meinem Ohr vorülver, dazu die verschiedenen Typen: Die Litauerin mit ht-llem Kopftuch und buntem Rock, alte Juden im Kaftan und langem Bart und die Schüler aus unserem hebräischen Gymnasium mit blauen Mützen und intelligenten, frischen Gesichtern oder ־die Mädeichcii mit den blau-weißen Broschen, die strahlend rin Knkkschen machen vor der ״deutschen‘‘ Lehrerin. Auf der Straße von Wirballen, die dicht a.11 meinem Fenster vorüberführt, ist «in reges Leben. Morgens ganz früh ziehen die Kühe mit Gebrüll vorbei, dann rattern die Wagen vorüber, die ineist nach Kirbarti, dem Grenzort aui der litauischen Seite, fahren. An den beiden Markttagen — am Dienstag und Freitag — kommen die litauischen Bauern aus der Umgegend und bringen Eier, Butter und Hühner in die ״Stadt־‘. So ein Einkauf auf den! Markte ist sehr interessant; da schimpft cs und schreit, gackert und kickerikiet durcheinander, und es gehören schon gute Nerven dazu, bei all dem Lärmt seine Ruhe zu behalten. Manchmal rieht auch ein katholischer Trauerzug zur Kirche hin — voran drei Männer mit ahne«, dann die Leidtragenden zu Fuß hinterher, die seltsame Lieder singen: die Männer beginnen mit einer!und bei öffentlichen Arbeiten beschäftigt werden; b) Wohnhäuser für einzelne Familien. Die Angebote müssen enthalten: die genaue Schilderimg der Bauten, Zeichnungen, nach denen die Details am Bau zu sehen siml - bei ungewöhnlichen Bauten auch statistische Berechnungen wie auch einen ansfiihi'lielien Kostenanschlag. Der Kostenanschlag muß, für den Bewerber oder den Unternehmer, den man an seiner Stelle mit der Ausführung der Arbeiten betrauen wird, verbindlich sein. Die Angebote für die beiden Häusergaumigen sind keineswegs■ voneinander abhängig, dem Bewerber steht es frei, für die beiden Gattungen oder auch nur für eine von ihnen Angebote zu machen. Dieser Bekanntmachung siml Programme zugrunde gelegt, die ein jeder in der Technischen Abteilung des Waad Hazirim erhalten kann. Die Technische Abteilung wird eine Ausstellung von allen ein gelaufenen Plänen machen und wird es übernehmen, zu den vorgeschlageueti Preisen Versuchsbauten zu bestellen von den Angeboten, die technisch genügend fundammtiert und von wirtschaftlicher Seite günstig erscheinen. Die Bewerbungen ■■ müssen bis zum 10. Sentcmber eiligereicht werden.“ Ich werde in den nächsten Tagen in Jerusalem sein und auch nach dem Erfolg dieser Bekanntmachung fragen. Ich glaube, daß diese ersten Massenbauten/ wenn sie unter den herrschenden Umständen überhaupt in Angriff genommen werden können, bei den hoben Preisen für Baumaterialien ziemlich teuer zu stellen kommen werden und daß dieser Bekanntmachung späterhin sicherlich noch andere folgen werden. Die Wohnungsfrage spitzt sich immer mehr zu. In Haifa sind die Mieten infolge der Rückwanderung von ansgewiesenen Deutschen wieder um ein beträchtliches gestiegen. Für Haifa ist ein neuer Stadtolan in Aussicht genommen. Eilte große Erleichterung für die Baufrage ist die Ermäßigung des Einfuhrzolls für alle Waren, die in das Baufach schlagen, von 12"0 (wie er für die anderen Waren gilt) auf 3 ״,«. Auch hat die Deutsche Levante- Linie die ITla.iibnis erhalten, alle palästinensischen Häfen zu befahren und wird :11 den nächsten Wochen ihre Tour beginnen. Da der Mangel an Frachtrainn sich bis jetzt sehr fühlbar gemacht hat, so bedeutet der Verkehr von deutschen Schiffen eine unschätzbare Erleichterung. Im Gegensatz zu den früheren Erwartungen, wonach Haifa der Haupthafeiv Palästinas werden sollte, hat Sir l lerbert Samuel dem Jaffaer Hafen seine besondere Aufmerksamkeit zugcvvendct. Den Jaffaer Einwohnern, die sich diesbezüglich an ihn gewendet haben, hat er die Antwort erteilt, daß er den Ausbau des Jaffaer Hafens durchaus fördern werde, sie möchten ihm vorher aber genauere Pili 111■ zur Begutachtung vorlege 11. Man denkt daran, die Klippen am Jaffaer Strande für eine Mole zu benutzen. In Haifa sind nur von Rcgierungssritc unbedeutende Erweitenmgsarbcuen vorgmommen worden. Wenn die inneren Verhältnisse ziemlich z.ugespitzt sind, so haben sich die Beziehungen nach außen hin durchaus gebessert. In Galiläa ist die allgemeine Sicherheit wieder h e r g c s t c 111 worden. Bekanntlich haben die Regierungstruppen zwecks I Icrstcllung der allgemeinen Ordnung den Jordan überschritten. Es ist Sir Herbert Samuel gelungen, den liauran bis Deraa in die englische Einflußspluirc zu ziehen und mit den arabischen Stämmen in gute Be- Ziehungen zu treten. In der vergangenen Woche haben verschiedene Schelks aus Kcrak Herrn Ussischkin im Waad Hazirim besucht und ilun bei seinem Gegenbesuch einen glänzenden Empfang versprochen. Es heißt, eintönigen Melodie und setzen plötzlich ab, dann wird sie von den schrillen Frauenstimmen wiederholt. Am Ende des Zuges fährt ein Hemvagen mit dem Sarg, der mit künstlichen Blumen recht geschmacklos geschmückt ist. Nun aber unser Gymnasium! An der einen Seite des Marktes, gegenüber der großen katholischen Kirche, steht unser ״Gymnasion iwri“. Man denke nicht etwa an ein deutsches Gymnasium, einen großen Häuserkasten mit womöglich vier Stockwerken! - ■ nein, cs ist ein kleines, einstöckiges, langgestrecktes Bauernhaus wie hier fast alle Häuser in Wirballen. Es hat einen schönen grollen Hof mit Bäumen, Turngeräten und Bänken und dort stellt ein zweites Gebäude, in dem die anderen, Klassen untergebracht sind. Im ganzen umfaßt es jetzt sechs Klassen und zwei Vorbereitungsklassen. Die Uriterrkrhtsspraebe ist Hebräisch, die Einstellung der Schule ganz national. Bialik und Tschernikowski, Palästinagoogrnphie usw. stehen im Vordergrund. Mail ward selbst so beeinflußt von dieser ״Palästinaluft‘', wie ich es nennen möchte, von dieser nationalen und zugleich, biblischen Atmosphäre, daß man z. B. eine Dichtung, die einem bis dahin typisch deutsch •erschien, wie ״Herrmann und Dorothea“, plötzlich mit ganz anderen Augen äusicht und AchnÜchkeitcn mit der Gestalt der Rutil findet, 11:1(1 einem vor allem bei der Brunnenszenc jene andere unsagbar liebliche Szene zwischen Riwkah und EKcsar vor Augen stellt. Die Sprache, die wir uns mühsam in Kursen erringen - hier lebt sie wie sic einst Vor 2B0Ö Jahren lebte. Uns deutschen Juden erscheint cs wie ein Wunder, den Kindern hier aber ist es etwas ganz Selbstverständliches, und oft übersetzen sie deutsche Worte, die bei ihrer Lektüre Vorkommen, in entsprechende hebräische, um ihren Kameraden, die vielleicht die Bedeutung nicht ganz erfaßt haben, diese klarer zu machen. Meine eigenen hebräischen Kenntnisse reichen leider oft noch nicht dazu aus uni man beurteilt mich etwas geringschätzig: ״Ath rak germanith.“ daß die Regierung die Gegend um Es Salt mit j ü - di scheu Kolonisten besetzen wi’J. Ein Lichtblick in dem augenblicklichen Tohuwabohu ' ist auch die im Oktober erwartete Ankunft des Barons Edmund von Rothschild in Ra. lästina. Er soll für die neue Kolonisation große Din״!• Vorhaben. Bekanntlich will er aber unabliängig vorn Z!o- «!Sinus arbeiten, weil seine frühere Betätigung als Kolo״!, satioa von verschiedenen Seiten angegriffen worden ist. Es heißt, daß sich die Regierung auch an ihn wegen einer Anleihe von 2 Millionen Sterling gewendet habe, die •sic für die Erweiterung des Eisenbahnnetzes in pa. lästina braucht Mr. Holmes, der Direktor der Lischbahnen m Palästina, ist an die Ausbesserung :I r Strecke Haifa—Lud herangetreten (Aegypten hatte alte Wagen und Lokomotiven für Palästina geliefert), ebenso wird die Strecke Jaffa---Lud, wo bis jetzt eine Art Feldhuhn verkehrte, erweitert werden. Pethach-fTikwah wird mit der Station Rap-cl-En verbunden und Rischon ie Zirm wird wahrscheinlich an die Station Rechowoth Anschluß bekommen.“ Das Eisenbahnwesen Palästinas Uebcr den für die Zukunft geplanten Ausbau des Eisenbahnnetzes Palästinas (siche auch den Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“, Nr. (>5/(*>), teilt der Leiter des betreffenden Ressorts, Colonel Holms, dein Intormationsbüra des ״Waad Hazirim“ mit: bisher mußte die üahnverwaltuug, da sic vom Kriegsarnt keine Unter- Stützung erhielt, sich selbst erhalten. Auch aus Aegypten kam kein Zuschuß. Sie schickten die alten und unbrauehbaren Lokomotiven und Wagen nach Palästina, wofür sie noch große Summen verlangten. Die Verbesserung der Bahn zwischen Haifa und Ludd hat bereits hegönnen, damit im Winter keine Kommunikatkmsunierbrechung entsteht. Die Kosten, *die sielt auf zirka 2S0 0Ü0 ägypt. Pfund belaufen, sind noch nicht nrhamlen, da die Eisenbahn bisher für Vcrbe-!11111 arbeiten nur 100 (XX) Pfund erhalten hat, t!1 u,!> Eisenbahnnetz im ganzen Lande in Ordnung zu bna cn, wären 2 Millionen Pfund erforderlich. Diese Su mm׳ soll von der Anleihe hergegeben werden, die der ()herkommissär atifznbringeii hofft. Auch die Verbreiterung des Gleises zwischen Ludd und Jaffa hat bereits hegönnen, obwohl noch nicht festgesetzt m,, wo sich die Bahnstation der Stadt Jaffa befinden wird. Falls sie nicht hinter T c 1 - A w i w, sondern im Zentrum Jaffas sci.1 wird, wird man zahlreiche Häuser iiiederrtißen müssen, Colanel Holms, der ztnn Militärverwalter der Bahnen in Aegypten, Syrien und Palästina designiert war, wird nach" Ratifizierung des Friedensvertrages mit der Türkei seinen militärischen Posten verlassen und ehe Oberleitung des palastinen• sischcn Eisenbahnwesens übernehmen. Professor Markus Brann gestorben. Am 2n. Sc״- tauber starb in Breslau der Dozent am dortigen jüdischterminologischen Seminar, Professor Dr. Markus Brann. Professor Braun war der Schüler von Zacharias Frankel und Heinrich Graetz und hatte in Breslau den Lehrstuhl von Graetz. inne. Braun hat zahlreiche Arbeiten auf den! Gebiete der jüdischen Geschichtsforschung veröffentlicht, insbesondere auch eine kur/gefatltc Oeschichte der Juden, die allerdings modernen Ansprüchen nicht gerecht wird. Der Verstorbene war auch führendes Vorstandsmitglied der Gesellschaft Wissenschaft des Judentums, in deren Auftrag er die Monatsschrift für die Wissenschaft des Judentums herausgab. Dem politisehen Leben hat Professor Brann fcrngestamlcn, doch war er ein warmer Freund des Gedankens der jüiiisehen Schule in Deutschland. Die schulentwachsene Jugend gehört meist zum Chaluz und ist recht revolutionär gesonnen, besonders auch in bezug auf Formen und Ueberliefcningcn. Seltsam sticht davon das starre Festlich«» an der Traditio!״ und die fast kindliche Frömmigkeit der Alten ab, das heißt derjenigen, die zwei Generatkmion älter sind; die Eltern der Kinder bilden meist schon einen Ucbergaiig, es ist kein so schroffer Gegensatz wie sonst oft in Rußland■ und einige sind selbst Zionisten. Zu Rosch-hascli.mah war ich itn Beth-hnkmsscth. Wie in allen Synagogen des Ostens ist oben für die Frauen nur ein schmaler Raum gebaut und nur diejenigen, die ganz vom ihre Plätze haben, können den Gottesdienst unten verfolgen. Die übrigen beten für sich. Aber auch hier fiel mir die Innigkeit des Gebetes auf und wie bei ulen Klängen des Schofar ein Schluchzen durch diese Frauen ging — das erschütterte mich mit in tiefster Seele. Ich ging am Nachmittag, nach dem Minchahgebet auch mit zum ״Taschlich“. Da zogen 20 bis 30 steiiutte Mütterdien, gebückt und langsam, über den Markt hin zu der Wiese, wo ein kleines Bä.hlciri rinnt Dort standen sie, den Kopf mit dem schwarzen Schleier verhüllt, inmitten der blühenden Wiese und hatten sieh tief über ihre Gebetbücher gebeugt und weinten oh ihrer Sünden: ״Asoi wie die Wasser lauft weiter, asoi soll׳» unsre Sind aweg und uns nit mehr gerechnet sein.“ Und! dazu lachte der Himmel im klarsten Blau eines goldenen Herbsttages, kleine Kinder sprangen lustig tanlicr und jauchzten über die schönen, glattbmunen Kastanien, tlie schwer zur Erde fielen und sich aus den Schalen lösten — •und die alten Weiblcin, die doch sicherlich nie etwas Böses getan hatten, wollten fast vergelten vor Verzweiflung und Kummer. Als ich mit zwei Schülerinnen von der Wiese fortging, kamen uns immer noch Trupps von alten Frauen entgegen, die ihre Sünden in den Bach werte« wollten. Die eine rief uns zu: ״Ihr Meidelach darft noch nicht

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